Drachenkomp(l)ott - Sina Blackwood - E-Book
Beschreibung

Völlig verrückt, schräg-witzig bis still nachdenklich - das Drachenleben in Kurzgeschichten und Reimen bis die Flammen lodern.

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Seitenzahl:60

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort:

Joe Russel

Das hat er nun davon:

Sina Blackwood

Ritter Ethelbert von Rabenstein und der Drache:

Mark Galsworthy

Der Spitzbube von Drachenfels:

Sina Blackwood

Drachenputz:

Mark Galsworthy

Jungfer Hildegard:

Sina Blackwood

Zwergenlist:

Mark Galsworthy

Wer anderen eine Grube gräbt:

Sina Blackwood

Nessie:

Mark Galsworthy

Ausblick auf die Zunkunft:

Sina Blackwood

Die Befreiung der Prinzessin Irene:

Mark Galsworthy

Das Fräulein aus dem 21. Jahrhundert:

Sina Blackwood

Paff gibt Exklusivinterview:

Mark Galsworthy

Mitternacht in der großen Stadt (Hommage an Prag):

Sina Blackwood

Jungfrauenraub:

Mark Galsworthy

Drachenkomplott:

Sina Blackwood

Konferenz der Drachen:

Mark Galsworthy

Dietlinde, die Liebreizende:

Sina Blackwood

Unterweisung:

Mark Galsworthy

AbgeNICKt:

Sina Blackwood

Das Drachenschwert:

Mark Galsworthy

Hausdrache Mathilda:

Sina Blackwood

Liebelei:

Mark Galsworthy

Ein paar Zeilen vorab

Für diesen Band der Kettenhemd-Reihe haben sich zwei Autoren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, zusammengefunden, um uns einen Einblick in das geheimnisvolle Leben der Drachen zu geben.

Ein bisschen CRAZY sind wohl beide, was sie wiederum genial verbindet.

Schreibt Mark Galsworthy aus Überzeugung in der alten Rechtschreibung, tut Sina Blackwood das in gleicher Weise mit der neuen.

Wie Sina immer wieder mit einem Augenzwinkern betont, verkörpern sie sämtliche Gegensätze, die es geben kann, und deren Koexistenz sich, laut allen gängigen Vorurteilen, komplett ausschließen müsste, wie Feuer und Wasser.

Die Zwergenfrau – der Riesenmann

(natürlich rein körperlich betrachtet);

Sie Sächsin – er Preuße;

Sie Ossi – er Wessi;

Sie beim Schreiben die Arbeitswütige – er geht

es eher ruhig und gelassen an;

Sie geordnet und sortiert – er lieber chaotisch.

Lassen wir uns also völlig überraschen, in welche Welten uns ihre Drachen führen werden.

Ihr Joe Russel

Dozent am Drakologischen Institut

Das hat er nun davon

– Sina Blackwood –

Der Knappe Fips von Waldenstein

wollt schlauer als sein Ritter sein.

Bei Nacht und Nebel zieht er fort,

zu eines Drachen gold’nem Hort.

Der Drache hat niemals gewildert,

wie man dem Fips stets wieder schildert.

„Lass ihn in Ruhe und verschwinde!

Wir sitzen alle in der Tinte,

wenn Pyros dir ans Leben will.

Dann ist hier nichts mehr friedlich-still.

Dass er seit Jahren uns beschützt,

nach einem Raub bestimmt nichts nützt!

Hau ab und kehre nie zurück!

Du riesengroßes dummes Stück!“

Doch reden hilf nicht, Fips zieht weiter.

Er wird wohl niemals je gescheiter.

Am dritten Tag erreicht er schließlich

das Bergmassiv und wird verdrießlich.

„Was muss das Vieh da oben wohnen,

wo sonst nur finstre Wolken thronen?“

Fips ahnt nicht, dass ihn Pyros sah,

denn der ist fast zum Greifen nah!

Hockt hinter einer Burgruine

und zieht ’ne amüsierte Miene.

Zwei Meter Abstand zu dem Drachen,

der mühsam sich verkneift das Lachen.

Ihm macht das Spielchen viel Behagen.

Was man von Fipsen nicht kann sagen.

Fips kraxelt über steile Hänge.

In Spalten wird es nass und enge.

Er reißt sich beide Hände wund,

stürzt fast in einen tiefen Grund,

sieht endlich in der Ferne doch

das große schwarze Eingangsloch.

Der Pyros ist schon lang zurück.

Er schiebt ’nen Steinblock Stück für Stück

von innen in den Tunnelschlund.

Und das hat nur den einen Grund:

Er will den Fips beim Raub ertappen,

den ober-super-schlauen Knappen.

Fips quetscht sich durch den Spalt im Stein,

dringt so in Pyros’ Höhle ein.

Es ist ein Funkeln und ein Gleißen,

Fips kann sich kaum zusammenreißen

und wirft das Gold mit beiden Händen

in die Höhe an den Wänden.

Er springt kopfüber in den Haufen.

„Ich kann mir eig’ne Burgen kaufen!

Ich werd’ berühmt, ich bin so toll!“

Doch Pyros hat die Nase voll.

Er greift den Dieb an seinem Kragen

und will ihn aus der Grotte tragen.

Fips brüllt: „Lass los, das ist gemein!“,

sticht mit dem Dolch auf Pyros ein.

Dem Drachen reicht’s.

„Halt’s Maul, du Bube!

Sonst fliegt du in die Abfallgrube!“

Doch Fips, der zetert immer weiter.

Das findet Pyros gar nicht heiter.

Wenn Dummheit ansteckt, denkt der Drache,

weiß ich, was ich mit dem hier mache.

Trägt ihn zurück zu seinem Ritter,

geht nieder wie ein Ungewitter.

Schaut finster in die Menschenmenge,

gar manchem wird der Kragen enge.

„Ist das der Dank für meine Güte?

Dass ich mich stets um Frieden mühte?“

Der Ritter Kuno hebt die Hände,

dass er das Schicksal günstig wende.

„Oh, großer Drache, hör mein Flehen,

sollst nicht im Zorne von uns gehen.

Lass los den Dummkopf. Obendrein

bekommst ein Schaf du und ein Schwein.

Und auch die Strafe für den Lümmel,

darfst du bestimmen, ich schwör’s beim Himmel!“

Pyros erstaunt:

„Dann steckt’s nicht an? Doch es lebt fort.

Zu schade für den schönen Ort.“

Der Drache will auch nach Äonen

Noch friedlich bei den Menschen wohnen.

Die Lösung tut er Fips nun kund,

der schlägt die Hände vor den Mund.

Ein Feuerstoß zwischen die Schenkel:

„Jetzt gibt’s kein Kind mehr und kein Enkel.

Der Dummen sind hier schon genug,

drum hat eine Ende jetzt der Spuk.“

Und die Moral von der Geschicht’?

Verärgere die Drachen nicht!

Ritter Ethelbert von Rabenstein und der Drache

– Mark Galsworthy –

Ethelbert saß auf seinem Schemel und schaute fern aus seinem Burgfenster hinaus über seine Lande. Über dem Burghof freiten laut schreiend die Raben, ihren Frühlingsgefühlen freien Flug lassend.

Da riss ihn eine durchdringende Stimme, die den Lautstärkepegel des Rabengezwitschers bei Weitem übertraf, abrupt aus seiner Betrachtung. Kunigunde, sein ihm angetrautes Weib, begehrte umgehend seine ritterliche Hilfe und forderte sie mit ihrer liebreizgeschwängerten Stimme ein.

Da kam ihm Fafnir, der Drache, in den Sinn, den er schon lange nicht mehr gesehen hatte und er beschloss spontan, ihm, Kunigundes Räumlichkeiten um- und seiner Arbeit nachgehend, einen Besuch abzustatten. Den verachtenden Blick seines Schlachtrosses ignorierend, erklomm er selbiges und trabte via Zugbrücke gen Küstengebirge.

Fafnir und er hatten vor Jahren, nach heißen Kämpfen, sich auf friedliche Koexistenz verständigt. Der Drache hatte versprochen, seinen Jungfrauenverzehr einzuschränken und er verwies die hilfesuchenden Bittsteller auf den Artenschutz, der es ihm nicht gestattete, eine bedrohte Art auszurotten.

Nach langem Ritt stieg er vom immer noch beleidigten Roß und betrat die Höhle. Ihm fiel auf, dass der Berg mit den Jungfrauenknochen seit seinem letzten Besuch kaum größer geworden war. Es roch auch weniger nach Schwefel als früher. Nach vielen Kurven und Gängen erreichte er die Wohnhöhle von Fafnir.

Er staunte nicht schlecht, als er in der Ecke einen bunten Berg sah, der sich langsam auf und ab hob. Er rief laut „Fafnir!“ und von einem Ende des Berges erhob sich ein langer Hals mit einem farbenfrohen Kopf. „Was ist denn mit Dir passiert?“, rief Ethelbert.

„Mit mir ist gar nix passiert“, erwiderte der Drache, „ich habe mich nur weiterentwickelt!“

„Weiterentwickelt?“, fragte Ethelbert mit großen Augen.

„Ja, ich hatte mein Comming out und schule nun um auf Chamäleon!“

„Chamäleon? Was für ein Quatsch, seit wann fressen Chamäleons denn Jungfrauen?“

„Ich bin jetzt Veganer! Das ist viel besser, Pflanzen und Früchte sind viel schmackhafter, reichlich vorhanden, und sie kreischen nicht beim Essen. Echt cool, glaub mir! Und außerdem liefern sie wunderschöne Farben und nicht nur dieses langweilige Blutrot.“

„Also gegrilltes Gemüse?“

„Nein, ich speie kein Feuer mehr, in meiner Höhle herrscht Rauchverbot.“

„Rauchverbot?“