Die Schwelle zur Lust - Armin R - E-Book

Die Schwelle zur Lust E-Book

Armin R

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Beschreibung

Sie lesen es nicht nur – Sie werden zum unsichtbaren Dritten in dieser Ehe. Fühlen Sie mit Lena und Elias jeden Schmerz, jede brennende Eifersucht und jede Angst, die sie auf ihrer Suche nach der verlorenen Leidenschaft durchleben. Was passiert, wenn die Neugier stärker wird als die Vernunft? Lena und Elias führen ein Leben, das viele von uns kennen: Man liebt sich, man vertraut sich, aber die Leidenschaft ist im Alltag leise geworden. Doch anstatt sich damit abzufinden, wagen sie den radikalsten Schritt, den ein Paar gehen kann. Sie öffnen die Tür zum Labyrinth, einer Welt jenseits der Tabus. ArminR erzählt keine gewöhnliche Geschichte. Er nimmt Sie an die Hand. Sie werden nicht nur lesen, wie Lena und Elias ihre Ängste überwinden – Sie werden es spüren. Den schweren Duft, das Herzklopfen, die Gänsehaut. Begleiten Sie die beiden auf ihrer Reise durch die Nacht. Erleben Sie, wie aus zwei vorsichtigen Beobachtern entfesselte Liebende werden, die erkennen müssen: Die größte Gefahr für die Liebe ist nicht das Risiko, sondern die Stille. Dieses Buch wird Sie nicht loslassen. Es wird Sie dazu bringen, Ihren Partner anzusehen und sich zu fragen: Wie weit würden wir gehen? Diese Frage

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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Seitenzahl: 145

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Die Schwelle zur Lust

von ArminR

Impressum

Copyright: ArminR

Jahr: 2025

ISBN: 9789403856902

Lektorat/ Korrektorat: ArminR

Illustrationen: ArminR

Covergestaltung: ArminR

Weitere Mitwirkende: meine Frau

Verlagsportal:

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig

Lena & Elias: Ein Porträt

Zwei Leben, eine Geschichte.

Lena und Elias sind das Paar, das man vom Einkaufen kennt, das freundlich im Treppenhaus grüßt und bei dem immer alles in Ordnung scheint. Sie führen ein ganz normales Leben – mit normalen Sorgen, normalen Freuden und dem ständigen Versuch, am Ende des Monats noch etwas vom Gehalt übrig zu haben. Doch hinter der Fassade der Durchschnittlichkeit verbirgt sich eine Sehnsucht, die sie selbst lange nicht benennen konnten, und ein stiller Schmerz, über den sie aufgehört haben zu sprechen.

Die Begegnung: Tanz in den Mai

Kennengelernt haben sie sich vor vierzehn Jahren auf einem Zeltfest in ihrer Heimatstadt. Es war keine Szene aus einem Hollywood-Film, sondern das echte Leben: Die Musik war laut, das Bier war billig, und Lena hatte ihren Anschluss verpasst.

Elias, der eigentlich nur da war, weil seine Kumpels vom Fußballverein ihn mitgeschleppt hatten, sah sie an der Bushaltestelle stehen. Er war damals gerade mit seiner Lehre fertig, fuhr einen alten, klapprigen Golf und hatte kaum Geld für Benzin. Trotzdem bot er an, sie nach Hause zu fahren. Für Lena, die sich oft unsicher fühlte und jemanden brauchte, der einfach da war, war Elias’ ruhige, verlässliche Art genau das Richtige. Er war kein Aufreißer. Er war ein Anker.

Zwei Jahre später heirateten sie – eine kleine Feier im Vereinsheim, aber mit viel Herz.

Der Alltag: Rechnen und Funktionieren

Elias (38) arbeitet als Sachbearbeiter in der Buchhaltung einer Spedition. Er hat keine Karriereleiter erklommen, aber er hat einen sicheren Job. Er ist der Mann, der Ordnung liebt. Er prüft jede Rechnung zweimal, nicht weil er kleinlich ist, sondern weil er weiß, wie hart sie für ihr Geld arbeiten müssen. Der Kredit für ihre Doppelhaushälfte drückt, und Elias ist derjenige, der nachts wach liegt und rechnet.

Lena (35) hat nach der Realschule eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Sie arbeitet halbtags im Sekretariat eines mittelständischen Handwerksbetriebs. Sie ist die Stimme am Telefon, die freundliche Frau am Empfang, die den Laden zusammenhält. Abends ist sie oft müde vom „Nettsein“. Sie liebt es, dass Elias zu Hause die Entscheidungen trifft, weil sie den ganzen Tag für andere mitdenken muss.

Der Schatten: Das leere Kinderzimmer

Es gibt ein Zimmer im ersten Stock ihres Hauses, das sie "Gästezimmer" nennen. Aber eigentlich war es für etwas anderes gedacht. Seit Jahren wünschen sie sich ein Kind. Sie haben alles versucht. Es gab Arzttermine, Hoffnungen, Enttäuschungen und Tränen. Irgendwann kam die Diagnose: Es liegt an Elias. Es ist auf natürlichem Weg fast unmöglich. Elias trägt schwer an dieser Last. Er fühlt sich oft, als hätte er Lena enttäuscht, als wäre er „kein ganzer Mann“. Lena hat ihm nie einen Vorwurf gemacht, aber das Thema ist zu einem blinden Fleck in ihrer Ehe geworden. Man spricht nicht darüber, um den anderen nicht zu verletzen. Stattdessen haben sie ihr Leben mit Routinen gefüllt, um die Stille nicht zu hören, die dort herrscht, wo eigentlich Kinderlachen sein sollte.

Was sie verbindet

Trotz allem ist ihr Leben nicht leer. Sie haben sich eingerichtet.

Die Geselligkeit: Sie sind bekannt für ihre legendären Spieleabende. Einmal im Monat ist das Haus voll. Freunde kommen vorbei, es gibt Bier, selbstgemachte Pizza und Brettspiele, bei denen es laut und lustig zugeht. In diesen Momenten, wenn sie im Team gegen andere Paare spielen, spüren sie ihre Verbundenheit am stärksten. Sie sind ein unschlagbares Team – zumindest am Spieltisch.

Das Zuhause: Ihr größter Stolz ist ihr kleines Haus. Sie haben vieles selbst renoviert, um Geld zu sparen. Elias hat die Fliesen gelegt, Lena hat die Wände gestrichen. Jeder Winkel erzählt von ihrer gemeinsamen Arbeit.

Die Träume: Sie sparen lange für besondere Dinge. Der Besuch im Labyrinth ist für sie keine Kleinigkeit, bei der man mal eben Geld aus dem Fenster wirft. Es ist eine Investition. Ein Wagnis, für das sie auf anderes verzichten mussten.

Sie sind ein Paar, das fest zusammenhält, weil sie wissen, dass sie sich nur auf den anderen verlassen können. Aber in der Routine des Rechnens, des Sparens und des Schweigens über die unerfüllten Träume haben sie vergessen, wie sich Verschwendung anfühlt – die Verschwendung von Gefühlen und purer Lust.

Kapitelübersicht: Die Schwelle zur Lust

Akt I: Die Routine und die Regeln

Kapitel 1: Die Stille des Geschirrs

Kapitel 2: Der gefährliche Vorschlag

Kapitel 3: Die Regeln des Überlebens

Kapitel 4: Die rote Rüstung

Kapitel 5: Der erste Blick hinter den Vorhang

Kapitel 6: Der Pakt des Samtvorhangs

Akt II: Der Höhepunkt und die Entgrenzung

Kapitel 7: Der erste Kuss der Freiheit

Kapitel 8: Kontrollverlust und das doppelte Begehren

Kapitel 9: Im Strudel der geteilten Lust

Kapitel 10: Das Echo der Vereinigung

Kapitel 11: Die Stille danach und der neue Anfang

Kapitel 12: Der Heimweg im Morgengrauen

Akt III: Die Integration und die neue Wahrheit

Kapitel 13: Der Geruch von Gewöhnlichkeit

Kapitel 14: Die Probe aufs Exempel

Kapitel 15: Die Kunst der Ehrlichkeit

Kapitel 16: Die Eifersucht des Alltags

Kapitel 17: Die Angst vor der neuen Routine

Kapitel 18: Der zweite Besuch – als Paar

Kapitel 19: Der finale Pakt der Freiheit

Kapitel 20: Epilog: Das rote Kleid

Akt I:

Die Routine und die Regeln

Kapitel 1: Die Stille des Geschirrs

Der Mittwochabend besaß die Konsistenz von altem Kaugummi – zäh, geschmacklos und endlos in die Länge gezogen.

Lena saß am Küchentisch und starrte auf ihren Teller. Es gab Hähnchenbrust mit Reis und einer leichten Zitronensauce. Ein Gericht, das sie in den letzten zwölf Jahren ihrer Ehe so perfektioniert hatte, dass es keine Überraschungen mehr bot. Es schmeckte sicher. Es schmeckte nach Routine.

Gegenüber von ihr saß Elias. Das einzige Geräusch im Raum war das rhythmische Klick-Kratz seiner Gabel auf dem Porzellan. Lena konzentrierte sich auf dieses Geräusch. Es war lauter als alles andere in ihrem Leben. Klick. Er stach in ein Stück Fleisch. Kratz. Er schob etwas Reis dazu. Kauen. Schlucken. Stille.

„War gut“, sagte Elias schließlich. Er legte das Besteck parallel auf den Teller – vier Uhr zwanzig, genau wie es der Knigge verlangte. Er tupfte sich mit der Papierserviette den Mund ab, eine unnötig formelle Geste für ihren eigenen Küchentisch an einem gewöhnlichen Mittwoch.

„Danke“, erwiderte Lena automatisch. Sie sah nicht auf. Sie war damit beschäftigt, die letzten Reiskörner auf ihrem Teller zu einem kleinen Hügel zusammenzuschieben. Es war eine sinnlose Beschäftigung, aber sie bewahrte sie davor, den Kopf zu heben und ihm in die Augen sehen zu müssen.

Denn wenn sie ihn ansah, würde sie wieder diesen einen, bestimmten Ausdruck sehen. Oder schlimmer: Sie würde gar keinen Ausdruck sehen.

„Wie war es im Büro?“, fragte sie. Die Frage kam nicht aus Interesse, sondern aus Angst vor der Stille. Die Stille war gefährlich. In der Stille hörte man die Gedanken, die man nicht aussprechen durfte.

Elias seufzte leise. Er lehnte sich zurück, und der alte Holzstuhl knarrte protestierend. „Wie immer. Der neue Kunde macht Probleme mit den Fristen, aber ich habe es geregelt. Chef war zufrieden.“

„Das ist schön“, sagte Lena.

„Und bei dir?“, fragte er zurück. Es war der verbale Ping-Pong-Ball, den er pflichtschuldig zurückspielte.

„Der ganz normale Wahnsinn“, antwortete sie und stand auf, um die Teller abzuräumen. „Nichts, was die Welt bewegt.“

Sie bewegte sich zum Spülbecken. Als sie an ihm vorbeiging, spürte sie seinen Blick. Es war kein heißer Blick, der ihren Hintern streifte. Es war der scannende Blick eines Mannes, der Inventur machte. Er sah ihre mittelkräftige Figur in der bequemen Hauskleidung, ihr mittellanges, leicht gewelltes Haar, das sie heute Morgen hastig hochgesteckt hatte. Er sah die helle Uhr an ihrem linken Handgelenk.

Er sah seine Ehefrau. Er sah die Frau, die seine Steuererklärung mit ihm machte.

Aber er sah nicht Lena.

Das Wasser rauschte aus dem Hahn, heiß und dampfend. Lena schloss für eine Sekunde die Augen. Sie erinnerte sich an eine Zeit, vor zehn, vielleicht zwölf Jahren, da hätte Elias sie beim Vorbeigehen an der Taille gepackt. Er hätte sie an sich gezogen, während sie lachend versucht hätte, die Teller zu balancieren. Sie hätten vielleicht das Abwaschen vergessen und wären im Flur übereinander hergefallen.

Jetzt stand Elias auf und strich sein Hemd glatt. „Ich gehe schon mal rüber. Nachrichten schauen.“

„Ich komme gleich nach“, sagte Lena.

Als sie die Küche aufgeräumt hatte – jeder Topf an seinem Platz, jede Oberfläche gewischt –, ging sie ins Wohnzimmer. Der Fernseher warf ein flackerndes, blaues Licht in den Raum. Elias saß auf seiner Seite des Sofas, die Beine ausgestreckt.

Lena setzte sich dazu. Nicht zu nah, um ihn nicht einzuengen, aber nah genug, um die Illusion von Zweisamkeit zu wahren.

„Willst du heute Abend noch einen Film schauen?“, fragte sie leise. „Der neue Thriller ist auf Netflix, über den alle reden.“

Elias starrte weiter auf den Nachrichtensprecher. „Vielleicht“, sagte er.

In diesem Vielleicht lag das gesamte Elend ihrer Situation. Es war kein „Ja, gerne!“. Es war auch kein „Nein, ich bin müde“. Es war ein Vielleicht, das bedeutete: Wenn du darauf bestehst, mache ich es, damit wir nicht reden müssen.

Sie wusste genau, wie der Abend verlaufen würde. Sie würden nebeneinander sitzen. Sie würde vielleicht ihren Kopf auf seine Schulter legen, und er würde ihren Arm tätscheln – rhythmisch, beruhigend, tödlich langweilig. Wie man einen Hund streichelte, der brav war. Um elf Uhr würden sie ins Bett gehen. Er würde ihr einen flüchtigen Kuss auf die Stirn geben. Es war die zärtliche Pflicht der Ehe, völlig entkernt von jeglicher fiebrigen Hoffnung auf Leidenschaft.

„Lass gut sein“, sagte Lena und griff nach ihrem Buch. „Ich lese noch ein bisschen.“

Zwei Stunden später lagen sie im Bett. Das Zimmer war dunkel, nur der Wecker warf rote Zahlen an die Wand: 23:14 Uhr.

Elias lag auf seiner Seite, den Rücken zu ihr gekehrt. Seine Atmung war bereits tief und regelmäßig.

„Gute Nacht, Lena“, hatte er gemurmelt, bevor er das Licht gelöscht hatte.

„Gute Nacht, Elias.“

Lena lag auf dem Rücken und starrte an die Zimmerdecke, die sie in der Dunkelheit nur erahnen konnte. Sie wusste, dass Elias noch nicht schlief. Sie konnte die Spannung in seinem Rücken fast spüren, der nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.

Die Matratze bildete eine winzige Senke zwischen ihnen, aber es fühlte sich an wie ein Canyon.

Sie fragte sich, woran er dachte. Dachte er an eine andere Frau? Dachte er an die Arbeit? Oder lag er einfach nur da und fragte sich, genau wie sie, wann genau aus dem lodernden Feuer diese lauwarme Asche geworden war?

Die Stille im Schlafzimmer war anders als die in der Küche. In der Küche war sie nur leer gewesen. Hier im Bett war sie erdrückend. Sie war vollgestopft mit all den Berührungen, die nicht stattfanden.

Elias drehte sich im Schlaf um. Seine Hand landete unabsichtlich auf ihrer Hüfte. Lena hielt den Atem an. Für einen Moment hoffte sie, dass seine Finger sich krümmen würden, dass er sie heranziehen würde, grob und fordernd.

Aber die Hand lag nur da, schwer und leblos. Nach wenigen Sekunden zog er sie im Schlaf wieder zurück.

Eine einzelne Träne lief aus Lenas Augenwinkel, heiß und kitzelnd, und verschwand in ihrem Haar. Sie wischte sie wütend weg. Es brachte nichts zu weinen. Es war ja nichts Schlimmes passiert. Er schlug sie nicht, er betrog sie nicht, er vergaß ihren Hochzeitstag nicht.

Aber manchmal, dachte Lena, während sie sich auf die Seite drehte und die Decke bis zum Kinn zog, manchmal wäre ein Streit besser als dieses Nichts. Ein Streit wäre wenigstens laut.

Die Stille des Geschirrs war nichts im Vergleich zur Stille ihres Körpers, der schrie, ohne einen Ton von sich zu geben.

Es musste sich etwas ändern. Oder sie würde in dieser perfekten, sauberen Stille ersticken.

Kapitel 2: Der gefährliche Vorschlag

Der Donnerstagabend roch nach Fisch und unterschwelliger Anspannung. Der einzige Unterschied zum Mittwoch war das Gericht auf dem Tisch: Lachsfilet mit Rosmarinkartoffeln statt Hähnchen mit Reis. Eine Variation in Nuancen, aber das Ergebnis blieb gleich – zwei Menschen, die kauten, schluckten und dabei sorgfältig darauf achteten, nicht zu viel Lärm zu machen.

Nach dem Essen hatte Lena sich wie gewohnt in die Küche zurückgezogen. Sie stand an der Spüle, die Hände tief im warmen Spülwasser vergraben. Der Schaum knisterte leise. Sie spülte einen Topf, den sie eigentlich auch in die Spülmaschine hätte stellen können, aber das manuelle Abwaschen gab ihr etwas zu tun. Es war eine Tätigkeit, die Konzentration vortäuschte, wo nur Leere war.

Sie hörte Schritte. Keine Schritte, die am Türrahmen vorbeigingen, um ins Wohnzimmer zu führen. Schritte, die stehen blieben.

Lena drehte das Wasser ab. Die plötzliche Stille in der Küche war fast körperlich spürbar. Sie trocknete ihre Hände langsam an einem Geschirrtuch ab, bevor sie sich umdrehte.

Elias stand im Türrahmen. Er hatte sein Arbeitshemd bereits aufgeknöpft, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt. Seine Arme waren verschränkt, die Muskeln angespannt. Er sah sie an, aber nicht mit dem gewohnten, müden Feierabendblick.

Sein Blick war dunkel. Er war wach. Es war der Blick eines Mannes, der sich innerlich darauf vorbereitete, eine Granate in einen überfüllten Raum zu werfen und die Tür hinter sich zu schließen.

„Lena“, sagte er. Seine Stimme war tief und seltsam fest. Der Tonfall passte nicht in ihre Küche. Er klang nicht nach „Hast du den Müll rausgebracht?“. Er klang nach „Wir müssen über das Überleben reden“.

Lena spürte, wie ihr Magen kalt wurde. Ein instinktiver Alarm schrillte in ihrem Kopf. Er hat jemanden kennengelernt. Er will die Scheidung. Er ist krank. Die Liste der Katastrophen raste durch ihr Hirn.

„Was ist los?“, fragte sie, bemüht, ihre Stimme ruhig zu halten. „Gab es Ärger im Büro? Ist etwas mit deiner Mutter?“

Elias schüttelte den Kopf, eine kurze, abrupte Bewegung. Er trat einen Schritt in die Küche, hinein in ihren Sicherheitsbereich. „Nein. Es geht nicht um die Arbeit. Es geht um uns.“

Lena lehnte sich mit dem Rücken gegen die Arbeitsplatte. Sie brauchte den Halt. „Uns?“, wiederholte sie. Das Wort schmeckte fremd.

„Ich weiß, dass es im Bett… ruhig geworden ist“, sagte Elias. Er wählte das Wort ruhig vorsichtig, als wäre es ein rohes Ei, aber Lena hörte das Wort, das er eigentlich meinte: tot. „Ich weiß, dass wir uns seit Monaten nur noch aus Pflicht berühren. Dass wir funktionieren, aber nicht mehr fühlen.“

Lena atmete flach. Sie war bereit für die Beichte, die sie beide kannten, aber nie ausgesprochen hatten. „Ja, Elias. Ich weiß. Es ist der Alltag. Wir sind beide müde. Wir müssen mehr reden, mehr planen.“ Sie griff nach dem Strohhalm der Vernunft. „Vielleicht sollten wir ein Wochenende wegfahren? Nur wir zwei. Ein Wellnesshotel in den Bergen? Wir könnten…“

„Nein!“, unterbrach Elias sie. Die Lautstärke seiner Stimme ließ Lena zusammenzucken. Es war keine Wut, es war Verzweiflung. „Wir brauchen keine Planung, Lena. Wir brauchen keine verdammten Kräutertees und Saunagänge, wo wir uns anschweigen. Wir brauchen eine Explosion.“

Er trat noch einen Schritt näher. Jetzt war er so nah, dass Lena die Wärme seines Körpers spüren konnte. Sie roch sein Aftershave, gemischt mit dem leichten Geruch von Schweiß nach einem langen Tag. Es war ein Geruch, der sie früher verrückt gemacht hatte. Heute machte er ihr Angst.

„Ich habe in den letzten Wochen viel nachgedacht“, fuhr er fort, seine Augen flackerten unruhig über ihr Gesicht. „Über dieses Feuer, das wir hatten. Weißt du noch, wie es war, als wir uns kennengelernt haben? Diese Neugier? Diese ständige Gier nacheinander, wo wir nicht mal das Essen abwarten konnten?“

Lena nickte leise. Die Erinnerung war schmerzhaft, wie der Druck auf einen alten blauen Fleck. „Wir waren jünger, Elias. Das ist lange her.“

„Es muss nicht vorbei sein“, sagte er eindringlich. „Ich glaube, der einzige Weg, dieses Feuer zurückzubringen, ist, unsere Komfortzone nicht nur zu verlassen, sondern sie auszulöschen.“

Elias holte tief Luft. Seine Brust hob und senkte sich schwer.

„Ich möchte, dass wir zusammen in einen Swingerclub gehen.“

Die Worte hingen in der Luft, schwer und giftig.

Lena blinzelte. Sie hörte das Summen des Kühlschranks. Sie hörte ein Auto, das draußen auf der Straße vorbeifuhr. Swingerclub. Das Wort passte nicht in ihre Welt aus Lachsfilet und Netflix-Serien. Es war ein Wort aus einer anderen, schmutzigen Realität.

Ihr erster Impuls war nicht Wut. Es war eine überwältigende, tiefe Trauer, die ihr die Kehle zuschnürte.

„Du denkst also, ich reiche nicht mehr aus“, sagte sie. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, brüchig wie altes Papier. „Ich bin dir zu langweilig geworden. Du brauchst… andere.“

Sie sah, wie Elias’ Gesichtszüge entgleisten. Die Härte verschwand, Panik trat an ihre Stelle.

„Nein!“, rief er, fast flehend. Er griff nach ihren Händen, die noch feucht vom Spülwasser waren. „Das ist es eben nicht, Lena! Hör mir zu, bitte. Es geht nicht darum, dass du nicht ausreichst.“

Er drückte ihre Hände fest, als wollte er seine Überzeugung direkt in ihre Haut übertragen.

„Es geht darum, dass unsere Angst nicht mehr ausreicht. Wir sind zu sicher, Lena. Wir haben nichts mehr zu verlieren, weil wir nichts riskieren. Ich will, dass wir zusammen etwas tun, das uns zwingt, uns neu zu sehen. Ich will sehen, wie andere Männer dich begehren. Ich will sehen, wie sie dich ansehen, und ich will spüren, wie stolz ich bin, dass du zu mir gehörst.“