Die weisse Wölfin - Anita Hansemann - E-Book

Die weisse Wölfin E-Book

Anita Hansemann

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Beschreibung

Er hatte all seinen Mut zusammengenommen und gemurmelt, er wisse genau, was Verschwiegenheit bedeute, man müsse es für sich behalten, man dürfe nichts verraten. "Gut", hatte der Mann gemeint, dabei zufrieden geschaut und ihn seinen Jungen genannt. "Sobald du los kannst, bringst du meinem Cousin diesen Sack!" Conradin gerät durch den Auftrag in eine gefährliche Situation. Für kurze Zeit ist sogar sein Leben bedroht.

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2305

Schweizerisches Jugendschriftenwerk

www.sjw.ch

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Mittelstufe

Er hatte all seinen Mut zusammengenommen und gemurmelt, er wisse genau, was Verschwiegenheit bedeute, man müsse es für sich behalten, man dürfe nichts verraten. «Gut», hatte der Mann gemeint, dabei zufrieden geschaut und ihn seinen Jungen genannt.

«Sobald du los kannst, bringst du meinem Cousin diesen Sack!»

Conradin gerät durch den Auftrag in eine gefährliche Situation. Für kurze Zeit ist sogar sein Leben bedroht.

SJW Nr. 2305

E-ISBN 978-3-7269-0693-1

© 2008 SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk

www.sjw.ch

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Die weisse Wölfin

Anita Hansemann

Illustriert von Anna Luchs

Conradin lief. Er trug den Sack über der Schulter. Er musste ihn Tomaso bringen, seinem Freund, so wie er es dem Mann am Morgen versprochen hatte. Dieser hatte ihm während des Melkens aufgelauert, im Dunkeln hinter der Scheune. Conradin war zusammengezuckt vor Schreck. Der Eimer in seiner Hand hatte geschwankt, und ein Schwall Milch war über seinen Schuh geschwappt. Conradin hatte ihn sofort erkannt. Es war Tomasos Cousin. Dasselbe dichte Haar, dieselben dunklen Augen. Der junge Mann strömte etwas Fremdländisches aus. Vielleicht wegen des weissen Hemdkragens, der unter seinem Mantel hervorlugte, oder weil die Krempe seines Hutes breiter war, als es Conradin je zu Gesicht bekommen hatte. Wahrscheinlich aber war es deshalb, weil er viel reiste. Tomasos Cousin war ein Marktfahrer aus dem Veltlin, der an seinem Stand Eisenwaren und Messer in allen Grössen feilbot.

Ob Conradin wisse, was Verschwiegenheit bedeute, hatte er gefragt und durch die Nase geschnaubt, dass es pfiff. Conradin hatte leer geschluckt, von einem Bein aufs andere gewechselt und keinen Ton über die Lippen gebracht.

Er solle gefälligst antworten, hatte ihn der Mann angefahren. Er hatte den Jungen am Arm gepackt, ihn zu sich gezerrt, nah vor sein Gesicht. Conradin hatte weggewollt, weg von diesen durchdringenden Augen, dem schneidenden Atem, dem harten Griff, aber der Mann hatte nicht lockergelassen.

Er hätte gedacht, er sei Tomasos Freund, hatte der Mann gefragt. «Ja», hatte Conradin geantwortet, «ja». Er hatte all seinen Mut zusammengenommen und gemurmelt, er wisse genau, was Verschwiegenheit bedeute, man müsse es für sich behalten, man dürfe nichts verraten. «Gut», hatte der Mann gemeint, dabei zufrieden geschaut und ihn seinen Jungen genannt.

«Sobald du los kannst, bringst du meinem Cousin diesen Sack!»

Er hatte sich gebückt und Conradin einen Sack aus grobem Leinen hingehalten. Der Sack hatte am Arm des Mannes gebaumelt, vor und zurück, und Conradin war es gewesen, als ob sich darin etwas geregt hätte. Eine Bewegung, ein Atmen, er wusste es nicht.