Die Sexualmoral des Christentums - Walter Brendel - E-Book

Die Sexualmoral des Christentums E-Book

Walter Brendel

0,0
4,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.
Mehr erfahren.
Beschreibung

Bereits die frühen Christen prägten die Moralvorstellungen der Kirche zu Sexualität: Aus einer biologischen Notwendigkeit wurde eine Sünde. Obwohl Jesus sehr wenig über Sex gesprochen hatte, erhob das frühe Christentum das Zölibat zum Ideal und machte aus Sex etwas Gefährliches. Die westlich Gesellschaft ist besessen von Sex. Wir reden ständig darüber. Beim Thema Sex hat jede Kultur dieser Welt ihren ganz eigenen Marotten. Aber die meisten wollen nicht darüber sprechen, denn das gehört sich nicht. Man denkt es gibt einen Grund, warum wir hier bei uns im Westen so viel und ständig über Sex reden. Es hängt mit der Religion zusammen, die im Laufe der Jahrhunderte die Welt, und damit auch dem Westen, erobert hat, das Christentum. Fast 2000 Jahre lang haben sich christliche Denker den Kopf über Sex zerbrochen und versucht Regeln aufzustellen und diese endlose Debatte hat Sex zu einer Besessenheit gemacht. Das Problem ist, dass die Kirchen nie eine endgültige Entscheidung darüber getroffen hat. Die Kirchen zerfleischen sich, wenn es um das Thema geht. Verhütung, Homosexualität die Rolle der Frau stehen im Brennpunkt. Was ist dabei herausgekommen?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 132

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Walter Brendel

Die Sexualmoral des Christentums

Impressum

Texte:             © Copyright by Walter Brendel

Umschlag:      © Copyright by Walter Brendel

Verlag:

Das historische Buch, Dresden / Brokatbookverlag

Gunter Pirntke

Mühlsdorfer Weg 25

01257 Dresden

[email protected]

Inhalt

Einführung

Die ersten Christen

Mittelalter und Reformation

Neuzeit und Moderne

Einführung

Bereits die frühen Christen prägten die Moralvorstellungen der Kirche zu Sexualität: Aus einer biologischen Notwendigkeit wurde eine Sünde. Obwohl Jesus sehr wenig über Sex gesprochen hatte, erhob das frühe Christentum das Zölibat zum Ideal und machte aus Sex etwas Gefährliches.

Die westlich Gesellschaft ist besessen von Sex. Wir reden ständig darüber. Beim Thema Sex hat jede Kultur dieser Welt ihren ganz eigenen Marotten. Aber die meisten wollen nicht darüber sprechen, denn das gehört sich nicht.

Man denkt es gibt einen Grund, warum wir hier bei uns im Westen so viel und ständig über Sex reden. Es hängt mit der Religion zusammen, die im Laufe der Jahrhunderte die Welt, und damit auch dem Westen, erobert hat, das Christentum. Fast 2000 Jahre lang haben sich christliche Denker den Kopf über Sex zerbrochen und versucht Regeln aufzustellen und diese endlose Debatte hat Sex zu einer Besessenheit gemacht.

Das Problem ist, dass die Kirchen nie eine endgültige Entscheidung darüber getroffen hat. Die Kirchen zerfleischen sich, wenn es um das Thema geht. Verhütung, Homosexualität, die Rolle der Frau und den Missbrauchsskandal. 2013, während des Skandals um die Vergehen katholischer Priester schockiert der damalige Papst Benedikt die Öffentlichkeit, als er als erster Papst seit 600 Jahren zurücktritt.

Die Kirche steckt inmitten eines Grabenkampfes, ob weibliche Priester und homosexuelle Ehen akzeptiert werden sollen. Dabei ist für viele von uns der Zank um Sex durch die Kirche mittlerweile vollkommen bedeutungslos geworden. Trotzdem ist das Abendland immer noch durchdrungen von den christlichen Einstellungen zu Sex.

Das westliche Problem mit Sex reicht bis zur Wiege des Christentums zurück, als die ersten Christen Sex von einer biologischen Notwendigkeit zum einem Laster verwandelnden, von einem Vergnügen in eine Sünde. Die Konsequenzen plagen und noch heute.

Die Kirche gilt heute vielen als sex- und lustfeindlich. Tatsächlich hat sie den gegenseitigen Spaß am Körper lange abgelehnt. Obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte ihre Lehre angepasst hat, wirken die Schatten der Vergangenheit immer noch nach.

Die Bibel ist voller Erotik – doch mit dem Sex hatte die Kirche schon immer Probleme. Noch heute wird sie von Vielen als "Spaßbremse" wahrgenommen, die ihren Gläubigen die Freude im Bett nicht gönnt. Jüngst warf der schweizerische Theologe Alberto Bondolfi allen Religionen vor, Sexualität viel zu biologistisch zu sehen. Mit Blick auf die katholische Kirche ist der Vorwurf nicht ganz von der Hand zu weisen.

Weitreichenden Einfluss auf die Haltung der Kirche hatte der Heilige und Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354 – 430). Für ihn war Sexualität etwas Sündhaftes, dabei hatte er vor allem die sexuelle Lust im Blick. Diese Einstellung erklärt sich aus seinem Lebenslauf: Bevor Augustinus Christ wurde, hing er dem Manichäismus an. In dieser Religionsströmung wurde alles Körperliche verteufelt und Askese gepredigt. Der vergeistigte Mensch galt als Ideal. Diese Einstellung brachte Augustinus nach seiner Konversion in das Christentum ein. Er fand: Alles, was nicht der Vernunft gehorcht und sich ihr unterordnet, ist sündhaft. In seinen "Bekenntnissen" beschreibt er recht detailliert seine Erfahrung, dass sich Sexualität nicht der Vernunft unterordnet – denn bei ihr verliert der Mensch die Kontrolle über seine Körperfunktionen. Deswegen war sein Urteil klar: Sexuelle Lust ist Sünde.

Aus seiner Sicht hatte Sexualität nur in einer Hinsicht eine Berechtigung: Wenn es einem Ehepaar in diesem konkreten Moment um die Zeugung von Nachkommen ging. Sonst degradiere Man(n) die Ehefrau zur "Dirne".

Als ein großer und einflussreicher Theologe seiner Zeit verbreitete sich Augustinus‘ Lehre schnell. Trotzdem wurde sie nach und nach angepasst – man könnte auch sagen "aufgeweicht". So war Sex ab der Neuzeit auch in Ordnung, wenn man nicht unbedingt ein Kind zeugen wollte. Man durfte es nur nicht willentlich ausschließen. Diese Frage stellte sich wieder, als der Zyklus der Frau immer weiter untersucht wurde und bestimmt werden konnte, an welchen Tagen sie fruchtbar war und an welchen nicht. Was hieß das für die Sexuallehre? Nachdem mehrere Beichtpriester eine entsprechende Anfrage an den Vatikan geschickt hatten, entschied die Apostolische Pönitentiarie: Man sollte Ehepaare in dieser Frage nicht unnötig verunsichern. Papst Paul VI. ließ die "Kalendermethode" sogar als legitime Verhütung zu. Gleichzeitig verurteilte er jedoch die damals aufkommenden chemischen Verhütungsmittel – weshalb er weithin auch als "Pillen-Paul" bekannt ist.

Kam als "Pillen-Paul" zu zweifelhafter Bekanntheit: Papst Paul VI. (1897-1978)

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil änderte sich die Position der Kirche zur Sexualität dann ganz offiziell. Heute steht im Codex Iuris Canonici: "Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist, wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben." (Can. 1055 § 1 CIC) Neben der Fortpflanzung ist jetzt auch das "Gattenwohl" ein konstituierendes Prinzip der geschlechtlichen Gemeinschaft. In seinem nach der Familiensynode von 2015 verfassten Schreiben "Amoris laetitia" schlägt Papst Franziskus dann sogar einen ganz neuen Ton an: "Begierden, Gefühle, Emotionen – das, was die Klassiker ‚Leidenschaften‘ nannten – nehmen einen wichtigen Platz in der Ehe ein." Zudem bemerkt er: "Die Momente der Freude, der Erholung oder des Festes und auch die Sexualität werden als eine Teilhabe an der Fülle des Lebens in seiner (Christi) Auferstehung erlebt."

Hier ist von der Abwertung der Lust keine Rede mehr. Trotzdem ist das Image der Kirche nicht besser geworden. Das liegt unter anderem an vielen Amtsträgern, glaubt der Brixener Moraltheologe Martin M. Lintner. "Da herrscht manchmal immer noch die Angst, dass mit der Anerkennung der sexuellen Lust ein Mensch zum sexuellen Objekt degradiert wird." Darin spiegelt sich wieder ein Rückgriff auf die Argumentation des Augustinus wider, wenn der davon spricht, aus der Ehefrau eine "Dirne" zu machen. Allerdings berichten Liebespaare vom genauen Gegenteil, stellt Lintner fest: "Sie erleben das Begehrtwerden als ein Zeichen, schön und wertvoll zu sein." Hier hat die Kirche noch einiges von liebenden Paaren selbst zu lernen, findet er.

In einem anderen Punkt ist die Kirche ihrer Lehre über die Jahrhunderte dagegen treu geblieben: Dass Sex nur in der Ehe seinen Platz hat. Grund dafür sind auch hier wieder historische Zusammenhänge. Denn schon das Alte Testament sieht die Ehe als Schutzraum – vor allem für Frauen. Die konnten nämlich leicht verarmen, wenn sie ein uneheliches Kind bekamen und sich der Vater aus der Verantwortung stahl. Deshalb galt die Regel: Wer eine Frau entjungfert, muss sie auch heiraten – und wegen des Scheidungsverbots konnten Männer ihre Frauen auch nicht einfach aus dem Haus werfen. So war die Ehe als Schutz für Frauen und Kinder konstruiert.

Doch das Thema Sexualität ist für die Kirche noch lange nicht ausgestanden. "Dass Sexualität auch ein Bestandteil der eigenen Identität ist, hat die Kirche noch nicht ausreichend anerkannt", findet Lintner. Menschen, die in sexueller Hinsicht nicht der Mehrheit entsprechen, wollen sich wertgeschätzt wissen. Wer einen Menschen des gleichen Geschlechts liebt oder sich seinem biologischen Geschlecht nicht zugehörig fühlt, kommt im kirchlichen Denken nicht vor. Das von vielen Theologen gescholtene Genderpapier des Vatikans ist nur ein Beispiel dafür, wie schwer sich die Kirche mit diesen Themen tut und wie viel Angst sie vor einer Öffnung hat. "In vielen Kreisen des Vatikans – der Papst inklusive – wird die Genderforschung in erster Linie als Angriff auf die christliche Anthropologie gesehen. Das wird aber weder der Forschung in ihrer Komplexität noch dem Selbstverständnis vieler Menschen gerecht", so Lintner. Denn in den Genderstudien gehe es keineswegs darum, sich sein eignes Geschlecht nach Belieben "aussuchen" zu können, sondern darum, die eigene Identität entdecken und zu ihr stehen zu dürfen. Hier mache es sich die Kirche zu einfach, findet er.

Was aber stimme: Die Genderforschung stelle eine Anfrage an das christliche Menschen- und Familienbild. Darauf regiere die Kirche mit Angst und dem Impuls, ihr Weltbild verteidigen zu müssen, meint Lintner. Zu Unrecht: "Eine neue Sicht auf Sexualität wäre nicht das Ende der klassischen Familie." Die meisten Menschen lebten eine Geschlechtsidentität, bei der das biologische und soziale Geschlecht übereinstimmen, und sind heterosexuell orientiert. Jene, die sich davon unterscheiden, sollten aber darin bestärkt werden, sich selbst anzunehmen und sich selbständig zu entwickeln. "Jeder muss eine sexuelle Identität selbst finden und leben. Da kann man nicht einfach nur mit Regeln kommen, die man vorschreibt."

"Die Moralverkündigung gibt der überwiegenden Mehrheit der Getauften keine Orientierung", so Kardinal Marx. Beim geplanten Reformdialog in der Kirche soll daher auch die katholische Sexualmoral auf den Prüfstand kommen.

Wohl nirgends klaffen Lebenswirklichkeit und kirchliche Lehre so weit auseinander wie beim Thema Sex. Zumindest in westlichen Gesellschaften. Ob vorehelicher Geschlechtsverkehr, der Gebrauch von Kondomen oder Sex zwischen Menschen gleichen Geschlechts: All das gilt in der katholischen Kirche als sündhaft oder wider die menschliche Natur. Im 2010 erschienenen Jugendkatechismus "Youcat" etwa heißt es über Homosexualität, die Kirche nehme Menschen mit entsprechenden Empfindungen "vorbehaltlos an". Schwule und Lesben dürften nicht diskriminiert werden. "Gleichzeitig sagt die Kirche von allen Formen gleichgeschlechtlicher sexueller Begegnung, dass sie nicht der Schöpfungsordnung entsprechen."

Für den Mainzer Moraltheologen Stephan Goertz verbirgt sich hinter solchen Aussagen ein grundsätzliches Dilemma. "Das Fatale ist, dass die in der Vergangenheit eingeschärften Verbote zum Kern katholischer Identität erklärt worden sind", sagt der Zweite Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Moraltheologie. Reformen sind daher schwierig. Gleichzeitig verlor die Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund des sozialen Wandels in Europa und Nordamerika an moralischer Autorität. Seit dem Bekanntwerden zahlreicher Missbrauchsfälle wird zudem die Frage gestellt, ob die Tabuisierung von Homosexualität ein ausschlaggebender Faktor für die Taten war.

Darüber hinaus konstatiert Goertz eine wachsende Kluft zwischen der Theologie als Wissenschaft und dem kirchlichen Lehramt. Häufig fehle beim Lehramt eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem moraltheologischen Denken der jüngeren Vergangenheit. "Von den Gläubigen wurde Unterwerfung erwartet." Doch wer abweichende Erkenntnisse nicht an sich heranlasse, "der schottet sich mehr und mehr von der Wirklichkeit ab".

Dass die Kirche den Anschluss an die Gesellschaft zu verlieren droht, meinen offenbar auch manche Bischöfe in Deutschland. Bei dem von ihnen geplanten Dialog zur Zukunft der Kirche, dem "synodalen Weg", soll es deswegen auch ein Forum "Sexualmoral" geben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, stellte fest: "Wir spüren, wie oft wir nicht sprachfähig sind in den Fragen an das heutige Sexualverhalten." Ein über Jahrhunderte gewachsenes Geflecht aus Philosophie, Theologie und lehramtlichen Äußerungen steht zur Disposition. Die antiken Stoiker, der Apostel Paulus, Kirchenvater Augustinus oder der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin verbanden mit Sexualität in erster Linie negative Aspekte wie Kontrollverlust oder Ausschweifung – mit einer Ausnahme: der Zeugung eines Kindes im Rahmen der Ehe zwischen Mann und Frau.

Die Deutungshoheit über die Sexualität im Namen der göttlichen Schöpfungsordnung hatte langfristig unter anderem zwei Folgen: Sie stabilisierte die Rechtsordnung, indem sie zum Beispiel illegitime Nachkommen von der Erbfolge ausschloss – und gab der Kirche ein wirksames Instrument der Sozialdisziplinierung in die Hand. Ziel war, relativ stabile familiäre Verhältnisse in christlich geprägten Ländern zu erlangen. Mit der sexuellen Revolution rückte aber ab den 1960er Jahren die Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt, seither herrscht auf diesem Feld Unübersichtlichkeit. Viele Katholiken in Deutschland können mit der Sexualmoral ihrer Kirche kaum mehr etwas anfangen – und die meisten wissen auch kaum etwas darüber. In anderen Weltgegenden sieht dies anders aus. Wer beispielsweise in Afrika nach dem Umgang mit Schwulen und Lesben fragt, erhält mitunter die Antwort: "So etwas gibt es bei uns nicht."

Sexualität bleibt – nicht nur in Afrika – mit Tabus und Verboten behaftet. Goertz hofft auf einen grundlegenden Sinneswandel in Sachen Glaube und Liebe: "Die Frage an die lehramtliche Position lautet, ob zwei Menschen sich nicht auch jenseits der Ehe auf eine menschlich authentische, freie und respektvolle Weise lieben können." Hier müsse sich etwas ändern, meint auch Caritas-Präsident Peter Neher. Für ihn hat die Frage, wie sich Kirche künftig in Sachen Sexualmoral präsentiert, "direkte Auswirkungen auch auf die soziale Arbeit der Caritas, sei es etwa in der Schwangerenberatung oder in der Jugendhilfe".

In dem Buch "Frosch trifft Prinzessin" von Joshua Harris stehen ein paar ganz ungewöhnliche Sätze, die ich - zu Beginn - einfach mal zitieren möchte: «Gott feiert reinen Sex in der Ehe und lädt uns ein, das auch zu tun. "Welche heiligere Form des Feierns haben wir schon als die körperliche Liebe?" fragt Douglas Jonas. Er schreibt, dass das Ehebett nicht nur ein Ort der Befriedigung körperlicher Bedürfnisse sein sollte, sondern auch ein Ort, wo man sich an der geheimnisvollen Schönheit dieser Bedürfnisse erfreut. Warum hat es Gott wohl gefallen, uns mit weicher Haut, runden Brüsten, festen Muskeln, zum Ineinanderschlingen geeigneten Beinen und küssbaren Mündern zu erschaffen?

Ja, warum? Die Antwort ist: Uns zur Freude und Ihm zur Ehre. Denn er ist sehr, sehr gut. Er hätte den Fortpflanzungsakt so kurz und langweilig wie ein Niesen machen können. Stattdessen hat er ihn zum größten Thrill aller Zeiten erkoren. Und wenn ein Mann und eine Frau sich an diesem Geschenk erfreuen und Gott dafür danken, dann geben sie Ihm die Ehre. Sex wird zu einem wunderschönen Zwei-Personen-Lobpreis-Gottesdienst!

Um ein tolles Sexleben zu haben, müssen wir begreifen, dass die Bibel Sex in keiner Weise als abstoßend, sündig oder heikel ansieht, sondern dass wir Gottes ursprüngliche Idee von erfüllter Sexualität so sehr lieben müssen, dass wir den Umgang unserer Welt damit als Perversion erkennen. "Genießt reinen Sex!" ruft Gott praktisch in Sprichwörter 5, 18-19: "Freue dich an der Frau, die du jung geheiratet hast... Ihre Brüste sollen dich immer berauschen, in ihren Armen kannst du dich selber vergessen."

Berauschen, sich selbst vergessen... das klingt nicht gerade nach Langeweile, oder? Gott legt uns nahe, uns am Körper unseres Partners zu erfreuen, uns ganz hinzugeben, ohne Vorbehalte und Rückversicherung.

Weil das, und nichts Anderes die katholische (und hoffentlich auch allgemein christliche) Sicht der Sexualität ist. Klar, in der Presse, im Fernsehen und in den Laberkreisen (von der Runde auf dem Schulhof über den Kaffeeklatsch bis hin zum Stammtisch) wird ein anderes Bild der Kirche verbreitet: Da sind die katholischen Spaßbremsen gegen alles, was Freude macht, am besten noch gegen die Sexualität selbst. Angeblich sagen die erzkonservativen Katholiken: „Gut, dass der Sex wenigstens noch eine Funktion hatte, sonst wäre er wohl schon ganz verboten worden...“ - Nun, es wird Zeit, damit ein wenig aufzuräumen.

Es scheint ausgemachte Sache, dass die katholische Kirche allergisch» auf alles Sexuelle, Körperliche und Lustvolle reagiert. Die katholische Kirche ist leibfeindlich; weil sie nur aus alten Männern besteht, verdirbt sie den jungen Leuten den Spaß; sie will nichts von dem wissen, was Spaß macht - und hat erwiesenermaßen auch keine Ahnung davon. Wenn sie das leugnen will, dann braucht man erst gar nicht zuhören: Dass Kirche und Sexualität wie Feuer und Wasser ist, gehört zu den gesicherten Erkenntnissen der heutigen Zeit. Dagegen kann sich die Kirche nicht wehren, weder sachlich - noch lautstark, nicht liebevoll - und auch nicht, indem sie dieses Thema einfach totschweigt. Sie hat von vorne herein verloren. Es sei denn - ihr wollt der Kirche glauben.

Den Stier bei den Hörnern packen und frisch, fromm, fröhlich und frei von unserer Sicht der Sexualität sprechen. (Leider glauben viele Katholiken und Seelsorger, sie könnten dieses Thema totschweigen, bis sich die Gerüchte von selbst legen. Manche behaupten, wenn sie darüber predigen würden, würde keiner mehr zuhören. Dumm, denn das heizt die Gerüchteküche nur noch mehr an. Nein, wir sollten nicht schweigen; wir haben doch so viel zu sagen zu dem Suchwort Nr. 1 bei Google: "Sex").

Es hat Zeiten gegeben, in denen das Sprechen von allem, was die Sexualität betraf, strengstens verpönt war. Und natürlich wollte man davon dann erst recht nichts in der Kirche hören. Leider hat in solchen Zeiten die Kirche nicht die Stimme besonders lautstark erhoben, sondern sich sehr oft den Strömungen der Zeit angepasst (aber seien wir ehrlich: Das tut sie heute auch manchmal noch, und wir machen damit...). Im Nachhinein ist es vollkommen unmöglich, eine eindeutige Schuldzuweisung für solche Schwachzeiten der öffentlichen Moral vorzunehmen: War die Kirche Opfer oder Täter von leibfeindlichen Tendenzen?