Doctor Who: Silhouette - Justin Richards - E-Book
Beschreibung

Die Abenteuer des 12. Doktors gehen weiter! Marlowe Hapworth wird tot in seinem verschlossenen Arbeitszimmer aufgefunden, ermordet von einem unbekannten Angreifer. Rick Bellamy, Straßenkämpfer, wurde das Leben von einer als Leichenbestatter getarnten Gestalt ausgesaugt. Wie hängen diese Dinge miteinander zusammen? Und was hat Orestes Milton, ein reicher Industrieller, mit all dem zu tun? Als der Doktor und Clara sich der Suche anschließen, finden sie sich in einer Welt wieder, in der nichts und niemand ist, was er zu sein scheint.

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Seitenzahl:260

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SILHOUETTE

JUSTIN RICHARDS

INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN VONSUSANNE DÖPKE

Die deutsche Ausgabe von DOCTOR WHO: SILHOUETTE wird herausgegeben von Amigo Grafik, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg. Herausgeber: Andreas Mergenthaler und Hardy Hellstern, Übersetzung: Susanne Döpke; Lektorat: Kerstin Feuersänger und Gisela Schell; verantwortlicher Redakteur: Markus Rohde; Satz: Rowan Rüster/Amigo Grafik;

Titel der Originalausgabe: DOCTOR WHO – SILHOUETTE

German translation copyright © 2015 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © Justin Richards 2014

Doctor Who is a BBC Wales production for BBC One. Executive producers: Steven Moffat and Brian Minchin

BBC, DOCTOR WHO (word marks, logos and devices), TARDIS, DALEKS, CYBERMAN and K-9 (word marks and devices) are trademarks of the British Broadcasting Corporation and are used under licence. BBC logo © BBC 1996. Doctor Who logo © BBC 2009. Dalek image © BBC/ Terry Nation 1963. Cyberman image © BBC/Kit Pedler/Gerry Davis 1966. K-9 image ©BBC/Bob Baker/Dave Martin 1977.

First published in 2014 by BBC Books. BBC books is a part of the Penguin RandomHouse group of companies.

Printausgabe: ISBN 978-3-86425-799-5 · Digitale Ausgabe: ISBN 978-3-86425-750-6

Oktober 2015

WWW.CROSS-CULT.DE

Für Alison, wie immer.

PROLOG

Den Großteil des letzten Nachmittags seines Lebens verbrachte Marlowe Hapworth auf dem Frostjahrmarkt. Die kalte Januarluft stach in seinen Lungen, und an den Spitzen seines Schnurrbarts bildeten sich kleine Eiskristalle. Der Schnee knirschte angenehm unter seinen Füßen. Hapworth lachte, als ein Schneeball an seinem Ohr vorbeipfiff, und winkte dem Bengel, der ihn auf einen seiner Freunde geworfen hatte, ermutigend zu.

Einen Augenblick blieb er am Ufer stehen und beobachtete die Schlittschuhläufer, die auf dem gefrorenen Fluss vor dem Palast von Westminster ihre Kreise zogen. Er stieß Luft aus und beobachtete, wie der gefrierende Atem vor ihm in der Luft hing, während er dem Gelächter lauschte und sich an die Freuden der Jugend erinnerte. Wie schön es war, vollkommen sorglos zu sein, wenigstens für eine Weile. Ein Nachmittag ohne seine Studien und dann am Morgen wieder frisch ans Werk, entschied Hapworth.

Ein Stück den Fluss hinunter begann der Frostjahrmarkt. Er erstreckte sich entlang des Themse-Ufers und hinaus auf das Eis. Zelte und Buden gab es dort, Tingeltangel und Attraktionen. Hapworth schleuderte Holzkugeln auf Kokosnüsse, von denen er vermutete, dass sie an ihren Ständern befestigt waren. Nicht, dass es ihn im Geringsten störte. Er beobachtete einen Stelzenläufer, der sicheren Fußes auf dem Schnee lief und zuerst mit Kegeln, dann mit brennenden Fackeln jonglierte. Dann aß Hapworth Esskastanien, die so heiß waren, dass er sich den Gaumen verbrannte.

Und am Ende einer Budengasse, in der alles von geschnitzten Holztieren über Teegebäck und Sahnebonbons bis zu Spitzentaschentüchern verkauft wurde, fand er ein Schild, das ihm den Weg zum Kabinett der Kuriositäten wies. Dieses »Kabinett« lag ein bisschen abseits des Frostjahrmarkts und schien aus einer Kombination aus Zirkus, Jahrmarkt und Ausstellung zu bestehen. Hapworth gab dem Burschen am Eingang einen Penny Eintrittsgeld und spazierte fasziniert über das Gelände.

Ein Kraftmensch, der von der Hüfte aufwärts nackt und mit Tätowierungen übersät war, jonglierte mit Medizinbällen und lachte dabei. Eine Zigeunerin saß an einem Tisch und schaute in ihre Glaskugel. Diverse Zelte warben mit »Die unglaubliche bärtige Frau«, »Ein echter Wolfsjunge«, »Nimmerkreaturen – unnatürliche Tiere« und anderen verblüffenden und verlockenden Attraktionen. Er bezahlte weitere Pennys, um zu lachen, zurückzuschrecken und alle zu bewundern.

Das Schattenspiel war äußerst faszinierend. Hapworth hatte während seiner Zeit in Indien und Fernost eine Vorliebe für diese Kunst entwickelt. Als er das große Zelt betrat, überkam ihn ein flaues Gefühl – würde dies nur ein blasser Abklatsch der Kunstfertigkeiten sein, an die er sich erinnerte? Ein ungeschicktes Nachäffen der Fähigkeiten, die er in seiner Jugend so sehr bewundert hatte? Er nahm zwischen einem rotznasigen Mädchen und einem Mann Platz, der nach Ale stank und bereits schnarchte. Aber nach wenigen Momenten hatte er beide vollkommen vergessen …

Das Klingeln war so andauernd und beharrlich, dass Carlisle annahm, es müsse sich entweder um einen Gläubiger oder einen Gesetzeshüter handeln. Darum war er einigermaßen überrascht, als sein Herr vor der Tür stand. Carlisle hatte Mr Hapworth selten so aufgewühlt gesehen. Er zeichnete sich vor dem schwachen Schein des vom Schnee reflektierten Mondlichts als Silhouette ab, war atemlos und aufgeregt.

»Danke«, murmelte er, als er sich an Carlisle vorbei in den Hausflur drängte.

»Geht es Ihnen gut, Sir?«, fragte der Diener besorgt.

»Wie? Oh, ja. Aber ich habe etwas gesehen …« Hapworth schüttelte den Kopf. »Dinge, die Sie nicht gutheißen würden. Was soll man machen?«, fragte er. »Was soll man nur machen?«

Hapworth verfiel in Schweigen und stand am Fuß der Treppe, als könne er sich nicht entscheiden, nach oben zu gehen oder nicht.

»Sie haben ein paar Nachrichten, Sir«, wagte Carlisle in der Hoffnung zu sagen, Hapworth aus seinem beunruhigenden Zustand zu reißen.

»Nachrichten«, wiederholte sein Herr. »Ja, natürlich. Eine Nachricht. Ich muss sofort eine Nachricht schreiben, um sie wissen zu lassen, was ich gesehen habe.«

»Sir?«

»Füller und Tinte.« Hapworth nickte nachdrücklich. »In meinem Arbeitszimmer. Ich werde genau aufschreiben, was an diesem Nachmittag passiert ist, und dann müssen Sie den Brief überbringen. Sofort.«

»Selbstverständlich, Sir. Darf ich fragen, an wen diese Nachricht überbracht werden soll?«

Hapworth eilte bereits weiter zu seinem Arbeitszimmer. Carlisle folgte ihm in den großen Raum. Vom Boden bis zur Decke waren die Wände mit Bücherregalen gesäumt, die lediglich von einem großen Fenster und den Gaslampen unterbrochen wurden, die zwischen ihnen hervorragten und ein sanftes Licht im Raum verbreiteten. In der Mitte des Zimmers befand sich ein riesiger Globus. An der einen Seite stand Hapworths Schreibtisch. Auf der anderen ein kleiner Tisch mit einer Karaffe und Gläsern. Hapworth ging direkt auf den Schreibtisch zu, zog ein Blatt Briefpapier aus einer Ablage und legte es gerade auf die Schreibunterlage, bevor er Füller und Tinte aus einer Schublade holte.

»Sir«, hakte Carlisle nach. »Der Brief, den ich überbringen soll? Für wen ist er?«

Hapworth blickte auf. Seine Augen waren trübe, die Wangen hohl und seine Finger, mit denen er den Füller hielt, zitterten. »Warum fragen Sie? Für die Große Detektivin selbstverständlich. Für Madame Vastra.«

Carlisle erschauderte unwillkürlich. Er war schon mehrfach in der Paternostergasse gewesen. Hapworth pflegte die Bekanntschaft von Madame Vastra und sie hatte sich ebenfalls schon mehrmals seines Wissens und seiner Bildung bedient. Carlisle fand die verschleierte Frau gefühlsarm und ziemlich beunruhigend.

»Ich muss das sofort niederschreiben«, drängte Hapworth. »Lassen Sie mich allein. Ich werde nach Ihnen klingeln, wenn ich fertig bin.«

Während er das sagte, legte Hapworth seinen Füller hin und stand auf, um Carlisle zum Ausgang zu folgen. Sobald sein Diener wieder in der Eingangshalle war, zog Hapworth die Tür hinter ihm zu. Einen Moment darauf hörte man das Geräusch des Schlüssels, der im Schloss umgedreht wurde. Erst dann wurde Carlisle klar, dass sein Herr furchtbare Angst hatte.

Im Arbeitszimmer schloss Hapworth die Fensterläden und verriegelte sie, bevor er die Vorhänge zuzog. Er brauchte einen Augenblick, um mit dem Gas die Beleuchtung anzupassen, während er versuchte, seine geschundenen Nerven wieder unter Kontrolle zu bekommen.

An seinem Schreibtisch hielt er inne, bevor er sich setzte. Er ließ sein Jackett von den Schultern gleiten und drapierte es über den Globus. Die letzten Schneeflocken darauf waren geschmolzen, aber es war noch ein kleiner Fleck Weiß zu sehen. Etwas lugte aus der Jackentasche hervor. Hapworth hob das Kleidungsstück hoch, um in die Tasche zu greifen, und zog das Ticket heraus, das man ihm am Eingang des Kuriositätenkabinetts gegeben hatte. Es war feucht und fleckig. Mit dem Ticket rutschten weitere kleine Papierstücke heraus und verstreuten sich auf dem polierten Holzboden. Er bückte sich, um sie aufzuheben.

Drei Papierstücke, weiß wie Schnee, jedes in Form eines stilisierten Vogels gefaltet. Es war fachmännisch ausgeführt worden und umso beeindruckender, weil die Vögel so klein waren – nur wenige Zentimeter im Durchmesser. Hapworth ließ die Papiervögel und das Ticket neben den verzierten Brieföffner auf seinen Schreibtisch fallen und setzte sich. Er wollte seine Gedanken sammeln, bevor er sie niederschrieb.

Eine leichte Brise bewegte die Papiertiere und rief einen Moment lang die Illusion hervor, dass die Vogelschwingen zum Leben erwachten. Hapworth schaute hinüber zum Fenster – nur um zu sehen, dass es selbstverständlich geschlossen, die Fensterläden verriegelt und die Vorhänge zugezogen waren. Er runzelte die Stirn.

Draußen vor der Tür wartete Carlisle und war sich nicht ganz sicher, was er tun sollte. Er hatte keine Ahnung, wie lange Mr Hapworth brauchen würde, wollte sich aber trotzdem nicht allzu weit entfernen. Sein Herr konnte ihn jeden Augenblick rufen.

Der Schrei hallte durch den Flur und wurde von der schweren Tür nur wenig gedämpft. Er schien ewig zu dauern, bevor er mit einem schmerzerfüllten Rasseln erstickte.

»Sir?«, rief Carlisle. »Mr Hapworth?«

Die Tür war immer noch verschlossen. Carlisle stemmte sich mit der Schulter dagegen und es gelang ihm mit einer Kraft, die aus Angst und Eile geboren war, sie beim dritten Versuch aufzubrechen. Als der Türrahmen nachgab, stolperte er begleitet vom Geräusch splitternden Holzes ins Zimmer.

Hapworth befand sich immer noch an seinem Schreibtisch, aber er war nach vorne gesackt. Sein Körper war zur Seite gedreht, und eine Hand streckte sich verzweifelt über die Tischoberfläche, die Finger zu einer knorrigen Kralle verkrampft. Seine Augen waren weit aufgerissen und starrten Carlisle, der in der zerstörten Tür stand, voller Angst und leblos an.

Hapworth hatte nur zwei Worte geschrieben: »Madame Vastra«. Das Papier war mit roten Flecken übersät.

Carlisle sah sich entsetzt um. Aber bis auf ihn und Hapworths Leiche war das Zimmer leer. Das Fenster war geschlossen und verriegelt. Er hatte die einzige Tür aufgebrochen, die hineinführte. Das Blut rann weiter aus der Wunde um den spitzen, metallenen Brieföffner heraus, der zwischen Hapworths Schulterblättern hervorragte. Es tropfte auf den Tisch und wurde von der mit roten Flecken übersäten Schreibunterlage aufgesogen.

1

Im Pub war es brechend voll. Die Leute drängten sich so dicht, dass sie einander fast auf die Zehen traten. Außer an einem Ende der Bar, an dem allein zwei gedrungene Gestalten standen. Es schien eine unausgesprochene Übereinkunft zu geben, dass sich ihnen niemand näherte.

Rick Bellamy schien aus reiner Wut zu bestehen. Sein Gesicht war zu einer grimmigen Miene festgefroren, seine Hände zu Fäusten geballt – außer, wenn er seinen Pint an den Mund hob. Seine Haltung war einschüchternd wie die eines Faustkämpfers, sein Tonfall ebenso.

»Ein Penny!« Er spie die Worte über die Bar hinweg. »Also, ich dachte, dass da wohl etwas Gutes los sein würde. Aber nein, nur der übliche Mist fürs dumme Publikum. Noch mehr Buden, Tingeltangel und dergleichen. Monstrositäten und Ausstellungsstücke. Oh, interessant, nehm ich an. Aber einen Penny? Kuriositätenkabinett? Beutelschneiderei, würde ich sagen!«

»Ihr Ärger ehrt Sie«, sagte Bellamys Begleiter. »Sie haben bestimmt ordentlich aufgeräumt und eine Entschädigung verlangt.«

Bellamy leerte sein Glas und ließ es auf den Tresen hinabsausen. »Nun, eigentlich nicht«, gab er zu. »Aber ich habe denen die Meinung gegeigt. Habe gesagt, was ich davon halte. Habe denen klargemacht, wie sehr mich das aufregt. Dann habe ich es unter Erfahrungen verbucht und bin hergekommen, um etwas zu trinken. Sind Sie bereit für noch einen, Mr Strax?«

»Einen Moment bitte.« Strax leerte sein Pintglas. Aber statt es auf die Bar zu stellen, drückte er es beiläufig zwischen seinen großen Fingern zusammen, bis es in einem befriedigenden Schauer aus Splittern und Scherben explodierte. »Junge!«, rief er über den Tresen hinweg. »Noch zwei Pints!«

Das Mädchen hinter der Bar seufzte, ließ den Kunden stehen, den sie gerade bediente, und zapfte das Bier.

»Sie arbeiten heute Abend nicht, Mr Strax?«, fragte Bellamy, während sie auf die Getränke warteten.

»Meine Herrin wurde weggerufen. Ich habe abgelehnt, sie zu begleiten. Eine schnelle strategische Einschätzung ergab, dass Sie hier sein würden.«

»Ich weiß die Gesellschaft zu schätzen«, entgegnete Bellamy, aber er milderte seine wütende Miene kein bisschen.

»Und ich finde Ihren beständigen Zorn erfrischend. Die meisten Menschen verstecken ihre Wut. Vielleicht könnten wir später eine Schlägerei anzetteln«, fügte Strax hoffnungsvoll hinzu.

»Nicht heute Abend. Ich hatte ein paar zu viel, schätze ich. Und ich habe morgen Nachmittag einen Faustkampf. Kommen Sie zuschauen, wenn Sie mögen. Blackfriars.«

»Ah, Sport!« Strax nickte. Da er keinen nennenswerten Hals hatte, bewegte er dabei den Großteil seines Oberkörpers. »Das tue ich vielleicht wirklich. Wie viele von diesen ›Blackfriars‹ wollen Sie denn töten?«

Der Pub war beträchtlich weniger bevölkert, als Strax und Bellamy ihr Gespräch beendeten. Strax fand, wie er bereits gesagt hatte, dass Bellamy eine erfrischende Abwechslung zu den meisten Menschen bot, weil Ärger und Wut aus jedem seiner Worte und Gesichtsausdrücke, jeder Tat und Bewegung heraussprudelten. Strax hatte Bellamy nie gesagt, dass er eigentlich kein Mensch war, sondern ein geklonter Krieger der weitaus überlegeneren Rasse der Sontaraner, der temporär als Diener einer prähistorischen Echsenfrau arbeitete. Wenn er das aber getan hätte, hätte Bellamy wahrscheinlich nur genickt, sein Bier heruntergeschüttet und sich über die Zustände im East End beschwert. Oder die Unfähigkeit der Regierung. Oder seine Armut und dass es momentan unmöglich war, eine ordentliche Erwerbstätigkeit zu finden. Oder den Bierpreis. Das Konzept Freundschaft war beiden fremd, doch wenn sie ihre Freunde hätten aufzählen sollen, hätte der jeweils andere sicher auf der kurzen Liste gestanden.

In Bellamys Fall wäre Strax vielleicht sogar der einzige Name darauf gewesen.

»Vielleicht sehe ich Sie morgen in Blackfriars«, sagte Bellamy, als die beiden die Kneipe verließen.

»Das ist mit Sicherheit eine Möglichkeit«, stimmte Strax zu. Er klopfte Bellamy auf den Rücken und der große Kerl geriet ins Taumeln. Bellamy war sicherlich einen Kopf größer als Strax und fast genauso breit – einer der wenigen Menschen, die in einem Kampf mit dem Sontaraner mehr als nur ein paar Sekunden bestehen könnten. »Ich habe gegen kopflose Mönche gestritten«, erzählte Strax. »Also werden ein paar von diesen Blackfriars-Typen kein Problem sein. Wir sollten uns vorher treffen, um eine passende Strategie abzusprechen.«

»Klar«, stimmte Bellamy zu. »Nacht.« Er machte einen halbherzigen Versuch, den Schlag auf den Rücken zu erwidern. Strax bemerkte das kaum, obwohl die meisten Menschen davon sicher gestürzt wären.

Er sah Bellamy nach, der in der Entfernung verschwand, bis er kaum mehr als ein Schatten unter den Gaslaternen war. Dann drehte er sich um und ging zurück in Richtung Paternostergasse. Es schneite wieder und ein paar träge Flocken landeten auf seiner dunklen Jacke. Aber Strax machte die Kälte nichts aus. Er war in Gedanken schon bei den Aufgaben, die er zu erledigen hatte, wenn er zurück war. Die Überwachungssysteme mussten nachgesehen werden. Sein Blastergewehr konnte eine Re-Ionisierung gebrauchen und musste aufgeladen werden. Er würde die Schlösser an Fenstern und Türen auf Anzeichen von Einbruchsversuchen überprüfen. Und der Abwasch musste erledigt werden.

Die Kälte der Nacht bescherte Bellamy auf dem Heimweg wieder einen klaren Kopf. Es schneite heftiger und die Flocken begannen, auf dem Pflaster und seinen breiten Schultern liegen zu bleiben. Die Straßen waren still, aber weil es London war, bedeutete das nicht, dass sie leer waren. Ein Wagen rauschte eilig vorbei, Pferdehufe und eisenbeschlagene Räder klapperten auf dem Kopfsteinpflaster. Eine Frau mit einem dick bemalten Gesicht ließ vom Eingang einer Gasse aus ein zahnlückiges Lächeln in Bellamys Richtung aufblitzen. Er ignorierte sie.

Ein Stück weiter vorne, an der Seite eines großen Industriegebäudes, zeigte sich im Licht der Gaslaterne der Schatten einer Gestalt an der Wand einer weiteren schmalen Gasse. Die Gestalt erhob eine Hand und winkte ihn heran. Bellamy ignorierte auch sie.

Obwohl …

Er blieb stehen und drehte sich um. Er konnte den Schatten an der Wand erkennen. Er konnte die Laterne sehen, die das Licht warf. Aber – wessen Schatten war das? Es war niemand da.

Der Schatten winkte noch einmal eindringlich. Dann, als nähme er an, dass Bellamy ihm folgen würde, drehte er sich um und ging in die Gasse. Trotzdem konnte der Boxer niemanden erkennen, keine Schritte hören. Er blickte sich um, weil er sehen wollte, ob jemand anders den Schatten auch bemerkt hatte. Aber die Straße war leer. Bellamy verzog sein Gesicht zu einer noch zornigeren Grimasse als sonst und gab seiner Neugier nach.

Die Gasse war dunkel. Aber er konnte den Schatten an einer Wand sehen, die ein Stück weiter hinten in dem engen Durchgang lag. Die Dämmergestalt zögerte, drehte sich um und winkte ihn weiter. Wer auch immer dieser Witzbold war, er würde es nicht mehr lustig finden, wenn Bellamy ihn eingeholt hatte. Er würde den Spaßvogel lehren, was er von derartigen Tricks hielt, und das auf ganz eindeutige Weise.

Bellamy beschleunigte sein Tempo und ging mit langen Schritten hinter dem Schatten her. Die Gasse machte eine jähe Biegung, sie führte an den Türen eines großen Gebäudes vorbei. Es war ein altes Lagerhaus oder eine Fabrik. Dieser Teil der Straße wurde von einem blassen gelblichen Leuchten erhellt. Am Ende, wo der enge Weg auf die Hauptstraße führte, stand eine Laterne. Schneeflocken wirbelten und tanzten durch den Lichtschein, bevor sie auf dem kalten Boden liegen blieben. Es gab kein Anzeichen von dem Schatten oder dem, der ihn geworfen hatte.

Bellamy gab ein ärgerliches Knurren von sich und drehte sich um, um den gleichen Weg zurückzugehen. Da trat ein Mann aus der Tür des großen Gebäudes und Bellamy schnappte überrascht nach Luft. Dies war nicht die Gestalt, die den Schatten geworfen hatte, da war sich Bellamy sicher. Dieser Mann war dünner, beinahe hager. Er hatte tief liegende Augen und hohle Wangen. Eine lange, schnabelähnliche Nase. Und der lange Gehrock, den er trug, hatte eine gut wiederzuerkennende Form, ganz abgesehen von dem schwarzen Zylinder. Ein breiter Streifen eines dunklen Materials hing hinten an dem Hut herab. Der Mann hatte zwar nicht den Schatten geworfen, wirkte aber, als sei er der Dunkelheit entstiegen. Selbst seine Handschuhe waren so schwarz, dass sie das Licht zu absorbieren schienen, als der Fremde die Hand zum Gruß hob.

»Seien Sie lieber vorsichtig, wenn Sie hier so herumschleichen«, sagte Bellamy. »Haben Sie hier noch einen anderen Kerl gesehen, der hier langkam?«, fragte er.

»Nur Sie.« Die Stimme des Mannes war tief und sonor. Sein grimmiger Gesichtsausdruck blieb unbewegt.

»Sie sehen aus, als wollten Sie zu einer Beerdigung«, bemerkte Bellamy.

Das Gesicht des anderen blieb regungslos. »Wer sagt, dass die Ungebildeten keinen Sinn für Ironie haben?«

Bellamy spürte, wie der Ärger in ihm aufwallte. »Die was? Wollen Sie mich beleidigen?« Er machte einen Schritt vorwärts mit erhobener Faust.

Wenige Augenblicke später ging der große, ganz in Schwarz gekleidete Mann langsam die Gasse hinunter. Er hielt einen Moment inne, sein Körper nahm eine Haltung an, als wolle er gleich niesen. Sein ausdrucksloses Gesicht verzog sich plötzlich zu einer extremen Grimasse reinster Wut. Nur für eine Sekunde, dann ebbte der Ärger wieder ab und die Gesichtszüge des Mannes nahmen den vorherigen, neutralen Ausdruck an.

Auf dem Boden hinter ihm lag verdreht und regungslos Bellamy. Seine Kleidung schien viel zu groß für den ausgemergelten Körper. Eine skelettierte Hand war über den Boden ausgestreckt, die fleischlosen Finger zu einer Klaue geformt, als wolle er sie verzweifelt in das Kopfsteinpflaster krallen, um die letzten Momente des schwindenden Lebens festzuhalten.

2

»König Artus.«

»Nein.«

Clara schaute wütend drein. »Was soll das heißen, ›Nein‹?«

Der Doktor schaute nicht von der TARDIS-Konsole auf, sondern hob lediglich die Hand wie ein Polizist, der den Verkehr anhält. »Nein, nicht König Artus.«

»Du hast gesagt, ich darf aussuchen.«

»In angemessenem Rahmen.« Er schaute immer noch nicht auf.

»Das hast du nicht gesagt. Ich darf aussuchen, hast du gesagt. Jeder Ort, jede Zeit, jede Person. Also habe ich König Artus gewählt.«

»Nein.«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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