Die verschattete Frau - Barbara Rudin - E-Book

Die verschattete Frau E-Book

Barbara Rudin

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Beschreibung

Magisterarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft, Note: 5 (Skala 1 - 5), University of Oulu, Sprache: Deutsch, Abstract: Ziel ist, die Frauenbilder in der Literatur und der bildenden Kunst mehrerer Epochen festzuhalten, wobei der Schwerpunkt auf dem Fin de Siècle liegt. Es wird angenommen, dass diese Bilder in der faktualen Welt wurzeln und sich nicht unbedingt davon unterscheiden. Man stellt fest, dass es sich bei den Frauenbildern um Konstrukte handelt, die von den Männern auf die Frauen projiziert werden. Im Grunde erscheinen zwei Projektionen, daraus entsteht ein idealisiertes und ein pejoratives Frauenbild, eine 'Heilige' und eine 'Hure'. Auf C. G. Jungs kollektive Schattentheorie rekurrierend wird argumentiert, dass männliche Schattenanteile, also verdrängte Ich-Anteile des Mannes, die Frauenbilder hervorbringen. Die Frau wird gemacht und sie bildet den kollektiven Schatten einer androzentrischen, patristischen Gesellschaft. Neben dem Orten der Frauenbilder bestand eines der Hauptziele der Forschungsarbeit darin, die Entstehung dieser Bilder zu ergründen. Die Antwort liegt in der patristischen Gesellschaftsform, deren Frucht die Kunst ist, die solche Frauenkonstrukte hervorbringt. Sie wird von patristisch geprägten Menschen kreiert, die in der repressiven, lustfeindlichen Art des Patrismus erzogen wurden. Diese Art führt zu Angst und letztlich zur Ausbildung des persönlichen und des kollektiven Schattens, da Bedürfnisse verdrängt werden müssen. Die verdrängten Anteile gelten als Minderwertig, werden abgespalten und auf minderwertige Gesellschaftsanteile, z. B. auf Frauen, projiziert und u. a. in der Kunst verarbeitet, was in mehr oder weniger abstrakter Form auftritt. Der Patrismus bringt kranke Liebesbeziehungen hervor, zwischen Mann und Frau als auch zwischen Mutter und Kind. Dadurch entwickelt das Kind ein dichotomes Mutter- resp. Frauenbild. Das dritte große Problem der Arbeit bestand folglich in der Suche nach einem Ausweg aus der Produktion des dichotomen Mutterbilds. Die Antwort scheint in der Art der Erziehung zu liegen. Sie soll dem Kind ermöglichen, seine Bedürfnisse auszuleben und nicht verdrängen zu müssen, Authentizität und persönliche Integrität zu entwickeln, statt Persönlichkeitsanteile abspalten zu müssen. Die richtige Art der Liebe und Freiheit scheint dabei essenziell zu sein. Besprochene Werke oder Figuren: Lulu, Frühlings Erwachen, Salome, Elektra, Fräulein Else, Therese, Mignon, Effi Briest, Melück Maria Blainville, Undine, die Wachsflügelfrau, das gefrorene Meer, die Marquise von O., Franziska zu Reventlow, Emilia Galotti, der Zauberberg.

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Veröffentlichungsjahr: 2011

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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangspunkt
ERSTER TEIL: EVIDENZ
3. Die Frauendarstellungen im Patrismus
Kapitel
3.1.1 Die Femme fatale
3.1.1.1 Wedekinds Lulu
3.1.1.3 Kubins Frauen
3.1.2 Die Femme fragile enfante
3.1.2.1 Schnitzlers Fräulein Else
3.1.2.3 Franz von Stucks Innocentia
3.1.3 Die Femme légitime
3.1.3.1 Effi Briest
3.1.3.2 Die Femme légitime in der bildenden Kunst
3.2 Frauenbilder in der Romantik
3.2.1 Melück Maria Blainville - die exotische Hexe
3.2.2 Undine - der Schicksalsengel aus einem anderen Reich
3.4 Frauenbilder des Mittelalters
5. Veränderte Gesellschaftsstrukturen - Frau macht mobil
ZWEITER TEIL: ERKLÄRUNG
7. Die Entstehung der patristischen Gesellschaftsordnung
8. Die Verschattung der Frau
8.1 Der Kollektive Schatten im Patrismus

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8.3 Der Kollektive Schatten bei Jung oder: die Gemeinsamkeit zwischen Juden und Frauen 68 8.4 Das Nordweib Louhi von Akseli Gallen-Kallela 71 8.5 Die leere Frau 73 8.6 Die liebeskranke Mutter und die dichotomen Projektionen 75 8.6.1 Die Angst der Männer 79 8.6.2 Die Religion des Patrismus 81

DRITTER TEIL: AUSWEG

9. Ein Weg aus den patristischen Machtstrukturen und Bilderprojektionen 83

9.1 Eine gesunde Gesellschaft hat keinen Schatten 83 9.2 Eine sanfte resp. heilsame Pädagogik 84

10. Zusammenfassung 89

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1. EINLEITUNG

Die Frau dient als Projektionsfläche männlicher Projektionen, d. h. die Bilder, die man(n) sich von Frauen macht, sind bloße Konstrukte. Dies sind längst bekannte Erkenntnisse, auf die sich meine Forschung stützt. In dieser Arbeit liegt mir am Herzen, mögliche Gründe und Entstehungsmechanismen für dieses Phänomen aufzuzeigen. Insbesondere beschäftigt mich die Frage nach dem Woher dieser Bilder, dieser Fantasien, die meiner Meinung nach stets zwei Grundtypen produzieren: die ‚Hure‘ und die ‚Heilige‘, wenn auch in verschieden ausgeprägten Ausführungen. Weiter beschäftigt mich die Frage danach, wie das Entstehen der falschen Bilder verhindert werden kann. Die Arbeit spaltet sich deshalb in drei große Teile auf. Im ersten Teil werde ich Frauenbilder der Literatur vier verschiedener Epochen analysieren (Jahrhundertwende, Romantik, Renaissance und Mittelalter) und einordnen und sie mit Bildern illustrieren, auf die fatale Sexualmoral sowie die Erziehung und die Bildung der Mädchen eingehen, wobei der Schwerpunkt meiner Forschung auf dem Fin de Siècle liegt. Die Renaissance und das Mittelalter sind absichtlich äußerst knapp gehalten. Die zwei Epochen dienen lediglich als Beispiele und sollen illustrieren, dass in jeder Epoche wohl ein dichotomes Frauenbild existierte. Das Mittelalter ist des knappen Umfangs wegen auch nicht mit Bildern illustriert. Zudem verzichtete ich auf die Lektüre von Primärquellen und fasste kurz eigene sowie die Beobachtungen aus Sekundärquellen zusammen. Die bedeutendsten Feststellungen in diesem Teil ist der Zusammenschluss der zwei Frauenfiguren Femme fragile und Femme enfante und dass die Femme légitime, also die Mutter und Ehefrau, lediglich eine Fortsetzung dieser kindlich-fragilen Figur darstellt. Alles in allem repräsentieren diese Frauentypen die verharmloste Projektion, die ‚Heilige’. Ihr Pendant ist die Femme fatale. Ihre Sinnlichkeit wird dem Mann zum Verhängnis. Und weil libidinöse Frauen zur Jahrhundertwende generell für Prostituierte gehalten wurden, bezeichne ich diesen Frauentyp als ‚Hure’.

Der zweite Teil enthüllt erst die Entstehungstheorie des ‚Patrismus’ von James DeMeo. Ich werde argumentieren, dass im Verlauf der Entstehung des ‚Patrismus’ die Frau (sowie Kinder, die Natur und abnorme Männer) in den ‚Schatten‘ (C. G. Jung) der nun androzentristischen (und anthropozentristischen) Welt abgedrängt wurde. Die Objektivierung von Kindern, Tieren, der Natur im Allgemeinen und abnormer Männer erwähne ich lediglich, sie liegt aber nicht in meinem Forschungsfokus. Ich schildere DeMeos Argument, dass durch die Wüstenbildung und die plötzliche Ressourcenverknappung, später durch Kriege, die Menschen ihre ursprünglich friedliche, ‚ungepanzerte‘, also ‚matristische‘ Gesellschaftsform aufgaben und sich körperlich und seelisch zu ‚panzern’ (W. Reich) gezwungen sahen. Durch die ‚Panzerung’ entstand Verdrängung, folglich das Unbewusste und all seine Folgen, so schlussfolgere ich, wie beispielsweise das Projizieren verdrängter Persönlichkeits- also ‚Schattenanteile’ auf Dritte, wodurch u. a. die besagten Frauenbilder entstanden sind. Gemäß der Analytischen Psychologie C. G. Jungs entsteht im Unbewussten auch der Archetyp des ‚Schattens’ oder der des ‚kollektiven Schattens’ im Unbewussten einer Gruppe. Ich argumentiere, dass u. a. die Frauen die Position dieses ‚kollektiven

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Schattens’ zugewiesen bekamen, was ich die ‚Verschattung der Frau‘ nennen will. Die Verschattung wird in den Frauenbildern evident. Ein weiterer Verschattungsprozess findet statt, wenn Frauen vom idealisierten Bild ins pejorative abrutschen. Gegen Ende des zweiten Teils der Arbeit führe ich Evidenz für eine allgemein krankhafte Eltern-Kind-Beziehung auf, was mir Textpassagen aus der Bibel bestätigen, insbesondere aber widme ich mich der Mutterbeziehung. Durch ‚harte’ Pädagogik entsteht ein dichotomes Mutterbild, woraus dann die dichotomen Frauenbilder in der Kunst resultieren. Den Einfluss des Vaters behandle ich höchstens beiläufig. Überhaupt sah ich mich im Rahmen dieser Arbeit gezwungen, einige Themen beiläufig zu erwähnen oder Fragen lediglich aufzuwerfen, ohne näher darauf einzugehen. Mir lag aber daran, weil ich den Umfang und die Ausmaße des Systems, das ich beschreibe, nämlich den ‚Patrismus’, aufzeigen will, der eben nicht nur die untersuchten Frauenbilder, sondern eine ungeheure Anzahl von Phänomenen, wie eine bestimmte Religionsform, eine bestimmte Form der Pädagogik, der Wissenschaft usw. - eine bestimmte Denkform überhaupt - hervorbringt.

In diesem Teil werde ich nochmals eine Bildanalyse vornehmen, um die Evidenz der Verschattung in der Kunst zu verdeutlichen. Mir scheint, dass die verschatteten Anteile der patristischen Gesellschaft in dem verwendeten Gemälde von Akseli Gallen-Kallela beispielhaft verarbeitet wurden. Es zeigt nicht nur die verschattete Frau Louhi, sondern dazu weitere verschattete Elemente wie die Natur und ‚unmannhafte’ Männer.

Zu guter Letzt plädiere ich für eine ‚weiche‘ Pädagogik, die Kinder in ‚Freiheit‘, wie A. S. Neill sagte, aufwachsen lassen sollte, was nicht mit ‚Laisser-faire‘ verwechselt werden darf. Sie soll Kindern in persönlichen Bereichen Freiheit lassen, währenddem die soziale Gruppe und die Sicherheit ihnen ihre Grenzen setzten. Sie sollen verhindern, dass Kinder sich gezwungen fühlen, sich psychisch und physisch zu ‚panzern’, zu hassen, sich zu ängstigen und frustriert zu sein. Eine solche Pädagogik ist meines Erachtens notwendig, wenn wir die kranken Elternbeziehungen in gesunde, die hierarchischen Gesellschaftsstrukturen in gerechte und nicht zuletzt die falschen Projektionen in ein authentisches Frauenbild umwandeln wollen. Die ‚richtige’ Bezeichnung oder exakte Methode einer solchen Erziehung ist dabei unwichtig. Wichtig ist lediglich das Resultat: glückliche und gesunde Kinder resp. Erwachsene, die ihr Leben leidenschaftlich leben. Solche Kinder werden weder das Bedürfnis der Schattenprojektion noch die Projektionsfläche dazu entwickeln. Sie müssen nichts verdrängen, weil es ihnen gestattet ist, sämtliche Bedürfnisse auszuleben, was letztlich die Bedingung für eine gesunde Gesellschaft darstellt.

Ungewöhnliche Begriffe erkläre ich im Verlauf des Textes oder in Fußnoten, in der Einführung und dem zweiten Kapitel zu den Methoden werden sie noch nicht geklärt. Vollständige Quellenangaben erfolgen erst ab dem ersten Teil. Weiter bediene ich mich ab und an eines medizinischen Vokabulars, was andeuten soll, dass ich die patristische Gesellschaft und ihre Symptome, wie ihre Sexualmoral oder ihre Eltern-Kind-Beziehungen, als krankhaft erachte. Der zweite Teil wird ebenfalls verdeutlichen, warum diese Arbeit die Sexualität so dringend ansprechen

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muss: weil der Patrismus im Fokus steht unddieseGesellschaftsform die Sexualitätparadoxerweise durch deren Verdrängung - derart betont. Um den Patrismus zu hinterleuchten, muss ans Licht gebracht werden, was dieser lieber im Schatten weiß.

Zum Tempusgebrauch muss gesagt werden, dass ich zwischen dem Gebrauch des Präsens und den Vergangenheitsformen hin- und hergerissen war, weil die patristische Gesellschaftsordnung durchaus nicht überwunden ist und kulturell sowie individuell sehr variieren kann.

Trotz der umstrittenen Zitierfähigkeit der Online-EnzyklopädieWikipediaverwendete ich sie im ersten Teil wenige Male als allgemeine Informationsquelle zur Vorstellung von Autoren oder zur OperMignonsowie zur Figur der Mignon, da diese Quelle in diesem Fall die besten Informationen bot.

Weiter entschied ich mich für einige Zitate aus zweiter Hand, da die örtlichen Bibliotheken leider einen sehr beschränkten Bestand an deutscher Literatur anbieten und das Überprüfen der Korrektheit der Zitate mit übermäßigem Aufwand und zeitlichen Einbußen verbunden gewesen wäre. Unter der Rubrik ‚sekundäre Referenzen‘ in der Bibliografie sind diese Werke als auch solche verzeichnet, auf die ich mich im Verlauf des Textes in irgendeiner Weise beziehe. Eine solche Liste erstellte ich deshalb, weil mir die darunter verzeichneten Werke als Basisliteratur fast unabdingbar scheinen. Meine Arbeit baut indirekt auf ihnen auf, obwohl ich sie nicht selber studierte, wohl aber in meiner Forschungsliteratur darüber las und merkte, wie elementar sie für die wissenschaftlichen Werke und Theorien sind, die ich im Folgenden präsentieren werde. Das Palimpsesthafte eines Textes wird hiermit deutlich - und so scheinen diese sekundären Referenzen durch andere Texte bis zu meinem eigenen hindurch, weshalb ich nicht auf ihre Nennung verzichten will.

Im folgenden Unterkapitel beabsichtige ich meine Vorstellung über die Hierarchien in der patristischen Gesellschaft darzustellen, damit hoffentlich meine Gedankengänge und Vorstellungen im ersten bis dritten Teil der Arbeit für Dritte besser verständlich werden.

1.1 AUSGANGSPUNKT

Der Mechanismus der psychischen Verdrängung und des Projizierens unerwünschter Eigenschaften auf Schattenfiguren resp. -gruppen schafft ein hierarchisches System und erhält es zugleich. Das System braucht ein ‚Wir‘ und ein ‚die Anderen‘, welches festlegt, was normal und was unnormal, gut und schlecht/böse, was hoch- oder minderwertig ist. Wer bestimmt aber, wer ‚wir‘ und wer ‚die Anderen‘ sind? Es sind diejenigen, die durch irgendwelche Umstände die Macht in Händen halten. Je nachdem, auf welcher Ebene der sozialen Sphäre und auf welchen Standpunkt resp. Zeitpunk man sich stellt, handelt es sich dabei um andere Gruppen. Aber den Kopf bildet stets der Gleiche: der Mann. ‚Die Anderen‘ können aber durchaus auch Männer sein, z. B. die Bauern, die Sklaven, die ‚Schwarzen‘, die Nachbarn, die Juden, die Heiden, die Homosexuellen, die

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Tutsi in Ruanda, die Ainu in Japan usw., je nachdem, von welcher kulturellen und/oder historischen Perspektive man ausgeht. Das ‚Wir‘ kann selbstverständlich auch Frauen beinhalten oder meinen: wir Arierinnen, wir Bürgerinnen, wir Christinnen. In diesem Fall identifizieren sich Frauen mit der dominanten Männergruppe. Was zählt, ist die Macht und die gesellschaftliche Stellung des ‚Wir’. Der Mächtige definiert am Ende die Hierarchie aller gesellschaftlichen Gruppen und dabei gibt es immer - metaphorisch gesprochen - zwei ‚Stränge‘ der hierarchischen Ordnung: einen kulturellen und einen geschlechtlichen Strang. Sind ‚wir‘ die weißen, christlichen Aristokraten, sind die anderen Muselmanen und die Juden, die ‚Gelben’, aristokratisch oder nicht, Männer und Frauen. Innerhalb der ‚Anderen‘ gibt es aber nochmals andere; die muselmanischen, jüdischen und ‚gelben’ Frauen1. Ebenso gibt es innerhalb vom ‚Wir‘ nochmals andere, nämlich ebenfalls die Frauen. Dabei gilt die Regel, dass die männlichen Mitglieder innerhalb einer perzipierten Gruppe, ob vom ‚Wir‘ oder den ‚Anderen‘, stets oberhalb der weiblichen stehen, ob nun bei den Sklaven oder den Herren. Dabei lässt sich nicht immer sagen, ob dann die Angehörige einer sozial- oder kulturhierarchisch höher stehenden Gruppe einen höheren Status hat als ein Angehöriger einer sozial- oder kulturhierarchisch tiefer stehenden Gruppe, weshalb ich von ‚zwei hierarchischen Strängen‘ spreche. Sie sind unabhängig voneinander. Das folgende Zitat Caroline Nortons, einer Schriftstellerin der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, soll dies verdeutlichen:

Ich habe nie an die verrückte und lächerliche Lehre geglaubt, die für die Gleichberechtigung eintritt. Ich bin sogar der Meinung (weil nach der allgemeinen Auffassung die Ehefrau unter ihrem Mann steht), ... daß ich unter Herrn Norton stehe. Ich bin ein bewölkter Mond neben dieser Sonne. Man soll mir dann aber auch (und das ist alles, worum ich bitte) die Stellung gewähren wie seinen sonstigen Untergebenen! Die Stellung seiner Haushälterin, die er nicht ungestraft verleumden kann ... oder die seines Lehrlings, den er nach dem Gesetz nicht mißhandeln darf, oder die seines Küchenjungen, dem er für seine Arbeit Geld geben muß ... Geben Sie mir wenigstens ein Gesetz, das mich schützt. (Zit. aus Utrio 1991, S. 251)

Otto Weininger meinte klipp und klar: „Das höchststehende Weib steht noch unendlich tief unter dem tiefststehenden Mann“ (Zit. aus Herrmann 2008, S. 198).

Neben den oben genannten zwei Hierarchiesträngen gehe ich von einer doppelten Dichotomie aus: jene der Geschlechter sowie jene der zwei Gegensätze der weiblichen Projektionsbilder; eben einem idealisierten (die ‚Heilige‘) und einem pejorativen (die ‚Hure‘).

Beide werde ich hinterleuchten und als Phänomen der ‚patristischen’ Gesellschaftsordnung entlarven.

ZUR METHODEUND MEINERPOSITION 2.

Meine Arbeit reiht sich offensichtlich zu den Studien der Geschlechterforschung, genauer zu den Theoriemodellen des soziohistorischen Paradigmas, das sich den in der Literatur konstruierten

1Frauen produzieren selbstverständlich auch sowohl einen persönlichen als auch einen kollektiven Schatten, so z. B. die Prostituierten gegenüber den wohl gesitteten Bürgerinnen. Den Schatten der Frau werde ich allerdings höchstens andeuten, nicht aber näher behandeln.

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Frauenbildern widmet.2Allerdings begnügt sie sich nicht, wie viele andere Arbeiten, die das Frauenbild im Fokus haben, mit der bloßen Feststellung gewisser Frauenbilder, sie will diesen Konstrukten insbesondere auf den Grund gehen. Dieser Grund wird in der Gesellschaftsstruktur, in der diese Bilder entstanden, vermutet, was mich zur Anwendung der zweiten Methode veranlasste, die ich in der Folge beschreiben und illustrieren will:

Undine aber blieb diesmal, obgleich auf gewohnte Weise sanft, dennoch auf ungewohnte Weise, bei ihrer Meinung fest; sie sagte, als Hausfrau gebühre ihr, alle Anordnungen der Wirtschaft nach bester Überzeugung einzurichten, und niemand habe sie darüber Rechenschaft abzulegen, als ihrem Ehgemahl und Herrn. (Fouqué 2001, S. 69)

Undine stellt hier die Rangordnung klar: Sie ist die Hausfrau, also die zweitmächtigste Person in diesem ritterlichen Haushalt, nach ihrem „Eheherrn“ (Fouqué 2004, S. 54), Huldbrand, der die Oberhand über den Haushalt und stets das letzte Wort hat. (Natürlich ist nicht geklärt, ob sie im Falle eines Verstoßes gegen ihre Rolle als Hausfrau tatsächlich mehr Rechte hätte als der Haushofmeister, der Knecht oder sonst ein Angestellter. Ihr Einfluss hängt vom guten Willen ihres Mannes und davon ab, ob sie sich an die Regeln hält.) Der Satz aus Fouqués romantischer Erzählung verrät die ganze Gesellschaftsstruktur der erzählten Welt: Sie ist streng hierarchisch organisiert, es gibt eine Herrschaft und Untertanen. Weiter ist sie patristisch organisiert - was immer mit einer Hierarchie Hand in Hand geht, wo Männer über andere Männer herrschen -, eine geschlechtliche Machtstruktur, wobei das männliche Geschlecht über das weibliche regiert. Diese Machtstrukturen sollen im Fokus der vorliegenden Arbeit liegen. Dabei interessiert mich insbesondere die Herkunft dieser Strukturen, das Warum der früheren und gegenwärtigen Gesellschaft.

Nun gibt es einen Streit unter den Philologen, von denen die einen eine Vermengung der literarischen und der realen Welt ablehnen und den Literaranthropologen. Ich vertrete den Standpunkt der anderen Gruppe, denn das Anthropologische an der Literatur interessiert und fasziniert mich. Man könnte argumentieren, dass fiktive Texte eben fiktiv sind und nicht faktisch, und sich daher davon nicht auf die faktuale Welt schließen lässt. Natürlich sind die präsentierten Tatsachen eines fiktiven Textes mit Vorsicht zu genießen. Dennoch vertrete ich die Ansicht, dass fiktive Texte eine Menge nützliches anthropologisches Material enthalten, das durchaus auf den Nerv der Zeit zurückzuführen ist, denn jeder Text ist in seine Entstehungszeit eingebettet und so mancher Autor resp. manche Autorin bediente sich des eigenen Erfahrungsschatzes oder außergewöhnlicher Begebenheiten in Zeitungsberichten. Alexander Košenina führt in seinem BuchLiterarische Anthropologiein die Teildisziplin der Literaturanthropologie ein und zeigt uns gleichzeitig die vielfältige Vermengung von Fiktion und Fakten auf. Ein bekanntes Beispiel einer solchen Verarbeitung eines tatsächlich geschehenen „unerhörten“ Vorfalls ist selbstverständlich Kleists NovelleDie Marquise von O...,auf welche auch in Košeninas Lehrbuch eingegangen wird3. Es handelt von der Marquise, die im Ohnmachtszustand von einem Offizier geschwängert wird und

2Lena Lindhoff 2003:Einführung in die feministische Literaturtheorie.Ulm

3Košenina, S. 125 - 128

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von allem nichts weiß, bis sich ihr veränderter Körper ihr offenbart. Sie begibt sich per Zeitungsannonce auf die Suche nach dem Vater und findet ihn unter viel Leid und Verwirrung. So unglaublich und gestellt die Geschichte auch wirkt, gab es laut Košenina immer wieder solche Geschichten von ohnmächtig geschwängerten Frauen, sodass die Geschichte durchaus in der Realität verankert ist.4In diesem Sinne gehe ich in der folgenden Arbeit im Bezug zu den konkreten Machtverhältnissen und gesellschaftlichen Strukturen von einer in der faktischen Welt wurzelnden Basis für die Darstellung der fiktiven Welten aus. Dass Undine ihren Ehemann als ihren Herrn bezeichnet, ist kein Kunstgriff, keine Fiktion, sondern rührt von den damaligen Traditionen und Gepflogenheiten her, denn die aufklärerische Forderung nach der Gleichstellung aller Menschen meint die Frauen nicht mit: „Frauen sind der blinde Fleck der Aufklärung“ (Košenina 2008, S. 117). Und weiter unten: „Die Frau steht unter der Vormundschaft des Ehemannes, sie ist also kein selbstständiges Wesen“ (ebd.). Košenina zitiert als Beispiel einen Juristen der Romantik, der bestätigte, dass die Frau in der Ehe bloß eine Magd ihres Herrn sei und ihren Willen dem seinen zu unterziehen habe, dies sei von Gott so gewollt5. Nimmt es also nicht wunder, dass in einem Stück Literatur der Romantik eine weibliche Figur ihren Ehegemahl als ihren Herrn bezeichnet und dazu glaubt, ihn zu lieben. Das Machtverhältnis tritt anstelle des Liebesverhältnisses und die Frau als Bedienstete wird zum Frauenideal. Außerdem ist es wohl kaum von Nöten darauf aufmerksam zu machen, dass die übrigens streng patristisch6organisierte(n) Kirche(n) und ihre Lehre(n) samt Lehrbuch, der Bibel, diese ungleichen Machtverhältnisse fördert(e), ja fordert(e):

Zur Frau sprach er [Gott]: Viel Mühsal bereite ich dir, sooft du schwanger wirst. / Unter Schmerzen gebierst du Kinder. / Du hast Verlangen nach deinem Mann; / er aber wird über dich herrschen. (Gen. 3,16)

Der benannte Jurist und jeder andere misogyne Zeitgenosse hatten also Recht auf Gott zu rekurrieren. Die soziale Struktur der faktischen Welt, in welcher Fouqués Erzählung entstand, war patristisch - und so ist auch die soziale Struktur seiner erzählten Welt.

Weiter rekurriere ich in meiner Argumentation, ja bereits im Titel der Arbeit, auf die analytische Psychologie C. G. Jungs, genauer auf seine Theorie des persönlichen und kollektiven Schattenarchetyps, was mich in den Bereich der Literaturpsychologie bringt. Dieser dritten Methode bediene ich mich zur Beschreibung der psychologischen Bedingungen und Prozesse in einer patristischen Gesellschaft, insbesondere der Projektion. Es soll der Versuch unternommen werden zu beschreiben, welches die psychologischen Vorgänge sind, welche die Frau so lange auf einen minderwertigen Status zurücksetzten. Gleichzeitig aber fordere ich Jungs Theorie heraus, wenn ich behaupte, die Frau sei der kollektive Schatten des Mannes. Gemäß seiner Theorie nämlich ist der Schattenarchetyp stets gleichgeschlechtlich.7

4Košenina, Alexander 2008:Literarische Anthropologie. Die Neuentdeckung des Menschen.Berlin5Ebd., S. 117f.6Begriffsdefinition siehe Kapitel 3.

7Gerhard Schmitt 1999:Text als Psyche. Einführung in die analytische Psychologie C. G. Jungs für Literaturwissenschaftler.Aachen

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ERSTER TEIL: EVIDENZ

3. DIE FRAUENDARSTELLUNGENIMPATRISMUS

Diese Arbeit unterscheidet begrifflich zwischen ‚Patriarchat‘ und ‚Patrismus‘. Ich verstehe unter dem ersten Begriff eine etwas eingeengte Sicht der androzentrischen Gesellschaftsform. Er hebt vor allem das ungleiche Verhältnis zwischen den Geschlechtern hervor. Der ‚Patrismus‘, wovon DeMeo8spricht, hat nach meinem Verständnis die gesamten, oft unbeachteten Auswirkungen bis in den hintersten Winkel einer ‚gepanzerten‘ Gesellschaftsordnung zum Inhalt, die im Verlauf der Arbeit erwähnt werden. Beachtet wird auch, dass Frauen genauso betroffen sind von der psychischen und somatischen Panzerung. Aus diesen Gründen verwende ich letzteren Ausdruck. Ich finde den Begriff ‚Patriarchat‘ jedoch nicht falsch. Im Gegensatz dazu ist des Wort ‚Matriarchat‘ völlig verfehlt, es bezieht sich auf einen Mythos, wie insbesondere von Johann Jacob Bachofen9proklamiert. ‚Matrismus‘ in meinem Sinn und was DeMeo und Wilhelm Reich darstellten, meint eine egalitäre, ‚nicht gepanzerte‘, genießerische Gesellschaftsform, die im Gegensatz zur allgemeinen Vorstellung von ‚Wilden‘, alles andere als anarchisch ist bzw. war, insbesondere auch in Bezug auf die Sexualität.

Unter diesem Kapitel sollen die Symptome, die Auswüchse der ‚gepanzerten‘10, patristischen Gesellschaft beleuchtet werden, welche sich in den künstlerischen Produkten der Menschen, die darin lebten, abzeichnen. Die Verarbeitung geschlechtlicher Strukturen in der Kunst kann beiläufig oder bewusst geschehen sein. Als ‚Symptome‘ und ‚Auswüchse‘ bezeichne ich u. a. die Menschendarstellungen, vielmehr die Frauendarstellungen in den Kunstprodukten, insbesondere den literarischen Texten, auf die ich mich als Philologin selbstverständlich konzentriere. Dabei bediene ich mich teilweise, aber bewusst, eines pathologischen Vokabulars und somit einer pathologischen Metaphorik, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass ich diese gesellschaftliche Ausbildung als pathologisch erachte. Im Kapitel über die Entstehung des Patrismus werde ich die Gründe dafür ausführen. Im letzten Kapitel vor der Zusammenfassung dieser Arbeit wird weiter klar, dass ich mit meiner Ansicht nicht alleine auf weiter Flur stehe.

FRAUENFIGURENIN DER BILDENDENKUNST, MUSIKUNDLITERATURDER3.1 JAHRHUNDERTWENDE

Bekannte und gerne aufgegriffene Frauenbilder sind die Femme fatale und die Femme fragile oder enfante, wobei sich diese Bilder oftmals überschneiden und Mischbilder entstehen. Erstere ist die „gefährliche[..], erotisch aktive[...] Frau“ (Kimmich und Wilke 2006, S. 62), das zerbrechliche

8James DeMeo 2006:Saharasia: The 4000 BCE Origins of Child Abuse, Sex-Repression, Warfare and Social Violence in the Deserts of the Old World. The Revolutionary Discovery of a Geographic Basis to Human Behavior.Greensprings9Johann Jacob Bachofen 1861:Das Mutterrecht: eine Untersuchung über die Gynaikokratie der alten Welt nach ihrer religiösen und rechtlichen Natur.Stuttgart

10Der Begriff stammt von Wilhelm Reich und wird im Kapitel 7.Die Entstehung der patristischen Gesellschaftsordnungerklärt.

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Gegenteil ist das Bild eines „zarten Mädchen[s, eines] engelhaften Wesen[s...]“ (ebd.). Im Folgenden will ich auf einige Frauenfiguren aus der Literatur, der Oper und der bildenden Kunst eingehen und sie kurz analysieren. Wie in der Einleitung bereits angekündigt liegt mein Forschungsschwerpunkt die Frauenbilder betreffend auf der Epoche der Jahrhundertwende, wovon ich auf weitere Epochen schließe.

3.1.1 DIE FEMMEFATALE

Stéphanie Catani unterscheidet generell zwischen drei Frauentypen der Jahrhundertwende und unterteilt diese wiederum in Untertypen. Ich stimme der Dreiteilung im Großen und Ganzen zu, werde ihnen aber eine andere Überschrift verleihen und muss dazu ausführen, dass die letzten beiden Typen meines Erachtens auf ein und dieselbe Vorstellung rekurrieren. Catani unterscheidet das dämonische Weib und darunter die Femme fatale und die Dirne, weiter die Kategorie der Kind-Frau, darunter die Femme fragile und das ‚süße Mädel‘. Als dritte Kategorie nennt sie die ‚legitime‘ Weiblichkeit, die Ehefrau und die Mutter.11Eine Aufteilung in Kategorien und Unterkategorien per se finde ich jedoch nicht so einfach. Häufig überschneiden sich die verschiedenen Figuren oder nehmen unterschiedliche Formen an. So werden oft Prostituierte oder alleinstehende Frauen zu Femmes fatales12. Als Beispiel dazu verweise ich auf SchnitzlersTherese.Darin kommt sowohl die Mutter als auch die Tochter in Verruf. Die Mutter ‚bringt‘ ihren Mann in die Psychiatrie und vergisst ihn dort quasi. Anstatt sich um ihn zu kümmern, widmet sie sich ihrer eigenen Schriftstellerkarriere und geht Liebschaften ein. Zudem wirkt sie als Kupplerin für ihre Tochter. Diese gerät selbst in Verruf, da sie sich öffentlich mit jungen Männern zeigt und sich schließlich einem Soldaten hingibt. Als ob das nicht genug wäre, begibt sie sich in die Großstadt Wien und geht dort in Stellung. Ein solches Verhalten bedeuteten dazumal Anzeichen sittlicher Gefährdung, denn Dienstmädchen wurde generell ein Hang zur Prostitution, d. h. im damaligen Verständnis ‚sexuelle Zügellosigkeit‘, nachgesagt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Therese einen unehelichen Sohn gebärt, diesen von fremden Leuten aufziehen lässt und endlich von ihm ermordet wird.13

Für diese Kategorie verwende ich lieber den Begriff der ‚Femme fatale‘, weil dieser Begriff meines Erachtens das Dämonische, Verfängliche, Vernichtende und Todbringende bereits beinhaltet. Dieser Typ entspricht gemein gesprochen dem Begriff der ‚Hure‘, wie ich ihn in der Einleitung verwende. Festzuhalten ist unbedingt, dass all diese Begriffe und die damit verknüpften Vorstellungen stets auf die weibliche Sexualität rekurrieren. ‚Dämonisch‘ heißt ‚sexuell verkommen‘, ‚verfänglich‘ ist ‚sexuell unwiderstehlich‘ usw. Ich möchte deutlich darauf hinweisen, dass die

11Stephanie Catani 2005:Das fiktive Geschlecht. Weiblichkeit in anthropologischen Entwürfen und literarischen Texten zwischen 1885 und 1925.Würzburg, S. 88 - 12412Vgl. Catani 2005, S. 97ff.

13Arthur Schnitzler 1970:Therese. Chronik eines Frauenlebens.In:Gesammelte Werke.2. Bd:Die Erzählenden Schriften.Frankfurt a. M.

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Begriffe und Vorstellungen stets sexualisiert sind, was entsprechende Rückschlüsse auf die Gesellschaft, die sie verwendete, ziehen lässt.

Es dienen nicht nur anthropologische Modelle (Dienstmädchen, Prostituierte) als Projektionsflächen für literarische Inszenierungen von Weiblichkeit, sondern auch mythologische. Um die Jahrhundertwende erblühen die ‚bösen‘ Frauen aus der christlichen und griechischen Mythologie von Neuem: Judith, Salome, Klytämnestra, Circe, Helena...14. Doch die „Grenze zwischen einer Prostituierten und einer sexuell attraktiven Frau [scheinen sich] gleichsam aufzulösen“ (Catani 2005, S. 99). Die Prostituierte war das Sinnbild für die moralisch verkommene Frau. Diese subtile „Lust am moralisch Verworfenen“ (ebd., S. 98) war blind für die Not der Frauen, die sich gezwungen fühlten, ihren Körper zu verkaufen. Man sah darin lediglich den animalischen Trieb der Frau, der ihr von verschiedenen Wissenschaftlern, ich möchte sagen ‚Pseudowissenschaftlern‘, wie Weininger15oder Möbius16, angeheftet wurde. Derselbe behauptete gar, jede Frau besäße jegliche „Dirneninstinkte“ (Weininger 1903, S. 277. Zit. nach ebd.).