Du mich auch - Ellen Berg - E-Book

Du mich auch E-Book

Ellen Berg

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Beschreibung

Rache ist - Frauensache... Beim 25-jährigen Abi-Jubiläum treffen sich drei Freundinnen von einst wieder: Die brave Evi hat ihrem wunderbaren Gatten und den süßen Kindern zuliebe die Karriere an den Nagel gehängt und ihr Glück in der Küche gefunden. Beatrice hat Vorzeigetochter und -ehemann und jettet für ihren Marketingjob rund um den Globus. Katharina, die einstige Einser-Kandidatin, ist zur Staatssekretärin eines Ministers aufgestiegen und fröhlicher Single. So weit die Erfolgsgeschichten vom Klassentreffen. Doch am Ende des promillereichen Abends kommt die traurige Wahrheit ans Licht: Alle drei sind von ihren Männern betrogen, ausgenutzt oder sitzengelassen worden. Im Vollrausch der Depression kommen sich die drei Frauen wieder näher. Und sie haben die Nase voll davon, dass auf ihren Herzen herumgetrampelt wird. Sie beschließen, den Spieß umzudrehen – ihre Männer sollen büßen. Und das nicht zu knapp. Unglaublich komisch, herrlich fies und ein Riesenspaß – zieht euch warm an, liebe Männer!

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Seitenzahl: 361

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Ellen Berg

Du mich auch

Ein Rache-Roman

Impressum

ISBN 978-3-8412-0309-0

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, September 2011

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Die Originalausgabe erschien 2011 bei Aufbau Taschenbuch, einer Marke der Aufbau Verlag GmbH & Co. KG

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über dasInternet.

Umschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano, Berlin

unter Verwendungeiner Illustration von Gerhard Glück

Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH, KN digital - die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

www.aufbau-verlag.de

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Innentitel

Inhaltsübersicht

Informationen zum Buch

Informationen zur Autorin

Impressum

Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Leseprobe

|5|Für meine besten Freundinnen

|7|Kapitel 1

»Unverschämtheit«, murmelte die Frau mittleren Alters und holte einen kleinen Computer aus der Tasche. Ihre dunkelblaue Uniform spannte um die Hüften. Ihr Gesicht hätten selbst freundlichere Zeitgenossen einen schlechten Scherz der Natur genannt. Missmutig tippte sie die Nummer eines nussbraun lackierten Geländewagens ein, der direkt neben einem Halteverbotsschild parkte. Sie wartete ein paar Sekunden. Dann zog sie den frisch gedruckten Zettel aus ihrem Gerät und klemmte ihn hinter den Scheibenwischer.

Beatrice sah die Politesse schon von weitem. Sie beschleunigte ihren Schritt. Ihre Pumps klackerten auf dem Asphalt wie Kastagnetten, ein grünseidener Mantel umwehte sie. Sie war spät dran. Eigentlich war sie immer spät dran. Ein Passant drehte sich nach ihr um. Selbst hier, auf dem elegantesten Boulevard der Hauptstadt, war sie eine aufsehenerregende Erscheinung. So blond, so schlank, so perfekt gestylt, als käme sie von einem Covershooting für die Vogue. Mindestens.

Okay, okay, ein Ticket mehr, dachte Beatrice. Geschenkt. Sie stieg ins Auto und ließ den Motor an, ohne die uniformierte Frau eines Blicks zu würdigen. Doch sie hatte nicht mit deren Hartnäckigkeit gerechnet. In bemerkenswertem Tempo umrundete die Politesse den Wagen und klopfte an die Seitenscheibe. Beatrice ließ die Scheibe herunter.

»Und?«, fragte sie gelangweilt.

Es war purer Hass, der ihr entgegenschlug. Der Hass auf eine Frau, die einen teuren Wagen besaß, beneidenswerte |8|Modelmaße und ein Kleiderbudget, das die Monatsmiete normaler Leute vermutlich um ein Vielfaches überstieg. Und die einfach neben einem Halteverbotsschild parkte. Aber sie war erwischt worden, wenigstens das.

Die Politesse grinste höhnisch. »Pech gehabt!«

Beatrice setzte ihr reizendstes Lächeln auf. »Sehen Sie mal in den Spiegel. Dann wissen Sie, wer von uns beiden Pech gehabt hat.«

Sie ließ die Scheibe wieder hochgleiten und raste davon. Beatrice hatte einen wichtigen Termin. Eigentlich hatte sie immer wichtige Termine. Heute Abend war es allerdings ein ganz besonderer. Sie fuhr bei Rot über die Ampel, eine Farbe, die sie »Dunkelgelb« nannte. Hupend überholte sie eine schwere, schwarze Limousine mit abgedunkelten Scheiben.

»Dicke Karre, aber Slow Motion«, schimpfte sie, während sie die Adresse ins Navi eingab. Seestraße, Kahndorf in Brandenburg. Dieses komische Hotel lag offenbar am Ende der Welt. Auch gut. Sie konnte eine kleine Auszeit vertragen.

»Fahren Sie noch, oder halten Sie schon?« Katharina sah im Fond von ihrem Laptop auf und sendete polarkalte Blicke nach vorn.

Der Fahrer ließ sich davon nicht im mindesten beeindrucken. Wie in Trance steuerte er die gepanzerte schwarze Limousine, während er mit seiner Freundin telefonierte. Seine Stimme war zu einem Raunen gedämpft, doch Katharina verstand jedes Wort.

»Schatzilein, ist was Berufliches«, gurrte er. »Nein, heute Abend nicht. Ja, morgen Nachmittag. Kochst du was Schönes? Ziehst du die schwarze Wäsche an? Was? Eine – ÖL-MASSAGE? Wow, wow, wow!«

|9|Einfach ekelhaft, dachte Katharina. Und so was arbeitet ausgerechnet als Fahrer fürs Familienministerium. Nicht auszuhalten war es mit diesem Mann. Aber mit welchem Mann war es schon auszuhalten?

»Finden Sie nicht, es wäre angebracht, Ihr regressives Frauenbild zu überdenken?«, fragte Katharina schneidend.

»Moment, Schatzilein, ja, bleib dran« – der Fahrer drehte sich um, was zu einer Beinahekollision mit einem Motorradfahrer führte – »Frau Dr. Severin? Haben Sie etwas gesagt?«

Solche Männer gehörten ins Frauenhaus. Dreimal täglich die Klos putzen und sich die Geschichten geknechteter Opfer anhören, das könnte den Typen vielleicht kurieren, überlegte Katharina.

»Keine Privatgespräche in der Dienstzeit!«, blaffte sie. »Sonst sitzen Sie demnächst wieder in der Pförtnerloge.«

»Wie Sie wünschen«, erwiderte der Fahrer achselzuckend. Halblaut wisperte er in die Freisprechanlage: »Bist so ein geiler Hase. Muss jetzt Schluss machen. Sie zickt wieder.«

Demnächst kann er sich seine Entlassungspapiere abholen, beschloss Katharina. Dem fehlt es einfach an Respekt. Immerhin gehörte sie zur politischen Elite der Republik. In ihrem dunklen Nadelstreifenanzug und mit ihrem strengen Haarknoten war sie die Verkörperung der selbstbewussten Karrierefrau. Leider entging das diesem verblödeten Steinzeitmacho.

Die Fahrt schien endlos. Katharina telefonierte. Katharina checkte ihre Mails. Katharina verschickte SMS an Parteifreunde. Handynetworken. Das machten Politikerinnen heutzutage so.

Nach einer Ewigkeit bog der Wagen in einen holprigen Feldweg ein. Sie ließ ihr Handy sinken und klappte den Laptop |10|zu. Auf der rechten Seite kam ein See in Sicht, auf der linken ein Parkplatz. Mitten auf dem Weg stand ein roter Kleinwagen. Der Fahrer hupte ihn an. Keine Reaktion. Leise fluchend setzte er zurück, umfuhr das Auto und kurvte eine geschwungene Auffahrt hoch. An deren Ende, auf einem kleinen Hügel, stand ein rosafarbenes Schlösschen. Mit Säulen und Zinnen und Türmchen. Wie eine XXL-Version von Barbies Traumhaus.

»Gefunden!«, strahlte der Fahrer. »Schlosshotel Seeblick. Soll ich Sie hineinbegleiten?«

Zwischen zusammengekniffenen Lippen stieß Katharina hervor: »Danke. Frauen können im einundzwanzigsten Jahrhundert mehr als kochen, nuttige Wäsche anziehen und Ölmassagen verabreichen. Und sie können ganz allein auf eine Party gehen.«

Der Fahrer verzog keine Miene.

Evi saß schon länger in ihrem kleinen roten Auto, mit abgestelltem Motor. Sie hatte überhaupt keine Lust auszusteigen. Nicht einmal der aufdringliche Huper hatte sie aus ihrer Antriebsschwäche reißen können. Wenn sie ehrlich war: Ihr graute vor dem Abend. Im Grunde war ihr ganzes Leben grauenhaft. Aber sie hatte nun mal zugesagt, an dem Treffen teilzunehmen. Und ihre preußische Erziehung gebot ihr, dass sie jetzt nicht kneifen durfte.

Sie drehte den Rückspiegel so, dass sie sich betrachten konnte. Diese verhuschte kleine Person, die aus ihr geworden war. Das spießige Muttchen. Eine Lachnummer vom Scheitel bis zur Sohle. Die Frisur eine Dauerbaustelle, das Kleid ein Sack, die Schuhe wie geschaffen für ausgedehnte Bergwanderungen.

|11|Warum war ihr das alles nicht schon zu Hause aufgefallen? Warum stellte sie erst jetzt fest, dass sie völlig falsch angezogen war, dringend zum Friseur musste und in einer Verfassung war, in der man am besten ins Bett ging und die Nacht durchheulte? Ganz zu schweigen vom üppig wuchernden Fettgewebe, das ihr den Charme einer Presswurst verlieh. Mit den Mengen von Anticellulitegels in ihrem Badezimmer hätte man den Grand Canyon glätten können. Nur, dass das Zeug bei ihr leider nicht wirkte.

Sie fingerte ein Taschentuch aus ihrer abgegriffenen Handtasche und rieb die Schminke von ihrem Mund. Es hatte keinen Sinn. Selbst ein Chanel-Lippenstift konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Mundwinkel steil nach unten zeigten und ihre Augen rettungslos verquollen waren. Der tränentreibende Ehestreit war das Abschiedsgeschenk ihres Gatten gewesen, bevor sie losgefahren war. Netter Versuch, eigentlich. Immerhin zeigte er nach langer Zeit mal wieder Interesse.

Sie sah auf die Uhr. Halb acht schon. Seit sieben war drinnen im Hotel vermutlich der Teufel los. Nach den zahllosen Autos auf dem Parkplatz zu schließen, musste die alte Crew ziemlich vollzählig sein. Ihr Herz klopfte. Warum hatte sie den verdammten Brief nicht einfach ungeöffnet entsorgt? Warum hatte sie die Einladung gelesen und pflichtbewusst ihr Kommen angekündigt?

Ein nussbrauner Geländewagen näherte sich von hinten und raste so haarscharf an ihr vorbei, dass eine Ladung Sand auf der Windschutzscheibe landete. Evi drehte den Rückspiegel wieder in die korrekte Position. Sie war am Ende. Und das Schreckliche war: Jeder würde es merken. Sie kannte ihn ja, den Mitleidsblick, mit dem man sie streifte, wenn sie |12|ausging. Wenn sie überhaupt ausging. Sie hatte sich längst abgewöhnt, auf irgendwelchen Partys rumzustehen.

So richtig wohl fühlte sie sich nur in ihrer Küche. Landhausstil, frühe Neunziger, altmodischer ging’s nicht. Aber sie liebte diese Küche. Sehnsuchtsvoll dachte sie an den Apfelkuchen, den sie am Nachmittag gebacken hatte. Für die Kinder. Die Kinder, die sich kaum noch zu Hause aufhielten, weil sie ihre Freunde spannender fanden als das trauernde Muttertier. Gleich würde sie aussteigen. Nur ein paar Minuten noch. Sie richtete sich sehr gerade auf und wischte sich eine Träne von der Wange.

|13|Kapitel 2

»Liebe Schülerinnen, liebe Schüler! Äh, liebe Ehemalige!« Es piepste. Es piepste sogar ganz gewaltig. Der grauhaarige Herr mit den Schuppen auf dem Jackett schraubte aufgeregt an seinem Mikro herum. »Ich heiße Sie im Namen des gesamten Kollegiums herzlich – piieeeps – willkommen zum fünfundzwan… – pieppiep – …zigsten Jubiläum Ihres …«, er drehte den Zettel in seinen verschwitzten Händen um, »… Abiturs!«

Stolz auf seine rednerische Leistung hob er die Arme und nahm den Mix aus Applaus, Gelächter und Pfiffen entgegen wie ein depressiver Rockstar. Vor ihm standen etwa hundert Damen und Herren, die diese Bezeichnungen überhaupt nicht verdienten. »Ausziehen!«, kreischte eine Frau. »Pornoooo!«, grölte ein Mann. Die Stimmung hatte schon jetzt den Pegel eines Junggesellenabschieds erreicht.

Kopfschüttelnd begutachtete Oberstudiendirektor Hans-Walter Meier seine Schüler von einst. Sie standen dicht gedrängt in einem festlich geschmückten Bankettsaal mit Stuck an den Wänden und rotsamtenen Stühlen. Das Stimmengewirr schwoll stetig an. Es war ein Fehler gewesen, bereits zur Begrüßung Sekt zu kredenzen, so viel war sicher. Er schaute in die Menge, auf der Suche nach Gesichtern, an die er sich erinnerte. Ah ja. Evi Diepholt, die altkluge Musterschülerin. Und Beatrice Kramer, das kleine Luder. Er hatte den grässlichsten Beruf der Welt.

Meier räusperte sich. War es nicht immer ein aufsässiger Jahrgang gewesen? Die beschlagnahmten Haschzigaretten auf der Schultoilette fielen ihm wieder ein. Die Alkoholexzesse |14|auf den Klassenfahrten. Die Knutschereien im Halbdunkel, wenn im Biologieunterricht Filme vorgeführt wurden. Eine unzähmbare Bande. Und das war sie immer noch.

»Ruhe bitte!«, rief er mit sich überschlagender Stimme. »Ich bitte um Auf-merk-sam-keit!« Piiiieeeeep.

Er hatte sich eine wohlklingende Rede ausgedacht. Mit Goethe-Zitaten, geschönten Erinnerungen und ein paar verlogenen Sentimentalitäten. Die Rede konnte er knicken.

»Hiermit, äh, erkläre ich … das Buffet für … für eröffnet!«, krähte er in letzter Verzweiflung.

Frenetischer Jubel brandete auf. Kellner flitzten umher und sorgten für mehr Sekt, während sich die Gästeschar in Richtung Buffet schob. Es roch bereits penetrant nach Bratensauce. Oberstudiendirektor Hans-Walter Meier war Vegetarier. Ächzend kletterte er von der Bühne, wo die Musiker gerade ihre Instrumente aufbauten.

»Gut gemacht«, sagte ein verwitterter älterer Herr im Tweedanzug und klopfte ihm auf die beschuppte Schulter. Er war der Lateinlehrer des Jahrgangs gewesen und sichtlich froh, dass nicht er die undankbare Rolle des Zeremonienmeisters spielen musste. »Schade nur, dass man Ihren Auftritt nicht recht zu schätzen wusste. Tja. Homo homini lupo, der Mensch ist des Menschen Wolf.«

»Ekelhafte Meute«, knurrte Meier. »Aus denen ist nix geworden. Sieht man ja.«

Am Buffet war man da ganz anderer Meinung. Unter Freudengeheul fielen sich Männer in die Arme, die einander als Halbwüchsige nie hatten ausstehen können. Lautstark prahlten sie mit ihren Erfolgen.

»Hey Sven, geil, dich zu sehen. Ich zock an der Börse. Die erste Mio hatte ich schon mit zwanzig. Und du?«

|15|»Hautarzt. Lauer Job, fette Kohle.«

»Loser. Schon mal von Gesundheitsreform gehört?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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