DuMont Reiseabenteuer Dem Nordpol entgegen - Gavin Francis - E-Book
Beschreibung

Auf hohen Breitengraden unterwegs
Seit jeher übt die raue, karge Schönheit der europäischen Arktis auf Entdecker und Abenteurer eine magische Anziehungskraft aus. So geht es auch dem gebürtigen Schotten Gavin Francis, der sich auf eine mehrmonatige Reise zu den nördlichsten Außenposten Europas begibt. Sie beginnt auf den Shetlandinseln und führt ihn über die Färöer, Island und Grönland schließlich nach Spitzbergen und Lappland. Mit den Menschen, die in den einsamen und von weiterer Entvölkerung bedrohten Landschaften verwurzelt sind, spricht er über ihr Leben unter den extremen Umweltbedingungen, ihre Zukunftssorgen und Hoffnungen, über Klimaveränderung und das geopolitische Gerangel um die Bodenschätze der Arktis. Zugleich sucht er nach Spuren der Geschichte, geht Mythen und Sagen nach und nimmt den Faden von arktischen Expeditionsforschern wieder auf: Die Zeit der irischen Mönche, die sich auf Missionierungsreisen zu den entlegenen Inseln begaben, der Wikinger und Walfänger sowie wagemutiger Seefahrer, die Schiffspassagen durch das Eis der arktischen Gewässer suchten, wird wieder lebendig. Mit seiner spannenden Mischung aus Reisebericht, Geschichte und Mythologie zeichnet Gavin Francis ein einzigartiges Panorama der nördlichsten Vorposten Europas.

Dieses E-Book basiert auf folgender Printausgabe: 1. Auflage 2014

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl:546

Sammlungen



GAVIN FRANCIS

DEM NORDPOL ENTGEGEN

UNTERWEGS IM ARKTISCHEN EUROPA

AUS DEM ENGLISCHEN VON SEBASTIAN VOGEL

 

 

»Eine wundersame Reise hinaus in die Landschaft des Nordens … Fließend, einfühlsam, stark und oftmals wunderschön«

ROBERT MACFARLANE

»Man muss Gott für Menschen wie Gavin Francis danken, die unsere nördlichen Nachbarn nicht nur besuchen, sondern über sie schreiben und aufzeigen, wie sehr ihre Geschichte auch unsere ist.«

ROBERT COX, THE SCOTSMAN

 

 

Auf den Spuren von Mönchen, Wikingern und Walfängern – ein einzigartiges Panorama der nördlichsten Außenposten Europas.

Die englische Originalausgabe erschien 2008 unter dem Titel

»True North. Travels in Arctic Europe«

bei Polygon, einem Imprint von Birlinn Ltd., London

© Gavin Francis 2008, 2010

Erste Auflage 2014

© 2014 für die deutsche Ausgabe: DuMont Reiseverlag, Ostfildern

Alle Rechte vorbehalten

Übersetzung: Sebastian Vogel

Gestaltung: Herburg Weiland, München

Umschlagfoto: Getty Images, München/Håkon Kjøllmoen Photography

Kartenbearbeitung: DuMont Reiseverlag

eISBN 978-3-7701-9955-6

www.dumontreise.de

  

Für Esa, der es nichts ausmacht,

auf dem Boden zu schlafen

INHALT

Vorwort

Shetland

Ultima Thule

Die Färöer

Eine Wüste im Ozean

Island

Das große Heidenheer

Grönland

Der wilde Westen

Spitzbergen

Kaufleute und Abenteurer

Lappland

Tourismus und das Ende Europas

Nachwort

Quellen

Karte

Über den Autor

Weitere E-Books der Reihe

Vorwort

Vom hohen Norden träumte ich zum ersten Mal auf einer stinkenden afrikanischen Krankenstation. Ich hatte gerade begonnen, in einem Dorfkrankenhaus an der Küste des Indischen Ozeans. Die Laken von Gitterbetten, in denen jeweils drei oder vier Kinder lagen, hatten Eiterflecken. An den blauen Wänden war erbrochene Milch verspritzt. Das Desinfektionsmittel, das man auf dem Fußboden ausgeschüttet hatte, floss träge durch Rinnen im Beton nach draußen. Der Geruch und die Schreie der Kinder waren anfangs übermächtig. An meinem ersten Morgen stand ein Kollege an einem Bettchen und zeigte auf eines der Kleinkinder. Der Junge litt an Gehirnmalaria und zuckte in einem epileptischen Anfall. »Der hier spricht nicht auf die Behandlung an«, sagte er. »Manchmal kommen sie zu spät hierher.« Als wir neben dem Bett standen, fiel mir ein dicker Wurm auf, der aus dem After des Kleinen kroch. Als Afrika-Neuling starrte ich entsetzt den Wurm an, dann machte ich den Arzt darauf aufmerksam. »Ach, der«, sagte er leise. »Die kommen raus, wenn das Kind zu hohe Temperatur hat, oder wenn es hungert oder anämisch ist.« Es war die erste der vielen Lektionen, die ich dort lernte.

Kurz nach meiner Ankunft hatte ich Anna kennengelernt, eine Isländerin, die mir erklärt hatte, sie sei zum Arbeiten nach Afrika gekommen, weil ihr der Kontrast zu ihrer Heimat im Nordatlantik gefiel. Sie schilderte die karge Schönheit Islands, die in krassem Gegensatz zu der Hitze und der Vielfalt um uns herum stand. Dann lud sie mich zum abendlichen Grillen am Strand ein, und beim Rauschen der Meereswellen, die sich am Riff brachen, unterhielten wir uns bis tief in die Nacht über das Leben am Rand der Arktis. Sie sagte, ihr sei klar geworden, dass sie in ihrem Leben beide Extreme brauche: den hohen Norden und die Tropen. Und sie wolle herausfinden, wie man nachhaltig und ethisch einwandfrei mit beiden leben kann.

Nach jenem ersten Schock am Morgen arbeitete ich weiter in der Hitze im Krankenhaus, aber wenn ein paar Tage besonders anstrengend gewesen waren, dachte ich zur Erholung an Bilder aus jener kühleren Welt im Norden, wo die Umwelt zwar unwirtlich sein kann, mir aber irgendwie weniger grausam erschien. In der dampfenden Hitze am Äquator kühlte ich mich ab, indem ich an den Polarkreis dachte. Wenn ich zum Einkaufen von Lebensmitteln in den Ort fuhr, wo ich oft der reichste Mann auf der Straße war, malte ich mir manchmal aus, ich wäre in Skandinavien – dort, so meine Vorstellung, wäre ich einer der Ärmsten. Wenn die Sonne wie ein fallender Stein unterging und die Dunkelheit über den sengenden Nachmittag hereinbrach, dachte ich voller Freude an ein Land, in dem die Sonne sanft im Ozean versinkt und im Sommer die ganze Nacht scheint. Erst als ich so weit von Europa entfernt lebte und arbeitete, dachte ich immer öfter darüber nach, wie wenig ich über das andere Extrem wusste: den hohen Norden. Mir wurde klar, dass Europa, von den Tropen aus gesehen, an die Arktis grenzt, und mir kam der Gedanke, dass ich die Länder im Norden, gleich vor meiner Haustür, kaum kannte. Als ich Afrika verließ, hatte ich mich entschieden: Ich wollte nicht mehr in die Tropen zurückkehren, bevor ich nicht selbst die europäische Arktis erkundet hatte.

Gleich nach meiner Rückkehr begann ich zu recherchieren. Als ich mich in die Geschichte der Arktis einlas, wurde mir klar, dass ich von Schottland aus die gleiche Route einschlagen würde wie jene Europäer, die damals zu den vermeintlichen Grenzen der Erde vorgestoßen waren. Meine Reise würde mich durch viele Landschaften, Sprachen und Kulturen am nördlichen Rand Europas führen. Ich begann in der klassischen Antike auf den Shetlandinseln und fand die Spuren griechischer Seefahrer, deren Geschichten mit der Bibliothek von Alexandria verbrannt waren. Als ich bei den Färöern und im Mittelalter angelangt war, stieß ich auf sturmerprobte Gottesmänner, die in der Einsamkeit beteten und fasteten. Dann folgte die blutige Raserei der Wikinger, die sich während des ganzen Mittelalters ausbreiteten, bis sie Island, Grönland und Nordamerika erreicht hatten. Es gab Geschichten von Habgier, Mord und Hunger beim Kampf um die Entdeckung der nördlichen Handelswege und Spitzbergens im 16. und 17. Jahrhundert. Und schließlich folgte die große Woge der Erkenntnis, als die Aufklärung der Industriellen Revolution Platz machte, als die Entdeckungsreisen in Lappland (und anderen Regionen) sich zu dem weltweiten Tourismus entwickelten, den wir heute kennen. Wenn ich nach Norden zog, würde sich in meiner Reise die Selbstentdeckung Europas widerspiegeln. In ihr verbargen sich die Themen, die den Entdeckerdrang der Menschen beflügeln.

Mir wurde klar, dass ich den Routen jener Entdecker folgen wollte, und ich malte mir aus, wie sie wohl beim Anblick dieser neuen Landschaften reagiert hatten. Außerdem wollte ich festhalten, wie die Länder im Norden und ihre Menschen mit der modernen Welt und ihren Herausforderungen umgehen. Die polaren Ränder Europas sind für viele Menschen im Süden zur »tiefen Provinz« geworden. Sie liegen auf den meisten Landkarten ganz oben und sind dünn besiedelt, so dass sie von Staaten und Gesellschaften, die zunehmend in den großen Städten nach Antworten auf ihre Fragen suchen, nur allzu leicht vergessen werden. Aber das war nicht immer so, und ich hoffte, dass ich als Europäer auf meiner Reise ein wenig mehr über die Völker und die Geschichte des Nordens in Erfahrung bringen konnte.

Nach der ersten Erfahrung eines Lebens am Äquator wurde der Norden für mich zum Rückzugsgebiet und Prüfstein. Seit dem Ende dieser Reise war ich mehrmals wieder in den Tropen, und heute bin ich nicht mehr entsetzt über Tragödien wie jene, die ich bei meinen ersten Krankenhausvisiten in Ostafrika erlebte. Aber ich bin bis heute froh, dass es den Norden gibt – nur für den Fall, dass ich ihn wieder einmal brauche.

Hinweis für den Leser

Für die Recherchen zu diesem Buch habe ich mich vielfältiger Quellen bedient. Statt den Text mit übermäßig vielen Anmerkungen und Fußnoten zu versehen, die nur für wenige Leser von Interesse sind, habe ich die Herkunft von Zitaten und Angaben über weiterführende Literatur in den Anmerkungen am Ende des Buches unter den Kapiteln zusammengefasst.

SHETLAND

 

 

Ultima Thule

 

Wolkenschatten und Licht verwoben sich zu einem wandernden Flickenteppich und verflüchtigsten sich am Berghang wie Muster in einem Kaleidoskop. Sie setzten die Landschaft in Bewegung wie Wind, der das Meer aufwühlt. Ich stand auf der nördlichen Landspitze von Unst, der nördlichsten Shetlandinsel. Weit draußen im Atlantik, an der Grenze zur Nordsee, ist sie der letzte Außenposten der britischen Inseln. Schon seit Jahren hatte ich ihr auf Landkarten und Atlanten die Ehre erwiesen – der Name klingt so unbritisch, so unschottisch, dass er an eine Wildheit denken lässt, die über die normalen Vorstellungen hinausgeht.

Als ich mit der Fähre hierher gekommen war, hatte ich auf dem Deck gestanden, um Meer und Himmel zu bestaunen. Es waren nur wenige Passagiere an Bord; der Fahrkartenkontrolleur hatte mich auf die Brücke gerufen und mir einen vorüberschwimmenden Delfinschwarm gezeigt. Die Fähre hatte einen Bogen gemacht, um ihm eine Weile zu folgen. Die sanften, eleganten Rundungen der Inseln brachen aus dem schimmernden Wasser wie die Rücken schlafender Wale.

Unerwarteterweise schien es, als würde die Landschaft immer sanfter werden, je weiter wir nach Norden fuhren; öde, düstere Moore hatten Heidekraut und üppigen Weiden Platz gemacht. Als ich auf der Insel angekommen war, hatte der Wind nachgelassen, und ich hatte sehr schnell jemanden gefunden, der mich mit dem Auto bis zum Nordende brachte. Die Fahrerin erzählte mir, sie habe in zwanzig Jahren überall auf den Shetlandinseln gewohnt, bevor sie in Unst sesshaft wurde. Von allen Inseln mochte sie diese am liebsten. »›Unst‹ ist ein Wikingerwort«, hatte sie mir erklärt. »Ich glaube, es heißt ›am nächsten‹«. Für die Wikinger sei die Insel die »am nächsten« liegende gewesen, da sie hier zum ersten Mal an Land gegangen waren, weil sie vor tausend Jahren von Norwegen über das Meer kamen.

Die Royal Air Force hatte auf der Insel gerade einen Horchposten aus dem Kalten Krieg geschlossen. Man hatte dort die russischen Düsenflugzeuge belauscht, die nach Kuba und zurück flogen. Meine Fahrerin hatte mich auf die Anlage aufmerksam gemacht, die sich an einen der beiden Hügel am Nordende der Insel kauerte; die gewaltigen Antennenschüsseln wiesen in Richtung des Nordmeeres. In der Überlieferung der Shetlandinseln waren die beiden Hügel zwei Riesen namens Saxa und Herma; sie wurden in Berge verwandelt, nachdem die aufgehende Sonne sie gefangen genommen hatte. Während Saxa im Osten von der RAF mit Beton übergossen und mit Stacheldraht umgürtet wurde, überließ man den westlichen Herma den Vögeln. Der Berg und die ganze Halbinsel gehören heute zum Vogelschutzgebiet Herma Ness.

Ich stand in Herma Ness auf der Klippe. Raubmöwen und Austernfischer, die hier ihre Nester hatten, fegten über meinen Kopf hinweg. Es war Mai; Heidekraut und Moor, Meer und Himmel schimmerten wie in freudiger Erwartung des Sommers. Auf den Klippen wimmelte es von Vögeln. Eissturmvögel vollführten schwindelerregende Luftakrobatik, Basstölpel ließen sich von der Brise tragen und stürzten sich vom Himmel auf unsichtbare Fischschwärme. Auch Papageitaucher waren da: Sie stolperten von den Klippen und schlugen mit ihren absurd kleinen Flügeln. Das warme, angenehme Gras, das von ein paar Schafen kurz gehalten wurde, war von den zarten Blüten der Grasnelken durchsetzt. Die glatte Haut des Meeres wurde nur durch ein Hummerfischerboot durchbrochen, das seine Körbe aus dem Wasser hob; das entfernte Brummen seines Motors war, abgesehen von den Schreien der Vögel, das einzige Geräusch. Auf einem Felsvorsprung im Norden stand Muckle Flugga, der Leuchtturm am Ende Britanniens.

Am Rand der Klippen legte ich meinen Rucksack ab und setzte mich in das sonnenbeschienene Gras. Das hier, so dachte ich, war der nördlichste Punkt, an dem ich jemals gewesen war. Jetzt endlich begann meine Reise. Ich holte ein Buch aus dem Rucksack, legte mich ins Gras und las über die Entdecker, die vor mehr als zweieinhalb Jahrtausenden erstmals vom Mittelmeer nach Norden gesegelt waren.

Vor langer Zeit, als die Erde flach und die Sonne ein Feuerwagen am Himmel war, fuhren die Phönizier als erste schriftkundige Entdecker nach Norden. Ihr maritimes Großreich erstreckte sich über die Länge und Breite des Mittelmeers, und nach Angaben von Herodot segelten sie um 600 v. Chr. fast nebenbei auch um ganz Afrika. Auch der Nordatlantik war ihnen nicht fremd: Nach Cornwall kamen sie regelmäßig, um mit Zinn zu handeln. Der phönizische Seefahrer Himilkon berichtete als Erster über die Nordgrenze des großen »Ozeans ringsum«, wie er ihn nannte. (Das Wort »Ozean« kommt von dem Vor-Sanskritwort a-çayana, was »das Umgebende« bedeutet.) Irgendwann im 6. Jahrhundert v. Chr. schrieb er, man könne den Atlantik nicht überqueren; er sei ein totes, träges Meer, voller Ungeheuer und von Seetang verstopft. Jahrhundertelang hielten seine Beschreibungen jeden davon ab, die Reise zu wagen, und genau das hatte er vermutlich auch beabsichtigt. Weniger Schifffahrt auf dem Meer bedeutete weniger Konkurrenz beim Handel.

Als die Phönizier hinaus auf den Atlantik drängten, war die griechische Kultur im Begriff des Aufschwungs. Jahrhundertelang hatten die Griechen darauf vertraut, dass Homer und Hesiod ihnen zutreffende Beschreibungen der Erde geschenkt hatten. In Homers Vorstellung war die Erde eine flache Scheibe, um deren Rand sich der Ozean zog. In der Odyssee heißt es über die Geographie des Nordatlantiks: »Und das Schiff kam zu den Grenzen des tiefströmenden Okeanos, wo Gau und Stadt der Kimmerischen Männer ist … böse Nacht ist über die armen Sterblichen gebreitet.« Kurz gesagt, war es eine Gegend, die man gern sich selbst überließ.

In der griechischen Kultur hatte sich ein wohldurchdachtes Weltbild vom hohen Norden etabliert. Anhaltspunkte dafür bezog man aus Afrika. Die Menschen, die am weitesten im Süden lebten, waren nach dieser Vorstellung die Äthiopier, und die, so hieß es, seien ein entsetzliches Volk. Man fürchtete sie als gottähnliche Männer und respekteinflößende Krieger, die sich über die gold- und purpurfarbenen Umhänge der »zivilisierten« Griechen lustig machten. Auf den Marktplätzen Athens erzählte man sich, Äthiopier hätten die Persische Armee nicht nur besiegt, sondern auch als »Mistfresser« beschimpft, weil die Perser im Gegensatz zu den nomadischen Äthiopiern das angebaute Getreide von gedüngten Äckern aßen. In Griechenland galten die Äthiopier als Musterbeispiel für die »edlen Wilden«, wie Rousseau sie später nannte, und man nahm an, es müsse auch im Norden ein Gegenstück geben: ein furchteinflößendes Volk, das jenseits des Nordwindes, des Boreas lebte. Diese »Hyperboreer«, so glaubte man, müssten ein Geschlecht vollkommener Menschen sein, die vom »tiefströmenden Ozean« selbst lebten. Man erzählte sich, sie hätten früher in der Nähe der Griechen gewohnt, seien dann aber aus den verderbten Zentren der Erde (darunter auch Athen) nach Norden gezogen, um dort ohne Krankheiten, Hungersnöte und Kriege zu leben. Pindar schrieb über sie: »Und ihren edlen Worten freut sich am meisten Apollon … Krankheiten nicht noch das verfluchte Greisenalter mischt sich dem heiligen Geschlecht. Der Mühen und Kämpfe ledig wohnen sie, entronnen gewaltsamer Vergeltung.«

Als Erster stellte Herodot, ein Grieche aus Kleinasien, das homerische Weltbild infrage. Er schrieb um 500 v. Chr., dass nach seiner Ansicht Homer den »Ozean« erfunden habe, beklagte jedoch, dass es hierfür keine Belege gäbe. Wie er betonte, hatte man entdeckt, dass das Kaspische Meer von Land umgeben ist; demnach konnte Asien selbst sich bis zum Ende der Welt erstrecken. Als Mann der Vernunft veränderte Herodot das Bild der Griechen von der Welt: Diese hatte jetzt keine Grenzen mehr, die Menschen nicht überschreiten sollten, sondern unbekannte Gefilde, die es zu erforschen galt.

Im Mittelmeerraum gewann die griechische Expansion an Tempo. Man gründete Kolonien in Sardinien und Korsika sowie an der südfranzösischen Küste. Im vierten Jahrhundert v. Chr., nicht lange nachdem die Kelten über die Alpen gezogen waren und Rom geplündert hatten, wurde in Massilia (Marseille) ein Mann geboren, der zum größten Astronomen, Seefahrer und Entdecker seiner Zeit werden sollte. Pytheas notierte als erster Europäer die Vermutung eines Zusammenhangs zwischen den Gezeiten und dem zu- und abnehmenden Mond. Das Mittelmeer und das Schwarze Meer kannte er sehr gut, und mit seinen genauen astronomischen Beobachtungen konnte er berechnen, dass der Polarstern nicht exakt im Norden steht – die Abweichung beträgt nur Bruchteile eines Grades. In Marseille gilt er heute als einer der Stadtgründer, und eine Statue des alten Griechen überblickt von der Fassade der Börse den alten Hafen. Ein paar Wochen vor meiner Reise war ich dort gewesen und hatte mich im Gebäude nach Informationen über die Herkunft dieses Mannes erkundigt, der einer der ersten Entdecker im modernen Sinn des Wortes war. Aber niemand konnte mir helfen. Als einzige Spuren der Welt, wie er sie gekannt hatte, fand ich Amphoren, die man in der Bucht vom Meeresboden geborgen und im Musée de la Marine et de l’Economie ausgestellt hatte. Sogar der alte griechische Markt, die Agora hinter dem Museum, war zwischen modernen Apartmentblocks eingezwängt.

Pytheas’ Reisebericht trug den Titel Peri Okeanou (»Über den Ozean«). Von ihm ist kein einziges Exemplar erhalten geblieben; wir kennen es nur aus den Schriften seiner leidenschaftlichen Kritiker. Strabon von Pontus zum Beispiel äußerte sich 23 n. Chr. in seiner Geographie sehr abfällig: »Pytheas erklärt, er habe persönlich den ganzen Norden Europas bis zu den Enden der Welt erkundet – eine Behauptung, die kein Mensch glauben kann, selbst dann nicht, wenn Hermes selbst diese aufgestellt hätte.«

Andere Kommentatoren waren weniger kritisch. Plinius der Ältere zitiert Pytheas in seiner 77 n. Chr. erschienenen Naturalis Historia (»Naturgeschichte«) und berichtet, der Grieche habe eine Insel namens Thule »sechs Tagereisen nördlich von Britannien« erreicht. Da sie ganz am Rand der Welt zu liegen schien, wurde sie unter dem Namen Ultima Thule bekannt. Der Geograph Hipparchos ging von den breitengradabhängigen Sonnenbeobachtungen aus, über die Pytheas in seinem Buch berichtet hatte, und rechnete sie in das geographische Koordinatensystem um, das wir heute benutzen. Nach seinen Angaben landete Pytheas auf den Britischen Inseln und sah die Sonne bei 54° (Lancashire?) und 58° (Äußere Hebriden?). Als er seine Reise nach Norden fortsetzte, soll er über vierzig Orcaden (die Orkneyinseln) berichtet haben. Die genaue Zahlenangabe weist auf einen längeren Aufenthalt hin. Außerdem beschreibt er Wellen mit einer Höhe von bis zu achtzig Ellen (fünfunddreißig Meter) – nichts Ungewöhnliches, wenn die Sturmflut gegen die Klippen der Orkney- und Shetlandinseln schlägt. Die letzte Sonnenbeobachtung, über die Pytheas während seiner Reise nach Norden berichtete, entspricht einer geographischen Breite von sechzig Grad, auf der ein Tag zu Mittsommer neunzehn Stunden dauert. Auf dieser Breite liegen die Shetlandinseln.

Als Pytheas von Massilia aufbrach, kannte kein Grieche die Antwort auf Fragen wie diese: Wie weit im Norden können Menschen eigentlich leben? Wie kalt wird es dort? Geht das Wachstum der Tageslänge im Sommer so weit, dass die Sonne irgendwann vierundzwanzig Stunden am Tag scheint? Bessert sich das Klima jenseits einer bestimmten Region wieder, und herrscht dort ein Klima, in dem die Hyperboreer leben können? Kann die Welt überhaupt einen »Rand« haben? Die Antworten, die Pytheas auf solche Fragen gab, lagen im antiken Europa so weit außerhalb aller anerkannten Vorstellungen, dass seine Kritiker ihn als Märchenerzähler und Scharlatan brandmarkten. Er bestritt alles, was man damals in Griechenland über den Norden zu wissen glaubte, beispielsweise, dass die einäugigen Arimaspen dort mit den Hyperboreern tanzten und Gold aus den Nestern der Greife stahlen. Das Gegenteil, so erklärte er, sei richtig: Die Briten seien Menschen wie die Griechen. Sie mussten zwar ihr Getreide wegen des vielen Regens im Haus dreschen, aber sie lebten einigermaßen gut, betrieben Handel und konnten sogar eine Art Bier brauen.

In Erinnerung blieb Pytheas aber vor allem mit seiner Behauptung, die Einheimischen hätten ihn zu einer Insel geschickt, die er Thule nannte und die sechs Schiffstagesreisen nördlich von Britannien lag. Dort, so hatten die Barbaren gesagt, gehe die Sonne im Sommer nur für zwei oder drei Stunden unter. Von Thule, so behauptete Pytheas, müsse man nur noch einen Tag lang weiter segeln, dann sei das Meer gefroren. Die wissenschaftliche Debatte über die Frage, wo Thule lag, zog sich über Jahrhunderte hin, der plausibelste Kandidat ist jedoch Island. Aus den überlieferten Sonnenbeobachtungen der Griechen wissen wir also, dass er mit Sicherheit bis auf die Shetlandinseln gelangte, aber kein Indiz gibt Auskunft darüber, wie weit darüber hinaus er noch kam.

Während ich im Gras lag und las, war es kalt geworden; um mich herum kehrten die Papageitaucher, die den Tag über gefischt hatten, in ihre Nistlöcher am Berghang zurück. Ein Eissturmvogel schwebte noch nicht einmal eine Armlänge von mir entfernt im Aufwind an der Klippe und beäugte mich misstrauisch; die Federn an seinen Flügeln kräuselten sich im Wind. Auf mich wirkten die Vögel kräftig und gesund, aber ich hatte gelesen, dass die Seevögel auf den Shetlandinseln eine beispiellose Krise durchmachten. Sie hatten das schlimmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen hinter sich: Raubmöwen, Küstenseeschwalben, Trottellummen und Dreizehenmöwen hatten, soweit man wusste, nahezu keine Jungen. Nach übereinstimmender Ansicht der Wissenschaftler war dafür die globale Erwärmung verantwortlich; durch den Klimawandel war das Wasser der Nordsee in nur zwanzig Jahren um zwei Grad wärmer geworden, und die Planktonorganismen, die Kälte lieben und die Triebkraft im Ökosystem des Meeres darstellen, waren nach Norden gewandert. Ohne Plankton waren auch die kleinen Sandaale, denen es als Nahrung dient, so gut wie verschwunden, und die Seevögel, die wiederum auf die Sandaale als Nahrungsquelle angewiesen sind, verhungerten. Eine befreundete Ornithologin hatte mir erzählt, sie habe auf den Orkneyinseln Dreizehenmöwen gesehen, die Seenadeln als Ersatz für die Sandaale herunterwürgten – kleine Fische, die den Bauch der Vögel füllen, aber nahezu keinen Nährwert haben. Sie bat mich, auch in den Nistgebieten auf den Shetlandinseln nach liegengebliebenen Seenadeln zu suchen, denn diese seien ein Zeichen dafür, dass die Vögel verzweifelt nach einer Alternative für ihre Nahrung suchten.

Ich faltete eine Landkarte der Insel auseinander und las die Namen der Küstenformationen. Hier saß ich auf dem Taing of Looswick. In der Nähe waren der Kame of Flouravoug und Shorda Hellier – Bezeichnungen, die von einer weitreichenden Vermischung des norwegischen und schottischen Erbes kündeten. Weiter südlich erstreckten sich zerklüftete Stapel und Nadeln aus Gestein wie ein verstreutes Mosaik in Richtung Yell und Festland. Mit dem Finger verfolgte ich auf der Karte die Route, die ich von hier aus zurück über die Shetlandinseln nehmen wollte. Pytheas war vor so langer Zeit hier gewesen, dass es von seiner Reise keine Spuren mehr gab. Doch existierten noch Überreste der Völker, die hier gelebt hatten, als er die Inseln aufsuchte. Es waren die Pikten, Erbauer der Brochs, doppelwandiger Türme, die man überall auf den Inseln im Norden und Westen Schottlands findet. Auf den Shetlandinseln stehen zwei besonders berühmte Brochs, und die wollte ich unbedingt besichtigen; als Pytheas das Land vor 2300 Jahren bereiste, bildete jeder von ihnen den Mittelpunkt eines Dorfes. Der eine stand in der Inselhauptstadt Lerwick, der andere auf Mousa, einem Eiland vor der Südostküste des Festlandes. Ich setzte mich auf, dachte über die Welt nach, wie Pytheas sie gekannt hatte, und sah zu, wie das Licht auf den Wellen seine Farbe von Pfirsichgelb nach Blutrot änderte, bevor das Meer schließlich in Dunkelheit versank.

Am nächsten Tag machte ich mich auf den Weg in Richtung Yell und Festland. Die Hügellandschaft war mit Ruinen übersät – Häuser, die Kleinbauern im 19. und frühen 20. Jahrhundert aufgegeben hatten. Die Bewohner der britischen »Nordinseln« (Shetland- und Orkneyinseln) haben ihre eigenständige Identität stets gegenüber ihren südlichen Nachbarn verteidigt, die von den Shetlandbewohnern als »Scots« bezeichnet und als ganz andere Nation betrachtet werden. Noch im 19. Jahrhundert gab es Menschen auf den Nordinseln, die »Norn« sprachen, eine Sprache, die sich vom Altnordischen der Wikinger ableitet. Sie hatten andere Eigentumsgesetze und litten nicht so sehr unter den Clearances wie die Hochlandbewohner, wurden aber durch immer schlechtere wirtschaftliche Verhältnisse und die Anziehungskraft der Kolonien des Empire schließlich vertrieben. Heute liegen die Eigentümer dieser Häuser und ihre Nachkommen auf Friedhöfen in Glasgow, Sydney und Toronto. Zwischen den Ruinen waren alte Stiefel, Werkzeuge, eiserne Herde und rostende Bettgestelle verteilt. Auf den gedüngten Weiden wuchs dichtes Gras, und Schafe weideten auf schmalen Streifen aus Mutterboden, den man zusammengescharrt hatte, um dem armen Land so viel wie möglich abzugewinnen. Die Entwicklung war immer noch im Gang – nach Aussagen von Menschen, die ich hier kennengelernt hatte, setzt sich die Entvölkerung der Inseln immer noch fort, obwohl man versucht, mit Programmen und Anreizen die Kinder zum Bleiben und andere zum Zuzug zu bewegen. Die gleiche Geschichte habe ich im Norden überall gehört.

Für die Nacht fand ich in Uyeasound am Südende der Insel eine einfache Unterkunft. In dem Haus war niemand; auf einem Schild stand, die Wirtin werde einmal am Tag vorbeikommen und kassieren. Ich ging in die Küche und wollte mir gerade etwas zum Abendessen machen, da hörte ich ein Klopfen an der Tür. Anscheinend hatte sie gesehen, wie ich den Berg herunterkam, und war mir bis zum Haus gefolgt.

Die drahtige, kleine Frau musterte mich durch ihre Hornbrille und den Rauch, der von der Zigarette in ihrem Mund aufstieg. Sie hatte eine lispelnde, abgehackte Redeweise; viele Jahre des nüchternen Pragmatismus hatten ihr die Worte beschnitten. »Setzen Sie sich, ich mache Ihnen eine Tasse Tee«, sagte sie. »Dann können Sie mir erzählen, was Sie hier auf die Shetlandinseln führt.«

»Ich möchte an den äußersten Rand Europas reisen«, erwiderte ich. »Von hier geht es direkt in die Arktis.« Ich zögerte und fragte mich, ob sie das vielleicht für eine verrückte Idee hielt. »Und da dachte ich, Unst wäre doch ein guter Anfang«, fügte ich hinzu.

»Oh, das ist ein weiter Weg. Und was halten Sie bisher von unserer Insel?«

»Sie ist schön«, sagte ich.

»Ja, im Sommer ist es schön, hier zu wohnen«, erklärte sie, »aber im Winter ist es düster. Ja, düster und traurig.«

Ich fragte, ob sie ihr ganzes Leben hier verbracht hätte. »Oh nein!«, schnaufte sie, als hätte ich etwas völlig Undenkbares vermutet. »Ich bin in Haroldswick geboren, im Norden der Insel. Hier runter bin ich erst gezogen, als ich geheiratet habe!«

Draußen trommelte jetzt der Regen gegen die Fenster. Sie nahm den Tee, setzte sich und sprach davon, wie es war, hier an der äußersten Ecke Großbritanniens zu wohnen. »Es ist schade, dass so viele junge Leute nicht hierbleiben, aber wissen Sie, es gibt keine Arbeit.«

Ich nickte und erzählte ihr, dass ich die gleiche Geschichte auch in anderen Teilen Schottlands schon gehört hatte. Zu spät wurde mir klar, dass ich damit einen Fehler gemacht hatte.

»Aber wir hier oben sind keine Schotten!«, erwiderte sie schroff. »Oh nein, wir sind Shetlander! Und von wo sind Sie?«

»Edinburgh«, erwiderte ich.

»Ich habe einen Enkel in Edinburgh, er ist dort auf die Universität gegangen und Ingenieur geworden. Vielleicht kennen Sie ihn.« Sie nannte einen Namen, aber ich musste gestehen, dass ich den jungen Mann nie kennengelernt hatte. Ich fragte mich, ob er vielleicht die Anonymität des Stadtlebens schätzte und Angst davor hatte, zurück nach Unst zu kommen. Oder vielleicht sehnte er sich auch danach, wieder hier zu leben, war aber durch Arbeitsplatz und Lebensweise gebunden.

Sie schien enttäuscht zu sein, dass ich ihn nicht kannte. »Ich nehme an, in Edinburgh wohnen eine Menge Leute. Aber früher waren hier auch viele Leute. Vor hundert Jahren hatte die Insel mehr als zweitausend Seelen. Wir hatten Bergwerke und die größte Heringsfischerei der Welt. Jetzt sind wir nur noch ein paar Hundert.« Sie schüttelte den Kopf, und aus ihrer Stimme klang Kummer über den Gedanken, dass Familien ihre Sachen gepackt hatten und nach Süden gezogen waren, dass die Schulen verwahrlosten und geschlossen wurden und dass die Gärten verwilderten.

Ich fuhr in südwestlicher Richtung nach Eshaness. Paul und Claire Whitworth hatte ich zuvor nur einmal kurz kennengelernt, nachdem ein Freund eines Freundes mich ihnen vorgestellt hatte. Wenn ich irgendwann einmal in den Norden der Shetlandinseln käme, so hatten sie gesagt, solle ich auf jeden Fall bei ihnen vorbeischauen. Sie hatten eine anregende Geschichte zu erzählen. Paul war Künstler. Das Paar hatte sieben Jahre zuvor zusammen mit seinem Sohn Jacob, der damals noch ein Baby war, ein Haus in Lincolnshire zurückgelassen und auf den Shetlandinseln ein neues Leben begonnen.

An diesem Abend baute ich in ihrem Garten mein Zelt mit Blick nach Westen auf. Vom Ozean rollte die Brandung heran und traf unmittelbar außerhalb der Bucht auf ein Riff, so dass ich das Donnern und Beben noch aus einer Entfernung von mehr als eineinhalb Kilometern wahrnehmen konnte. Paul und Claire luden mich zum Abendessen ein, und nachdem ihre vier Kinder zu Bett gegangen waren, sprachen wir darüber, was sie auf die Shetlandinseln geführt hatte. »Ich habe unten in Lincolnshire gewohnt«, begann Paul. »Ich war Manager in einer Fabrik und habe in der Freizeit gemalt. Ich habe die Fabrik gehasst und auch die Schichtarbeit, und immer öfter habe ich diese Landschaft mit ihrem hellen Braun und den grünen Hügeln gemalt, die Täler und Buchten, aber niemals Menschen und niemals Bäume. Sie waren für mich wie Träume. Ich spürte, dass ich einen Ort ohne Menschen brauchte, Platz zum Denken, einen Ort, der angenehm fürs Auge ist. In Lincolnshire ist die Landschaft so unruhig. Die Leute haben mich gefragt, was meine Bilder darstellen, und ich konnte es ihnen nicht sagen. ›Sie sind in meinem Kopf‹, habe ich gesagt, und dann habe ich sie immer karger gemacht, immer leerer.

Ungefähr zur gleichen Zeit war Claire schwanger, und ich hatte in der Firma echte Schwierigkeiten. Ich weiß noch, dass gerade Weltmeisterschaft war; ein paar Kollegen hatten einen Fernseher eingeschmuggelt und sich im Personalzimmer verbarrikadiert; anstatt zu arbeiten, sahen sie sich die Spiele an. Ich bin reingegangen und habe habe sie zurück zur Arbeit beordert. Sie weigerten sich, also habe ich ihnen gesagt, dass ich sie entlassen muss, wenn sie nicht tun, wofür sie bezahlt werden. Ein Bursche kam mit einem Messer auf mich zu. Ich bin weggelaufen und konnte mich im Büro des Betriebsleiters einschließen. Ich hörte, wie er gegen die Tür hämmerte, und dann schrie er: ›Ich weiß, wo deine Frau wohnt!‹

Das war’s dann – ich habe Claire angerufen und ihr gesagt, sie solle alle Türen und Fenster verschließen. Dann habe ich meine Eltern angerufen; die sind sofort zu unserem Haus gefahren und haben die Polizei gerufen. Der Kerl ist nie bei uns aufgetaucht, aber wir waren zutiefst erschüttert. Und als ich die Sache bei meinem Chef zur Sprache brachte, sagte er mir, ich hätte nicht das Recht, den Typen mit Entlassung zu drohen, und ich solle ihnen einfach weiter gut zureden.

Ich habe immer noch diese Landschaften gemalt, und dann haben wir eine Anzeige für einen kleinen Bauernhof auf den Shetlandinseln gesehen. Ich komme aus der Landwirtschaft, deshalb dachten wir, wir könnten es einmal versuchen und sind hingefahren. Der Hof war eine Ruine und viel zu teuer, aber sobald wir von der Fähre fuhren und die Insel sahen, sagte Claire: ›Das ist es! Das ist die Landschaft, die du so oft gemalt hast!‹ Sie hatte recht. Auf der Fähre hatten wir ein Paar kennengelernt, und die hatten uns angeboten, wir könnten bei ihnen übernachten. Wir waren so überwältigt, dass alle uns helfen wollten, dass unser Unternehmen zum Unternehmen aller wurde, die wir trafen und denen wir davon erzählten. Diesen ersten Hof haben wir nicht gekauft, aber kurz danach haben wir das hier gefunden. Wir haben nie mehr zurückgeschaut.«

»Na ja, einmal schon«, warf Claire ein. »Der erste Winter damals war sehr schwer. Das Dach war undicht, Jake war noch ein Baby, und wir hatten keine Heizung. Paul musste Torf stechen und alles selbst tragen, und ich glaube, wir haben kaum etwas anderes gegessen als Porridge aus unserem eigenen Hafer. Wenn wir damals Geld gehabt hätten, wären wir vielleicht in diesem ersten Winter wieder abgereist, aber das konnten wir uns nicht leisten.«

Wie sie mir weiter erzählten, hatten sie in jenem ersten Frühling eines der Nebengebäude zu einer Galerie umgebaut, und Paul hatte wieder angefangen zu malen. Zusammen mit Claire betrieb er den Bauernhof im Nebenberuf: Er kaufte ein paar Schafe, holte ein paar Schweine aus dem Süden und fing mit einer Schweinezucht an; außerdem brachte er nach und nach das Haus in Ordnung. Aber seine künstlerischen Fähigkeiten sprachen sich auf den Shetlandinseln schnell herum, und bald lief die Galerie prächtig. Einige seiner Bilder wurden zu einem guten Preis verkauft, und das nicht nur an Kunden aus Schottland, sondern auch an Sammler in London.

Paul erklärte mir, er möge die Shetlandinseln vor allem deshalb so gern, weil hier so wenig zwischen ihm und der Natur steht. »In den Städten bist du so abgeschottet, so weit weg von allem, was in der Natur echt ist. Du bist von Dingen umgeben, die von Menschen gemacht sind und der Bequemlichkeit der Menschen dienen. Ich habe festgestellt, dass ich nach einiger Zeit so gestresst bin, dass es mich krank macht. Wenn man von Dingen umgeben ist, die von Gott geschaffen sind, ist man Teil der Natur. Man hat Platz zum Atmen und Denken, Platz, um das Leben so zu führen, wie man es selbst will, und nicht so, wie irgendwelche Marketing-Manager es sich vorstellen.«

Vor Kurzem hatte Paul vom bequemen Malen im Atelier die Nase voll gehabt. Es war ihm zu einfach und stand in zu starkem Kontrast zu der Naturgewalt und dem Wüten der Natur, die ihn umgaben. Deshalb hatte er es gewagt, im winterlichen Unwetter mit seinem kleinen Boot hinauszurudern, es zu verankern und den Sturm vom Boot aus zu malen, während dieser ihn hin und her warf. »Es gefällt mir, wie das Meer und der Regen die Ölfarbe beeinflussen und zu einem Teil des Gemäldes werden«, erklärte er. Aber auch damit war er noch nicht zufrieden: Er begann mit dem Malen im Gewitter zu experimentieren, und ließ Schneeflocken und Eiskristalle in das Gemälde einfließen.

Paul und Claire berichteten begeistert über sein nächstes Projekt. Schon seit Langem faszinierte ihn der Einfluss der Umwelt auf die Kunst, und während der Winter auf den Shetlandinseln hatte er viel darüber gelesen, welche unterschiedlichen Kunstformen es auf der Welt gibt und wie sie sich je nach dem Klima entwickelt haben: in den Tropen, den Wüsten, an den Polen, in der Steppe. Das alles versuchte er mental in Einklang zu bringen.

Im oberen Stockwerk lagen die Kinder in tiefem Schlaf. Ich bedankte mich bei Paul und Claire für ihre Gastfreundschaft und für den tiefen Einblick in ihr Leben und ihre Entscheidungen auf den Shetlandinseln. Es war schon spät, aber ein dämmeriges Licht vom nördlichen Horizont erleuchtete meinen Weg zurück zum Zelt.

Mir schwirrte der Kopf vor Gedanken über den Norden, unseren Rückzug dorthin und die Perspektiven, die er auch für den Süden eröffnet. Trotz der Entvölkerung gab es noch Menschen wie Paul und Claire, die sich zu dieser Landschaft und der Lebensgemeinschaft hier hingezogen fühlten, da ihnen diese etwas zurückgaben. Mit dem Rhythmus der Brandung im Ohr schlief ich ein.

Ortschaften wie Lerwick gibt es viele an den Küsten des nördlichen Atlantiks: kleine Hafenstädte voller hoher, bunter Lagerhäuser, mit schmalen, gepflasterten Straßen und düsteren Werkstätten.

Bevor sich im 16. Jahrhundert der Hochseehandel entwickelte, war der Hafen klein. Die Niederländer machten auf ihrem Heimweg aus Ostindien lieber hier Station, statt den englischen Kriegsschiffen im Ärmelkanal die Stirn zu bieten. Anfang des 17. Jahrhunderts war der Ort so von ihnen überlaufen, dass verboten wurde, Bier an Holländer zu verkaufen; auch alle Bordelle der Stadt wurden zerstört. Heute tummeln sich in den Kneipen die Neureichen der Ölindustrie Norwegens und Aberdeens, aber auch ein paar Fischer aus dem Norden.

In der Hafengegend fiel mir eine Bar namens Thule auf. Das Schild war verblasst und blätterte ab, und über einer schwarzen Tür mit der Aufschrift »Keine Hunde« wurde das Bild einer vollbusigen Nordländerin mit blonden Locken und einer um die Schultern gewundenen Schlange sanft von der Sonne ausgebleicht. Die Öffnungszeiten waren auf einem Schild in norwegischer Sprache angegeben. Es war früher Nachmittag, in der Bar war es fast leer. Eine Gruppe Betrunkener in der Ecke gab krakeelend bekannt, wie oft sie sich mit ihren Frauen stritten.

An der Theke saß außer mir nur noch ein Mann. Ich bestellte ein Bier, setzte mich neben ihn und sprach ihn auf das Schild draußen an. Ich erkundigte mich, warum man den Namen Thule gewählt hatte.

»Früher hielt man die Shetlandinseln für die nördlichste Gegend der ganzen Welt«, erklärte er. »Deshalb hat man sie damals Thule genannt.«

Das stimmte zwar nicht ganz, aber ich trank ruhig meinen Pint aus: Einen neunmalklugen Besserwisser mag niemand. Während ich an der Bar saß, sinnierte ich darüber, wie der Gedanke entstanden sein könnte, dass die Shetlandinseln und Thule das Gleiche waren. Pytheas hatte in seinem Buch »Über den Ozean« eindeutig klargestellt, dass Thule sechs Schiffstagesreisen nördlich der Britischen Inseln lag; die Shetlandinseln konnte er also nicht gemeint haben.

Nach Pytheas lag die Entdeckerroute in den Norden dreihundert Jahre lang brach. Erst als die Römer im ersten Jahrhundert n. Chr. in die Gegend kamen, versuchten schriftkundige Menschen erneut, so weit auf den Ozean hinauszufahren. Die Römer waren es auch, die Pytheas’ Thule fälschlich mit den Shetlandinseln gleichsetzten. Noch nicht einmal eine Generation nachdem sie Jesus von Nazareth gekreuzigt hatten, waren sie in die letzte Schlacht gezogen, um Kaledonien ein für alle Mal zum Schweigen zu bringen. Der Bericht von Pytheas war zu jener Zeit bereits zum Mythos geworden. Da Britannien jenseits eines Meeresabschnitts (des Ärmelkanals) lag, hielt man es im römischen Reich für die Südspitze einer ganz neuen Welt. Ein römischer Dichter pries die ersten Eroberungen des Kaisers Claudius nach der Invasion in Britannien im Jahr 43 n. Chr. mit den Worten: »Ozean, die Grenze des Erdkreises, ist nun nicht mehr die Grenze unseres Reiches.« Ich stelle mir gern vor, wie diese Römer an der Stelle standen, an der heute Calais liegt: Sie blickten auf Kent, glaubten aber, eine magische Neue Welt zu sehen.

Ein paar Jahrzehnte später hatten sie Kaledonien immer noch nicht unterworfen. Im Jahr 80 n. Chr. war klar, dass die römische Expansion zum Stillstand gekommen war, dass ihr Reich tatsächlich seine Grenzen hatte. Durch die ersten Erfolge beflügelt, unternahm Julius Agricola, General und Statthalter Britanniens, eine Expedition zur Umsegelung der britischen Inseln. Als hervorragender Militärstratege wollte er die gesamten Inseln für Rom in Besitz nehmen und den Norden vom Wasser aus erkunden. Über die Reise berichtete Agricolas Schwiegersohn, ein Bücherwurm und Historiker namens Tacitus. In seinem Werk Agricola schreibt er über die Umrundung der Nordspitze der Britischen Inseln: »Nur gesichtet wurde Thule, weil der Auftrag nicht weiter ging und der Winter nahte. Aber das träge und für Ruderschiffe beschwerliche Meer werde, so erzählt man, nicht einmal durch Winde wie anderswo aufgewühlt …«

Ob sie in der Entfernung die Orkney- oder die Shetlandinseln sahen, ist nicht klar. In jedem Fall glaubten die Römer, sie hätten das von Pytheas beschriebene Thule erblickt und damit die Grenzen der antiken Welt erreicht. Tacitus war überzeugt, diese Region werde den Römern für immer verschlossen bleiben, weil nicht eine Armee, sondern der Rand der Welt ihr Vorrücken verhindert habe.

Einen weiteren Versuch, ganz Britannien zu erobern, machte man 83 n. Chr. Einer von Agricolas Generälen hatte durch einen Sieg am Fluss Forth nicht weit von Edinburgh an Selbstvertrauen gewonnen und erklärte: »Man müsse weiter nach Kaledonien vordringen und endlich den äußersten Punkt Britanniens in einer zusammenhängenden Reihe von Gefechten ausfindig machen.« Die Römer kamen bis zum Mons Graupius voran, einem Berg, der vermutlich in den Cairngorms liegt, wurden dann aber durch das schlechte Wetter, die Widrigkeiten des Geländes und die unerwartet wilde Angriffslust der Pikten zum Rückzug gezwungen. Da die Soldaten an der Grenze in Germanien gebraucht wurden, gaben sie auf und zogen wieder nach Süden. Agricola selbst wurde 84 n. Chr. nach Rom zurückgerufen. Die Römer waren sicher, sie hätten das Ende der Welt gesehen und müssten nirgendwo anders mehr nach Thule suchen. Von nun an war ihre Politik nicht mehr auf Eroberung, sondern auf Eindämmung angelegt – es lohnte offenbar nicht, um den Norden zu kämpfen.

Die Scharmützel an der Grenze zwischen Schottland und dem römisch verwalteten Norden Englands setzten sich während der gesamten römischen Epoche fort. Die Hauptstadt Eburacum – das heutige York – wurde mehrfach von den Pikten angegriffen. Um sie fernzuhalten, gab Kaiser Hadrian im Jahr 120 n. Chr. den Befehl, zwischen Schottland und England den berühmten, nach ihm benannten Wall zu bauen. Um den letzten Versuch der Römer, den Norden zu unterwerfen, rankt sich eine Legende, die von der Kinderbuchautorin Rosemary Sutcliff literarisch verarbeitet wurde. Die Neunte Hispanische Legion hatte sich bereits in den Feldzügen nach Germanien und durch den Sieg gegen den Stamm der von Boudicca geführten Icener aus dem Südosten Englands einen Namen gemacht. Die in Spanien um 20 v. Chr. gegründete Einheit war eine der meist gefürchteten Legionen der römischen Armee. In den Jahren um 140 n. Chr. wurde sie dazu auserkoren, einen letzten Feldzug zur Unterwerfung der »Kaledonier« zu unternehmen. Die ganze Legion überschritt den Hadrianswall und verschwand dann spurlos. Von keinem ihrer Soldaten hörte man jemals wieder etwas.

Ich hing noch meinen Gedanken über die Römer nach, als mein Nachbar an der Theke zu sprechen begann. Er hatte rote Haare, Sommersprossen auf den Wangen und meerblaue Augen. Wie er mir erzählte, war er mit dem Meer aufgewachsen; seine Kindheit war eine Zeit der endlosen Horizonte und der hohen, freien Schreie fliegender Möwen gewesen. Als junger Mann war er zur Handelsmarine gegangen und hatte die ganze Welt gesehen: den Persischen Golf, das Südchinesische Meer, die Malakka-, Hormuz- und Magellanstraße. Nachdem er in Buenos Aires einmal zu viel getrunken hatte, war er mit einem Haufen anderer Seeleute in ein Bordell gegangen. Am nächsten Tag hatte er in der Dusche gestanden, sich gewaschen und geschworen, er werde nie wieder eine Hure besuchen. Seine Tattoos waren von einer schönen australischen Künstlerin signiert, die er in Singapur kennengelernt hatte. In der staubigen, stickigen Hitze von Kalkutta und Antofagasta hatte er von den Shetlandinseln geträumt.

»Ich bin in ein paar entsetzlichen Gegenden gewesen«, sagte er und nahm einen langen Zug aus seinem Glas. »Meine Familie ist immer zur See gefahren – meine Onkel waren als Walfänger im südlichen Polarmeer. Das waren da unten alles Männer von den Shetlandinseln.« Seine ruhige, gleichmäßige Stimme war voller Erinnerungen und Selbstbewusstsein. Die Worte waren von einem Dialekt gefärbt, der sich ebenso stark Nordisch wie Englisch anhörte, und manchmal verstand ich ihn nur mit Mühe. Ein guter Job, so erklärte er mir, bestand aus vier Monaten auf See und zwei Monaten Urlaub. Seine Freizeit hatte er jahrelang auf dem Hof der Familie verbracht und dort den Torfboden bearbeitet, von dem seine Familie seit Generationen lebte. Wenn der Urlaub endete, war er wieder mit den Tankern nach Arabien, Venezuela oder Brunei gefahren.

In einem Jahr hatte er während des Urlaubs beim Tanzen ein Mädchen von der Isle of Whalsay kennengelernt. Fortan zogen sich die vier Monate auf See länger hin als je zuvor. Die Trennung fiel ihm allzu schwer, und so entschloss er sich, auf die Shetlandinseln zurückzukehren und zu bleiben. Der Hof der Familie wurde sein Hof, und an einem sonnigen Morgen heiratete er sein Mädchen aus Whalsay.

»Glauben Sie, dass Sie irgendwann einmal woanders hinziehen werden?«, fragte ich.

»Oh nein«, erwiderte er, das Gesicht voll ruhiger Gewissheit seiner Liebe zu den Inseln. »Ich werde hier sterben.«

Vor der Bar, an der Hafenmole, war eine Reihe norwegischer Luxusyachten vertäut. Die Wikinger waren bei Ostwind in weniger als zwei Tagen von Bergen hierher gesegelt, aber diese Schiffe schafften es noch schneller. Die Besatzungen bestanden aus großen, selbstbewussten Männern mit blonden Haaren und Wraparound-Sonnenbrillen. Ich ging an der Mole entlang, bewunderte die Yachten und lauschte ihrer Sprache, die in ihrem Tonfall dem Akzent der Shetlander so ähnlich war. Der Klimawandel hatte auch hier seine Spuren hinterlassen: Ich hörte von Plänen der Gemeindeverwaltung, die Hochwassersicherungen am Hafen zu verstärken und sich so gegen den steigenden Meeresspiegel zu schützen.

Die Straße wurde für einen Umzug freigemacht. Die Bewohner der Shetlandinseln sind stolz auf ihre nordische Herkunft und feiern dies einmal im Jahr beim Up Helly Aa, einem Fest im Januar, bei dem die Männer aus der Stadt sich als Wikinger verkleiden und ein Holzschiff in Brand setzen. Heute sollte einer ihrer Probeumzüge stattfinden – er bot die Gelegenheit, ihre großartigen Kostüme zu zeigen, sich danach in einen Pub zurückzuziehen und während des restlichen Nachmittags zu trinken wie echte Wikinger. Die Norweger auf den Yachten schienen von der ganzen Vorstellung zutiefst verstört.

Ich spazierte den Hügel hinauf zur Stadtbücherei und dem Museum von Lerwick. Das Gebäude war eine hässliche Betonkiste, aber unten am Hafen baute man bereits ein neues. Vor der Tür lehnten geschnitzte Bretter mit piktischen Mustern an der Wand. Drinnen waren Keramiktöpfe aus der Bronzezeit neben Skulpturen von modernen Künstlern aus der Gegend ausgestellt. Nordische Kriegswaffen lagen neben den Harpunen schottischer Walfänger. Aber die interessantesten Überreste der alten Shetlandinseln lagen in der Landschaft um mich herum. Ein wenig bergab, gleich hinter dem Museum, stand in einem Park der Clickhimin Broch, einer jener antiken Türme, die zur Zeit von Pytheas genutzt wurden. Ich setzte mich auf den Rasen, den Rücken gegen die alten Steine gelehnt, die warme Sonne im Gesicht. In Nestern tief in den Wänden des Turms kreischten junge Spatzen, deren Eltern über meinen Köpfen in das Mauerwerk hinein und wieder heraus flatterten. Die Gemeinde rund um den Broch dürfte zu Pytheas’ Zeit noch recht jung gewesen sein, und ich versuchte mir vorzustellen, wie das Tal aussah, als er hier auf der Durchreise gewesen war. Vielleicht ruderten die Menschen in ihren fellbespannten Booten seinem Schiff entgegen. Vielleicht führten sie ihn an Land – fasziniert und verängstigt zugleich – in der Hoffnung, feine Stoffe, Metall oder exotische Lebensmittel eintauschen zu können. In meiner Fantasie war er größer als die Einheimischen, gut gekleidet und begleitet von einem Gefolge von Führern und Dolmetschern. Vielleicht brachte er Geschenke, Landkarten, Gerüchte und Geschichten mit, um dann die ersten Fragen nach der Länge und Härte des Winters zu stellen. Wahrscheinlich erkundigte er sich nach Fischerei- und Walfangexpeditionen, die vom Kurs abgekommen waren, und nach Ländern, die sie im Norden vielleicht gesehen hatten.

Es ist ein Missverständnis unserer Tage, zu denken, dass diese Menschen und ihre Vorfahren nicht wussten, wie man nach Island oder darüber hinaus segelt. Ausgrabungen auf den Shetlandinseln brachten Reste von Booten der Pikten zum Vorschein, die auf erfolgreichen Walfang hindeuten; daraus kann man schließen, dass diese Menschen ohne weiteres in der Lage waren, die zweihundertsechzig Kilometer zu den Färöern und die knapp vierhundert Kilometer von dort nach Island über das offene Meer zu segeln. Die Inselgruppen im Pazifik wurden von Menschen besiedelt, die trotz weitaus schlechterer Technologie von Insel zu Insel eine drei- bis viermal größere Entfernung überwanden. Über den Köpfen der Pikten führten die Wanderrouten der Vögel nach Island, und Luftspiegelungen, die durch die kalten arktischen Luftschichten verursacht werden, können Bilder von Island und den Färöern an den Himmel werfen, so dass sie über Hunderte von Kilometern zu sehen sind. Die Pikten der Shetlandinseln könnten durchaus über Thule Bescheid gewusst und Pytheas dorthin geführt haben.

Aus Island gibt es bisher nur wenige Hinweise auf Siedlungen aus der Zeit vor den Nordländern: Im Südosten des Landes hat man im Sand einige römische Münzen aus dem dritten Jahrhundert gefunden (die allerdings auch später dorthin gelangt sein könnten), und in den mittelalterlichen nordischen Annalen wird kurz erwähnt, dass Iren schon vor dem Eintreffen der Wikinger dort lebten. An den Hinweisen in Pytheas’ Buch sollte man aber allein aus solchen Gründen nicht zweifeln – vielleicht fuhren die Menschen nur zu bestimmten Jahreszeiten nach Thule, um zu jagen oder sich an der leichten Ernte der Eiderdaunen zu beteiligen.

Nur das ferne Dröhnen der Autos auf der Hauptstraße erinnerte mich an das 21. Jahrhundert. Die Spatzen nisteten vermutlich schon seit Jahrtausenden in diesen Mauern, der Abhang war damals wahrscheinlich schon ebenso kahl wie heute, und auch der Blick über die hübsche, geschützte Bucht war derselbe.

Der Broch war in einem relativ schlechten Zustand. Die Winterstürme und die Ausdehnung des Eises hatten ihn brüchig gemacht, und man konnte sich nur schwer vorstellen, wie Menschen darin gelebt haben sollen. Aber ein paar Kilometer weiter die Küste entlang stand ein anderer Broch, angeblich der am besten erhaltene der Welt. Da er sich auf einer Insel mit wenigen natürlichen Feinden befindet, wurde er von einer der weltweit größten Sturmschwalbenkolonien in Besitz genommen. Die »Stormies« sind sehr scheue Vögel, die auf den Shetlandinseln nur in den kurzen Nächten an Land kommen, um ihre Jungen zu füttern. Ein Bekannter hatte mir erzählt, ein Abend, an dem er die Sturmschwalben beobachtet und ihnen bei der Rückkehr zum Broch zugehört hatte, sei eines der großartigsten Erlebnisse seines Lebens gewesen. Um mir eine bessere Vorstellung davon zu machen, wie die Shetlandinseln für Pytheas aussahen, wollte ich Mousa besichtigen.

Mousa ist nicht nur berühmt, weil es der am besten erhaltene Broch der Welt ist, sondern auch, weil er schon den Wikingern wohlbekannt war. Die isländische Egils saga erzählt, wie der Wikingerräuber Björn Brynjolfsson seine Geliebte Thora »Von der gestickten Hand« entführt und über die Nordsee entkommt, dicht gefolgt vom Zorn ihres Vaters. Auf dem Weg nach Dublin erleiden sie auf Mousa Schiffbruch. Der Sage nach wurden sie dort in Shetland verheiratet und verbrachten den Winter in der Festung von Mousa. Im Frühjahr machten sie sich wieder auf den Weg, gerieten aber erneut in einen Sturm und wurden dieses Mal bis nach Island abgetrieben. Auch die Shetland- und Orkneyinseln haben ihre eigene Saga, die Orkneyinga saga. Darin wird erzählt, wie sich Erlend der Jüngere, ein Häuptling von den Shetlandinseln, zusammen mit Margaret, der Witwe des Jarl von Atholl (die in der Saga als »sehr vorlaute Frau« bezeichnet wird) nach Mousa davonmacht. Ihr Sohn, der Jarl von Orkney, organisiert eine Belagerung, um sie zurückzuholen. Doch das Liebespaar Margaret und Erlend übersteht die Belagerung und erhält schließlich die Erlaubnis zu heiraten. Dramen und Intrigen sind, so scheint es, mit der Geschichte des Broch von Mousa eng verbunden.

Ich wanderte hinunter nach Leebitton zum Fähranleger, um an einer der Mitternachtsrundfahrten zu den Sturmvögeln teilzunehmen. An der Hafenmole komplimentierte Tom Jamieson, seit dreißig Jahren Bootsmann, die Besucher auf sein Schiff. Auf Zehenspitzen schlich ich an einem Robbenbaby vorüber, das am Strand schlief. Die Küste und die sanfte Steigung der Hügel darüber bildeten eine scharfkantige Silhouette; unter den Passagieren machte sich erwartungsvolles Schweigen breit.

Wir kamen früher als die ausgewachsenen Sturmvögel auf der Insel an; im Dämmerlicht stiegen wir den Pfad vom Anleger zum Broch hinauf. Wie ein Wachturm zeichnete sich seine Silhouette vor dem Himmel ab. Ein paar Sturmvögel hatten ihre Nester zwischen Steinen tief unter dem Kiesstrand gebaut; der Boden hallte vom leisen Zirpen und Summen der Sturmvogelküken wider, die sich auf ihr Futter freuten. Den Blick fest auf den Boden gerichtet, um nicht auf die Jungvögel zu treten, sah ich einige der aufschlussreichen Seenadeln. Die halb verdauten und dann wieder ausgewürgten Fische waren ein Zeichen, dass manche Seevögel aus der Gegend schon jetzt, zu Beginn der Saison, nur noch mit Mühe genügend Futter fanden.

Wir krochen in den Broch, dessen Wände durch die Rufe der Vögel mit Leben erfüllt war; um sie nicht zu stören, hatten wir die Taschenlampen abgedunkelt. Seit er erbaut wurde, waren mehr als zweitausend Jahre vergangen, und tausend Jahre war es her, seit er den flüchtenden Wikingern Schutz geboten hatte, doch die Mauern waren immer noch stabil und die Treppe im Inneren intakt.

Am Fuße des Turmes kehrten jetzt die Vögel zurück. Ich lag, den Kopf an der Wand, auf dem Rücken und sah zu, wie erst wenige, dann Hunderte von ihnen zu ihren Nestern flogen. Sie schienen zu klein, um die Wanderung zu überleben, die sie jedes Jahr vom Meer vor Westafrika auf die Shetlandinseln führt. In immerwährendem Wirbel und mit dem Flüstern ihrer Flügelschläge tanzten ihre Körper rund um den Broch. Mir war, als könne ich am Nordhimmel eine leise Ahnung des Nordlichts erhaschen, das wie ein sanft grünes Leuchten über den Himmel strich. Die Inuit glauben, dass man die Aurora borealis hören kann, und als ich dort in der Dunkelheit lag, erkannte ich nicht, wo ihr Geräusch vielleicht endete und das der Vögel begann.

Meine nächste Reiseetappe sollte mich in die gleiche Richtung führen, die auch Pytheas eingeschlagen haben muss, als er sich nach Thule auf den Weg machte. Nachdem er möglichst viele Informationen gesammelt hatte, brach er wahrscheinlich mit einem anderen Führer aus der Gegend auf; dabei begleitete ihn das sichere Wissen, dass sechs Schiffstagesreisen nach Norden ein neues Land lag, ein Land, in dem die Nacht im Sommer höchstens ein oder zwei Stunden dauerte, und von dort aus, so hoffte er vielleicht, würde er noch weiter nördlich gelegene Länder finden. Auf der Suche nach den Hyperboreern stach er wieder in See, aber zwischen den Shetlandinseln und Island liegt noch eine andere Inselgruppe, ein Archipel, den Pytheas’ Kritiker in ihren Angriffen auf sein Buch anscheinend nicht erwähnten. Ob er sie selbst beschrieb, werden wir nie erfahren. Die ältesten schriftlichen Belege für einen Besuch auf den Färöern sind einige Jahrhunderte jünger; sie stammen aus einer Zeit, als die Inseln offenbar zur Heimat begeisterter Anhänger einer neuen Religion geworden war, die aus dem Osten kam.

Die ersten schriftkundigen Menschen, die etwas über die Färöer schrieben, waren irische Mönche. Sie praktizierten eine frühe Form des Christentums, die im fünften Jahrhundert mit dem heiligen Patrick nach Irland gekommen war und machten sich mit ihren lederbespannten Booten auf den Weg, um überall an der

Atlantikküste Europas winzige Klöster zu gründen. Das nächste Teilstück meiner Reise sollte mich mit der Fähre zu den Färöern führen, wo ich auf ihren Spuren wandeln wollte.

DIE FÄRÖER

 

 

Eine Wüste im Ozean

 

Um zwei Uhr morgens ging ich endlich an Bord der Fähre »Norrøna«, die regelmäßig das Meer zwischen Dänemark, Norwegen und Island durchpflügt. Man hatte mich gewarnt: Eine leichte Überfahrt würde es nicht werden. In der Wettervorhersage war zwar von Windstille die Rede, aber einmal im Jahr reisten die Schüler der Färöer Oberschule mit der Fähre nach Dänemark und wieder zurück, um sich einem Alkoholexzess hinzugeben, wie er in diesem Ausmaß wohl nur skandinavischen Teenagern in den Sinn kommen kann. Als die Fähre auf den Shetlandinseln eintraf, hatten sie bereits seit zwölf Stunden getrunken, und es sah so aus, als wollten sie die ganze Nacht weitermachen. Von der Gangway stolperte ich in ein alkoholisiertes Chaos. Leichtbekleidete blonde Teenagermädchen kotzten sich auf dem Deck die Seele aus dem Leib. Picklige junge Männer standen in Pulks zusammen, rauchten und rumpelten gegen Wände. Als ich mir zwischen triefäugigen Jugendlichen mit Bierdosen in den Händen den Weg zum Informationsschalter gebahnt hatte, stellte ich fest, dass dort nicht nur Informationen bereitgehalten wurden, sondern auch Großhandelsmengen von Kopfschmerztabletten und Kondomen.

Schließlich fand ich fünf Decks tiefer, im Bauch des Schiffes direkt über dem Kiel, zu den Kabinen: Räume ohne Schlösser mit jeweils neun Kojen. Zwischen gestapelten Rucksäcken und weggeworfener Unterwäsche machte ich eine freie Liege aus, auf der ich meinen Schlafsack ausrollen konnte.

Am nächsten Morgen stand ich an Deck und sah von der Reling aus zu, wie die Inseln allmählich eine nach der anderen am Horizont auftauchten. Im Vergleich zu den sanft geschwungenen Kurven Shetlands schienen diese geradezu furchterregend steil, und ich fragte mich, ob ich überhaupt eine ausreichend große ebene Fläche finden würde, um mein Zelt aufzuschlagen. Ich hatte vor, die Inseln per Anhalter und mit dem Zelt zu erkunden, das Gespräch mit den Einheimischen zu suchen und herauszubekommen, was sie über ihre Geschichte wussten. Ich wollte die Landschaft sehen, auf Berge klettern und an Stränden entlanglaufen sowie etwas über die irischen Mönche erfahren, die angeblich vor fünfzehn Jahrhunderten diese Inseln entdeckt und ihnen Namen gegeben hatten. Die Färöer wurden auch lange Zeit von den Wikingern geprägt und sind bis heute von einer skandinavischen Bevölkerungsgruppe bewohnt. Ich hoffte, dass diese starke Kultur nicht alle Spuren der früheren Bewohner hinweggefegt hatte.

Die »Norrøna« bog in eine große, nach Süden offene Bucht ein und lief den Hafen von Tórshavn an, der Hauptstadt der Färöer. Vom Deck I aus sah ich die Schlangen der Autos, die auf die Verladung zum nächsten Anlaufhafen in Island warteten. Inmitten der Personenwagen stand ein Doppeldeckerbus, auf dessen Seite in halbmeterhohen Buchstaben die Aufschrift »Jesus liebt dich« prangte. Sobald das Schiff vertäut und die Gangway heruntergelassen war, steuerte ich darauf zu.

Der Fahrer des Busses war ein trockener Alkoholiker, der von der Heilsarmee errettet worden war und sein Leben der Aufgabe geweiht hatte, das Wort Gottes zu verkünden. Die Lider über den blauen Augen des schmächtigen Mannes schienen sich nicht zu bewegen, und seine weißen Haaren waren gelb meliert vom Zigarettenrauch. Er habe mehr als zwanzig Jahre auf den Britischen Inseln gepredigt, erzählte er mir, und heiße jetzt Bruder Clifford. Er war weder zum Priester geweiht noch gehörte er einem Mönchsorden an; vielmehr predigte er das Wort Gottes auf besondere Weise, so wie der Herr es ihm vor vielen Jahren nach einem besonders schweren Rückfall seiner Alkoholkrankheit aufgetragen hatte. Er sei auf einer Art Pilgerreise: Das Predigen habe ihn von der Sucht erlöst, und das wolle er der Welt verkünden. Die Färöer waren sein erstes Predigtamt im Ausland. Ich fragte ihn, was er als Nächstes vorhabe; er hielt kurz inne, bevor er erwiderte: »Heimgehen zum Herrn. Wie wir alle.« Später erklärte mir einer seiner Assistenten im Flüsterton, er sei in Wirklichkeit auf dem Weg nach Island, um dort die »frohe Botschaft« zu verkünden. Auf den kleineren Orkney-, Shetland- und Färöerinseln habe man ihn freundlich aufgenommen, und nun wolle er sich an eine größere Aufgabe machen. Mit seiner Pilgerreise quer über den Nordatlantik tue er in gewisser Weise das Gleiche wie die irischen Mönche vor eineinhalb Jahrtausenden. Ich erkundigte mich, was er vom Norden als Ziel einer modernen Pilgerreise halte, aber darauf gab er nur eine ausweichende Antwort. Er wandte den Blick ab, fuhr sich mit den teergefärbten Fingern durch die Haare und sah mich wieder an. »Weißt du, über solche Dinge denke ich nicht nach«, sagte er. »Der Herr führt mich, und ich folge ihm.« Sein Assistent bugsierte mich aus dem Bus. Die Autoschlange hatte sich in Bewegung gesetzt. »Es tut mir leid, wir sind ein wenig in Eile. Wir müssen die Fähre erwischen. Haben Sie eine Bibel?«

Ich schüttelte den Kopf.

»Hier, nehmen Sie die hier.« Er drückte mir eine kleine, in Stoff gebundene Ausgabe des Neuen Testaments und der Psalmen in die Hand. »Ich habe ein paar von meinen Lieblingsstellen angestrichen. Sie sollten nie ohne Bibel in einem fremden Land auf Reisen gehen.«

Ich bedankte mich und trat von dem Bus zurück. Mit einem Zischen schloss sich die Tür, und Bruder Clifford stieg auf den Fahrersitz. Als er anfuhr, verriet sein Gesichtsausdruck die tiefe Überzeugung und das Wissen darum, dass es da draußen noch schrecklich viele Seelen zu retten gab.

Tórshavn wirkt wie ein zu stark gewuchertes Dorf. Seine Straßen mit den leuchtend bunten Häusern klettern vom Hafen an den Hügeln hinauf wie verspritzte Farbe in einer Landschaft, die sie kaum zu ertragen scheint. Nicht weit vom Ortszentrum grasen Schafe neben Verkehrsampeln und Pizzabuden. Die Berge erheben sich rund um die Bucht unmittelbar aus dem Meer und sehen aus, als könnten sie die Spuren einer tausendjährigen Besiedelung an einem Nachmittag abschütteln. Die Inseln liegen inmitten der Wettersysteme, die vom Golfstrom angetrieben werden, und sind während eines großen Teils des Jahres in düsteren Nebel gehüllt. Der Winter ist zwar mild, aber die atlantischen Tiefdruckgebiete kreisen zu allen Jahreszeiten über dem Archipel. Die Unwetter sind legendär.

Ich ging vom Fähranleger hinauf zu einer Festung. Die Dänen hatten sie vor mehr als dreihundert Jahren errichtet, um ihre Interessen gegen baskische Piraten zu verteidigen. Die alten Messingkanonen zielen heute auf russische Fischerboote und Passagierfähren, die in der Bucht hin und her schippern. Neben der Befestigungsanlage hatte eine Gruppe von Jungen ein Spatzennest gefunden. Sie schossen mit einer Luftpistole, quiekten vor Lachen und warfen sich gegenseitig den jungen Vogel zu. Er schrie und versuchte von ihnen wegzuflattern, aber er war noch nicht ganz flügge und bald darauf verstummte er. Als sie sich überzeugt hatten, dass er tot war, liefen sie lärmend in Richtung der Stadt davon.

Ich lag oberhalb der Bucht auf dem Rücken im Gras und schlug eine Übersetzung der Navigatio Sancti Brendani Abbatis auf, der »Seereise des Abtes Sankt Brendan«. Das Buch war im achten Jahrhundert auf Lateinisch verfasst worden, handelte aber von Ereignissen, die sich zweihundert Jahre früher abgespielt hatten. Der Bericht, der unter Fachleuten häufig einfach als Navigatio bezeichnet wird, ist sowohl eines der ungewöhnlichsten Beispiele frühmittelalterlicher Literatur als auch für die Erkundung des Nordatlantiks. Er enthält auch die erste schriftliche Erwähnung der Färöer. Das Werk entspringt der keltischen Tradition der Immram oder magischen Reise, ist aber auch reich an Tatsachenschilderungen und geographischen Details. Anscheinend segelte Brendan irgendwann zu Beginn des sechsten Jahrhunderts über den Nordatlantik. Nach Ansicht mancher Fachleute gelangte er sogar bis nach Nordamerika; die Beschreibungen in der Navigatio weisen darauf hin, dass er mindestens bis nach Island kam. Ich wusste, dass es schwierig sein würde, auf einer Reise über die Färöer die in der Navigatio