Beschreibung

Eine weihnachtliche Kurzgeschichte der Krimiautorin Mechthild Borrmann um ein Verbrechen in der Vergangenheit. Ein verhängnisvoller Jugendausflug verbindet das Schicksal von Meike und Thomas auf immer - auch wenn sie sich seither nicht mehr wiedergesehen haben und nun beide erwachsen sind. Was geschah damals in Bayern vor 24 Jahren? Welches Verbrechen haben sie verdrängt, das sie heute wieder heimsucht?

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Seitenzahl: 22


Mechtild Borrmann

Die Spur zurück

Ein Weihnachtskrimi aus dem Münsterland

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Mechtild Borrmann: Die Spur zurückDas besondere Krimi-Glühweinrezept
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Mechtild Borrmann Die Spur zurück

Münsterland

Es riecht nach Sommerferien. Der würzig staubige Duft geschnittenen Heus liegt in den Wiesen, wilde Kamille und Klatschmohn am Rand des Weizenfeldes. Das Mittagslicht so blendend weiß, dass es in den Augen brennt. Meike geht neben ihm. Die Gurte des Rucksacks liegen auf ihren braungebrannten Schultern, Schweiß färbt das ärmellose pinkfarbene T-Shirt zwischen ihren kleinen Brüsten eine Nuance dunkler. Der blonde Pferdeschwanz hüpft über dem Rucksack hin und her.

Im Wald malt der kühlende Schatten eine feine Gänsehaut auf ihre Arme, und sie durchpflügen das trockene Laub mit ihren Wanderschuhen.

Kein Rascheln.

Im Unterholz fliegt eine Dohle auf.

Kein Vogelschrei.

Sein Herz flattert.

Dann die schmale Landstraße. Der Himmel hängt tief. Donner. Blitz.

Bis auf die Haut durchnässt, küssen sie sich frierend. Ihr warmer Atem auf seiner regennassen Wange.

»Sieh nur. Ein Haus.«

Er hört sie nicht. Er weiß, dass sie es sagt. Sie laufen los.

»Nein! Nein!«

 

»Thomas!« Von Katjas Rufen wacht er verschwitzt und atemlos auf, erkennt das milchige Licht der Straßenlaterne, das durchs Schlafzimmerfenster fällt.

Katja legt ihre Hand auf seine Wange. »Geträumt«, sagt sie, »du hast geträumt.«

Der Digitalwecker zeigt drei Uhr zwanzig. Er wirft die Decke zurück, setzt sich auf und versucht langsam und ruhig zu atmen.

Im Bad wäscht er sein Gesicht mit kaltem Wasser. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Er weiß das. Er zieht den Bademantel über.

Die beiden Kinderzimmertüren sind nur angelehnt. Aus Linas Zimmer fällt ein schmaler Lichtstreifen auf die Flurfliesen. Er schaut kurz hinein. Ihr brauner Lockenkopf liegt neben dem Kopfkissen, ein Buch ist zu Boden gefallen. Er hebt es auf. Ferien auf dem Reiterhof. Er lächelt müde, legt es auf den Nachttisch und bettet ihren Kopf auf das Kissen. Seit zwei Jahren steht ein Pony auf ihrem Weihnachtswunschzettel. Er küsst ihre Stirn und flüstert: »Morgen ist es so weit, mein Engelchen.«

In der Küche schaltet er das Licht ein und stellt die Espressomaschine an. Er lehnt am Kühlschrank, betrachtet das rote Lämpchen am Kaffeeautomaten, das blinkend signalisiert, dass sie noch nicht bereit ist.

Vierundzwanzig Jahre!