Die Wunderzwillinge. Das ganz große Ding - Klaus-Peter Wolf - E-Book

Die Wunderzwillinge. Das ganz große Ding E-Book

Klaus-Peter Wolf

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Beschreibung

Nachdem Laura und Leonie Wunder den Fall um das Verschwinden von Oma Klaphecke gelöst haben, ist Laura nun - zwischen der Schule und ihren Hausaufgaben - mit Herz und Seele Geheimagentin. Ihre Zwillingsschwester Leonie findet Laura mit ihrem neuen Hobby "megapeinlich" und beschäftigt sich lieber mit ihrem Schwarm Miguel und ihrer großen Liebe, dem Klettern. Schließlich geraten Laura und Leonie sogar in einen richtigen Streit, als Laura auf der Suche nach einem Drogendealer Miguels Geburtstagsparty ruiniert - doch Zwillinge lassen einander nicht im Stich! Mit "Die Wunderzwillinge" hat der Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf eine neue spannende Kinderbuch-Reihe geschaffen, farbenfroh illustriert von Franziska Harvey. Empfohlen für Kinder ab neun Jahren. Das gleichnamige Hörbuch erscheint im JUMBO Verlag.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 71

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Klaus-Peter Wolf

Die Wunderzwillinge

Das ganz große Ding

Illustriert von Franziska Harvey

© Wolfgang Weßling

Klaus-Peter Wolf schreibt Romane und Krimis, Kinder- und Jugendbücher, die in 24 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft wurden. Seine Ostfriesenkrimis stehen regelmäßig auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Klaus-Peter Wolf erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Erich-Kästner-Preis und den Anne-Frank-Preis. Im JUMBO Verlag erscheint unter anderem seine international erfolgreiche Kinderbuchreihe „Die Nordseedetektive“, die er zusammen mit Bettina Göschl schreibt.

© Simon Povazan

Franziska Harvey wurde 1968 in Frankfurt am Main geboren und verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit in Buenos Aires, Argentinien. Sie studierte Grafik-Design mit den Schwerpunkten Illustration und Kalligrafie und ist Mutter von drei inzwischen erwachsenen Kindern. Seit vielen Jahren arbeitet sie begeistert und erfolgreich als hauptberufliche Illustratorin. Mit ihrem unverkennbaren lebendigen Tuschestrich hat sie bereits über zweihundert Kinderbücher bebildert, darunter zahlreiche Bestseller und viele beliebte Reihen sowie einige kunstvolle Bücher für Erwachsene. Sie lebt in Frankfurt am Main.

Agentinnentraining

Seit Laura Wunder endlich eine Digitalkamera hatte, war ihr Leben als Geheimagentin viel leichter geworden. Die Kamera war so klein, dass Laura heimlich Fotos schießen konnte. Aus einem Knopfloch ihrer Jacke zum Beispiel oder hinter vorgehaltener Hand durch die gespreizten Finger.

Inzwischen hatte Laura ihre Handtasche zum perfekten Ort für eine versteckte Kamera umgebaut. Sie hatte ein Loch hineingeschnitten für das Objektiv, und wenn sie nun ein wenig die Lasche hochschob, konnte sie unbemerkt jeden und alles knipsen, ja, sogar filmen. Für heimliche Fotos im Dunkeln benutzte sie den Nachtmodus.

 

Von allen Hausbewohnern hatte Laura Fotos, Fingerabdrücke und Fußspuren gesammelt. Das war eine reine Übungssache für sie.

„Als Geheimagentin muss man ständig im Training bleiben, sonst macht man im Ernstfall Fehler“, sagte Laura zu ihrer Schwester Leonie. Die fand das alles ziemlich blöd, um nicht zu sagen: megapeinlich.

Leonie kletterte gerade in ihrem Zimmer an der Wand herum. Der nächste Haltegriff, der blaue, war besonders schwer zu erreichen. Sie bekam ihn nur mit zwei Fingern zu fassen. Dem Mittel- und Zeigefinger der rechten Hand.

Es gab im Freiburger Klettercenter einige Fortgeschrittene, die konnten sich an zwei Fingern festhalten. So weit war Leonie noch lange nicht. Aber sie hatte mit Papas Hilfe den Schwierigkeitsgrad der Routen an ihren Zimmerwänden erhöht. Die Griffe waren nun zum Teil kleiner oder lagen weiter auseinander.

Leonie reckte sich. Ihre Muskeln schmerzten schon. Nur noch ein paar Zentimeter … jetzt bloß nicht mit den Zehen den Halt verlieren …

„Soll ich meine versteckte Kamera lieber in der Handtasche mit zu Miguels Geburtstag nehmen oder sie unter der Jacke tragen?“, fragte Laura.

Leonie verlor den Halt. Sie krachte auf die Matte unter ihrer Route. Da sie als gute Sportlerin sehr gelenkig war und gelernt hatte, sich abzufedern, passierte ihr selten etwas. Ein paar blaue Flecken machten Leonie nichts aus. Sie trug sie wie Orden. Anders als ihre Zwillingsschwester Laura hatte sie auch oft eingerissene Fingernägel und wundgescheuerte Knie.

Leonie war sofort wieder auf den Beinen und glotzte Laura ungläubig an.

„Du willst deine dämliche Geheimkamera doch nicht wirklich mit auf die Party nehmen? Das war ein Scherz – oder?“

Laura schüttelte den Kopf. Sie wusste gar nicht, warum Leonie so heftig reagierte.

Leonie klopfte sich gegen die Stirn. „Ja, bist du denn völlig plemplem? Mach mich da bloß nicht lächerlich. Miguel hat dich sowieso nur aus Höflichkeit eingeladen.“

Ja, ich weiß, dachte Laura. Sie sagte es aber nicht, sondern biss stattdessen auf ihrer Unterlippe herum.

Miguel war verliebt in Leonie. Die tolle Leonie. Die sportliche Leonie. Die schlagfertige Leonie. Die witzige Leonie. Mit ihr war ja auch alles viel lustiger als mit ihrer ruhigen Schwester. Laura selbst ging den Dingen immer lieber auf den Grund, statt sich mit der bunten Oberfläche zufriedenzugeben.

Leonie kriegte sich gar nicht mehr ein. Sie war echt empört. Sie stemmte die Fäuste in die Hüften und fauchte: „Kann mein Schwesterlein mir mal verraten, warum sie auf der Geburtstagsfeier von Miguel heimlich die Gäste filmen will?“

Laura druckste herum. Sie hatte immer viele Gedanken im Kopf, aber es bereitete ihr Probleme, sie rasch in Worte zu fassen. Sie hätte das alles mühelos in einem Brief aufschreiben können. Aber so … Jetzt wurde sie sogar rot und hielt Leonies Blick nicht mehr stand. Sie sah auf ihre Füße und sagte nur leise: „Du übst doch auch.“

Leonie stöhnte. „Ja! Klar übe ich: Bouldern! Und Klettern! Aber doch nicht Leute bespitzeln! Das ist etwas anderes. Die werden sauer, wenn sie was mitbekommen. Dich lädt nie wieder jemand ein, wenn das herauskommt. Die halten dich dann alle für völlig bescheuert.“

Ich geh sowieso nicht mit, dachte Laura und huschte aus dem Zimmer. Sie musste es nicht sagen. Leonie konnte alles aus ihrem Gesicht ablesen, schließlich hatten die Zwillingsschwestern die meiste Zeit ihres Lebens gemeinsam verbracht, und in der Schule gingen sie sogar in dieselbe Klasse.

Leonie hatte also verstanden. „Ist auch besser so!“, schrie sie ihrer Schwester hinterher. „Du sitzt ja sowieso bloß stumm rum und langweilst dich!“

In ihrem Zimmer warf Laura sich aufs Bett. Sie hätte heulen können. Das war so gemein von Leonie! Klar, sie hatte ja recht. Natürlich würde sie stumm herumsitzen. Aber sie würde sich nicht langweilen, sondern krampfhaft darüber nachdenken, wie sie sich ins Gespräch einmischen könnte.

Das war für sie immer besonders schwierig. Erst dachte sie: Was könnte ich bloß sagen? Wie kann ich mich beteiligen? Dann wuchs der Druck: Ich muss jetzt endlich auch mal was sagen. Aber was? Wie schafften es die anderen nur, immer so locker und gut drauf zu sein?

Laura war in der Schule in jedem Fach zwei Noten besser als Leonie – außer in Sport natürlich. Trotzdem glaubte Laura, dass sie viel mehr von Leonie lernen konnte als umgekehrt.

Laura hatte sich ein kleines, rotes Notizheft gekauft. Natürlich dachte Leonie, ihre Schwester würde darin ihre Beobachtungen als Geheimagentin aufschreiben. Etwa so: Herr Heiß um 21 Uhr nach Hause gekommen. Er war beim Friseur: Die Haare sind etwas kürzer, der Zopf ist aber noch dran. Er putzt seine ganze Wohnung und räumt Gerümpel raus. Wahrscheinlich kommt seine neue Freundin am Wochenende zu Besuch.

Aber da irrte sich Leonie. Für solche Zwecke hatte Laura ein anderes Buch. Eine dicke Kladde in asiatischem Design. In das kleine, rote Notizbuch schrieb Laura Witze und spaßige Redewendungen. So wollte sie in Zukunft besser mitreden können. Sie lernte die Witze zwar auswendig, aber es war trotzdem gut, das Buch dabeizuhaben, dachte sie. Dann konnte sie, wenn plötzlich wieder diese gähnende Leere in ihrem Gehirn entstand, einfach einen Witz nachschlagen.

Zum Beispiel den: „Ich ging gestern Abend an der Dreisam spazieren. Steht da ein kleiner Junge und weint. Ich sage: ,Was ist? Warum weinst du? Hast du dich verlaufen?‘ Er schüttelt den Kopf. ,Nein. Mein großer Bruder hat mein Butterbrot ins Wasser geworfen.‘ Ich frage: ,Mit Absicht?‘ ,Nein‘, sagt er. ,Mit holländischem Käse.‘“

Laura fand den Witz klasse. Aber ob die anderen ihn auch lustig fanden? Vielleicht erzählte sie lieber doch nicht den, sondern einen anderen. Oder sie probierte den Witz zuerst an Hotte aus. Heute Abend trafen sie sich wieder zu einer geheimen Besprechung.

Peter Heiß, genannt Hotte, war zwar kein Geheimagent, aber immerhin Kriminalkommissar. Das war für Laura so etwas Ähnliches, denn er arbeitete als verdeckter Ermittler. Einmal in der Woche gab es bei ihm Schwarzbrot mit Krabben und Spiegelei – sein Lieblingsessen. Darauf hätte Laura zwar gut verzichten können, aber wenn Hotte von seinen Ermittlungen erzählte, konnte sie ihm stundenlang zuhören. Also aß sie brav ihre Krabben auf.

Vielleicht, hoffte Laura, wird es mir heute gelingen, ihm zu sagen, dass ich Krabben nicht mag.

Krabben und Rauschgifthändler

Herr Heiß wohnte ein Stockwerk über der Familie Wunder, in der dritten Etage. Direkt gegenüber von Oma Klaphecke mit ihrem Wellensittich Jacki. An der Tür von Herrn Heiß stand aber nicht „Heiß“, sondern „Kalt“. „Kalt“ war sein Deckname, mit dem er in der Gangsterszene arbeitete. Die meisten nannten ihn dort „Cool“.

Schon als Laura die Treppe hinaufging, roch sie, dass Hotte wieder sein Ostfriesenessen zubereitete. Er röstete immer mindestens fünf Knoblauchzehen in der Pfanne an und eine Handvoll fein gehackte Zwiebeln, bevor er die Krabben dazukippte.

„Du kommst gerade richtig!“, rief er aus der Küche. „Mein Lieblingsessen ist gleich fertig! Isst deine Schwester heute mit?“

Laura schüttelte den Kopf. Was sollte sie auch dazu sagen? Leonie war noch nie mitgekommen, und das würde sich auch nicht ändern. Für Leonie war Herr Heiß ein alter Mann. Er war mindestens dreißig! Menschen über fünfzehn Jahren schenkte Leonie freiwillig nur Beachtung, wenn es Musikstars oder Klettertrainer waren.