Dunkler Ruf des Schicksals - Christine Feehan - E-Book
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Beschreibung

Destiny ist eine Kreatur der Nacht. Verzweifelt versucht sie, gegen ihr Schicksal anzukämpfen. Nur eines hielt sie bisher am Leben: Seine Stimme in ihrem Geist. Er lehrte sie zu überleben, zu kämpfen, ihre besonderen Kräfte zu nutzen - und Vampire zu jagen. Doch sie weiß nicht, wer er ist, und sie hat ihm nie geantwortet. Nun ist er es, der sie braucht, um nicht der Dunkelheit zu verfallen. Doch dafür muss Destiny ihr Schweigen brechen und ihn zu sich rufen. Kann sie ihm trauen, ist er wirklich ihre Erlösung, die andere Hälfte ihrer Seele?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:630


Christine Feehan

DUNKLER RUFDES SCHICKSALS

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch vonBritta Evert

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabe

des in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Deutsche Erstausgabe

Für die Originalausgabe:

© 2004 by Christine Feehan

Titel der Originalausgabe: »Dark Destiny«

Originalverlag: Dorchester Publishing Co., Inc.

By arrangement with Dorchester Publishing Co., Inc.

Dieses Werk wurde vermittelt durch Interpill Media GmbH,

Hamburg

Für die deutschsprachige Ausgabe:

© 2008 by Bastei Lübbe AG, Köln

Titelillustration: © Pino Daeni; via Agentur Schlück GmbH

Umschlaggestaltung: Rainer Schäfer

Datenkonvertierung E-Book: Urban SatzKonzept, Düsseldorf

ISBN 978-3-8387-5697-4

Sie finden uns im Internet unter

www.luebbe.de

Bitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

Dieses Buch ist vielen Menschen gewidmet. Allen voran zwei Männern, die sich einer Berufung verschrieben haben: George Chadwick, sechster Dan in Tang Soo Do, und Roberto Macias, vierter Dan in Tang Soo Do.

Gayle Fillman, fünfter Go Dan in Aikido von der World Aikido Federation, die unbeirrt für ein sicheres Trainingsumfeld sorgt und Frauen in Not eine Zuflucht bietet.

Diese wundervollen, engagierten Menschen haben sich stets um Frauen gekümmert, die es schwer haben. Ohne ihre Leitung und ihre Unterstützung hätte ich vieles nicht gelernt, mit dem ich später anderen Frauen helfen konnte. Ich danke euch für eure Großzügigkeit und eure Fürsorge, im Namen aller, denen ihr geholfen habt, ohne überhaupt davon zu wissen.

Anita, Billie Jo und allen anderen ganz besonderen Menschen, die sich aus der Asche erhoben haben und die ihre Zeit so vielen Menschen in Not schenkten.

Ganz besonders danke ich Judy Albert und meiner Schwester Ruth Powell, die oft bis tief in die Nacht mit mir zusammensaßen und mir halfen, das Beste aus der Geschichte herauszuholen.

Ich danke euch allen.

Kapitel 1

Sie erwachte mit dem Wissen, eine Mörderin zu sein, die immer wieder morden würde. Für sie war es der einzige Grund, ihr Dasein fortzusetzen. Das war es, wofür sie lebte. Um zu töten.

Hunger und Schmerzen krochen unablässig und erbarmungslos durch ihren Körper. Regungslos lag sie in dem Erdreich, das sie umgab, und starrte in den sternklaren Nachthimmel. Es war bitterkalt; das Blut, das durch ihre Adern floss, war wie Eiswasser. Es war so kalt, dass es wie Säure brannte.

Ruf mich zu dir. Ich werde dich wärmen.

Sie schloss die Augen, als die Stimme in ihrem Kopf erklang. Er rief jetzt bei jedem Erwachen nach ihr. Die Stimme eines Engels, das Herz eines Dämons. Ihr Retter. Ihr Todfeind.

Sie ließ zu, dass langsam Luft in ihre Lunge drang und ihr Herz stetig zu schlagen begann. Wieder lag eine endlose Nacht vor ihr. Es waren schon so viele gewesen, und alles, was sie sich wünschte, war Ruhe.

Sie stieg aus dem Erdreich auf und zog sich dabei mit der Routine langer Erfahrung gleichzeitig an. Ihr Körper war rein, doch ihre Seele war verdammt. Die Gerüche und Laute der Nacht waren überall um sie herum und überwemmten ihre Sinne mit Informationen. Sie war hungrig. Sie musste in die Stadt. Sosehr sie sich auch bemühte, sie konnte das Verlangen nach schwerem, heißem Blut nicht überwinden. Es rief nach ihr und lockte sie mehr, als irgendetwas anderes es vermocht hätte.

Destiny fand sich in einem vertrauten Stadtteil wieder. Ihre Schritte folgten dem gewohnten Weg, noch bevor sie tatsächlich darüber nachgedacht hatte, wo sie eigentlich hinwollte. Die kleine Kirche, die sich im Gewirr der schmalen Straßen und Gassen zwischen die höheren Gebäude duckte, rief nach ihr. Destiny kannte dieses Viertel, diese kleine Stadt innerhalb der großen Stadt. Die Häuser waren eng ineinander verschachtelt; einige stießen direkt aneinander, andere waren durch enge Gassen voneinander getrennt. Sie kannte jedes einzelne von ihnen, jedes Wohnhaus, jedes Geschäft; sie kannte die Bewohner und ihre Geheimnisse. Destiny wachte über sie, wachte über ihr Leben, aber trotzdem war sie immer allein und isoliert.

Zögernd stieg Destiny die Stufen zur Kirche hinauf und blieb im Eingang stehen, wie sie es schon so oft getan hatte. Ihr scharfes Gehör sagte ihr, dass sich jemand in der Kirche befand, dass der Priester seine Pflichten beendete und bald gehen würde. Er war viel später dran als sonst.

Sie hörte das Rascheln der Messgewänder, als er den Mittelgang hinauf zu der breiten Flügeltür ging. Wie immer würde er sie absperren, bevor er ging, aber das war bedeutungslos für Destiny, für die eine Tür kein Hindernis darstellte. Sie wartete draußen in der Dunkelheit, tief im Schatten, wo sie hingehörte, und beobachtete den Priester mit angehaltenem Atem. Ihr Inneres war von einer Sehnsucht erfüllt, die an Verzweiflung grenzte. Immer wieder zog sie die Schönheit der kleinen Kirche magisch an. Irgendetwas befahl sie dorthin, mit einem Ruf, der beinahe ebenso stark war wie der Lockruf des Blutes. Manchmal glaubte sie, dass das der Ort war, an dem es ihr bestimmt war zu sterben; manchmal wiederum glaubte sie, genug bereut und gebüßt zu haben. Sie ging fast immer dann zur Kirche, wenn sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte, als sich Nahrung zu beschaffen.

Der Priester blieb einen Moment lang vor der Tür stehen und sah sich forschend in der Dunkelheit um. Er schaute sie direkt an, doch sie wusste, dass sie für ihn unsichtbar war. Er schien etwas sagen zu wollen, zögerte aber und schlug das Kreuzzeichen in ihre Richtung. Destiny, die halb und halb erwartete, vom Blitz getroffen zu werden, hielt den Atem an. »Finde Frieden, mein Kind«, murmelte der Priester leise, bevor er mit langsamen, gemessenen Schritten die Stufen hinunterging. Destiny blieb im Schatten, so still und so regungslos wie die Berge, die sich rings um die Stadt erhoben. Wie hatte er ihre Gegenwart spüren können? Sie wartete so lange, bis er in die schmale Gasse bog, die zu dem Garten hinter dem Pfarrhaus führte. Erst jetzt wagte sie, auszuatmen und wieder Luft zu holen.

Destiny ging zu der schweren holzgeschnitzten Flügeltür, aber dieses Mal war sie nicht abgesperrt. Sie warf einen Blick auf die Straße zurück, wo der Priester um die Ecke gebogen war. Er wusste es also. Er wusste, dass sie seine Kirche brauchte, und er hatte ihr stillschweigend die Erlaubnis gegeben, diesen gesegneten, heiligen Ort zu betreten. Der Priester wusste nicht, was sie war, aber er war ein guter Mensch und glaubte daran, dass jede Seele gerettet werden könnte. Mit zitternder Hand stieß sie die Tür auf.

Destiny stand im Eingang der leeren Kirche, umhüllt von der Dunkelheit, ihrer einzigen Verbündeten. Sie fröstelte, nicht aufgrund der kalten Luft, die ihr aus dem Gebäude entgegenschlug, sondern wegen der Eiseskälte, die tief in ihrer Seele herrschte. Obwohl es in der Kirche völlig dunkel war, konnte Destiny mühelos die Schönheit des Raumes erkennen. Lange Zeit starrte sie das Kreuz über dem Altar an. In ihrem Inneren tobte ein Sturm, und ein bohrender Schmerz nagte an ihr, wie in jedem Augenblick ihres Daseins. Dazu kamen Hunger, scharf und fordernd, und Scham, ihre ständigen Begleiter.

Destiny war an diesen Ort gekommen, um ihre Sünden zu beichten. Sie war eine Mörderin, und sie würde immer wieder töten. So würde ihr Leben aussehen, bis sie den Mut fand, das furchtbare Wesen, zu dem sie geworden war, zu zerstören. Sie wagte nicht einzutreten, wagte nicht, um Zuflucht zu bitten.

Lange Zeit blieb sie schweigend stehen, ein scharfes und ungewohntes Brennen unter ihren Lidern. Es dauerte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass es Tränen waren, die dieses Brennen hervorriefen. Sie hätte gern geweint, doch welchen Sinn hätte das gehabt? Destiny hatte gelernt, dass Tränen das Echo eines hässlichen, dämonischen Lachens mit sich brachten, und sich angewöhnt, nicht mehr zu weinen. Nie mehr.

Warum willst du unbedingt leiden? Die Stimme war täuschend schön. Tief und wohlklingend, eine angenehme Mischung aus männlicher Gereiztheit und Charme. Ich fühle deinen Schmerz. Er ist scharf und quälend und durchbohrt mein Herz wie ein Pfeil. Ruf mich zu dir. Ich komme sofort. Du weißt, dass ich nicht anders kann. Ruf nach mir. Ein Hauch von Autorität schwang in den Worten mit, ein unterschwelliger Befehl. Du kennst mich. Du hast mich schon immer gekannt.

Die Stimme schwebte durch ihr Bewusstsein wie das Flattern von Schmetterlingsflügeln. Sie glitt über ihre Haut, drang in ihre Poren und schmiegte sich an ihr Herz. Destiny ließ die Stimme tief in sich eindringen, bis sie es brauchte, die Stimme wieder zu hören. Einen Ruf in die Nacht zu schicken. Zu gehorchen. Sie brauchte diese Stimme. Sie hatte sie am Leben gehalten und dafür gesorgt, dass sie nicht den Verstand verlor. Und sie hatte ihr viele Dinge beigebracht – grauenhafte und mörderische, aber notwendige Dinge.

Ich fühle, was du brauchst. Warum schweigst du so beharrlich? Du hörst mich ebenso, wie ich es fühlen kann, wenn deine Schmerzen zu groß werden, als dass du sie noch ertragen könntest.

Destiny schüttelte entschieden den Kopf, um sich der Versuchung dieser Stimme zu widersetzen. Bei der Bewegung flog ihr üppiges dunkles Haar in alle Richtungen. Sie wollte ihren Geist von der täuschenden Reinheit dieser Stimme befreien. Nichts könnte sie dazu bewegen, eine Antwort zu geben. Sie würde sich nie wieder von einer betörenden Stimme einfangen lassen. Diese Lektion hatte sie auf die harte Tour gelernt und war dadurch zu einer Hölle auf Erden verdammt worden, an die sie nicht einmal denken mochte.

Destiny zwang sich, tief einzuatmen und ihre Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Sie wusste, dass für den Jäger die Möglichkeit bestand, sie durch die Intensität ihrer Verzweiflung aufzuspüren. Eine Bewegung in der Nähe ließ sie herumfahren und eine geduckte Angriffsstellung einnehmen.

Einen Moment lang herrschte Stille, dann war wieder eine Bewegung zu spüren. Eine Frau ging langsam die Stufen zur Kirche hinauf und kam in Destinys Blickfeld. Sie war groß und elegant, mit makelloser, milchkaffeebrauner Haut und Haaren von der Farbe zartbitterer Schokolade. Ihr Haar ringelte sich zu einer üppigen Mähne unzähliger Locken, die auf ihre Schultern fielen und ihr ovales Gesicht einrahmten. Ihre großen braunen Augen forschten in den dunklen Schatten, als befürchtete sie, nicht allein zu sein.

Destiny nutzte die Stille zu ihrem Vorteil aus und bewegte sich mit übernatürlicher Geschwindigkeit, um sich tief in den Winkel einer Nische zu ducken, weg von der Kirchentür. Dort stand sie wie festgefroren und wagte kaum zu atmen.

Die Frau trat zur Tür und blieb einen Moment lang stehen, eine Hand auf den Rand der offenen Tür gelegt. Sie seufzte leise. »Ich bin hergekommen, um Sie zu suchen. Mein Name ist MaryAnn Delaney. Sie wissen, wer ich bin. Ich weiß, dass Sie manchmal hier sind; ich habe Sie gesehen. Heute Abend habe ich Sie auch gesehen. Sie sind hier.« Sie wartete einen Herzschlag lang. Zwei Herzschläge. »Irgendwo«, flüsterte sie, als redete sie mit sich selbst.

Destiny presste sich so eng an die Außenmauer der Kirche, dass es wehtat. Sie waren beide in großer Gefahr, aber nur eine von ihnen war sich dessen bewusst.

»Ich weiß, dass Sie hier sind, laufen Sie also bitte nicht wieder weg«, bat MaryAnn leise. Trotz ihrer dicken Jacke rieb sie sich die Arme, um die Kälte abzuwehren. »Sprechen Sie einfach mit mir. Ich habe Ihnen so viel zu sagen, Ihnen für so viel zu danken.« Ihre Stimme war sanft und begütigend, als redete sie beruhigend auf ein wildes Tier ein.

Destinys Brust schnürte sich schmerzhaft zusammen. Sie bekam kaum noch Luft und hatte das Gefühl zu ersticken. Ein, zwei Sekunden lang wartete sie, dann wich sie tiefer in den Schatten zurück. Sie konnte ihr Herz schlagen hören und registrierte, wie sich MaryAnns Herzschlag ihrem anpasste. Sie vernahm den lockenden Ruf von Blut, das durch Adern floss. Es rief nach ihr und verstärkte ihren schrecklichen Hunger. Unter ihrer Zunge spürte sie, wie ihre Eckzähne länger wurden, und sie zitterte vor Anstrengung, sich zu beherrschen und das Unvermeidliche zu verhindern.

Diese Frau war alles, was sie selbst nicht war. MaryAnn Delaney. Destiny kannte sie gut. Sie war tapfer und mitfühlend und widmete ihr Leben der Aufgabe, anderen zu helfen. Ein helles Licht schien direkt aus ihrer Seele zu leuchten. Destiny hörte ihr oft bei ihren Vorlesungen und Diskussionsrunden zu, sogar bei ihren Beratungsgesprächen. Destiny hatte sich zu MaryAnns inoffizieller Beschützerin ernannt.

»Sie haben mir das Leben gerettet. Als vor ein paar Wochen dieser Mann in mein Haus einbrach und mich angriff, sind Sie gekommen und haben mich gerettet. Ich weiß, dass Sie verletzt wurden – auf Ihren Kleidern war Blut –, aber als die Sanitäter kamen, waren Sie verschwunden.« MaryAnn schloss einen Moment lang die Augen, als sie von Neuem den grauenhaften Moment durchlebte, als sie mitten in der Nacht aufgewacht war und einen rasenden Mann neben ihrem Bett vorgefunden hatte. Er hatte sie an den Haaren unter der Decke hervorgezerrt und so brutal und so schnell auf sie eingeschlagen, dass ihr keine Zeit geblieben war, sich zu verteidigen. Er war der Ehemann einer Frau, der sie geholfen hatte, in einem Frauenhaus unterzukommen, und er war wildentschlossen gewesen, die Adresse aus ihr herauszubekommen. Er hatte sie zusammengeschlagen, bis sie blutend auf dem Boden gelegen hatte, sie mit Füßen getreten und war dann mit einem großen Messer auf sie losgegangen. Die Narben an ihrem Arm zeigten, wie sie versucht hatte, ihn abzuwehren. »Ich habe niemandem gesagt, dass Sie da waren. Ich habe Sie der Polizei gegenüber mit keinem Wort erwähnt. Man nahm an, der Mann wäre über die umgestoßenen Möbelstücke gestolpert und so unglücklich gestürzt, dass er sich dabei das Genick brach. Ich habe Sie nicht verraten. Es gibt keinen Grund zur Sorge; die Polizei sucht nicht nach Ihnen. Sie weiß nicht das Geringste über Sie.«

Destiny biss sich fest auf die Lippe und schwieg hartnäckig. Zum Glück waren die Schneidezähne wieder kürzer geworden. Auch ohne MaryAnn der Liste ihrer Opfer hinzuzufügen, hatte sie schon genug Schuld auf sich geladen.

»Antworten Sie mir bitte!« MaryAnn breitete ihre Arme aus. »Ich verstehe nicht, warum Sie nicht mit mir sprechen wollen. Was kann es schon schaden, wenn Sie mir sagen, ob Sie in jener Nacht verletzt worden sind? Überall an Ihnen war Blut. Es war nicht von mir und auch nicht von diesem Mann.«

Destiny spürte, wie Tränen in ihren Augen brannten und ihr die Kehle zuschnürten. Ihre Hände ballten sich zu straffen Fäusten. »Es war nicht mein Blut. Sie schulden mir nichts.« Die Worte kamen ihr nur mit Mühe über die Lippen und klangen erstickt. Zum Teil stimmte es. Mary Anns Angreifer hatte ihr nicht einen einzigen Kratzer zugefügt. »Es tut mir nur leid, dass ich nicht früher da war, bevor er Sie angriff.«

»Er hätte mich umgebracht. Das wissen wir beide. Mein Leben ist nicht das Einzige, wofür ich Ihnen Dank schulde. Sie sind es, die mir Geld für unsere sicheren Häuser zukommen lässt, nicht wahr?«, fuhr MaryAnn fort. »Und für unseren Unterstützungsfond für geschlagene Frauen.«

Destiny lehnte sich an die Wand. Sie war es müde, Schmerzen zu haben, müde, ständig allein zu sein. MaryAnn strahlte unglaublich viel Wärme und Trost aus. »Das ist keine große Sache, nur Geld. Sie leisten die ganze Arbeit. Ich bin froh, wenn ich ein bisschen dazu beitragen kann.«

»Kommen Sie mit zu mir«, schlug MaryAnn vor. »Ich koche uns einen Tee, und wir unterhalten uns.« Als Destiny nichts darauf erwiderte, seufzte MaryAnn leise. »Sagen Sie mir wenigstens, wie Sie heißen. Ich spüre oft Ihre Nähe und betrachte Sie als Freundin. Was ist schon dabei, mir Ihren Namen zu verraten?«

»Ich möchte nicht, dass Sie mit der Hässlichkeit meines Lebens in Berührung kommen«, gestand Destiny leise. Die Nacht hüllte sie schützend ein und sprach leise zu ihr, sodass Destiny trotz ihrer Entschlossenheit, nichts Gutes sehen zu wollen, ihre Schönheit wahrnahm.

»Ich habe keine Angst vor den hässlichen Seiten des Lebens«, entgegnete MaryAnn. »Ich habe sie schon früher gesehen und werde sie wieder sehen. Niemand sollte ganz allein in der Welt stehen. Wir alle brauchen irgendjemanden, auch Sie.«

»Sie machen es mir nicht leicht.« Die Worte klangen fast wie ein Schluchzen. »Sie wissen nicht, wie schlecht ich bin. Für mich gibt es keine Erlösung. Ich hätte nie zulassen dürfen, dass Ihr Leben und meines zusammentreffen, nicht einmal einen Moment lang.«

»Ich bin sehr froh, dass Sie es zugelassen haben. Andernfalls wäre ich jetzt nicht hier, und ich habe viel, wofür es sich zu leben lohnt.«

Destiny presste eine Hand an ihren Mund und stellte beschämt fest, dass sie zitterte. »Sie sind anders als ich. Sie sind ein guter Mensch und helfen so vielen Leuten.«

MaryAnn nickte zustimmend. »Ja, das tue ich, und ohne Sie wäre ich jetzt nicht mehr in der Lage, je wieder einer Frau oder einem Kind helfen zu können. Das ist allein Ihr Verdienst. Ich hätte mich selbst nicht vor diesem Mann retten können. Ohne Sie wäre ich jetzt tot.«

»Das ist eine verdrehte Logik«, widersprach Destiny, stellte aber fest, dass trotz der Schmerzen, die sie wie ein Messer durchbohrten, ein leichtes Lächeln über ihre Lippen huschte. Sie hatte MaryAnn oft mit anderen Frauen reden hören, stets mit sanfter, verständnisvoller Stimme. MaryAnn wusste immer, was sie sagen musste, um ihre Klientinnen zu beruhigen. Dieselbe Gabe setzte sie bei Destiny ein. »Mein Name ist Destiny.« Selbst in ihren eigenen Ohren klang ihr Name seltsam, so lange war es her, seit sie ihn gehört hatte. Ihn laut auszusprechen, war beinahe beängstigend.

MaryAnn lächelte und zeigte dabei ihre schönen Zähne. Ihr Lächeln war ansteckend. »Ich freue mich so, Sie kennenzulernen! Ich bin MaryAnn.« Sie trat einen Schritt vor und streckte ihre Hand aus.

Bevor sie es verhindern konnte, nahm Destiny die dargebotene Hand. Es war das erste Mal seit langer Zeit, dass sie ein menschliches Wesen berührte. Ihr Herz hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust, und sie riss sich mit einem Ruck los und glitt in den Schatten zurück. »Ich kann das nicht«, flüsterte sie. Es war zu schmerzlich, in diese klaren Augen zu schauen und MaryAnns Wärme zu spüren. Es war leichter, allein zu sein, sich im Schatten zu verbergen und für immer ein Geschöpf der Nacht zu sein.

Mary Ann stand regungslos da, betroffen von der ungewöhnlichen Schönheit der jungen Frau, die sich im Schatten versteckte. Sie war kleiner, als MaryAnn angenommen hatte – nicht wirklich klein, jedoch auch nicht groß. Sie hatte weibliche Kurven, aber ihr Körper war straff und muskulös. Ihr Haar war eine wilde Mähne aus schwerer schwarzer Seide. Ihre Züge waren fesselnd, ihre Augen sehr groß, von langen Wimpern umrahmt, gequält und faszinierend. Sie waren von einem tiefen, strahlenden Blaugrün, und in ihnen lagen Schatten und Geheimnisse und unvorstellbarer Schmerz. Ihr Mund war schön geschwungen und einladend. Aber sie besaß mehr als körperliche Schönheit, eine undefinierbare Anziehungskraft, wie MaryAnn sie noch bei keiner anderen Frau erlebt hatte. Ihre Stimme war melodisch, geheimnisvoll, bezwingend. Und rätselhaft. Alles an Destiny war anders und unerwartet.

»Natürlich können Sie. Wir wollen uns doch nur unterhalten, Destiny. Was ist schon dabei? Ich habe mich heute Abend ein bisschen einsam gefühlt, und ich wusste, dass ich Sie sehen muss.« MaryAnn trat einen Schritt näher an den Schatten heran, in dem sich Destiny verbarg. Sie wünschte inständig, sie könnte irgendwie die furchtbare Verzweiflung auf diesem schönen Gesicht lindern. Sie hatte in ihrem Beruf schon häufig mit traumatischen Erlebnissen zu tun gehabt, aber diese unglaublich großen blaugrünen Augen wurden von etwas gequält, das über MaryAnns Vorstellungskraft hinausging. Diese Augen hatten Dinge gesehen, die niemand hätte sehen dürfen. Namenloses Grauen.

Destiny ließ ihren Atem entweichen. »Wissen Sie, wie oft ich beobachtet habe, wie Sie sich um Frauen in Not kümmern? Sie haben die Gabe, Menschen Hoffnung zu geben, die schon lange nicht mehr daran glauben, dass es so etwas wie Hoffnung gibt. Wenn Sie denken, dass Sie mir etwas schulden, irren Sie sich. Sie haben mir mehr als einmal das Leben gerettet, auch wenn es Ihnen nicht bewusst war. Ich höre Ihnen oft zu, und Ihre Worte sind das Einzige, was in dieser Welt noch einen Sinn für mich ergibt.«

»Das freut mich wirklich.« MaryAnn zog Handschuhe aus ihrer Jackentasche und streifte sie über ihre schlanken Hände, um sie vor der beißenden Kälte zu schützen. »Wissen Sie, manchmal fühlt sich jeder einsam und verlassen. Sogar ich. Wir alle brauchen Freunde. Wenn Sie nicht unbedingt zu mir nach Hause kommen wollen, könnten wir vielleicht im »Midnight Marathon« einkehren. Da drinnen ist es allerdings immer ein bisschen laut. Wäre es so schlimm, mitzukommen und eine Tasse Tee mit mir zu trinken? Damit lassen Sie sich schließlich nicht auf eine langfristige Beziehung ein.« Ein Anflug von Humor lag in ihrer Stimme, eine Aufforderung, gemeinsam zu lachen.

»Tee? Ich habe seit Jahren keine Tasse Tee mehr getrunken.« Destiny presste eine Hand auf ihren Magen. Sie sehnte sich von ganzem Herzen danach, MaryAnns Gesellschaft zu genießen, aber bei der Vorstellung, sich zwingen zu müssen, normal zu erscheinen, drehte sich ihr der Magen um. Sie konnte sich den Abscheu und das Entsetzen in MaryAnns Augen, wenn sie die Wahrheit erfuhr, lebhaft vorstellen.

»Dann wird es aber Zeit, würde ich sagen. Kommen Sie mit zu mir nach Hause«, schlug MaryAnn freundlich vor.

Der Wind fegte über die Stufen zur Kirchentür und wirbelte Blätter und Zweige hoch. Über ihnen begannen die Wolken dunkle Fäden zu spinnen. Und da war noch etwas, etwas im Wind, der sanft an ihren Kleidern und Haaren zupfte und dabei gleichzeitig unruhig in Bäumen und Sträuchern raschelte. Es war beinahe, als raunte eine leise, kaum hörbare Stimme ihnen etwas zu. MaryAnn horchte auf und wandte den Kopf hin und her, um das Geräusch aufzufangen.

Destiny war mit einem Satz bei ihr und stieß einen warnenden Zischlaut aus. Noch während sie MaryAnn an den Aufschlägen ihrer dicken Jacke packte, stieß sie die Kirchentür weit auf. Sie schubste MaryAnn hinein. »Hören Sie mir zu.« Destiny starrte direkt in die Augen der anderen. »Sie werden diese Kirche nicht vor morgen früh verlassen. Egal, was Sie hören oder sehen, Sie werden die Kirche nicht verlassen.« Sie sprach den Befehl mit fester Stimme aus und pflanzte dabei in MaryAnns Unterbewusstsein den Zwang, ihr zu gehorchen.

Destiny spürte die Gefahr in ihrem Rücken und wirbelte herum, um ihre Schulter außer Reichweite zu bringen. Sie hatte kostbare Zeit verloren, indem sie MaryAnn in Sicherheit gebracht hatte, und trotz ihrer unglaublichen Schnelligkeit rissen lange, messerscharfe Krallen ihr den Arm von der Schulter bis zum Ellbogen auf. Noch in der Bewegung holte sie mit einem Bein aus und landete einen festen Tritt.

Aus weiter Ferne kam die leise, vertraute Stimme, die so oft in einer uralten Sprache nach ihr rief. Ruf mich jetzt zu dir! Es war ein Befehl, nicht mehr und nicht weniger, als hätte er ihren körperlichen Schmerz gespürt und wüsste, dass sie in Gefahr war.

Destiny schottete ihr Denken bewusst vor allem anderen außer dem bevorstehenden Kampf ab. Allein darauf konzentrierte sie sich, während sie den Untoten mit dem unverwandten Blick eines Raubtiers fixierte. Ganz still balancierte sie auf ihren Fußballen und atmete in tiefen, regelmäßigen Zügen ein und aus. Der Vampir, das Geschöpf der Nacht. Grauenhaftes Monster und Todfeind.

Ihr Angreifer war groß und schlank, mit aschfahler Haut und schwarzem Haar. Seine Zähne blitzten auf, als er sich zu ihr umwandte. »Ruf die andere Frau zu uns.« Seine Stimme war tief und ausdrucksvoll, sanft und einladend.

Destiny schoss auf ihn zu wie ein Pfeil, zog dabei ein Messer aus einer Scheide zwischen ihren Schulterblättern und zielte direkt auf sein Herz. Die Attacke kam völlig unerwartet. Der Vampir glaubte, seine Stimme hätte sie gefügig gemacht. Noch dazu war sie eine Frau. Das Letzte, was man von einer Frau erwartete, war ein Angriff. Es war meistens das Überraschungsmoment, das Destiny zum Sieg verhalf.

Die Klinge sank tief in seine Brust; trotzdem gelang es ihm, seine Krallen in ihre verletzte Schulter zu schlagen und tiefe Furchen in ihr Fleisch zu reißen, während er vor ihr zurückwich. Er löste sich in grünlichen Dunst auf, schwebte durch die Nachtluft davon und hinterließ eine tödlich giftige Spur aus roten, mit Grün vermischten Blutstropfen. Destiny atmete den abstoßenden Geruch der Kreatur absichtlich ein, um ihn überall wiederzuerkennen.

Tief in ihrem Inneren, in ihrer Seele, hörte sie das Echo jener vertrauten männlichen Stimme, einen zornigen Aufschrei, dem sofort ein seltsames Gefühl von Wärme folgte. Die Wunden an ihrer Schulter brannten, aber sie war Schmerzen gewöhnt und verschloss ihr Bewusstsein davor. Eine eigenartige, melodische Litanei in einer uralten Sprache erklang leise in ihrem Inneren und gab ihr ein wenig Trost. Trotzdem konnte sie das Blut, das aus ihrem Körper floss, nicht ignorieren. Sie hatte seit Tagen keine Nahrung mehr zu sich genommen und war praktisch ausgehungert. Sie vermischte die schwere Erde aus dem Pfarrgarten mit ihrem eigenen heilenden Speichel und legte sie auf die klaffenden Schnittwunden. Dann flocht sie ihr Haar in Vorbereitung auf einen Kampf sorgfältig zu einem Zopf. Bevor sie dem Untoten in seine Höhle folgte, brauchte sie Nahrung. Die Stadt war voller Obdachloser, elende Kreaturen, die keine Chance hatten, ihr zu entkommen, nicht einmal in ihrem geschwächten Zustand.

Nicolae von Shrieder kauerte sich auf die massive Klippe, von der man die gesamte Stadt überblickte. Diesmal war er näher dran als je zuvor, dessen war er sich sicher. Sie war irgendwo da draußen und kämpfte ihren Krieg allein, müde, verwundet und verletzlich. Er spürte ihren Schmerz jeden Augenblick seiner wachen Stunden. Wenn er die Augen vor der aufgehenden Sonne verschloss, fühlte er, wie lähmende Schmerzen durch ihren Körper krochen. Und durch seinen Körper.

Geduld. Er hatte Geduld in einer harten Schule gelernt. Jahrhunderte des Lebens hatten ihn mehr als alles andere Disziplin und Geduld gelehrt. Er war einer vom uralten Stamm der Karpatianer und verfügte über sehr viel Macht, und trotzdem konnte er ihren Willen nicht beugen. Er konnte sie nicht zu sich rufen. Er war ein zu guter Lehrmeister gewesen.

In der Ferne hörte er den Schrei eines Raubvogels, hoch und schrill, und er hob sein Gesicht zu den Sternen, bevor er langsam aufstand und sich zu seiner vollen Größe aufrichtete. »Ich danke dir, mein Bruder«, murmelte er leise. Der Wind fing seine Stimme auf und trug sie durch dichte Baumkronen über die Stadt hinweg. »Unsere Jagd kann beginnen.«

Nie würde er den Schock des Augenblicks vergessen, als sie zum ersten Mal mit ihm in Verbindung getreten war. Ein völlig verschrecktes Kind, außer sich vor Angst und Entsetzen. Ihre Schmerzen und inneren Qualen waren so heftig und überwältigend gewesen, dass ihr junger Geist Raum und Zeit überwunden hatte, um ihn zu erreichen. Geist zu Geist. Schon als Kind hatte sie über starke übersinnliche Fähigkeiten verfügt. Die Bilder, die er damals von ihr empfangen hatte, waren so lebhaft und eindringlich gewesen, dass er ihren Albtraum mit ihr und durch sie erlebt hatte: das brutale Abschlachten ihrer Eltern, das Monster, das vor dem Kind das Blut der Eltern trank.

Er schloss seine Augen vor den Erinnerungen, aber ebenso wie Destiny blieben sie in seinem Inneren haften. Er war durch Kontinente von ihr getrennt gewesen, ohne die Möglichkeit, sie aufzuspüren, sie zu finden. Dennoch hatte er mit ihr immer wieder die Grausamkeiten und die Brutalität erlebt sowie die unzähligen Vergewaltigungen und Morde, deren Zeugin sie hatte werden müssen. Sie hatte sich in ihr Inneres zurückgezogen, um dort Zuflucht zu suchen, und hatte ihn gefunden. Er redete leise mit ihr, lenkte sie ab und gab sein Wissen an sie weiter. Ein bloßes Kind, das lernen musste zu töten. Er hatte kein anderes Geschenk für sie, keine andere Möglichkeit, sie zu retten.

Es waren furchtbare Jahre gewesen, Jahre einer aussichtslosen Suche. Die Welt war sehr groß, wenn man versuchte, ein kleines Kind zu finden. Er war einer vom uralten Stamm und darauf eingeschworen, Sterbliche wie Unsterbliche gleichermaßen zu beschützen. Ein Wesen mit großer Macht, ein Jäger und Vernichter der Vampire, der vor Jahrhunderten von seinem Prinzen ausgeschickt worden war, um die Welt von diesem Übel zu befreien. Er hatte ihr zu erklären versucht, dass es einen Unterschied zwischen Jäger und Vampir gab, aber sie konnte in seinem Bewusstsein die Kämpfe sehen, die er ausfocht; sie konnte ihn beobachten, wenn er tötete. Sie sah die Dunkelheit in ihm, die sich wie Wundbrand in seiner Seele ausbreitete. Und sie hatte Angst davor, ihm ihr Vertrauen zu schenken.

Nicolae stand ganz still, aber dennoch ging ungeheure Macht von seiner muskulösen Gestalt aus, als er seinem Reisegefährten seinen in Leder gekleideten Arm entgegenhielt. Die große Eule zog einen trägen Kreis über seinem Kopf, bevor sie sich mit ausgefahrenen Krallen nach unten fallen ließ. Der Vogel landete auf Nicolaes Unterarm, und der Karpatianer beugte sich zu dem scharfen, gekrümmten Schnabel vor. »Du hast die Witterung unserer Beute aufgenommen.«

Die runden Knopfaugen, die seinen Blick erwiderten, waren scharf und intelligent. Der Vogel flatterte wie zur Antwort ein, zwei Mal mit den Flügeln, bevor er sich wieder in die Lüfte erhob. Nicolae starrte ihm nach. Das schwache Lächeln milderte die harten Konturen seines Mundes nicht im Geringsten. Destiny war verwundet. Sie jagte einen Vampir, und sie war verwundet.

Obwohl sich die geistige Verbindung zwischen ihnen nicht leugnen ließ, weigerte sie sich, ihn zur Kenntnis zu nehmen und auf sein wiederholtes Rufen zu reagieren. Er hatte keine Ahnung, woher sie die Kraft nahm, wenn sie ständig Schmerzen litt, aber er konnte nicht anders, als sie zu finden. Er hatte sie nie gesehen, und sie hatte niemals mit ihm gesprochen, ob auf telepathische oder andere Weise, und doch spürte er, dass er sie in dem Moment, in dem er sie sah, erkennen würde.

Er wandte sich langsam um, eine hochgewachsene, muskulöse Gestalt, die eine Mischung aus Eleganz und Kraft verkörperte. Der Wind zerrte an seinem langen Haar, das schwarz wie ein Rabenflügel war, und er fing es im Nacken ein und band es mit einer Lederschnur zusammen. Eine animalische Geschmeidigkeit lag in seinen Bewegungen, als er sich reckte und seine Nase in den Wind hielt.

Es war viele Jahrhunderte her, seit Vladimer Dubrinsky, der Fürst von Nicolaes Volk, seine Krieger in die Welt hinausgeschickt hatte, um Vampire zu jagen. Wie so viele andere war Nicolae weit entfernt von seiner Heimat und ohne den Trost seines Landes oder seiner Familie. Er hatte sich damit abgefunden, dass für ihn keine Hoffnung bestand, je die Gefährtin zu finden, die ihm bestimmt war, aber seine Pflicht seinem Volk gegenüber war in jenen schweren Zeiten eindeutig gewesen. Diese düstere Epoche war Schauplatz blutiger Schlachten gewesen. Nicolae bekämpfte unablässig die Dunkelheit, die sich allmählich ausbreitete. Ein neuer Prinz hatte Vladimers Platz eingenommen, und Nicoale kämpfte immer noch, allein und unermüdlich. Tief in seinem Inneren hatte sich die unausweichliche Dunkelheit immer weiter ausgebreitet, bis er gewusst hatte, dass er nicht länger warten durfte: Er würde das Morgengrauen suchen und sein Dasein beenden müssen, wenn er nicht zu einem solchen Wesen werden wollte wie jene, die er selbst gejagt hatte. Und dann war sie in sein Leben getreten. Damals war sie ein verängstigtes Kind gewesen, das dringend Hilfe gebraucht hatte. Jetzt war sie eine tödliche Kampfmaschine.

Nicolae stand über der Stadt und starrte auf die Lichter, die wie Sterne funkelten. »Wo bist du?«, murmelte er. »Ich bin dir nahe. Ich fühle, dass du diesmal nicht weit bist. Endlich bin ich in der Nähe deines Unterschlupfs! Ich weiß es.«

Destiny war vor so vielen Jahren in sein Leben getreten. Sie beide waren geistig eng miteinander verbunden gewesen, als ein abartiges Monster das hilflose kleine Mädchen gequält hatte. Nicolae hatte sich gezwungen, an all ihren Qualen teilzuhaben, weil er sie in dieser Hölle nicht allein lassen wollte. Er hatte sich dazu entschlossen, sie zu unterrichten, als er keine Möglichkeit gefunden hatte, sie dazu zu bringen, mit ihm zu sprechen. Und es war ihm nur zu gut gelungen, ihr das Töten beizubringen. Hatte früher Gewalt seine Welt beherrscht, widmete er jetzt sein ganzes Dasein nur noch der Aufgabe, sie zu finden. In gewisser Weise war sie seine Rettung gewesen.

Nicolae trat unbekümmert, fast beiläufig vom Rand der Felswand und löste sich dabei in feinen Nebel auf. Indem er der Eule folgte, die rasch voranflog, jagte er am Nachthimmel der Spur des Vampirs nach.

Nicolae hatte einen vagen Plan entwickelt, wie er vorgehen würde. Wenn er die junge Frau fand, würde er sie in seine Heimat bringen und sie Mikhail Dubrinsky, Prinz Vladimers Sohn, vorstellen. Sicher würde der Heiler eine Möglichkeit finden, ihr zu helfen. Ein Vampir hatte sie umgewandelt und zu einem Geschöpf der Nacht gemacht, und das unreine Blut, das in ihren Adern floss, brannte Tag und Nacht wie Säure in ihrem Körper. Das kleine Mädchen war zu einer Frau herangewachsen, die durch wahre Höllenfeuer gegangen war und die Erfahrung eines Kämpfers vom uralten Stamm besaß. Nicolae hatte ihr dieses Wissen weitergegeben, Techniken, die nur einer von seiner Art beherrschen sollte. Er hatte geholfen, das aus ihr zu machen, was sie jetzt war; nun musste er einen Weg finden, sie zu heilen.

Der Geruch des Untoten stach Nicolae beißend und faulig in die Nase, obwohl der Vampir verzweifelt bemüht war, seine Anwesenheit vor den Jägern zu verbergen. Die Spur führte direkt durch die Stadt in die Elendsviertel, wo es keine Straßenbeleuchtung oder freundliche Wohnhäuser gab. Hunde bellten, als Nicolae über ihnen vorbeizog, aber niemand nahm es zur Kenntnis. Und dann fing er den anderen Geruch auf. Blutstropfen, die sich mit dem Gestank des Vampirs vermengten.

Es war die Frau, dessen war er sich sicher. Seine Frau. Mittlerweile hatte er sich angewöhnt, sie so zu nennen, und er hatte im Lauf der Jahre festgestellt, dass er sehr besitzergreifend war, was sie anging. Wie die anderen Männer seiner Art hatte er sich schon vor langer Zeit daran gewöhnt, keine Gefühlsregungen mehr zu empfinden, dennoch spürte er, wie ihretwegen manchmal kurze Anwandlungen von Eifersucht und Furcht in ihm aufflackerten. Er fragte sich, ob er lediglich ihre Empfindungen spürte, wenn er ihr Bewusstsein teilte, aber er hatte keine Antwort darauf. Im Grunde bedeutete es ihm nichts.

Das Einzige, worauf es ankam, war, sie zu finden. Er hatte keine andere Wahl. Indem er versucht hatte, sie zu retten, war sie seine Rettung geworden.

Ihm fiel auf, an welchem Punkt die Jägerin die Spur des Vampirs verlassen hatte und in die Stadt umgeschwenkt war, und wusste sofort, dass sie Blut suchte. Sie war verwundet und hatte vermutlich seit einigen Tagen nichts mehr zu sich genommen.

Er fand ihr Opfer in einer schmalen Gasse zwischen zwei Gebäuden. Es war ein junger, muskulöser Mann, der halb sitzend an der Wand lehnte, ein kleines Lächeln auf seinem Gesicht. Sein Kopf rollte ein wenig zur Seite, als Nicolae sich über ihn beugte, um ihn zu untersuchen, aber seine Wimpern flatterten. Der Mann war am Leben.

Er sollte erleichtert sein, dass sie ihr Opfer nicht getötet, sondern sich nur genommen hatte, was sie so dringend brauchte, doch tatsächlich hätte Nicolae den Mann am liebsten erwürgt. Als er in den Erinnerungen des jungen Mannes forschte, erfuhr er, dass die Frau ihn mit einem verheißungsvollen Lächeln zu sich gelockt hatte und er ihr bereitwillig gefolgt war.

Die Eule stieß vom Dach eines Gebäudes zu seiner Linken einen ungeduldigen Schrei aus. Sie wollte ihn daran erinnern, dass sie auf der Jagd waren. Nicolae war betroffen über seinen eigenen Mangel an Disziplin. Anfangs, als er und das Mädchen eine so starke Verbindung zueinander entwickelten, hatte er sich gefragt, ob sie vielleicht seine Gefährtin wäre, aber nachdem sie sich all die Jahre hartnäckig geweigert hatte, mit ihm zu sprechen, war er zu der Einsicht gelangt, dass es wohl nicht so sein könne. Doch jetzt, angesichts seiner seltsamen Reaktion auf ihr männliches Opfer, stellte er sich erneut diese Frage.

Karpatianer verloren die Fähigkeit, Gefühle zu haben und Farben zu sehen, wenn sie ungefähr zweihundert Jahre alt waren, und so war es auch bei ihm gewesen. Es war ein bedrückendes Dasein, das ausschließlich davon beherrscht wurde, seine Integrität zu wahren und ehrenhaft zu leben, bis man eine Gefährtin fand. Nur die wahre Gefährtin, die andere Hälfte jeder männlichen Seele, konnte einem karpatianischen Mann sein Gefühlsleben und die Farben wiedergeben. Und jeder von ihnen sah sich ständig der Versuchung ausgesetzt, wieder etwas zu fühlen, sei es auch nur einen Moment lang. Wer dieser Versuchung nachgab und sein Opfer tötete, während er dessen Blut trank, wurde zu ebendem Wesen, das sie jagten – zum Vampir.

Nicolae erhob sich in die Lüfte und unterdrückte das Bedürfnis, den jungen Mann umzubringen, der ihr so nahe gewesen war. Der ihren Körper an seinem Körper und die Wärme ihres Atems an seiner Kehle gespürt hatte. Ihre Lippen, die sinnlich über seine Haut strichen. Den erotischen, glühend heißen Biss, Schmerz und Lust zugleich. Ein roter Nebel breitete sich wie von selbst und nahezu unkontrollierbar in Nicolaes Kopf aus und machte es ihm fast unmöglich, klar zu denken. Plötzlich verspürte er den Drang, umzukehren und dem Mann die Kehle aufzuschlitzen. Das Verlangen danach war so stark, dass es wie Feuer in seinem Inneren brannte und ein eigenartiges Dröhnen in seinen Ohren und seinem Kopf zum Rauschen brachte. Nicolae drehte mitten im Flug um.

Die Eule kehrte um und flog direkt vor ihn, um zu verhindern, dass er weiter in diese Richtung zog. Ihr Schnabel war weit aufgerissen, und ihre Augen starrten ihn unverwandt an.

Du hast gesagt, dass es verboten ist, irgendjemanden außer dem Vampir zu töten. Die Frauenstimme klang verängstigt, wie ein leises Aufbegehren, fast schon ein Flehen. Du hast gesagt, man darf nicht töten, wenn man sich nährt, und kein Blut trinken, wenn man tötet.

Bei dem so lange ersehnten Klang dieser Stimme stand Nicolaes ganze Welt Kopf. Er taumelte über den Himmel, als das Grau und das Schwarz der Nacht hellem, schimmerndem Silber und strahlenden Farben wichen. Es war, als würde rings um ihn ein Feuerwerk explodieren und ihm die Fähigkeit nehmen, zu atmen oder auch nur zu sehen. Er schloss die Augen vor diesem Ansturm auf seine Sinne und versuchte, sich wieder in den Griff zu bekommen.

Die Eule stieß ihn kräftig an, während gleichzeitig die Frau nach ihm rief. Steig auf, du stürzt ab! Steig sofort auf! Entsetzen schwang in ihrer Stimme mit.

Wärme breitete sich in ihm aus, eine Wärme, die ihn sofort ruhig werden ließ. Er war wieder er selbst. Erneut hatte sie ihm Leben gegeben. Ihn vor ewiger Dunkelheit bewahrt. Seine Gefährtin. Die einzige Frau, die in der Lage war zu verhindern, dass er zum Vampir wurde.

Endlich hatte sie mit ihm gesprochen! Jahre des Schweigens hatten ihn zu der Überzeugung gebracht, dass sie niemals freiwillig mit ihm sprechen würde. Aber in dem Moment, als das wilde Tier in ihm die Oberhand zu gewinnen drohte, war sie ihm trotz ihrer Entschlossenheit, es nicht zu tun, zu Hilfe geeilt. Sie hatte die Trostlosigkeit seines grauen Daseins mit Farben und Leben erfüllt.

Wo bist du? Wie schwer bist du verletzt?, fragte er, wobei er insgeheim betete, sie würde das Gespräch fortführen.

Geh fort von hier. Ich habe geschworen, dass ich dich, falls du jemals hierherkommen und mich finden solltest, nicht jagen würde, weil du mich gerettet hast. Geh fort von hier. Ich will dich nicht töten. Aber ich werde es tun, wenn du mich dazu zwingst.

Ich bin kein Vampir. Ich bin Karpatianer. Das ist etwas anderes.

Ihr Seufzer echote leise in seinem Bewusstsein. Das sagst du, doch ich weiß nichts von Karpatianern. Ich kenne nur die Untoten mit ihren schönen, bezwingenden Stimmen. Sie klingen wie deine Stimme.

Warum sollte ich dir beibringen, deine Beute nicht zu töten, wenn ich ein Vampir wäre? Er war geduldig. Er konnte es sich leisten, Geduld zu haben. Jetzt war sie seine Welt, das Einzige, was für ihn zählte. Er hatte sie gefunden, und er würde eine Möglichkeit finden, ihr den Unterschied zwischen einem gefährlichen Ungeheuer, das bereitwillig seine Seele geopfert hatte, und einem Krieger, der für seine Ehre kämpfte, begreiflich zu machen.

Ich werde dich kein zweites Mal warnen. Wenn du am Leben bleiben willst, verlass diesen Ort, und komm niemals zurück.

Wieder hörte er das sanfte Bitten in ihrer Stimme, spürte es in seinem Inneren. Sie selbst war sich dessen wahrscheinlich gar nicht bewusst, aber er hörte es, und es berauschte ihn förmlich. Er zweifelte nicht daran, dass sie versuchen würde, ihn zu vernichten. Sie war stark und sehr diszipliniert. Er war ein guter Lehrer gewesen und sie eine gute Schülerin, die schnell begriff.

Sie waren geistig miteinander verbunden, daher spürte Nicolae die plötzliche Stille in ihr. Er wusste instinktiv, dass sie das Versteck des Vampirs erreicht hatte. Der Untote war verwundet und deshalb doppelt gefährlich, und in seinem Versteck würden etliche verborgene Fallen lauern.

Mach, dass du dort wegkommst! Ich bin in der Nähe – ich werde den Vampir vernichten. Es ist nicht nötig, dass du dein Leben aufs Spiel setzt.

Das hier ist meine Stadt, mein Zuhause. Die Menschen hier stehen unter meinem Schutz. Ich mache nicht gemeinsame Sache mit Untoten. Geh! Sie verschloss sich vor ihm, indem sie ihr Bewusstsein mit einer starken Barriere abschottete, die er nicht zu durchdringen versuchte.

Nicolae schoss über den Himmel, an seiner Seite die Eule, und suchte nach Anhaltspunkten, während sich alle seine Sinne darauf konzentrierten, den verräterischen Geruch des Vampirs in der Luft aufzufangen. Er versuchte nicht einmal, Destiny zu folgen; er hatte sie zu gut geschult. Ihre Spur war praktisch nicht vorhanden. Ohne ihre Verletzung hätte er sie nie aufgespürt, doch mittlerweile hatte sie die Wunden versorgt, und es gab keine verräterischen Hinweise mehr, denen er hätte nachgehen können.

Nicolae warf einen Blick auf seinen Begleiter, die große Eule, die mit starken Flügelschlägen neben ihm herflog, wie sie es seit Jahren tat. Sie waren Reisegefährten, Jäger, Brüder. Und sie gaben einander Rückendeckung. Ich gehe in die Höhle des Vampirs und vernichte ihn. Für dich ist es zu riskant, aber ich bitte dich, diese Frau zu unserem Prinzen zu bringen, falls mir etwas zustößt. Sein Bruder konnte nicht mehr gegen Vampire kämpfen. Das Tier in ihm war zu stark geworden, als dass er dem Lockruf des Blutes hätte widerstehen können.

Einen Herzschlag lang herrschte Schweigen. Zwei Herzschläge lang. Nicolae spürte, wie der Wind an ihnen vorbeirauschte, als sie gemeinsam über den Himmel flogen. Einen Moment lang glaubte er, er würde keine Antwort bekommen. Sein Gefährte sprach kaum noch und zog es vor, die Gestalt eines Tiers anzunehmen. Du gibst mir eine Aufgabe, von der ich nicht weiß, ob ich ihr gewachsen bin.

Du kannst nicht anders, als dafür zu sorgen, dass sie heil und unversehrt in unsere Heimat gebracht wird. Sie ist meine Gefährtin, auch wenn sie noch nicht an mich gebunden ist.

Wieder herrschte das Schweigen der Nacht. Nicolae, ich bin einige hundert Jahre älter als du. Meine Zeit läuft ab. Du fühlst, wie sich das Tier in mir zum Angriff bereit macht. Wie kannst du dich auf mein Wort verlassen?

Nicolaes Herz machte einen Satz. Vikirnoff kämpfte schon lange gegen die Dunkelheit eines grauen und freudlosen Daseins an. Jahrhundertelang hatte er Vampire gejagt und dabei auch alte Freunde töten müssen. Von Mal zu Mal war es schwerer geworden, dem Verlangen zu widerstehen, etwas zu empfinden. Wenn Vikirnoff tötete, während er Blut trank, war er endgültig verloren. Nicolae verschloss sich innerlich vor dieser Möglichkeit. Vikirnoff war stark, und er würde durchhalten, solange es nötig war.

Ich vertraue dir, Vikirnoff, weil ich dich kenne. Du bist ein Krieger, der seinesgleichen sucht, und deine Ehre bedeutet dir alles. Du bist mein Bruder, der mir in meinen dunkelsten Zeiten beigestanden hat, genauso wie ich dir beigestanden habe. Gib mir dein Wort, meinen Wunsch zu erfüllen, wenn ich versagen sollte. Du würdest niemals dein Wort brechen. Nicht einmal das Tier in dir ist stärker als dein Ehrenwort. Sie ist eine von uns, auch wenn sie von einem Vampir umgewandelt worden ist. Eine Frau, die in der Lage ist, weibliche Kinder für unsere Rasse zu empfangen. Diese eine letzte Aufgabe musst du noch erfüllen, dann kannst du dich in die Erde zurückziehen, um erst dann zu erwachen, wenn du den Ruf deiner Gefährtin spürst. Nicolae sprach fest, von Krieger zu Krieger.

Es gab für keinen von ihnen eine andere Wahl. Jahrhundertelang hatte sie sich gegen Vampire behauptet, allein auf sich gestellt, bis beide dem Ende nahe waren. Bis Nicolae Verbindung zu einem Kind bekam, das körperlich und seelisch misshandelt wurde. Sein Bruder Vikirnoff, der um einige Jahrhunderte älter war als er, war zu ihm geeilt und bei ihm geblieben, damit Nicolae nicht in Verzweiflung verfiel, weil er die wiederholten Übergriffe auf das Mädchen nicht verhindern konnte.

Kapitel 2

Destiny schaute sich prüfend in der Höhle um, bis zu der sie dem Vampir gefolgt war. Sein Versteck musste irgendwo in der Nähe sein. Sie war bereits auf zwei seiner Fallen gestoßen und hatte sie langsam und gewissenhaft entschärft. Ihre Brust war aus einem unerklärlichen Grund wie zugeschnürt, und es bereitete ihr Mühe, Luft in ihre Lunge zu bekommen. In ihrem Inneren herrschte eine Unruhe, die sie noch nie beim Jagen erlebt hatte. Er war hier. Nicolae. Sie flüsterte im Geist seinen Namen. Er hatte ihn ihr so oft gesagt, mit seinem fremdartigen Akzent, der dem Namen einen unglaublich schönen Klang gab, aber sie hatte nie gewagt, ihn zu wiederholen. Jetzt ließ der fremdländische Name eine Saite in ihrem Herzen erklingen. Sie hatte immer gewusst, dass er sie eines Tages finden würde. Von Monat zu Monat, von Tag zu Tag war er näher gekommen. Unablässig hatte er nach ihr gesucht, und sie hatte die ganze Zeit gewusst, dass sie ihm irgendwann gegenüberstehen würde. Sie hatte geglaubt, sie wäre darauf vorbereitet, doch tatsächlich hatte sie Angst. So seltsam es auch schien, sie verließ sich auf ihn, auf seine Sorge um sie und seine Verbundenheit zu ihr.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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