Dream Maker - New York - Audrey Carlan - E-Book
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Beschreibung

Nach Calendar Girl und Trinity: Die neue Erfolgsserie der Mega-Bestsellerautorin Audrey Carlan

New York: Die Stadt, die niemals schläft. Auch auf Parker Ellis wartet hier ein ganz besonderes Abenteuer. Seine Devise lautet höchste Professionalität, doch die junge Schauspielerin Skyler ist im Begriff, sein Herz zu erobern ... Der Dream Maker, so sein Titel, führt die legendäre Agentur 'International Guy'. Was er anbietet: alles, was sexy, tough und unwiderstehlich macht. Wer seine Kundinnen sind: Frauen aus der ganzen Welt, die Coaching in Sachen Liebe, Leben und Karriere suchen. Was ihn auszeichnet: Sein unglaublicher Sex-Appeal und seine beiden Partner Bogart ‚Bo‘ Montgomery, der Love Maker, und Royce Sterling, der Money Maker.

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Das Buch

New York: Die Stadt, die niemals schläft. Auch auf Parker Ellis wartet hier ein ganz besonderes Abenteuer. Seine Devise lautet höchste Professionalität, doch die junge Schauspielerin Skyler ist im Begriff, sein Herz zu erobern ... Der Dream Maker, so sein Titel, führt die legendäre Agentur »International Guy«. Was er anbietet: alles, was sexy, tough und unwiderstehlich macht. Wer seine Kundinnen sind: Frauen aus der ganzen Welt, die Coaching in Sachen Liebe, Leben und Karriere suchen. Was ihn auszeichnet: Sein unglaublicher Sex-Appeal und seine beiden Partner Bogart »Bo« Montgomery, der Love Maker, und Royce Sterling, der Money Maker.

Sie ist im Begriff, sein Herz zu erobern ...

Die Autorin

AUDREY CARLAN

NEW YORK

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ISBN: 978-3-8437-1688-8

Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch

1. Auflage Juli 2018

Copyright © für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2018

Copyright © 2018 by Audrey Carlan

Published by Arrangement with Audrey Carlan

Titel der amerikanischen Originalausgabe: International Guy – New York, erschienen bei Montlake Romance, Seattle

Übersetzung: Friederike Ails

Umschlaggestaltung: zero-media.net, München

Titelabbildung: © FinePic®, München

E-Book:

Für Eric Rayman, meinen Anwalt.

Du hast mich zum Lachen gebracht.Du hast mich mit leckerem italienischen Essen versorgt.Du hast mich beschützt.Du hast mich gerettet.

Danke.

KAPITEL 1

»Wie war gleich Ihr Name?«, frage ich die elfenhafte Rothaarige, die vor meinem Schreibtisch sitzt. Normalerweise kann ich mir Namen gut merken, vor allem die von hübschen Frauen. Ich krame in den Papieren auf meinem Schreibtisch und habe nicht die leiseste Ahnung, wieso ich mir den Termin mit ihr nicht aufgeschrieben habe. Außerdem kann ich ihren Lebenslauf nicht finden. Die ganze Situation ist, vorsichtig gesagt, total ernüchternd. Ich vergesse nie Besprechungen, und ich lege mir garantiert keine Termine auf einen Montagvormittag.

»Wendy.« Sie lächelt süß. »Wendy Bannerman. Ich habe Andre extra noch mal wegen der genauen Zeit gefragt. Er hat den Termin bestätigt. Sie führen zwar den ganzen Tag Bewerbungsgespräche, aber ich hoffe, ich kann Sie mit meiner Intelligenz, meiner 1-a-Arbeitsmoral und meinen Hacker-Skills beeindrucken.« Grinsend lehnt sie sich zurück, schlägt die Beine in der engen Lederhose übereinander und legt die Hände aufs Knie.

Ich höre auf, nach ihrem Lebenslauf zu suchen oder einem Zettel mit der Notiz, dass ich heute um zehn, kaum dass ich ins Büro komme, ein Bewerbungsgespräch führen soll. Stattdessen lehne auch ich mich zurück und konzentriere mich auf die Frau. Schlank, durchschnittlich groß, mit klaren, feinen Gesichts­zügen. Feuerrote Haare, die auf keinen Fall natürlich sind, ihr aber extrem gut stehen. Ihr Outfit ist für ein Bewerbungsgespräch eher ungewöhnlich. Sie trägt eine schwarze Lederhose und einen weißen Blazer, darunter ein auffälliges Tanktop ihrer Lieblingsband – ich vermute jedenfalls, dass es ihre Lieblingsband ist. Das durchlöcherte Top bietet verführerische Einblicke und lässt gelbe Spitze durchschimmern, die sich, soweit ich es erkennen kann, um eine kleine, aber pralle Brust schmiegt. Um den Hals trägt die Frau ein schwarzes Lederhalsband mit silbernen Nieten und einem kleinen Vorhängeschloss, das genau in der kleinen Vertiefung unten an ihrem Hals baumelt. Die Blazerärmel hat sie hochgekrempelt. Um ihre Unterarme winden sich mehrere Armbänder aus Leder und Silber. Dicke Silberringe funkeln im Sonnenlicht, während sie unter meinen Blicken auf dem Stuhl herumrutscht. Mein Blick fällt auf ihre Füße. Und sofort ist es um mich geschehen. Rote Kampfstiefel machen ihren Look perfekt.

Wendy zieht eine Augenbraue hoch und senkt das Kinn. »Voilà!« Sie wedelt mit ihrer Hand und zeigt von Kopf bis Fuß.

Ich grinse. »Ich mag Frauen, die wissen, wer sie sind, und das auch der ganzen Welt zeigen.« Wendy wird rot, und ich stütze die Ellbogen auf meinen Schreibtisch und das Kinn in die Hand. »Also, erzählen Sie mir was über sich, Wendy.«

Die junge Frau leckt sich über die schmalen Lippen und holt hörbar Luft. »Also, ich habe meinen Bachelor in Informatik an der University of California in Davis mit Auszeichnung bestanden. Danach bin ich an die Ostküste gezogen, wegen meinem Freund. Er hat hier einen Job als Manager in einer Werbeagentur ergattert.«

Ich runzele die Stirn und unterbreche sie. »Welcher?«

Sie zieht eine Augenbraue bis zum Haaransatz hoch. »Welcher was?«

»In welcher Werbeagentur?«, frage ich trocken.

»Äh, na ja, der größten.«

Ich kann mir einen kurzen Lacher nicht verkneifen, dann verschränke ich die Arme vor der Brust. »Und das wäre welche? Wissen Sie etwa nicht, wo Ihr Freund arbeitet?«, forsche ich nach, weil ich ahne, dass das Mädel dummes Zeug erzählt. So dumm, dass ihre Augen, die sie gerade aufreißt, weil ich sie beim Lügen erwischt habe, nicht kristallklar und himmelblau, sondern braun sein sollten. Braun wie der Mist, der aus ihrem Mund kommt.

»Mir ist nicht ganz klar, warum Sie mich nach meinem Freund fragen, obwohl ich es doch bin, die sich für diesen Job bewirbt.«

Sie versucht, das Gespräch wieder in eine Richtung zu lenken, die ihr mehr liegt … also noch mehr dreiste Lügen.

Ich schüttele den Kopf und beschließe, dieser Frau – oder diesem Mädchen, denn ich bin mir nicht sicher, ob die Kleine wirklich alt genug ist, um einen Bachelorabschluss der UC in Davis zu besitzen – eine Lektion zu erteilen. Ich würde mein Bankkonto darauf verwetten, dass Wendy keinen Tag älter als einundzwanzig ist. Eher jünger.

»Wendy, ich will ehrlich sein. Ich kenne Frauen. Und zwar sehr gut. Auf jeden Fall gut genug, um zu wissen, dass Sie mir das Blaue vom Himmel herunterlügen, um besser dazustehen.«

Sie reißt die Augen auf und schluckt sichtbar. Ich wette, ihr Mund ist staubtrocken wie die Sahara. Wie man sich halt so fühlt, wenn man beim Flunkern erwischt wird.

»Ich … äh …«

»Sie waren nicht an der UC in Davis. Ich glaube auch nicht, dass Sie einen Abschluss in der Tasche haben. Wahrscheinlich sind Sie noch nicht mal alt genug fürs College.«

Ihr Kopf fliegt zurück. »Wieso, vielleicht bin ich ja hochbegabt?«

»Klar, das könnte sein, und es würde mich gar nicht überraschen. Wie Sie hier hereingekommen sind, herausgefunden haben, dass ich heute Bewerbungsgespräche führe, und sich einen Termin erschlichen haben, ist ziemlich beeindruckend. Allerdings sollte ab jetzt alles, was Sie sagen, der Wahrheit entsprechen, ansonsten werfe ich Sie raus.« Ich zeige auf meine Bürotür.

Wendys Gesicht entspannt sich, und ein Muskel in ihrer Wange fängt an zu zucken. »Parker, ich will auch gar nicht um den heißen Brei herumreden. Sie wirken wie ein Mann, der klare Worte mag.«

Ich grinse. Und weil ich genau weiß, dass das Mädchen jetzt endlich mit der Sprache rausrücken wird, lehne ich mich wieder zurück und warte.

»Ich habe mich in Ihr System gehackt, um an ein Gespräch zu kommen. Ich weiß, dass Sie und Ihre beiden Partner dringend eine Assistentin suchen. Nachdem ich die Anforderungen gelesen habe, die Sie an den Headhunter Andre geschickt haben, war mir klar, dass ich genau die Richtige für den Job bin.«

Unwillkürlich beschleicht mich eine leise Verärgerung, aber ich lasse mir nichts anmerken. »Sie haben sich also in unser System gehackt?«, frage ich noch einmal nach. Jetzt bin ich es, der die Augenbraue hochzieht. Kleines Miststück.

Wendy zuckt die Schultern. »War ja nicht gerade schwer. Ihre Firewall ist ruckzuck überwunden, und von Ihrer Ordnerstruktur wollen wir gar nicht erst anfangen. Ich kann Ihnen genau sagen, wie viel Geld International Guy in den letzten fünf Jahren erwirtschaftet hat. Ich kenne Ihre Sozialversicherungsnummer. Möchten Sie die hören? Oder lieber die von Royce oder Bogart?«

»Die Nummern können Sie auswendig?« Ich kann nicht fassen, wie dreist diese Frau ist, aber ich muss sagen, ihr Mumm beeindruckt mich.

Die junge Frau presst den Mund zu einer schmalen Linie zusammen. »Ja, ich hab ein fotografisches Gedächtnis.« Sie zuckt erneut die Schultern und schaut aus dem Fenster meines Büros. Ihre Stimme klingt nicht mehr ganz so selbstbewusst, als sie fortfährt: »Ich hab keinen College-Abschluss, aber ich bin bereit, hart zu arbeiten, und ich habe außer meinem Freund keine Familie oder andere ernsthafte Verpflichtungen, also kann ich zu jeder Uhrzeit arbeiten und spontan verreisen.« Vermutlich unbewusst fingert sie an dem Vorhängeschloss um ihren Hals, was mich zu der Annahme führt, dass die Beziehung zu ihrem Freund sehr ernsthaft ist. So ernsthaft, dass er ihr ein Halsband umgelegt hat und den Schlüssel zu dessen Schloss an einer Kette um seinen Hals trägt.

»Haben Sie Angst, eine Millionärin nach ihrer BH- und Höschen-Größe zu fragen?«, frage ich unvermittelt.

Wendy reagiert mit einem Grinsen, was mich überrascht. »Nein, aber ich weiß noch was Besseres.«

Ich senke den Kopf und mustere sie streng. Wendy setzt einen scheuen Rehblick auf, aber ihre Augen verraten, dass sie alles andere als unschuldig ist. Nein, diese himmelblauen Augen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die junge Lady es faustdick hinter den Ohren hat.

Plötzlich steht sie auf, schnappt sich eine Umhängetasche, die zu ihren Füßen liegt, und zieht einen dünnen Laptop heraus. »Wer ist Ihre nächste Kundin?«

Ich überlege kurz, ob ich jemanden erfinden soll, aber um zu testen, was die Kleine kann, lasse ich es drauf ankommen. »Wahrscheinlich Skyler Paige.«

Wendy zuckt nicht mal mit der Wimper, als sie den Namen der bestbezahlten Schauspielerin der Filmbranche hört. Stattdessen nickt sie und setzt sich wieder, den Laptop auf dem Schoß, und ihre Finger huschen über die Tastatur. Sie nickt noch ein paarmal, beißt sich auf die Lippe, und dabei beobachte ich etwas Erstaunliches. Während sie arbeitet, funkeln Wendys Augen und nehmen ein unfassbar leuchtendes Blau an. Die Kleine drückt den Rücken durch, und eine seltsame Wärme erfüllt auf einmal den Raum. Sobald sie gefunden hat, was sie suchte, merke ich das sofort. Der Stolz dringt ihr förmlich aus jeder Pore, als sie das Display in meine Richtung dreht und darauf zeigt.

»Kreditkartenabrechnungen der letzten sechs Monate. Wie Sie sehen, hat Skyler Paige mehrfach Wäsche und Dessous von Agent Provocateur gekauft.«

»Und was soll mir das sagen, außer dass Skyler Paige eine Vorliebe für teure Wäsche hat?«, frage ich scherzhaft.

Wendy schüttelt den Kopf, tippt auf eine Taste, und ein schwarzes Fenster erscheint auf dem Bildschirm. »Hier sind die Details zu ihrem Kauf bei Agent Provocateur. Ich habe mich in die Datenbank der Firma gehackt. Laut dieser Verkaufsdaten einer gewissen Skyler Paige Lumpkin, was übrigens ihr richtiger Nachname ist, trägt sie Höschen in Größe M und BHs in 75C. Wieso nachfragen, wenn man die Größen auch anders rausfinden und der Kundin damit ein Mindestmaß an Privatsphäre lassen kann.«

Ich stoße langsam den Atem aus. »Sie sind gut. Aber woher wissen Sie, dass Skyler Paige und Skyler Lumpkin ein und dieselbe Person sind?«

»Weil ich ein paar Nachforschungen zu Ms Paige angestellt habe, während ich mich bei Agent Provocateur reinhackte. Und da habe ich festgestellt, dass sie als Skyler Paige Lumpkin geboren wurde. Wollen Sie eine Kopie ihrer Geburtsurkunde? Kann ich Ihnen besorgen.«

»Bloß nicht!« Ich lache leise und schüttele den Kopf.

»Brauchen Sie ein paar Details über eine Ex-Freundin oder einen Geschäftspartner? Egal, was, ich schaffe das«, preist sie sich stolz selbst an.

»Und das ist legal?«

Wendys Augen weiten sich, und sie zieht die Augenbrauen bis unter ihre roten Ponyfransen hoch. »Äh … nicht ganz. Aber ich verspreche Ihnen, dass nichts zu Ihnen zurückzuverfolgen ist. Ich bin für alle Eventualitäten gewappnet.« Ihre Stimme trieft vor Sarkasmus. »Ich muss nur eine einzige Taste drücken, und PUFF, wird alles gelöscht. Wenn nötig, wird augenblicklich der Selbstzerstörungsmodus eingeleitet.« Sie zwinkert mir zu, dann setzt sie ein Mona-Lisa-Lächeln auf.

»Beeindruckend!« Ich reibe mir über die Stirn.

Wendy räuspert sich, klappt ihren Computer zu und steckt ihn zurück in die Umhängetasche.

»Kommen Sie damit zurecht, dass drei knallharte, völlig unterschiedliche Persönlichkeiten Ihnen sagen, was Sie zu tun haben? Womöglich alle gleichzeitig?«

Sie grinst und zwinkert. »Klar.«

Und dann tue ich etwas, was ich geschäftlich nur selten tue, nämlich eine Bauchentscheidung treffen, ohne die Jungs nach ihrer Meinung zu fragen. Bo wäre es eh egal. Royce hätte bestimmt ein paar Einwände, aber er vertraut meinem Urteil. »Ich will die Karten offen auf den Tisch legen«, sage ich. »Wir brauchen jemanden, und zwar sofort. Wenn Sie möchten, haben Sie den Job.«

Wendy springt auf und stößt mit erhobener Siegesfaust ein Kreischen aus, was ziemlich mädchenhaft klingt.

»Wann kann ich anfangen?« Ihre Augen leuchten vor Freude. Zumindest glaube ich, dass es Freude ist.

»Haben Sie sofort Zeit? Ich habe nachher noch einen Termin mit der Agentin von Skyler Paige …«

»Tracey Wilson, Inhaberin der Triumph Talent Agency. Laut meiner Recherchen steht sie der Schauspielerin sehr nahe, ist vielleicht sogar mit ihr befreundet.«

»Du bist echt gut«, flüstere ich und kann es immer noch nicht fassen, dass dieses Goldstück von Assistentin einfach so in mein Büro spaziert ist. Wendy mag zwar etwas eigenwillig sein, aber sie ist genau das, was wir brauchen.

Wendy lächelt. »Ich weiß, Boss. Also, was willst du über Skyler wissen?«

Ich zucke die Achseln. »Stell eine umfassende Akte mit Informationen zusammen und sorge dafür, dass sie bis fünfzehn Uhr auf meinem Schreibtisch liegt. Dann habe ich noch genug Zeit, sie mir vor dem Gespräch mit Ms Wilson um sechzehn Uhr anzusehen.«

»Wird erledigt. Ich nehme mal an, dass der leere Schreibtisch vor deinem Büro mein neuer Arbeitsplatz ist?«

»Schlau und schön. Genau das gefällt mir bei Frauen.« Hintern und Möpse sind natürlich auch nicht zu verachten, auch wenn Wendy von beidem nicht sonderlich viel zu bieten hat.

Ihre Lippen verziehen sich zu einem halben Lächeln, und ihre Wangen färben sich rosa. Ich liebe Frauen, die leicht erröten. Das sagt einiges darüber aus, wie empfänglich ihr Körper ist. Nicht, dass ich vorhatte, das bei meiner neuen Assistentin auszutesten. Wir bei International Guy vögeln zwar die eine oder andere Kundin, aber davon abgesehen sind wir drei uns einig, dass unsere Angestellten tabu sind. Diese Frau soll Teil unseres Teams sein, kein Spielzeug.

»Vorsicht. Ich bin vergeben.« Wieder legt sie die Hand unwillkürlich an das Schloss um ihren Hals.

»Miststück«, kontere ich kumpelhaft, um ihr zu zeigen, dass ich nur Spaß mache. Sie wird bestimmt bald einschätzen können, wann ich scherze und wann ich es ernst meine.

Sie lacht. »Gegen den Spitznamen hab ich nichts einzuwenden. Okay, dann richte ich mich draußen mal ein und fange an, Skylers Leben zu durchforsten. Ich schau mich um und sondiere die Lage, aber ich gehe davon aus, dass ich zurechtkomme – es sei denn, du willst mir noch irgendwas zeigen?«

Mann, die Frau ist echt zu gut, um wahr zu sein. Jung und schlau wie ein Fuchs.

Sie fährt fort: »Da du mich vom Fleck weg engagiert hast, sollte ich vermutlich Andre anrufen und ihm sagen, dass du jemanden gefunden hast … mich.« Sie lacht.

Beste. Assistentin. Aller Zeiten.

»Genau, leg direkt los, und sag bitte alle anderen Bewerbungsgespräche ab.«

Wendy marschiert zur Tür, hängt sich die Laptoptasche über die Schulter und hält mit einem selbstzufriedenen Grinsen einen Augenblick im Türrahmen inne. »Ach, das hab ich doch längst getan.« Sie schnalzt mit der Zunge und verschwindet aus meinem Büro.

Entweder habe ich gerade die beste Entscheidung meines gesamten Geschäftslebens gefällt, oder ich bin so richtig erledigt. Das wird sich zeigen.

***

»Nehmen Sie Platz, Ms Wilson.« Ich deute auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch.

In den letzten zwei Stunden habe ich alles über meinen Promi-Schwarm und zukünftige Kundin Ms Skyler Paige alias Skyler Lumpkin gelesen, was ich wissen muss. Wendys Recherche ist unschlagbar. Ohne sie hätte ich niemals so viele Details über eine Kundin, ach was, irgendjemanden zusammenbekommen. Meine neue Assistentin hat mich nicht nur mit der umfassendsten Akte aller Zeiten über die Schauspielerin versorgt, sondern schaut sich bereits unsere übrigen Unterlagen an, um zu sehen, ob sie den Jungs nicht bei einigen aktuellen Projekten helfen kann.

»Danke, Mr Ellis«, antwortet die sehr förmliche Frau, als sie sich hinsetzt.

Ich setze mich ebenfalls und mustere sie. Meiner Erfahrung nach laufen die Geschäfte mit einer Frau umso besser, je früher ich einen Eindruck von ihr habe. Die Lady mit dem honigbraunen Haar vor mir wird sich garantiert als interessant herausstellen. Nicht nur ihre Wortwahl ist formell, sie scheint wirklich ein knallharter Profi zu sein. Ihr Hosenanzug ist streng, schwarz und teuer. An seiner perfekten Passform erkenne ich, dass Ms Wilson ihn sich auf den großen, sportlichen Leib hat schneidern lassen. Sobald sie sich auf der Stuhlkante niedergelassen und die Hände im Schoß verschränkt hat, schenke ich ihr ein leises Lächeln.

»Was kann International Guy für Sie tun, Ms Wilson?«

»Wie ich bereits am Telefon sagte, wurden Sie mir von der Rolland Group empfohlen. Um genau zu sein, von der Eigentümerin, Sophie Rolland.«

Ich nicke. »Ja, das erwähnten Sie bereits. Sophie ist eine reizende Frau. Wir haben gern mit ihr zusammengearbeitet.« Ich noch mehr als meine Partner. Für den Bruchteil einer Sekunde blitzt das Bild vor meinen Augen auf, wie ich Sophies süßen, schlanken Körper von hinten nehme. Da fällt mir ein, dass ich sie anrufen muss. Ihr für die Empfehlung danken und hören, wie es ihr geht.

»Ms Rolland hat mir mitgeteilt, dass Ihr Team eine unkonventionelle Vorgehensweise hat, um bei der Lösung von Problemen zu helfen. Ich befinde mich mit meiner Kundin, Schauspielerin Skyler Paige, in einer besonderen Lage, bei der Ihre Firma mich vielleicht unterstützen kann.«

»Ach ja?« Ich bemühe mich, ruhig und gelassen zu klingen, aber innerlich stehe ich schon bei der bloßen Erwähnung von Skylers Namen in Flammen. Die Akte über ihr Leben zu lesen hat auch nicht gerade dazu geführt, dass mein Interesse abflaut. Im Gegenteil, es hat das Feuer nur geschürt.

»Sie wissen sicher, dass Skyler zu den begehrtesten Jung­schauspielerinnen in der Unterhaltungsbranche gehört.«

»Ja, das ist wohl kaum einem Amerikaner entgangen. Man kann ja keine zehn Meter weit gehen, ohne über eine Plakatwand mit ihrem Gesicht darauf zu stolpern. Ständig hört man jemanden über einen ihrer Filme reden oder sieht einen ihrer Werbespots im Fernsehen.«

Ms Wilsons Gesichtsausdruck wirkt plötzlich gequält, was ich von einer Frau wie ihr unter diesen Umständen nicht erwartet hätte. Sie holt tief Luft, dann schüttelt sie den Kopf. »Ich habe sie zu hart angetrieben. Es ist alles meine Schuld.«

»Was ist Ihre Schuld?«, frage ich behutsam in der Hoffnung, dass die Frau sich mir anvertraut. Alles an ihr, ihre ganze Körpersprache, verrät mir, dass diese Frau dringend etwas loswerden muss. Was auch immer es ist, das sie so verächtlich dreinblicken lässt.

»Skyler kann nicht spielen.« Die Worte purzeln der Agentin so schnell aus dem Mund, dass ich den Eindruck habe, sie wollte sie gar nicht aussprechen.

»Da ich einige ihrer Filme gesehen habe und sie im Augenblick die begehrteste Schauspielerin unserer Zeit ist – das waren Ihre Worte, nicht meine –, fällt es mir schwer, das zu glauben«, bemerke ich.

Tracey schüttelt den Kopf. »Nein, Sie verstehen mich falsch. Sie kann im Augenblick nicht spielen. Sie hat jeden Willen dazu verloren. Ihr ist die Muse abhandengekommen. Ich habe sie zu hart angetrieben, auch wenn sie es natürlich war, die all diese Jobs annehmen wollte. Jetzt ist sie am Ende.«

Ich stütze die Ellbogen auf meinen Schreibtisch und verschränke die Hände. »In ihrer Branche ist ein Burn-out nichts Ungewöhnliches …«, setze ich an.