Verlag: Bastei Lübbe Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2013

Dr. Stefan Frank - Folge 2198 E-Book

Stefan Frank  

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E-Book-Beschreibung Dr. Stefan Frank - Folge 2198 - Stefan Frank

Seit ihr Vater gestorben ist, fühlt sich Isabell allein. Sie wohnt noch nicht lange in München und kennt dort kaum jemanden. Als eines Tages gleich zwei offizielle Schreiben in ihrem Briefkasten liegen, verändert sich Isabells Leben schlagartig. In den Briefen vom Nachlassgericht München und einem Rechtsanwalt wird ihr mitgeteilt, dass ein gewisser Johannes Baldenau ihr ein nicht unbeträchtliches Vermögen hinterlassen hat - und dass dieser Johannes Baldenau, von dem sie noch nie etwas gehört hat, ihr leiblicher Vater war! Verwirrt fährt sie in die Anwaltskanzlei, um Licht in diese mysteriöse Angelegenheit zu bringen. Doch dort angekommen, erfährt ihr Leben gleich noch eine Wendung, denn dort warten zwei weitere Erben auf Isabell: die Brüder Benno und Korbinian Fürsterer. Was Isabell nicht ahnt: Benno schmiedet bereits finstere Pläne, um an Isabells Erbe zu kommen. Doch zum Glück ist da auch noch Korbinian, und der verliert auf den ersten Blick sein Herz an die schöne junge Frau. Wird es ihm gelingen, seinen Bruder von seinem Vorhaben abzuhalten?

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E-Book-Leseprobe Dr. Stefan Frank - Folge 2198 - Stefan Frank

Inhalt

Cover

Impressum

Halt dich an mir fest!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2015 by Bastei Lübbe AG, Köln

Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock/Yuri Arcurs

E-Book-Produktion: César Satz & Grafik GmbH, Köln

ISBN 978-3-8387-4918-1

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Halt dich an mir fest!

Wie die Liebe Isabell neue Kraft gab an mir fest!

Seit ihr Vater gestorben ist, fühlt sich Isabell allein. Sie wohnt noch nicht lange in München und kennt dort kaum jemanden. Als eines Tages gleich zwei offizielle Schreiben in ihrem Briefkasten liegen, verändert sich Isabells Leben schlagartig. In den Briefen vom Nachlassgericht München und einem Rechtsanwalt wird ihr mitgeteilt, dass ein gewisser Johannes Baldenau ihr ein nicht unbeträchtliches Vermögen hinterlassen hat – und dass dieser Johannes Baldenau, von dem sie noch nie etwas gehört hat, ihr leiblicher Vater war!

Verwirrt fährt sie in die Anwaltskanzlei, um Licht in diese mysteriöse Angelegenheit zu bringen. Doch dort angekommen, erfährt ihr Leben gleich noch eine Wendung, denn dort warten zwei weitere Erben auf Isabell: die Brüder Benno und Korbinian Fürsterer.

Was Isabell nicht ahnt: Benno schmiedet bereits finstere Pläne, um an Isabells Erbe zu kommen. Doch zum Glück ist da auch noch Korbinian, und der verliert auf den ersten Blick sein Herz an die schöne junge Frau. Wird es ihm gelingen, seinen Bruder von seinem Vorhaben abzuhalten?

Fast hätte sie auf dem Bahnsteig wieder kehrtgemacht.

Isabell Tiberius blieb stehen und betrachtete den ICE. Wie eilig die Menschen es hatten, in den Zug zu steigen!

Sie schaute auf ihre Uhr. Fünf Minuten noch, dann würde der Zug abfahren. Wenn sie jetzt einfach trödelte … Oder sich umdrehte und wieder in die geschäftige Bahnhofshalle ging …

Doch dann stieß sie einen tiefen Seufzer aus, wuchtete ihre Reisetasche in den Wagon und stieg ein. Es brachte nichts, wenn sie kniff. Die bohrenden Fragen würden bleiben und sie weiterhin quälen.

Isabell seufzte erneut. Die Glastür vor ihr öffnete sich. Die junge Frau ging den schmalen Gang entlang und suchte den Platz, den sie sich hatte reservieren lassen. Er gehörte zu einer Vierersitzgruppe.

Mist, dachte sie, als sie sah, dass einer der Plätze ihr gegenüber ebenfalls reserviert war. Jetzt kriege ich vermutlich Gesellschaft. Hoffentlich niemand, der glaubt, er müsste die ganze Zeit reden.

Ihre Laune sank noch ein bisschen.

Isabell verstaute ihre Tasche neben sich – da wird sich jetzt hoffentlich niemand hinsetzen, überlegte sie, und schon gar nicht, wenn ich ein grimmiges Gesicht mache! – und nahm dann Platz.

Sie hatte sich gerade zurückgelehnt, als ein hochgewachsener, gut aussehender Mann neben ihr im Gang stehen blieb, die Platzreservierung betrachtete und ihr zunickte. Dann setzte er sich ihr gegenüber hin und grüßte freundlich.

Isabell machte ein noch grimmigeres Gesicht und brummte etwas Unverständliches.

Dr. Frank unterdrückte ein Lächeln. Da gab sich aber jemand ziemlich viel Mühe, einen abweisenden Eindruck zu machen. Nun, ihn störte das nicht, er war nicht darauf aus, sich die ganze Fahrt über zu unterhalten.

Unwillkürlich gähnte er. Er war müde, man hatte ihn mitten in der Nacht zu einem älteren Patienten gerufen, der plötzlich Atemnot bekommen hatte. Doch der Mann hatte bloß unter einer Fehlfunktion der Stimmbänder gelitten, bei der sich diese unvermittelt verkrampften. Nichts Lebensgefährliches, Gott sei Dank, aber extrem unangenehm für den Betroffenen. Sein Patient hatte Todesangst gehabt und befürchtet zu ersticken, doch dann hatten sich die Stimmlippen von selbst wieder geöffnet.

Da dies nicht der erste Anfall des Patienten gewesen war und er jedes Mal durch Sodbrennen ausgelöst wurde, hatte Dr. Frank vorsorglich entsprechende Medikamente mitgenommen. Die körperlichen Beschwerden hatten schnell nachgelassen, doch die Angst war geblieben, und so war er noch fast eine Stunde bei dem älteren Herrn und dessen Frau geblieben.

Nachdem er ins Grünwalder Doktorhaus zurückgekehrt war, hatte er nicht gleich einschlafen können. Als der Wecker dann am Morgen geklingelt hatte, war es ihm so vorgekommen, als hätte er gerade erst ein paar Minuten geschlafen.

Der ICE fuhr los und rollte aus dem Münchener Hauptbahnhof.

Vielleicht kann ich ja hier im Zug ein bisschen Schlaf nachholen, dachte Dr. Frank, schließlich dauert die Fahrt ein paar Stunden.

Er warf einen Blick zu seiner Mitreisenden hinüber, die ihn immer noch so böse anschaute, und schloss die Augen.

***

Auch Isabell hätte gern ein wenig geschlafen, doch sie war viel zu nervös. Tiefe Ringe lagen unter ihren Augen, denn sie hatte in der vergangenen Nacht keine Ruhe gefunden. Eigentlich gar nicht mehr, seit sie vor zwei Tagen diese beiden merkwürdigen Briefe erhalten hatte.

Sie starrte auf ihre Handtasche, die sie auf dem Schoß hielt. Dann öffnete sie den Reißverschluss und zog ihn wieder zu. Seufzend legte sie die Tasche neben sich – und nahm sie erneut in die Hand. Nachdenklich holte sie die Umschläge doch heraus, drehte sie zwischen ihren Fingern und betrachtete die Absender.

Nachlassgericht München und Rechtsanwalt Dr. Dornbuschen.

Langsam zog sie erst den einen Brief heraus, dann den anderen. Sie glättete die Seiten, legte sie nebeneinander und überflog die Zeilen. Doch sie hätte sie gar nicht lesen müssen, denn sie kannte den Inhalt längst auswendig.

Der erste Brief enthielt die Mitteilung, dass Johannes Baldenau sie zur Haupterbin seines Vermögens gemacht hatte. Der zweite stammte von einem Münchener Anwalt, der Isabell bat, ihn am kommenden Dienstag um zehn Uhr in seiner Kanzlei aufzusuchen, „in der Angelegenheit Johannes Baldenau“.

Wer, um Himmels willen, war Johannes Baldenau?

Isabell, die erst vor einem halben Jahr nach München gezogen war, hatte diesen Namen noch nie in ihrem Leben gehört. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, wer dieser Mann sein mochte – und warum er sie zu seiner Erbin gemacht hatte.

Das alles konnte doch nur ein Witz sein, oder? Aber wenn, dann fand sie das überhaupt nicht komisch. Und noch weniger komisch fand sie die Reaktion ihrer Mutter.

An dem Tag, als sie die beiden Briefe erhalten hatte, war es Zeit für Isabells wöchentlichen „Pflichtanruf“ bei ihrer Mutter gewesen. Diese Telefonate fielen in der Regel recht kurz aus, weil Isabell nicht daran interessiert war, ihrer Mutter Einzelheiten aus ihrem Leben zu erzählen – genauso wenig, wie es Lydia Tiberius interessierte, eben diese Einzelheiten zu hören. Mutter und Tochter verstanden sich nicht besonders gut.

Doch diese mysteriösen Briefe hatten Isabell so sehr beschäftigt, dass sie sie ihrer Mutter gegenüber erwähnt hatte.

„Verstehst du das?“, hatte sie gefragt. „Hast du vielleicht eine Ahnung, wer dieser Johannes Baldenau sein könnte?“

Am anderen Ende der Leitung hatte Schweigen geherrscht.

„Mama?“, hatte sie gesagt. „Bist du noch da? Du kennst ihn, nicht wahr? Du weißt, wer er ist.“

„Ja“, hatte Lydia nach einer Weile gesagt, und es hatte ausgesprochen widerwillig geklungen.

Doch obwohl Isabell mehrmals nachhakte, hatte sich Lydia geweigert, ihr mehr zu verraten.

Isabell hatte gespürt, wie der übliche Zorn auf ihre Mutter in ihr aufgestiegen war.

„Okay, dann eben nicht. Ich werde es auch ohne dich herausfinden“, hatte sie deshalb gesagt. „Dieser Anwalt wird mir ja sicher einiges über Johannes Baldenau erzählen können.“

„Also gut. Aber das ist keine Angelegenheit, die man am Telefon besprechen könnte“, hatte ihre Mutter schließlich geantwortet. „Wenn du mehr wissen willst, dann komm nach Düsseldorf.“

Und so saß Isabell nun in dem Zug, der sie zurück in ihre Heimatstadt brachte. Erfüllt von einem Unbehagen, das nicht weichen wollte. Irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass das, was ihre Mutter ihr erzählen würde, ihr ganzes Leben auf den Kopf stellen könnte.

Isabell hatte Angst.

***

Die Stimme, die ankündigte, dass sie in wenigen Minuten Nürnberg erreichen würden, weckte den Grünwalder Arzt.

Dr. Frank öffnete die Augen.

Sieh an, jetzt wirkt sie gar nicht mehr grimmig, dachte er, als sein Blick auf Isabell fiel.

Er bemerkte, dass die junge Frau auf zwei Briefe starrte, die vor ihr auf dem schmalen Tischchen lagen.

Wie verloren sie wirkt, stellte er fest.

Der Grünwalder Arzt räusperte sich und stand auf. Dann ging er den Gang hinunter zum nächsten Wagen, in dem sich das Bordbistro befand.

Isabell bemerkte es gar nicht. Sie war mit ihren Gedanken ganz woanders.

Ein paar Minuten später kehrte Dr. Frank mit zwei Plastikbechern zurück.

„Ich habe Ihnen einen Kaffee mitgebracht“, sagte er, als er einen der Becher vor Isabell hinstellte; Milch und Zucker folgten. „Sie sehen nämlich aus, als könnten Sie einen brauchen“, fügte er mit einem Lächeln hinzu, während er sich wieder setzte.

Einen Moment lang blickte Isabell ihn an, als wüsste sie nicht, wo sie war und was er von ihr wollte, doch dann lächelte sie.

Wie hübsch sie das macht, dachte Dr. Frank unwillkürlich.

„Danke“, meinte sie. „Das ist sehr nett. Der Kaffee wird mir tatsächlich guttun.“

Sie faltete die beiden Briefe wieder zusammen und versuchte, sie zurück in die Umschläge zu schieben. Doch ihre Finger zitterten so, dass es ihr nicht sofort gelang.

„Kummer?“, fragte der Grünwalder Arzt leise. „Nein, nein, keine Angst, ich will nicht neugierig sein“, fügte er schnell hinzu, als er sah, dass sie ihn auf eine merkwürdige Weise anschaute. „Wissen Sie, ich bin Arzt, deshalb bin ich es gewohnt, Menschen aufmerksam zu beobachten. Es ist offensichtlich, dass Sie irgendetwas bedrückt. Etwas, was mit diesen Briefen zusammenhängt.“

Isabell trank einen Schluck von ihrem Kaffee.

„Haben alle Ärzte so gute Augen wie Sie?“, wollte sie dann wissen.

Es sollte spöttisch klingen, doch das tat es nicht. Ihre Worte kamen eher verzagt heraus.

„Nicht alle“, erwiderte er mit einem leichten Lächeln. „Aber wenn man so viele Jahre wie ich als Allgemeinmediziner gearbeitet hat, dann erkennt man schnell, ob auch die Seele ein Problem hat – und wie gut es den Menschen tut, wenn sie über die Dinge reden können, die ihnen zu schaffen machen. Ich bin übrigens Dr. Frank“, stellte er sich vor. „Stefan Frank.“

„Isabell Tiberius“, erwiderte sie.

Was für ein nettes Lächeln er hat, dachte sie und fühlte sich unwillkürlich an ihren Vater erinnert. Ihren Vater, dem sie immer hatte vertrauen können. Mit dem sie immer über alles geredet hatte.

Isabell trank noch einen Schluck, dann stellte sie den Becher ab.

„Wissen Sie“, meinte sie nach kurzem Zögern. „Kummer habe ich eigentlich keinen, aber mir ist etwas Merkwürdiges passiert. Etwas, was mich wirklich sehr beschäftigt.“

Und dann begann sie, ihm von der rätselhaften Erbschaft und dem Gespräch mit ihrer Mutter zu erzählen.

Aufmerksam hörte Dr. Frank ihr zu, und als sie dann den Namen des Mannes nannte, der ihr sein Vermögen vermacht hatte, schaute er sie überrascht an.

„Johannes Baldenau?“, sagte er. „Was für ein Zufall! Mein Gott, die Welt ist wirklich klein. Ich kenne Herrn Baldenau … das heißt, ich kannte ihn. Er hat gleich bei mir um die Ecke gewohnt – na ja, mehr oder weniger –, und er war mein Patient. Ich habe ihn bis zu seinem Tod betreut.“

„Sie kannten ihn?“, wiederholte Isabell verblüfft. „Wissen Sie dann eventuell auch, warum er mir alles hinterlassen hat? Hat er das vielleicht irgendwann einmal erwähnt?“

Sie dachte unwillkürlich, dass es vielleicht doch nicht nur ein Zufall war, dass sie diesen netten Arzt hier im Zug getroffen hatte. Jetzt schämte sie sich fast, dass sie ihn anfangs so böse angeschaut hatte.

Dr. Frank schüttelte den Kopf.

„Nein, tut mir leid“, erwiderte er. „Mit keinem Wort. Wir haben über das Thema nie gesprochen, und ich habe auch nie wirklich darüber nachgedacht, wer nun sein Erbe antreten wird. Ich hätte spontan auf zwei weitläufige Verwandte getippt, die Söhne irgendeines entfernten Cousins.“

Der Grünwalder Arzt verzog unwillkürlich das Gesicht. Er kannte Benno und Korbinian Fürsterer. Die beiden Brüder hätten gegensätzlicher nicht sein können. Benno mochte er ganz und gar nicht, und er wusste, dass auch Johannes Baldenau nicht viel von dem jungen Mann gehalten hatte.

„Benno ist ein Geier“, hatte sein Patient einmal gesagt, obwohl er sonst kaum über seine Verwandten sprach. „Seit er weiß, wie krank ich bin, hockt er da und wartet darauf, dass ich abkratze und er seine Klauen in alles schlagen kann. Aber im Gegensatz zu diesen Aasfressern, die ein zwar unschönes, aber nützliches Geschäft verrichten, ist er ein vollkommen unnützer Mensch. Einer, der immer nur auf Kosten anderer lebt. Ein Schmarotzer.“

Nun, offensichtlich hatte Johannes Baldenau dafür gesorgt, dass Benno leer ausgehen würde.

„Herr Baldenau war weder verheiratet, noch hatte er Kinder“, fuhr Dr. Frank fort, dann stutzte er plötzlich. „Allerdings, wenn ich Sie mir genauer anschaue, dann entdecke ich eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm. Doch, wirklich“, fügte er hinzu, als Isabell den Kopf schüttelte. „Sie sehen ihm tatsächlich mehr als nur ein bisschen ähnlich. Vielleicht sind Sie ja seine Tochter.“ Er lachte. „Zumindest in Romanen wäre das doch so, oder?“

„Unmöglich“, erwiderte Isabell sofort. „Das ist absolut unmöglich. Ich weiß, wer mein Vater ist. Jan Tiberius, so steht es in meiner Geburtsurkunde. Ich kam ein halbes Jahr nach der Hochzeit meiner Eltern zur Welt. Mein Vater war bei meiner Geburt dabei; es gibt Fotos, auf denen er mich im Kreißsaal in den Armen hält und so stolz dreinschaut, dass man lachen muss, wenn man die Bilder sieht.“

„Also keine adoptierte Tochter?“

Wieder schüttelte sie den Kopf.

„Nein, nie im Leben. Mein Vater ist mein leiblicher Vater. Obwohl …“, sagte sie dann und lächelte, „… früher habe ich manchmal im Scherz behauptet, ich müsse adoptiert sein, weil ich so ganz aus dieser Familie herausfalle. Ich meine, weil ich so dunkel bin und meine Eltern beide blond. Alle sind sie blond, auch meine Großeltern.“

Doch Isabells Lächeln verschwand, als ihr plötzlich eine Szene einfiel, an die sie schon ewig nicht mehr gedacht hatte: Vierzehn oder fünfzehn musste sie damals gewesen sein, und wieder einmal hatte sie mit ihrem Vater Witze darüber gemacht, dass sie sich kein bisschen ähnlich sahen.