Beschreibung

Eigentlich hatte Els alles so wunderbar organisiert: ihren Job, ihre Freundinnen, ihre Affäre. Doch dann verschwindet ihre beste Freundin Claudia für ein Jahr nach Australien, ihre Affäre möchte Nägel mit Köpfen machen – und sie läuft Bertram in die Arme, der für zusätzliches Chaos sorgt, indem er sie nach allen Regeln der Kunst umwirbt. Als Els anonym per E-Mail bedroht wird, wendet sie sich verzweifelt an Bertram und bemerkt schnell, dass es scheinbar ein Fehler war, ihm zu vertrauen … Alle Bücher dieser Serie sind in sich abgeschlossen. Gefühlvolle Handlung. Explizite Szenen.

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Seitenzahl: 144

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Sammlungen



Dreiviertelvoll

Natalie Rabengut

Kurzgeschichte

Copyright: Natalie Rabengut, 2014, Deutschland.

Korrektorat: Claudia Heinen – http://sks-heinen.de

Cover: © Laima – adobe.stock.com

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

www.blackumbrellapublishing.com

Inhalt

Kapitel 1

Mail

Kapitel 2

Mail

Kapitel 3

Mail

Kapitel 4

Mail

Kapitel 5

Mail

Kapitel 6

Mail

Kapitel 7

Mail

Kapitel 8

Mail

Kapitel 9

Mail

Kapitel 10

Mail

Kapitel 11

Mail

Kapitel 12

Kapitel 13

Epilog

Über Natalie Rabengut

Kapitel 1

Els

Ulrich strich mir über die Hüfte, bevor er aufstand, um das Kondom wegzubringen. Wie immer nach dem Sex überlegte ich, ob ich jetzt rauchen wollte oder nicht. Dann fiel mir wieder ein, dass es ohnehin ein Nichtraucher-Zimmer war, und ich rollte mit den Augen.

Ich drehte mich auf den Rücken und betrachtete die teure Holzvertäfelung an der Decke. Für einen Moment gab ich mich der perfekten Illusion hin und lächelte zufrieden. Der Sex war gut gewesen, aber das war er immer – sonst hätte ich mich gar nicht darauf eingelassen.

Die Tür zum Badezimmer ging auf, Ulrich sah auf mich herunter. Seine Augen glitzerten schon wieder und er streckte die Hand aus. Doch ich zog das elfenbeinfarbene Laken hoch und schüttelte den Kopf. »Entschuldige, aber ich muss morgen früh raus. Wenn ich nicht in der nächsten Viertelstunde ein Taxi nehme, komme ich nicht rechtzeitig ins Bett.«

Bedauernd beugte er sich vor und gab mir einen Kuss auf die Stirn. »Das ist ärgerlich. Aber mein Wecker geht morgen auch um kurz vor fünf, damit ich den ICE bekomme. Ich hasse es, auf Reisen zu gehen.«

Statt einer Antwort lächelte ich nur unverbindlich. Er schlüpfte zu mir unter die Decke und streichelte meinen Nacken. Für einen letzten Moment schloss ich die Augen. »Sehen wir uns am 15., wenn ich wieder da bin?«

Das Datum weckte eine Erinnerung in meinem Kopf. »Da kann ich nicht«, seufzte ich. »Du weißt, wie die Weihnachtssaison ist, da bin ich schon verplant.«

»Ach ja, richtig.« Aufrichtiges Bedauern lag in seiner Stimme. Nach einem flüchtigen Kuss auf seinen Mund stand ich auf und suchte meine Kleidung zusammen. Die Schuhe lagen direkt vor der Zimmertür, mein Etuikleid vor dem Bett, aber weder die Unterwäsche noch meine Strümpfe waren irgendwo zu sehen. Ein schneller Blick unters Bett bestätigte meinen Verdacht und ich bückte mich, um nach der Wäsche zu fischen.

»Ich habe eine Idee«, eröffnete Ulrich mir und lächelte dabei anzüglich. Neugierig sah ich ihn an, bevor ich mich umdrehte, damit er meinen Reißverschluss zuzog. Das hätte ich auch selbst gekonnt, aber wo wäre da der Spaß geblieben?

»Du sollst dich nicht langweilen, während ich weg bin, und deswegen habe ich etwas für dich arrangiert.«

Er konnte mein Stirnrunzeln nicht sehen – ich war kein großer Freund von Überraschungen. »Und das wäre?«

»Speeddating«, sagte er schlicht, als wäre damit alles gesagt.

Mit hochgezogener Augenbraue drehte ich mich um. »Läuft dieses Gespräch zufällig darauf hinaus, dass du mich abservierst?«

Ulrich lachte und hob die Bettdecke an, zeigte mir seinen stolz erigierten Penis. »Ganz im Gegenteil. Es wäre einfach eine Schande, eine so begehrenswerte Frau wie dich nicht zu teilen.«

Stumm schloss ich das Armband meiner Uhr und stieg in die spitzen Pumps. »Aha.« Mehr fiel mir dazu nicht ein. Es klang irgendwie anrüchig.

»Vielleicht springt für dich noch ein gutes Editorial dabei raus.«

Gut, jetzt hatte er mein Interesse geweckt. Während ich meine Haare durchkämmte, sagte ich: »Sprich weiter.«

»Du weißt schon, die moderne Welt, die moderne Liebe und so weiter. Das ist wirklich eher dein Job. Viel wichtiger ist der Teil, in dem du mich danach anrufst und mir alles detailliert erzählst.« Sein Schwanz zuckte unter der Decke.

Mein Mantel hing über der Stuhllehne, die Tasche stand davor. »Du willst wirklich, dass ich mit einem anderen Mann schlafe und dir davon erzähle?«

Zufrieden nickte er. »Oh ja, das wäre wirklich sexy.«

»Darüber muss ich nachdenken«, erwiderte ich knapp, gab ihm einen letzten Kuss und verließ das Hotelzimmer.

Hallo mein Herz!

Ich hoffe, du denkst daran, dass du mir etwas von der Sonnenmilch schicken wolltest, die du mir letztes Mal so angepriesen hast. Es ist zwar noch etwas hin, bis man hier in Deutschland von Sommer sprechen kann, aber wer weiß, wie lange die Post braucht.

Geht es dir inzwischen besser? Ich kann immer noch nicht fassen, dass meine beste Redakteurin mich verlassen hat, um Koalas zu streicheln und sexy Surfer aufzureißen.

Nein, ich korrigiere mich: Den letzten Teil kann ich voll und ganz nachvollziehen.

Hier gibt es nicht viel Neues. Janine aus der Fotobearbeitung ist offenbar schwanger und wird Mitte nächsten Jahres in Mutterschutz gehen. Gert nervt mich immer noch in regelmäßigen Abständen mit den juristischen Belangen und ich könnte ihn jedes Mal erschlagen, wenn er sich auf meine Schreibtischkante hockt. Sandra hat jetzt die strikte Anweisung bekommen, ihn nicht mehr in mein Büro zu lassen.

Vielleicht besuche ich dich Anfang des neuen Jahres mal, Australien reizt mich schon. Aber wem mache ich etwas vor, als könnte ich einfach so Urlaub nehmen …

Dir noch eine schöne Zeit!

Ich vermisse dich,

Els

Mit einem letzten Stirnrunzeln schickte ich die Nachricht ab und machte mich an den Stapel Post, den der neue Praktikant mir soeben gebracht hatte. Claudia fehlte mir an allen Ecken und Enden, nicht nur in der Redaktion, auch die Cocktails nach Feierabend und die sonntäglichen Frühstücksrituale vermisste ich schmerzlich.

Aber ich konnte den Entschluss meiner besten Freundin nachvollziehen, ein Sabbatjahr zu nehmen. Bei ihr war es privat nicht allzu rund gelaufen, dann war ihr Vater überraschend gestorben und sie hatte ihre Trauer nicht bewältigt, sondern sich in der Arbeit vergraben. Der Burn-out folgte kurz darauf, und um wieder eine klare Perspektive zu gewinnen, hatte Claudia sich für den größtmöglichen räumlichen Abstand entschieden.

Seit drei Monaten war sie nun schon unterwegs und erfreute mich regelmäßig mit Bildern von ihr am Strand, mit ungewöhnlichen Tieren und gern auch heißen Surfern.

Ich liebte meinen Job, aber diese Fotos konnten schon eine gewisse Sehnsucht wecken. Seufzend öffnete ich die Briefumschläge. Das Übliche: Einladung über Einladung über Einladung.

Gern hätte ich behauptet, dass besonders die Vorweihnachtszeit zu den nervigsten in meiner Branche gehörte – doch die Wahrheit war, dass man als Chefredakteurin einer der größten deutschen Modezeitschriften nie Ruhe hatte. Immer wurde irgendwo ein Flagship-Store eröffnet, ein neuer, hipper Jungdesigner entdeckt, Vernissagen bewundert und Preise verliehen. Die Liste war endlos.

Routiniert teilte ich die Einladungen in die üblichen Kategorien auf: Auf keinen Fall – Pflicht – zweite Wahl, falls der Termin noch frei war.

Meine Sekretärin Sandra würde dann die Absagen und Zusagen verschicken. Manchmal gab es noch einen vierten Stapel, falls ich Stellvertreter hinschicken wollte. Doch dieses Mal war nichts dabei, wofür es sich gelohnt hätte. Außerdem hatte ich ein paar Mitarbeiterinnen, die sich sofort viel zu wichtig nahmen, wenn man sie zu einer solchen Veranstaltung schickte.

Claudia hatte ich immer problemlos als meine Vertreterin schicken können, aber das ging jetzt nur noch, wenn die Eröffnung zufällig in Sidney war. Wieder seufzte ich.

Gestern Nacht hatte ich nicht besonders gut geschlafen, weil ich über Ulrichs Vorschlag nachgedacht hatte. Als ich meinen Kalender auf den Bildschirm rief, sah ich gleich den neuen Vermerk, da ich mir das Datum des Speeddatings eingetragen hatte. Natürlich lautete die offizielle Beschreibung schlicht »privat«, aber ich hatte es vorsichtshalber notiert. Noch war ich mir nicht sicher, was ich überhaupt von der Idee halten sollte. Natürlich war es irgendwie ein prickelnder Gedanke, aber wie würde es sich in der Realität anfühlen? Dennoch wusste ich, dass ich mir den Termin freihalten würde. Es klopfte an der Tür, ich warf einen schnellen Blick auf die Uhr. Überrascht stellte ich fest, dass es bereits Zeit für das Mittagessen war. Wie jeden Donnerstag hatte die gesamte Redaktion Sushi bestellt.

»Herein.«

Zuerst sah ich nicht auf, da ich Platz auf meinem Schreibtisch schaffen musste. Als ich dann bemerkte, dass es gar nicht Sandra war, die mir das Sushi brachte, sondern Gert, unser Jurist für alle Fälle, der aber in der Buchhaltung arbeitete, hätte ich am liebsten den Kopf auf die Tischplatte knallen lassen.

»Gert. Was führt dich zu mir?«

Er grinste anbiedernd und reichte mir mit einer angedeuteten Verbeugung das kleine Tablett Sushi. »Ich war heute Morgen schon einmal da, aber Sandra sagte, du wärest in einer Konferenz. Als ich sie jetzt mit dem Sushi gesehen habe, dachte ich mir, dass ich die Gelegenheit ergreife und es dir persönlich bringe.«

Schön, dachte ich mir, aber du hast mir immer noch nicht verraten, was du eigentlich willst. Außer mir Zeit und Nerven rauben. Doch statt dies zu sagen, behielt ich mein professionelles Lächeln im Gesicht und nickte nur.

Wie jedes Mal hockte er sich auf meine Schreibtischkante und zerknitterte dabei einige der Einladungen. Wie oft hatte ich ihn jetzt schon gebeten, das nicht zu tun? Ich konnte es schon gar nicht mehr zählen.

Innerlich seufzend hob ich die transparente Plastikschale von meinem Mittagessen. Sporadisch lauschte ich seinem Small Talk und den schlechten Witzen. Claudia hatte recht, wenn sie mir immer wieder versicherte, dass ich zu nett war. Wenn es nicht direkt um berufliche Dinge ging, fiel es mir schwer, Leute vor den Kopf zu stoßen. Dabei war es vermutlich genau das, was Gert brauchte. Das – oder eine saftige Ohrfeige.

»Und was hast du gestern Abend so getrieben?«, fragte er jetzt und riss mich aus meinen Gedanken.

»Wie bitte?«

»Na, vielleicht bist du ja jetzt mal dazu gekommen, das Buch zu lesen, das ich dir geliehen habe.«

Den Roman hatte er mir eher aufgedrängt als geliehen. »Tut mir leid, ich habe es immer noch nicht geschafft. Du weißt ja, wie das ist.« Als würde es meine billige Entschuldigung untermauern, klopfte ich auf den Stapel Papiere, der sich bedenklich hoch neben meiner Tastatur auftürmte.

»Natürlich. Natürlich. Daran habe ich gar nicht gedacht, du liest den ganzen Tag, da hast du sicherlich nach Feierabend keine Lust mehr darauf. Zufällig läuft die Verfilmung gerade in dem kleinen Kunstkino in der Prinzenstraße. Sollen wir uns die vielleicht ansehen?«

Um Himmels willen, lieber würde ich erst das Buch lesen und danach dreimal zum Speeddating gehen. Mein Herz begann schneller zu schlagen, als ich nach der passenden Ausrede suchte. »Wann wäre das denn?« Verzweifelt schielte ich dabei auf den Monitor, wo mein Kalender gut sichtbar prangte.

Siegessicher grinste Gert. »Am 12., das ist ein Samstag.«

Herrje, das roch ja geradezu nach einem Date. Dann sah ich die Rettung. »Ach, das tut mir leid. Hier siehst du«, ich deutete auf den Bildschirm, wo am 12. der Vermerk privat zu lesen war. »Da ist eine Familienfeier. Wie schade.«

Ich war ehrlich erstaunt, wie leicht die Lüge mir von den Lippen ging und dass mich kein Blitz traf, als ich zusätzlich noch das »wie schade« anhängte. Damit war die Entscheidung gefallen, ich würde das Speeddating besuchen. Meine Bürotür flog auf und Sandra stand im Türrahmen. »Denkst du an den Termin mit den Fotografen?« Dabei sah sie vielsagend auf die große Uhr an der Wand meines Büros.

Ich hatte keinen Termin. »Aber natürlich. Danke, dass du mich daran erinnerst.«

Gert blieb nichts anderes mehr übrig, als sich zu verabschieden. »Na gut, dann bis zum nächsten Mal.«

»Ja, ich bringe dir das Buch mit.«

Mit einem gequälten Lächeln schlich er an Sandra vorbei, die sofort die Tür hinter ihm schloss. »Es tut mir so leid«, fing sie an, obwohl ich sofort abwehrend die Hände hob. »Er hat einfach dein Essen beim Lieferanten abgefangen. Ich glaube, er ist über beide Ohren in dich verknallt.«

Entsetzt schloss ich die Augen und rieb mir über den Nasenrücken. »Das hatte ich auch schon befürchtet. Können wir ihn irgendwie feuern?«

Sandra lachte leise, schüttelte aber den Kopf. »Sag ihm doch einfach, dass du kein Interesse hast. Oder such dir einen Mann, dann ist das Thema erledigt, du ewiger Single.«

»Ich weiß nicht. Es kommt mir so eingebildet vor, ihm einfach zu sagen, dass ich ihn als Mann nicht interessant finde. Vielleicht will er gar nichts von mir und ich blamiere mich auf die Knochen.«

Sie nickte energisch. »Genau, und nächstes Jahr kommt die Dauerwelle als großer Trend zurück, in Kombination mit den Jogginghosen von Adidas, die an der Seite geknöpft waren, und Buffalos.«

Gegen meinen Willen lachte ich. »Wenn er mir beschissene Arbeit abliefern würde, dann könnte ich ihn so zusammenstauchen, dass er gar keine Lust mehr hätte, mit mir zu reden, aber leider ist er ja keiner der Schreiberlinge. Ach Sandra, was mache ich nur?«

»Eine Selbstschussanlage in Höhe seines Kopfes an deiner Tür installieren. Mit meinen 1,50 Metern kann ich da bequem drunter herlaufen.« Mit einem Zwinkern verschwand sie aus meinem Büro.

Seufzend griff ich nach meinem Rotstift und dem Artikel über die neuesten Trends aus dem Bereich der kosmetischen Operationen. Der Appetit auf Sushi war mir erst einmal vergangen.

Mail

Liebste Chefredakteurin der Welt,

deine Gebete sind erhört worden. Ein ganzer Karton feinster australischer Produkte ist auf dem Weg zu dir – beziehungsweise zu Cherié, in der Hoffnung, dass er nicht am Zoll landet und beschlagnahmt wird. Das wäre eine Schande, das kann ich dir flüstern.

Aber keine Sorge, ich habe deinen Namen extragroß draufgeschrieben.

So. Wo fange ich an?

Willst du lieber, dass ich dich zusammenstauche, weil du diesem Vollpfosten von Juristen noch immer nicht verklickert hast, dass du ihn so sexy wie einen Telefonmast findest?

Oder soll ich von meiner heißen Nacht mit Cliff erzählen? Ich entscheide mich fürs Meckern: Du bist doch sonst nicht auf den Mund gefallen! Nur bei Männern kommt dieses höfliche Dauerlächeln. Ich verstehe das wirklich nicht. Scheuch ihn endlich weg und erzähl mir bitte nicht, dass du dich noch immer mit diesem Loser Ulrich triffst. Dass du ihn in den letzten E-Mails nicht erwähnt hast, hat mich doch neugierig gemacht.

Was findest du bloß an ihm? Oh, ich weiß: Du musst keine Verpflichtung eingehen. Tz, Els, also wirklich.

Die Idee mit dem Speeddating (noch mal: Was ist mit Ulrich los?), um neue Männer kennenzulernen, finde ich übrigens klasse. Mach das. Aber überstürz nichts – wer weiß, was für Typen da auflaufen. Das ist immerhin eine andere Liga, als sexy Surfer am Strand abzuschleppen. Womit wir wieder bei Cliff wären. Ein Wort: Bauchmuskeln.

Nenn mich oberflächlich, aber ich fürchte, nach den ganzen Leckerbissen hier werde ich nie wieder einen Mann ohne Sixpack daten können. Damit werde ich bis ans Ende meiner Tage mein Dasein im Fitnessstudio verbringen, um einen Mann mit Muckis und Gehirnmasse zu finden. Dramatischen Seufzer hier einfügen.

Herzchen, ich habe beschlossen, dir erst von Cliff zu erzählen (und ob es sich lohnt), wenn du Gert verklickert hast, dass er sich ans Ende der Welt verpissen kann. Nur bitte nicht mein Ende der Erde, die andere Seite wäre toll.

Dicker Kuss!

Kapitel 2

Bertram

Obwohl ich seit einer Dreiviertelstunde an der Bar saß und so wenig wie möglich geblinzelt hatte, war ich genauso schlau wie vorher.

Keine einzige Lady hier glich der Beschreibung, die ich von Jennifer erhalten hatte. Was für eine blöde Idee war es bitte, eine mögliche Informantin auf einer solchen Veranstaltung zu treffen? Speeddating. Wer hatte den Quatsch überhaupt erfunden?

In einer Viertelstunde würde es losgehen, und wenn ich die Dame vorher nicht zu Gesicht bekam, würde ich tatsächlich teilnehmen müssen. Wenigstens war es auf eine Zielgruppe über 35 Jahren ausgelegt, ich würde mich also nicht von Teenie zu Teenie hangeln müssen.

Ein Blick zum Barkeeper reichte, damit er mein Wasserglas auffüllte. Am liebsten hätte ich mich mit einem guten Weißwein betrunken, aber ich musste fit bleiben. Ein roter Mantel und blaue Stiefel sollten eigentlich aus der Menge hervorstechen, oder?

Dabei beobachtete ich die Hotelhalle schon die ganze Zeit. Es war zum Heulen. Und ich war auch noch gezwungen, die Leute hier zu betrachten. Wie viele scheinbar absolut kein Stilgefühl besaßen oder sich in absoluter Dunkelheit angezogen hatten, war einfach unglaublich.

Wieder betrat eine Frau die Hotelhalle, doch da sie keinen roten Mantel trug, sah ich sofort zurück zu meinem Wasserglas. Was für ein Reinfall.

Ein leiser Gong verkündete den Beginn der Veranstaltung und ich stand bedauernd vom Barhocker auf. Dem Keeper ließ ich ein stattliches Trinkgeld liegen, weil er gar nicht erst versucht hatte, mich in ein nutzloses Gespräch zu verwickeln. Eine hübsche junge Frau lächelte mich an und riss mein Ticket ab. Ich betrat den Raum und sah mich um. Kein roter Mantel, weder an einer der Frauen noch am Garderobenständer. Eigentlich konnte ich auch wieder gehen. Aber dann wäre Jennifer sauer – vielleicht verspätete die Informantin sich nur.

Mit einem Ohr lauschte ich der Erklärung, wie das Ganze nun funktionieren würde. Als ob das Konzept so schwierig war. Bei jedem Klingeln würde ich einen Tisch weiterrücken müssen, um sinnlose Unterhaltungen zu führen, während die Frauen entspannt sitzen bleiben durften.

Dazu bekamen wir kleine Notizblöcke, die bereits bedruckt waren. Auf einer Skala von 1 bis 10 sollten wir verschiedene Kategorien beurteilen. Die Notizen würden nach der Veranstaltung ausgewertet werden und schon würde ich die Frau fürs Leben gefunden haben.