Verlag: epubli Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

Erhalten Sie Zugriff auf dieses
und über 100.000 weitere Bücher
ab EUR 3,99 pro Monat.

Jetzt testen
7 Tage kostenlos

Sie können das E-Book in Legimi-App für folgende Geräte lesen:

Tablet  
Smartphone  
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Seitenzahl: 152

Das E-Book kann im Abonnement „Legimi ohne Limit+“ in der Legimi-App angehört werden für:

Android
iOS
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Das E-Book lesen Sie auf:

E-Reader EPUB für EUR 1,- kaufen
Tablet EPUB
Smartphone EPUB
Computer EPUB
Lesen Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?
Hören Sie in der Cloud®
mit Legimi-Apps.
Warum lohnt es sich?

Leseprobe in angepasster Form herunterladen für:

Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Die Sonne scheint auf alle. - Werner Jursa

Der ehemalige Hauptkommissar Rudolf Lauer hat sich in die Selbstständigkeit begeben. Als Privatdetektiv mit Schwerpunkt Wirtschaftsdelikte löst er zusammen mit Freunden und Bekannten kniffelige Kapitalverbrechen. In seinem vierten Fall wird der Spanienurlaub, den er mit seiner Freundin Amadea verbringt, zur Jagd auf einen Kriminellen der auch über Leichen geht.

Meinungen über das E-Book Die Sonne scheint auf alle. - Werner Jursa

E-Book-Leseprobe Die Sonne scheint auf alle. - Werner Jursa

Für meine FrauAmanda, die sich

redlich bemüht,

gute Mine zu meiner Schreiberei

zu machen und meinemSohnEnzo,

der sein dänisches Studium nach Australien verlagert hat.

Vielfacher Dank gilt wie immerTanja, welchesich erneut durch  die Wörteranhäufung navigiert und dabei nicht nur Fehler findet sondern sich auch den Sinn des Dargebrachten zu erschließen sucht!

Zum Inhalt:

DerPrivatdetektiv RudolfLauermacht Urlaub. Seine Freundin Amadea entführt ihn nach Südspanien in das Ferienhaus ihrer Eltern. Dort wollen sie die im Hinterland liegenden Bergeerklimmen. Die Sonne scheint jeden Tag und der Urlaub entwickelt sich prächtig, bis es den ersten Toten gibt.

Über denAutor:

DieerstensiebenJahrehat WernerJursain Oberbayerngelebt, danachistermitseinen Eltern aufdieSchwäbische Albgezogen.Dortlebterbis zumheutigen TageinbeschaulicherUmgebungmit seinerFrau undseinem Sohn. Biszu seiner Pensionierung war er in der IT-Branche tätig.

Der Neffe, der keiner war 2017

Die verschwundene Braut 2017

Der Hochadel sucht Hilfe 2018

Verlag epubli – www.epubli.de

Werner Jursa

Die Sonne scheint auf alle.

Privatdetektiv Rudolf Lauers vierter Fall

Der 17. September 2017 ist Geschichte. Es war der Wahnsinn! Wir rannten und rannten, allerdings rannten alle anderen auch – sogar schneller. Egal – macht nichts – wir haben den Halbmarathon durchgestanden – mitmachen ist alles – der olympische Gedanke zählt.

Mein Mitläufer Hauptkommissar Peter Biegel meinte abschließend, dass wir unser Training zukünftig straffen müssen. Am 15. September 2018 starten wir den nächsten Versuch, und wir werden uns steigern! Versprochen!!!

Amadea hat den Einstein-Marathon bravourös durchlaufen. Sie hat uns empfohlen, ebenfalls auf die volle Distanz zu gehen. Man hätte durch die längere Strecke mehr Möglichkeiten eventuelle Lauffehler zu kompensieren.

Welche Lauffehler?????

Allerdings – wenn es Amadea sagt! Neuerdings gibt sie mir häufig Tipps, wie ich mein Leben künftig gestalten soll. Mit anderen Worten – sie ist meine Freundin!

Amadea ist die Schwester von Chefinspektor Kilian Turtscher, mit dessen tatkräftiger Hilfe ich die letzten beiden Kriminalfälle gelöst habe. Sie war bis vor kurzem beruflich in Südafrika. Als Mitarbeiterin eines in Bregenz angesiedelten Architekturbüros war sie für die Planung und Ausführung eines gigantischen Einkaufzentrums nahe Johannesburg zuständig. Die Aufgabe hat sie mit Bravour erledigt, so dass sie von ihrem Chef auserwählt wurde, den Aufbau und die Leitung einer Dependance in Ulm zu übernehmen. Welch eine Schicksalsfügung. Nächste Woche Montag wird sie bei mir einziehen.   

Alle meine Freunde beglückwünschen mich. „Es wird höchste Zeit, dass du eine Aufsichtsperson zur Seite gestellt bekommst!“ Originalton Wolf-Dieter, seines Zeichens ‚gewichtiger‘ Kneipier von unserem Stammlokal dem ‚Scharfen Eck'. Sein Satz löst zustimmendes Gemurmel an unserem Stammtisch aus! Ich ordere noch ein Weißbier!

Die Mitglieder unserer Vereinigung setzen sich zusammen aus:

Frau Doktor Annette von Broheim nebst ihrem Lebenspartner und meinem Laufkameraden Hauptkommissar Peter Biegel,

Fräulein Maria Kurzweil und ihrem Bräutigam Konrad Morse, beide Jungunternehmer und

weiterhin das Ehepaar in spe – Neha Akash und Wolf-Dieter, unserem 'Landlord'.

Wenn ich es richtig beurteile, werden wir ab nächste Woche Zuwachs bekommen. Meine Freundin ist bei meinen Stammtischlern sehr beliebt.

Zunächst aber wollen Amadea und ich unsere gemeinsame Zukunft mit einem Spanien-Urlaub beginnen. Der Flug ist auf kommenden Mittwoch terminiert. Wir dürfen im Ferienhaus von Amadeas Eltern zwei Wochen und vier Tage den 'Spätsommer' genießen – und das bei immerhin noch knapp 30 Grad im Schatten. Wir freuen uns!

Aufträge nehme ich im Moment wegen 'Überlastung' keine entgegen. Vor Amadeas Einzug benötigt meine Wohnung eine gründliche Reinigung. Dadurch bin ich mit Arbeit bestens versorgt. Im Moment beschließe ich ein kleines Päuschen einzulegen. Ein Blick auf die Uhr und ich verstehe, warum mein Körper nach Koffein giert. Ich werde mein externes 'Großraumbüro' aufsuchen. Jonny's Coffee Shop ist für mich unverzichtbar geworden. Er dient mir sowohl als Treffpunkt mit meinen Klienten als auch für grundlose Besuche, wie im Moment, einfach nur um Koffein zu tanken.

Der warme Spätsommertag verführt zum 'Freiland-Kaffeegenuss'. Ich bestelle mir einen Pott Filterkaffee, nehme mir ein Exemplar der Tageszeitung und setze mich an einen von der Sonne verwöhnten Tisch. Das Leben kann so herrlich sein!

Ich arbeite mich durch den Lokalteil und entdecke unter der Rubrik ‚Neues aus Ulm‘ einen Bericht über die Eröffnung einer Dependance des weltbekannten österreichischen Architekturbüros von Professor Lodeiner, welches seinen Hauptsitz in Bregenz hat. Amadea strahlt mich aus der Zeitung an. Na, die macht schon einen Wirbel, bevor sie richtig da ist. Ganz offensichtlich versteht sie ihr Geschäft. Ich erfahre, dass bis Ende nächsten Jahres ein Personalbestand von über zehn Mitarbeitern geplant ist. – Das bedeutet für Amadea viel, viel Arbeit. Mir schwant nichts Gutes!

Ich bin zurück in meiner Wohnung. Ich muss mich loben! Es sieht doch schon ganz passabel aus. Während meiner Kaffeepause hat mein fleißiger Saugroboter ganze Arbeit geleistet. Ja, ja, was wären wir ohne Technik? Ich muss jetzt nur noch die kniffeligen Aufgaben erledigen. Abstauben, meinen Blumenstock gießen (wie der in meine Wohnung kam, ist mir noch immer schleierhaft) und den Glastisch auf Hochglanz bringen. Das ist schon eine Schufterei, vor allem belastet mich der Zeitdruck, dem ich permanent ausgesetzt bin. Ein Blick auf die Uhr und ich mahne mich großzügiger zu werden. Heute ist wieder Lauftraining – mein Freund, Hauptkommissar Peter, will es doch künftig 'straffen', was könnte er damit meinen??? Ich muss ihn unbedingt danach fragen.

Der Kern der Gruppe besteht immer aus denselben Läufern. Trainer 'Motte' bemüht sich um die Neulinge. Er versucht ihnen den tieferen Sinn des Laufens zu erklären. Die 'Altläufer mit Wettkampferfahrung' dürfen selbständig ohne Aufsicht auf die Strecke gehen. Peter und ich gehören zu dieser Kategorie! Wir sind zügig unterwegs, und ich vergesse Peter nach der 'Straffung des Trainings' zu fragen.

Nach dem Duschen begeben wir uns schnurstracks ins 'Scharfe Eck'.

Dort fällt mir plötzlich ein, dass ich während des Trainings von Peters Wunsch nach 'Straffung'  nichts bemerkt habe. Allerdings habe ich auch nicht so genau aufgepasst.

Als wir gegen dreiundzwanzig Uhr das 'After-Lauf-Weißbier-Sit-in' beenden, stelle ich fest, dass wir heute um eine Bierlänge ausdauernder gewesen sind – aber ob man das jetzt mit 'Straffen des Trainings' umschreiben kann???

Ich bin zurück in meinen vier Wänden. Mein Blick fällt auf den Kalender. Noch einmal werd ich wieder wach, dann sach ich Amadea guten Tach! – 'Was bin ich heute wieder für ein Schelm', um mal die Worte des großen deutschen Dichters und Denkers ‚Heinz Erhardt‘ zu strapazieren!

Ich werfe einen abschließenden, prüfenden Blick in die Runde. Ich vermute, das Weißbier hat meine Kritikfähigkeit gedrosselt, denn alles was ich sehe, zeugt von immensem Fleiß – meinerseits!  – Na dann, ab in die Heia. Morgen schlafe ich aus, wie heißt es doch so schön, 'am Sonntag werden nicht mal die Faulen fleißig' – oder so ähnlich! Ich darf nur nicht vergessen, dass ich mit Neha und Wolf-Dieter die Ruine Günzelburg bei Blaubeuren erwandern möchte. Wolf-Dieter holt mich morgen früh um zehn Uhr ab – und Wolf-Dieter ist pünktlich!!!!

Sonntagmorgen zehn Uhr. Wolf-Dieter fährt mit seinem neu erworbenen, leicht gebrauchten Volvo Kombi vor. Neha und Peter sitzen im Wagen. Ich lasse mich im Fond des Fahrzeugs nieder und schaue Peter an.

„Ein Notfall, Annette musste zum Dienst ins Krankenhaus. Die Fahrt zu ihren Eltern haben wir auf morgen verschoben. Mir fiel gerade noch rechtzeitig die Wanderung ein. Ein Anruf, und hier bin ich!“

Ich habe den Eindruck, Peter freut sich, dass er zur Günzelburg wandern darf. Er hat mir mal erzählt, dass er das Gefühl hat, Annettes Eltern hätten lieber einen Medizinmann als Schwiegersohn. Der Papa ist Chefarzt und auch die Mama hat vor ihrem Namen als dezenten Hinweis ‚Dr. med.‘ stehen – klar, da passt ein Kriminaler nicht so gut zur einzigen Tochter.

Wolf-Dieter lässt den Volvo auf dem Bahnhofsparkplatz in Blaubeuren ausrollen. Heute ist wieder ein herrlicher Spätsommertag. Ich bin sogar in kurze Hosen geschlüpft. Ich muss mich auf Spanien vorbereiten.

Mit strammem Schritt stürmen wir dem Einstieg zur Günzelburg entgegen. Es geht zügig nach oben. Wir sind gut trainiert. Ich vermute, Wolf-Dieter und Neha machen heimlich Bergtouren, denn sie zeigen keinerlei Schwäche. Wir  erreichen die 'Küssende Sau'. Neha speichert ein Bild davon auf ihrem Handy. Sie möchte ihre indische Verwandschaft mit einer Bilderserie über die Schwäbische Alb überraschen.

An der Ruine Günzelburg angekommen, genießen wir einen phantastischen Ausblick ins Achtal. Für Nehas Aufnahmen müssen wir uns immer wieder neu in Position bringen.

Der Rückweg führt uns zunächst entlang der Albhochfläche, dann zu einem schmalen Fußpfad, auf dem wir direkt zum Blautopf absteigen. Wir möchten noch die letzten Sonnenstrahlen kombiniert mit einem Eisbecher genießen.

Unser Bauch ist gut gekühlt, als uns Wolf-Dieter wieder zu Hause abliefert. Heute Abend ist Stammtisch! Wir werden uns im 'Scharfen Eck' wiedersehen.

Wie heißt es so schön in Militärkreisen, 'unser Stammtisch ist vollzählig angetreten'. Sogar Annette hat sich eingefunden. Unser Thema ist meine endende Einsamkeit. Conny, eigentlich richtig Konrad Morse, neben Maria Kurzweil der zweite Geschäftsführer in einem mittelständischen Hightech-Unternehmen, versucht sogar aus meiner Daseinswandlung einen Junggesellenabschied abzuleiten. Dabei wird er aber von den anwesenden Damen zurückgepfiffen. Das ginge dann doch zu weit! Allerdings erhalte ich kostenlose Ratschläge, viele Ratschläge. Als der Abend endet, brummt mein Schädel. Hoffentlich bringe ich nichts durcheinander.

Montagmorgen – ich warte. Exakt fünf Minuten nach zehn Uhr betätigt ein Außenstehender meine Türglocke. Ich öffne und Amadea steht vor mir. Wir fallen uns in die Arme. Die Freude ist groß!

Nachdem wir das Gepäck ins Haus geschafft haben, schlage ich vor ein gemütliches Frühstück in meinem externen 'Großraumbüro' einzunehmen. Amadea stimmt sofort zu. Sie meint, „dabei können wir uns über den Spanienurlaub und unsere gemeinsame Zukunft unterhalten.“ Natürlich!

Nach drei Tassen schwarzem Kaffee und einem Croissant haben wir von dem Glückshormon Dopamin so viel ausgeschüttet, dass wir die Chance auf eine aufkommende Depression vertan haben. Wir schweben abgehoben auf irgendeiner Wolke und vermuten beide, es müsste die siebte sein. Ich nehme an, das ist nicht nur dem Kaffeegenuss geschuldet.

Amadea hat für unseren Urlaub eine Packliste erstellt. Als wir zurück in der Wohnung sind, machen wir uns fleißig daran unsere Koffer zu befüllen. Dabei beobachte ich sie heimlich. Sie trägt ihr Haar wie üblich zu einem Pferdeschwanz gebunden, und ich bin von dem, was ich sehe, sehr angetan. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es umgekehrt genauso ist, ich trage mein Haar langweilig halblang –  und ganz ohne Spielerei.

Montag und Dienstag vergehen sehr schnell. Vor unserem 'Abflug' besuchen wir am Abend den Pflichtstammtisch im 'Scharfen Eck'. Wieder sind alle anwesend, ich muss eine wichtige Persönlichkeit sein – oder ist es Amadea, welche die Vollzähligkeit des Stammtisches erwirkt? Egal – es ist noch eine sehr schöne und lustige Versammlung.

Peter warnt mich, ich solle aufpassen, dass ich keinem Verbrecher über den Weg laufe. Ich hätte da ein Geschick dafür!

Annette mahnt, wir sollten uns vor der Sonne in Acht nehmen und Wolf-Dieter weist darauf hin, dass in 'Spain' viele Engländer auf der falschen Seite fahren. – 'Vorsicht in der Porzellankiste' – oder so ähnlich!

Maria bringt noch das I-Tüpfelchen: „Passt beim Fliegen auf.“ Das bringt mich ins Grübeln.

Als wir uns verabschieden, erinnere ich Conny nochmals daran uns um viertel vor sieben Uhr abzuholen. Er beunruhigt mich mit den Worten: „Es kommt nicht häufig vor, dass ich verschlafe. Stimmt‘s Maria?“ Die lacht und verdreht die Augen. Darauf gesteht Conny: „Ja, gut. Es passiert schon mal – aber doch nicht morgen!“

Entweder hat Conny nicht geschlafen, oder – was wohl wahrscheinlicher ist – Maria hat ihn rechtzeitig geweckt.

Pünktlich steht er mit dem roten Firmenwagen vor unserem Eingang. Die zwei großen Koffer sind schnell verstaut, und wir fahren zielstrebig Richtung Memmingen. Vor dem Flughafengebäude verabschieden wir uns von Conny. In knapp drei Wochen wird er uns wieder abholen.

Der Flug nach Alicante verläuft problemlos. Nachdem wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, steuern wir das Büro des Autovermieters an. Wir erhalten einen komfortablen Citroen C4 Picasso, den wir beladen um dann das Flughafengelände Richtung Ferienhaus zu verlassen. Amadea fährt, sie kennt sich hier aus!

Unterwegs kaufen wir Speisen und Getränke, aber nur das Nötigste. Amadea meint, dass wir morgen eine der umliegenden Ortschaften aufsuchen werden, „irgendwo ist immer Markt, da bekommen wir dann alles frisch.“

Das Ferienhaus ist für uns zwei überdimensioniert, aber besser zu groß als zu klein. Es ist sehr nett ausgestattet und ich denke, unser Urlaub wird großartig. Nachdem wir den Inhalt unserer Koffer in die Schränke verteilt haben, setzen wir uns auf die Terrasse und betrachten unser Umfeld. Es ist sehr entspannend.

Nach kurzer Zeit bekommen wir Besuch von den Nachbarn, welche gegenüber wohnen. Es ist ein englisches Ehepaar das sich in Spanien niedergelassen hat – ich vermute mal wegen des Wetters und der geringeren Allgemeinkosten.

Amadea hat mich schon vorgewarnt. „Denen ist langweilig, und sie freuen sich über jede Abwechslung.“

Wir bitten sie auf die Terrasse zu einer Tasse Tee. Dabei erfahre ich, dass 'Frau England' Grace und 'Herr England' Riley heißen und gemeinsam auf den Nachnamen 'Christmas' hören. Das klingt weihnachtlicher als es in Wirklichkeit ist.

Ich trage mich an für das Heißgetränk zu sorgen. Amadea hat mich schon zuvor instruiert, dass unsere Gäste nur Schwarztee zu sich nehmen.

Gott sei‘s gedankt, vor Jahren habe ich mal an einem Volkshochschulkurs über Teezubereitung und die damit verbundenen Zeremonien teilgenommen. Endlich kann ich mein Fachwissen unter Beweis stellen. Ich gieße einen Neval Parthivara an und lasse ihn vier Minuten ziehen. Derweilen schaue ich mich in der Küche um. Unterwegs bei unserem Einkauf muss Amadea den künftigen Besuch der Nachbarn geahnt haben. Auf der Anrichte steht eine Schachtel 'Walkers Shortbread' zum Verzehr bereit. Beim Servieren benehme ich mich wie ein englischer Butler, zuvorkommend und schweigsam. Das schafft Vertrauen!

Die Gäste sind begeistert, Heimatgefühle werden in ihnen geweckt. Ich muss gestehen, die Zubereitung des Tees ist mir sehr gut gelungen!

Bei der späteren Verabschiedung müssen wir einen Gegenbesuch versprechen. Das tun wir. Endlich alleine.

Wir ziehen uns in den kleinen aber feinen Wintergarten zurück. Die Gefahr ist groß, dass einer der anderen Nachbarn sich berufen fühlt uns den Abend zu verschönern. Es bleibt ruhig, und wir genießen die Zweisamkeit. Als wir zu Bett gehen meint Amadea beiläufig: „Morgen früh fahren wir zum Playa Flamenca. Professor Lodeiners Frau lebt dort in ihrer Ferienvilla. Er bat mich, ihr eine wichtige Besitzurkunde zu bringen. Es wird dir gefallen, dort ist es sehr schön. Für uns bietet es sich an danach am Strand spazieren zu gehen. Außerdem musst du bei dem Besuch gar nicht dabei sein. Ganz in der Nähe ist ein Café mit Terrasse und großartigem Meeresblick. Dort darfst du auf mich warten. Es dauert bestimmt nicht lange. Meinen Besuch bei Sybille Lodeiner habe ich ihr für kurz nach elf Uhr avisiert. So wird sie auf jeden Fall zu Hause sein. “

Verschlafen nehme ich es zur Kenntnis. Ich murmle noch: „Vielen Dank, Dankeschön.“

Der Urlaub ist für mich Erholung pur. Selbst das Autofahren übernimmt Amadea wegen ihrer besseren Ortskenntnis. Am nächsten Morgen gegen elf Uhr setzt sie mich vor jenem gelobten Strandcafé ab. Sie erklärt mir, dass sie nur noch etwa 500 Meter zu ihrem Ziel fahren müsse. „Du kannst beruhigt sein, das ist eine Sackgasse, deshalb komme ich auf jeden Fall hier wieder vorbei und nehme dich mit. Versprochen!“ Und wie mich das beruhigt.

Artig setze ich mich an einen Tisch mit Sonnenschutz, ordere bei der netten Bedienung einen Kaffee-Americano und blicke voller Wohlwollen zum Meer. Das Warten beginnt!

Just als ich meinen Kaffee erhalte, sehe ich einen Postboten aus der Sackgasse kommen. Es gibt bestimmt Schöneres als in so einer Ferienhochburg Post auszutragen.

Ich nippe an dem Kaffee und genieße mein Dasein. Der Postbote steigt in einen Porsche Macan und mein Handy klingelt.

„Rudi, komm schnell. Hier hat es einen Überfall gegeben. Ich habe die Guardia Civil verständigt. Beeil dich, du solltest dir das alles anschauen, bevor die Polizei da ist.“ Amadea hat aufgelegt.

Ich nehme noch einen weiteren, tiefen Schluck Kaffee, werfe zwei Euro in die Untertasse und betrete die Sackgasse in welche Amadea vor kurzem verschwunden ist. Sie winkt mir vom Eingang einer feudalen Villa zu.  Als ich sie erreiche, erklärt sie mir in kurzen Worten warum sie an einen Überfall glaubt.

„Die Eingangstüre stand offen. Als sich nach meinen  mehrfachen Hallo-Rufen niemand meldete, ging ich hinein und fand alles so vor. Ich habe nichts angerührt. Dort liegt die Frau meines Chefs.“

Ich nehme Amadea in die Arme, sie zittert. Meine Umarmung scheint sie etwas zu beruhigen. Sie führt mich in den Wohnraum. Auf dem Boden vor uns liegt eine blonde, junge Frau vom Typ 'Illustriertentitelbild'. Ihr Alter schätze ich auf fünfunddreißig plus/minus fünf. Ich fühle ihren Puls, er ist schwach aber regelmäßig. Ich schaue mich im Zimmer um. Hier hat jemand etwas gesucht. Die Schubladen sind herausgerissen und deren Inhalt liegt im Zimmer verstreut. Die Regale sind leer. Bücher türmen sich am Boden. Die junge Frau bewegt sich.

Wir hören näher kommende Signalhörner,  und kurz danach stürmen Beamte der Guardia Civil inklusive Sanitäter in das Zimmer. Amadea und ich müssen uns auf die Terrasse zurückziehen um dort auf die Befragung zu warten. Jetzt  bin ich froh, dass Amadea fließend spanisch spricht.

Es dauert nicht lange, und ein schneidiger Uniformierter kommt auf uns zu. Ja, eigentlich nicht direkt auf uns, sondern nur auf Amadea. Hat er ohne mit mir ein Wort zu wechseln bemerkt, dass ich nur Kaffee und Bier auf spanisch bestellen kann? Nein – ich denke, es ist Amadeas Ausstrahlung, durch die sie ihn in ihren Bann zieht. Ich muss wachsam sein!

Von dem Gespräch verstehe ich recht wenig. Ich hoffe, es handelt sich um den Einbruch mit Gewaltanwendung! Amadea erklärt mir, dass der Herr Polizeioberkommissar die Befragung bei einer Tasse Kaffee fortsetzen möchte.

Wir suchen das Strandcafé auf, in welchem ich mich vor kurzem noch entspannt habe.  

Der 'Teniente', Amadea übersetzt es mit Oberkommissar, unterhält sich mit der Bedienung. Diese schaut zu mir her und nickt. Na, wenigstens hat sie sich an mich erinnert. Amadea bittet mich den Kommissar mit seinem Namen anzureden, und der wäre Señor Jiménez Kruger! Eben will ich sie fragen, ob Jiménez der Vorname ist, da tritt der Kommissar an unseren Tisch Er wird von dem Servicefräulein begleitet. Sie stellt ein Tablett mit Kaffee und Doulces auf den Tisch und zieht sich zurück.