Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (und wie am Ende alle glücklich wurden) - Lois Lowry - E-Book

Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby (und wie am Ende alle glücklich wurden) E-Book

Lois Lowry

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Beschreibung

Wie die Willoughby-Kinder zu glücklichen Waisen wurden Die Willoughby-Geschwister – Timothy, die Zwillinge Barnaby A und Barnaby B und ihre kleine Schwester Jane – sind altmodische Kinder, die altmodische Abenteuer lieben. Unglücklicherweise sind die Willoughby-Eltern nicht besonders angetan von ihren Kindern. Tatsächlich ist es umgekehrt nicht anders. Auf dem Weg zu ihrem ersehnten Ziel – dem Dasein als Waisen – erleben die Geschwister so manches altmodische Abenteuer und machen seltsame Bekanntschaften, zum Beispiel mit einem skurrilen Kindermädchen, einem scheußlichen Baby und einem melancholischen Fabrikanten. Selbstverständlich gibt es ein ordnungsgemäßes Happy End für alle Beteiligten – wie bei allen altmodischen Kinderbüchern.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 133




Lois Lowry

Die schreckliche Geschichte der abscheulichen Familie Willoughby

Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München

Ein Roman, von der Autorin absolut schonungslos verfasst und völlig unerhört illustriert

Für meine deutschen Mädchen

Nadine und Annika

1.Die altmodische Familie und das hässliche Baby

Es war einmal eine Familie, die Willoughby hieß – ein sehr altmodischer Familientypus mit vier Kindern.

Das älteste Kind war ein Junge, der auf den Namen Timothy hörte; er war zwölf. Barnaby und Barnaby waren zehn Jahre alt und Zwillinge. Niemand konnte sie auseinanderhalten und das Ganze wurde dadurch noch verwirrender, dass beide denselben Namen trugen; deshalb wurden sie Barnaby A und Barnaby B genannt. Die meisten Menschen einschließlich ihrer Eltern kürzten die Namen einfach zu A und B, und viele waren sich gar nicht bewusst, dass die Zwillinge überhaupt einen Namen hatten. Außerdem gab es auch noch ein Mädchen, ein kleines schüchternes und hübsches Ding mit Brille und Ponyfrisur. Sie war die Jüngste, gerade mal sechseinhalb, und hieß Jane.

Die vier lebten in einem großen schmalen Haus in einer gewöhnlichen Stadt und taten, was Kinder in altmodischen Geschichten eben so tun. Sie gingen zur Schule und ans Meer. Sie feierten Geburtstagspartys. Ab und zu wurden sie in den Zirkus oder den Zoo mitgenommen, obwohl sie sich für beides nicht sonderlich interessierten, mit Ausnahme der Elefanten.

Ihr Vater, ein ungeduldiger und jähzorniger Mann, arbeitete in einer Bank, wohin er jeden Tag mit seiner Aktentasche und einem Regenschirm ging, auch dann, wenn es nicht regnete. Ihre Mutter, die sehr faul und übellaunig war, ging nicht zur Arbeit. Mit einer Perlenkette um den Hals bereitete sie widerwillig die Mahlzeiten zu. Einmal las sie ein Buch, fand es jedoch geschmacklos, weil es Adjektive enthielt. Gelegentlich schaute sie mal in eine Zeitschrift.

Die Willoughby-Eltern vergaßen oft, dass sie Kinder hatten, und wurden sehr ungehalten, wenn man sie daran erinnerte.

Tim, der Älteste, hatte ein goldenes Herz, so wie viele altmodische Jungen, doch er versteckte es hinter einer irgendwie herrischen Schale. Er war derjenige, der stets entschied, was die Kinder tun sollten: welche Spiele sie spielten (»Wir spielen jetzt eine Runde Schach«, erklärte er gelegentlich, »und die Regel lautet: Nur Jungs dürfen spielen, während das Mädchen jedes Mal Kekse serviert, wenn eine Schachfigur fällt.«), wie sie sich in der Kirche zu verhalten hatten (»Kniet euch brav hin und macht ein freundliches Gesicht, aber denkt immer bloß an Elefanten«, wies er sie einmal an), ob sie essen sollten, was ihre Mutter gekocht hatte (»Wir mögen das nicht«, konnte er zum Beispiel verkünden, dann legten alle die Gabeln beiseite und weigerten sich, den Mund zu öffnen, auch dann, wenn sie sehr, sehr hungrig waren).

Einmal, nachdem sie sich wieder geweigert hatten zu essen, flüsterte ihm seine Schwester heimlich ins Ohr: »Für mich sah es gut aus.«

Aber Tim starrte sie böse an und antwortete: »Das war Kohlroulade. Wir mögen keine Kohlrouladen.«

»Okay«, sagte Jane und seufzte. Hungrig ging sie zu Bett und träumte wie so oft, dass sie älter und selbstsicherer würde und irgendwann alle Spiele spielen könnte, die ihr gefielen, und alles essen dürfte, was sie mochte.

Das Leben der vier verlief genau so, wie das Leben in altmodischen Geschichten nun mal verläuft.

Eines Tages fanden sie sogar ein Baby vor ihrer Haustür. Das passiert sehr oft in altmodischen Geschichten. Zum Beispiel die Bobbsey-Zwillinge in den Romanen von Laura Lee Hope fanden einmal ein Baby vor ihrer Haustür. Aber bei den Willoughbys war das noch nie passiert. Das Baby lag in einem Weidenkorb und trug einen Pullover, an dem eine Nachricht befestigt war.

»Ich frage mich, wieso Vater das Baby nicht bemerkt hat, als er heute Morgen zur Arbeit ging«, sagte Barnaby A und schaute zu dem Korb hinab, der die Stufen zu ihrem Haus versperrte, als die Kinder zu einem Spaziergang im nahe gelegenen Park aufbrechen wollten.

»Vater kriegt gar nichts mit – das weißt du doch«, stellte Tim fest. »Der steigt über jedes Hindernis hinweg. Ich wette, er hat den Korb einfach zur Seite geschoben.« Sie starrten alle hinab auf den Korb und das Baby, das ganz fest schlief.

Sie stellten sich vor, wie ihr Vater mit einem großen Schritt hinübergestiegen war, nachdem er den Korb zuvor mit seinem zusammengeklappten schwarzen Schirm leicht aus dem Weg geschubst hatte.

»Wir könnten es für die Müllabfuhr rausstellen«, schlug Barnaby B vor. Wenn du, A, am einen Griff anfasst und ich am andern, dann schaffen wir den Korb bestimmt ohne Probleme die Treppe hinunter. Sind Babys schwer?«

»Bitte, können wir vielleicht mal die Nachricht lesen?«, fragte Jane und versuchte, selbstbewusst zu klingen, so wie sie es heimlich geübt hatte.

Die Nachricht war zusammengefaltet, sodass man die Schrift nicht sehen konnte.

»Ich denke, das ist nicht nötig«, antwortete Tim.

»Ich finde, doch«, sagte Barnaby B. »Sie könnte ja irgendwas Wichtiges enthalten.«

»Vielleicht gibt es eine Belohnung für den, der das Baby findet«, schlug Barnaby A vor. »Oder womöglich ist es ein Erpresserbrief.«

»Schwachkopf!«, sagte Tim. »Erpresserbriefe schicken die, die das Baby haben.«

»Vielleicht können wir dann ja einen schicken«, meinte Barnaby A.

»Vielleicht steht ja der Name des Babys drin«, sagte Jane. Jane interessierte sich sehr für Namen, weil sie immer das Gefühl hatte, ihrer sei völlig unpassend, weil er zu wenige Silben besaß. »Ich würde gerne den Namen wissen.«

Das Baby rührte sich und schlug die Augen auf.

»Ich nehme an, in der Nachricht steht eine Anleitung für das Baby«, sagte Tim und schaute hinab auf den Zettel. »Vielleicht sagt sie ja, wohin mit einem Baby, wenn man eines findet.«

Das Baby fing an zu quengeln und bald darauf wurde aus dem Quengeln ein lautes Schreien.

»Oder«, sagte Barnaby B und hielt sich die Ohren zu, »wie man es davon abhält zu schreien.«

»Wenn die Nachricht den Namen nicht nennt, darf ich dem Baby dann einen geben?«, fragte Jane.

»Und wie würdest du das Baby nennen?«, fragte Barnaby A neugierig.

Jane überlegte. »Irgendwas mit drei Silben, glaube ich«, antwortete sie. »Babys haben drei Silben verdient.«

»Brittany?«, fragte Barnaby A.

»Vielleicht«, antwortete Jane.

»Madonna?«, schlug Barnaby B vor.

»Nein«, sagte Jane. »Ich bin für Taffeta.«

Inzwischen wedelte das Baby mit seinen Fäusten, trat mit den pummeligen Beinchen und kreischte lautstark. Die Katze der Willoughbys erschien an der Haustür, schaute kurz zu dem Korb hinunter, zuckte mit den Schnurrhaaren und jagte dann schnell wieder ins Haus, als wenn sie das Geräusch beunruhigen würde. Das Baby klang in der Tat ein bisschen wie ein jaulendes kleines Kätzchen; vielleicht war das ja der Grund.

Schließlich griff Tim nach unten, an den wirbelnden kleinen Fäusten vorbei, löste die Nachricht von dem Pullover und las sie stumm. »Das Übliche«, sagte er schließlich zu den andern. »Rührselig. Genau, was ich erwartet hatte.«

Jetzt las er die Nachricht laut vor. »Ich habe dieses Haus gewählt, weil es so aussieht, als wenn hier eine glückliche, liebevolle Familie wohnt, die wohlhabend genug ist, noch ein weiteres Kind zu ernähren. Ich bin leider Gottes sehr arm. Ich habe schwere Zeiten erlebt und kann nicht für mein armes kleines Kind sorgen. Bitte seid gut zu ihm.«

»Nehmt ihr den einen Griff, Zwillinge«, sagte Tim zu seinen Brüdern. Er griff nach dem zweiten gegenüber. »Jane, und du trägst die Nachricht. Wir schaffen das abscheuliche Ding ins Haus.«

Jane nahm die zusammengefaltete Nachricht und folgte ihren Brüdern, die den Korb anhoben, ihn in die große Diele des Hauses trugen und dort auf dem Orientteppich abstellten. Der Lärm, den das Baby verbreitete, war nicht zu überhören.

Ihre Mutter runzelte die Stirn und öffnete die Tür am anderen Ende der langen Diele. Sie trat aus der Küche. »Was ist das für ein Lärm?«, fragte sie. »Ich versuche, mich zu erinnern, welche Zutaten zu einem Hackbraten gehören, und kann mich nicht denken hören.«

»Oh, jemand hat ein hässliches Baby vor unserer Haustür abgestellt«, erklärte ihr Tim.

»Meine Güte, wir wollen kein Baby!«, antwortete ihre Mutter und trat auf sie zu, um nachzuschauen. »Die Sache gefällt mir ganz und gar nicht.«

»Ich würde es gern behalten«, sagte Jane mit dünner Stimme. »Ich finde es süß.«

»Nein, es ist nicht süß«, sagte Barnaby A und schaute auf das Baby im Korb.

»Überhaupt nicht süß«, stimmte Barnaby B zu.

»Es hat Locken«, betonte Jane.

Ihre Mutter schaute auf das Baby, dann griff sie in den beigefarbenen Nähkorb, den sie auf dem Tisch in der Diele stehen hatte. Sie zog eine kleine goldbeschichtete Schere heraus und schnippte ein paar Mal nachdenklich damit in der Luft. Dann beugte sie sich über den Korb und setzte die Schere an.

»Jetzt hat es keine Locken mehr«, stellte sie klar und steckte die Schere wieder zurück.

Jane starrte auf das Baby. Auf einmal hörte es auf zu weinen und starrte mit weit aufgerissenen Augen zurück. »Oje, ohne Locken ist es gar nicht süß«, sagte Jane. »Ich glaube, ich will das Baby nicht mehr.«

»Bringt es irgendwo anders hin, Kinder«, meinte ihre Mutter und wandte sich wieder in Richtung Küche. »Entsorgt es. Ich muss mich um den Hackbraten kümmern.«

Die vier Kinder trugen den Korb wieder hinaus. Sie überlegten. Sie diskutierten das Problem. Es war Barnaby A, der schließlich einen Plan hatte und ihn Tim vortrug, weil der sämtliche Entscheidungen für die Gruppe fällte.

»Holt den Wagen«, befahl Tim.

Die Zwillinge holten ihren Bollerwagen von dort, wo er zwischen Fahrrädern unter der Treppe des Hauses stand. Die Jungen stellten den Korb in den Wagen, während ihre Schwester zusah. Dann zogen sie den Wagen mit dem Baby im Korb abwechselnd die Straße entlang, überquerten sie (vorschriftsmäßig wartend, bis die Ampel auf Grün schaltete), liefen noch zwei Querstraßen weiter und schließlich um die Ecke in Richtung Westen, bis sie nach einem langen Weg ihr Ziel erreichten und vor dem sehr abstoßend wirkenden Haus anhielten, das als die Melanoff-Villa bekannt war. Der Herr, der dort wohnte, war Millionär. Wahrscheinlich sogar Milliardär. Doch er kam nie heraus. Er blieb stets in seinen vier Wänden bei den vors Fenster gezogenen schimmeligen Vorhängen, zählte grimmig sein Geld. Wie bei Ebenezer Scrooge aus jener altmodischen Weihnachtsgeschichte hatten auch hier tragische Ereignisse dazu geführt, dass er jedes Interesse am Leben draußen verloren hatte.

Die Villa war viel größer als alle anderen Häuser in der Umgebung, doch sie wirkte ungepflegt. Der schmiedeeiserne Zaun um den Garten herum kippte nach innen und war an diversen Stellen verbogen, der Garten selbst war übersät von weggeworfenen alten Möbeln. Auch einige Fenster waren kaputt und zugenagelt und eine schmächtige Katze kratzte sich und miaute auf der Veranda.

»Warte, A«, sagte Tim, gerade als sein Bruder das Gartentor aufstoßen wollte. »Ich muss noch etwas zu der Nachricht ergänzen.« Er streckte seine Hand Jane entgegen, die das zusammengefaltete Blatt vorsichtig in ihr Rüschenkleid gesteckt hatte, und Jane reichte es ihm.

»Bleistift«, verlangte Tim, und einer der Zwillinge – denn die Geschwister waren es gewohnt, alles, was Tim womöglich irgendwann brauchen und fordern könnte, stets bei sich zu tragen – reichte ihm einen Bleistift.

Barnaby B drehte sich um, damit Tim seinen Rücken als Tisch nutzen konnte.

»Weißt du, was ich geschrieben habe, B?«, fragte Tim seinen Bruder, nachdem er fertig war.

»Nein, hat sich nur wie Gekritzel angefühlt.«

»Du musst mehr üben«, sagte Tim. »Wenn mein Rücken der Tisch gewesen wäre, würde ich jedes Wort wiedergeben können, einschließlich Interpunktion. Übe gefälligst, wenn du die Möglichkeit dazu hast.«

Barnaby B nickte.

»Du auch, A«, meinte Tim mit einem Blick zu dem anderen Zwilling.

»Mach ich«, versprach Barnaby A.

»Ich auch«, bot Jane an.

»Nein. Du musst nicht üben, du bist ja ein Mädchen. Dich wird nie jemand bitten, etwas Wichtiges zu tun«, erwiderte Tim.

Jane fing ein bisschen an zu weinen, doch nur ganz leise, damit es niemand merkte. Sie schwor sich unter ihren kleinen leisen Tränen hinweg, eines Tages würde sie Tim beweisen, dass er sich irrte.

»Hier ist, was ich geschrieben habe«, erklärte Tim, hielt die Nachricht in die Höhe und las sie laut vor. »›P. S. Wenn auf das hässliche Kind eine Belohnung ausgesetzt wird, sollte die Summe an die Willoughbys gehen.‹«

Die anderen Kinder nickten. Sie fanden das P. S. eine gute Idee.

»Du könntest vielleicht besser ›muss‹ schreiben anstatt ›sollte‹«, schlug Barnaby B vor.

»Gute Idee, B. Dreh dich um.«

Barnaby B drehte sich um und Tim benutzte wieder seinen Rücken als Tisch, radierte ein Wort aus und ersetzte es durch das andere. Barnaby B konnte spüren, wie er es unterstrich. Dann las Tim den Satz laut vor: »›Wenn auf das hässliche Kind eine Belohnung ausgesetzt wird, muss die Summe an die Willoughbys gehen.‹«

Er faltete die Nachricht wieder zusammen und beugte sich zu dem Korb hinunter. Dann verharrte er.

»Dreh dich noch einmal um, B«, kommandierte er. Nachdem sich sein Bruder umgedreht hatte, um ein weiteres Mal seinen Rücken zu einem Tisch zu machen, schrieb Tim noch einen Satz dazu. Schließlich faltete er die Nachricht wieder zusammen und heftete sie an den Pullover des Babys.

»Los, ans Tor, Jane«, sagte Tim und sie zog es auf. »Und jetzt eins, zwei, drei: HOCHHEBEN!« Gemeinsam hoben die Jungen den Korb mit dem Baby aus dem Wagen. Sie trugen ihn zu der durchhängenden, verstaubten Veranda der Villa und ließen ihn dort zurück.

Die Willoughbys gingen wieder nach Hause.

»Was hast du in der Nachricht noch ergänzt, Tim?«, fragte Barnaby A.

»Noch ein P. S.«

»Und was stand in dem zweiten P. S., Tim?«, fragte Barnaby B.

»Dass der Name des Mädchens Barbara ist.«

»Wieso Barbara?«, wollte Jane wissen.

»Weil«, antwortete Tim mit einem verschlagenen Lächeln, »wir die barbarischen Willoughbys sind.«

2.Eine Elternverschwörung

Mr und Mrs Willoughby saßen nach dem Abendessen vor dem Kamin. Er las eine Zeitung und sie strickte etwas aus beigefarbener Wolle.

Die vier Kinder betraten in ihren Flanell-Schlafanzügen das Zimmer.

»Ich stricke der Katze einen Pullover«, erklärte ihnen Mrs Willoughby und hielt das Teil hoch, an dem man schon einen kleinen und dünnen Ärmel erkennen konnte.

»Ich hatte gehofft, du würdest vielleicht einen zweiten Pullover für mich und B stricken«, sagte Barnaby A. »Es ist schwer, einen Pullover immer abwechselnd zu tragen.«

»Ich habe es doch wieder und wieder erklärt«, sagte ihre Mutter ärgerlich. »Du, A, trägst den Pullover montags, mittwochs und freitags. Und du, B, bist dienstags, donnerstags und samstags dran. Sonntags könnt ihr euch von mir aus um den Pullover streiten.«

Sie wandte sich zu ihrem Mann um. »Es ist abscheulich«, sagte sie, »dass jedes Kind heutzutage seinen eigenen Pullover haben will.« Eifrig strickte sie ein paar Maschen weiter.

»Kinder?«, sagte Mr Willoughby mit ungeduldiger Stimme und senkte die Zeitung. »Wolltet ihr irgendwas?«

»Wir hatten gehofft, ihr würdet uns eine Geschichte vorlesen«, sagte Tim. »In altmodischen Büchern lesen Eltern immer vor, bevor die Kinder ins Bett müssen.«

»Soweit ich mich erinnere, macht das stets die Mutter«, antwortete Mr Willoughby und schaute zu seiner Frau.

»Ich habe zu tun«, sagte Mrs Willoughby. »Die Katze braucht einen Pullover.« Hastig strickte sie eine weitere Masche.

Mr Willoughby schaute finster. »Gebt mir ein Buch«, sagte er.

Tim ging an den Bücherschrank und fuhr mit dem Finger die Bände entlang, die auf dem Regal standen. »Beeil dich«, sagte sein Vater. »Ich bin mitten in einem Zeitungsartikel über Zinssätze.«

Schnell reichte ihm Tim einen Band mit Märchen. Sein Vater öffnete das Buch in der Mitte, während sich die Kinder in einem Halbkreis um ihn scharten. So sah es aus wie ein Bild auf einer Weihnachtskarte. »Gott segne uns, jeden einzelnen!«, murmelte Barnaby A, aber Tim stieß ihn in die Rippen. Mr Willoughby fing an, laut vorzulesen.