Du kriegst ihn nicht - Aylin Hoffmann - E-Book

Du kriegst ihn nicht E-Book

Aylin Hoffmann

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Beschreibung

"Was sind wir eigentlich noch?" Es war diese Frage, die ich meinem Freund in einer WhatsApp-Sprachnachricht stellte, die den Stein ins Rollen brachte... Sie hat ein ungutes Gefühl, irgendwas steht zwischen ihr und ihrem Freund. Was kann das nur sein? Doch nicht etwa eine andere Frau? Sie ist sich sicher, dass ihr Freund sie niemals betrügen würde, doch als sie einen Chatverlauf liest, gerät ihr Weltbild ins Wanken … Was harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer rasanten Achterbahnfahrt der Gefühle. Und irgendjemand will einfach nicht loslassen.

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Seitenzahl: 129

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Aylin Hoffmann

Du kriegst ihn nicht

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1: 02. Oktober 

Kapitel 2: 10. Oktober 

Kapitel 3: 11. Oktober 

Kapitel 4: 16. Oktober 

Kapitel 5: 17. Oktober mittags

Kapitel 6: 17. Oktober abends 

Kapitel 7: 23. Dezember 

Kapitel 8: 20. Januar

Kapitel 9: 23. Januar

Kapitel 10: 17. Februar

Kapitel 11: 19. Februar

Kapitel 12: 20. Februar morgens 

Kapitel 13: 20. Februar nachts 

Kapitel 14: 15. März

Kapitel 15: 27. April 

Kapitel 16: 01. Mai

Kapitel 17: 26. Juli 

Danksagung

Impressum neobooks

Kapitel 1: 02. Oktober 

Diese Geschichte schrieb das Leben.

Was davon Realität ist und was Fiktion, überlasse ich der Fantasie.

„Was sind wir eigentlich noch?” 

Es war diese Frage, die ich meinem Freund in einer WhatsApp-Sprachnachricht stellte, die den Stein ins Rollen brachte. 

Ich war beruflich seit 2 Uhr in der Nacht unterwegs und hatte von insgesamt 900 km an diesem Tag noch 300 km vor mir. Vielleicht war es die Mischung aus Übermüdung, Stress und dem Erlebten am Abend vorher, die mich dazu veranlasste, die Frage zu stellen. Nicht persönlich und von Angesicht zu Angesicht, wie sich das eigentlich gehört, sondern übers Handy und einen Messenger-Dienst, bei dem man nicht weiß, wer mithören kann. Doch es fühlte sich in diesem Moment richtig an. 

Ich musste diese Frage loswerden. Ich wollte eine Antwort. Genau jetzt. Ich musste wissen, ob meine Beziehung zu meinem Freund noch eine Partnerschaft war oder eine reine Zweckgemeinschaft. Ich hatte schon geraume Zeit ein komisches Gefühl, was meine Beziehung anging. Woher das rührte, konnte ich nicht genau sagen. Mein Freund war herzlich wie immer, machte mir Geschenke und war … “normal”. Aber etwas in mir glaubte ihm nicht. 

Trotzdem hatte ich mich eine Weile zurückgehalten und gedacht, es läge an mir, dass sich das zwischen uns komisch (oder anders?) anfühlte. Mein Leben war zu diesem Zeitpunkt alles andere als ruhig, aber ich hatte mir das bewusst ausgesucht - mehr oder weniger zumindest.  Früh aufstehen, zum Stall, Pferde füttern, ab ins Büro, den ganzen Tag arbeiten, nach Feierabend weiter zu meinen Kunden, Unterricht geben, eigene Pferde versorgen, nach Hause - nebenberuflich weiterarbeiten und für meinen Freund da sein. Schlafen. Ich wünschte mir mehr als einmal, dass meine Tage mehr als 24 Stunden hätten und meine Freunde fragten mich oft, wie ich das alles unter einen Hut bringen würde. Was mich dieser Lebensstil kostete, würde ich erst später erfahren. 

Ich spürte jedoch schon jetzt, dass ich ausgebrannt und ausgelaugt war. Die 900km-Tour, für die ich mich gemeldet hatte, machte mir insgeheim Angst. Ich hatte Angst zu scheitern, obwohl ich es mir selbst ausgesucht hatte, die Strecke für meinen Kunden ganz allein mit meinem Auto zu fahren. 

Genau wegen dieser Angst suchte ich am Abend vorher Schutz und Zustimmung bei meinem Freund. Da ich um 2 Uhr in der Nacht losfahren musste, um den Bestimmungsort 16 Stunden später zu erreichen, bat ich ihn, sich mit mir ins Bett zu legen. Er sollte mich in den Arm nehmen, mir Kraft spenden und ein gutes Gefühl geben. Zuspruch, das war es, was ich mir wünschte. Doch mein Freund verstand das nicht. Er legte sich zu mir ins Bett und … fragte mich, ob es mir was ausmachen würde, wenn er sich den Fernseher anmache. Er wolle schließlich nicht einschlafen. 

Das brachte mein Fass zum Überlaufen. Ich fauchte wie eine Furie, dass es mir sehr wohl etwas ausmachen würde, wenn der Fernseher lief, schmiss ihn aus dem Bett (und aus dem Schlafzimmer) und rollte mich zum Schlafen ein. Ängstlich und allein. 

„Was sind wir eigentlich noch?”, hallte die Frage in meinen Ohren nach. Ungeduldig starrte ich mein Handy-Display an. Was er mir wohl antworten würde? Ich trommelte mit den Fingern auf dem Lenkrad und drehte die Musik etwas lauter. Meine innere Unruhe wurde allerdings nur schlimmer statt besser und ich beschloss, eine kurze Pause auf einem Rastplatz einzulegen. Kurz frische Luft schnappen, um mich etwas zu beruhigen. 

Nur Murphy schien mich mal wieder zu begleiten. Nach Murphys Gesetz wird alles, was schief gehen kann, auch schief gehen. In meinem Fall bedeutete das, dass ich mir zwar eigentlich auf einem Rastplatz die Beine vertreten wollte, Murphys Gesetz aber dafür sorgte, dass in den nächsten Kilometern kein Parkplatz weit und breit kommen würde. So fuhr ich Kilometer für Kilometer, ohne eine Pause einlegen zu können.  

Ich biss mir auf die Lippe, fluchte kurz und hörte dann mein Handy. Mein Blick glitt sofort auf das Display in der Autohalterung. Ich wurde nicht enttäuscht. Es war eine Sprachnachricht meines Freundes. Siri und der Sprachsteuerung meines Handys sei Dank konnte ich die Nachricht sofort öffnen und abspielen. Sie war knapp 3 Minuten lang und er wollte wissen, warum ich diese Frage stellte. Wie wichtig ich ihm sei. Dass er sich ein Leben ohne mich nicht mehr vorstellen könne. Dass er darüber gar nicht lange nachdenken müsse. 

Angestrengt lauschte ich seinen Worten, seiner warmen, freundlichen Stimme. Als diese verstummte, war ich … beruhigt? Nein. Denn die Zweifel in mir wuchsen unerbittlich weiter. Wenn ich ihm so wichtig war, warum konnte er gestern nicht für mich da sein, obwohl ich ihn so dringend brauchte? Unzufrieden mit mir selbst schickte ich ihm meine Antwort, in der ich ihn bat, übers Wochenende trotzdem noch einmal über uns und unsere Beziehung nachzudenken. Nach meiner Rückkehr am Dienstag könnten wir in Ruhe darüber sprechen. Mit mir selbst unzufrieden, wünschte ihm viel Spaß auf seiner Freizeit-Tour und konzentrierte mich wieder darauf, in voller Lautstärke Disney-Lieder mitzusingen, um die Müdigkeit zu überwinden. 

Kapitel 2: 10. Oktober 

Mein Freund putzte das Bad voller Hingabe. Statt mich darüber zu freuen, dass er diese Aufgabe übernahm und mir das Putzen erspart blieb, keimten schon wieder Zweifel in mir auf.

Warum zur Hölle putzt er so gründlich das Bad? 

Etwas, das er sonst nie tat. Ich hingegen lag faul auf der Couch und beschäftigte mich mit Netflix, wollte wenigstens für kurze Zeit meinen eigenen Stress vergessen. Ganz gemütlich binge watchen, also eine Folge nach der anderen ohne Pause anschauen. 

Aber es gelang mir nicht, mich auf die Serie einzulassen. Der Laptop meines Freundes stand offen auf dem Esszimmertisch. WhatsApp-Web war geöffnet. Es juckte mir in den Fingern. Ich wusste, es stand mir nicht zu die Chatverläufe durchzulesen. Doch der Teufel in mir gewann und ich schlich mich von der Couch ins Esszimmer. Fast geräuschlos setzte ich mich auf den Stuhl vor dem Laptop, zog ihn zu mir und begann zu lesen. 

Mein Freund war schon immer ein Casanova. Er zog die Frauen beinahe magisch an, verzauberte sie mit seinem Charme und vergnügte sich mit ihnen. Den Spitznamen „Magic Mike” hatte er schon von seinen Freunden bekommen, bevor der gleichnamige Film die Herzen der Frauen im Sturm eroberte. Nun war mein Freund optisch kein Channing Tatum und konnte sich nicht so bewegen, doch er hinterließ bei jeder Frau - egal, ob er mit ihr ins Bett stieg oder nicht - einen bleibenden „Magic”-Eindruck. 

Wir beide lernten uns in einem großen, deutschen Freizeitpark kennen. Er arbeitete, ich arbeitete, er war ein Frauenheld, ich in einer Beziehung. Da ich jedoch der Auffassung bin, dass man als Frau männliche Freunde haben kann und umgekehrt genauso, freute ich mich ganz unverfänglich, seine Bekanntschaft zu machen. Wir verstanden uns auf Anhieb und schickten uns ziemlich viele Sprachnachrichten hin und her, denn durch mich nahm er dieses praktische Tool überhaupt erst wahr. Als mich mein Ex-Freund ein paar Monate später verließ, nachdem er mich betrogen hatte, war mein Freund für mich da und begleitete mich durch das bis dato für mich dunkelste Jahr meines Lebens. 

Mein Ex-Freund war zum damaligen Zeitpunkt mein Ein und Alles gewesen. Mit ihm plante ich meine Zukunft, träumte von unserer Hochzeit und wünschte mir Kinder. In meiner naiv-romantischen Vorstellung war das die perfekte Beziehung, die ich bis an mein Lebensende führen wollte. Mein Ex trug mich auf Händen. Ich war seine Prinzessin und er mein Prinz. Das weiße Pferd hatten wir passenderweise auch schon und der Umzug zu ihm nach mehreren Jahren der Fernbeziehung stand kurz bevor. Eigentlich. Bis eine andere Frau in sein Leben trat und er, als gutmütiger Teddy-Bär, seine eigentlichen Prinzipien über den Haufen warf. 

Das tat weh und ließ mich tief fallen. Mit Ach und Krach schaffte ich es durch meinen Bachelor, verlor durch die Trennung gute Freunde und zoffte mich mit meiner Familie. Und ich tat etwas, das ich eigentlich, seit ich in meiner Jugend damit aufgehört hatte, nie mehr in meinem Leben machen wollte - ich begann mich zu ritzen. Vor lauter psychischem Ballast wusste ich nicht, wohin mit meinen Emotionen. Statt sie zu fühlen, sorgte ich durch physische Schmerzen für ein Ventil nach draußen, um gleichzeitig meine Gefühle tief in mir zu vergraben. Zusätzlich kamen Panikattacken am Arbeitsplatz, mit denen ich irgendwie alleine klarkommen musste, denn mein Chef glaubte mir die Zusammenbrüche nicht. Da ich grundsätzlich Stärke und Selbstbewusstsein ausstrahle, tat er mein Hyperventilieren als Schauspielerei mit dem Drang nach Aufmerksamkeit ab.

In all dieser Zeit war mein Freund für mich als guter Gesprächspartner da. Er vergnügte sich natürlich weiterhin mit anderen Frauen, so wie ich mich mit anderen Männern vergnügte. Doch ich wusste, dass ich jederzeit mit ihm reden konnte und er mir wieder auf die Beine helfen würde. Das war letztlich der Grund, weshalb ich nach meinem Studium zu ihm in die Gegend zog. 

Ich begann am Esszimmertisch zu zittern, je mehr Nachrichten ich las, je weiter ich im Chatverlauf in die Vergangenheit scrollte. Mein Herz bebte und ich konnte und wollte das nicht glauben. Sie schrieb ihm, wie wichtig er ihr sei. Dass sie ohne ihn nicht mehr leben könne. Und er antwortete ihr dasselbe. In ihrem Chat gab es nur sie beide. Gemeinsam in ihrer eigenen Welt. Kein Wort über mich oder ihren Mann. Stattdessen die Freude, dass die beiden sich am nächsten Wochenende endlich wiedersehen würden. 

Ich atmete tief durch, stand zitternd vom Stuhl auf und lief zum Bad. In der Badezimmertür blieb ich stehen und sah meinen Freund an, der gerade die Waschmaschine mit einem feuchten Tuch abwischte. Er blickte zu mir auf, lächelte mich an und stoppte in der Wisch-Bewegung. 

„Was hat es mir IHR auf sich?!”, fragte ich langsam und gepresst. Um mich herum begann sich alles zu drehen, ich zitterte, mir war eiskalt und gleichzeitig viel zu warm und ich hatte das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Mein inneres Alarmzentrum meldete mir Panikattacke und ich versuchte irgendwie, ruhig zu atmen. Aber es war vergebens. 

Mein Freund stand langsam auf, ließ den Lappen sinken und erwiderte schulterzuckend, „was soll mit ihr sein?”

„Ich habe eure WhatsApp-Nachrichten gelesen.” 

Er kam auf mich zu und wollte mich in den Arm nehmen, doch ich wich zurück. „Da ist nichts.” 

„Betrügst du mich mit ihr?” 

Ich konnte ihn nicht länger anschauen. Bevor ich hyperventilieren würde, beschloss ich, mich auf die Couch zu setzen und mich unter meiner Lieblingsdecke zu verkriechen. Er folgte mir und setzte sich daneben. „Das ist nicht so, wie es aussieht.” 

„Aha, was ist es denn dann? Erklär es mir.” 

Er seufzte, räusperte sich und begann zu erklären. Das alles sei ein Missverständnis. Sie sei zu einer sehr guten Freundin geworden, mit der er sich einfach über alles unterhalten könne. So müsse er nicht mich mit seelischem Ballast versorgen, da ich selbst genügend um die Ohren hätte. Sie sei krebskrank und bräuchte einen guten Freund an ihrer Seite, der ihr aufhelfe. Denn ihr Mann könne das nicht und ihre Freundinnen genauso wenig. Auf meine Frage hin, warum er mir davon nicht früher erzählt habe, antwortete er, dass er mit genau dieser Reaktion von mir gerechnet hätte. Dass ich eifersüchtig werden würde und ihm nicht glauben könne, die Verbindung zwischen ihm und ihr sei nur freundschaftlicher Natur. Seit ihrem Kennenlernen hatten sie schon viele Stunden miteinander gesprochen, entweder über WhatsApp oder per Telefon. Dabei hatten sie festgestellt, dass sie einander ziemlich ähnlich waren und deshalb als Freunde so gut harmonierten. 

Je länger er sprach, desto ruhiger wurde ich. Mein Hirn lief auf Hochtouren und ich versuchte, die Lage rational einzuschätzen. In dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten. Ob Aristoteles damit wohl immer Recht hatte? Ich wusste es nicht, doch mir blieb nichts anderes übrig, als mich daran festzuhalten. 

Deshalb begann ich, meinem Freund zu erklären, warum ich mich an der Sache störte. 

„Okay, stell dir mal bitte vor, sie stirbt. Du bist todtraurig und fällst wieder in eine Depression. Wie soll ich dann bitte darauf reagieren, wenn ich von alledem nichts weiß? Wie soll ich dir helfen und dich aus deinem Loch rausholen? Du weißt, dass ich immer für dich da bin, egal, was passiert. Du weißt, dass ich es schätze, dass wir in unserer Beziehung über alles reden können. Dass du deinen Hobbys nachgehen kannst und ich meinen. Dass wir beide Freigeister sind und trotzdem ein wunderbares, gemeinsames Leben haben. Und dann verschweigst du mir, dass du eine neue, beste Freundin hast?” 

Tränen schossen in die Augen meines Freundes. 

Er hauchte ein „Es tut mir Leid” und schloss mich in seine Arme. Widerwillig ließ ich es zu. Flüsternd gestand er mir, dass ihn meine Reaktion verunsichert hatte, als ich ihn vor einem halben Jahr auf sie angesprochen hatte. 

Damals war eine WhatsApp-Nachricht eingetrudelt, die ich zufällig auf dem Display gesehen hatte. Auch damals schrillten sofort alle Alarmglocken und ich fragte ihn, warum ihm diese Frau Kusssmileys schickte. Um dieser „ungerechtfertigten” Reaktion zu entfliehen, hatte er beschlossen, die Beziehung zu ihr geheim zu halten und damit, ohne es zu wollen, eine Mauer zwischen uns aufgebaut. 

Ich war innerlich wie leergefegt und wusste nicht, was ich machen sollte. Als ruhige und geduldige Person wollte ich mich noch besser erklären, damit mein Freund meine Sichtweise nachvollziehen konnte. 

„Weißt du, es ist in Ordnung, wenn du deine negativen Gefühle jemand anderem als mir anvertrauen möchtest. Aber eigentlich macht genau das eine Partnerschaft aus - dass man sich gegenseitig ALLES erzählt. Nicht nur die guten, sondern auch die schlechten Dinge. Der Partner sollte gleichzeitig der beste Freund sein, oder nicht? Als dein Kumpel im Sterben lag, habe ich dir meine Hilfe angeboten. Ich wäre mit dir zum Verabschieden gefahren. Ich habe mich um dich gesorgt, weil ich befürchtet habe, dich könnte das aus der Bahn werfen. Deshalb habe ich deinen besten Kumpel angerufen, dass er sich um dich kümmert, weil du meine Hilfe nicht wolltest. 

Und jetzt lese ich, dass deine erste Handlung war, nachdem du die Nachricht vom nahenden Tod deines Kumpels bekommen hattest, SIE um ein Treffen zu bitten. Du hast geschrieben, du wolltest SIE sehen. Das verletzt mich. Und überleg bitte mal … Auch wenn vielleicht jetzt noch nichts Körperliches zwischen euch gelaufen ist, ihr trefft euch nächstes Wochenende zum Arbeiten. Weil sie für den Promoter-Job eine weite Anreise hat, wollte sie, dass du bei ihr im Hotelzimmer bleibst. Was genau dachtest du, würdet ihr beide in der Nacht machen? Gemütlich nebeneinander schlafen?” 

Nach dieser Ansprache war ich innerlich nicht mehr ruhig, sondern meine Furie tobte wieder. Ich löste mich unsanft aus der Umarmung meines Freundes und sah ihn mit blitzenden Augen an. Er wich zurück. Durch die roten, verweinten Augen ähnelte er einem Welpen, der nicht wusste, warum er geschlagen wurde. 

„Und jetzt?”, flüsterte er traurig. 

„Keine Ahnung”, antwortete ich wahrheitsgemäß und hüllte mich in Schweigen. Irgendwann ertrug mein Freund die Stille zwischen uns nicht mehr. Er stand auf und ging ins Schlafzimmer. Ich holte mein Handy heraus und begann meinen Freunden zu schreiben. 

Mein Freund hat mich betrogen. Nicht körperlich, sondern seelisch. Hat sich mit einer anderen Frau eine Parallelwelt aufgebaut, in der es mich nicht gibt. 

Je öfter ich die Nachricht tippte, desto unglaublicher schien mir das Ganze. Die Rückmeldung meiner Freunde ließ trotz der vorangeschrittenen Uhrzeit nicht lange auf sich warten. 

Das tut mir so unfassbar leid! 

Wirklich “nur” seelisch?