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Patrick S. Nussbaumer schildert die Geschichte eines minderjährigen Opfers sexueller Gewalt in einem emotionalen All-Age Thriller. Ohnmächtig wird der Leser gezwungen, mit anzusehen, wie die junge Sabrina an ihren Problemen allmählich zerbricht. Ein ruhiger, aber keinesfalls harmloser Thriller.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
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Patrick S. Nussbaumer
Veröffentlicht bei Flying Grandpa, Zürich, November 2015
eBook Copyright © 2018 by Flying Grandpa, Zürich
Lektorat: Monika Stucki
Umschlaggestaltung: Flying Grandpa, Frédéric Proyer
E-Book: typo.lab, Manuela Surateau
ISBN gedruckte Ausgabe: 978-3-033-05302-1
ISBN E-Book: 978-3-033-06520-8
Dieses E-Book ist urheberrechtlich geschützt.
Sabrina erwachte vom nervtötenden Klingeln ihres Weckers. Draußen war es noch dunkel. Wieder einmal lag Chur an diesem Novembermorgen unter einer dicken Nebelschicht verborgen, darüber jedoch sah man die ersten rötlichen Sonnenstrahlen im Westen die Berggipfel berühren. Sabrina würde ihren Wecker am liebsten an die Wand schmeißen. Sie drehte sich um und schloss für eine Sekunde ihre Augen. Das Gesicht ihres Schulkollegen Oliver starrte sie zornig an. Er brüllte sie an. Sofort riss Sabrina ihre Augen wieder auf. Ihr Herz raste. Was war das denn? Hatte sie etwas falsch gemacht? Sie hatte Oliver noch nie so wütend erlebt. Auf ihre Unterarme gestützt, stemmte sie sich ein wenig in ihrem Bett hoch, nur um erschöpft wieder zurück zu sinken. Oliver war der beste Freund von Simon. Gemeinsam besuchten die drei dieselbe Klasse an der Oberstufe im Quaderschulhaus in Chur. Sabrina mochte Oliver sehr, auch wenn er einen manchmal echt auf die Palme bringen konnte. So zum Beispiel erzählt er im Moment jedem, der es hören will, wie toll doch seine Eltern seien und wie viel Taschengeld er bekäme und so weiter. Sabrina mochte schon gar nicht mehr hinhören. Aber diese Wut? Sabrinas Herz pochte noch immer wie wild.
«Beruhige dich Sabrina! Es war nur ein Traum!», sprach Sabrina leise zu sich.
Sie atmete ein paar Mal tief ein, bevor sie sich langsam in ihrem noch warmen Bett aufsetzte und die Bettdecke zurückschlug.
Auf ihrem Nachttisch lag der erste Teil ihrer aktuellen Lieblingsgeschichte. Der Titel des Buches lautete «Schrei der Einsamkeit» und handelte von einem jungen Musiker, der, obwohl im Showbusiness erfolgreich, durch äußere Umstände tief gefallen war. Sie hatte das Buch gestern am späten Abend noch fertig gelesen. Nun hieß es auf die Fortsetzung zu warten.
Schließlich stand sie auf und stellte das Buch zurück in ihr Bücherregal. «Verfluchte Schule! Ich könnte noch Stunden weiterschlafen. Warum muss die Schule auch immer so früh beginnen?», dachte Sabrina.
Sie wusste nicht, ob es der Nebel, die Jahreszeit oder einfach das lange Aufbleiben war, aber in letzter Zeit fühlte sie sich sehr träge und schlapp. Sie gähnte laut. Dabei war sie sogar noch zu müde, um sich die Hand vor den Mund zu halten. Sie reckte sich so, dass unter ihrem Pyjama ihr Bauchnabel zu sehen war. Als sie dies in der Spiegelung ihres Schlafzimmerfensters sah, wich sie sofort zurück. Sie wollte nicht, dass jemand anderes ihren Bauch sah, außer Simon. Ihr Simon. Jedes Mal, wenn sie an ihn dachte, durchströmte sie eine unbeschreibliche Wärme. Sie liebte es, wenn er ihr zärtlich um den Bauchnabel strich und ihr daraufhin einen Kuss auf den Bauch gab, der so wahnsinnig kitzelte und trotzdem unendlich schön war. Dass ihre Liebe bald auf eine harte Probe gestellt werden würde, wusste Sabrina zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Sabrina sah auf ihre Uhr. Vergangenes Jahr besuchte ihr Vater, zusammen mit ein paar damaligen Arbeitskollegen, eine Uhrenfabrik im Kanton Neuenburg. Als er von diesem Besuch zurückkam, hatte er ein kleines Paket im Gepäck, doch erst an ihrem 14. Geburtstag durfte sie es endlich öffnen. Drinnen lag eine kleine Damenuhr aus Gold mit einem tiefblauen Ziffernblatt. Sabrina verliebte sich augenblicklich in die Uhr. Doch jetzt erschrak sie bei ihrem Anblick fürchterlich. Nicht nur, dass sie ungefähr eine Viertelstunde zu spät aufgestanden war, nein, jetzt hatte sie auch noch getrödelt! In 15 Minuten fuhr ihr Bus. Sie rannte sofort aus ihrem Zimmer und die Wendeltreppe hinunter, bei der sie stets aufpassen musste, dass sie nicht hinflog und die Treppe hinunterstürzte.
Als kleines Mädchen war ihr das mal passiert. Zum Glück hatte sie damals noch Milchzähne, sonst würden ihr heute zwei obere Schneidezähne fehlen.
Als sie am Ende der Treppe angekommen war, sah sie schon von Weitem auf dem Tisch eine Notiz und, was sie ein wenig erstaunte, einen weißen Umschlag liegen. Doch jetzt hatte sie wirklich keine Zeit um sich über Dinge, wie einen Umschlag zu wundern. In Windeseile kam sie, gewaschen, gekämmt und erstaunlicherweise perfekt geschminkt, aus dem Bad herausgeeilt. Rannte wieder in ihr Zimmer und zog sich die Kleider an, die sie zum Glück schon am Abend zuvor bereitgelegt hatte. Rasch strich sie sich noch eine Scheibe Brot für den Schulweg.
Der Notiz und dem weißen Umschlag schenkte sie keine weitere Beachtung. Wie die Notiz sinngemäß lauten würde, wusste sie ohnehin schon. Ihre Eltern hatten es im März endlich geschafft, ihre eigene Anwaltskanzlei zu eröffnen. Das musste natürlich gefeiert werden und so beschlossen sie, dem grauen Novemberwetter auf den Malediven zu entfliehen. Sabrinas Mutter hatte anfangs Bedenken, ob sie ihre Kleine wirklich so lange alleine lassen könne. Erst nachdem sich die Eltern von Simon bereit erklärt hatten, bei Problemen selbstverständlich für Sabrina da zu sein, war die Reise schnell gebucht. Somit hatte Sabrina die nächsten drei Wochen sturmfrei. Am 30. November, genau rechtzeitig zu ihrem Geburtstag, kamen sie wieder zurück. Sie hatten ihr versprochen, etwas mitzubringen. Sabrina freute sich auf diesen Geburtstag, da auch sie endlich 15 wurde, wie ihre beiden besten Freunde Simon und Oliver.
Was allerdings in diesem weißen Umschlag war, konnte sie sich nicht vorstellen. Er war nicht beschriftet. Sie hatte jetzt aber echt keine Zeit mehr, auch nur einen Blick zu riskieren. Draußen war es schweinekalt. Sie hatte noch genau zwei-einhalb Minuten, um den Bus zu erwischen. Also begann sie zu rennen. So schnell, dass sie um sich herum nichts mehr wahrnahm. Sie bemerkte nicht einmal den seltsamen Mann im Nadelstreifenanzug, der ihr von der Hausecke gegenüber nachstarrte.
Geistesabwesend zog dieser Nadelstreifenmann sein iPhone hervor. Wie vom Donner gerührt fuhr er mit seinem Finger vom unteren linken Rand bis zum unteren rechten. Er hörte in der feuchten Stille das Klick-Geräusch, als sich die Tastensperre löste. Aufgewühlt ging er die Anrufliste durch, bis er die Nummer fand, die er genau jetzt brauchte. Er atmete noch einmal tief durch und tippte auf die Nummer.
«Ja hallo … Ähm … Also die Häuser hier …»
«Ich habe dir doch gesagt, du sollst mich nicht anrufen! Spinnst du?! Und wo bleibt die DVD? Es war abgemacht, dass ich sie heute im Kasten hab.»
«Sie ist im Kasten.»
«Hä?!»
«Naja, bloß im Falschen.»
«Du Vollidiot!»
«Tschuldigung, ich sag ja, die Häuser hier …»
«Ich will deine erbärmlichen Erklärungen nicht hören! BRING MIR EINFACH DIESE VERDAMMTE DVD!»
«Aber … Aufgelegt, scheiße!»
Er hätte sich ohrfeigen können. Diesen Auftraggeber hatte er ganz bestimmt verloren, dabei war er einer seiner treusten Abnehmer. Als er so schockiert da stand, gärte in ihm eine Idee: Er könnte doch einfach den weißen Umschlag wieder aus dem Briefkasten fischen. Guter Plan! Blöd nur, dass die Briefkästen aller Häuser dieser Straße direkt neben der Haustüre angebracht waren. Das bedeutete, er musste erneut das Grundstück betreten und ganz nah ans Haus ran.
Bemüht, möglichst unauffällig zu wirken, schlurfte der Nadelstreifenmann über die Straße in Richtung des Vorgartens. Das Gartentor quietschte, als er es aufschob. Er hielt kurz inne. Um sich schauend betrat er den schmalen Kiesweg. Der Weg zum Briefkasten kam ihm unendlich lang vor. Der Kies knirschte ohrenbetäubend. Auf den Seiten standen verblühte Rosensträucher und sonstiges Grünzeugs, das er nicht kannte. Als er dann endlich vor dem Kasten stand, musste er erst einmal eine Pause einlegen um zur Puste zu kommen.
«Mensch, reiß dich zusammen!», schimpfte er mit sich.
Er riss sich zusammen. Es konnte doch nicht so schwer sein, den weißen Umschlag wieder herauszufischen. Gerade wollte er nach der Klappe des Briefschlitzes greifen, als eine innere Stimme «Stopp» rief. Es war nicht etwa so, dass er die Aufschrift «Stopp! Bitte keine Werbung» innerlich gelesen hätte, nein, er musste sich selbst ermahnen, keine Spuren zu hinterlassen. So griff er rasch nach seinen Lederhandschuhen und streifte sich diese über. Dann tastete er den Kasteninhalt ab. Nichts! Er zog seine Hand heraus und spähte durch den schmalen Spalt ins Dunkel hinein. Nichts war zu sehen.
«Verdammte Scheiße!», fluchte er laut. Sofort blickte er wieder um sich. Es schien ihn niemand zu beobachten.
Dieser verdammte Briefkasten konnte doch unmöglich schon geleert worden sein. Er hatte seine Position auf der gegenüberliegenden Straßenseite nie verlassen. Und die einzigen Menschen, die das Haus verlassen hatten, hatten keine Anstalten gemacht die Post zu holen. Doch der Kasten war eindeutig leer. Erneut fiel ihm das Atmen schwer und er spürte, wie er ins Schwitzen geriet. Hatte er sich erneut im Haus geirrt? Diese scheiß Reihenhäuser! Nein, es war bestimmt dieses Haus gewesen. Wütend schlug er mit der Faust auf den Kasten. In dem Moment, als seine Faust auf das Metall traf, hörte er im Innern etwas scheppern. Er riss die Klappe des Briefschlitzes auf. Der Innenraum war nun nicht mehr dunkel und er konnte deutlich erkennen, dass er leer war.
Die Erkenntnis traf ihn wie ein Faustschlag. Dieser verfluchte Kasten konnte von Innen geleert werden. Er wusste in dem Moment nicht, was er mehr hasste, sich selbst für seinen Fehler oder die Bequemlichkeit dieser Leute. Er musste seiner Wut irgendwie Luft machen, doch er durfte keine Aufmerksamkeit auf sich lenken. So biss er sich auf seine Zunge. Der Schmerz ließ ihn einen Moment lang seine Wut vergessen, und erlaubte es ihm wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Wenn der weiße Umschlag schon im Haus war, gab es für ihn vorerst keine Möglichkeit mehr, ihn innert nützlicher Frist zurückzuholen. Und ein Einbruch am helllichten Tag war zu riskant. Er war überhaupt erstaunt, dass in dieser Gegend noch keiner auf ihn aufmerksam geworden war. Es gab nur noch eine Möglichkeit. Erneut zückte er sein iPhone und drückte die Wahlwiederholung.
Sabrina war in der Zwischenzeit, nichts ahnend ob dieser Ereignisse bei ihr zu Hause, auf dem Schulhof angekommen. Dieser war schon voller Schüler, die sich unterhielten und dabei lautstark überlegten, auf welche Party sie an diesem Wochenende gehen sollten. Oder wer wohl die schrägste Insta-Story gepostet habe.
Als Sabrina ihren Blick über die Schüler gleiten ließ, auf der Suche nach Simon und Oliver, überkam sie eine Betrübtheit, die sie bis jetzt kaum kannte. Sie musste sich sogar darauf konzentrieren, ihre Tränen zurückzuhalten. Was war nur mit ihr los? Sie versuchte sich abzulenken, indem sie ihre Mitschüler beobachtete, doch diese waren alle so in ihre Gespräche vertieft, dass sie Sabrina keines Blickes würdigten. So stand sie nun hier, inmitten des Schulhofes und erblickte um sich herum lauter kleine Gruppen aus fröhlich schwatzenden Schülern. Auf einmal fühlte sich Sabrina schrecklich alleine. Wo waren bloß Simon und Oliver? Unwillkürlich schweiften Sabrinas Gedanken zu ihren Eltern ab. Sie hatte heute morgen keine Gelegenheit mehr gehabt, ihre Eltern zu verabschieden. Nun waren sie fort und sie alleine. Toll! Nein, es war nicht toll. Sie konnte sich nicht selbst belügen. Sie war noch nie die Person gewesen, die viele Freunde hatte und mit jedem gut auskam. Viel wichtiger waren ihr die Familie und die wenigen, aber festen Freundschaften. Sie konnte Einsamkeit nicht ausstehen.
Vor einem Jahr wäre es noch kaum vorstellbar gewesen, dass ihre Eltern sie drei Wochen alleine ließen. Damals, als sie noch ausflippten, wenn sie nicht rechtzeitig zum Abendbrot zu Hause war. Doch nun dachten ihre Eltern offensichtlich, dass ihre Tochter alt genug sei. Dass sie schon eine junge Frau sei. Sie wurde inzwischen fast wie eine Erwachsene behandelt.
Sabrina hatte Angst. Sie konnte sich ein Leben ohne ihre Eltern nicht vorstellen. Zu sehr brauchte sie ihre Mutter noch. Natürlich zeigte sie dies nicht immer, aber ihre Eltern waren für Sabrina das Wichtigste. Doch mit wem konnte sie ihre Gefühle schon teilen? Mit Simon? Oder Oliver? Die beiden Jungs würden sie doch nur schräg anschauen und fragen, ob sie noch alle Tassen im Schrank habe. Die beiden wollten nichts lieber, als so schnell wie möglich erwachsen zu werden. Und Sabrina? Sie wünschte sich, dass sie die Uhr zurückdrehen könnte zu der Zeit, als sie noch völlig unbeschwert und ohne solch trübe Gedanken lebte. Ihr sehnlichster Wunsch war schlicht wieder mal Räuber und Gendarm spielen zu können. Oder einfach wieder mal grundlos drauflos zu lachen. Es war so selten geworden, dass sie gemeinsam so lachen konnten.
Sabrina war der Überzeugung, dass sie mit ihren Gefühlen nicht normal war. Sie schämte sich dafür. Doch sie konnte nicht anders. Sie kam einfach nicht mit der Tatsache zurecht, erwachsen zu werden.
Rasch wischte sie sich eine Träne aus den Augen, als sie die beiden anderen endlich in einer Ecke des Schulhofes erspähte.
Sabrina hatte das Gefühl aus der Entfernung zu erkennen, dass die beiden ebenfalls betrübt beisammenstanden. Doch was hätten die beiden schon für einen Grund?
Als Sabrina näher kam und die zwei mit einem aufgesetzten Lächeln begrüßen wollte, gefror ihr Lächeln augenblicklich. Es war keine Illusion gewesen. Der sonst so fröhliche Oliver, der immer für einen Scherz gut war, lehnte deprimiert an der schmutzigen Schulhauswand.
«Hallo», sagte Oliver ohne aufzusehen.
Was war denn mit Oliver los? Gestern hatte er noch groß erzählt, was er nun alles machen dürfe und dass er hoffe, seine Eltern würden ihre Meinung nicht plötzlich wieder ändern. Und jetzt hängte er da rum wie eine Spaßbremse und Simon, die Hände in den Hosentaschen, daneben.
«Hey zusammen.»
Sabrina gab Simon nur einen flüchtigen Kuss. Er erwiderte ihre vorsichtige Begrüßung mit einer sanften Berührung.
«Was ist denn heute mit euch los? Oliver?», fragte Sabrina immer noch vorsichtig, doch nun auch ein wenig neugierig.
«Meine … meine Eltern!», gab Oliver knapp als Antwort.
Sabrina schaute nun fragend drein und bohrte nach.
«Was ist denn mit deinen Eltern? Musst du nun doch um Zehn ins Bett?»
«Nein, verdammt! Ich glaube, sie lassen sich scheiden!», erwiderte Oliver, wütend über Sabrinas Sarkasmus.
Sabrina sah betroffen und fragend Simon an. Er zuckte nur mit den Schultern. Sabrina versuchte sachlich zu bleiben und fragte nochmal behutsam nach:
«Warum sagst du das? Wie kommst du darauf?»
«Weil sie sich jeden Abend streiten, wenn ich nach Hause komme, und sich fast die Köpfe einschlagen! Reicht das?»
Sabrina erwiderte nur ganz perplex:
«Ja, doch, das ist eindeutig ein Argument.»
«Und jetzt sind sie doch auch noch tatsächlich auf die beschissene Idee gekommen, am Samstag mit dem Fahrrad das Rheintal hochzufahren. Dabei sollten sie doch wissen, dass ich Fahrradfahren hasse! Erst recht bei dieser Saukälte!»
«Aber vielleicht …»
Oliver fiel Sabrina ins Wort.
«Sie werden sich ganz bestimmt nicht mehr versöhnen, Sabrina, diese Ehe ist im Eimer. Wie soll eine Beziehung, die anscheinend schon von Beginn an keine richtige war, auf einmal wieder funktionieren? Meine Mutter ist bereits am Rande eines Nervenzusammenbruchs und mein Vater schert sich einen Dreck darum. Wie pervers ist das denn? Und jeden Tag immer nur Streit! Die können nicht einmal mehr miteinander in normalem Ton reden.»
Sabrina schwieg einen Moment. Sie musste überlegen, was sie nun sagen sollte. Sie hatte eigentlich genügend eigene Probleme. Oder waren die im Vergleich zu Oliver nur Kleinigkeiten? Freunde waren doch für die gegenseitige Unterstützung da? Wobei Sabrina diese gegenseitige Unterstützung im letzten Jahr je länger je weniger wahrgenommen hatte. Es war traurig, aber wahr. Ihre Freundschaft wurde durch die eigenen ganz persönlichen Probleme hart auf die Probe gestellt.
«Musst du denn wirklich mit auf die Radtour?»
Das war echt die dümmste Frage, die sie hatte stellen können.
«Natürlich, was denkst du denn? Sie wollen mich doch als Bindeglied zwischen ihnen missbrauchen. Für das wurde ich wahrscheinlich gezeugt, nur um einen Vorwand zu haben, sich nicht schon vor fünfzehn Jahren zu trennen.»
«Aber Oliver, das meinst du doch nicht im Ernst?!»
Sabrinas Entsetzen über Olivers Gedanken war ihr anzuhören.
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