Drei letzte Worte - Mignon G. Eberhart - E-Book
Beschreibung

Ein Richter sollte schweigen wie ein Grab. Sonst ruht er früher sanft, als ihm lieb ist … Im Ruhestand reitet der Richter ein gefährliches Steckenpferd: Er diktiert seine Erinnerungen an berühmte Fälle. Damit spricht er sein eigenes Todesurteil. Und einer von denen, die sich plötzlich für diese Lektüre interessieren, muß sein Mörder sein ... (Dieser Text bezieht sich auf eine frühere Ausgabe.)

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Seitenzahl:255


Mignon G. Eberhart

Drei letzte Worte

Kriminalroman

Aus dem Amerikanischen von Marlen Scherm

FISCHER Digital

Inhalt

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1

Der Richter lag im Dunkeln, nur das spukhafte Licht der Alarmanlage warf rote Blitze über Rasen, Buschwerk und die bewegungslose Gestalt.

Bea beugte sich über ihn. »Onkel … Onkel Richter …«

Der Richter versuchte, den Arm zu heben, und stöhnte leise. »Doktor … Will … Seth«, sagte er plötzlich mit klarer Stimme. Dann bewegte er sich nicht mehr.

Die Lichtreflexe tauchten die hohen Föhren, den glänzenden Lorbeer und die Steinmauer hinter den Büschen in rötlichen Schein. Der Alarm quäkte heiser.

Er kann doch nicht tot sein, dachte Bea, wußte aber genau, daß es so war. Seine Hand war schlaff zurückgefallen. Sie dachte an Wiederbelebungsversuche, an künstliche Beatmung, aber das war alles sinnlos. In einer unbewußten Bewegung hatte sie nach seinem Puls getastet und nicht das winzigste Flackern mehr gefunden.

Mißtönend krächzte der Alarm weiter, der inzwischen sicher die ganze Umgebung aufgeweckt hatte; hoffentlich auch den Doktor. Das Haus der Thornes lag in der Nähe, nicht viel mehr als hundert Meter entfernt. Ganz gewiß würde auch sein Sohn Rufe gleich kommen.

Vorläufig war aber nur ein hinter der Steinmauer vorbeirasendes Auto zu hören, das gleich darauf in die Zufahrt der Salcotts schoß. Es war ein Streifenwagen mit eingeschaltetem Blaulicht. Die Alarmanlage des Richterhauses war mit dem Polizeirevier von Valley Ridge direkt verbunden, und dort mußte jemand einen Wagen über Funk losgeschickt haben. Ehe Bea noch auf die Beine kam, sprangen schon zwei Männer heraus, die vor den grellen Scheinwerfern nicht mehr als dunkle Schatten waren. Sie lief ihnen entgegen. »Hier ist er, hier!« rief sie.

Sie hatten verstanden und kamen herbeigerannt. Bea glaubte zu schreien, doch ihre Stimme schien dünn von weither zu kommen. »Der Richter! Er ist tot! Dort …«

Die starken Handscheinwerfer der Männer blendeten sie und hoben jede Falte ihres blauen Morgenrocks hervor, in den sie eiligst geschlüpft war, als der Alarm einsetzte.

Sie schrie ihnen zu, daß sie schneller machen sollten. Vielleicht hatte sie sich doch getäuscht. Ein so ungeheuer vitaler und energischer Mann wie der Richter konnte nicht so schnell sterben.

»Ist schon gut, Miss Bartry«, sagte einer der Männer. »Beruhigen Sie sich bitte …«

Sie liefen weiter, und die Lichtkegel ihrer Handscheinwerfer tanzten über die Mauer, das Lorbeerdickicht, die Föhren – und dann über den Richter.

Sie mußte es Clara sagen. Die Tür zum Arbeitszimmer am Ende der Terrasse stand noch immer offen, und eine zierliche Gestalt kam eilig herausgelaufen. »Bea!« rief sie. »Bea! Ist es der Richter?«

Sie ging zu Clara auf die Terrasse. Der Alarm war hier besonders grell. Er schrie der ganzen Welt zu, daß der Richter tot war.

Bea brauchte nichts zu erklären. »Dieser Meeth!« rief Clara empört. »Gestern ist er entlassen worden! Und er hat ja schon immer gedroht, daß er den Richter umbringen würde, wenn er wieder herauskäme. Und jetzt hat er’s getan.«

»Ich weiß nicht. Komm ins Haus zurück, Tante Clara!«

»Er hat ihn umgebracht! Ich wußte doch, daß er’s tun würde. Meeth hat schließlich geschworen, ihn zu töten!«

»Tante Clara …« Sie schob ihre Tante ins Arbeitszimmer. »Ich glaube, er hatte einen Schwächeanfall … oder so …« Ihr Versuch zu lügen, klang wenig überzeugend.

»Nein, nein, er ist tot«, sagte Clara. »Ermordet …«

»Ich rufe den Doktor. Er hat noch gesagt, ich solle den Doktor holen. Und Seth …«

»Der Doktor kann jetzt ebenso wenig helfen wie Seth. Wie hat er ihn umgebracht? Ich habe keinen Schuß gehört.«

»Ich weiß es nicht. Vielleicht hatte er einen Schlaganfall und verlor das Bewußtsein. Der Doktor hat uns ja gewarnt.«

Clara deutete auf Beas Morgenrock. »Erzähl nur nichts von einem Schlaganfall, Bea! Das ist doch Blut.«

Bea sah an sich hinab. Die Vorderseite des Morgenrockes und ein Ärmel wiesen hellrote, feuchte Flecken auf. Ihr fiel ein, daß sie versucht hatte, den Richter aufzurichten. Plötzlich erschien ihr die laue Frühlingsnacht eisigkalt, und sie fror ganz erbärmlich. »Ich rufe den Doktor an. Der Richter sagte …«

»Er hat noch mit dir gesprochen? Sagte er, was passiert ist?«

Bea griff nach dem Telefon auf dem großen Schreibtisch und rief den Arzt an, dessen Nummer sie besonders gut kannte, seit sein Sohn Rufe aus Vietnam zurückgekommen war.

Clara stand in dem nüchternen Morgenrock, dessen Gürtel sie um ihre etwas füllige Mitte fest zugezogen hatte, stocksteif da. Ihr graues Haar war ordentlich mit einem Netz zusammengefaßt, und das hübsche, rundliche Gesicht wirkte wie versteinert. Während Bea auf den Anschluß wartete, sah sie des Richters altes, schäbiges Jackett auf dem Schreibtisch liegen. Er hatte es so geliebt, daß es fast wie ein Teil von ihm gewesen war.

Die Alarmanlage jaulte noch immer; jemand müßte sie endlich abstellen, ehe die Batterie leer war, dachte Bea. Nein, der Richter kann doch nicht ermordet worden sein … Aber dieser Meeth war gestern aus dem Gefängnis entlassen worden! Und er hatte tatsächlich geschworen, den Richter umzubringen.

»Praxis Dr. Thorne«, meldete sich eine dünne Stimme.

»Ich brauche dringend den Doktor.«

Jemand rannte über die Terrasse, und dann stürzte Rufe Thorne ins Zimmer. »Bea … Tante Clara … Bea …«

»Ich rufe gerade deinen Vater an«, sagte Bea.

Er nahm ihr den Hörer aus der Hand und legte auf. »Nicht mehr nötig, Bea. Er hat den Alarm gehört und spricht jetzt mit der Polizei. Kannst du dieses Ding nicht abstellen?«

Bea antwortete etwas, aber Rufe lief schon hinaus und die Treppe hinauf zum Kontrollgerät für die Alarmanlage, das im Wäscheschrank untergebracht war.

Die plötzliche Stille ließ Bea aufatmen. Doch dann hörte sie von draußen eine unpersönliche Stimme, die per Funk mit der Polizeistation verhandelte. Bald würden noch mehr Polizeiwagen da sein. Rufe kam ins Zimmer zurück. »Sie holen Obrian her …« Obrian war der Polizeichef von Valley Ridge.

Dr. Thorne kam langsam durch die Terrassentür herein. Er trug einen dunklen Rollkragenpullover und hatte seine Arzttasche in der Hand. »Mein Beileid, Clara.«

Clara war wie versteinert. »Ich weiß, daß dieser Meeth ihn umgebracht hat«, sagte sie.

Dr. Thornes Gesicht wirkte müde und bekümmert. Er war nicht nur der Arzt, sondern auch ein Freund der Familie. »Ich weiß es nicht«, antwortete er.

»Aber es war doch Mord, nicht wahr?«

Dr. Thorne fühlte Clara den Puls. »Ja, er wurde ermordet. Erschossen.«

»Ich wußte es doch! Dieser Meeth …«

»Aber Clara …« Der Doktor nahm ihren Arm, und sie ließ sich von ihm hinausführen, als wisse sie nicht, was sie sonst tun könne.

Rufe legte den Arm um Beas Schultern. »Das mit dem Richter tut mir furchtbar leid«, sagte er und musterte sie besorgt. Da bemerkte er die Flecken. »Bea!«

»Ja. Ich beugte mich über ihn und versuchte … Weißt du … ich konnte es zuerst nicht glauben. Dann starb er. Einfach so …«

»Bea!« Er drückte sie fest an sich. »Bitte, beruhige dich. Du zitterst ja!«

Sie klammerte sich an ihn und war unendlich dankbar für seine Nähe. »Oh, Rufe, er starb und hat mir nicht verziehen. Er sagte nur etwas von deinem Vater. Er meinte wohl, ich solle den Doktor holen. Gerade heute haben wir uns nach dem Abendessen gestritten. Wenn er mir nur verziehen hätte!«

»Meinetwegen, nicht wahr?«

»Ja. Er sagte … Nun, du kennst ihn ja. In letzter Zeit wurde er immer schwieriger.«

»Eine sehr freundliche Untertreibung. Der alte Knabe konnte wohl nicht anders. Mein Vater hat es mir erklärt.«

»Tante Clara und mir hat er es auch erklärt. Er sagte, wir müßten alles vermeiden, was ihn aufregen könnte. Oh, Rufe, mir ist, als hätte ich ihn selbst getötet. Dieser Streit!«

»Mach dir bloß keine Vorwürfe, Liebes.«

»Ich verlor die Nerven und sagte ihm, daß wir heiraten würden, sobald du deine erste Anstellung hättest, und er könne uns bestimmt nicht davon abhalten. Da wurde er ganz dunkelrot …«

»Mit mir war er genauso.«

»Was?« fragte Bea entgeistert. »Aber du warst ja gar nicht hier!«

»Doch. Ich ahnte ja, wie sehr er sich über unsere Heiratspläne aufregen würde. Deshalb kam ich nach dem Abendessen herüber. Leider hat es nichts genützt … Er war äußerst schlechter Laune! Du warst anscheinend mit Tante Clara im ersten Stock, denn ich hörte den Fernseher.«

»Vermutlich hat er dir das gleiche wie mir gesagt.«

»Wahrscheinlich viel drastischer«, erwiderte Rufe.

»Er sagte, er würde mir nicht erlauben, dich zu heiraten. Ich erinnerte ihn daran, daß ich volljährig sei und … Ach, Rufe!«

»Bitte, reg dich nicht so auf, meine Liebe!«

»Aber Rufe … wenn’s nun wirklich Mord ist?«

»Wenn es dieser Meeth war, dann wird man ihn bald haben.«

»Was sagte mein Onkel sonst noch?«

»Ich hätte die Prüfungen ja eben erst hinter mir, und im diplomatischen Dienst käme man nur langsam vorwärts. Du seist an jeden Luxus gewöhnt und hättest eine erstklassige Erziehung genossen, und außerdem sei er wie ein Vater zu dir gewesen.«

»Das stimmt auch … Bis vor kurzem.«

»Es lag an seinem Gesundheitszustand, daß er …«

»Ich weiß, Rufe. Und er sagte …« Bea schluckte heftig. »Er sagte, daß ich ja mal Tante Claras und sein eigenes Vermögen erben würde; und es sei natürlich für einen jungen Diplomaten sehr angenehm, eine Frau mit Geld zu haben oder wenigstens mit der Aussicht darauf.«

»Zu mir hat er noch einiges mehr gesagt. Ich erinnerte ihn daran, daß er mir doch sonst in jeder Beziehung geholfen hätte. Mit Referenzen, beim Studium des internationalen Rechts und so weiter, aber er meinte, das hätte er ganz bestimmt nicht getan, wenn er gewußt hätte, daß wir mal heiraten wollten, und ich dadurch sein Geld und das von Tante Clara bekomme. Dann meinte er … Ach, lassen wir’s lieber. Jedenfalls wurde ich auch wütend und war drauf und dran, einige unüberlegte Dinge zu sagen. Da bin ich lieber gleich gegangen. Woher wußtest du eigentlich, daß er im Garten war?«

»Ich hatte keine Ahnung, denn ich war gerade eingeschlafen, als der Alarm losging. Ich wußte, daß Tante Clara die Anlage eingeschaltet hatte, weil sie glaubte, der Richter sei schon nach oben gegangen. Wir rannten beide sofort in die Halle hinaus. Die Alarmanlage ist für uns noch ziemlich ungewohnt. Tante Clara ließ sie einrichten, als sie erfuhr, daß Meeth auf Bewährung entlassen werden würde. Wir sollten die Polizei sofort anrufen, wenn es ein falscher Alarm wäre, denn die Anlage ist direkt mit der Polizeistation verbunden. Alle Türen und Fenster im Erdgeschoß, und sogar die Vorder- und Hintertreppe sind auf diese Weise gesichert.«

»Was geschah dann?« fragte Rufe drängend.

»Als wir vom Richter nichts hörten und sahen, lief ich ins Parterre hinunter. Die Lampen im Arbeitszimmer brannten noch, und die Terrassentür stand offen. Ich glaubte zuerst, er sei vielleicht einmal ums Haus herumgegangen, denn das hat er öfter gemacht. Vielleicht hatte auch nur der Wind die Tür aufgerissen. Wenn er jedoch im Garten war, hätte er die Sirene hören und zurückkommen müssen. Als er dann nicht auftauchte, begann ich, mir Sorgen zu machen, und rannte die Hecke entlang zur Steinmauer. Gleich hinter dem Lorbeerstrauch stolperte ich über seine Füße. Er sagte noch etwas vom Doktor, und dann starb er.«

»Er mußte also nur noch einen Moment bei Bewußtsein gewesen sein?«

»Ja, er sagte: ›Doktor … Will … Seth …‹ Wahrscheinlich wollte er, daß ich Seth hole. Doch ich dachte nur an deinen Vater. Rufe, wer ist Will?«

»Will? Das weiß ich nicht. Wir verständigen am besten gleich Seth.«

»Wir brauchen doch keinen Anwalt!«

Rufes Gesicht drückte Vorsicht aus. »Er weiß aber, was zu tun ist. Die Polizei wird ja wohl alle vernehmen.«

»Sicher war es dieser Mann, den er ins Gefängnis geschickt hat. Wer könnte ihn sonst ermordet haben?«

»Ich rufe jetzt Seth an. Weißt du seine Telefonnummer? Gestern habe ich ihn übrigens in der Stadt getroffen.«

Doch die Nummer fiel Bea nicht ein, und er mußte im Telefonbuch nachschauen. »Ich kenne wirklich keinen Will«, sagte Rufe, während er wählte.

»Ich hab’s«, rief Bea aufgeregt. »Er meinte keinen Will Soundso, sondern bezog sich auf seinen Letzten Willen. Er und Tante Clara wollten nämlich im Falle unserer Hochzeit das Testament ändern. Er nannte dich einen Mitgiftjäger. Wahrscheinlich wollte er Seth holen lassen, um ein neues Testament aufzusetzen. Anscheinend war er sich nicht klar darüber, daß er im Sterben lag.«

Endlich bekam Rufe Seth an den Apparat. »Seth? Hier ist Rufe Thorne. Es ist etwas Schreckliches passiert. Der Richter wurde ermordet.« Bea hörte Seths tiefe, volle Stimme. »Erschossen«, fuhr Rufe fort. »Vor ein paar Minuten … Ich glaube, Tante Clara geht es ganz gut. Seth, kannst du kommen? Die Polizei ist hier. Ja, mein Vater kümmert sich um Tante Clara … Tony war im Streifenwagen.«

Tony? Da fiel Bea ein, daß sich Tony Calinas und Rufe seit ihrer Kindheit kannten; die beiden waren zusammen zum Militär eingezogen worden und waren sogar einige Zeit bei der gleichen Truppe gewesen.

Seth sagte wieder etwas, und dann antwortete Rufe: »Ich weiß es nicht, aber ich werde fragen … Gut …« Er legte den Hörer auf. »Er wird gleich da sein. Ihr sollt mit keinem reden, weder mit der Polizei, noch mit anderen Leuten. Und dann fragte er, ob einer von euch beiden einen Schuß gehört hat.«

»Nein, nur den Alarm. Tante Clara sah sich im Schlafzimmer einen Western an. Sie ist ein bißchen schwerhörig, und deshalb dreht sie den Ton immer sehr laut. In dem Western wurde ununterbrochen geschossen, was ich bis in mein Zimmer hörte. Sie muß das Gerät ausgeschaltet haben, unmittelbar bevor der Alarm anfing.«

Rufe ging zur Tür und schaute hinaus. Ein weiterer Wagen kam mit quietschenden Reifen vor dem Haus zum Stehen.

»Obrian müßte eigentlich schon hiersein. Ich will mal nachsehen, was sie jetzt tun.« Rufe musterte die Flecken an ihrem Morgenrock, und seine Miene verdüsterte sich ein wenig. »Bea, du gehst jetzt hinauf und ziehst dieses Ding da aus. Schlüpf in ein Kleid!«

Wie betäubt setzte sie sich in Richtung Halle in Bewegung, aber er hielt sie an den Schultern fest und drehte sie zu sich herum. »Bea, die Polizei wird dich und Tante Clara vernehmen. Sag nichts, solange Seth nicht hier ist! Laß dir soviel Zeit wie möglich beim Umziehen. Das ist eine Möglichkeit für dich, wieder ein wenig zu dir zu kommen.« Er küßte sie schnell auf die Wange und lief zur Terrassentür.

Langsam ging sie durch die Halle und zog sich mühsam die Treppe hinauf, die sie erst vor kurzer Zeit hinabgerannt war. Sie hatte befürchtet, der Richter werde seinen Zorn an Tante Clara auslassen, weil sie den Alarm zu früh eingeschaltet hatte. Wie lange war das schon her?

Bea konnte sich nicht mehr an die Zeit erinnern, als der Richter noch keine wichtige Gestalt in ihrem Leben gewesen war. Er hatte ihr erst kürzlich vorgehalten, daß er sie doch immer vor der Welt beschützt habe, und das stimmte wirklich. Als ihre Eltern starben, hatte er sie aufgenommen, obwohl sie nur die Tochter seines Neffen war. Er hatte ihre Mutter nicht besonders gemocht, aber er und Tante Clara hatten sie wie ein eigenes Kind gehalten. Nichts war zu gut für sie gewesen.

Oben an der Treppe begegnete ihr Dr. Thorne, der eben aus Claras Zimmer kam. »Es geht ihr ganz ordentlich«, sagte er. »Ich habe ihr ein ziemlich starkes Beruhigungsmittel gegeben. Ihr Herz ist besser, als sie glaubt, auch wenn sie natürlich nicht mehr die Jüngste ist.« Er lächelte sie an. »Wir wissen ja, daß sie ein bißchen hypochondrisch ist, trotzdem werde ich nicht zulassen, daß die Polizei sie heute nacht noch vernimmt. Und was ist mit dir, Bea?« Er und sein Sohn Rufe hatten die gleichen intensiven blauen Augen. »Ich glaube, dir sollte ich auch etwas geben, damit du es wenigstens für ein paar Stunden leichter nimmst. Komm, du legst dich jetzt hin, bis die Polizei …« Er brach ab – genau wie Rufe –, als er die roten Flecken auf dem Morgenrock entdeckte. »Wie bist du denn an die gekommen?«

»Ich habe mich über ihn gebeugt, weil ich dachte, ich könnte noch etwas für ihn tun.«

»Zieh den Morgenrock aus!« Das war geradezu ein Befehl. Er schaute auf, als eine Sirene heulte. »Die Ambulanz, Kind«, sagte er. »Keine Sorge!« Er ging mit in ihr Zimmer, nahm ihr den Morgenrock ab und brachte ihn ins Badezimmer. »Natürlich werden sie die Flecken nicht übersehen, aber Angst brauchst du deswegen nicht zu haben. Schau nicht gar so mutlos drein, Kind.«

»Doktor, hätte ich für den Richter etwas tun können?«

Er überlegte. »Nein. Er muß bewußtlos …«

»Aber er sprach noch mit mir. Nur ein paar Worte.«

»Bea, er hätte nicht weiterleben können. Geh jetzt bitte zu Bett!«

Der Doktor öffnete seine Tasche, nahm eine Kapsel aus einem Fläschchen und gab sie ihr. »Das nimmst du jetzt. Du wirst dadurch zwar nicht schlafen, dich aber ein bißchen beruhigen.« Er hob den Kopf und lauschte. »Hm, die sind aber schnell gekommen.«

»Sie meinen die Valley Ridge-Polizei, Obrian und …«

»Die waren schon unterwegs, als ich kam. Ich nehme an, sie haben die Staatspolizei alarmiert.«

»Staats …«

»In Valley Ridge gibt es selten einen Mord. Die Staatspolizei hat Möglichkeiten, über die wir nicht verfügen. Und außerdem war der Richter ein wichtiger Mann. Versuch’s ein bißchen leichter zu nehmen, Bea!«

Er ging und schloß leise die Tür hinter sich. Er und sein Sohn Rufe hatten viel Ähnlichkeit miteinander, nur war Dr. Thorne mager und Rufe stark und ziemlich stämmig. Des Doktors Haar war schon ergraut, während Rufes Haar von einem hellen Kastanienbraun war.

Lange blieb Bea auf dem Bett sitzen. In der Umgebung des Hauses herrschte viel Unruhe: Wagen kamen rangefahren, Türen wurden aufgerissen und zugeschlagen, und Stimmen … Aber die Kapsel, die ihr Dr. Thorne gegeben hatte, dämpfte alle Sinneseindrücke. Nach einer Weile begann sie, sich langsam anzuziehen. Sie würde warten, bis man sie holte. Die Staatspolizei …

»Wir haben sogar im Schuppen nachgesehen«, rief eine Stimme unter ihrem Fenster, und eine andere antwortete: »Das Haus durchsuchen!«

2

Rasch durchsuchten sie einen Raum nach dem anderen. Zwei Staatspolizisten klopften höflich an Beas Tür und nahmen sich das Zimmer, den Schrank, das Bad und sogar den Papierkorb vor. Bea fühlte sich an zwei Terrier in schicker grauer Uniform erinnert. Als sie schließlich wieder gingen, hatte der eine den Morgenrock mit den roten Flecken bei sich.

Bea wußte, daß die Staatspolizei ganz in der Nähe von Valley Ridge, nämlich in Welbury, stationiert war. Dort verfügte man über alle Hilfsmittel zur Aufklärung von Verbrechen, und Bea dachte flüchtig an Fingerabdrücke und Schußwaffen. Schußwaffen! Der Richter hatte im Schreibtisch einen Revolver aufbewahrt, aber Selbstmord war völlig ausgeschlossen! Sie lehnte sich ermattet in die Kissen zurück. Bevor Seth nicht da war, würde sie mit niemandem sprechen. Vermutlich würde die Polizei herausfinden, daß auch Rufe kurz vor dem Zeitpunkt des Mords eine heftige Auseinandersetzung mit dem Richter gehabt hatte. Dabei hatte ihr Onkel persönlich gar nichts gegen Rufe gehabt, wenn er auch gegen die Heirat gewesen war; er hatte sogar alles getan, was er konnte, um Rufe während seiner Ausbildungszeit für den diplomatischen Dienst zu helfen.

Rufe war wie ein Teil ihrer selbst. Solange sie zurückdenken konnte, war Rufe das Wichtigste in ihrem Leben gewesen. Auch Clara und den Richter hatte sie geliebt und war ihnen sehr dankbar gewesen, aber an Rufe hing sie mit ihrem ganzen Herzen. Schon als Zehnjährige hatte sie ihn verehrt und war überglücklich gewesen, wenn der etwas ältere Rufe in den Ferien nach Hause kam und mit ihr zum Eislaufen oder Rodeln ging. Und dann hatte sich Rufe in Claras Nichte Lorraine verliebt. Doch auch das hatte ihrer Zuneigung nicht geschadet. Als er nach Vietnam mußte, hatte Bea für ihn gebetet. Und Lorraine hatte sie gehaßt, weil sie Rufe so schnell wegwarf, um Cecco zu heiraten. Bea hatte seine Briefe verschlungen, die Lorraine kaum eines Blickes würdigte oder überhaupt nicht öffnete.

Bea hatte ihm häufig geschrieben, damit er Briefe von zu Hause erhielt. Sie hatte es ihm mitgeteilt, als ihr Hund Shadders starb, und von ihr erfuhr er auch, daß Miss Dotty, des Doktors langjährige Sprechstundenhilfe, nachts mit ihrem unbeleuchteten Fahrrad gegen ein Auto geprallt war. Zum Glück war sie mit dem Schrecken davongekommen. Rufe hatte Beas Briefe immer ausführlich beantwortet und mit keinem Wort je nach Lorraine gefragt.

Er hatte viel reifer und älter gewirkt, als er aus Vietnam zurückkehrte, so daß Bea anfangs sehr schüchtern war. Aber er kam häufig zu ihnen ins Haus, zu Anfang, um mit Tante Clara und dem Richter zu sprechen, später eindeutig und vorwiegend Beas wegen. Sie gingen zusammen ins Kino oder machten lange Spazierfahrten. Sie wußte von Anfang an, daß er in den diplomatischen Dienst gehen wollte. Er hoffte, auf diese Weise dem Frieden in der Welt dienen zu können.

Sie erinnerte sich noch genau an den ersten Kuß. Es war Vollmond, und sie standen auf den Terrassenstufen. Rufe hatte einige Tage Ferien, und sie hatten jede Minute ihres Beisammenseins genossen. Als sie sich anschickte, ins Haus zu gehen, hatte er sich plötzlich, als könne er nicht anders, über sie gebeugt und sie geküßt. Dann lagen sie sich in den Armen. Von da an war die Welt für sie wie verzaubert gewesen.

Aber vom Heiraten hatte er erst beim nächsten Besuch, zu Weihnachten, gesprochen, und dann tat er es ganz beiläufig. Sie liefen gerade auf dem kleinen Weiher Schlittschuh, und mitten in der Unterhaltung hatte er gesagt: »Wenn ich eine Stelle bekomme, können wir heiraten.«

Heiraten. Die Welt war voller herrlicher Wunder, und das Leben hatte einen Sinn. Die beiden waren dann noch eine Weile weitergelaufen. Auf dem Nachhauseweg hatte er sie geneckt: »So richtig romantisch war mein Heiratsantrag ja wohl nicht, oder?«

Sie hatte gelacht und gemeint, Romantik sei dabei nicht unbedingt nötig.

Nein, es war wirklich keine himmelhochjauchzende und erderschütternde Romanze, aber sie hatte immer das absolute Gefühl gehabt, diese Liebe sei etwas, worauf man sich sein ganzes Leben lang verlassen könne.

Ebenso wie Rufe hatte sie sich mit Deutsch und Französisch abgeplagt; im Französischen war sie ihm eine Kleinigkeit voraus, weil sie die Anfangsgründe in der Schule gelernt hatte. Dafür hatte Rufe die größere Begabung für Fremdsprachen. Er hatte sehr hart gearbeitet, denn die Anforderungen für den auswärtigen Dienst waren hoch. Die Einberufung nach Vietnam hatte sein Rechtsstudium unterbrochen, und nach seiner Heimkehr hatte er sich für die Laufbahn des Diplomaten entschieden. Seth hatte ihm nicht abgeraten, sondern ihm in jeder Beziehung geholfen; Seth selbst hatte sich als Anwalt auf internationales Recht spezialisiert, war aber schon vor langer Zeit in die Politik gegangen; er hatte es inzwischen bis zum Senator gebracht.

Ganz gewiß konnte keiner behaupten, Rufe habe etwas mit der Ermordung des Richters zu tun. Meeth war der Täter!

Die Pille, die ihr der Arzt gegeben hatte, verhinderte allmählich klares Denken. Statt dessen tauchte vor ihrem geistigen Auge ihr Onkel als jüngerer und lebhafterer Mann auf. Bea wußte, daß er sich in letzter Zeit sehr verändert hatte. Ihm selbst war es auch zum Bewußtsein gekommen; deshalb hatte er vorzeitig das Richteramt aufgegeben und es damit begründet, daß er zurücktreten wolle, ehe ein Abbau seiner Geisteskräfte die Urteilsfähigkeit negativ beeinflusse. Damit hatte er recht gehabt. Bea wußte, daß Clara seine Entscheidung akzeptierte. Zeitweise war er aufgeschlossen, geistig lebhaft und unbeschwert, doch schon eine Sekunde später konnte er streitsüchtig, verbohrt und bis zur Unvernunft reizbar sein. Der Arzt hatte Clara und Bea erklärt, daß sein seelisches Gleichgewicht sehr schwankend sei, und sie Geduld mit ihm haben müßten und keinen Wutanfall herausfordern dürften.

Geduld hatten sie mit ihm gehabt, aber nie hatte sie herausgefunden, was einen Wutanfall auslösen konnte. Auch heute abend war es so gewesen. Nach dem Abendessen war sie mit dem Richter und Tante Clara noch eine Weile zusammen gesessen, bis Clara nach oben gegangen war, um sich einen Western anzusehen. Als er wütend wurde, hatte Bea gereizt geantwortet, und das konnte sie nicht ungeschehen machen. Da sie jung und hitzköpfig war, ließ sich ein gelegentlicher Zusammenprall nicht vermeiden. Aus Dankbarkeit und Zuneigung hatte sie sich immer bemüht, ihr Temperament im Zaum zu halten, aber manches durfte der Richter von ihr eben nicht verlangen. Sie hätte seine Zustimmung zur Heirat mit Rufe sehr gewünscht, aber es würde auch ohne sie gehen, wenn er nicht wollte. Der Richter mußte doch geahnt haben, wie sie und Rufe zueinander standen und daß sie unter keinen Umständen auf ihn verzichten würde. Natürlich hatte der Richter damit recht gehabt, daß Rufe ihr zu Anfang nicht den gewohnten Luxus bieten konnte. Aber er hatte doch nicht im Ernst glauben können, daß sie Rufe nur deshalb aufgeben würde!

Bis zu ihrem Streit mit dem Richter war es ein großartiger Tag gewesen. Am Morgen hatte Rufe ihr berichtet, daß er die mündliche Abschlußprüfung bestanden hätte, und dann hatten sie einen langen Spaziergang durch den Frühlingswald und zum Teich gemacht. Der Sumpfahorn war flammend rot, und die Weiden schimmerten zartgelb. »In Französisch bin ich noch immer ein wenig unsicher«, hatte er gesagt. »In Deutsch ging’s dagegen gut. Über die Dienstanforderungen wußte ich ebenso Bescheid wie über Taktik und Strategie im Kriegsfall.«

»Wieso Krieg?«

»Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Jeder Beamte im diplomatischen Dienst tut natürlich alles, um die Politik erfolgreich zu gestalten und diese ›Fortsetzung mit anderen Mitteln‹ zu verhindern.«

»Hast du schon eine Ahnung, wohin man dich schicken wird?«

»Wohin man uns schicken wird, meinst du wohl?« antwortete er lachend. »Ich nehme an, das werden wir bald erfahren … Weißt du, seit ich in Vietnam war, habe ich so meine Traumvorstellungen: Wenn diese Welt gerettet werden kann, dann nur durch Kommunikation. Wir müssen es lernen, einander wirklich zu verstehen. Das kann möglicherweise auf dem diplomatischen Wege, durch diplomatische Beziehungen geschehen. Die Nationen, die ja aus Einzelindividuen bestehen, müssen es ganz einfach lernen, füreinander Verständnis zu haben.«

»Du hast recht.« Rufes Erlebnisse in Vietnam schienen sein Blickfeld geweitet zu haben. Er wollte dazu beitragen, die Nationen dieser Welt miteinander zu verbinden, auch wenn er nur ein unscheinbares Fädchen in diesem Band sein konnte. Freundschaft und Vernunft – das strebte er an.

Der Ruf eines Beamten des auswärtigen Dienstes mußte tadellos sein. Hoffentlich würde die Ermordung des Großonkels von Rufes künftiger Frau seine Karriere nicht beeinträchtigen …

Plötzlich kam Bea zum Bewußtsein, wie lange sie schon ihren Gedanken nachhing. Da klopfte jemand an die Tür. Es war Seth.

Er war groß und mager wie Dr. Thorne und hatte ein richtiges Adlergesicht. Bea überlegte manchmal, daß zu diesem Gesicht eine spanische Halskrause passen müßte, die ja dem Halsflaum eines Adlers ähnlich war. Aber ein spanischer Grande würde niemals so alte, ausgebeulte Hosen tragen wie Seth.

»Bea, es tut mir so unendlich leid.«

»Seth, ich habe heute abend mit ihm gestritten! Seth, kann sein Tod etwa Rufes Karriere beeinträchtigen?«

»Nein!« Das sagte er ein wenig zu nachdrücklich mit der starken, tiefen Rednerstimme, die ihm bei seiner Karriere so sehr genützt hatte. »An solche Dinge darfst du gar nicht denken! Rufe hatte doch überhaupt nichts damit zu tun. Wie sollte es ihm schaden können?«

»War es Meeth?«

»Sie suchen ihn gerade. Und jetzt, Bea, hör mir mal zu! Die Polizei hat einen Haussuchungsbefehl und ist dabei, das ganze Haus zu durchsuchen, besonders gründlich natürlich das Arbeitszimmer des Richters. Die Beamten möchten nun von dir erfahren, wie du ihn gefunden hast. Erst erzählst du’s aber mir.«

Sie überlegte jedes Wort genau, als sie ihm kurz den Vorfall schilderte. Sein eckiges Gesicht hellte sich auf. »Gut. Die Polizei wird deine Aussage schriftlich festhalten. Ich wollte nur sicher sein, daß du nichts sagst, was du dann später lieber nicht gesagt hättest. Halte dich an die Tatsachen, dann ist alles in Ordnung. Obrian ist unten. Du hast doch keine Angst vor ihm, nicht wahr?«

Obrian, den Chef der Polizei von Valley Ridge, kannte Bea seit ihren Kindertagen. Einmal hatte er sie erwischt, als sie in vollem Tempo auf Rollschuhen die Hauptstraße entlangraste. Sie wußte nicht mehr, wie sie dorthin gelangt war, denn das Salcott-Anwesen – man nannte es auch nach Claras Verheiratung mit Richter Bartry noch immer nach ihrem Mädchennamen – lag mehr als zwei Meilen vom Städtchen entfernt. Als Bea an Bellows Obstladen vorbeischoß, kam unglücklicherweise gerade Mrs. Benson heraus, und sie prallte mit voller Wucht gegen sie. Und es war natürlich ausgemachtes Pech, daß Mrs. Benson ein makellos weißes Leinenkleid trug, mit dem sie sich recht unsanft in einen Korb mit Himbeeren und Heidelbeeren setzte. Mr. Bellow kam aus dem Laden gerannt. Obrian, der damals schon Polizeichef war, hörte den Krach, vertrimmte Bea ordentlich und brachte sie dann nach Hause. In der Hauptstraße war Rollschuhlaufen verboten. Der Richter hatte sich bei Mrs. Benson entschuldigt und Bea ausgeschimpft, aber in seinen Augen hatte Bea mehr Schadenfreude als Zorn entdeckt, weil er Mrs. Benson nämlich nicht leiden konnte.

»So, und jetzt wasch’ dir das Gesicht!« riet ihr Seth. »Du fühlst dich dann gleich wohler.«

Sie tat es und kämmte sich auch noch gehorsam die Haare. Ihr schoß durch den Kopf, daß Seth vermutlich auch seine Klienten auf fürsorgliche Art betreute, bevor sie in den Gerichtssaal mußten.

Seth stand hinter ihr, während sie ihr Haar bürstete. »Du bist schön«, sagte er überraschenderweise.

»Ich?«

»Schau dich doch genau an! Dunkelblaue Augen, die vor Zorn sprühen können. Haare wie goldbraune Seide. Als Kind hattest du goldene Kringellocken und ein rundes Gesicht. Jetzt hat es Charakter.« Sie musterte sich im Spiegel. »Schwarze Brauen und Wimpern, eine gute, kräftige Nase … Schau nicht gar so erstaunt drein, Bea; du mußt dich doch schon öfter im Spiegel gesehen haben! Rufe hat großes Glück. Eine schöne Frau mit Rückgrat … Äußerlich weich, innen Beton. Na, schmeichelhaft klingt das nicht gerade. Sagen wir lieber: innen Marmor.«

»Du willst mir wohl Mut machen?«

»Ich glaube nicht, daß das nötig ist. Na, komm jetzt! Wenn du mit ihnen redest, bleib ganz ruhig! Laß dich bloß nicht zu einem Gefühlsausbruch hinreißen!«

»Nein.« Sie stand auf. »Seth, der Doktor hat gesagt, man habe die Staatspolizei geholt.«

»Ja, natürlich. Sie leitet auch die Durchsuchung.«

»Zwei waren in meinem Zimmer, Seth.«