Die vergessenen Träume - Ellen Sussman - E-Book
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Beschreibung

Wann ist man bereit für eine Liebe, die nicht sein darf?Als das Flugzeug durch die Wolken bricht und unter ihr der dichte Dschungel, die Reisfelder und die traumhaften Strände Balis sichtbar werden, fühlt Jamie Hyde ihr Herz sinken. Erst ein Jahr ist es her, seit sie die Insel zuletzt besucht hat. Ein Jahr, seit sie ihren Freund beim Terroranschlag auf einen Nachtclub verlor. Ein Jahr, seit der Amerikaner Gabe sie aus der Flammenhölle rettete. Nun kehrt Jamie nach Bali zurück, um mit der schrecklichsten Nacht ihres Lebens Frieden zu schließen. Heimlich hofft sie auch, Gabe wiederzutreffen. Doch was wird sie ihm sagen, wenn sie vor ihm steht? Ist sie bereit, sich selbst zu vergeben – und wird sie lernen, wieder zu träumen?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:343


Ellen Sussman

Die vergessenen Träume

Roman

Aus dem Amerikanischen von Veronika Dünninger

Die Originalausgabe erschien 2013

unter dem Titel »The Paradise Guest House«

bei Ballantine Books, New York.

Der Limes Verlag ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Random House.Copyright © der Originalausgabe 2013 by Ellen Sussman

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Limes Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH

Umschlagillustration und -gestaltung: www.buerosued.de

Satz: Vornehm Mediengestaltung GmbH, MünchenISBN 978-3-641-11860-0www.limes-verlag.de

Gewidmet dem Andenken meiner Eltern,

Gil und Shirley Sussman,

die nicht die Chance bekamen,

die Welt zu bereisen.

Erster Teil2003

»Und Sie?«, fragt der Mann. »Was führt Sie nach Bali?«

Das Flugzeug bricht durch die Wolken, und da ist sie: eine Insel voller dichter Dschungel, in Terrassen angelegter Reisfelder und herrlicher Strände. Jamie zuckt zusammen, als hätte ihr jemand eine Faust ins Herz gerammt.

»Urlaub?«, fragt ihr Sitznachbar, als sie nicht sofort antwortet.

»Ja«, lügt sie. »Urlaub.«

Er hat ihr bereits von seinem Meditationszentrum erzählt, in dem nur geschwiegen wird, wie er es kaum noch erwarten kann, wie er unbedingt ausspannen muss, und sie denkt: Fang jetzt damit an. Sie verflucht sich dafür, dass sie überhaupt mit ihm geredet hat. Es war der zweite Scotch, der ihre Zunge gelöst hat, sodass sie gegen ihre Regel verstoßen hat: Kein Smalltalk in Flugzeugen. Man kann nicht entkommen.

»Ganz allein?«, fragt er.

Jamie wendet sich zu ihm um. »Es findet dort eine Veranstaltung statt«, sagt sie. »Ich wurde eingeladen, daran teilzunehmen.« Sie gleitet geistesabwesend mit einem Finger über die lange, dünne Narbe seitlich an ihrem Gesicht und vergräbt dann die Hand im Schoß.

»Eine Hochzeit?«, fragt er wissbegierig. Er hat ihr bereits von seiner hinreißenden australischen Verlobten erzählt, die ihn in dem Meditationszentrum in Ubud treffen wird.

»Nein«, sagt Jamie. Jetzt herrscht in ihrem Kopf ein Wirrwarr von Gedanken. Es gibt keinen Grund, ihm irgendetwas zu erzählen. Und doch hat sie der ganzen Welt erzählt: Ich fahre zurück nach Bali. Sie hat es genossen, die verblüfften Gesichter ihrer Freunde zu sehen. Wie mutig, haben sie gesagt. Wie tapfer.

Das Flugzeug ruckelt, als es durch eine Wolke bricht, und Jamie umklammert die Armlehnen ihres Sitzes.

»Was zeichnen Sie da?«, fragt ihr Sitznachbar. »Sie sind gut.«

Jamie sieht auf den Block in ihrem Schoß. Sie hat ein Luftbild der Insel skizziert. Sie arbeitet mit leichter Hand und ein paar Strichen– sie hat es sich selbst beigebracht, und das sieht man. Manchmal bekommt sie es richtig hin, und manchmal– so wie diesmal– fügen sich die Linien nicht zusammen.

»Gekritzel«, sagt sie und legt eine Hand über das Papier. Das Flugzeug neigt sich zur Seite, und die Südküste von Bali kommt in Sicht. »Da ist der Strand von Kuta.«

Der weiße Sandstrand erstreckt sich meilenweit. Die Mitte der Insel besteht nur aus Gebirge und Dschungel. Die Farbe ist faszinierend– ein schillerndes Eidechsengrün. Dann ist sie verschwunden, und sie sind in eine dichte Wolke gehüllt.

»Sie waren schon einmal hier?«, fragt er.

»Vor einem Jahr«, sagt sie. Ihre Hände sind glitschig vom Schweiß.

»Als meine Verlobte meinte, ich solle sie hier treffen, habe ich mir gesagt: Ausgeschlossen, José. Letztes Jahr wurden hier Hunderte von Leuten bei den Terroranschlägen getötet, richtig? Bomben in Nachtclubs? Aber sie verspricht mir immer wieder, dass es ein Paradies ist.«

Wie zum Teufel will dieser Typ in einem Meditationszentrum überleben, in dem die ganze Zeit geschwiegen wird?, denkt Jamie.

Und wie ein Mann, der nicht weiß, was er mit einem Augenblick der Stille anfangen soll, redet er prompt weiter: »Warum sollten Terroristen überhaupt Bali angreifen? Das mit dem World Trade Center verstehe ich ja noch– es war schließlich das Zentrum der Wirtschaftswelt. Aber junge Leute, die auf irgendeiner abgelegenen indonesischen Insel in einem Club tanzen?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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