Drehschluss - Claudia Rossbacher - E-Book
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Beschreibung

Es gibt Promis, die sie lieben. Und noch mehr Promis, die sie hassen: Clara Bodenstein, Chefredakteurin des Boulevardmagazins UP!. Als Gesellschaftsreporterin hat die Wienerin in Berlin schon so manchen Stern am Society-Himmel aufgehen lassen, aber auch für einige gnadenlose Untergänge gesorgt. Gerade wegen ihrer Skrupellosigkeit wird Clara von der Filmdiva Jackie Benz beauftragt, deren Skandalbiografie zu schreiben, was einige Zeitgenossen lieber heute als morgen verhindern möchten. Nach etlichen Morddrohungen und einem nächtlichen -Überfall bei Dreharbeiten auf Mallorca verschwindet die Benz schließlich spurlos. Und sie soll nicht die einzige Prominente bleiben, die plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Claudia Rossbacher wagt einen schonungslosen Blick hinter die schillernden Kulissen der Boulevardmedien und die perfekt geschminkten Masken der Stars und Promis, die beinahe zu allem bereit sind, um im Scheinwerferlicht zu glänzen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:305


Inhalt

Titelseite

Impressum

Widmung

Prolog

1 Donnerstag, 8. März

2

3

4

5 Montag, 4. Juni

6

7 Donnerstag, 28. Juni

8

9

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22 Mittwoch, 26. September

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25 Mittwoch, 10. Oktober

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40

41 Freitag, 15. Februar

Epilog

DREHSCHLUSS

Claudia Rossbacher

Alle Figuren, Unternehmen und Geschehnisse in diesem Buch sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden oder verstorbenen Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Impressum:

eISBN: 978-3-902672-62-9

E-Book-Ausgabe: 2012

2009 echomedia buchverlag

A-1070 Wien, Schottenfeldgasse 24

Alle Rechte vorbehalten

Produktion: Ilse Helmreich, Helmut Schneider

Produktionsassistenz: Brigitte Lang

Gestaltung: Rosi Blecha

Layout: Elisabeth Waidhofer

Lektorat: Roswitha Horak

Herstellungsort: Wien

Besuchen Sie uns im Internet:

www.echomedia-buch.at

Für meinen Vater, den ich sehr vermisse

Ich danke meiner Freundin, der wunderbaren Schauspielerin Kathrin Beck, und meinem Mann, dem begnadeten (Lebens-) Künstler Hannes Rossbacher, für ihre Liebe und bedingungslose Unterstützung.

Prolog

Ich sehe dich an.

Du bist schön.

Strahlend schön

wie die Sonne,

um die sich alles dreht.

Gleißend hell stehst du da,

gleich einer Göttin.

Unnahbar, unerreichbar,

am Firmament deines Ruhmes.

Bist du nicht einsam?

So alleine dort oben?

Ohne die Nähe, nach der du dich sehnst?

Ohne die Liebe, nach der du dich verzehrst?

1Donnerstag, 8. März

Für Clara Bodenstein war es ein ganz normaler Donnerstagmorgen. Wie jeder Donnerstag, an dem sie sich nicht auf Geschäftsreise befand oder sich einen ihrer seltenen Urlaubstage gönnte. Pünktlich um sechs Uhr dreißig stöckelte sie den gläsernen Korridor entlang, vorbei an den noch verwaisten Schreibtischen ihrer Mitarbeiter, die in spätestens zweieinhalb Stunden in der Redaktion eintreffen würden, um ihren nervenaufreibenden Arbeitsalltag wieder aufzunehmen. Das hektische Treiben in dem Großraumbüro in der einundzwanzigsten Etage würde wie immer bis zum späten Abend anhalten, vielleicht sogar bis tief in die Nacht hinein.

Am Ende des Ganges verschwand die Chefredakteurin des auflagenstärksten Boulevardmagazins Deutschlands, der UP! –Unter Promis –, in ihrem steril anmutenden Büro, dem jegliche private Note fehlte. Es gab hier keine Fotos, keine Pflanzen, keine persönlichen Gegenstände. Nichts, das irgendetwas über Clara Bodenstein verraten hätte. Außer dass sie sich auf ihren Job konzentrierte. Kurz vor der Jahrtausendwende war die Wiener Journalistin dem Ruf der Medienmetropole Berlin gefolgt, in der sie sich seither mit viel Talent und noch mehr Einsatz Schritt für Schritt nach oben gekämpft hatte. Inzwischen war sie fast am Ziel ihrer ehrgeizigen Träume angelangt. Spätestens mit vierzig, also in knapp zwei Jahren, würde sie auch noch den letzten Sprung schaffen. Bis ganz nach oben in die zweiundzwanzigste Etage des Glaspalastes. Jene Etage, die den mächtigen Vorstandsmitgliedern des Alex-Reiter-Verlags vorbehalten war. Wenn sie weiterhin ihre Kräfte in die Arbeit investierte und im richtigen Moment ihren unwiderstehlichen Charme einsetzte, würde es mit dem Vorstandsposten schon klappen. Davon war Clara Bodenstein felsenfest überzeugt.

Zu dieser frühen Stunde fiel das milchige Licht der noch zaghaften Frühlingssonne durch die gläserne Fassade ihres Eckbüros, das sie vor gut zweieinhalb Jahren nach ihrer Beförderung zur Chefredakteurin bezogen hatte. Von hier aus genoss sie den atemberaubenden Blick auf Berlin, bis endlich das grüne Lämpchen der Espressomaschine zu blinken aufhörte. Die erste Tasse Kaffee war ihr heilig. Sie liebte es, ihn in aller Ruhe zu genießen. Und mit viel Milchschaum. Besonders an den Donnerstagen, wenn nicht nur die UP! erschien, sondern auch all die anderen bunten Klatschblätter, die Einblicke ins Leben der Promis und Stars gewährten. Die Konkurrenzbeobachtung war zwar längst an ein Marktforschungsunternehmen ausgelagert worden, das regelmäßig seine Berichte ablieferte, doch Clara zog es vor, sich selbst einen unmittelbaren und ungefilterten Überblick über die Society-News der vergangenen Woche zu verschaffen. Lieber vertraute sie der eigenen Urteilsfähigkeit als irgendwelchen leidenschaftslosen Marktforschern. Die Ergebnisse ihrer Analysen archivierte sie in den schwarzen Ordnern im Jalousieschrank, der bis knapp unter die Decke reichte. Man konnte nie wissen, wofür diese Aufzeichnungen eines Tages gut sein würden. Hier oben war die Luft schon recht dünn. Und es war in jedem Fall besser, stets wachsam und gut vorbereitet zu sein. Vor allem auf Angriffe aus den eigenen Reihen.

Clara liebte ihren wöchentlichen Blick über den Tellerrand. Überhaupt wenn sie, wie gerade eben, zufrieden feststellte, dass sie einen hervorragenden Job gemacht hatte. Die Reportage über den schnuckeligen Steffen Wolke würden die Leserinnen verschlingen, vor allem wegen der Fotostrecke, die den Soap-Star aus Hier und jetzt sexy wie nie zuvor zeigte. Und die Titelstory der aktuellen UP!-Ausgabe war ohnehin nicht zu toppen. Die Mitbewerber mussten einfach früher aufstehen, wollten sie ihr das Wasser reichen. Clara war ihnen wie so oft um die berühmte Nasenlänge voraus. Erst am späten Nachmittag des Vortages hatte Saskia Hansen, die junge engagierte Society-Reporterin, die sie vor wenigen Monaten vom größten Konkurrenten aus Hamburg abgeworben hatte, gerade noch rechtzeitig grünes Licht von der Rechtsabteilung eingeholt. Heute Morgen prangte die Headline groß und fett, vor allem aber exklusiv, auf der druckfrischen UP!-Titelseite:

Unfassbarer Verdacht gegen den TV-Star:

Hat Henning Bach Sandra S. (21) vergewaltigt?

Clara nahm noch einen Schluck von ihrem Caffè Latte und leckte sich genüsslich den Milchschaum von der Oberlippe. Wieder einmal hatten sich die exzellenten Kontakte, die sie im Laufe der Jahre aufgebaut hatte und die sie sorgsam hegte und pflegte, als ihr wertvollstes Kapital erwiesen. Ein kleiner inoffizieller Hinweis von offizieller Polizeistelle hatte ihr zum Exklusiv-Interview mit der bisher völlig unbekannten Sandra S. verholfen, die den beliebten TV-Star erst vor zwei Tagen angezeigt hatte und behauptete, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Im Laufe eines tränenreichen Interviews hatte die junge Frau kein schmutziges Detail ausgelassen. Clara hatte der Wasserstoffblondine immer wieder zu bedenken gegeben, dass die Story gehörig Staub aufwirbeln und ziemlich sicher das Ende einer vielversprechenden Schauspielkarriere bedeuten würde. Doch Sandra S. war standhaft bei ihrer Geschichte geblieben. Fairerweise hatte die Chefredakteurin dem Beschuldigten noch eine Chance eingeräumt, zu den schweren Vorwürfen gegen seine Person Stellung zu beziehen. Doch Henning Bach hatte Clara, die seit seinen Anfängen als austauschbarer Nebendarsteller wohlwollend über ihn berichtet hatte, reichlich brüsk an sein Management verwiesen, das jeden Kommentar verweigerte. Mit diesem folgenschweren Fehler musste er nun leben. Clara konnte und wollte ihm nicht mehr helfen. Warum auch? Es gab keinen Grund, Sandra S.’ Bericht anzuzweifeln. Sie war ein unbeschriebenes Blatt, eine junge hübsche Frau, deren großes Idol sie angeblich schamlos missbraucht hatte. Saskia hatte ihre Vergangenheit überprüft. Und Henning Bach war geliefert. Als mutmaßlicher Vergewaltiger konnte er sich von seinem süßen Starleben vorerst einmal verabschieden.

In ungefähr einer Stunde würden die Telefone in der Redaktion heiß laufen, wusste Clara. Und wenig später würde ihr Boss Jan Decker, Geschäftsführer des UP!-Magazins und Vorstandsmitglied des Reiter-Verlags, ihr zur brisanten Exklusiv-Story gratulieren. Die Auflage würde sich verkaufen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Und Decker würde sie dafür lieben – noch mehr, als er es ohnehin schon tat. Das war der anstrengendste Teil an ihrem Job. Ständig musste sie sich Decker vom Hals halten, ohne ihn dabei zu vergrämen. Seit ihrer Beförderung zur Chefredakteurin, für die er sich höchstpersönlich stark gemacht hatte, wie er nicht müde wurde zu betonen, war er hinter ihr her. Obwohl seine Frau Betty ihm damals gerade erst entzückende Zwillingstöchter geboren hatte. Clara war selbst kein Kind von Traurigkeit und wahrscheinlich eine der wenigen Frauen, die ehrlich davon überzeugt waren, dass Sex nicht zwangsläufig mit Liebe einhergehen musste. Oft war sogar das Gegenteil der Fall. Jedenfalls konnte sie sich an einige ziemlich heiße Nummern mit Männern erinnern, die ihr weder vorher noch nachher irgendetwas bedeutet hatten. Ob sie gebunden waren oder nicht, war ihr dabei stets herzlich egal gewesen. Das mussten die Typen schon mit dem eigenen Gewissen ausmachen. Doch Decker war für sie tabu. Nicht wegen Betty oder wegen der Zwillinge, sondern weil Clara einem ihrer wichtigsten professionellen Prinzipien folgte: Neverfuck the office. Sie hatte es bisher nicht nötig gehabt, sich nach oben zu schlafen. Und sie hatte nicht vor, diesem Grundsatz untreu zu werden. Auch nicht für Decker, der trotz seiner Mitte fünfzig durchaus noch eine Sünde wert war. Was Clara betraf, so würde sie erst mit ihm schlafen, wenn er woanders sein Geld verdiente. Doch dann würde sie bereits auf seinem Vorstandssessel sitzen. Und das Interesse an ihr wäre damit wahrscheinlich jäh erloschen. Clara blickte in den Spiegel der silbern glänzenden Puderdose und trug ein wenig Lipgloss auf ihre markant geschwungenen Lippen auf. Bis Jan Decker sein Büro in der zweiundzwanzigsten Etage für sie räumen musste, wollte sie ihn wenigstens noch mit ein paar zusätzlichen Marktanteilen beglücken, dachte sie schmunzelnd.

2

Für Mona Ettinghaus war dieser Donnerstagmorgen alles andere als ein ganz normaler, war er doch der letzte in ihrem Leben, das gerade mal 43 Jahre lang gedauert hatte. Seit elf Tagen galt die Geschäftsführerin des Ettinghaus-Verlags nunmehr als vermisst. Daran hatten weder die beinahe Rundum-die-Uhr-Ermittlungen des LKA Berlin noch die guten Beziehungen der einflussreichen Unternehmerfamilie Ettinghaus etwas ändern können. Anfangs war der schwerreiche Verlegerclan – genau wie Kriminalhauptkommissar Frank Schütte – davon ausgegangen, dass das prominente Familienmitglied Opfer einer Entführung geworden war. Monas schwarzer Nobel-Geländewagen war auf einem Restaurant-Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Lehnitzsees, etwa zehn Kilometer nördlich von Berlin, aufgefunden worden. Ihre Krokotasche, das Handy und ein paar Akten waren im versperrten Wagen gelegen. Eine Lösegeldforderung war bisher nicht eingelangt. Von der Verlegerin, die ihre Firma an einem Montagabend wie gewöhnlich gegen 19 Uhr verlassen hatte, fehlte jede Spur. Mittlerweile hatten auch die Medien Wind vom Verschwinden von Mona Ettinghaus bekommen und übertrafen sich gegenseitig mit den wildesten Spekulationen über ihr mögliches Schicksal. Doch nichts, was die Presse bisher erfunden hatte, reichte auch nur annähernd an die so viel grausamere Realität heran.

Monas nackter, blutleerer Körper und der kahl geschorene Schädel ließen ihren Leichnam wie eine skurrile Schaufensterpuppe aussehen, die mit gespreizten Armen und Beinen an ein Andreaskreuz an der Wand gefesselt worden war. Der blasse, kahle Kopf hing leblos vorneüber und verbarg die tiefe Schnittwunde in der Kehle. Von den Körpersäften, die auf dem Fliesenboden des Kellers eine übel riechende Lache gebildet hatten, und den vielen Blutspritzern auf den weißen Wandfliesen war nichts mehr zu sehen, so sauber waren sie mit dem Wasserschlauch abgespritzt worden. Genauso sauber wie Monas penibel enthaarter Leichnam, den nie wieder jemand zu Gesicht bekommen sollte. Außer ihr geisteskranker Mörder, der sein perverses Ritual noch nicht zu Ende geführt hatte.

3

„Jetzt beruhige dich bitte, Jackie. Ich bin dein Agent und will wie immer nur dein Bestes.“ Mark Konrad stand vor dem zweieinhalb Meter hohen, königsblau gestrichenen Fenster in seinem Schöneberger Loft und starrte in den trostlosen, vom langen Winter gezeichneten Innenhof, während er beschwichtigend ins Telefon sprach. Wieder einmal versuchte er, das beste und nervöseste Pferd in seinem Stall zu beruhigen. Doch Jackie Benz hatte sich scheinbar fix in den Kopf gesetzt, ihre Biografie schreiben zu lassen. Und nichts und niemand konnte sie davon abbringen. Noch nicht einmal der geduldige, souveräne Mark, der nun seit mehr als drei Jahren der Agent der wohl bekanntesten deutschsprachigen Schauspielerin war. So lange wie er hatte es noch keiner mit der launischen Diva ausgehalten. Es war zum Verzweifeln. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte die Primadonna des deutschen Spielfilms das Gefühl, dass es just an ihrem fünfundvierzigsten Geburtstag, der in fünf Monaten anstand, mit ihrer Karriere schlagartig vorbei sein würde. Die zahlreichen Rollenangebote, die sie in den letzten zweiundzwanzig Jahren mehr oder weniger auf dem Silbertablett serviert bekommen hatte, würden mit einem Mal ausbleiben, davon schien sie überzeugt zu sein. Was auch immer Mark Konrad an Argumenten vorbrachte, die Benz rückte keinen Millimeter von ihrem Vorhaben ab. Sie wollte dem angeblich bevorstehenden Karrieretief unbedingt mit ein paar skandalträchtigen Enthüllungen entgegenwirken.

„Jackie, bitte! Mach das nicht. Das hast du doch nicht nötig“, flehte Mark, nachdem er eine gute halbe Stunde mit Engelszungen auf sie eingeredet hatte.

„Was ich nötig habe und was nicht, bestimme ich immer noch selbst. Schließlich geht es hier um meine Karriere, von der auch du ganz gut lebst“, erwiderte Jackie scharf.

„Wie du meinst. Aber vergiss bitte nicht, dass ich dich davor gewarnt habe. Du machst dir jede Menge Feinde mit diesem Buch.“

„Na und? Das halte ich aus. Ich weiß schon, mit wem ich mich anlegen kann und mit wem nicht. Schließlich bin ich lange genug in diesem verdammten Business. Und ich gedenke es auch weiterhin zu bleiben. Bis zum letzten Atemzug, wenn du es genau wissen möchtest. Also, sieh zu, dass du Clara Bodenstein überzeugen kannst. Ich will, dass sie für mich schreibt“, forderte sie lautstark.

„Okay, okay. Ich versuche es.“

„Das reicht mir aber nicht. Ich will sie. Und nur sie. Hast du mich verstanden?“

„Ach, Jackie“, meinte er und seufzte, „wenn du schon in ein Wespennest stichst, dann aber gleich mitten hinein. Deine Promi-Geschichten und Clara Bodensteins gnadenlose Schreibe … Ich hoffe nur, dass ich in diesem Teufelswerk nicht erwähnt werde.“

„Teufelinnenwerk, mein Lieber, Teufelinnen! Mal sehen … Wenn du artig bist und mir die Bodenstein als Autorin verschaffst, könnte ich eventuell auf eine Erwähnung deiner ohnehin etwas farblosen Person verzichten. Obwohl …“

„Sehr witzig“, unterbrach er sie.

„Ich meine es ernst.“

„Ich weiß. Ich kenne dich schon länger.“

„Sobald die Bodenstein unterschrieben hat, soll die neue PR-Tante die Öffentlichkeit informieren, dass ich mit der Chefredakteurin der UP! an meiner Biografie arbeite. Also hopp, hopp. An die Arbeit. Und halte mich gefälligst auf dem Laufenden.“

„Du ziehst das also wirklich durch?“

„Volles Programm, mein Lieber. Und ich werde es genießen. Mit anzusehen, wie gewisse Leute zittern. Aus purer Angst vor der Wahrheit.“ Die Vorstellung schien sie prächtig zu amüsieren. Mark hingegen jagte Jackies boshaftes, kehliges Lachen wie immer unbehagliche Schauer über den Rücken. Vielleicht war es an der Zeit, sie endgültig loszuwerden, überlegte er, nachdem sie das Telefongespräch beendet hatte. Immerhin vertrat seine Agentur mittlerweile einige bekannte Namen, die alle gutes Geld im Film- und Fernsehgeschäft verdienten. Darunter auch ein paar vielversprechende Nachwuchstalente, die ihm besonders am Herzen lagen. Schließlich waren es die Stars von morgen, die mit ihren zukünftigen Gagen dafür sorgen würden, dass er von seinem Zehn-Prozent-Anteil auch später noch ein recht angenehmes Leben führen würde können. Ob er es riskieren konnte, sein bisheriges Zugpferd Jackie Benz zu verlieren? Oder war es dafür noch zu früh? Wieder einmal beschloss er, diese schwierige Entscheidung zu vertagen und drückte stattdessen die Freisprechtaste auf der Telefonanlage, die ihn mit seiner Sekretärin im Vorzimmer verband. Obwohl sie mittlerweile Ende vierzig sein musste, war Fanny immer noch sein Mädchen für alles. „Bring mir doch bitte einen doppelten Espresso“, sagte er erschöpft und ließ sich in seinen Lederstuhl fallen.

„Kommt sofort, Chef“, antwortete ihm die vertraute Stimme, die wie meistens resolut und fürsorglich zugleich klang. Mark griff erneut zum Telefon, diesmal um Katrin Schäfer anzurufen. Er kannte die kluge, etwas unscheinbare Katrin noch von früher, als sie mit seinem ehemaligen Kommilitonen und Mitbewohner liiert gewesen war. Seit fast zwei Jahren war sie nun Cheflektorin im Ettinghaus-Verlag – jenem Verlag, der die meisten Prominenten-Biografien veröffentlichte. Und dessen Geschäftsführerin seit Tagen vermisst wurde. Vielleicht war Mona Ettinghaus einfach nur abgehaut? Mit einem neuen Lover? Das war schließlich auch in besseren Kreisen schon mal vorgekommen. Oder war sie doch entführt worden? Warum gab es dann keine Lösegeld-Forderung? Vielleicht war bei der Entführung irgendetwas schiefgelaufen, überlegte Mark, während er in der Warteschleife der Verlagsleitung hing. Er würde Fanny bitten ihn mit Katrin zu verbinden, dachte er und wollte schon auflegen, als die Stimme aus dem Hörer seine Gedanken unterbrach.

„Sie wollten Frau Schäfer sprechen? Einen kurzen Moment noch, bitte.“

Niemand würde Clara Bodenstein ein Projekt besser verkaufen können als Katrin, die als ihre Busenfreundin galt, kehrte er gedanklich zum eigentlichen Grund seines Anrufs zurück. Klar hätte er die umwerfend attraktive, aber reichlich arrogante Chefredakteurin des UP!-Magazins auch selbst kontaktieren können. Er kannte sie ja von diversen Medienevents und Filmpreisverleihungen. Doch die Bodenstein löste mit ihrer Überheblichkeit jedes Mal eine Unsicherheit in ihm aus, die ihm fremd und unangenehm war. Wann immer sie sich begegneten, nahm sie ihn noch nicht einmal wahr. Als wäre er Luft für sie. Der Umweg über Katrin Schäfer schien ihm daher eindeutig die bessere Strategie zu sein, um die Klatschtante der Nation für Jackies Biografie zu gewinnen. Und damit sollte er wie so oft auf das richtige Pferd setzen.

4

Katrin saß im Berliner Promilokal Darius’ und blätterte in der UP!. Das konnte doch nicht wahr sein! Henning Bach war ein Vergewaltiger? Oder besser, ein mutmaßlicher Vergewaltiger. „Mutmaßlich …“, murmelte sie geringschätzig vor sich hin. Dieses unscheinbare Wort vor der eigentlichen Anschuldigung mochte rechtlich gesehen zwar den großen Unterschied machen, die Leser dieses Klatschblattes würden davon jedoch kaum Notiz nehmen. Unterm Strich wurde lediglich wahrgenommen, dass Bach ein Gewaltverbrechen begangen hatte. Und die Tat würde den bisherigen Publikumsliebling für den Rest seines Lebens verfolgen. Ob er sie nun begangen hatte oder nicht, dachte sie wütend. Ihre beste Freundin hatte wieder einmal voll zugeschlagen. Und Bach lag vielleicht für immer am Boden. Sollte er diese Sandra S. tatsächlich vergewaltigt haben, ging sein K.o. zwar okay, doch Katrin war der Meinung, dass der Mann zuerst einmal gerichtlich verurteilt werden sollte, bevor ihn die Medien fertigmachten. Im Zweifel für den Angeklagten. Das hatte vielleicht früher mal gegolten, bevor journalistische Arbeit nur noch an verkauften Auflagen und Quoten gemessen wurde. Es war zum Kotzen. Claras Artikel war zum Kotzen. Und ihr selbst war auch zum Kotzen zumute. Angewidert rollte Katrin das bunte Klatschblatt zusammen und steckte es zurück in ihren cognacbraunen, auf antik getrimmten Lederbeutel, den sie bei der letzten Shoppingtour mit Clara erstanden hatte. Eigentlich war Katrin gar nicht der Typ für solch modische Eskapaden, aber die Freundin hatte sie zum Kauf des Must-haves dieser Saison überredet. Das trendige Teil war sündhaft teuer gewesen. Viel zu teuer für ihren Geschmack. Katrin hatte noch immer ein schlechtes Gewissen, wenn sie an die gerade noch dreistellige Summe dachte, die von ihrem Konto für eine einzige dämliche Handtasche abgebucht worden war. Der braune Beutel in dem Laden vis-à-vis, der um 39,90, hätte es von ihr aus auch getan. Aber Clara war der Meinung gewesen, dass sie sich ruhig etwas Luxus gönnen sollte. Schließlich konnte sie sich so ein Designer-Teil ja durchaus ab und zu mal leisten. Da hatte die Freundin schon recht.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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