Dr. Stefan Frank 2513 - Arztroman - Stefan Frank - E-Book
oder
Beschreibung

Ein Koffer voll Glück? Wie ein herrenloses Gepäckstück Sofia ins Gefühlschaos stürzte Für Sofia ist es ein Abenteuer, am Münchner Flughafen an einer Fundsachen-Versteigerung teilzunehmen. Neugierig ersteigert sie dabei einen herrenlosen Reisekoffer und öffnet ihn zu Hause gespannt. Was mag sich wohl in dem Gepäckstück befinden? Die Überraschung ist groß, als Sofia zwischen Herrenkleidung einen Verlobungsring mit einer Notiz entdeckt. Offenbar handelt es sich um ein wertvolles Familienerbstück. Und wenn sie den Zettel richtig versteht, dann verbirgt sich hinter ihrem Fund eine tragische Geschichte. Sofia entschließt sich, den Ring seinem ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Laut Kofferinhalt muss es sich um einen Ludger aus der Heidelberger Straße handeln. Vielleicht die Heidelberger Straße in München? Tatsächlich gelingt es ihr, den Besitzer ausfindig zu machen, und schon bald befindet sie sich in engem Kontakt mit dem attraktiven Mann. Ganz offensichtlich ist Ludger sofort von ihr fasziniert. Allerdings hat Sofia gerade erst den sympathischen Bruno kennengelernt und ihr Herz ein wenig an ihn verloren. Wer ist denn nun der Richtige?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Inhalt

Cover

Impressum

Ein Koffer voll Glück?

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: mimagephotography / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8367-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Ein Koffer voll Glück?

Wie ein herrenloses Gepäckstück Sofia ins Gefühlschaos stürzte

Für Sofia ist es ein Abenteuer, am Münchner Flughafen an einer Fundsachen-Versteigerung teilzunehmen. Neugierig ersteigert sie dabei einen herrenlosen Reisekoffer und öffnet ihn zu Hause gespannt. Was mag sich wohl in dem Gepäckstück befinden?

Die Überraschung ist groß, als Sofia zwischen Herrenkleidung einen Verlobungsring mit einer Notiz entdeckt. Offenbar handelt es sich um ein wertvolles Familienerbstück. Und wenn sie den Zettel richtig versteht, dann verbirgt sich hinter ihrem Fund eine tragische Geschichte.

Sofia entschließt sich, den Ring seinem ursprünglichen Besitzer zurückzugeben. Laut Kofferinhalt muss es sich um einen Ludger aus der Heidelberger Straße handeln. Vielleicht die Heidelberger Straße in München?

Tatsächlich gelingt es der jungen Physiotherapeutin, den Besitzer ausfindig zu machen, und schon bald befindet sie sich in engem Kontakt mit dem attraktiven Mann. Allerdings hat sie gerade erst den sympathischen Bruno kennengelernt und ihr Herz ein wenig an ihn verloren. Wer ist denn nun der Richtige?

„Grüß Gott, Frau Giesecke“, grüßte Bruno freundlich, als er die Praxis von Dr. Stefan Frank betrat.

„Hallo, Herr Immenthal. Sie kommen zum Verbandswechsel, oder?“

„Ja. Wie lange wird das etwa dauern? Wissen Sie, in einer Dreiviertelstunde kommt die Firma zur Reinigung der Bierleitungen, und heute Vormittag bin ich allein im Restaurant.“

„Det kriegen wir hin. Ick will doch nicht schuld sein, wenn Ihre Gäste kein sauberes Bier zu trinken kriegen“, antwortete die altgediente Sprechstundenhilfe lachend und fiel in ihren Berliner Zungenschlag zurück, den sie trotz vieler Jahre in München nicht abgelegt hatte.

„Meine Gäste werden es Ihnen danken“, erwiderte Bruno lächelnd.

„Sie können sich schon ins Labor setzen, ick bin gleich bei Ihnen.“

Bruno nahm auf der Untersuchungsliege im Labor Platz und schaute auf seinen linken Zeigefinger, der dick verbunden war. Er zuckte zusammen, als er vor seinem inneren Auge sah, wie das scharfe Messer beim Zwiebelschneiden abgerutscht war und ihm fast die Fingerkuppe abgeschnitten hatte.

Zuerst hatte es gar nicht weggetan, aber schon bald hatte der Finger gepocht und gebrannt. Das Blut war kaum zu stillen gewesen. Zwei Küchenhandtücher waren durchgeblutet, ehe Bruno die Praxis von Dr. Frank erreicht hatte, obwohl sie nur vier Häuser von seinem Restaurant entfernt lag.

„So, dann wollen wir mal sehen“, holte ihn die Stimme von Martha Giesecke aus den Gedanken. „Tut es noch weh?“

„Richtig weh nicht. So ein komisch taubes Gefühl habe ich oben am Finger, aber keine Schmerzen.“

„Det taube Gefühl ist ganz normal“, beruhigte ihn die Sprechstundenhilfe. „Det verschwindet mit hoher Wahrscheinlichkeit bald.“

Mit geschickten Händen löste Martha Giesecke den Verband. Kritisch besah sie sich den Finger, dessen Kuppe Dr. Stefan Frank mit mehreren Stichen wieder angenäht hatte.

„Det sieht gut aus, soweit ick det beurteilen kann“, stellte sie nickend fest. „Aber der Chef muss trotzdem noch mal drübergucken. Bevor ick den nächsten Patienten ins Behandlungszimmer schicke, kommt er bei Ihnen vorbei.“

Es dauerte keine zehn Minuten, dann betrat Dr. Frank das Labor.

„Grüß dich, Bruno. Schwester Martha sagte mir schon, dass dein Finger recht gut aussieht. Zeig mal her.“

Der Patient hielt dem Arzt seinen Finger hin. Zufrieden nickte Dr. Frank.

„Alles bestens. Noch ein bis zwei Wochen einen Verband, dann reicht ein Pflaster, und bald sollte dein Zeigefinger wieder wie neu sein. Und in Zukunft machst du bitte einen Bogen um scharfe Messer“, ermahnte ihn der Arzt lächelnd.

„Ich weiß ja, dass ich nicht gerade der geschickteste Koch bin“, gestand Bruno mit einem resignierten Achselzucken. „Aber wenn man ein eigenes Restaurant hat und Not am Mann ist, dann muss man auch mal an Stellen zupacken, die einem nicht so liegen. Ich bin mit Leib und Seele Kellner. Das Kochen war Sabrinas Leidenschaft, aber jetzt, wo sie nicht mehr da ist …“

Bruno wandte den Blick ab, er wollte nicht, dass Stefan Frank sah, dass in seinen Augen Tränen schimmerten.

Es war fast zwei Jahre her, dass Brunos Ehefrau Sabrina bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Der Unfall hatte sich fünf Monate nach der Verwirklichung ihres gemeinsamen Traums ereignet – der Eröffnung des Schmankerlstübchen, ein kleines, aber feines Restaurant in Grünwald.

Sabrinas Tod hatte Bruno in eine tiefe Depression gestürzt. Nur die Sorge um die Tochter Tinka, die damals drei Jahre alt gewesen war, hatte verhindert, dass er sich völlig in die Depression fallen ließ.

Auch das Schmankerlstübchen überstand die dunkle Zeit, denn eine Handvoll treuer Mitarbeiter sorgte dafür, dass das Restaurant weiterlaufen konnte, auch wenn der Chef für einige Zeit nicht arbeitsfähig war.

„Es tut immer noch weh, nicht?“, fragte Dr. Frank mitfühlend, denn er hatte sehr wohl bemerkt, dass Bruno bei dem Gedanken an seine verstorbene Frau von tiefer Trauer übermannt wurde.

„Ja. Aber es wird langsam etwas besser. Weißt du, Stefan, es passiert mir jetzt häufiger, dass ich lächeln muss, wenn ich an Sabrina denke. Die schönen Momente mit ihr drängen sich mehr und mehr in den Vordergrund. Ich … wie soll ich das sagen … ich bin dankbar für die glückliche Zeit, die wir zusammen hatten, aber ich weiß auch, dass ich nicht nur rückwärts blicken darf. Das Leben geht halt weiter, und schon allein für Tinka muss ich mich zusammenreißen.“

Dr. Frank nickte.

„Aber auch deinetwegen solltest du dich dem Leben wieder zuwenden. Du bist einunddreißig Jahre alt, hast also wahrscheinlich noch viele Jahre auf dieser Erde. Du hast ein Recht darauf, wieder glücklich zu sein.“

„Du meinst eine neue Frau? Eine neue Liebe?“, fragte Bruno und schüttelte heftig den Kopf.

„Ja, vielleicht. Es wäre bestimmt auch gut für Tinka.“

„Mag ja sein. Aber obwohl ich Tinka über alles liebe, kann ich mich doch nicht zwingen, mich ihretwegen in eine Frau zu verlieben. Und selbst wenn, wer sagt denn, dass es gut ist für Tinka?“

„Das kann dir natürlich niemand garantieren. Aber einen Versuch wäre es doch wert, oder? Spricht Tinka noch viel von ihrer Mutter?“

„Natürlich reden wir von Sabrina. Tinka schaut sich Bilder an und sagt, das ist meine Mami. Aber so richtig an sie erinnern kann sie sich nicht mehr. Tinka war noch so klein, als Sabrina von uns gerissen wurde.“

„Hast du eigentlich noch diese nette Babysitterin? Fritzi heißt sie, oder?“, fragte Stefan Frank mit einem kleinen, schelmischen Lächeln.

„Ich weiß, was du denkst“, erwiderte Bruno und lächelte ebenfalls. „Fritzi ist eine nette Person, und Tinka und sie mögen sich sehr, aber ich … ich und Fritzi, da war nichts und wird auch nichts sein. Außerdem ist Fritzi seit zwei Wochen nicht mehr in Deutschland. Sie hat für ein Jahr ein Stipendium in Neuseeland bekommen.“

„Oh, hast du denn schon jemand Neues? Was ist denn mit Tinka, wenn du die halbe Nacht im Restaurant arbeitest?“

„Da unsere Wohnung über dem Restaurant liegt, versuchen wir die Nächte ohne Babysitter auszukommen. Es klappt recht gut. Ich bringe Tinka ins Bett, warte, bis sie eingeschlafen ist, dann gehe ich runter. Meist schläft sie durch.“

„Hat sie denn keine Angst, wenn sie nachts doch mal wach wird?“

„Wie gesagt, das passiert nur sehr selten. Und wenn es ihr unheimlich ist, dann kommt sie halt zu uns runter.“

„Ein tapferes Mädchen“, lobte Dr. Frank.

„Das ist sie. Tinka ist sehr weit für ihr Alter. Manchmal bin ich überrascht, was sie schon alles begreift und wozu sie eine eigene Meinung hat“, sagte Bruno stolz.

„Chef?“, unterbrach Martha Giesecke in leicht vorwurfvollem Ton. Sie hatte ihren Oberkörper durch die Labortür gesteckt und deutete auf ihre Armbanduhr.

„In drei Minuten bin ich hier fertig“, versprach Dr. Frank. „Bringen Sie den nächsten Patienten schon in mein Zimmer, Schwester Martha.“

„Jetzt hab ich dich aufgehalten“, sagte Bruno schuldbewusst.

„Nein, nein. Ist schon gut. Schwester Martha wird dir gleich den Finger neu verbinden. Und wir beide sehen uns heute Abend schon wieder. Vielleicht können wir unser Gespräch dann fortsetzen.“

„Wir sehen uns heute Abend?“, fragte Bruno überrascht. „Hast du denn reserviert? Wir sind heute voll. Aber für dich finde ich schon …“

„Du musst keine Klimmzüge machen, um einen Platz für mich zu suchen“, unterbrach ihn der Arzt. „Ich bin zur Geburtstagsfeier von Frau Kreissler eingeladen. Sie hat doch bestimmt reserviert?“

„Hat sie. Die Feier Kreissler habe ich natürlich auf dem Zettel. Acht Personen. Aber ich wusste nicht, dass du dabei bist. Dann sehe ich Alexandra bestimmt auch?“

„Aber sicher. Frau Kreissler ist Sprechstundenhilfe in Alexas Augenarztpraxis. Sie feiert ihren Vierzigsten mit Kollegen und dem Anhang der Kollegen. So komme auch ich in den Genuss deines Essens. Aber bitte, Bruno, keine Fingerkuppen ins Essen!“

„Schade.“ Bruno grinste. „Das macht doch gerade die besondere Note meines Restaurants aus.“

***

„Was meinst du, Alexa, muss ich heute Abend einen Anzug anziehen?“, fragte Dr. Frank seine Lebensgefährtin.

„Nein, so förmlich wird das nicht. Annika ist selbst eher der sportliche Typ. Zieh doch die neue schwarze Hose mit einem weißen Hemd an.“

„Ich ziehe alles an, was du willst, mein Herz, wenn ich nur keine Krawatte umbinden muss.“

„Dabei siehst du so gut aus, wenn du dich richtig schick machst“, lobte Alexandra Schubert und strich ihrem Freund liebevoll durch das dunkelblonde Haar.

„Falls wir doch irgendwann einmal heiraten sollten, dann verspreche ich dir schon mal, dass ich einen Anzug tragen werde“, sagte Dr. Frank lachend und küsste seine Alexa zärtlich.

„Das war jetzt aber kein Antrag, oder?“, fragte Alexandra schelmisch lächelnd.

„Wo denkst du hin. Ich würde dir nie einen Antrag ohne Blumen und Kniefall machen!“

„Dann weiß ich Bescheid.“ Sie lachte. „Wenn du noch duschen willst, solltest du dich ein bisschen beeilen. In einer halben Stunde müssen wir los.“

„Sehr wohl, gnädige Frau, ich eile“, erwiderte Dr. Frank und verschwand salutierend im Badezimmer.

Bald darauf machten sich die beiden auf den kurzen Weg ins Schmankerlstübchen.

„Bruno sprach davon, dass für acht Personen reserviert ist. Ich komme nur auf sieben: Deine Kollegin Helene und ihr Mann, die beiden Helferinnen Annika und Dagmar, Dagmars Mann und du und ich“, zählte Dr. Frank die Beschäftigten in der Augenarztpraxis und deren Anhang auf. „Wer ist Nummer acht? Hat Annika wieder einen neuen Partner?“

„Nein. Jedenfalls keinen, den sie uns vorstellen will. Sie bringt ihre kleine Schwester Sofia mit. Die ist erst vor Kurzem nach Grünwald gezogen. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist sie Physiotherapeutin und hat hier eine Stelle gefunden.“

Als die beiden das Restaurant betraten, waren die übrigen Gäste schon da. Annika Kreissler begrüßte die Neuankömmlinge.

„Und das ist unser Nesthäkchen Sofia“, erklärte sie mit einem liebevollen Blick auf ihre Schwester. „Sie ist vierzehn Jahre jünger als ich. Ich war also so etwas wie eine zweite Mama für sie.“

Sofia gab den beiden Ärzten die Hand. Ein sympathisches Lächeln überzog ihr hübsches Gesicht, in dem blaue Augen lustig funkelten. Ihre langen dunkelblonden Haare hatte sie auf dem Oberkopf mit einem bunten Samtband zu einem Pferdeschwanz hochgebunden, der bei jeder Kopfbewegung mitwippte.

„Wie ich hörte, sind Sie eine neue Physiotherapeutin in unserem schönen Grünwald“, sagte Stefan Frank. „In welcher Praxis arbeiten Sie denn?“

„Praxis Gertrud Hannheide. Ich fange dort nächsten Montag an. Kennen Sie die?“

„Aber sicher. Viele meiner Patienten sind auch dort in Behandlung. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie in eine sehr professionelle Praxis kommen, mit einer netten Chefin, die immer darauf bedacht ist, dass sich ihre Mitarbeiter fortbilden.“

„Das war auch mein Eindruck bei dem Vorstellungsgespräch“, sagte Sofia erleichtert. „Aber es ist trotzdem gut, zu hören, dass mich mein Eindruck nicht getäuscht hat.“

„Wollen wir uns nicht duzen?“, fragte Alexandra, der die junge Frau auf Anhieb sympathisch war. „Wir anderen duzen uns alle.“

„Sehr gern. Die anderen haben mir das auch schon angeboten“, antwortete Sofia erfreut.

Annika forderte ihre Gäste auf, sich an den schön gedeckten Tisch zu setzen. Bruno stand im Hintergrund schon mit den Speisekarten in der Hand bereit.