Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 487 - Liebesroman - Ina Ritter - E-Book

Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 487 - Liebesroman E-Book

Ina Ritter

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1,49 €

Beschreibung

Ein Mutterherz für Michael Ein Familienroman, der jedes Herz berührt Damit sein kleiner Sohn Michael versorgt ist, engagiert der Architekt Erhard Rottweiler eine entfernte Verwandte, ein schüchternes junges Mädchen, als Kindermädchen. Seit dem Tod seiner über alles geliebten Gattin sind ihm alle Frauen verhasst, und das bekommt nun auch Rose zu spüren. Immer wieder macht ihr der selbstgerechte, hochmütige Mann mit seiner schroffen und oft verletzenden Art das Leben schwer. Als Erhard es eines Tages auf die Spitze treibt, packt Rose ihren Koffer und reist ab. Der kleine Michael, der mit abgöttischer Liebe an dem Mädchen hängt und sich so sehr eine neue Mutti wünscht, ist aber nicht bereit, sich damit abzufinden ...

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Seitenzahl: 127

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Inhalt

Cover

Impressum

Ein Mutterherz für Michael

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: JACEK SKROK / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9369-9

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Mutterherz für Michael

Ein Familienroman, der jedes Herz berührt

Damit sein kleiner Sohn Michael versorgt ist, engagiert der Architekt Erhard Rottweiler eine entfernte Verwandte, ein schüchternes junges Mädchen, als Kindermädchen.

Seit dem Tod seiner über alles geliebten Gattin sind ihm alle Frauen verhasst, und das bekommt nun auch Rose zu spüren. Immer wieder macht ihr der selbstgerechte, hochmütige Mann mit seiner schroffen und oft verletzenden Art das Leben schwer. Als Erhard es eines Tages auf die Spitze treibt, packt Rose ihren Koffer und reist ab.

Der kleine Michael, der mit abgöttischer Liebe an dem Mädchen hängt und sich so sehr eine neue Mutti wünscht, ist aber nicht bereit, sich damit abzufinden …

Erhard Rottweiler runzelte die Stirn, als seine Sekretärin den Brief mit der zierlichen Mädchenhandschrift ungeöffnet auf seinen Schreibtisch legte.

„Schon wieder“, knurrte er unwillig und schob das Kuvert zur Seite, um sich erst in die übrige Korrespondenz zu vertiefen.

„Bienchen“, wie jeder im Büro des bekannten Architekten die Chefsekretärin nannte, seufzte nun leise, aber gut vernehmbar und warf einen anklagenden Blick auf den Mann, der spöttisch den Mund verzog.

Er wusste genau, was dieses Zeichen zu bedeuten hatte. Bienchen war ihm böse, dass er nicht in helle Begeisterung ausbrach, wenn die kleine Rose ihm mit einem in ihrer schulmädchenhaften Art geschriebenen Briefe lästig fiel.

„Ich möchte sie ja gern kennenlernen.“

Einen Augenblick schaute der Chef seine Sekretärin an. Offenbar hatte er nicht verstanden, von wem sie sprach.

„Die kleine Rose“, erläuterte Fräulein Bethmann befangen. „Ihre Briefe sind so nett.“

„Mein liebes Bienchen, jetzt hören Sie einmal gut zu. Sie werden diesen Brief öffnen, ihn durchlesen und beantworten. Ein für alle Mal, ich habe genug anderes im Kopf, als solch ein …“

Er lächelte versteckt, als er die gekränkte Miene seiner Sekretärin sah, zuckte dann amüsiert die Schultern und vertiefte sich wieder in die schwierigen Berechnungen der Statischen Abteilung seines Büros.

„Herr Doktor, Rose fragt …“

Fräulein Bethmann verstummte erschreckt, als der Architekt mit geballter Faust grimmig auf den Tisch schlug.

„Antworten Sie ihr gefälligst, Fräulein Bethmann!“

Es war immer ein schlechtes Zeichen, wenn er sie nicht „Bienchen“ nannte, und die Sekretärin fuhr sich erregt mit der Zunge über die trocken gewordenen Lippen.

Dann blitzte es in ihren Augen auf. Sie warf den Kopf in den Nacken und spannte einen Bogen in die Maschine.

„Liebes Fräulein Rose“, schrieb sie, und ein warmes Lächeln glitt über ihr faltiges Gesicht, „wir danken Ihnen für Ihren Brief. Ihr Vetter bedauert sehr, keine Zeit zu haben, ihn persönlich zu beantworten. Er hat sich sehr über Ihre Zeilen gefreut. Er wartet schon immer auf Ihre Briefe, Rose, und es ist jeden Morgen seine erste Frage, ob nicht ein Brief von Ihnen gekommen ist.“

Fräulein Bethmann seufzte an dieser Stelle tief. Das, was sie schrieb, war ja nur ein Wunsch, aber sie hatte aus Roses Briefen entnommen, wie sehr das Mädchen sich über ihre kleine fromme Lüge freuen würde.

„Selbstverständlich können Sie Ihre Ferien in diesem Jahr im Haus Ihres Vetters verleben. Der kleine Michael ist immer allein, und ich glaube, Sie werden sich schnell mit dem Jungen anfreunden. Er hat es nicht leicht. Sein Vater muss viel arbeiten, und die wenige Zeit, die er für sein Kind erübrigen kann, reicht dem Jungen natürlich nicht.“

So, du wirst Augen machen, mein lieber Dr. Rottweiler, dachte Bienchen schadenfroh, als sie den Brief noch einmal las, den Umschlag zuklebte und dann frankierte.

♥♥♥

Erhard ließ seinen Blick über die Fassade der Villa gleiten und krauste ärgerlich die Stirn. Dunkel und lichtlos lag das Haus inmitten des großen, etwas verwilderten Parks. Die Haustür war verschlossen.

Die Angeln quietschten, als er sie öffnete und dann in die dunkle Diele trat.

„Fräulein Ilse!“

Er schob den Kopf lauschend vor. Aber das Mädchen, das er rief, meldete sich nicht.

„Wo steckt sie denn schon wieder?“, grollte er, blieb aber nicht lange im Ungewissen darüber, denn das Mädchen für alles hatte ihm deutlich sichtbar einen Zettel auf seinen Schreibtisch gelegt.

„Bin um zwanzig Uhr gegangen. Habe schließlich auch mal Feierabend!“

Jetzt war es einundzwanzig Uhr. Er hatte wie üblich im Büro länger gearbeitet, aber er fand es empörend, dass Ilse das Haus und das Kind einfach im Stich gelassen hatte.

Michael wird schlafen, dachte er, warf seine Aktentasche auf einen Sessel und ging auf Zehenspitzen die Treppe zum Kinderzimmer empor.

Das Licht einer entfernten Straßenlaterne beleuchtete schwach das große, mit hellen Möbeln eingerichtete Zimmer. Das Bettchen war zerwühlt, aber leer.

Der Herr des Hauses blieb in der geöffneten Tür stehen, die Lippen fest zusammengepresst, die Stirn gekraust. Sein Junge lag auf der Seite auf dem Teppich, um ihn herum waren seine Spielsachen. In der Hand hielt er noch den Teddybären, den er immer ins Bett mitzunehmen pflegte.

Er kann sich leicht erkälten, dachte Erhard, bückte sich und trug das Kind mit einer Behutsamkeit, die man ihm niemals zugetraut hätte, in sein Bettchen zurück.

Klein-Michael erwachte.

„Bist du das, Vati?“, fragte er müde. Es fiel ihm offenbar schwer, die Augen aufzuhalten. Sein Köpfchen fiel müde gegen die Schultern des Vaters.

„Ja, mein Kind, ich bin es. Aber du darfst doch nicht aufstehen, Michael, du musst immer schön im Bett bleiben, wenn Ilse dich alleingelassen hat.“

„Ich konnte nicht schlafen, und ich … ich wollte doch nur meinen Teddy holen. Wann kommt denn meine Mutti zurück, Vati? Sag ihr doch, dass sie zurückkommen soll. Sie ist schon so lange weg.“

„Schlaf jetzt, mein Kind!“ Erhard ließ den Kleinen in das Bett gleiten und deckte ihn sorgfältig zu. Die Dunkelheit verbarg seinen gequälten Gesichtsausdruck.

Zwei Jahre schon war Gertrud tot, und noch immer hatte ihr Kind sie nicht vergessen. Genauso wenig wie er. Auch er würde die geliebte Tote niemals vergessen können.

Er strich über die Wangen des Kindes und erschrak, als er die Nässe spürte.

„Musst nicht weinen, Michael, ich bin ja bei dir“, flüsterte er dem Kind zu.

Der Junge riss sich offenbar zusammen, aber der zitternde Seufzer, der ihm gegen seinen Willen entfloh, verriet dem Vater seine ganze Herzensnot.

„Wo ist die Mutti denn so lange?“, fragte er leise in die Dunkelheit hinein und tastete mit seinen Fingerchen über die Decke, bis der Vater sie mit seiner Hand fest umschloss.

„Die Mutti … ist … macht eine lange Reise. Sie … sie sehnt sich auch nach dir … aber … sie kann nicht zurückkommen.“

„Hat sie kein Geld? Schick ihr doch was, Vati“, murmelte Michael schlaftrunken. „Du hast doch genug.“

Seine Worte kamen immer schwerer, seine Atemzüge wurden ruhiger und tiefer. Die Wangen noch feucht von Tränen, schlief er ein.

Mit ernsten Augen schaute der Vater auf ihn herab. Die Mutti würde niemals wieder zurückkommen. Sie war vor zwei Jahren gestorben, eine junge, heitere Frau, die ihn so unsagbar glücklich gemacht hatte.

Eine kleine Erkältung, ein kurzes Krankenlager, und dann war der Mund, der ihn so oft geküsst hatte, für immer verstummt. Seit jenem Tag hatte die Sonne niemals wieder für ihn geschienen. Er war zum Eigenbrötler und Menschenfeind geworden, ertrug kein Lachen in seiner Nähe und vergrub sich ganz und gar in seine Arbeit.

Der Mann zog sich einen Stuhl an die Seite des Gitterbettchens und schaute auf sein schlafendes Kind. Michaels Frage nach der Mutter hatte ihm deutlich klargemacht, dass ein unhaltbarer Zustand in seinem Haus herrschte. Aber er wusste keinen Ausweg.

Übernächtigt und gereizt erschien Erhard am nächsten Tag im Büro. Bienchen kannte ihn ganz genau und sah, dass heute Gewitterstimmung war. Kein Wunder, dass ihr Herz stärker als sonst klopfte, als sie ihm einen geöffneten Brief auf den Aktenstapel legte.

„Sie kommt in drei Tagen. Seien Sie gut zu dem Kind, Herr Doktor, sie freut sich.“

„Wer?“, fuhr Erhard hoch.

„Rose Petersen“, gab Bienchen verzagt Auskunft, denn in seinen Augen las sie, dass der Mann sie sofort verstanden hatte. Sie machte sich auf einen Ausbruch gefasst, und es war auch sehr nötig, dass sie sich zusammennahm, denn was der Chef ihr heute an den Kopf warf, war härter und unfreundlicher als sonst.

„Schicken Sie ihr ein Telegramm, sie soll bleiben, wo der Pfeffer wächst“, war der Abschluss seiner Rede. „Was fällt Ihnen überhaupt ein, dieses Mädchen ohne mein Wissen einzuladen?“, erkundigte er sich dann grimmig.

Fräulein Bethmann holte tief Luft und schaute ihm dann furchtlos in die Augen.

„Sie selbst haben mir gesagt, dass ich Fräulein Roses Brief beantworten soll, und als ich vor einer Woche fragte, da …“

Sie verstummte jetzt doch, als sie den Ausdruck unbändigen Zorns auf seinem Gesicht sah. Erhard wandte sich ab und trat zum Fenster. Draußen brandete der Verkehr der Großstadt vorbei, aber er sah nichts, in ihm kochte der Grimm.

„Fräulein Rose hat nur Sie, Herr Doktor. Sie ist so einsam. Versuchen Sie doch wenigstens, etwas nett zu ihr zu sein. Sie werden sie sowieso wenig genug zu sehen bekommen. Und Michael … er hat dann einen Menschen, der sich um ihn kümmert! Der Kleine tut mir so leid, immer allein zu sein ist schwer, besonders für das Kind …“

Bienchen wusste nicht, dass sie das aussprach, was Erhard in der vergangenen Nacht immer wieder gedacht hatte. Er stieß ein tiefes, grimmiges Knurren aus und drehte sich dann langsam herum.

„Wann kommt sie denn?“

Fräulein Bethmanns Gesicht hellte sich auf.

„Mit dem Nachmittagszug, Herr Doktor. Sie können nach dem Essen dann gleich zum Bahnhof fahren, und wenn Sie ihr ein paar Blumen mitnehmen würden. Es brauchen ja keine teuren zu sein“, fügte sie schnell hinzu, als ihr Chef unwillkürlich den Kopf schüttelte.

„So, weiter erwarten Sie nichts von mir?“, erkundigte sich der Architekt mit falscher Freundlichkeit. „Ich soll meine kostbare Zeit opfern und das gnädige Fräulein abholen? Ich soll ihr, wie ein Primaner seiner Angebeteten, Blumen überreichen? Auf eine Kapelle verzichten wir doch hoffentlich, Fräulein Bethmann, oder …“

Seine Sekretärin presste die Lippen zusammen, war aber seltsamerweise diesmal nicht eingeschüchtert.

„Ich werde die Blumen besorgen“, sagte sie knapp und vertiefte sich dann übermäßig eifrig in ihre Arbeit.

„Zu freundlich“, höhnte Erhard.

Sie weiß ja, wo ich wohne, sie wird schon hinfinden, und wenn nicht, dann ist es auch nicht schlimm, dachte er und schob endlich den Gedanken an Rose Petersen in den Hintergrund.

♥♥♥

Noch eine halbe Stunde, dachte Fräulein Bethmann, die alle Augenblicke ungeduldig zur Uhr schaute.

„Fräulein Hübner“, meldete der Bürolehrling beklommen. Vor wenigen Tagen erst hatte der Chef ihn angeschrien, weil es ihm nicht gelungen war, die temperamentvolle und sehr selbstbewusste Dame abzuweisen. Und heute hatte er es wieder nicht geschafft.

Bevor Erhard ihn noch zurechtweisen konnte, wurde die nur einen Spalt geöffnete Tür ganz aufgeschoben.

„Ich danke dir, mein Junge“, sagte ein dunkelrot geschminkter lächelnder Mund, und eine schlanke, sehr gepflegte Frauenhand schob den verdutzten Lehrling hinaus.

Erhard erhob sich höflich und schloss seinen schon geöffneten Mund. Es gelang ihm zwar nicht, ein Lächeln in sein Gesicht zu bringen, aber Fräulein Hübner hatte es wohl auch nicht erwartet.

Äußerlich unbefangen und sehr selbstbewusst ging sie mit hochhackigen Schuhen auf ihn zu und bot ihm freundlich die Rechte.

„Ich glaube, es ist leichter, die Königin von England zu sprechen als Sie“, stellte sie zur Begrüßung fest.

„Ihnen würde sicherlich auch das gelingen“, meinte der Architekt wenig höflich und wies dann stumm auf einen Sessel. Fräulein Hübner hatte die Absicht, mit dem Geld ihres Vaters eine Villa zu bauen.

Sie war eine sehr schwierige Kundin. Schon mehr als ein Dutzend Entwürfe hatten keine Gnade vor ihren Augen gefunden. Und auch jetzt war sie nur gekommen, um ihm zu sagen, dass sie sich ihr Haus ganz anders vorgestellt hatte.

„Wie?“, erkundigte sich Erhard unfreundlich und warf einen demonstrativen langen Blick auf die Uhr.

Margot Hübner sah ihn, ließ sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Sie war mit einem festen Plan hierhergekommen und hatte nicht die Absicht, ihn kampflos aufzugeben.

„Ich kann es Ihnen nur an Ort und Stelle erklären, lieber Doktor, verstehen Sie, die Landschaft muss in das Haus einbezogen werden.“

„Herr Doktor, in einer halben Stunde läuft der Zug ein“, mahnte Bienchen, als Fräulein Hübner eine kleine Atempause einlegte.

„Lieber Doktor, Sie müssen gleich mit mir kommen. Ich habe von dem Haus geträumt, und Sie, Sie werden bestimmt als Einziger imstande sein, diesen Traum Gestalt annehmen zu lassen.“

Erhard warf einen langen Blick auf die Blumen, die Bienchen jetzt aus der Vase nahm, in die sie sie vorübergehend gestellt hatte.

„Gut“, sagte er entschlossen und hatte ein Lächeln für Margot, das das Herz des kapriziösen Mädchens schneller schlagen ließ.

„Ich habe doch gewusst, dass Sie ein Kavalier sind.“ Die junge Dame legte einen Augenblick ihre Hand auf seinen Arm und erhob sich dann sofort, bevor der Architekt vielleicht noch Gelegenheit hatte, seinen Entschluss zu revidieren.

„Und … und Fräulein Rose?“, stammelte Bienchen und hielt ihm fast verstört die Blumen hin.

Erhard zuckte die Achseln.

„Sie haben das holde Mädchen eingeladen, nicht ich. Sehen Sie jetzt zu, was Sie mit ihr machen. Mir ist es gleichgültig.“

Noch beim Sprechen öffnete er seiner zukünftigen Bauherrin die Tür.

„Mein Gott, können Sie hart sein, Doktor“, stellte Margot mit klopfendem Herzen fest.

Der Mann warf ihr nur einen amüsierten Seitenblick zu. Er kannte Frauen ihres Typs und schätzte sie nicht sonderlich, denn sie gingen ihm zu scharf ins Zeug. Ein Mann will eine Frau erobern, um sie werben, aber nicht mit List und Tücke eingefangen werden.

Sie wusste zu genau, was sie wollte, und hatte eine gradlinige Art, ihr Ziel anzusteuern, die ihm nicht behagte.

„Ein schöner Platz, nicht wahr?“, riss Margots Stimme ihn aus seinen Gedanken. Sie hatten das Baugelände schneller erreicht, als er gedacht hatte, und Erhard bemühte sich jetzt, Margots Worten interessiert zu lauschen.

Sie beschrieb ihr Traumschloss allerdings so vage, dass kein Architekt danach einen Grundriss hätte zeichnen können. Nur schade um die schöne Zeit, dachte er und ließ seinen Blick über die zauberhafte Landschaft gleiten, die er vom Hang aus zu seinen Füßen liegen sah.

Sein Gesicht musste wohl etwas von seinen Empfindungen verraten haben, denn Margot wies ihn jetzt diskret darauf hin, dass der Boden hier sehr teuer gewesen war.

„Es muss schön sein, zu zweit auf der Terrasse zu sitzen, unter einem Sonnenschirm, und dann zu träumen.“

Sie stand dicht neben ihm, eine diskrete Parfümwolke wehte zu ihm herüber und erinnerte ihn daran, dass der Platz an ihrem zukünftigen Tisch noch frei war.

„Ihr Gatte wird zu beneiden sein“, stellte Erhard höflich fest und trat wie unabsichtlich einen Schritt zur Seite. Margot nagte an ihrer Unterlippe.

„Können Sie sich jetzt ein Bild des Hauses machen, wie ich es mir wünsche?“, erkundigte sie sich. Es war ihr nicht entgangen, dass Erhard einen verstohlenen Blick auf seine Armbanduhr geworfen hatte. Jetzt denkt er bestimmt an dieses Mädchen, das er abholen wollte!, dachte sie, und zufällig täuschte sie sich nicht.

Um diese Zeit musste der Zug in die große Halle des Bahnhofes einlaufen. Erhard stutzte, als er nun daran dachte, dass Rose ihm ein paar Wochen lang lästig fallen würde.