Die Verschriftlichung des haitianischen Kreols - Tim Bornkessel - E-Book

Die Verschriftlichung des haitianischen Kreols E-Book

Tim Bornkessel

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Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Romanistik - Französisch - Linguistik, Note: 1,0, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Institut für Romanistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Es mag nach unserem hochzivilisierten Kultur- und Gesellschaftsbegriff wohl schon paradox anmuten, dass eine als offiziell deklarierte Sprache innerhalb ihres eigenen Landes in derart markanter Ausprägung unterrepräsentiert wird wie in Haiti. Tatsächlich speist sich dieser Eindruck aus einem der wesentlichen soziolinguistischen Phänomene des seit 1804 von seiner ehemaligen Kolonialmacht Frankreich unabhängigen karibischen Inselstaates: einem bis heute präsenten sprachideologischen Missverhältnis zwischen dem in elitären Kreisen gesprochenen Französisch und dem Kreyòl, welches von nahezu allen Einwohnern beherrscht, vor allem aber vom verarmten, ungebildeten Großteil der Bevölkerung gesprochen wird. Es erscheint evident, dass sich der sozial niedrige Status des Kreols gegenüber dem Französischen vor allem aufgrund ökonomischer und bildungspolitischer Probleme und der disproportionalen demografischen Strukturen in der haitianischen Gesellschaft seit der Unabhängigkeitserklärung kaum gewandelt hat. Und obschon zunehmend eine politische Programmatik vertreten wird, die die Förderung der Zweisprachigkeit fokussiert und die Kreyòl seit 1983 sogar als zweite Amtssprache Haitis festschreibt, konzentriert sich dessen kommunikative Praxis fortwährend auf den mündlichen Gebrauch − Französisch dagegen dominiert in der Korrespondenz, der Information und Administration. Ergo, so scheint es, offenbart sich hierin eine maßgebliche Divergenz von politischem Gedanken und gesellschaftlicher Realität. Im Hinblick auf sprachplanerische Projekte, den Status des Kreyòl im kulturellen Wertesystem zu erhöhen, nimmt die Debatte um dessen systematische Kodifizierung eine Schlüsselrolle ein. Interessant erscheint hier insbesondere danach zu fragen, welche verschiedenen Kriterien und Prinzipien bei der Erstellung einer orthographischen Norm eine Rolle spielen und inwiefern diese mit den Einstellungen verschiedener Sprechergruppen in Interaktion treten. – Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, einerseits die unterschiedlichen Konstitutionsebenen der Verschriftungsdebatte zu ergründen und gleichfalls die damit verknüpften politisch-ideologischen wie auch ethnologischen Diskurse miteinzubeziehen.

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