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Dieses Buch schildert den faszinierenden, abenteuerlichen, zugleich träumerischen, gnadenlosen ja brutalen Kampf eines Menschen auf dem Weg zur Meisterschaft, der durch seine Vergangenheit zum Aussteiger eines Gesellschaftssystems wurde, auf der Suche nach Gerechtigkeit und Wahrheit.
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Seitenzahl: 490
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Charles Pilgrim
Diebe
Soul Catcher „dazwischen oder mittendrin“
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Über das Buch
KAPITEL 1 - ZUHAUSE IM GLÜCK
KAPITEL 2
KAPITEL 3
KAPITEL 4
KAPITEL 5 - DER EINZUG
Impressum neobooks
Es erzählt die Geschichte von Carl, der seiner Kindheit beraubt und nach seiner wahren Identität suchend ins Ausland floh. Dort gelangte er durch Zufall auf den Weg zur Meisterschaft. Doch die Aufgabe stellte ihn vor eine innere Zerreisprobe. Eine befremdliche Macht hinderte ihn daran sein wahres Ich zu finden, seine Vergangenheit hatte ihn eingeholt. Wiederstände wurden größer, immer tiefere Gräben taten sich auf. Nach einem Zusammenbruch trat eine Person in sein Leben, die alles in Frage stellte was er bisher als wahr empfunden hatte. Über Techniken und Rituale enttarnte sie seine Lebenslüge. Dieser Reinigungsprozess machte ihn zum Außenseiter. Durch das Studium Fernöstlicher Philosophien entfernte er sich immer mehr von den sogenannten Westlichen Idealen, dabei ging er durch ungeheure Körperliche und Seelische Schmerzen, alle Kontakte zu Freunden und Familie brachen ab, eine Art Entfremdung begann. Er fand heraus das seine Wahrheit die Wahrheit aller Menschen ist und dass alles miteinander verbunden ist, mächtige Menschen bekamen plötzlich ein Gesicht, keiner konnte sich mehr verstecken.
Glauben sie an Zufälle oder Schicksal gibt es so etwas wie eine Berufung, im Asiatischen Teil unseres Planeten glaubt man an die Reinkarnation, vielleicht sind es Prozentanhäufungen der vererbten Gene und dem tatsächlich erlebten, manche vermuten keines von beiden und welche Rolle spielt die Lüge, Urteilen sie selbst, es könnte ihre Geschichte sein…
Lebensräume, etwas musste passiert sein, denn die Stille im Nichts veränderte sich. Der Anstieg der Temperatur war nur marginal, seine Liebe jedoch ließ das Maß übersteigen, nur so konnte es geschehen, das Wachstum von Strukturen, in einem expandierenden Raum. Ein Gärtner, der immer größere Töpfe für diese Gebilde zu Rate zog. Schnell war ihm klar, er musste handeln, denn was sie jetzt noch brauchten, war seine grenzenlose Liebe und den Glauben an das was da kommen mag. Schon längst brauchte er keine Parzellen mehr, kein Stab um sie zu stützen, sie waren groß und stark geworden, der Kern darin erweiterte den Raum doch war er nicht allein, abertausende, Millionen und deren Milliarden waren unterwegs um es zu erschaffen, das Universum…
Jedes Leben hat seine eigene Geschichte, doch welche Begleitumstände überhaupt dazu führten das sie so erzählt werden konnte, sprengt jede Vorstellungskraft.
In einem Jahrtausend, in dem Millionen von Menschen zu den Waffen griffen und in zwei Weltkriegen ebenso viele starben, wurden währenddessen ungeachtet der Gräueltaten Kinder gezeugt, die es besser nicht gegeben hätte, denn sie bekamen jenes Gedankengut in die Wiege gelegt, das nicht gut für sie und die nach ihnen kamen war, so dass über ihre Auswirkungen, Generationen übergreifend lange ein Geheimnis lag…
Berlin 1947, ein Markensammel verschwand spurlos aus seinem Laden…
Wo Bin Ich, in Dunkelheit gereift, verbunden mit nur einem Schlauch, an ein System das Funktionierte, treibend in einer Blase die jeden Augenblick zu platzen drohte, es war die Frucht im Schoß der Erde die durch den Ritz ein Lichtlein sah, gerade als es soweit war, das Häutchen eingerissen wollte ich entweichen, doch etwas hielt mich fest um meinen Hals geschlungen, es war die Schnur die mich solange nährte. Wollte dieser Mensch mich etwa töten, war ich denn nicht der Wunsch ihrer Träume, das Herz aller liebste, oder war ich von einem System das sie nicht kannte. Ich schlug, ich trat, läge ich wo anders, Zuhause, im Wald oder…ich wäre tot, tot, tot, es wurde eng, immer fester zog sich ihre Schlinge um meinen Hals, war das ihr Plan, der perfekte Mord. Meine Zeit war abgelaufen noch bevor sie begann, nichts konnte mich mehr retten, wenn nur einer mich vernahm solle er sie erstechen und ihr die Frucht entreißen. Doch plötzlich, ein Ritter, von grüner Gestalt hatte mich gepackt, die Schlange mit einem gezielten Schlag entzweit und mich so befreit. Der Schrei blieb mir noch im Halse stecken, doch sollte ich so nicht verrecken, ein kleiner klaps half mir zu inhalieren des Wesens Kern bei dem ich nicht wusste wer er war, wer er ist und wer er sein wird…
1958 erblickte ich In einem Kleinstadt Hospital am Rande des Odenwaldes das Licht der Welt. Ein Aufbau Kind, die hatten überhaupt keine Zeit für mich. Noch Flausen im Kopf, so mein Gefühl, wir gehen mal kurz wohin. Das wie üblich mir ein runder Kopf mit Warze versuchte meine Gesichtsfarbe von dunkel Rot auf Rosa zu verändern, was nicht einfach war, denn meine sogenannten Erziehungsberechtigten dachten wohl sie hätten mich auf der Kirmes geschossen, anziehen, hinstellen, füttern Funktionieren. Ja der liebe Krieg hat so manche Wundersame Gestalten hervorgebracht, abends wenn das Licht ausging und ich in meinem Bettchen lag, die Tür ein Spalt nur auf, der Schein im Flur mir sagen soll wir sind noch da, doch war das letzte Wort gesprochen, stand er plötzlich in meinem Zimmer, ein Monster mit nur einem Zahn, ein Mastschwein ohne Haar von Beruf war er ein Fleischbeschauer, was hatte ich ein Dusel „geprügelt soll er meinen Vater“ da war er ein Kind, mit einem Gürtel grün und blau. Die Warze und das Schwein, soll das meine Verwandtschaft sein…
Wann der Groschen bei mir fiel, ich glaube mit vier, als es mir so langsam dämmerte, wo mein eigentliches Zuhause war. Dieser Schleier an Ungewissheit wich an meinem ersten Kindergartentag, zum ersten Mal in meinem jungen Leben nahm ich etwas bewusst war, vergessen waren diese Wege und Besuche bei irgendwelchen Leuten die ich nicht kannte oder kennen lernen wollte. Der höheren Gewalt folgend musste ich mich der Tatsache beugen, da es sich höchstwahrscheinlich um Freunde meiner Eltern bzw. meines Vaters handelte die nur mein bestes, so schien es wollten. Ab diesem Tag so meine Vermutung fing mein Gehirn an über meine aufnehmenden Sinnesorgane Synapsen zu bilden die sich nach jedem neuen Schritt den ich machte, mit älteren austauschten, um ein Bild meiner Umgebung und den darin lebenden Personen zu entwickeln, umso ein Netz von Verknüpfungen entstehen zu lassen, an denen ich mich, so glaubte ich orientieren zu können. An jenem Tag trug ich eine dunkle kurze Hose, ein weißes Hemd, eine dunkle Jacke, Sandalen und einen braunen Ledernen Brustbeutel für mein Pausenbrot, meine Eltern waren auf der Arbeit mein Vater Horst gelernter Bäcker meine Mutter Inga gelernte Verkäuferin. Meine Oma Else, die mit dem Pickel versuchte mich mit großer Hingabe zu überzeugen, den Weg mit ihr zu gehen, ich schrie wie am Spieß, büchste mehrmals aus und rannte immer wieder nach Hause. Für eine Wegstrecke von zwei bis drei Minuten brauchten wir fast eine Stunde. Ihr Flehen musste erhört worden sein, denn ein Kind aus der Nachbarschaft kam vorbei, das den gleichen Weg hatte und mich mitnahm. Meine Oma weinte vor Glück. Nach dem das in den Kindergarten gehen für mich zum Alltag wurde nahm ich von meiner Umwelt auch durch meine Oma eine gelernte Schneiderin, die ich bei ihren Einkäufen begleiten durfte, immer mehr war. Da war das Wirtshaus in südlicher Richtung, auf der gleichen Straßenseite keine fünf Häuser von dem Haus meiner Oma entfernt, drei Häuser weiter war der Bäcker, linke Hand, in einer Seitenstraße, einen Steinwurf entfernt, gab es ein kleines Lebensmittel Geschäft, wo man das Nötigste kaufen konnte. Auf unserer Straßenseite, eingebettet zwischen der Bäckerei und der Metzgerei lag ein verwunschener Ort, die alte Jurreschule (Dialekt für Juden) Ein großes Holztor das immer offen stand trennte die Straße vom großen Kopfsteingepflasterten Innenhof. Das schon etwas ältere Gebäude wirkte unheimlich auf mich, da ich noch die Worte meiner Großeltern im Ohr hatte, geh da nicht hin, sprich mit niemandem, benutze die andere Straßenseite. Bei einem Auto das am Tag bei uns durchfuhr, es gab belebtere Orte, aber dennoch übte es auch eine gewisse Anziehungskraft auf mich aus, da war diese eine große Versuchung hinein zu gehen, Sinti Roma sollen es zuletzt bewohnt haben. Damals mit zehn Jahren getraute ich mich erstmals den Innenhof zu betreten. Dann Jahre später, als es leer stand, hatte ich den Mut aufgebracht in eine Eingangstür hineinzuschauen. Was ich damals noch nicht wissen konnte, dass dies tatsächlich eine Jüdische Schule vor und noch während des zweiten Weltkrieges war, danach aber nur noch den Nazis als Sammelstelle für den Abtransport zu den Konzentrationslagern diente „Die Stille, dass Nichts tun, die Hörigkeit vor dem Staat, viel in eine neue Dimension, Schweigen machte sich breit, wie konnte das passieren. Das Sozialverhalten des Menschen ist des Teufels Werkzeug, ein Parkplatz entstand“. Unter allerlei Gestrüpp liegt ein Gedenkstein, den kaum einer für wahr hält…
Das im Besitz meiner Urgroßeltern war, hatte einen etwa achthundert Quadratmeter großen Garten, auf dem zwei Zwetschgen, ein Mirabellen, ein Kirsch und ein Apfelbaum standen inmitten von Karotten, Bohnen, Erbsen, Zwiebel, Lauch, Salat, Kartoffel, Erdbeeren, Tomaten und Kräuterbeeten, an der rechten Grundstücksseite die von einer ca. zwei Meter
hohen Waschbeton Mauer eingeschlossen war rankten sich über eine Länge von zwanzig Sandkästen rote Wein Reben, davor eingebettet ein kleines Bodengewächshaus. Auf der gegenüberliegenden Seite, als Natürliche Grenze rangen Himbeeren bzw. Blaubeeren Hecken und Johannisbeersträucher um die besten Plätze. Ganz am Ende der Gemüse Beete gaggerten die Hühner und an der Grenze zum Nachbarn stand der Hasenstall. Zu meinem Wohlgefallen hatte Opa Gisbert roten Sand aufgeworfen und ein paar Bretter ringsherum genagelt. Damals wohnten wir noch in recht beengten Verhältnissen, meine Urgroßeltern im ersten Stock, Oma, Opa, mein Onkel seine Freundin und wir irgendwo dazwischen, teilten uns das Erdgeschoss. Die gemeinsame Küche befand sich im ersten Stock, das Generationen Bad jedoch im Erdgeschoss. Das Zusammenleben, wer mit wem und wo, muss sich wohl öfters verändert haben, was nicht zuletzt auch an den dicken Bäuchen der jungen Frauen und den Gebrechen der Alten lag. Denn was sich vor meinem vierten Geburtstag ereignete blieb mir sehr lange verborgen. Eigentlich konnte ich mich bis zu meiner Einschulung nur sehr vage an Bestimmte Details erinnern. Es wurde immer viel erzählt und Bilder gezeigt, ja an deinem Geburtstag was war das so schön, guck mal auf dem „ach wie süß“ Ja genau, ich sah mit zwei aus wie ein Rollmops. Ich war so fett gemästet, obwohl ich als Baby ganz normal zur Welt kam „was haben die mit mir gemacht, mit Saumagen und Schweineschmalz gefüttert, abartig“…
Was mir noch in meinem Gedächtnis haften blieb, war der Besuch bei meiner Ur Oma Marie und dieser Hauseingang der wie ein schwarzes Loch auf mich wirkte, in das man hineinfiel und nicht wieder herauskommt, es brannte nie ein Licht, irgendetwas hatte dieser Ort, es war ein komisches Gefühl als ich zuerst eine Holztür öffnete, durch die man hindurch schauen konnte wäre ich nur etwas größer gewesen. An deren Innenseite hing ein Mückennetz artiger Fetzen Stoff, der durch ein weiß lackiertes Metallröhrchen, mit zwei kleinen Haken an beiden Seiten der Tür befestigt war. Rechts daneben das zum Innenhof angrenzende Seitenfenster, das ebenso hübsch dekoriert war. Durch einen Lichtdurchfluteten Vorraum etwa drei Tische groß, der sowohl als Trockenraum für die Wäsche als auch den Pflanzen im Winter half zu überleben, gelangte ich zu einer weiteren Halbglastür ohne Vorhang. An der rechten Seite der Tür, thronte auf einem Mauersockel der bis zur Hüfte eines Erwachsenen reichte, eine Glaswand die mit rechteckigen hellen, blauen, grünen und roten Glasscheiben verziert war. Diese reichte über die gesamte Länge des Vorraums, so dass sich bei Tageslicht im Inneren die Farben eigentlich hätten wiederspiegeln sollen. Auf einem Sideboard an der Mauer saßen Katzen, ich glaube es waren zwei. Ich ging durch die Tür, in der Mitte des Raumes stand der Tisch mit vier Stühlen, es war kein Runder. Auf der linken Seite stand der Küchenschrank, rechts eine Art Anrichte, im hinteren dunkleren Bereich stand der Schlafsessel. Meine Ur Oma Marie saß am Tisch und stellte mir einen Teller auf dem eine etwa Daumendicke Scheibe Zitronenkuchen lag und eine Tasse Tee vor die Nase. Sie war eine sehr schweigsame, ja wortkarge Frau, jedoch strahlte sie etwas Erhabenes aus, wie man es nur von den Indianern her kannte. Ihr langes graues Haar war zu einem Zopf gebunden, dass dem fein strukturiertem weichen Gesicht Anmut verlieh. Ihr schwarzes Trauer Kleid mit dunkler Schürze blieb in meiner Erinnerung „trug sie je etwas Anderes“ Ihr einziger Sohn fiel im zweiten Krieg, während einer Fahrt als Motorrad Kurier in der Normandie. Ihr Mann Gustaf, mein Urgroßvater, war bis zu seinem Tode „Lieber Gott sei ihrer Seelen gnädig“ da war ich gerade vier geworden, der Stadt Polizist. Noch an seinem Sterbebett wollte er mir etwas mitteilen. Er flüsterte in mein Ohr, es waren nur wenige Worte. Wenn ich nur hätte schreiben können…
Ich kannte damals den Begriff Hexenhaus und den Mythos drum herum noch nicht, aber was hätte meine Situation und meinen Gemütszustand besser beschreiben können. Ich nippte am Tee und biss nur zögerlich ein Stück vom Kuchen ab. Es lag ein leicht süß-säuerlicher, undefinierbarer ja fast modriger Geruch in dem Raum, es stank nicht so weit ich das beurteilen konnte, aber das leichte Unbehagen das ich spürte bevor ich ihr Zimmer betrat verstärkte sich dadurch noch mehr. Meine Mutter die mich bis zur Eingangstür begleitet hatte, stand immer noch davor, wie ich später herausfand reagierte sie hochgradig Allergisch auf Katzen! Nicht nur Katzen, sondern gegen alle Tiere die nicht in einem Aquarium lebten. Sie hatte keine Angst vor den Tieren an sich, jedoch reagierte sie fast Panisch auf das was sie hinterließen. Einmal beim Spazieren gehen nahm ich eine Katze auf den Arm die am Straßenrand saß, als ich ihr die Katze zeigte, rannte sie schreiend mit den Worten davon, wirf sie weg. Ich machte mir einen Spaß daraus, ihr mit der Katze im Arm hinterherzulaufen, wirf das Mist Vieh weg, schrie sie wiederholt, hau ab, ich konnte nicht mehr vor Lachen. Sie war danach sowas von sauer, noch dazu war sie mit Katzen groß geworden, ich verstand die Welt nicht mehr. Noch blieben die Zusammenhänge zwischen meiner Mutter, den Katzen, dem Dreck den sie angeblich hinterließen und meiner Urgroßmutter Marie im Verborgenen. Ich erinnere mich an kein Wort, dass dieses fast schon unheimliche Schweigen durchbrochen hätte, vielleicht wollte sie mich auch nur sehe. Sie wirkte aus heutiger Sicht wie ein Geist auf mich, ja fast Katzenhaft, jedoch in tiefer, tiefer Trauer. Ich geh jetzt sagte ich, zurück blieb eine halbvolle Tasse Pfefferminztee und ein paar Krümel auf dem Teller, die von dem Stück Zitronen Kuchen noch übrig waren. Meine Uroma lächelte und begleitete mich nach draußen wo meine Mutter gegen über der Eingangstür unter einer großen Schatten spendenden Linde direkt neben dem Schweinestall wartete. Wir verabschiedeten uns und gingen Nachhause, aber wir wohnten doch hier. Ich hatte keine Ahnung, immer war ich irgendwo anders, es fühlte sich an wie eine große Leere, in der einmal am Tag gekehrt wird…
Es erinnerte mich auch an das Lied das mein Onkel öfters in meiner Gegenwart sang „Kuckuck ruft esaus dem Wald“ Wenn meine Oma das hörte gab sie meinem Onkel den bösen Blick und das Reisverschluss Zeichen, dabei legte sie den Zeigefinger auf den Daumen der rechten Hand und führte diese vom linken zum rechten Mundwinkel…
Mit fünf Jahre fuhr ich das erste Mal mit meinen Eltern und deren Freunde in den Urlaub, nach Österreich, einige von ihnen besaßen Motoräder. Meine Eltern hatten sich einen Käfer zugelegt, Vater hatte als Bäcker aufgehört und bei einem großen Pharmakonzern in der Großstadt eine Anstellung gefunden. Das einzige an was ich mich in diesem Urlaub noch erinnern konnte war das mich jemand aus dem Beifahrer Fenster unseres Autos gehoben hatte und mich auf den Rücksitz eines Motorades verfrachtete, danach ging es rasend schnell die Serpentinen hoch, ab da hatte ich die erste Gedächtnislücke. Wir oder ich standen plötzlich im Innenhof eines Berghofes, zweiter Filmriss wie in einem Traum. Ich stand mit heruntergelassener Lederhose weinend und vollgepinkelt in einem Stall „totaler black out“ Hängen geblieben war danach nur noch der Satz eines Freundes meiner Eltern, den er bei einem unserer vielen Österreich Urlaube, bei denen er uns besuchte, sagte “höre auf deine Mutter“ Ein mir vollkommen Fremder gab mir einen Rat…
Meine Eltern und die halbe Nachbarschaft trafen sich an lauen Sommerabenden meistens im Wirtshaus, vier Häuser weiter „ich bin noch da…hallo hört mich jemand“ das von einer kleinen recht rundlichen Frau, der Liesel und ihrem hageren Mann Hubertus bewirtschaftet wurde. Fasziniert war ich von der Musikbox meistens stand ich nur davor und schleckte an meinem Waffeleis, ab und zu kam jemand vorbei und warf Geld hinein. Von dem was die Erwachsene so quasselten bekam ich überhaupt nichts mit, ich lebte in meiner eigenen Kinderwelt. Bis auf diese Surrealen Momente in denen ich plötzlich ein Wort hörte, das in einer Beziehung zu einer Person stand die aber nicht anwesend war und dessen Gesicht ich nicht zuordnen konnte, ich wusste nicht um wen es ging, das Wort oder der Satz hieß, er ist ein Freimaurer, he, ich glaube ich fragte noch wer, Antwort, kennst du nicht, geh spielen. Es war alles so verschwommen, ich glaubte zu wissen um welche Person es sich handelte, aber gleichzeitig wurde mir die Zeit des Erfahrens durch eine neue Situation geraubt. Wie an jenem Tag als meine Oma plötzlich zu mir sagte, geh in die Gemeinde Halle, da siehst du deinen Vater zum letzten Mal Kopfsteinpflaster, Auto, tut, tut, quitsch, puch, verwundert blickte ich mich um, meine Eltern waren im Haus, es lagen keine Koffer auf dem Bett. Ich musste wohl mit meiner Oma gegangen sein, denn kurz darauf stand ich in einer großen Halle, umringt von hunderten von Menschen, im Hintergrund spielte Musik. Wie von Geisterhand tat sich eine Gasse vor mir auf und ein Mann mit schwarzem Anzug und glänzenden schwarzen Lackschuhen führte eine Frau die eine Brille trug in die Mitte dieses Raumes. Ich kannte diesen Mann nicht mir fehlte das Gesicht, aber von dem was meine Oma mir so erzählte, musste er ein fantastischer Tänzer sein. Er war der Sohn der Dicken und des Dürren, jene denen auch das Wirtshaus gehörte. Bei ihm soll meine Mutter nach dem was meine Oma so von sich gab, im Hühnerstall Wiener Walzer gelernt haben. Meistens durfte ich bis Sonnenuntergang im Wirtshaus bleiben, danach musste ich ins Bett, wer mich da alles nach Hause brachte und wohin ich ging, weiß ich nicht mehr. An manchen Wochenenden machten die Eltern meines Vaters bei mir Babysitter, ich erinnere mich noch an die Besuche bei ihnen, sein Vater Heiner hatte ein volles rundliches Gesicht, Glatze und im Mund war noch ein einziger Zahn übriggeblieben, der Mann im Mond, vom Beruf wegen Fleisch Anschauer. Seine Späße die er versuchte mit mir zu machen fühlten sich an wie das grunzen einer Sau. Unbehagen überkam mich nicht nur wegen des Penetranten Geruches in der Wohnung, irgendwo hatte ich den gleichen Mief schon einmal gerochen, sondern auch wenn er mich auf seinen Schoß setzte. Meine zweite Oma Else war schmächtig, sehr schweigsam aber nett, sie hatte ihre grauen Haare zu einem Zopf nach hinten zusammengebunden, irgendwie erinnerte sie mich in ihrem Aussehen und ihrer Art an meine Urgroßmutter. Den kalten Apfelstreuselkuchen den es bei jedem Besuch gab bekam ich einfach nicht runter, diese Riesigen, Runzligen, Ledernen Braunen Brocken blieben mir fast im Halse stecken, ich hatte einen richtigen Ekel davor. Immer öfters kam es daher vor, dass ich mich sträubte an den Wochenenden oder Geburtstagen dorthin zu gehen…
„Waren wir nicht schon da“ wieder einmal innerhalb des Hauses meiner Uroma, oder kamen wir von Außerhalb, was, wohin, wie, als hätte mich jemand mit dem Leben zusammen in einen Mixer geworfen. Jedenfalls meine Großeltern wohnten jetzt mit der Ur Oma im ersten Stock und wir sind nach ein paar Umbaumaßnahmen ins Erdgeschoß eingezogen. Mein Bett, was soll ich sagen, mir fehlten Vergleiche, war ein Gebilde aus weißen Stahlrohren,
Gitterdraht und einer Klappe an der Seite. Das Ding strahlte eine Kälte aus, die seines gleichen suchte, es erinnerte mich stark an ein Rüstungsgut der Wehrmacht, dass man aus Metallabfällen zusammenschweißte. Ich weiß nicht woher es kam es war auf einmal da, das gute Stück in dem ich Gott weiß wie lange schlafen musste, stand im Schlafzimmer meiner Eltern. Wenn ich nicht einschlafen konnte, was immer häufiger passierte, oder Bauchweh hatte, durfte ich ins Bett meiner Eltern und meine Mutter rieb mir den Bauch, was ich außerordentlich genoss. Mein Vater war dabei ganz außen vor, ihn nahm ich nur an Sonntagen war, wen wir auf seinem Fahrrad Touren in den Wald, oder ans Moor, zu seinen Eltern, oder irgendwelchen Vogelfreunden unternahmen.
Es kamen wieder diese Nächte wo ich nicht Einschlafen konnte, meine Eltern feierten mit Freunden und der Verwandtschaft den Geburtstag meiner Oma, ich stieg Barfuß aus dem Fenster, da die Wohnungstür verschlossen war, über einen Holzbretter Haufen, der gespickt mit rostigen Nägeln, direkt vor dem Schlafzimmer Fenster lag, in den Hof, von dort nahm ich die Eingangstür und gelangte so ins Treppenhaus. Über einen schmalen Aufgang erreichte ich die Tür zur Wohnung meiner Oma. Alle waren überrascht als ich ohne mich verletzt zu haben, vor ihnen stand. Meine Eltern brachten mich ohne einen Mucks ins Bett, wahrscheinlich standen sie noch unter Schock, oder der Alkohol hatte ihnen wieder einmal den Geist vernebelt. Nach diesem unvergessenen nächtlichen Ausflug wusste ich jetzt endlich zu wem ich gehörte, oder wo mein Zuhause war…
Nach dem ich vom Kindergarten nach Hause kam, bereitete meine Mutter das Mittagessen vor, nicht immer war meine Oma damit einverstanden was sie mir da so vorsetzte. Reis mit Hackfleisch in Tomaten Soße, Milchreis mit Zimt und Zucker, Fischstäbchen, Pudding und Süßspeisen, davon kamen wahrscheinlich auch meine schlechten Milchzähne, die aussahen als hätte ich auf ein Stück Holzkohle gebissen. Trotz all dem hatte ich kein Übergewicht mehr. Ab dem vierten Lebensjahr waren meine Speckröllchen weg, das lag wohl unter anderem auch an dem großen Garten und den vielen Spiele und Klettermöglichkeiten. Oft besuchte mich mein Freund aus dem Kindergarten, oder wir trieben unser Unwesen bei ihm zu Hause auf dem Heuboden einer riesigen Scheune. Es waren diese komischen Surrealen Momente die ich als Kind überhaupt nicht einzuordnen wusste, wie an dem Tag als meine Mutter, ein junger Mann aus der Nachbarschaft und ich im Garten zusammenstanden, augenscheinlich der Freund des Hauses. Er war gerade dabei zu gehen, als plötzlich mein Vater wie aus dem Nichts auftauchte. Nach dem sie für mich ein paar unverständliche Worte gewechselt hatten, rannte mein Vater wie von einer Tarantel gestochen ihm nach, dabei überwand er eine Hecke und einen Lattenzaun in meiner Größe, mit einer solchen Leichtigkeit die ich ihm nicht zugetraut hätte, quer Feld ein, gerade Wegs zu dem Haus des Mannes, der noch vor wenigen Augenblicken vor meiner Mutter stand…
TIERWOHL
Wochen danach passierte etwas ganz schlimmes unsere Kaninchen hatten Junge und ich spielte mit ihnen, was mein Opa aber ausdrücklich mir untersagt hatte. Am nächsten Morgen lagen einige von ihnen Tod im Käfig. Ich hatte es schon fast vergessen als mich mein Opa im Schweinestall darauf ansprach und sichtlich erregt mit der Mistgabel herumfuchtelte. Meine
Herz pochte noch als ich meinem Vater davon erzählte. Er war nicht gerade der Lieblings Schwiegersohn meines Opas, deshalb war es nicht verwunderlich, dass die ganze Angelegenheit eskalierte und beide Streithähne erst durch das beherzte Eingreifen meiner Oma getrennt werden konnten.
Als ich ungefähr sechs Jahre war wurde es eng in unserem Haus, mein Onkel und seine Frau bekamen ein Kind und ich war nicht mehr der Mittelpunkt, alle sagten zu mir, es dreht sich jetzt nicht mehr alles um dich, bla, bla, bla. Meine Mutter brachte mir das Beten bei, das war manchmal recht hilfreich, denn ich war abends oft allein Zuhause.
Wenn mir langweilig oder ich wieder einmal mal außen vor war, hatte ich die besten Einfälle um auf mich aufmerksam zu machen. Mit einer Schlinge aus der Gartenhütte meines Opas die ich mir aus Rest und Neubeständen zurecht gefriemelt hatte, legte ich mich auf das Dach des Hühnerstalls und wartete bis ein neugieriges Huhn die Körner aufpicken und in die Falle tappen würde. Natürlich waren in unserem Garten auch Mäuse und die meisten Löcher gab es komischerweise bei den Karotten, ich nahm den Gartenschlauch und steckte ihn in ein Mauseloch, danach drehte ich den Wasserhahn bis zum Anschlag auf, nun war ich wieder im Spiel. Meine Oma brauchte zwei Tage nicht mehr zu gießen und Karotten kauften meine Großeltern wegen des Ernte Ausfalls von da an beim Bauern.
Eines nachts, ich musste wohl im Bett gelegen haben, oder war es Tag. Vor meinen Augen tat sich ein Abgrund aus Backsteinen auf, der in immer düsteren Formationen unaufhaltsam in die Tiefe raste. War es ein Traum, eine Vision, oder gar Realität, wem hätte ich davon erzählen können. Nach diesem Trauma schaute ich hinter jede Tür…
1964 kam ich in die Schule, auf den Bildern trug ich eine kurze Hose mit Trägern ein weißes Hemd, blaue Jacke mit Knöpfen, schwarze halb Schuhe und auf dem rechten Arm eine Blaue mit Gold Kometen beklebte Zuckertüte. Im selben Jahr starb meine Ur Oma, sie schlief friedlich ein, wir bauten an, Onkel und Tante zogen mit meinem Cousin in das schwarze Loch/Hexenhaus meiner Uroma, Opa und Oma hatten jetzt die Ganze obere Etage für sich. Als sie älter wurden und das Treppen steigen ihnen immer schwerer fiel, zogen sie wieder ins Erdgeschoß und mein Onkel unters Dach. Von wegen Altersheim den Namen kannte man damals noch nicht und wenn, hätte sich keiner getraut auch nur daran zu denken…
Keine Ahnung was sich meine Eltern dabei dachten, als sie mich mit 7 Jahren alleine am Bahngleis des Darmstädter Hauptbahnhofs abstellten, mit einem Schild um den Hals, worauf der Ziel Ort geschrieben stand, Kempten im Allgäu. Filmriss, danach nahm ich nur das was folgte in Bruchstücken wahr, Ankunft, Hochbett, Abendbrot, komischer Geruch, alte dicke Krankenschwester gestreifter Kittel mit weißer Schürze und weißer Haube, junge Schwester schlank nett, ebenfalls Kittel mit weißer Schürze und weißer Haube, viele Kinder, großer Schlafsaal. Filmriss, krank, Windpocken, hierbei handelte es sich um eine sogenannte Kinder Freizeit, die von der Firma meines Vaters für Stressgeplagte Eltern angeboten und vollzogen
wurden. Ein Jahr später dachten sich meine Eltern, probieren wir das gleiche doch noch einmal, diesmal setzten sie mich in den Zug ohne Schild direkt zu meiner Reisegruppe. Ich wurde gebucht vier Wochen Bad Dürkheim hin und zurück. Filmriss, krank, Masern, kurz darauf hatte ich noch die Mumms, meine Backen waren mit einem Tuch umwickelt und taten höllisch weh…
Nach einem Jahr war der Anbau fertig und wir konnten in die ca. 110 m² große Wohnung einziehen, es gab neue Möbel und ein neues Bett für mich aus Holz, zum Glück bin ich gewachsen, sonst würde ich heut noch in der Wiege des Grauens meine Nächte verbringen. Mein Vater brachte mir, wie soll ich sagen einem Kind so etwas anzutun das noch nichts von sich und der Welt da draußen wusste, ja neues Haus, neue Sitten, Rieten und Gebräuche, man war jetzt wer, den Diener bei. Mit Handschlag und den Worten Guten Tag bzw. auf Wiedersehen sollte ich mich Demutsvoll verbeugen meistens vor denen die ich sowieso nicht leiden konnte, lieber wäre ich zu einem Zahnarzt gegangen als diese Erniedrigungen zu ertragen, es tat mir in der Seele weh. An einem Wochentag im Monat Dezember, ich war vielleicht sieben Jahre jung, mein Vater und meine Wenigkeit wollten am späten Abend meine Mutter von ihrer Gymnastik Stunde abholen, während wir warteten zeigte er mir seine Schule die er als Kind besucht hatte, doch dann passierte es, beim rumturnen rutschte ich auf einer Spiegelglatten Sandsteinmauer aus und stürzte Kopfüber aus einer Höhe von ca. einem Meter auf das Kopfsteinpflaster, noch am gleichen Abend fuhren wir auf meinen ausdrücklichen Wunsch zum Arzt, der sich meine Röntgenbilder anschaute und außer meinem gewaltigen Brummschädel nichts feststellen konnte. Ich hatte wie durch ein Wunder keine schlimmeren Verletzungen davongetragen. Einige Monate danach, die Narrenzeit hatte gerade begonnen, da passierte mir etwas Ähnliches. Ich hatte mich als Cowboy verkleidet und spielte draußen mit meinem Colt, als ich meine Munition die aus mehreren Zündblättchen Rollen bestand, verschossen hatte, erinnerte ich mich an das Päckchen das ich in dem großen Lampenschirm aus Glas, das wie ein Ufo im Schlafzimmer meiner Eltern an der Decke schwebte versteckt hatte. Ich stieg am Fußende des Bettes auf den sechs bis sieben cm breiten und ca. achtzig cm hohen Rahmen. Beim Aufrichten, um nicht die Balance zu verlieren, ergriff ich den Lampenschirm, als ich versuchte die Zündrolle mit einer Hand zu erreichen, verlor ich mein Gleichgewicht und stürzte nach Halt suchend zu Boden. Dabei muss wohl der Schirm mit voller Wucht auf mein Nasenbein getroffen sein, denn kurze Zeit später fand mich meine Oma benommen und mit einer tiefen Wunde neben dem Bett auf dem Boden liegend. Keinen Monat später, ich hatte wohl das Glück gepachtet, rannte ich vom Hallenschwimmbad nach Hause, grade als ich die Straße, deren Belag erneuert wurde überqueren wollte, stolperte ich und fiel hin, dabei schlug ich mir die Hälfte des vorderen rechten Schneidezahns aus. Natürlich blieben der Spott und die Häme meiner Mitschüler nicht aus…
Mit siebeneinhalb wurde das Kopfsteinpflaster in unserer Straße durch ein Teer Belag ersetzt dabei wurden auch die alten Ton Rohre in der Kanalisation durch riesige Beton Teile ausgetauscht, ein großer Backer rollte an und grub einen tiefen Graben, für uns Straßen Kinder die wir waren, das Paradies, beim Abendessen knirschte immer noch der Sand zwischen meinen Zähnen. Wochenlang bauten wir Sand Burgen und versteckten uns in den Abwasser Rohren, doch als der Spaß zu Ende war rollten zuerst Panzer und dann der Verkehr, am Anfang waren es ein paar Autos am Tag, ein Jahr später schon doppelt so viele. Ich glaube in den Sechzigern wurde der Satz geprägt, wenn du über die Straße gehst, schau zuerst nach links und dann nach rechts. Keine Woche war vergangen nach der Fertigstellung, da rollten schon die ersten Militär Konvois über den Asphalt. Auf mich wirkte das ganze bedrohlich, auf meine Mutter so schien es, eher befreiend, sie war auch kurz nachdem ein Panzer auf dem ein stolzer Soldat in die Menge salutierte plötzlich verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt, eben stand sie noch neben mir und nur kurze Zeit später war sie nicht mehr da, ohne ein Wort war sie gegangen. Dieser Typ auf dem Panzer hatte einen Blick der mir wie ein kalter Schauer über den Rücken lief. Hitler lebt, natürlich hatte ich seinen Namen schon irgendwo mal gehört, aber die Zusammenhänge verstand ich nicht wirklich, einerseits baute er eine Autobahn, andererseits brachte er Menschen um und für beides wurde er gelobt. Nachdem die Parade zu Ende war versuchte ich meine Mutter zu finden. In der Wirtschaft und zu Hause war sie nicht, erst am nächsten Morgen als sie mich aufweckte sah ich sie wieder. Autos fuhren jetzt im Minutentakt an unserem Haus vorbei, Wochen vorher konnte man noch schön draußen auf unsere Bank mit dem Nachbarn tratschen, da man nur mit Schritttempo über den holprigen Untergrund fahren konnte, jetzt rasten Fahrzeuge und die ersten Laster an uns vorbei, ohne uns zu Grüßen. An einem heißen Wochentag die Straße war vielleicht einen Monat alt passierte etwas ganz schlimmes, der erste Unfall in unserer Stadt, meine Mutter rief mir noch zu, geh da nicht hin. Ein Motorradfahrer war schwer gestürzt, eine Blutlache direkt vor unserem Haus ließ nichts Gutes erahnen. Er soll die Kontrolle verloren und mit einem Auto kollidiert sein, entweder war einer von beiden betrunken, Fahranfänger, zu schnell oder einer wollte sich Umbringen bzw. den anderen töten, genaueres wusste man nicht…
Es war Winter geworden, die ersten Schneeflocken tanzten auf meiner Nase, als eines Abends jemand an unsere Haustür klopfte, mein Vater öffnete die Tür, ich saß mit meiner Mutter und meiner Oma im Wohnzimmer, es war der sechste September, der Tag des Allmächtigen Herrn und ich wurde hier und jetzt für all meine Sünden bestraft, so dachte ich, nachdem ich das dunkle Grollen im Flur, das poltern und stapfen der schweren Stiefel vernahm. Als er wahrhaftig vor mir stand, alleingelassen ohne jene beruhigende Hand, die mich vor allem Beschützen sollte, lehnte ich mich nach Halt suchend an das Sofa, wo sollte ich hin, wegrennen war nicht, die Terrassen Tür und das große Südfenster waren verschlossen und in der Wohnzimmer Tür stand das Monster. Ich blickte Hilfe suchend zu meiner rechten Seite doch schien mein Unwohlsein niemanden zu interessieren, im Gegenteil, sie forderten mich sogar auf, ihm die Hand zu geben und seine Fragen nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten. War das der Weihnachtsmann, ganz sicher nicht, denn dieser trug einen schweren grauen Mantel, schwarze Stiefel, dunkle Wollmütze, einen grauen Bart und seine rechte Hand war auf einen Stock gestützt, mit der linken hielt er einen Kartoffel Sack, den er sich über die Schulter geworfen hatte. Ein jedes Wort das er sprach klang wie ein Donnerhall und wurde durch das Pochen seines Stocks auf den Boden bis ins Unerträgliche verstärkt, so dass er noch bedrohlicher wirkte. Seine bebende Stimme war schauderhaft düster, sein Äußeres eine einzige Offenbarung, ich war wie zu einer Salzsäule erstarrt. Ich hatte totes Angst als er mich fragte, warst du auch brav, drohte er mir erneut mit dem Stock. Ein zaghaftes ja rutschte mir über die Lippen, mein Herz pochte wie verrückt, unfassbar Oma hatte die ganze Zeit Tränen in den Augen, vor Glück. Später stellte sich heraus das sie sich
beim Innerlichen Freuen bepieselt hatte. Nachdem er mir seine Geschenke überreicht hatte, bedankte ich mich mit einem Diener, doch der Demütigung nicht genug musste ich ihn auch noch zur Tür eskortieren. Die Worte meiner Mutter, willst du den Knecht Ruprecht nicht bis an die Tür begleiten, bohrten sich durch meine Brust, mir fuhr es durch Mark und Bein, ich zitterte wie Espenlaub. Seite an Seite und mit schlotternden Knien gingen wir langsam zur Eingangstür. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, was hatte ich verbrochen, die Bank von England ausgeraubt. Die Wege des Herren sind unergründlich, er verabschiedete sich mit den Worten und jener bebenden Stimme, höre auf deine Mutter „ich dachte immer Weihnachtsmänner sind lieb“ Nachdem eine ganze Weile vergangen war und ich immer noch unter dem Eindruck des Geschehenen stand, fragte ich meine Oma ob das der Weihnachtsmann gewesen sei „woher, sagte sie schmunzelnd, das war der Knecht“. Viele Jahre danach, als mein Vater die Rolle des Weihnachtsmannes übernahm fand ich durch Zufall den Mantel und den Bart in einem Schrank auf dem Dachboden, mein Opa spielte den Knecht Oscar reif und bis heute blieb diese Interpretation eines Gehilfen Gottes für mich unübertroffen. Perfektion hatte einen Namen…Bravo !!! alles gute Opa wo immer du auch sein magst…
Ich war ein guter und fleißiger Schüler, ich hatte alles so gemacht wie meine Eltern und Großeltern es wollten. Als ich anfing mit der linken Hand zu schreiben waren sie entsetzt. Es dauerte keine vier Wochen da hatten die mich auf rechts runtergebrochen „ich war ein Musterschüler“ wir waren zu zwölft in der Klasse und hatten zwei tolle Lehrerinnen, es machte richtig Spaß in die Schule zu gehen, ich übernahm sogar zusätzliche Hausaufgaben „ich hatte eine große Zukunft vor mir“ Mit acht Jahren bekam ich ein Brüderchen und bald darauf noch einen Cousin. Um bei dem Thema Kinder kriegen zu bleiben, meinte meine Mutter beiläufig zu mir, dass ich eigentlich kein Wunschkind sei „was“ Ich begann Gedichte zu schreiben und zeichnete Tiere aus Brehms Tierleben ab. Unser erster Fernseher stand auf vier Beinen. Es war ein braun lackierter Holzkasten, den man auch leicht mit einem Schuhschrank hätte verwechseln können. Das erste was ich mir anschauen durfte war die Mondlandung, danach die Boxkämpfe von Mohamed Ali. Meine Lieblingsserien Rin Tin Tin, Lassie, Flipper, Fury, Stanley Bemish (als er die Pille nahm) Daktarie, Maxwell Smart. Meine Lieblingsdarsteller waren Doris Day, Gary Grand und Rock Hudson bevor er sich zu Männern hingezogen fühlte, irgendwie brachte ich das nicht zusammen im Film spielte er den smarten Familien Mensch und auf einem anderen Planeten war er schwul „Kinder begreifen das nicht, die denken immer noch das wäre alles eins“ auch war mir nicht bewusst das sie sterblich waren. Zum ersten Mal wurde ich unbewusst mit Wiedersprüchen konfrontiert, konnte aber damit natürlich noch nichts anfangen die Erwachsenen Welt verwirrte mich zu tiefst. Mein Lieblingsessen, Kartoffelklöße und Gulasch, Lieblingsbücher Karl May (durchs wilde Kurdistan) die Schatzinsel, Kapitän Drake (Pirat der Königin) Comics Donald Duck, Daniel Düsentrieb, Fix und Foxy, Gebrüder Grimm, Wild West Romane Lassiter, Lieblingstiere Tiger, Pferde, Elefanten, Bären, Gänse, Otter, Hühner, Fische, Frösche, Glühwürmchen eigentlich alle. Meine Oma war von Beruf Schneiderin und bewahrte ihr Kleingeld in einem Vitrinen Schrank der in ihrer Nähkammer stand auf. Mein Opa und mein Onkel waren Elektriker, meine Oma war eine Einser Schülerin, sie hatte in allen Fächern eine Eins „unglaublich“ doch wegen der damals schwierigen Zeit konnten ihre Eltern sie nicht auf das Gymnasium schicken, ihnen fehlte schlichtweg das Geld, was für ein Verlust. Sie war nicht nur sehr klug, sondern auch Weise. Ihr Kleingeld sammelte sie in einer Tee Dose die in besagter Vitrine stand. Jede Woche bekam ich zwei Mark Taschengeld von meinen Eltern und eine Mark von meiner Oma, da sie meinen Cousin und mich gleich behandeln wollten viel es nicht auf, als sie kleine Schokoladen Täfelchen neben die Tee Dose legte, wohl wissend das ich schon in die dritte Klasse ging und das Taschengeld bei weitem nicht ausreichte. Staunend blickte ich auf meine Klassen Kameraden die teilweise mit zehn, zwanzig und fünfzig DM Scheinen in die Schule kamen, um es fast ebenso schnell an unserem Kiosk wieder für Softeis, Cola, Comics, Brausestäbchen, Gummibärchen, Sammelbilder, Mohnstückchen Gott weiß was auszugeben. Meine Oma machte sich meine Neugier zu nutzen, damals wühlte ich in allen Schränken, wollte alles Wissen und Erkunden, wahrscheinlich hat sie mich mit diesem Trick vor dem richtigen Klauen abgebracht. Einmal jedoch ging das Ganze aber richtig nach hinten los, als meine Eltern mich erwischten, wie ich meinem Bruder Geld aus seinem Plastikschwein stehlen wollte. Die machten mich so sowas von platt, als hätte ich einen Geldtransporter überfallen. Von Schuldgefühl und Scham übermannt, einem knapp zweijährigen das Taschengeld klauen zu wollen, machte ich von nun an einen großen Bogen um sämtliche Geld Depots…
Die sechziger wahren die Wirtschaftswunderjahre. Zumindest profitierten meine Eltern davon, wir wohnten Mietfrei, hatten einen eigenen großen Gemüse Garten und ein Spargelfeld das von meinen Großeltern bewirtschaftet wurde. Opa stach jeden Morgen vor und nach der Arbeit Spargel, sogar an den Wochenenden. Manchmal begleitete ich ihn auf den Acker, schnell wurde mir bewusst dieser Mann musste übermenschliche Kräfte besitzen, ich sah nur Sand und diese Hügel, die aussahen wie die Speckrollen eines Riesen, auf dem wir herumtrampelten und mein Opa als Ritter versuchte ihn mit einem langen Messer zu erlegen. Bei jedem Stich stellte ich mir vor wie das Fett aus ihm herausspritzen würde. Die zaghaft hervorschauenden Spargelköpfchen mit ihren Helmchen aus Sand sahen kaum den ersten Sonnenstrahl, da breitete mein Opa seine Schwingen über sie aus. Mit flinken Fingern, dem Zeige und Mittelfinger enttarnte er ihre Scham, am Ende ihrer Frucht stach er unbarmherzig zu und verhalf so den Prinzessinnen zur Flucht vor dem bösen Riesen. In null Komma nix hatte er so eine Ganze Speckrolle bzw. den Balken leergeräumt. Ich kannte ihn eigentlich nur als den Mann mit dem Strohhut und dem Schwert der den Riesen erlegte. Meine Oma nahm dann die Schönheiten/Spargel aus dem Korb „da fiel auch schon mal der Satz, was hast du denn da wieder für welche mitgebracht“ Kurzerhand landeten sie im Wasserbad. Danach wurden sie in einem Holzkasten auf Größe geschnitten, nach ihrem Aussehen sortiert und abgewogen. Die schönsten gingen gegen gutes Geld an die Nachbarschaft oder wurden mit dem Händler vermählt „alles Steuerfrei“ Das Spargelgeld, war der Türöffner zu einem besseren Leben. Alle die keinen Riesen in der Nachbarschaft hatten mussten ordentlich mit den Hufen scharren um über die Runden zu kommen. Dieses kleine Zubrot der Großeltern, von dem wir natürlich profitierten, ermöglichte es uns und ganz besonders meine Mutter den Prinzen und Prinzessinnen zu folgen, die sie so bewunderte. Allen voran Grace Kelly, sie hatte sich irgendwie dieser Leichtigkeit des Seins verschrieben, wie es eigentlich nur Menschen haben können, die aus stinkreichen Häusern oder Hollywood kamen „sie dachte wirklich sie wäre eine von ihnen“ So war es nicht verwunderlich, dass ihr der schnöde Urlaub in Österreich auf einem Bauernhof, nicht mehr ausreichte. Sie wollte an die Grenzen Europas zu den Reichen und Schönen, Camping ja, aber dann in Style. Mit unserem neuen Auto
fuhren wir zuerst nach Venedig „hip“ Ja, aber nicht mondän genug. Jeder fuhr nach Venedig, doch nur wenige hatten die Idee auf einen Italienischen Campingplatz zu fahren um dann in Canne, St. Tropetz und Monaco so zu tun, als gehöre man dazu. Ich fühlte mich wie der Flyer am Gummiband eines Gepäckstückes, das gerade aufgegeben wurde. Es war ihr Urlaub, meine Mutter ging völlig darin auf Schuhe, Taschen, Badeanzug, Kleider, Kopftuch, ja das berühmte, bis auf ihre Haare, die waren brünett und burschikos geschnitten, war sie die Kelly vom Dorf. Mein Vater nicht existent, ich sah ihn nur beim Autofahren, wahrscheinlich schlief er auch darin.
So kam es wie es kommen musste, der Tag auf den sie sich so lange vorbereitet und gefreut hatte. Wir fuhren nach Monaco um den Fürsten und die Fürstin Leibhaftig Fähnchen schwingend zu bewundern. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass außer meiner Mutter noch jemand dieser ja Königlichen Zeremonie folgen würde, doch weit gefehlt, es waren tausende, die sich an der Absperrung wohl blaue Flecken holten (und die gingen bei ihr so schlecht weg) „Sie hatten mich vergessen“ irgendwann wurde es mir zu blöd durch die Hosenbeine und vorbei anwehenden Röcken einen Blick von ihrer Majestät zu erhaschen. Ich quetschte mich durch die Menschenmassen zurück auf eine Art Vorhof des Palastes, der mit Quadratischen Kalksteinplatten bis an die Klippe, bepflastert schien und plötzlich war ich wieder in dieser Welt, in der alles so Märchenhaft wie in meinen Büchern erschien. Bei uns Zuhause lag nur Sand im Hof und noch immer strömten Menschen aus allen Richtungen herbei, gelangweilt tat ich so als gehörte das zu meinem Tagesgeschäft, wie ein Schnösel des Hochadels. Das Verhalten meiner Mutter hatte wohl auch ein wenig auf mich abgefärbt nach dem ich mich schon auf dem Thron wähnte, wurde mir plötzlich klar, dass ich ohne Spargelgeld, Auto und Eltern war. Die Welle des Traumes hatte mich bis an den Rand des Abgrundes Gespült. Ich schaute mich um, doch da waren nur Beine, wo waren die zwei Idioten, sollten die nicht auf mich aufpassen. So langsam wurde mir mulmig, doch keiner sprach mich an, was mich verwunderte „sowie, hey Kleiner, was machst du, bist du ganz alleine“ Niemand wollte mich entführen „niemand“ nicht einmal das, anscheinend ging ich denen alle am Allerwertesten vorbei „ihr mich auch“ Der Menschenstrom kippte in meine Richtung. Keiner jubelte mir zu, mein Kopf ging nach unten und ich verkrümelte mich in mein inneres Schneckenhaus „man wo waren die“ wahrscheinlich trinken die mit Grace zusammen Kaffee, oder noch schlimmer, sind ohne mich gefahren. Doch wie von Zauberhand legte sich eine Hand von hinten auf meine Schulter „da bist du ja, sagte mein Vater, wo wart ihr denn so lange“ wollte ich wissen. Sein Blick ging zu seiner Linken, wo meine Mutter stand, die kein Wort sagte „was ist mit ihr Papa“ fragte ich vorsichtig, denn sie wirkte irgendwie Abwesend.
1966 geschah der Super Gau, mit acht Jahren viel eine Horde von dreiundzwanzig Barbaren in unser schönes wohlbehütetes Klassenzimmer ein, es fühlte sich an wie ein Tornado, es veränderte alles. Eine für mich Prägende Zeit begann. Aufgrund einer Strukturreform wurden sämtliche Klassen an unserer Schule mit Schülern aus den umliegenden Dörfern aufgefüllt und neue Lehrer eingestellt. Meine damalige Klassenlehrerin ließ sich an eine andere Schule versetzen, was mich sehr traurig machte eine Frau die im richtigen Moment, das richtige Tat „eine Kinderflüsterin“ Ein Mensch mit einer Seele, verschwand für immer aus meinem Leben. Stellen sie sich vor sie haben einen im Englischen Stil angelegten Garten und plötzlich
fällt eine Horde wild gewordener Elefanten auf ihrem Grundstück ein. Das waren aber keine Tiere, das waren Menschenkinder „die rückwärts joggen können“ Hatten die ein Zuhause, es schien so als fühlte sich für den Wildwuchs keiner Verantwortlich, wo waren die Eltern, Lehrer waren schlichtweg nicht anwesend, die meisten duckten sich weg, wenn es darum ging Rückschlüsse aus Fehlentwicklungen zu ziehen, sie reagierten nicht, angefangen vom Rektor bis hin zum Religionslehrer. Niemand von denen hatte bemerkt, dass durch die ungleiche Zusammenstellung, die Balance und somit die Harmonie in der Klasse verloren gegangen war. Wir wurden ausgelacht, beschimpft, gefoppt, geschlagen, während und nach dem Unterricht. Der eine oder andere wurde verwarnt, doch ein Problem gab es nie „wer wagt es an meine Tür zu klopfen“ Wir Wenigen hatten einfach zu viel Angst, vor dem rüpelhaften, respektlosen Mopp. Nach einem neuerlichen Vorfall, hatte ich genug, ich nahm all meinen Mut zusammen, nachdem sie wieder einmal den schwächsten aus der Klasse rauspickten und ihn während des Unterrichts immer wieder ärgerten „wenn sich Lehrer schon nicht trauten“ daraufhin nahm ich mir den Anführer zur Brust und stellte ihn vor der ganzen Klasse zur Rede, das hätte ich besser nicht gemacht, denn von dem Tag an war ich und nur ich das Neue Feindbild, keiner stand für mich ein, niemand „keine Eltern“ die mir einfach nicht glauben wollten „kein sogenannter Freund“ Ich war ab diesem Zeitpunkt allein. Warum sie das taten keine Ahnung. Das Wort Mobbing gab es damals noch nicht. Meine Lieblingsfächer waren Bio, Geschichte, Werken und Sport, eines Morgens, es war während des Werkunterrichts sperrten sie mich in eine Art Lichtschacht, aus dem ich nur mit aller größter Anstrengung herausklettern konnte, der Lehrer stand dabei und lachte herzhaft mit. Über das Wochenende verschwand auch noch mein gebogener Holzlöffel den ich mit viel Liebe angefertigt hatte, keiner wusste natürlich etwas davon. Der Lehrer gab mir dafür eine zwei, ich hatte ihn nur zum Trocknen nach dem ich ihn mit Lein Öl bepinselt hatte auf die Heizung gelegt, was er Augenscheinlich gesehen haben musste. Sein Argument war, dass ich ihm das fertige Stück zur Abgabefrist nicht vorgelegt hatte „das war eine glatte eins“ ich war stink sauer. Immer wollte ich etwas Besonderes machen nicht nur um meine Lehrer, sondern auch, um meine Eltern zu beindrucken. Ich wollte ihre Aufmerksamkeit und Liebe…
Im Sport hatte ich noch so eine Supergranate als Lehrer, er pfiff sogar zweite Bundesliga, bevorzugte wie konnte es auch anders sein immer die Neuen, nach dem üblichen Anschwitzen und einigen Turnübungen für die Ertüchtigung des Körpers, spielten wir fast immer Fußball, dabei stellte er die Mannschaft immer so auf das die besten Spieler in einem Team waren und das waren die Neuen die rückwärts joggen können und Zuhause in ihrem Dorf alle in einer Mannschaft spielten, sogar die Mädels konnten richtig gut kicken einige von ihnen spielten sogar Hessenauswahl und noch höher, zwei davon liefen schneller als die schnellsten Jungs, natürlich hatten wir keine Chance, nach dem Spiel wurden wir immer angefrotzelt und der Idiot von Lehrer mittendrin, lachte sich einen ab…
Meine Noten wurden immer schlechter, weder Lehrer noch meine Eltern konnten sich das erklären, obwohl ich versuchte es ihnen in meinen Worten mitzuteilen, aber irgendwie stieß ich auf taube Ohren, keiner glaubte mir. Genau wie damals, ich war gerade neun Jahre alt geworden als mich ein südländisch wirkender Mann auf meinem Nachhause Weg von der Schule ansprach und mich mitnehmen wollte, nach dem ersten Schreck rannte ich sofort los, er hinter mir her, zwei Straßen weiter versteckte ich mich in einem Zwinger zwischen zwei Häusern, mein Herz raste wie verrückt ich zitterte am ganzen Körper, da eine ganze Weile nichts passierte, schaute ich zaghaft aus der Häuserlücke hervor, zuerst nach links und dann nach rechts. Wahrscheinlich hatten ihn meine Ortskenntnisse überrascht oder ich war für ihn einfach zu schnell. Zuhause wartete meine Mutter mit dem Mittagessen auf mich, als ich ihr von dem Mann erzählte, sagte sie nur, du hast vielleicht Fantasien. Ich war anscheinend Luft für die, ein notwendiges Übel das nur an seinen Noten gemessen wurde. Ein Mensch war ich nur so schien es, wenn es positiv, vorzeigbar bzw. Gesellschaftskonform der Norm entsprach. Später fand ich heraus das nicht einmal das reichte…
Wie an dem Tag als ich nach der Schule von einem Mitschüler und dessen älteren Bruder durch ein Maisfeld gejagt wurde und ich es nur dem Selbstlosen Eingreifen eines Busfahrers der am Ende des Maisfeldes an einer Haltestelle auf Fahrgäste wartete zu verdanken hatte das ich nicht verprügelt wurde. Vielleicht hatte ich aus Frust etwas zu ihnen gesagt was ihnen missfallen hatte. Meine Mutter stocherte gelangweilt in ihrem Essen, als ich ihr aufgeregt von den Vorkommnissen erzählte, ich glaube meine Mutter stand unter Drogen, denn anders war diese Gleichgültigkeit nicht mehr zu erklären. Ein in die Arme nehmen und tröstende Worte, wie „die zwei greif ich mir“ wären angebracht gewesen, doch nichts dergleichen geschah…
Um mich von all den Dingen die auf mich einstürzten abzulenken flüchtete ich meistens in den Seitenbau. Eine Treppe führte durch den ehemaligen Schweinestall nach oben, rechte Hand befand sich unser Abstellraum, der frühere Taubenschlag meines Vaters, den er aber wegen der Kothaufen an der Außenwand und am Boden, durch die Intervention meiner Mutter aufgeben musste. Am Ende des Treppenaufgangs stand der Große Holzkeilschrank meiner Großeltern und auf der linken Seite in der Ecke hatte mein Onkel seine Sachen. Völlig versunken stöberte ich dort oben rum, zuerst spielte ich mit Opas Lottomaschine, eine Fahrradfelge die auf einem Brett mit neunundvierzig Zahlen montiert war und an einem Holzbalken hing, diente als Glücksrad. Über einen Holz Keil an der Seite konnte man den Vorgang bremsen bzw. Stoppen. Ich war eingetaucht in eine Welt aus der ich nie mehr erwachen wollte. Plötzlich und unverhofft sprach mich jemand von hinten an während ich auf Onkels Seite in deren alten Sachen rumkramte. Mir stockte der Atem „es war die Art und Weise wie diese Person mir begegnete, Hinterhältig, gemein, niederträchtig und nichts ahnend was sie mir damit antun würde“ Ruckartig drehte ich mich zur Stimme hin, mein Onkel war mir heimlich gefolgt. Dabei musste ich mich irgendwie am Rücken verletzt haben, nach dem ich nach Luft japste, dauerte es eine Weile bis ich mich erholt hatte und wieder nach unten gehen konnte.
An was ich mich immer gerne Erinnerte, waren die Camping Urlaube am Rhein mit den Eltern, meinem Onkel, der Tante und Freunden. Wir fingen damals die Fische mit einer Plastikfolie, im Fluss gab es damals so viele Fische, dass sie uns fast nach Hause nachgeschwommen wären. Wir nahmen die Folie (an jedem Ende stand einer von uns, meistens waren es wie üblich die Erwachsenen) und drückten sie in dem Priel (kleine Rücklauf Becken) unter Wasser und warteten dann bis die Fische drüber schwammen…
Von 1969 – 1974 gab es Wochen in meiner Kindheit da wollte ich nicht mehr in die Schule gehen, die täglichen Kämpfe mit den Neuen hatten mich ausgezehrt und lustlos gemacht. Nur mit Engelszungen konnte meine Mutter und Oma mich überreden in die Schule zu gehen. Einmal hörte ich meine Mutter zu meinem Vater sagen „ich kann ihn doch nicht hinschlagen“ Als das Thema wieder auf den Tisch kam sagte mein Vater „mich hat mein Vadder (das ein zahnige Schwein) mit dem Ledergürtel so verdroschen, dass ich die Wände hochgerannt bin“ Auch mein Opa erzählte erschütterndes, er sei mit dem Kleiderbügel gezüchtigt worden. Das machte auf mich den Eindruck, als seien sie noch Stolz (Hochmut kommt vor den Fall ) auf das, was sie erleiden mussten „ Wahre Helden kennen keinen Schmerz“ und ich solle mich nicht so anstellen, da sie das Recht auf ihrer Seite wähnten und sie ja damit aufgewachsen waren. Das war damals gang und gebe in den Familien, das die Hand vor dem Worte erschallte. Scheiß Krieg, Scheiß Nazis, Scheiße, Scheiße, Scheiße…
Das Ganze erreichte seinen Höhepunkt als ich den Sprung nach der vierten Klasse nicht in die Realschule schaffte und den Eignungstest ein Jahr später auch noch vermasselte, bekam ich die Häme der nicht von dieser Erde stammenden volle Breitseite ab. Sie kannten das Zuhause nicht das einem Gebetsmühlen artig eintrichterte auf eine Weiterführende Schule gehen zu müssen. Ich konnte und wollte nicht mehr, die hatten mir den Nerv gezogen, ich fühlte mich wie in einem Fieber Wahn aber keiner bemerkte es „keiner“ Mein damals bester und einziger Freund mit dem ich schon zusammen in den Kindergarten gegangen war, besuchte die Parallelklasse. Damals legte man bei der Neuzuteilung ohne Sinn und Verstand, sogenannte Stadtquartranden (Bezirke) fest die quasi über das Schicksal ganzer Generationen bestimmten. Freundschaften wurden zerstört und Kriege geschürt. Er hatte Glück, in seiner Klasse gab es nur alte Bekannte und keine Probleme, über seinen guten Notendurchschnitt in die Realschule zu gehen. Die Demarkationslinie unterteilte unser Kaff in einen Nord bzw. Süd Bezirk, da der Süd Bezirk größer und die Klassenstärke ausreichend war, wurden keine Schüler von Umliegenden Dörfern Zwangsintegriert „Oh Beata Maria Virgo wo bist DU“ Noch zu erwähnen wäre, dass ich Zweisprachig aufwuchs, ja „einmal Platt, Zuhause und Hochdeutsch in der Schule“
Mein Noten Durchschnitt lag zwischen vier und fünf, bei den Hauptfächern lag ich am Ende zwischen drei und vier. Es war nicht allein den Umständen geschuldet, dass mich meine Mutter zur Nachhilfe überredete und meine Hausaufgaben überwachte, mehr noch waren es die Neuen denen Weis Gott nicht mehr viel eingefallen war, wie sie mich noch hätten ärgern können. Einen nicht unwichtigen Part spielte unser Dorf Verein, nachdem ich ins Handballtraining eingestiegen war wurde ich durch kleine persönliche Erfolge immer Selbstbewusster, dadurch konnte ich es den Neuen zumindest jetzt im Sport so richtig zeigen. Beim Fußball fehlte nicht mehr viel, aber im Handball hatten sie keine Chance, obwohl sie wieder einmal zusammenspielten. Unser Zweitliga Schiedsrichter staunte Bauklötze. Sport eine Eins, Werken eine Eins, Geschichte eine Zwei, Erdkunde eine zwei, Bio eine Zwei, den Rest hatte ich vergessen…
Nach dem ich auch noch den Rädelsführer auf die Bretter gelegt hatte war erst einmal Ruhe, das war ein Jahr vor dem Hauptschulabschluss…
Mir wurden Fragen gestellt auf die ich damals keine Antwort wusste, meine Mutter sprach mir noch Mut zu, als unser Abteilungsleiter/ Handball der sich als Arschloch entpuppte, auf der Bühne die Fragen stellte, war mir als würde ich durch einen Endlosen Raum schweben. Ich sah niemanden, doch im Hintergrund vernahm ich eine Stimme, zwei meiner Mitstreiter hatten bereits die erste Frage richtig beantwortet, als ich gefragt wurde wo der Rhein entspringe, war das ein Gefühl als hätte man Sand durch mein Gehirn rieseln lassen. Meine Gedanken, welche Gedanken, ich befand mich in einem Trance ähnlichen Zustand, den nicht einmal die Wachskerzen am Weihnachtsbaum zu durchdringen wussten. Allein die Stimme über den Lautsprecher konnte zu meiner tiefen Bewusstlosigkeit vordringen. Wo entspringt der Rhein, fragte mich unser Abteilungsleiter zum wiederholten Mal. Hätte er mich das Zuhause gefragt wäre die Antwort wahrscheinlich richtig gewesen. Nach zwei weiteren Nieten und nur einem Gewinner, verschwand ich mit hängenden Schultern wieder in der Masse…
Ich war Hauptschüler und zwar ein ganz schlechter, was die Hauptfächer betraf. Etwa drei Jahre benötigten die Neuen um mich kaputt zu machen, eine Minute brauchte ein einziger Schüler um mich zu zerstören…
Womit hatte ich das verdient, aus gerechnet kam er in unsere Klasse. Er war fast zwei Jahre älter als ich, als wir alle. Er musste das Schuljahr wegen zu vieler Fehltage wiederholen, trotzdem war er ein über durchschnittlich guter Schüler. Ich packte all meinen Mut zusammen und fragte ihn ob er mir „ich wagte einen zweiten Anlauf“ Nachhilfe in Mathe und Deutsch geben könnte. Er willigte ein und wir verabredeten uns nach der Schule bei ihm Zuhause. Seine Eltern waren noch auf der Arbeit, er war so etwas wie ein Schlüsselkind. Ich war zwölf Jahre und hatte keine Ahnung was mich erwarten würde. Ich setzte mich an den Tisch in seinem Zimmer und wollte anfangen zu lernen, als er mich aufforderte zu ihm zu kommen, stellte er sich vor meinen Körper und öffnete mir die Hose, danach sagte er zu mir ich solle mich umdrehen. Kurz darauf fing er an sich an mir zu reiben, bis es kam…Willenlos stand ich da, ich konnte mich nicht mehr bewegen, geschweige denn wehren…“niemals zuvor hatte ich eine derartige Demütigung erfahren “ Es fühlte sich an als hätte eine fremde Macht sich meiner bemächtigt. Nach einigen Miss Mut Äußerungen verlies ich die Wohnung und redete danach nie wieder ein Wort mit Ihm. Obwohl wir im gleichen Verein Handball spielten, war mein Vertrauen und meine Hoffnung zerstört worden, nachdem ich es mir und meinen Eltern noch einmal beweisen wollte.
Meine Mutter fing an mir andere Kinder vorzuhalten, ja der und der gehen ins Gymnasium und schreiben nur Einser und du. Das war natürlich der Todesstoß für mich…
Eine paar Wochen danach bekam ich dann eine Art Gürtelrose. Meine Körperhaltung wurde auch immer schlechter, überall musste ich mich anlehnen. Meine Mutter schickte mich zur Krankengymnastik und zum Schwimmen. Doch niemand erkannte die Zusammenhänge, weder Arzt noch meine Eltern „erst mal haben die anderen recht“ dann kommt lange Zeit gar nichts und dann vielleicht „was eine fünf in Mathe, wie wäre es wohl mit etwas Rückendeckung und Zuneigung gelaufen“ Da ja soweit alles hervorragend für mich lief und ich zum wiederholten Mal Hausarrest bekam, damals hieß das „du bleibst jetzt da“ unteranderem wegen diesen fiesen Textaufgaben, sah ich wie eine schwarze Katze an meinem Fenster auf einem schmalen Wandvorsprung (Hausmauer zum Nachbar) vorbei huschte. Meine Mutter war irgendwo im Haus, oder Einkaufen, Ich öffnete das Fenster und folgte ihr, als sie mich bemerkte verschwand sie im Hof des Nachbarn. Ich hangelte mich bis zum Zwinger und gelangte über Abflussrohre auf das Dach vom Nachbargebäude zu einer unverschlossenen Dachluke. Ich wollte unbedingt wissen was es da unten in einer Art Kammer zu finden gab. Doch zu meinem großen Bedauern musste ich mein Vorhaben beenden, da ich von weitem die Stimme meiner Mutter vernahm, noch während des Rückzuges entschloss ich mich an einem anderen Tag wiederzukommen…
