Die Stadt im Urwald - Alfred Wallon - E-Book

Die Stadt im Urwald E-Book

Alfred Wallon

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Beschreibung

Martin HallerEntdecker – Forscher - AbenteurerBand 3von Alfred WallonDer Umfang dieses Buchs entspricht 172 Taschenbuchseiten.Martin Haller, Peter Jakobs und deren schwarzer Gefährte Chidi reisen nach Brasilien. In Sao Paulo wollen sie sich mit dem Historiker Dr. José Alvarez treffen. Aber aus dieser Zusammenkunft wird nichts, denn Alvarez ist ganz plötzlich verstorben. Er hat jedoch noch eine Nachricht für die drei Freunde hinterlassen – und die hat es in sich. Denn Dr. Alvarez beschäftigte sich zu Lebzeiten mit dem Volk der Maya-Indianer und deren Kultur. Er scheint Beweise dafür gefunden zu haben, dass es Nachkommen dieses Volkes in Brasilien gibt. Die Abenteurer brechen auf in den Dschungel und stoßen in Regionen vor, die kaum ein zivilisierter Mensch zuvor betreten hat. Es wird eine gefährliche Reise voller Hindernisse – aber am Ende wartet eine sensationelle Entdeckung …1930: MARTIN HALLER – ENTDECKER – FORSCHER – ABENTEURER – Romane aus einer Zeit, als es noch viele unentdeckte Regionen auf der Weltkarte gab. Spannung und Abenteuer pur – geschrieben von Alfred Wallon

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Alfred Wallon

Die Stadt im Urwald

Martin Haller Band 3 - Cassiopeiapress Spannung/ Edition Bärenklau

BookRix GmbH & Co. KG80331 München

DIE STADT IM URWALD

Martin Haller

Entdecker – Forscher - Abenteurer

Band 3

von Alfred Wallon

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 172 Taschenbuchseiten.

 

Martin Haller, Peter Jakobs und deren schwarzer Gefährte Chidi reisen nach Brasilien. In Sao Paulo wollen sie sich mit dem Historiker Dr. José Alvarez treffen. Aber aus dieser Zusammenkunft wird nichts, denn Alvarez ist ganz plötzlich verstorben. Er hat jedoch noch eine Nachricht für die drei Freunde hinterlassen – und die hat es in sich. Denn Dr. Alvarez beschäftigte sich zu Lebzeiten mit dem Volk der Maya-Indianer und deren Kultur. Er scheint Beweise dafür gefunden zu haben, dass es Nachkommen dieses Volkes in Brasilien gibt. Die Abenteurer brechen auf in den Dschungel und stoßen in Regionen vor, die kaum ein zivilisierter Mensch zuvor betreten hat. Es wird eine gefährliche Reise voller Hindernisse – aber am Ende wartet eine sensationelle Entdeckung …

 

1930: MARTIN HALLER – ENTDECKER – FORSCHER – ABENTEURER – Romane aus einer Zeit, als es noch viele unentdeckte Regionen auf der Weltkarte gab. Spannung und Abenteuer pur – geschrieben von Alfred Wallon

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

[email protected]

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Martin Haller – Entdecker, Forscher, Abenteurer – Band 3

Roman © by Alfred Wallon und Edition Bärenklau, 2015

1. Kapitel: In Sao Paulo

Ich spürte die wachsende Ungeduld meines Freundes Martin, als das Flugzeug endlich Kurs auf die Landebahn nahm. Sofern man diese schlecht ausgebaute Piste, die sich vor unseren Augen erstreckte, überhaupt als Landebahn bezeichnen konnte. Zwar hatte man uns versichert, dass der Pilot, der die kleine Maschine flog, sein Handwerk verstand, aber mein Misstrauen legte sich erst, als die Propellermaschine mit einem harten Ruck auf der Piste aufsetzte und dabei ein wenig ins Schlingern geriet. Aber der Pilot schaffte es tatsächlich, im richtigen Moment gegenzusteuern, so dass das Flugzeug nun ohne weitere Probleme auf der Landebahn ausrollte.

Der Pilot, ein braungebrannter Portugiese, wandte kurz den Kopf und grinste, da er genau wusste, wie skeptisch ich beim Einsteigen Stunden zuvor gewesen war. In der Tat hatten wir einen mehrstündigen Flug hinter uns, der uns einiges an Kräften gekostet hatte. Denn unterwegs waren wir in einen handfesten Gewittersturm geraten, der die kleine Propellermaschine arg durchgerüttelt hatte. Ein Wunder, dass sonst nichts Schlimmes geschehen war.

Auch Chidi war heilfroh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Denn ein Mensch wie er, der an einer Hand abzählen konnte, wie oft er schon in seinem Leben geflogen war, blieb im Grunde genommen immer misstrauisch, wenn er größere Strecken mit dem Flugzeug zurücklegen musste. Aber in diesem Falle war uns keine andere Möglichkeit geblieben, denn wir hatten es sehr eilig, Sao Paulo so schnell wie möglich zu erreichen. Der Brief von Dr. Alvarez hatte sehr dringend geklungen.

Während die Maschine allmählich langsam ausrollte, erinnerte ich mich wieder an den Augenblick, als Martin in Corpus Christi den Brief von Jose Alvarez erhalten hatte, ein Brief, der mehr als zwei Monate unterwegs gewesen war und uns mit viel Mühe noch erreicht hatte. Denn nach unserem aufregenden Abenteuer in Mexiko hatten wir es erst einmal vorgezogen, einige Tage am sonnigen Golf von Mexiko zu verbringen und dann weiter nach Panama zu reisen. Jedoch blieb es bei dieser Idee, denn als Martin den Brief erhalten und ihn gelesen hatte, war es aus und vorbei mit unserer ursprünglichen Planung.

Meine Gedanken brachen ab, als mir bewusst wurde, dass das Flugzeug nun zum Stehen gekommen war und wir aussteigen mussten. Ich war heilfroh, als ich ausstieg und tief durchatmen konnte. Der lange Flug in der kleinen Propellermaschine war doch alles andere als erholsam gewesen. Ich gähnte im Licht der Nachmittagssonne, die ihre heißen Strahlen über die Landebahn warf. Wäre es nach mir gegangen, dann hätte ich so schnell wie möglich ein Hotel aufgesucht und versucht, ein paar Stunden Schlaf zu finden. Aber ich brauchte meinen Freund Martin nur anzusehen, um zu erkennen, dass an Schlaf und Ruhe jetzt nicht zu denken war.

Schließlich kannte ich Martin lange genug, um zu wissen, wie viel es ihm bedeutete, mit Dr. José Alvarez umgehend zu sprechen. Denn der brasilianische Wissenschaftler schien ein dringendes Anliegen zu haben, das bereits mehrere Monate zurück lag, weil wir den Brief erst so spät erhalten hatten.

Während Chidi sich um unser Gepäck, kümmerte, erinnerte ich mich noch einmal an den Inhalt des Briefes, Dieser hatte recht vielversprechend geklungen. Zwar waren wir aus manchen Andeutungen des Brasilianers nicht ganz schlau geworden, aber Dr. Alvarez hatte Martin versprochen, ihm alles Weitere nach seinem Eintreffen in Sao Paulo zu schildern. Hoffentlich war Dr. Alvarez nicht allzu verärgert über unser verspätetes Eintreffen. Deshalb waren wir uns einig, zuerst in die Historische Bibliothek zu fahren, um den Wissenschaftler von unserer Ankunft zu verständigen. Das Hotel und die damit verbundene Ruhepause mussten eben noch so lange warten.

Der Pilot wünschte uns allen noch einen angenehmen Aufenthalt in Brasilien und bedankte sich überschwänglich, wozu er auch allen Grund hatte. Denn wir hatten ihm einen guten Preis dafür bezahlt, dass er uns so schnell wie möglich nach Sao Paulo brachte. Einen solchen Lohn erhält man nicht alle Tage.

Wir ließen die üblichen Passkontrollen über uns ergehen und standen dann schließlich vor dem kleinen Flughafengebäude. Zum Glück brauchten wir nicht lange zu warten, denn ein geschäftstüchtiger Taxifahrer hatte uns bereits erspäht, startete den Motor seines Wagens und gab dann schnell Gas, bevor uns ein anderer seiner Kollegen entdeckte. Mit quietschenden Reifen kam das Taxi dann zum Stehen.

"Zum Historischen Museum", sagte Martin dem Taxifahrer, der nickte heftig. Er verstaute zusammen mit Chidi unser Gepäck im Kofferraum, und dann ging es auch schon los. Während das Taxi in einem geradezu halsbrecherischen Tempo die schmale Straße entlang schoss, bemühte sich der einheimische Taxifahrer, uns auf die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der brasilianischen Metropole hinzuweisen. Sehr schnell musste er aber einsehen, dass wir kein Interesse daran hatten. Deshalb schwieg er für den Rest der Fahrt.

"Ich kann es kaum erwarten, endlich mit Dr. Alvarez zu sprechen", sagte Martin, während das Taxi so haarscharf an einem Gemüsestand vorbei fuhr, dass dieser beinahe umgestürzt wäre. "Er hat von einer Sensation gesprochen, die er herausgefunden hat."

"Ich würde nicht unbedingt jedes Wort auf die Goldwaage legen", riet ich meinem Freund. "Schließlich kennen wir beide Dr. Alvarez nur von einem wissenschaftlichen Kongress her - und das liegt schon mehr als zwei Jahre zurück. Ein Wunder, dass er sich überhaupt noch an uns erinnert."

"Umso wichtiger ist es, dass wir der Sache so schnell wie möglich auf den Grund gehen", erwiderte Martin und schien sichtlich erleichtert, als das Taxi nach einer guten Viertelstunde in eine Straße einbog, deren Ende ein markantes Gebäude bildete. Der Taxifahrer machte uns mit eindeutigen Gesten klar, dass wir jetzt am Ziel waren. Er bremste den Wagen direkt vor dem Hauptportal des Historischen Museums ab, und wir beeilten uns auszusteigen,

"Warte hier so lange, Chidi", sagte ich zu unserem schwarzen Gefährten und bat den Taxifahrer, das gleiche zu tun. Dabei drückte Ich ihm einen Geldschein in die Hand, der ihn motivierte, jetzt eine Ruhepause auf unbestimmte Zelt einzulegen. Chidi war jedenfalls glücklich, hier warten zu können.

So machten Martin und ich uns schließlich auf den Weg zum Eingang des Museums. Es dauerte nicht lange, bis wir einen Angestellten trafen, bei dem wir uns nach Dr. Alvarez erkundigten. Zu unserem großen Erstaunen blickte der Mann ganz bestürzt, was wir uns natürlich nicht erklären konnten.

"Verstehen Sie nicht, Señor?”, versuchte es Martin noch einmal bei dem Mann. "Wir möchten Dr. Alvarez sprechen - er erwartet uns schon. Bitte bringen Sie uns zu ihm."

Der Mann war ganz aufgeregt und brauchte eine kleine Weile, bis er endlich in der Lage war zu antworten. Seine Miene war eine einzige Geste des Bedauerns, als er uns ansah.

"Haben Sie es denn noch nicht gehört, Señores?", fragte er Martin und mich und schaute jeden von uns beiden lange an, bevor er fortfuhr. "Es ist sehr bedauerlich, Ihnen das mitzuteilen - aber Dr. Alvarez ist leider verstorben. Es ist noch nicht einmal zwei Wochen her, und wir alle sind noch sehr schockiert über seinen plötzlichen Tod. Ein großer Verlust für dieses Museum, Señores."

"Verdammt!", entfuhr es Martin, der seine Enttäuschung und das Entsetzen über die plötzliche Wende der Ereignisse nicht verbergen konnte. "Wir waren mit Dr. Alvarez verabredet. Er wollte uns unbedingt sprechen. Sagen Sie, Señor - wer leitet jetzt dieses Museum?"

"Dr. Montoya", bekam Martin zur Antwort. "Kommen Sie bitte mit", forderte er uns dann auf. "Selbstverständlich bringe ich Sie gleich zu ihm. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Nachricht von dem plötzlichen Tod unseres geschätzten Museumsleiters sehr schockierend für Sie ist."

Wir folgten dem Museumsangestellten, immer noch sehr überrascht vom Tode Dr. Alvarez. Hatten wir die Strapazen der langen Reise nach Sao Paulo womöglich umsonst auf uns nehmen müssen, oder würde uns der Nachfolger von Dr. Alvarez eventuell etwas sagen können? Gleich würden wir es erfahren.

Der Angestellte führte uns über einen langen Flur zu einem Eingang, der in den Verwaltungstrakt des Museums führte. Dort blieb er schließlich vor einer Tür stehen, klopfte devot an und betrat dann erst den Raum. Wir warteten ungeduldig ab, bis man uns aufforderte, einzutreten. Während wir das taten, entfernte sich der Angestellte wieder hastig. Sekunden später standen wir dann dem Nachfolger von Dr. Alvarez gegenüber, der sich sofort von seinem Schreibtisch erhob, als wir eintraten, und dann auf uns zuging.

"Buenos dias, Señores", begrüßte er uns. "Ich bin Dr. Montoya, der neue Leiter dieses Museums. Man sagte mir, Sie wollten Dr. Alvarez sprechen? Vielleicht kann ich Ihnen weiterhelfen. Dr. Alvarez ist leider vor zwei Wochen verstorben."

Ich konnte mir nicht helfen, aber irgendwie war der Blick dieses schwarzhaarigen schlanken Mannes unangenehm lange auf uns gerichtet. Vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, wenn ich glaubte, dass Dr. Montoya Mühe hatte, seine Neugier zu zügeln. Aber ein kurzer Blick zu Martin zeigte mir, dass mein Freund ähnliches dachte.

"Wir sind sehr überrascht vom Tode des Dr. Alvarez", erwiderte Martin nur. "Wir haben einen Brief von ihm bekommen. Er bat uns, nach Sao Paulo zu kommen. Aber wir haben uns ja noch gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Martin Haller, und das hier ist mein Freund Peter Jakobs."

"Sie sind Deutsche, nicht wahr?”, fragte Dr. Montoya jetzt und schien einen Augenblick lang zu überlegen, bevor er wieder fortfuhr. "Ah, richtig, jetzt erinnere ich mich wieder. Dr. Alvarez sprach einmal von einem Señor Haller, den er bei einem Kongress kennengelernt hat. Sehr bedauerlich, dass Sie beide mit ihm nicht mehr sprechen können. Es ging alles so schnell ...”

"Wie ist das geschehen?", wollte Martin jetzt wissen. "War Dr. Alvarez vielleicht krank?"

"O nein, Señores", erwiderte Dr. Montoya. "José Alvarez war ein Mann, der für seine Arbeit lebte. Umso mehr hat uns sein Tod getroffen. Wahrscheinlich hat er all die Jahre zu viel gearbeitet und sich zu wenig geschont. Ich fand ihn tot in seinem Büro - in diesem Raum hier. Der Arzt stellte dann Herzversagen fest. Nun, der Jüngste war er ja auch nicht mehr. Bedauerlich, aber das ist der Lauf der Dinge." Er wartete einen kurzen Moment, bevor er fortfuhr. "Sie sagten, Dr. Alvarez habe Ihnen einen Brief geschrieben? Kann ich ihn vielleicht einmal sehen? Ich würde Ihnen gerne weiterhelfen."

"Oh, es ist nichts Besonderes, Dr. Montoya", erwiderte Martin rasch und winkte ab. "Es war ein persönlicher Brief. Dr. Alvarez hatte uns eingeladen, ihn zu besuchen. Natürlich konnten mein Freund und ich nicht ahnen, welche traurigen Umstände diese Reise haben wird. Nein, ich fürchte, Sie können uns nicht weiterhelfen - aber trotzdem vielen Dank. Wir haben Ihre kostbare Zeit ohnehin schon zu lange in Anspruch genommen,"

"Aber ich bitte Sie, Señores", sagte der Museumsleiter daraufhin. "Das ist doch das mindeste, was ich für Sie tun kann. Werden Sie trotzdem noch in Sao Paulo bleiben?"

"Wir wissen es noch nicht, Dr. Montoya", erwiderte Martin ausweichend. "Auf jeden Fall vielen Dank, dass Sie Zeit für uns hatten. Jetzt müssen wir aber wieder gehen. Wir haben ohnehin schon viel zu viel Ihrer Zeit in Anspruch genommen."

Mit diesen Worten wandte er sich zur Tür und nickte mir zu. Ich sah den enttäuschten Gesichtsausdruck Pedro Montoyas, der liebend gerne mehr über den Grund unseres Besuches erfahren hätte. Aber bei uns stieß er auf Granit, und das war gut so. Auch wenn ich da vielleicht ein wenig zu schnell urteilte - aber irgendwie mochte ich diesen aalglatten Burschen nicht, der die Nachfolge von Dr. Alvarez angetreten hatte. Vielmehr erinnerte mich Montoya an einen Menschen, der seine Aggressionen nur mühsam zurückhalten konnte.

"Vielleicht sehen wir uns, falls Sie länger in Sao Paulo bleiben”, meinte Montoya noch, als wir die Tür seines Büros schon halb geöffnet hatten.

"Kann sein", antwortete ich an Martins Stelle. "Wir haben es nicht eilig, Señor Montoya. Vielleicht halten wir uns wirklich noch ein paar Tage in der Stadt auf, bevor wir wieder aufbrechen. Einen schönen Tag noch."

Was Montoya sonst noch zu sagen hatte, hörten wir nicht mehr, denn in diesem Moment schloss sich die Tür hinter uns. Ich warf Martin einen fragenden Blick zu, doch der gab mir nur ein kurzes Zeichen, noch so lange abzuwarten, bis wir außer Hörweite des Büros waren. Ich begriff sofort und sagte nichts, bis wir wieder die große Museumshalle erreicht hatten und auf den Ausgang zuhielten.

"Da stimmt etwas nicht, Peter", meinte Martin "Vielleicht irre ich mich ja auch, wenn ich mir den Kopf zerbreche - aber mein Gefühl sagt mir, dass wir noch ein paar Tage in Sao Paulo bleiben sollten. Die Nachricht vorn Tod des Dr. Alvarez stimmt mich nachdenklich."

"Da magst du recht haben, Martin", stimmte ich meinem Freund zu, während wir uns dem Ausgang näherten. "Vor allen Dingen dieser Dr. Montoya - hast du seine Augen gesehen, als er uns anschaute? So ein verschlagener Bursche wie der hat es faustdick hinter den Ohren. Der Gedanke, dass er es war, der Dr. Alvarez tot in seinem Büro gefunden hat, gefällt mir ganz und gar nicht. Ist dir aufgefallen, wie neugierig er war, als er uns nach dem Brief fragte? Der wollte bestimmt den Grund unseres Besuches in Erfahrung bringen."

"Du bist ein guter Menschenkenner, Peter", lobte mich Martin. "Genau das gleiche habe ich mir auch gedacht. Vielleicht ist Dr. Alvarez wirklich eines natürlichen und plötzlichen Todes gestorben. Zumindest werden wir so lange hier bleiben, bis wir näheres ln Erfahrung gebracht haben. Gehen wir jetzt besser. Chidi wird draußen schon ungeduldig auf uns warten. Fahren wir erst einmal in die Stadt und suchen uns dort ein Quartier. Dann werden wir uns um alles Weitere kümmern."

"Einverstanden", stimmte ich meinem Freund zu und folgte ihm ins Freie. Während wir in das Taxi stiegen und dem Fahrer Anweisung gaben, uns in ein gutes Hotel im Stadtzentrum zu bringen, berichtete Martin in kurzen Sätzen unserem schwarzen Gefährten, was wir im Museum erfahren hatten. Chidi machte große Augen, als er diese Neuigkeiten hörte; Natürlich überraschte auch ihn der plötzliche Tod von Dr; Alvarez.

Als das Taxi losfuhr, drehte ich mich noch einmal kurz um und schaute zurück zum Eingangsportal des Museums. Für einen winzigen Moment glaubte ich dort einen großen schwarzhaarigen Mann stehen zu sehen, der dem davon fahrenden Taxi neugierig nachschaute.

2. Kapitel: Nächtliche Schatten

Das Hotel, in dem wir fürs erste unser Quartier aufschlugen, stellte uns sehr zufrieden. Zwar wurde unser hünenhafter schwarzer Gefährte an der Rezeption ziemlich misstrauisch gemustert, aber schließlich schafften wir es, den Hotelangestellten von Chidis friedlichen Absichten zu überzeugen.

Wir nutzten die Gelegenheit, um uns kurz zu erfrischen und beschlossen dann, uns gleich auf den Weg zu dem Haus von Dr. Alvarez zu machen. Zwar wussten wir, dass José Alvarez Zeit seines Lebens ein eigenbrötlerischer Wissenschaftler gewesen war, der nicht geheiratet hatte. Aber selbst wenn er allein lebte, so gab es doch immer Menschen in der Nachbarschaft, die uns vielleicht das eine oder das andere sagen konnten. Das hofften wir, als wir uns auf den Weg zum Haus von Dr. Alvarez machten, das nur etwa zwanzig Minuten vom Hotel entfernt war. Deshalb verzichteten wir diesmal auf ein Taxi und gingen zu Fuß.

Zu dieser späten Nachmittagsstunde herrschte ein ziemlicher Betrieb auf den Straßen. Jetzt da die größte Hitze abgeflaut war, erwachte das bunte Treiben zu beiden Seiten der Straße zum vielfältigen Leben. Händler an Obst- und Gemüseständen versuchten, den vorbeigehenden Passanten ihre Waren anzubieten. Mehr als nur einmal mussten wir freundlich, aber bestimmt ablehnen. Denn uns stand nicht der Sinn nach einem Einkaufsbummel.

Wir erkundigten uns bei einem Tabakhändler nach dem Weg. Die Calle Estancia war eine bekannte Straße, so dass uns der Mann sofort weiterhelfen konnte. Gut zehn Minuten später standen wir dann vor dem Haus des verstorbenen Dr. Alvarez. Wie wir es erwartet hatten, war das Tor zum Garten des Grundstückes verschlossen, so dass wir uns auf diesem Weg keinen Zutritt verschaffen konnten. Aber wie es Martin und ich vermutet hatten, brauchten wir nicht lange zu warten, bis sich drüben auf der anderen Straßenseite jemand rührte.

"Da wohnt niemand mehr, Señores!", erklang eine weibliche Stimme. Ich wandte den Kopf und blickte in das abweisende Gesicht einer vielleicht fünfzigjährigen, matronenhaft wirkenden Brasilianerin, die uns misstrauisch von Kopf bis Fuß ansah. "Dr. Alvarez ist tot - wissen Sie das denn nicht?"

"Doch, Señora", erwiderte Martin sofort mit freundlicher Stimme. "Deshalb sind wir ja hier - weil wir hoffen, mit jemandem sprechen zu können, der ihn näher gekannt hat - Nachbarn und Freunde zum Beispiel."

"Wer sind Sie?", wurde Martin dann in skeptischem Ton gefragt. "Sie sehen nicht aus, als würden Sie aus dieser Gegend stammen, Señores. Weshalb haben Estranjeros - Fremde wie Sie - Interesse an Dr. Alvarez?"

"Verzeihen Sie mir bitte meine Unhöflichkeit", sagte Martin nun. "Mein Name ist Martin Haller. Das hier ist mein Freund Peter Jakobs, und dieser Schwarze Ist unser Gefährte Chidi. Wir haben einen Brief von Dr. Alvarez bekommen und sind erst vor zwei Stunden in Sao Paulo angekommen. Dort haben wir vom Tod des Museumsleiters erfahren und deswegen ..“

"Sie sind Martin Haller?", unterbrach ihn die ältere Frau. "Können Sie sich ausweisen?"

"Selbstverständlich", versicherte ihr Martin sofort, während er mir einen vielsagenden Blick zuwarf. Er holte seine Papiere und den Brief des verstorbenen Dr. Alvarez heraus und zeigte beides der Frau. "Mir scheint, als wäre Ihnen mein Name nicht ganz unbekannt, Señora. Vielleicht können wir ja jetzt in Ruhe ..."

"Sie sind es tatsächlich”, nickte die Frau, ohne gleich auf Martins Äußerung einzugehen. Zuerst sah sie sich Martins Pass an. Erst dann schwand das Misstrauen aus ihren Zügen, und zum ersten Mal hatte sie so etwas wie ein kurzes Lächeln für uns übrig. "Entschuldigen Sie bitte meine Zweifel, Señor Haller. In diesen Zeiten gibt es ja kaum noch jemandem, dem man trauen kam. Kommen Sie bitte mit hinein - ich heiße Maria Noares - ich war bis zum Tode von José Alvarez bei ihm als Haushälterin beschäftigt."

Das war mehr, als wir erhofft hatten. Wir folgten der älteren Frau in ihr Haus, wo sie uns auf der Schatten spendenden Veranda des kleinen, aber umso sauberer wirkenden Hauses einen Platz anbot.

"Sie wundern sich bestimmt, woher ich Ihren Namen kenne, Señor Haller", ergriff die ehemalige Haushälterin jetzt wieder das Wort. "Aber Dr. Alvarez hat oft von Ihnen gesprochen, von Ihren Reisen in ferne Länder und von den Erkenntnissen, die Sie dort gewonnen haben. Ich bin zwar nur eine einfache Frau - aber Dr. Alvarez sprach von Ihnen als einem bedeutenden Mann. Deswegen haben Sie mein Vertrauen - Sie alle, Señores." Sie sah uns der Reihe nach an, bevor sie fortfuhr. "Es kam sehr plötzlich - die Nachricht vom Tode Dr. Alvarez. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass er tot ist - er war so voller Lebenskraft, wenn Sie verstehen, was ich meine." Ihre Augen schimmerten feucht bei diesen Worten.

"Wissen Sie etwas Näheres über den Brief, den er mir geschrieben hat, Señora Noares?" wollte Martin nun von ihr wissen. "Sie waren doch seine Haushälterin und hatten somit eine Vertrauensstellung bei ihm, oder?"

"Über seine Arbeit hat er nur wenig mit mir gesprochen”, antwortete Maria Noares. "Aber durch Zufall habe ich am Morgen, als man mir die Nachricht von seinem Tode überbrachte, in seinem Zimmer seltsame Aufzeichnungen gefunden, für die sich auch Dr. Montoya interessierte. Denn er erkundigte sich bei mir, ob ich wüsste, womit sich Dr. Alvarez bis kurz vor seinem Tod zu Hause beschäftigt habe. Natürlich hätte ich ihm Näheres sagen können, aber Dr. Montoya ist ein äußerst unangenehmer Mensch, zu dem man nicht unbedingt Vertrauen haben sollte - wenn Sie verstehen, was ich damit sagen will."

"Nur zu gut", pflichtete ich ihr bei und berichtete Maria Noares von unserem kurzen Zusammentreffen mit dem Nachfolger von Dr. Alvarez. "Würden Sie uns denn diese Aufzeichnungen zeigen, Señora Noares?", versuchte ich es dann. "Vielleicht hilft uns das weiter, denn mittlerweile sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass Dr. Alvarez einen triftigen Grund gehabt haben muss, uns nach Sao Paulo kommen zu lassen."

"Ich hole die Aufzeichnungen, Señor Jakobs", bekam ich dann zur Antwort. "Ich halte sie hier in meinem Haus versteckt, weil ich nicht möchte, dass sie in die Hände von Leuten geraten, die es nicht wert sind. Nur einen kurzen Augenblick - ich bin gleich wieder zurück."

Während sie ins Haus eilte, sahen Martin und ich uns kurz an. Der Zufall oder besser gesagt, das Schicksal hatte uns wieder einmal auf die richtige Fährte gebracht. Was wir schon vermutet hatten, wurde allmählich zur Gewissheit. Es gab tatsächlich jemanden aus dem persönlichen Umfeld des Toten, der uns weiterhelfen konnte: seine Haushälterin.

Wir mussten nicht lange warten, bis Maria Noares wieder zurück kam. Diesmal hatte sie nicht nur einen Umschlag bei sich, sondern auch einen großen Krug mit eisgekühltem Fruchtsaft, den sie uns jetzt anbot. Dafür waren wir ihr mehr als dankbar, denn selbst das Dach der Veranda hielt die herrschende Hitze kaum zurück.

"Hier bitte", sagte sie dann und überreichte Martin den verschlossenen Umschlag. "Sie sind der erste außer mir, der einen Blick darauf wirft. Aber Sie sind ein gebildeter Mann, Señor Haller - bestimmt können Sie mehr damit anfangen als eine einfache Frau wie ich."

Während Chidi sich bei Señora Noares für den kühlen Saft bedankte, schaute ich zu Martin, der jetzt den Umschlag öffnete und einen Blick auf die wenigen Seiten warf, die sich darin befanden. Ich selbst war ebenfalls sehr gespannt, was dort geschrieben stand. Wichtig musste es auf jeden Fall sein, denn Martins Miene wirkte in diesen Sekunden sehr angespannt und teilweise auch überrascht, als hätte er nicht damit gerechnet, etwas dieser Art jemals lesen zu können.

"Peter, schau dir das einmal an", sagte Martin dann nach einer halben Ewigkeit - so kam es mir jedenfalls vor. "Äußerst interessant, meinst du nicht auch?"

Ich konnte es kaum abwarten, bis Martin mir die eng beschriebenen Seiten endlich in die Hand drückte. Der Text war hastig abgefasst, teilweise auch durchgestrichen und durch andere Wörter ersetzt. Ich studierte Zeile für Zeile und kam dann nicht mehr aus dem Staunen heraus. Was ich jetzt las, klang so unglaublich, dass ich meine berechtigten Zweifel haben musste.

Dr. Alvarez schrieb etwas von einem "geheimnisvollen Stamm", der irgendwo tief in den undurchdringlichen Wäldern des Amazonas lebte und der bisher kaum einen Weißen zu Gesicht bekommen hatte. Dr. Alvarez stützte seine Behauptungen auf Hinweise in längst vergessenen Kirchenbüchern, die er mühsam studiert und jeden einzelnen noch so kleinen Hinweis sorgfältig ausgewertet hatte.

Alvarez schrieb von Tempeln, in denen fremde Riten vollzogen wurden - zu Ehren des Sonnengottes. Aber die Mayas und Azteken hatten doch viel weiter nördlich gelebt, hatten in Peru und Mexiko ihre Blütezeit erlebt, bis auch diese Völker zum Untergang verurteilt worden waren.

"Das ist, das ist doch einfach …", stieß ich aufgeregt hervor und las weiter, was Dr. Alvarez aufgeschrieben hatte. Aber je länger ich darüber nachdachte, umso mehr wurde nun zur Gewissheit, dass Dr. Alvarez uns deswegen informiert hatte. Weil er von diesen Nachforschungen etwas der Zivilisation mitteilen und somit dieses Wissen mit uns teilen wollte.