Verlag: epubli Kategorie: Krimi Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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E-Book-Beschreibung DIE VERSCHWUNDENE BRAUT - Werner Jursa

Jetzt höre ich auch aus der Küche ein Stöhnen. Wolf-Dieters Chef de Cuisine, Frau Gisela Murk, sitzt durch Klebeband fest fixiert auf einem Küchenstuhl. Über ihren Kopf ist eine Leinen-Tasche gestülpt, die mit 'I ❤ ULM‘ beschriftet ist. Ich nehme sie ihr ab. Im Mund steckt ein Geschirrtuch. Als ich es entferne, beginnt sie zu schluchzen. Ich schneide mit einem Küchenmesser vorsichtig die Klebebänder durch um sie zu befreien. Nachdem ich an ihr keine sichtbaren Verletzungen feststelle, gehe ich wieder zurück in den Schankraum zu Drago. Annette und Peter sind eben eingetroffen. Die Frau Doktor kümmert sich um Drago. Peter steht daneben und schüttelt den Kopf. Er dreht sich zu mir um und meint: „Was ist denn das für eine Scheiße?“ Drago kann uns nichts mehr erzählen. Er hat sich in eine Ohnmacht verabschiedet. Wir hören das Martinshorn, und ich gehe nach draußen um die Sanitäter einzuweisen. Das kleine Lokal ist plötzlich gut gefüllt. Sanitäter, Polizei und meine restlichen Freunde sprengen fast die Kapazität des Raumes. Ich bitte Conny und Maria sich in ein anderes Lokal zu begeben, hier wird heute keine rechte Stimmung mehr aufkommen. Sie nicken mir zu und sind weg. Doktor Annette hat sich in das medizinischen Team integriert. Ich suche Peter. Er ist in der Küche und versucht von Gisela zu erfahren, was geschehen ist. Sie meint, es ging alles so schnell. Sie sei gerade bei Drago im Gastraum gewesen, da stürmten zwei maskierte Männer herein. Sie schlugen Drago nieder, und einer der beiden drängte sie in den Küchenraum, um sie dort mit Klebeband auf einem Stuhl festzubinden. Weil sie geweint hatte, bekam sie ein Küchentuch als Knebel in den Mund gestopft, und abschließend einen Jutesack über den Kopf gestülpt. Peter ist bemüht sie zu beruhigen. Er fragt, ob einer der beiden Männer gesprochen hätte? Sie verneint kopfschüttelnd. Peter seufzt. Wir geben Gisela in die Obhut eines Sanitäters. „Drago ist noch nicht wieder bei Bewusstsein.

Meinungen über das E-Book DIE VERSCHWUNDENE BRAUT - Werner Jursa

E-Book-Leseprobe DIE VERSCHWUNDENE BRAUT - Werner Jursa

Für meine FrauAmanda, die sich über die Ruhe freut,

die bei uns eingekehrt ist seit ich schreibe, und meinem Sohn Enzo,

der mich nur noch kopfschüttelnd betrachtet.

Dank und abermals Dank giltTanja,welche sich das Lesen undV

Zum Inhalt:

DerPrivatdetektiv Rudolf Lauer wird von einem Klienten zur Suche seiner verschwundenen Braut verpflichtet. WassichamAnfangalsRoutineauftrag darstellt, entwickelt sich mit der Zeit zu einem Kampfgegen Verbrecher,deneneinMenschenleben nichts bedeutet.

Über denAutor:

DieerstensiebenJahrehat WernerJursain Oberbayern gelebt, danach ist er mit seinen Eltern aufdieSchwäbische Albgezogen.Dortlebterbis zumheutigen TageinbeschaulicherUmgebungmit seiner Frau und seinem Sohn. Bis zu seiner Pensionierung war er in der IT-Branche tätig.

Der Neffe, der keiner war 2017

ISBN:978-3-7450-0611-7

Verlag epubli – www.epubli.de

Der Ziellose erleidet

sein Schicksal -

der Zielbewusste

gestaltet es.

Mein Leben ist wieder schön und ruhig – man kann auchsagen–ganzschönruhig.Die Aufgaben,die ich auf Grund meines neuerdings erworbenen Bekanntheitsgrades zugeschanzt bekomme,halten sich im Rahmen dessen, was ich bereit und fähig bin zu leisten. Mein letzter spektakulärer Fall ist in der Presse ausführlich behandelt worden und hat mir dadurch Werbungeingebracht,welcheichnicht einmalbezahlenmusste.Der Andrangdurch Neukunden war zeitweilig so groß, dass ich gezwungenwarzweiFälleabzulehnen. AlsGrund gabichÜberlastungan. Aberichvermute,eswar eher eine angenehme, wohlige Faulheit.

Ich  bewohne  noch  immer  dieses  von  mir angemieteteWohnbüro.  Zwei  Zimmer.  Eines,  mit einem      Schrankbett      ausgestattet,      ist      mein Nachtwohnraum. Er enthält neben meiner einklappbaren Liegestatt auchmeingeerbtes Televisionsgerät (ein guter, alter Röhrenfernseher, Marke Grundig, mit leicht grießigem Bild). Der zweiteRaumdientmirals Tagwohnraum.Indiesem steht, schräg gegenüber der Eingangstür, mein geliebter, geerbter Schreibtisch – wuchtig und dominant. Hinter ihm – versteckt – meinIKEA- Reste-Abteilungsstuhl – ein großartiger Kauf – ein Schnäppchen! VonmeinemSchrankbettzimmeraus habe  ich  direkten  Zugriff  auf  mein  kleines  aber feinesBad.Dusche, Waschbecken, WC-Sitz– kompakt   aber   sehr   gemütlich   –   und   –   mit integrierter,  kleiner, erlesener Bibliothek.

In meinem – ich nenne es malBüro – befindet sich außerdem eine kompakte, exquisite ‚Teeküche‘, bestehendauseinemhalbhohenWandschränkchen, indemBesteck, Tellerundzweileicht angeschlagene, antike Tassen,sowieeineSchachtel mit Fencheltee undeine DoseInstant-Kaffee stehen. Obenauf   liegt sorgfältig ausgebreitet   ein weiß-blaues,kariertesGeschirrtuch.Das Weiß-Blauist eineHommage an Bayern, genauer gesagt an die Löwen  –  die  Sechzger!  Irgendwann  in  meinem LebenhabeichplötzlichdieSeelenverwandtschaft mit dem gepeinigten, glücklosenVerein verspürt.

Dochzurückzur Teeküche.DerenHerzstückistein Edelstahlkrug mit einem Fassungsvermögen von einemLiterund–das Wichtigste–einem Tauchsieder. Dieser Tauchsiederisteintechnisches Wunderwerk. Damitkannman Teekochen, Kaffeewasser erhitzen und – Gourmet-Suppen zaubern!EinwirklichesHighlightinderWeltder 'HauteCuisine'.   EinfachdasSuppenpulverinden Stahlbehältergeben,Wassernach Anleitung hinzufügen,   Tauchsieder  hinein,  einstecken  und nach kurzer Zeit bedacht umrühren, gegen den Uhrzeigersinn – um positive Energie in die Nahrung zu bringen, und schon ist die Suppe fertig. Noch einen Hauch Ingwer dazu, und sie mundet wie vom großenAlfons persönlich geköchelt.

Ich habe soeben meine Morgentoilette beendet. Der Tag verspricht sehr schön und warm zu werden. Ich entscheidemichfüreinschwarzes T-Shirtundeine kurze, beige Skater-Hose. Mit meinen siebenunddreißig   Lenzen   muss   ich   mich   übers Outfit jugendlich gestalten. Ichstreifedas T-Shirt über und schlüpfe in die Hose. Noch einen Blick in den Spiegel – übrigens auch geerbt – ich bin der geborene Glückspilz.

Ich  fahre  mit  der  Hand  durchs  Haar,  noch  einen

Blick – yaou – ich finde es ist ganz gut so.

Ichbinmirdurchausbewusst,dassmeinBlickin den Spiegel als egoistisches oder gar narzisstisches Verhalten gedeutet werden könnte – was wahrscheinlich auch stimmt.  Aber ist es nicht lebenswichtigseinEgoim Augezubehalten?Istes nicht wichtig, sich selbst zu schmeicheln um dann fröhlich,gutgelauntundausgeglichenindie Welt hinaus zu ziehen um ins altruistische Lager zu wechselnunddortGuteszu tun? Wie hätte die Evolution ohne einer Portion gesunden Egoismus funktionieren sollen?– Onlythe strongest will survive!

MeinGangistetwashölzern.Gestern Abendwar wieder  Lauftraining  angesagt.  Seit  Kurzem trainieren wir   täglich.  Wahrscheinlich habe ich mich etwas übernommen – aber das wird schon wieder. Die Begeisterung für den Laufsport hat Hauptkommissar Peter Biegel in mir entfacht. Wir haben zusammen einen Kriminalfall gelöst und dabei eine äußerst ehrgeizige Mörderin entlarvt. Während dieser Zusammenarbeit brachte der Hauptkommissar als kriminalistischen Ausgleich das 'Joggen' ins Spiel. Anfänglich musste ich mich überwinden, doch schon nach kurzer Eingewöhnung ist bei mir eine Art Bewegungssucht entstanden.

Wolf-DieterbietetbiselfUhrein,wieeresnennt,

‚Globales Frühstück‘ an. Dabei handelt es sich um einebunteMischungaus  Essbarem.  Schwerpunkt bei  der   Auswahl  der  Speisen  liegt  in  deren Nährwert.Wolf-Dieter  fügt  jedem  Frühstück  eine knappe, aber präzise Beschreibung der einzelnen Bestandteile bei – als Information und Appetitanregung!

Wolf-Dieteristder Alleineigentümervom‚Scharfen Eck‘undmeinLieblingskneipier. Vonder Erscheinung her könnte er der Zwillingsbruder vom alten Karl Marx sein – quasi ein ‚Marxbrother‘.

Sein   wirres   Haupthaar   verbindet   sich   ohne sichtbarenÜbergangmitdemstruppigenVollbart, welcher sein Kinn vollständig einrahmt. Das fastbarbarisch,aggressiveAussehenwirddurch seinenetwas vollschlanken Körperbau verstärkt. DieHosenträger,ohnedieersichinder Öffentlichkeitnicht blicken lässt, entschärfen das Gesamtbild entscheidendundgebenseiner Körperkompositioneinen eher gemütlichen Touch. Seine karierten Hosen–Wolf-Dieterträgt immerkarierteHosen–lassenihninfrankophilem Licht erscheinen –konkreter–imLichteines unbeugsamen,gallischenDorfes.

Ich habe mich heute Morgen gegen zehn Uhr mit Maria und Conny im ‚Scharfen Eck‘ verabredet. Die Besitzverhältnisse derFirmaKLINGMEG GmbH sind nun endgültig geklärt. Beide werden das Unternehmen zukünftig führen. In die Details wollen sie mich heute einweihen.

NachdemHauptkommissarPeterBiegelundichdie Mordserie  umdie  KLINGMEGaufgeklärthaben, sind wir alle sehr gute Freunde geworden.

Dank meiner bescheidenen Fachkenntnis, in meinem früheren Leben war ich Kommissar für Wirtschaftsdelikte, kann ich mit den beiden auch betriebswirtschaftliche Themen ganz gut diskutieren.

Ichverschließemeine Wohnungstürundbefestige aus Macht der Gewohnheit ein Haar am unteren Drittelzwischen TürblattundRahmen.Dasisteine liebgewordene Sicherheitsmaßnahme, die ich entweder James Bond oder Sam Spade abgeschauthabe. WenndasHaarfehlt,kannichmit Besuchern  ohneAnmeldung  rechnen,  die  sich  in meinem Etablissement unerlaubt breit machen.

Ein letzter Blick auf das Haar, dann verlasse ich mein Domizil und schon bin auf demWeg ins ‚Scharfe Eck‘.

Wolf-Dieter  hat  vor  seinem  Lokal  einen  kleinen, aber gemütlichen Freisitz geschaffen. Bunte Sonnenschirme schützen die Gäste vor zu viel UV-Strahlung undvermitteln ihnen das Gefühl behaglicherGeborgenheit. Vondensechs quadratischen Tischen,diesichwieeinekleine Schafherde  hinter  einem  bunten   Lattenzaun   scharen,   sindfünfbelegt. Wolf-Dieters'Globales Frühstück'istbeidenhungrigenUlmerninzwischen sehr beliebt.

Aufdemsechsten Tischseheicheinengroßen, handgeschriebenen    Zettel    mit    den    Worten

‚ACHTUNG! – RESERVIERT!‘.

Wolf-Dieter macht keine halben Sachen. – Eigentlich habe ich nur ein großes, handgemaltes 'NA!!!' erwartet – weiß der Kuckuck warum.

KaumnehmeichPlatz,stehtWolf-Dietermiteinem

KännchenKaffeenebenmir.Miteinemtiefsinnigen„Na“  stellt  er  eine  eingeschenkte  Kaffeetasse  vor mir ab und das Kännchen daneben. Ich hebe zum DankdenrechtenArmundsage:„Yaou“.Ernickt, er  weiß  Bescheid.  Nach  der  kurzen  Unterhaltung gehterwiederseiner Arbeitnach.Wolf-Dieterist Erfinder und Meister der optimierten Gesprächsführung.

Maria und Connybiegen eben in die Niedere Gasse ein und kommen auf mich zu. Noch ein kurzer Moment und ich werde sie begrüßen können. Maria wurdenachdemtragischen TodihresOnkelsdie HaupterbinderFirmaKLINGMEG. Außerden Anteilen ihres Onkels hat sie auch die des ebenfalls ermordeten Doktor Rudolf Klinger erhalten. Diese Regelung wurde bei der Firmengründung im Gesellschaftsvertraghinterlegt.Beim Todeinesder beidenGründungsmitgliederfälltdessen Anteil entwedereinemErbenerstenoderzweitenGrades zu. WennderErblasserkeinenErbendieser Klassifizierung hat, ist der Überlebende Gesellschafter  oder  dessen  Erben  (ersten  und zweiten Grades) der Begünstigte. Doktor Rudolf Klinger hatte keine noch lebendenVerwandten.

ConnyistnachwievoralsErbeseines Vatersmit zehnProzent an derFirmabeteiligt. Der fünfzehn- prozentige AnteilvonFrauKelmbachfälltin gleichen TeilendenneuenGesellschafternzu. Nachdem Frau Kelmbach als Mörderin und Rädelsführerin in dem Drama überführt worden war, istihr  Firmenanteilals‚StillerTeilhaber‘auf  die beidenneuenFirmeneignerzugleichen Teilen übergegangen.

„Du Genießer – schau ihn dir an Maria. Irgendwann möchte  ich  auch  mal  auf  der  Sonnenseite  des Lebens stehen“, flachst Conny. Ich nippe von meinem Kaffee nur einen winzigen Schluck, wobei ich beim Halten der  Tasse den kleinen Finger spreize - English Style!

„Nur keinen Neid“, ich mache eine einladende Handbewegung,„nehmtPlatz, Wolf-Dieterwird gleich   sein   globales   Frühstück   auffahren.“  Die beiden setzen sich.  Auch Maria hat sich dem warmen Wetterangepasstundträgteinbuntes, luftiges Sommerkleid. Sie sieht großartig darin aus.

Conny  schaut  mich  etwas  neidisch  an.  Er  würde auch gern ‚kurz‘ tragen, aber als Geschäftsführer einesso aufstrebenden UnternehmensmusserStil wahren. Seine leichte Hose in dunkelgrau passt sehr schön zum weißen Leinenhemd.

Wolf-Dieter nähert sich und stößt ein langgezogenes „Naaaa!“ als Warnung aus. Er trägteinschweres Tablett.Connyund ich rutschen sofort   zur   Seite und   bilden eine ‚Rettungsgasse‘.Ersetztdas Tablettgekonntmitten aufdem Tischabundbeginntsofortmitder Verteilungseines‚Globalen Arrangements‘. All inclusive! WirbedankenunsfürdiesenServicemit einem dreistimmigen „Yaou“.

„Ich habe übrigens auch deine Behausung geerbt.“ Mariaspricht etwas undeutlich, nachdem sieeben einePortion WeintraubenimMundverschwinden lässt.  „Das  bedeutet,  du  kannst  in  nächster  Zeit deineWohnungerweitern.“  DieWeintraubensind gepresst,ihre Ausspracheistnunklarund verständlich. Beide schauen mich erwartungsvoll an. Ich weiß nicht, was sie von mir verlangen – soll ich etwa jubeln?

Ich  beginne  sehr  neutral  mit einem  „äääh“  und mache eine Pause – Gedanken sammeln – „ja, ich weiß nicht?“

„Was  heißt  da,  ich  weiß  nicht?   Wir  wollen schließlich einmal bei dir eine Einweihungsfeier ausrichten,  und  dazu  brauchen  wir  Platz  und  vor allenDingeneineGroßraumküche. Aufder Gästeliste stehen schon ganz schön viele Durstige und Hungrige, und es werden stündlich mehr. Die musst  du  alle  betränken  und  bespeisen.“  Conny atmet durch. Maria lacht.

Mir wird mulmig, ich weiß nie, ob Conny es ernst meint. Ich sage „yaou – ist schon klar.“Mir ist zwar nichts klar, trotzdem versuche ich mich an einem Lachen.

„Und jetzt noch etwas Wichtiges“, Maria baut

Spannung auf, „Conny und ich werden heiraten.“

Dasfindeichtoll!– AuchfürdieFirma–einfach, ich kann es nicht anders sagen – über alle Maßen – toll!!!!! Wennjemandfürimmerzusammenpasst,dann die beiden. Gut – ich hätte auch zu Maria gepasst – größenmäßig–auchmitmeinerHaarfarbe.Aberich gebe neidlos zu, dass Connynoch einen Hauch besser zu ihr passt. Was heißt da Hauch –eine ganze Menge Hauch – einWind, Sturm ein Orkan!

Conny trinkt einen Schluck Orangensaft, setzt das Glas wieder ab und meint bestimmend: „Rudi, du wirstunser Trauzeuge.“Beideschauenmichschon wieder  so  erwartungsvoll  an.  Die  hauen  es  aber heute nur so raus – alleAchtung!

Ich erwidere etwas gestelzt: „Es ist mir eine große Ehre“, und unterbreche mich, „sagt mal, braucht man da nicht zwei von der Sorte?“ Ich würde schon ganz gerne wissen, was auf mich zukommt.

Maria lacht und erklärt: „Seit 1998 braucht man in Deutschland überhaupt keineZeugen mehr, allerdings gilt das nur für die standesamtliche Eheschließung. Die katholische Kirche lässt nicht so einfach Änderungen zu. Seit dem Zweiten Laterankonzil(1139),aufderSynodevon Verona (1184)undletztlich1547aufdemKonzilvon Trient wurden die Regeln festgezurrt, und die haben bis heuteihreGültigkeit.–KeineAngst,wirplanennur einestandesamtlicheTrauung. Wirwollentrotzdem, so wurde es von uns beschlossen, zwei Zeugen haben – einer davon bist du. Der zweite soll – nach demvielfachen WunscheinereinzelnenDame–du wirst es nicht glauben – und wir werden auch noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen – der zweite soll  –Wolf-Dieter sein.“

Bombe!!!Beiunsam Tischwirdesplötzlichstill. Dochdannwirdeslaut.Mirtränendie Augenvor Lachen. Conny freut sich mit mir, nur Maria schaut uns anund fragt ernst:„Was solldas? Was istdaran sokomisch? Wolf-Dieter gibteinen sehrstattlichen Zeugen ab.“

IchwischemirdieTränenausdenAugen,„bitte frag ihn doch jetzt gleich, ich möchte unbedingt dabei sein, bitte, bitte. Ich will sehen, wie er reagiert.“  Ich  bin  ganz  ehrlich,   Wolf-Dieters Reaktion mitzuerleben, wenn Maria ihm ihren Wunsch mitteilt, wäre für mich ein sehr, sehr großes Erlebnis.

Wennmanvom Wolf-Dieterspricht...

Erkommtmit seinemTablettzum Abräumenundfragtuns,obes geschmeckt habe: „Na?“

Wir antworten wieder im Chor: „Es war sehr, sehr gut.“ Maria legt noch ein Solo nach. „Es war großartig, wie du das immer schaffst?“, flötet sie – vielleichteinenHauchzueinschmeichelnd.„Wolf-Dieter, wenn du schon hier bist, eine Frage.“ Jetzt geht sie auf Kurs.

Wolf-Dieterhältbeiseiner Abräumarbeitinneund schautMariaaufforderndan.Mariasagt:„Conny undichwerdenunsstandesamtlichtrauenlassen. Wirwünschenunsdichals Trauzeugen.“Sieschiebt schnell hinterher, „Rudi wird dein Pendant sein und hat schon zugesagt.“ Drei  Augenpaare sind auf Wolf-Dieter gerichtet. Dieser schaut uns einzeln an, macht eine Pause um Spannung aufzubauen, und meintdann ganzselbstverständlich: „Yaou!“Dann schnappt er sein beladenes  Tablett und entschwindet.Wir schauen ihm fassungslos nach.

Conny hat sich als erster wieder unter Kontrolle und meint  lapidar:  „Wolf-Dieter  ist  eindeutig heiratsfähig–erkann‚ja‘sagen–daswardochein ‚ja‘, oder? Ich bin gespannt, über welche rhetorische Fähigkeiten er noch verfügt.“ Conny gibt sich sinnierend und fasst sich mit Daumen und ZeigefingeransKinn.EineganztolleDenkerpose!

„Wolf-Dieterwirdfürunsein Traumvoneinem Trauzeugen sein!“ Und wieder brechen wir in Heiterkeit aus. Das ist eindeutig postpubertäres Verhalten.

Wir beruhigen uns wieder, aber nicht für lange. Jetzt bricht der traditionelle Streit umsBezahlen aus. Ich, alsschwächstesGliedinunserem Trio,haltemich vornehmzurück.Mariagewinnt,siehatsichschon mit Bravour in die Rolle des Finanziers gefügt.

Wirtrennenuns.MariaundConnymüssenwieder in ihrer Firma Präsenz zeigen. Meine  Wenigkeit trifftsich in einer halben StundemiteinemKlienten in Jonny's Coffee Shop. J CS erweist sich für mich immer mehr als eine Art externes Großraumbüro.

Ich bin gerne vor meinen künftigen Kunden am Treffpunkt, damit ich einen ersten Eindruck von ihnen bekomme, ohne dass sie es bemerken. So auchheute.IchblättereinderZeitungundwarte– immer mit Blick zum Eingang.

Esistkurznachdemavisierten Termin,alsdie Eingangstür energisch aufgestoßen wird. Ein Hüne betritt das Café undschaut sich langsam um. Warum auchimmer,ichhabeplötzlichdie Assoziationvon ZeusalsStier indergriechischenMythologie. DerStiergehtzielstrebigzurThekeundredet mitderdortigen Servicemitarbeiterin. Sie zeigt in meineRichtung.