Eathelyn Falls - Tina Littlemoon - E-Book

Eathelyn Falls E-Book

Tina Littlemoon

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Beschreibung

Nichts ist mehr, wie es einmal war. Gerade in Australien angekommen, wird Eathelyn in ein Abenteuer hineingezogen, das sie ihr Leben kosten könnte. Mareena ist sich sicher, dass Eathelyn die in den Schriften angekündigte Trimaris ist. Unter ihrer Führung soll eine neue Ordnung in Circle Falls einkehren. Sie beauftragt Callan ihren Schützling auf ihrer Mission zu begleiten und die Weichen für die Wahrwerdung der Prophezeiung zu stellen. Nicht immer verläuft alles nach Plan und nicht jeder im Königreich ist auf ihrer Seite. Sie halten an dem Glauben fest, dass Eathelyn der Auslöser für den Fluch ist, der seit Jahrzehnten auf den beiden Wasservölkern lastet. Wenn sie sich da mal nicht irren... Die fantastische Wassersaga um Eathelyn, Callan und die Lunamaren geht weiter. Wie weit bist du bereit zu gehen, um eine sagenumwobene Welt vor dem Untergang zu retten? ***Dieser Teil schließt die Eathelyn Falls Reihe ab.***

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Eathelyn Falls (Buch 2): Opalherz

Tina Littlemoon

2020 als E-Book erschienen

Copyright © Tina Littlemoon

ISBN: 9783752685718

Umschlaggestaltung: Tina Littlemoon

Alle Rechte, einschließlich dem des vollständigen oder teilweisen Nachdrucks in jeglicher Form sind vorbehalten.

Inhaltsverzeichnis

Prolog1 Callan2 Eathelyn3 Callan4 Eathelyn5 Eathelyn6 Callan7 Eathelyn8 Callan9 Eathelyn10 Eathelyn11 Eathelyn12 Callan13 Eathelyn14 Eathelyn15 Eathelyn16 Callan17 Eathelyn18 Callan19 Eathelyn20 Callan21 Eathelyn22 Callan23 Eathelyn24 Eathelyn25 Callan26 Eathelyn27 Eathelyn28 Callan29 Eathelyn30 CallanDanksagung

Wenn der Klang der Wellen und das Rauschen des Wasserfalls sich vereinigen, fließt die Melodie des Herzens.

Jeder Mensch ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt.

-Mark Twain-

Prolog

Als wäre er der König der Meere glitt er über die glitzernden Ausläufer seines Reiches und bezwang jede Welle, die sich ihm in den Weg stellte. Das Licht der untergehenden Sonne zeichnete seine sportliche Silhouette vor dem orangefarbenen Horizont nach und ließ das Herz der jungen Frau höher schlagen. Sie reckte ihr Kinn, um den attraktiven Mann in der Ferne besser sehen zu können. Wie seine Füße geradezu mühelos auf dem Surfbrett Halt fanden, faszinierte sie. Dazu diese Wendigkeit und Ausstrahlung. Dieser Mann war buchstäblich in seinem Element. Das konnte sie selbst aus 10 Meter Distanz erkennen.

Jede Bewegung, die er ausführte, gelang auf Anhieb und trug ihn von Welle zu Welle. Für einen Moment unterbrach sie ihre Beobachtungen und sah sich um. Bis auf ein paar Spaziergänger auf der Promenade war der Strand wie leergefegt und diese schienen von dem Surfer noch lange nicht so angetan wie sie selbst. Eine leichte Meeresbrise fuhr durch ihre Haare. Schnell pustete sie sich eine Locke aus dem Gesicht. Unter keinen Umständen wollte sie auch nur eine einzige Sekunde der Show verpassen. Ob er mitbekam, dass er eine Zuschauerin hatte? Bei dem Gedanken schoss ihr ein Schwall Hitze in die Wangen. Es war nicht das erste Mal, dass sie hier im Sand saß und diesem Fremden ihre Aufmerksamkeit schenkte.

Wie er nun einen Fuß vor den anderen setzte und auf der Bordspitze vor- und zurück trippelte, glich er einem Flamenco-Tänzer. Es fehlte nur noch der Fächer in seiner Hand. Was für eine Balance, dachte sie voll Bewunderung, doch schon im nächsten Augenblick beschleunigte sich ihr Atem. Eine steile Gischtwand zog von hinten auf und rollte auf den Mann zu. Dieser schien jedoch nichts davon mitzubekommen. Er war voll und ganz in seiner Choreographie. Nichts konnte ihn aus dem Rhythmus bringen. Mit jeder Sekunde, die verstrich, wurde die Frau unruhiger. Die Sorge um das Wohl des Mannes zog sich in ihrem Magen zu einem Klumpen zusammen. Sie konnte nicht tatenlos herumsitzen und dem Schicksal die Führung überlassen.

Adrenalin pumpte durch ihren Körper und mit einem Mal schoss sie in die Höhe. »HEY! Du da!«, schrie sie aus voller Kehle und wedelte mit den Armen, um auf sich aufmerksam zu machen. »Achtung! Monsterwelle im Anmarsch!«, brüllte sie weiter in seine Richtung und machte sich komplett zum Hampelmann. Trotz allem. Der Warnruf blieb unerhört. Eiskalte Panik breitete sich in ihr aus. Sie musste noch mehr Kraft in ihre Stimmbänder legen. Wenn es sein musste, sich die Seele aus dem Leib schreien. Und genau das tat sie. Mit voller Wucht dröhnte ihre Stimme über die Meeresfläche.

Und dann passierte endlich etwas. Der Mann unterbrach seine Kunststücke und drehte sich zu ihr um. Vor Erleichterung huschte ihr ein flüchtiges Lächeln übers Gesicht. Ihr Gegenüber in der Ferne schaute sie zunächst unverständlich an, folgte dann jedoch ihrer Handbewegung und fiel vor Schreck ins Wasser. Ein Unglück jagte das nächste und die hünenhafte Welle erreichte schließlich die Stelle, an der der Mann soeben untergegangen war. Das Brett wurde von der Gewalt der brechenden Wasserwand in die Tiefe gerissen. Die Frau wagte nicht hinzusehen, überwand sich schließlich doch und stürzte ins eiskalte Wasser.

Verzweifelt blickte sie in alle Richtungen. Weder er noch sein Brett waren zu sichten. Erste zarte Vorboten der Schuldgefühle drangen zu ihrem Bewusstsein vor. Es ist deine Schuld, wenn ihm etwas passiert ist, redeten sie unaufhörlich auf sie ein. Obwohl ihr der Anblick der aufgewirbelten See Angst einflößte, musste sie den Stimmen entgegensteuern. Sie begann zu schwimmen und wurde vom Gewicht ihrer nassen Kleider nach unten gezogen. »Wo bist du?!«, rief sie und schluckte Salzwasser. Trotzdem hörte sie nicht auf zu rufen. »Hilfe! So helfe uns doch jemand!« Erschöpft warf sie einen Blick über ihre Schulter zum Strand. Von den Spaziergängern fehlte jede Spur. Als sich der Ozean endlich wieder etwas beruhigt hatte, entdeckte sie sein Brett. Ihr Herz setzte für einen Schlag aus. Es trieb alleine auf der Oberfläche.

Die Kälte des Wassers lähmte ihre Bewegungen. Mit letzter Kraft schwamm sie zum Ufer zurück und robbte auf allen Vieren über den Strand. Mühsam zwang sie sich aus dem nassen Kleid heraus und ließ sich keuchend in den Sand sinken. Sie hustete und spuckte immer wieder Wasser. Dazwischen rasten ihr tausend Gedanken durch den Kopf.

»Suchst du etwa mich?« Ein spitzer Schrei entwich ihr, und sie schreckte hoch. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie den Mann an, von dem sie nicht gedacht hätte, ihn so schnell wiederzusehen. »Ich hoffe, ich hab dich nicht ganz so fürchterlich erschreckt, wie ich in Erinnerung habe«, fuhr er fort, so, als wäre er alles andere, nur nicht knapp dem Tod von der Schippe gesprungen. Er lächelte sogar, was ihrer Ohnmacht nur noch mehr zusetzte.

»Du bist ... Ich meine, das ist nicht möglich«, stammelte sie. Halb vor Kälte und halb, weil ihr die Worte fehlten. Leichenblass blickte sie an seiner Schulter vorbei aufs Meer und dann wieder zurück zu ihm. »Wie hast ...? Was um alles in der Welt geht hier vor sich?«

»Kann ich dir erst einmal mein Handtuch anbieten?«, gab er zurück und reichte es ihr auch schon. Sie grub ihre klammen Fingern in den warmen Frottee, während sie noch immer nicht aufhören konnte, den Mann anzustarren. »Du hast dich da drin eben ganz schön in Gefahr gebracht«, fügte er hinzu.

Sie glaubte, sich verhört zu haben. Wenn sich jemand in Gefahr gebracht hatte, dann wäre das wohl er. »Und dir damit das Leben gerettet«, ergänzte sie unterkühlt und nicht nur aus dem Grund, weil sie fror.

Ihr vernichtender Blick traf ihn. »Sorry, das habe ich nicht so gemeint«, murmelte er und begann sich aus seinem Neoprenanzug zu schälen.

Die Frau senkte verlegen den Blick. »Schon gut. Doch du bist mir immer noch eine Erklärung schuldig.«

Er antwortete nicht sofort, sondern ließ sich etwas Zeit. »Also gut«, sagte er schließlich und fixierte sie mit seinem Blick. »Nachdem ich vom Brett gefallen bin, habe ich die Fangleine von meinem Knöchel gelöst und bin unter der Welle hindurch getaucht. Als ich wieder an die Oberfläche kam, warst du verschwunden, andernfalls hätte ich dich von deiner Rettungsaktion abgehalten.« Der letzte Satz klang in den Ohren der Frau wie eine Anschuldigung.

»Du wolltest mich von meiner Aktion, dir das Leben zu retten, abhalten?«, hakte sie ungläubig nach und verschränkte die Arme vor der Brust.

»Ich befürchte, du verstehst das alles falsch.« Er hob beschwichtigend eine Hand.

»Schon gut«, winkte sie ab. Nach dem Schock hatte sie erst einmal keine Lust auf Diskussionen. »Ist ja alles noch mal gut gegangen.« Er atmete erleichtert auf und schenkte ihr ein Lächeln, das sie den Schrecken der letzten Minuten für einen Moment vergessen ließ. »Du bist ziemlich gut«, stieß sie hervor und deutete auf das Brett, das er einige Meter vom Ufer in den Sand geworfen hatte.

Er freute sich über ihr Lob, oder aber auch vielleicht darüber, dass sie ihm nicht mehr länger Vorwürfe machte. »Findest du?«, hakte er nach und setzte sich neben sie. Mit einem Lächeln nahm er ihr das Handtuch ab, das sie noch immer nicht benutzt hatte. »Wenn du gestattest«, sagte er und wickelte es ihr auch schon um die Schultern. Sogleich umfing sie eine wohlige Wärme. »Hab ich dich hier nicht schon mal gesehen?«, fragte er nun und musterte sie diesmal eingehender.

»Eher unwahrscheinlich«, log sie und wich seinem Blick aus. Das alles war ihr schon peinlich genug. Warum hatte sie auch die Heldin spielen müssen?

»Ich würde dich gerne zum Abendessen einladen«, wechselte er plötzlich das Thema, und ein Lächeln umspielte seinen Mund.

Ihr Herz hüpfte vor Freude. »Obwohl ich dir nicht das Leben gerettet habe?«

Er lächelte. »Wenn du wüsstest.«

»Also war meine Rettungsaktion doch nicht so verkehrt?« Sie wollte gerade wieder in ihr Kleid schlüpfen.

»Lass das lieber sein, wenn du keine Lungenentzündung riskieren willst.«

»Ich hab aber sonst nichts«, entgegnete sie und wrang das Wasser aus dem Stoff. Der Gedanke, nur mit einem knappen Handtuch bekleidet, durch den Ort zu spazieren, behagte ihr nicht.

»Nimm das hier.« Er streckte ihr auffordernd ein Shirt und eine Shorts entgegen.

Sie musste schmunzeln. »Bist du immer so vernünftig?«, fragte sie und nahm dankbar die Sachen an.

Er lächelte. »Wenn du stirbst, wirst du es niemals erfahren.«

Das Shirt habe ich immer noch, dachte sie und zwang sich, nicht in Tränen auszubrechen. Du musst jetzt stark sein, flüsterte sie. Für euch beide. Ein letztes Mal betrachtete sie das Foto, auf dem Ethan und sie Arm in Arm über den Strand schlenderten, dann versteckte sie es wieder in der kleinen Truhe, die sie im obersten Fach des Schrankes aufbewahrte. Da kam Eathelyn nicht ran. Sie wartete einen Augenblick, bis die Erinnerung wieder von ihr abgelassen hatte, dann durchquerte sie auf Zehenspitzen das rosa gestrichene Kinderzimmer und blieb vor dem kleinen Holzbett stehen, aus dem gleichmäßiger Atem drang. Sie beugte sich zu dem wohl lieblichsten Geschöpf dieser Welt herunter und strich sanft über sein rotbraunes Haar. Sie ist alles, was ich noch habe, dachte sie und erneut drohten sie die Gefühle zu übermannen.

Mondlicht fiel durch einen schmalen Spalt in der Jalousie und brach sich an dem türkisen Stein, der an einer Kette um ihren Hals hing. Sie berührte die naturgeschliffenen Kanten des Edelsteins und spürte unmittelbar ein Kribbeln in ihren Fingerspitzen. Schnell zog sie ihre Hand wieder zurück. Obwohl sie ein ungutes Gefühl bei diesem Anhänger hatte, wusste sie zur gleichen Zeit, dass ihre Tochter ihn brauchte. Unter keinen Umständen darf sie jemals das Haus ohne diesen Stein verlassen. Ethans Worte hallten noch immer so gebieterisch wie beim ersten Mal durch ihren Kopf. Und obwohl er nicht mehr da war, um sie ihr immer wieder einzuschärfen, hatte sie sich bis heute nicht getraut, sich seinen warnenden Worten auch nur ein einziges Mal zu widersetzen.

»Mama, wach auf!« Sie wälzte sich von einer Seite auf die andere, bis das Bild vor ihren Augen wieder klar wurde und sie ihren kleinen Engel vor sich erkannte. Schweißgebadet wachte sie aus ihrem Alptraum auf.

»Eathelyn-Ko, warum schläfst du nicht?«, brachte sie vollkommen aufgewühlt hervor. Die Kleine musterte sie aus glänzenden grünen Kulleraugen. Sie hatte geweint. Sofort schnellte Lyn aus dem Bett hoch, knipste die Nachttischlampe an und zog ihren kleinen Sonnenschein in ihre Arme. Eathelyn sagte nichts. Weinte nur. »Was ist denn los?«, redete sie besorgt auf sie ein. »Es ist doch alles gut.« Sie streichelte über den kleinen Kopf. »Shhhht, mein Liebes.«

Ihre Worte zeigten Wirkung und das Schluchzen verebbte. Das Mädchen rieb sich mit den Handballen über die verweinten Augen und blickte ihre Mutter entschlossen an. »Du hast Daddy gesehen«, sagte sie nun in einem Ton, der Lyn einen Schauder über den Rücken jagte.

»Wie kommst du denn darauf, meine Süße?« Sie fasste an ihre kleine Stirn, doch Fieber hatte sie nicht.

»Du hast seinen Namen geschrien«, antwortete das Mädchen gefasst und wischte sich die Tränen von den Wangen. Mit der Ernsthaftigkeit einer erwachsenen Frau blickte sie ihrer Mutter in die Augen. Dabei war sie gerade erst fünf geworden. »Daddy lebt«, fuhr sie fort, und erneut stellten sich Lyn die Nackenhaare auf. Sie musste sich zusammenreißen, dem Schmerz in ihrem Herzen nicht nachzugeben.

»Du musst schlafen«, flüsterte sie und zog ihre Bettdecke zurück. »Du kannst heute in meinem Bett schlafen.«

»Daddy atmet«, wiederholte Eathelyn und versetzte ihrer Mutter erneut einen Stich in die Brust.

Das war zu viel für Lyn. »Eathelyn-Ko, bitte, du musst jetzt wirklich schlafen.« Sie musste sich zügeln, nicht laut zu werden.

Die Kleine rührte sich nicht vom Fleck. »Mami, wann gehen wir wieder zurück?« Niemals, wollte die Mutter antworten, doch das hätte alles nur noch viel schlimmer gemacht.

»Das ist nicht nötig«, antwortete sie stattdessen. »Wir haben hier alles, was wir brauchen. Komm, leg dich zu mir.«

»Aber Daddy braucht uns.« Die zarte Kinderstimme versagte.

Ihre Worte schnitten in ihr Mutterherz. »Daddy ist stark«, sagte sie mit kontrollierter Stimme. »Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Und jetzt, komm. Mami ist sehr müde.« Sie streckte eine Hand aus. Die Kleine zögerte zunächst, ergriff jedoch schließlich ihre Hand und kroch zu ihr ins Bett. Lyn legte einen Arm um ihren Bauch und schmiegte sich an den kleinen Körper. »Träum was Schönes«, flüsterte sie und küsste ihr Haar. Erleichterung brandete auf, als sich die Augen des Mädchens endlich schlossen. Zufrieden knipste Lyn das Licht aus.

Während sie ihr beim Einschlafen zusah, grübelte sie über Eathelyns Worte. Ihre Tochter war der festen Überzeugung, dass ihr Vater noch lebte. Was damals passiert war, musste das Mädchen mehr traumatisiert haben, als sie sich zu Beginn hatte eingestehen wollen. Vielleicht sollte sie einen Termin beim Kinder-Psychiater machen, überlegte sie, doch schon im nächsten Moment schob sich ein anderer, düsterer Gedanke dazwischen. Was, wenn sie recht hatte? Was, wenn Ethan tatsächlich noch am Leben war? Das hätte erklärt, warum man seinen Körper nie gefunden hatte, obwohl mehrere Einsatzkräfte die Meeresfläche rund um Nambucca Heads zeitnah abgesucht hatten. Einen solchen Fall hat es noch nie gegeben, klangen die Worte des damaligen führenden Ermittlers wie ein vager Beweis für das Unerklärliche in ihrer Erinnerung nach.

Obwohl sie der Schlaf für den Rest der Nacht mied, versuchte sie sich so wenig wie möglich zu bewegen, damit ihr kleiner Sonnenschein nicht wach wurde. Angestrengt versuchte sie sich an den Alptraum zu erinnern, aus dem Eathelyn sie wachgerüttelt hatte. Erst, als es draußen schon dämmerte und sie in die Küche ging, um Kaffee aufzusetzen, fiel ihr alles wieder ein. Sogleich bekam sie eine Gänsehaut. Sie hatte von Ethan geträumt. In ihrem Traum lebte er noch und wurde gefangen gehalten. Wo und von wem, hatte sie nicht herausfinden können. Der Traum musste derart lebendig gewesen sein, dass sie im Schlaf vor sich hin gebrabbelt hatte. Eathelyn hatte das gehört, und war besorgt in ihr Zimmer gestürmt.

Obwohl sie Träumen normalerweise keine Beachtung schenkte, war diesmal etwas anders. Lyn kam es so vor, als ob Ethan ihr in dem Traum eine verschlüsselte Nachricht hatte schicken wollen. Obwohl er nicht mehr da war, fühlte sie sich ihm immer noch verbunden, und dieser Traum bestätigte das nur. Es war nicht das erste Mal, dass sie davon träumte. Davon, wie er von ihnen ging. Ohne Abschied. Ohne letzte Umarmung. Wie ihn das Meer zu sich holte.

1 Callan

Das Schweigen hielt nun schon eine ganze Weile an und noch immer fehlten mir die Worte. In den letzten Tagen war nicht nur viel geschehen, alles hing auch irgendwie zusammen. Bei meinem ersten Freimaren-Treffen hatte ich erfahren, dass uns eine Wende bevorstand. Durch eine neue Libermaris, die sich uns schon bald offenbaren würde. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatte ahnen können, war, dass ich ihre Bekanntschaft schon viel eher machen würde. Mehr als das, es würde nicht nur bei einer Bekanntschaft bleiben.

Ich unterbrach meine Gedanken für einen Moment und warf einen Blick zu Mareena. Sie lehnte an einem Baum und schien auf eine Reaktion von mir zu warten. Es konnte ihr nicht schnell genug gehen, einen Schritt weiter in ihrem Plan voranzukommen. Umso mehr rechnete ich es ihr an, dass sie mich in diesem Moment nicht drängte. Ich brauchte noch etwas Zeit, um die Informationen, die sie mir gegeben hatte, zu verarbeiten. Wenn sie wirklich Recht hatte, war Eathelyn die sagenumwobene Libermaris. Die Einzige, die das Massensterben von Circle-Falls aufhalten konnte.

Im Grunde eine erfreuliche Nachricht, doch warum ich? Warum hatte Mareena ausgerechnet mich auserwählt, Eathelyn auf ihrer Mission zu begleiten? Was machte mich besser als all die anderen Freimaren? Hatte es nicht ein anderer mehr verdient? Diese Fragen schwirrten mir schon eine ganze Weile im Kopf herum, ohne dass ich eine zufriedenstellende Antwort gefunden hätte. Es war nicht so, dass ich undankbar war, immerhin bekam man nicht alle Tage eine solch einmalige Chance, doch die Gefühle, die ich für Eathelyn empfand, machten alles viel komplizierter.

Meine Gedanken rasten, während meine Augen die Tätowierung auf der Rückseite meines Handgelenks fixierten. Damit hatte alles angefangen und obwohl es nicht mehr als fünf Stiche waren, hatten sie meine ganze Welt auf den Kopf gestellt. Noch bevor ich wusste, was auf mich zukam, hatte Mareena meine Hand ergriffen und mein Schicksal mit dem Stammeszeichen der wohl gefährlichsten Opposition der Aquaregentis besiegelt.

Ich betrachtete die Spirale, wie sie sich vom Zentrum nach außen weg drehte und in einer Wellenbewegung mündete. Nicht nur die Spirale, auch die Gedanken in meinem Kopf drehten sich. Bewegten sich vom Zentrum fort, zogen sich immer weiter auseinander und mündeten dann im Nichts. Ich versank in den schwarzen Kreislinien, bis sie die Gestalt eines Strudels annahmen, dessen Sog mich in sein Innerstes riss. Mit hoher Geschwindigkeit glitt ich durch einen endlosen schwarzen Tunnel, an dessen Ausgang ein weißes Licht schwebte. Es war die einzige Lichtquelle, doch sie erreichte mich nicht.

Obwohl ich mich rasend schnell durch die Röhre bewegte, schien der Abstand zum Licht nicht kleiner, sondern vielmehr größer zu werden. Die dunklen Wände verschluckten mich und schon bald verlor ich jegliches Zeit- und Raumgefühl. Mein Ziel war das warme Licht am Ende des Tunnels, doch in Wirklichkeit entfernte ich mich immer weiter davon.

»Callan!« Eine weibliche Stimme drang von Weitem an meine Ohren. Orientierungslos blickte ich mich um, auf der Suche nach dem Licht. Es war nicht mehr da. Stattdessen befanden wir uns in einem gut verborgenen Teil des Camper-Parks, der Eathelyns Großmutter gehörte und Mareena starrte mich an, als ob ich nicht mehr alle Sinne beisammen hätte.

»Erde an Callan!«, rief sie und schnipste mit ihren Fingern vor meinem Gesicht. »Mag sein, dass dein Kopfkino angenehmer ist als die Realität, doch wir haben keine Zeit dafür.« Wie ich vorausgesehen hatte. Selbst das ungläubige Kopfschütteln fehlte nicht.

Ich ließ mich nicht davon beirren. »Ich versuche nur zu begreifen, was in den letzten Minuten passiert ist.«

»Ich weiß, es sind viele Informationen auf einmal, doch wir müssen jetzt wirklich los«, hetzte sie erneut und wandte sich zum Gehen um. Ich verschränkte die Arme vor der Brust und rührte mich nicht vom Fleck. Was sie mir in dem kurzen Gespräch, das wir geführt hatten, anvertraut hatte, ergab noch immer keinen Sinn. Die Rede war von einer geheimen Prophezeiung, die in den Schriften der beiden Schöpfungsgöttinnen Assana und Anahita angekündigt wurde. Circle-Falls stand vor einer Wende, Circen und Cascaden sollten nach einem Jahrtausend wieder vereint werden und das alles mithilfe der neuen Libermaris, die niemand Geringeres als Eathelyn sein sollte. Laut Mareena standen wir am Scheideweg unserer Geschichte. Mit Eathelyn würde eine neue Ära in Circle-Falls anbrechen, und die Aquaregentis würde ein für allemal ihre Daseinsberechtigung verlieren. Wenn unser Plan denn auch aufging.

»Willst du etwa einen Rückzieher machen?«, unterbrach Mareena meine Gedanken und setzte ein genervtes Gesicht auf, als sie sah, dass ich mich nicht von der Stelle bewegte.

»Ich komme erst mit, wenn du mir ein paar Fragen beantwortet hast«, beharrte ich und erwiderte entschlossen ihren Blick. Bei unserem ersten Aufeinandertreffen, damals in der Unity Höhle, wäre ich noch nicht so mutig gewesen, mich ihr entgegenzustellen.

Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. »Was willst du wissen?«

Es war nicht einfach, meine Gedanken in Worte zu fassen. »Nenn mir einen guten Grund, warum ich dir das alles glauben sollte?«, versuchte ich es.

Ihre Augen wurden noch viel schmaler. »Du vertraust mir nicht, oder?«

»Sag du es mir.«

Anstatt mir eine Antwort zu geben, warf sie einen bestürzten Blick auf den Opal, den ich in der Zwischenzeit aus meiner Hosentasche geholt hatte und nun gedankenverloren zwischen meinen Fingern wand. »Das ist kein Spielzeug!«, tadelte sie mich und griff nach dem Stein. Schnell schob ich meine Hand hinter den Rücken. Sichtlich verärgert stieß sie einen Schwall Luft aus. »Ich hoffe, du bist dir im Klaren, wie wertvoll dieser Stein ist.«

Ihre mahnenden Worte führten dazu, dass mir wieder schlagartig bewusst wurde, welch Kostbarkeit ich da in meinem Besitz hatte. Sogleich zog ich meine Faust enger um den Stein, bis sich die spitzen Kanten in meine Handinnenflächen bohrten.

»Du brauchst dich nicht zu sorgen. Ich werde ihn nicht aus den Augen lassen.« An meinem Gürtel hing ein Stoffbeutel, in dem ich meine wertvollsten Dinge aufbewahrte. Behutsam ließ ich meine neueste Errungenschaft in das mit Samt umspannte Innere hinab gleiten.

»Das will ich auch hoffen«, betonte sie und musterte mich prüfend. »Ich kann verstehen, wenn du der ganzen Sache noch skeptisch gegenüberstehst.«

Ich sah sie abwartend an. »Das tue ich.«

»Und doch muss ich dich warnen!«, fuhr sie fort - ihre Adleraugen noch immer auf meinen Beutel gerichtet. »Wenn du den Opal verlierst oder er dir sonst wie abhanden kommt, stehen wir vor einem gewaltigen Problem.«

»Er ist bei mir sicher«, versicherte ich mit scharfer Stimme und überprüfte noch einmal den Kordelknoten an meinem Gürtel. Sie konnte es nicht wissen, doch mir lag nicht nur wegen des Opals etwas an der Sicherheit dieses Beutels. Mindestens genausowenig wollte ich die anderen Gegenstände darin verlieren.

Dazu zählte ein goldener Ring, den ich mal an einem Strand der Menschen aufgelesen hatte, sowie ein hölzerner Herzanhänger. Er war von Veridia und eigenhändig von ihr aus Treibholz geschnitzt. Zu dieser Sammlung gesellte sich nun der Opal. Im Gegensatz zu Veridia und dem Holzanhänger, hatte mir Eathelyn den Opal nicht unbedingt freiwillig überlassen. Stattdessen hatte ich ihn von Mareena bekommen. Obwohl Eathelyn nicht bei mir war, fühlte ich mich durch den Opal mit ihr verbunden, genauso wie ich mich durch den Herzanhänger mit Veridia verbunden fühlte. Sowohl die eine als auch die andere Frau lösten Gefühle in mir aus, die meinem faden Leben einen neuen Anstrich verpassten. Das Holzherz und jetzt dieser Opal erinnerten mich jeden Tag daran. Die beiden Gegenstände waren meine ganz persönlichen Talismane und sie so nah an meinem Körper zu tragen, gab mir ein Gefühl von Sicherheit.

»Was möchtest du wissen?«, riss mich Mareena aus meinen Gedanken und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich den Beutel noch immer fest umklammert hielt.

»Wie wäre es damit, ob Merian tatsächlich an der Festnahme der Freimaren schuld war?«, schoss es aus mir hervor.

Im ersten Moment wirkte sie überrascht, doch nur kurze Zeit später brach sie in schallendes Gelächter aus. »Wer hat dir denn diesen Schwachsinn erzählt?« Sie lief ein paar Schritte auf und ab, den Blick auf den Waldboden gerichtet. Schließlich blieb sie stehen und schaute wieder zu mir herauf. Es schien, als ob ihr ein Licht aufgegangen wäre. »Darf ich raten?«, verkündete sie und ihre Mundwinkel zuckten für einen Sekundenbruchteil. »Es war Dorian.«

»Er hat mich vor dir gewarnt«, gab ich zu.

So schnell und geschickt, dass ich keine Gelegenheit hatte einzulenken, riss sie mir den Beutel vom Gürtel. »Hör mir jetzt genau zu«, sagte sie und ihr Körper bäumte sich vor mir auf. Ihre Präsenz schüchterte mich ein, und mein Blick schnellte ungläubig zwischen dem Beutel und ihr hin und her. »Wir haben keine Zeit für diese Spielchen. Dorian ist der Letzte, der uns von unserer Mission, unser Volk zu retten, abhalten sollte. Ist dir nicht bewusst, was er mit seiner Aktion erreichen will?« So wie bei unserem ersten Aufeinandertreffen flößte sie mir Respekt ein. »Er will uns aufeinander hetzen, weil ich ihn in seinem Stolz gekränkt habe«, führte sie ihren Satz zu Ende.

»Wie meinst du das?« In der Ferne drangen plötzlich Stimmen zu uns durch. Es waren Gäste vom Barbecue. Wir waren noch immer nicht weit entfernt genug.

»Das erkläre ich dir lieber woanders«, beschloss sie und überließ mir wieder bereitwillig meinen Beutel. »Lass uns von hier verschwinden.«

Ich folgte ihr tiefer in den Wald. »Woher kennst du eigentlich Eathelyns Großmutter?«

Sie warf mir einen Seitenblick zu und zuckte mit den Schultern. »Warum willst du das jetzt schon wieder wissen?«

»Vielleicht, weil ich der Einzige bin, der dir helfen kann und schon allein deswegen ein Recht auf die Wahrheit habe.« Ich drückte den Ast nach oben, der uns den Weg versperrte und ließ sie vorbeiziehen.

»Also gut«, antwortete sie, während sie voranging. »Nachdem es mir gelungen war herauszufinden, wer Vic wirklich ist, habe ich mich mit ihr angefreundet. Durch sie wollte ich an Eathelyn herankommen.«

»Weiß Eathelyn das?«

»Natürlich habe ich es ihr etwas schonender beigebracht, doch ja, sie kennt die Wahrheit.«

»Und sie war dir nicht böse?«

»Dafür ist keine Zeit geblieben, schätze ich.« Trotz ihrer hinterlistigen Tat, klang sie, als ob es sie wirklich bedrückte, dass Eathelyn und sie sich nicht hatten aussprechen können.

»Und du bist dir wirklich sicher, dass Eathelyn die Libermaris ist?«

Entschlossenheit kehrte in ihren Blick. »Dazu habe ich die Schriften viel zu lange und viel zu intensiv studiert, um jetzt falsch zu liegen«, wiederholte sie, ohne das Tempo zu verringern. Wir waren in ein Waldstück abgebogen, das uns immer tiefer ins Hinterland führte. »Doch erst einmal zurück zu deiner ursprünglichen Frage«, fuhr sie fort. »Willst du gar nicht wissen, warum Dorian einen solchen Hass auf mich hat?«

Obwohl ich gerne mehr über die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit den Schriften erfahren hätte, interessierte mich der Part mit Dorian nicht weniger. »Kann ich dich erst etwas anderes fragen?«, fuhr sie dazwischen. Die untergehende Sonne goss ihr goldenes Licht in die Ritzen des Baldachins aus Blättern, der sich über den Urwald spannte. Die ersten Tiere zogen sich für die Nachtruhe in ihre Höhlen und Nester zurück, während für die nachtaktiven Gattungen jetzt erst der Tag anbrach. Ich fragte mich, wohin Mareena uns brachte. Dieser Teil des Waldes war mir gänzlich unbekannt.

»Was möchtest du wissen?«, fragte ich und pflückte eine Handvoll Brombeeren von einem Strauch ab, an dem wir vorbeimarschierten. Der süße Saft klebte an meinen Lippen und ich leckte genüsslich darüber. Sofort merkte ich, wie ausgehungert ich war.

»Hast du Geschwister?«

Ich verschluckte mich fast an einer Beere, so sehr wühlte mich ihre Frage auf. »Ich denke schon«, antwortete ich, nachdem ich mich wieder gesammelt hatte. Bitterkeit legte sich in meine Stimme. »Wie du weißt, bin ich ein Cascade und zu wissen, wer unsere Geschwister sind, liegt nicht im Interesse des Königreiches.«

»Und dass du es trotzdem wissen willst, macht dich zu einem ehrenhaften Mitglied der Freimaren«, gab sie zurück und ich meinte ein kleines bisschen Bewunderung in ihrer Stimme herauszuhören. »Ich weiß, es ist unfair, doch Circe-Geborene genießen Privilegien, von denen Cascaden nur träumen können. Und eins dieser Privilegien ist, Brüder und Schwestern zu haben.«

»Wie Recht du damit hast«, entgegnete ich und spürte einen Hauch von Neid aufsteigen.

Wir legten eine Pause ein und sie berührte plötzlich mein Handgelenk. Die schwarze Farbe des Tattoos glänzte noch frisch. »Deswegen musst du mir glauben, wenn ich dir sage, wie sehr ich meinen Bruder verehrt habe.« Das Blau in ihren Augen leuchtete auf. »Die ganze Welt hat er für mich bedeutet.«

»Hast du ihn deswegen damals in Schutz genommen?

Sie schaute mich fassungslos an, und ihre Stirn begann zu pulsieren. »Merian ist unschuldig! Er ist nicht für den Tod seiner Mannschaft verantwortlich.« Sie ballte die Hände zu Fäusten und blickte an mir vorbei in die Ferne. »Seine Naivität ist es«, fuhr sie mit kontrollierter Stimme fort. »Er hat sein Herz an die Falsche verloren und diese hat seine Schwachstelle auszunutzen gewusst.«

Ihr Blick verlor sich in dem undurchdringlichen braungrünen Mosaik, das sich aus den wundersamsten Pflanzen zusammensetzte. »Merian hat uns versichert, dass sie die Richtige sei«, fuhr sie fort, den Blick geradeaus gerichtet. »Die richtige Verbündete aus den Reihen der Aquaregentis. Mit ihrer Hilfe haben wir eine Chance, Geschichte zu schreiben, hat Merian bei seiner letzten Rede unentwegt gesagt. Sie sollte uns eine Gelegenheit verschaffen, an den größten Kopf der Aquaregentis zu kommen. Der Tod ihres höchsten Offiziers sollte ihnen eine Warnung sein, was passierte, wenn man sich uns in den Weg stellte. Merian hatte alles genauestens eingefädelt und alles schien nach Plan zu laufen.«

Sie brach ab und ihr Blick füllte sich mit schierer Wut. »Bis zu dem Moment, als dieses verlogene Biest, ihn in die Falle hat tappen lassen!« Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. »Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sehr er gelitten hat, dabei zuzusehen, wie die Aquaregentis seine Freunde abgemetzelt haben.«

In meiner Vorstellung spritzte das Blut von allen Seiten. Angewidert schüttelte ich die Bilder von mir ab. »Eine Horrorvorstellung«, entfuhr es mir und ich blickte sie mitfühlend an.

»Dieses verdammte Miststück!«, fluchte sie.

Obwohl ich sie nur ungern mit weiteren Details aus dieser blutrünstigen Episode ihrer Vergangenheit belasten wollte, ließ mir eine ganz bestimmte Frage keine Ruhe mehr. »Weißt du, was die Aquaregentis mit deinem Bruder gemacht hat?« Ich schluckte hart.

»Nein!«, sagte sie mit einer solchen Entschlossenheit in der Stimme, dass ich es ihr auf der Stelle glaubte. »Ich gehe davon aus, dass sie ihn früher oder später auch umgebracht haben. Weißt du, seit dem Aufstand ist ziemlich viel Zeit vergangen und die Aquaregentis ist nicht gerade für ihre Nettigkeit bekannt.«

»Das tut mir leid«, sagte ich leise. »Doch was ich immer noch nicht verstehe. Warum wollte Dorian mich glauben machen, dass du die Böse bist?«

Sie straffte die Schultern und in ihre Augen kehrte wieder der vertraute, selbstbewusste Blick zurück. »Wie ich schon erwähnt habe. Er hat dich gegen mich aufhetzen wollen, weil ich seine Gefühle nicht erwidert habe.« Das überraschte mich jetzt und sie fuhr in ihrer Erklärung fort. »Jeder einzelne Freimare, die alten als auch die neuen Mitglieder, können bezeugen, dass er ein Auge auf mich geworfen hat. So hat er sich allerlei Dinge einfallen lassen, um mich für sich zu gewinnen. Leider habe ich kein Interesse an ihm gehabt und genau das habe ich ihn auch deutlich spüren lassen.« Ein böses Lächeln umspielte ihre Lippen. »Weil er nicht bei mir landen konnte, hat er mich vor den Anderen schlecht gemacht. Keine Sitzung hat er ausgelassen, um an meinem Anführer-Thron zu sägen.«

»Und jetzt denkt er, dass du ein Interesse an mir haben könntest?«

Für einen kurzen Moment verschwand der Ernst aus ihrem Gesicht, und sie lächelte. »Gefällt dir dieser Gedanke?« Wie sie mich ansah, ließ mein Herz rasen, und ich musste mich anstrengen, nicht den Faden zu verlieren.

»Der Punkt ist, dass Dorian das denkt«, blockte ich ab und besann mich wieder auf die Fakten. »Deshalb wollte er auch nicht, dass ich jetzt zusammen mit dir hier bin.«

»Das macht Sinn«, antwortete sie mit einem hinterlistigen Lächeln. »Er kann es nicht ertragen, dass ein Anderer größere Chancen hat als er selbst.«

»Sieh mal einer an«, sagte ich und schmunzelte übers ganze Gesicht. »Meine Chancen sind also größer? Gut zu wissen.« Es machte mir Spaß, sie zu necken.

Sie blieb gelassen. »Keine Sorge«, sagte sie mit einem Grinsen auf den Lippen. »Ich bleibe lieber bei meiner eigenen Spezies.« Ich beschloss, nicht weiter darauf einzugehen. »Lass uns weiterlaufen, bevor es noch dunkler wird«, wechselte sie das Thema und erhöhte sogleich die Schrittgeschwindigkeit. Das Gebiet, durch das wir nun seit gut zwei Stunden streiften, war mir noch immer fremd und ich fragte mich, ob sie noch immer einer konkreten Route folgte, oder mittlerweile die Orientierung verloren hatte.

»Ich nehme an, du suchst ein Versteck für die Nacht?«

»Da liegst du vollkommen richtig. Die Aquaregentis kennt jeden Baum und jede noch so kleinste Wurzel in Upper-Falls, doch es gibt einen Ort, den sie niemals aufsuchen würde«, entgegnete sie und hielt für einen Moment inne. »Bog's Eye«, löste sie schließlich auf und sofort gefror mir das Blut in den Adern.

»Du weißt, wo die Totengräber die Neugeborenen begraben?«, schoss es ungläubig und schockiert zugleich aus mir hervor. Sie musste sich vertan haben, anders konnte ich es mir nicht erklären. Das Bog's Eye war nicht gerade das Nachtlager, das ich mir vorgestellt hatte.

»Ich weiß viele Dinge, die manche nicht für möglich halten«, sagte sie und riss mich aus meinen Gedanken, in denen es alles andere als gemütlich zuging.

»Angenommen, es stimmt, was du sagst«, traute ich mich wieder etwas zu sagen. »Warum würdest du dich freiwillig im Bog's Eye versteckt halten? Unter den Cascaden erzählt man sich, dass man nachts das Geschrei der toten Säuglinge hören kann. Es soll so schauderhaft sein, dass es sich in die Eingeweide frisst. Niemand kommt lebend aus dem Bog's Eye heraus, außer die Totengräber, deshalb ist der Zutritt auch allen anderen strengstens untersagt.«

Beim Sprechen hatten sich mir die Nackenhaare aufgestellt. Niemand sprach über das Bog's Eye, wenn es nicht sein musste. Jeder sah es als einen Ort der Verdammnis an, von dem man sich besser fernhielt. Dass Mareena in dieser Hinsicht anders war, sollte mir Warnung genug sein, dachte ich und spielte mit dem Gedanken umzukehren.

»Was ist?«, richtete sie an mich, als ich noch immer nichts sagte. »Hab ich dich etwa erschreckt?«

Ihre Stimme ließ mich aus meiner zwischenzeitlichen Starre erwachen. »Es mag sein, dass du furchtlos bist, doch das Bog's Eye? Wirklich?« Ich bedachte sie mit einem zweifelhaften Blick.

»Wenn es dir unangenehm ist, kannst du gerne wieder umdrehen, doch für mich ist es die einzige Chance, zu überleben«, gab sie zurück. »Die Aquaregentis wird nicht eher damit ruhen, nach mir zu fahnden, bis sie ihren größten Feind aus dem Weg geräumt hat. Am besten im Rahmen einer öffentlichen Hinrichtung, damit alle sehen können, was mit Rebellen geschieht.«

Obwohl ich wusste, dass sie Recht hatte, ließ sich meine Furcht nicht abstellen. Und jetzt, wo es zunehmend dunkler wurde, spürte ich sie noch viel stärker. Je näher wir dem Sumpf der verlorenen Seelen kamen, desto wilder und widerspenstiger stellte sich uns die Natur entgegen. Ich fragte mich, ob es einen weniger zugewachsenen Weg gab, den die Totengräber für ihre Arbeit nutzten. Dieser hier war es jedenfalls nicht. Zum Glück hatte Mareena ein Messer dabei, denn nicht selten kam es vor, dass wir uns durch stark verflochtenes Gestrüpp freischneiden mussten.

»Und was, wenn an den Geschichten doch was dran ist?«, sprach ich den Gedanken, der mir am meisten Angst machte, laut aus und zuckte sogleich zusammen.

»Ist es nicht«, antwortete sie gelassen. Meiner Meinung nach, einen Tick zu gelassen. »Dafür war ich schon viel zu oft dort und das Einzige, was ich gehört habe, wenn ich überhaupt was gehört habe, war das Zirpen der Insekten und das Gequake der Sumpfkröten.«

Jetzt verschlug es mir erst recht die Sprache. »Es ist also nicht dein erstes Mal im Bog's Eye?«

Sie blickte mir unverfroren in die Augen und schüttelte den Kopf. Eins musste man ihr lassen, sie war immer wieder für eine Überraschung gut. Ich fragte mich, was sie noch alles aus dem Ärmel zu schütteln hatte. Was für sie ordinär erscheinen mochte, kostete die meisten Lunamaren jede Menge Überwindung.

»Und warum sieht dieser Weg dann so unbenutzt aus?«, fragte ich und deutete auf das Dickicht vor uns.

»Weil ich einen anderen Weg genommen habe, um sicher zu gehen, dass uns niemand folgt.«

Das ergab durchaus Sinn. »Doch warum willst du mich hier dabei haben, wo ich dir doch das Versprechen geben musste, Eathelyn auf ihre Bestimmung vorzubereiten?«

Auch darauf hatte sie eine passende Antwort. »Damit du den Weg zu mir zurückfindest, wenn es soweit ist.«

»Und wann soll das sein?« Der Geruch von Verwesung und verdorbenem Fleisch hing in der Luft und ich musste meinen Arm vor Mund und Nase halten. Wie würde sie diesen Geruch, wer weiß wie viele Tage, ertragen können, wenn mein Magen schon jetzt am Rebellieren war?

»Das erzähle ich dir morgen, wenn wir ausgeruht sind. Komm, es ist nicht mehr weit. Und keine Angst, ich kenne einen Schlafplatz, wo es nicht ganz so fürchterlich stinkt«, beteuerte sie und schlug mit ihrem Messer auf eine besonders dicke Ranke ein, bis diese entzwei brach und die schaurige Kulisse dahinter zum Vorschein brachte.

Dicke Nebelschwaden waberten über dem grünen Moosteppich und stiegen schlierenförmig in die Luft auf. Baumskelette ragten aus der übel riechenden Brühe und warfen gespenstische Schatten auf die vom Mond beschienene Oberfläche. Bei dem Gedanken, welch abscheuliche Kreaturen sich darunter befinden mochten, erschauderte ich und zwang mich an etwas anderes zu denken. Der Boden unter unseren Füßen war weich und bei jedem Schritt sank er um einige Zentimeter ein.

Es war eine wahre Herausforderung den Sumpf zu durchqueren, ohne stecken zu bleiben. Wenn wir nicht als Moorleichen enden wollten, durften wir keine Sekunde zu lang auf einer Stelle verharren, sondern mussten uns zügig fortbewegen. Je weiter wir in den Sumpf hineinwateten, desto zäher wurde der Untergrund, sodass wir einen wahren Sprint hinlegen mussten.

»Du hättest mich ruhig vorwarnen können, dann hätte ich ein Paar Gummistiefel mitgenommen«, zischte ich, als mein Fuß erneut einen Kampf mit dem Schlamm ausfocht und ihn fast verlor. Meine Sneakers, die Wade und ich mal auf einem Flohmarkt der Menschen ergaunert hatten, konnte ich nach dieser Überquerung wegschmeißen.

»Hier ist es doch schon viel flacher«, sagte Mareena, um mich aufzumuntern, während ich ihr im Halbdunkel hinterher tappte. Ich bewunderte ihre Gelassenheit, die mir selbst in dieser Situation unerreichbar vorkam. Sie hatte weder Angst, noch ekelte sie sich vor der übel riechenden Pampe. Selbst die Taura Lunata wäre mir in diesem Moment lieber gewesen, als die Aussicht im Bog's Eye die Nacht zu fristen. Ganz sicher würde ich kein Auge zudrücken und bei jedem kleinsten Geräusch den Tod persönlich dahinter vermuten.

Plötzlich zerrte Mareena an meinem Arm und zog mich mit sich in die Tiefe. Wir hatten Glück, dass wir das Ende des Sumpfes erreicht hatten, andernfalls wäre die Sache ganz anders ausgegangen. Trotzdem waren meine Knie und Hände jetzt mit der torfartigen braunen Schicht bedeckt. Ich wollte gerade meinem Unmut Luft machen, doch bevor ich einen Ton herausbekommen konnte, hatte Mareena ihre Hand schon auf meinen Mund gepresst.

»Psssst!«, flüsterte sie und auf ihrem Gesicht zeichnete sich tiefe Sorge ab. Mit der anderen Hand signalisierte sie mir ruhig zu bleiben, während sie mit dem Kinn in die Ferne deutete. Ich folgte der Richtung und erstarrte. Als Mareena ihre Hand endlich von meinem Mund wegnahm, wischte ich mir den hartgewordenen Schlamm von den Lippen. Ich hielt den Atem an und spähte ungläubig durch eine Lücke in der Mauer aus Schilfrohr. Ohne sie hätte man uns schon lange entdeckt.

Was ich auf der anderen Seite erblickte, ließ jegliches Blut aus meinem Körper schießen. Leichenblass blickte ich zu Mareena, deren eigenes Gesicht hingegen keinerlei Regung zeigte. Mit einer Handgeste forderte sie mich auf, tiefer in die Hocke zu gehen und mich ja still zu verhalten.

2 Eathelyn

Ich musste hier raus, so schnell wie möglich. Die Wohnwagenwände erdrückten mich und alles hier drinnen erschien mir auf einmal noch viel kleiner und zusammengepferchter als es ohnehin schon war. Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und verfiel in eine Schnappatmung.

»Eathelyn, was ist los?« Vics Stimme klang entfernt, dabei stand sie nur wenige Zentimeter neben mir. Das Letzte, was ich sah, bevor ich wie eine Gejagte aus dem klaustrophobischen Gefährt stürzte, waren ihre sorgenvollen blauen Augen. Ich stolperte fast über die Trittstufenleiter und torkelte über das Rasenstück. Als ich wieder festen Boden unter meinen Füßen spürte, beugte ich mich in die Knie und stützte meine Hände auf die Oberschenkel. Wie jemand, der kurz vor dem Ersticken war, sog ich die Luft tief in meine Lungen. Der Schwindel ließ allmählich von mir ab. Da drinnen wäre ich fast umgekippt, die Weite des Grundstücks hingegen ließ mich wieder frei atmen.

»Alles in Ordnung mit dir?« Ich hob meinen Kopf und erblickte Vic, die mir aus dem Wohnwagen nach draußen gefolgt war. Sie legte eine Hand auf meine Schulter und beugte sich zu mir herunter. Obwohl rein gar nichts in Ordnung war, schwieg ich und versuchte die Fassung zu bewahren. Ich schloss die Augen für einen Moment und atmete kontrolliert ein und aus. Es half nicht. Vics Geständnis dominierte meine Gedanken und ließ mich nicht zur Ruhe kommen. Was sie gesagt hatte, war so schwerwiegend, dass ich es einfach nicht verdrängen konnte. Nicht verdrängen wollte. Es war mein Ziel gewesen, die Wahrheit herauszufinden. Deswegen hatte ich mich vollkommen alleine in ein Flugzeug ans andere Ende der Welt gesetzt, hatte die Uni-Zusage meines besten Freundes verpasst und zudem die Gelegenheit, mir meiner Gefühle für ihn klarzuwerden. Wäre das alles nicht schon schlimm genug, hatte ich obendrein noch meine Mutter belogen und musste nun fürchten, dass sie jede Minute hier aufschlug und mir die Hölle heiß machte.

All diese Risiken hätten mir Warnung genug sein sollen, doch ich, Sturkopf, hatte ja meinen Willen durchsetzen müssen. Und obwohl ich mein Ziel erreicht und nun endlich die Antworten auf meine Fragen bekommen hatte, war ich alles andere, nur nicht zufrieden. Ich empfand Hass. Hass auf meine Mutter, weil sie alles, was mit unserer Vergangenheit zu tun hatte, aus ihrem Leben verbannte. Hass auf diese Mareena, weil sie nicht von Anfang an ehrlich zu mir gewesen war. Und auch Oma Vic kam nicht ungeschoren davon. Wieso hatte sie nicht schon eher Kontakt zu mir aufgenommen, sondern bis zu meinem Schulabschluss damit gewartet? Und obwohl ich jetzt hier war, hatte es trotzdem noch eine ganze Weile gedauert, bis sie mit der ganzen Wahrheit herausgerückt war. Zuvor hatte ich ein Rätsel nach dem anderen lüften müssen, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass mein ganzes Leben eine einzige Farce war.

Ich presste die Lippen zu einem Strich zusammen und schlang meine Arme um meine Hüften. Es wäre schön, wenn Callan jetzt hier wäre, um mich in meiner Wut zu besänftigen. Natürlich war ich mir inzwischen im Klaren, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. Er ging weder zur Schule, noch musste er sich Sorgen um seine berufliche Zukunft machen. Stattdessen lebte er in der Natur und war frei von gesellschaftlichen Konventionen. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich ihn um sein Leben beneidet. Da ich es jedoch tat, war mir mein Leben in diesem Moment lieber, auch wenn es nicht das Gelbe vom Ei war. Zumindest zwang mich da keiner, in einen Kampf zu ziehen. Und dann noch als Anführerin. Wussten sie eigentlich, wie ungeeignet ich für diesen Posten war? Ich und Führungsqualitäten? Dagegen waren meine Straßenkonzerte ein Witz.

»Wenn dir kalt ist, kann ich dir auch eine Decke holen«, riss mich Vic aus meinen Gedanken und strich mit ihrer Hand über meinen Oberarm.

»Geht schon«, murmelte ich und verbiss mir einen gehässigen Kommentar. »Es ist alles nur so viel auf einmal.«

»Das verstehe ich, Liebes. Wenn ich etwas für dich tun kann, damit du dich besser fühlst, sag es mir bitte.«

Da gab es tatsächlich etwas. »Ich begreife immer noch nicht ganz, was diese Luna ... ähm ...« Mir wollte das Wort partout nicht mehr einfallen.

»Lunamaren«, kam sie mir zu Hilfe und schaute mich versöhnlich an.

Ich nickte halbherzig. »Was sollen diese Lunamaren noch mal für Wesen sein?«

Vics Miene wechselte von mitfühlend zu ernst. »Ich weiß nicht, ob es dir schon aufgefallen ist, doch Nambucca Heads ist kein gewöhnlicher australischer Ort.«

Ich zuckte die Achseln. »So viel habe ich von Australien auch noch nicht gesehen, um das beurteilen zu können.«

Sie nickte. »Ich hoffe, das ändert sich, sobald das alles hier vorbei ist.« Ihr Optimismus fühlte sich in diesem Moment wie blanker Hohn an. Ich bekam das Gefühl, dass ihr das alles nicht so nahe ging wie mir. Es schien, als ob sie sich mit den Andersartigkeiten an diesem Ort abgefunden hatte oder zumindest gelernt hatte, mit ihnen umzugehen. Als ob sie meine Gedanken gelesen hätte, schenkte sie mir ein aufmunterndes Lächeln. »Hab bitte keine Angst«, sagte sie und rieb mit ihren Händen die Gänsehaut auf meinen Armen weg. »Nambucca Heads mag zwar ein mystischer Ort sein, doch fürchten musst du dich deswegen wirklich nicht.« Sie nahm meine Hände und schaute mir fest in die Augen. »Solange wir Mareenas Anweisungen befolgen, wird niemandem etwas passieren.«

Ihre Worte beruhigten mich nicht wirklich. »Und was, wenn ich das nicht will?«, entgegnete ich und spürte wieder die Wut in meinem Bauch. »Hast du mich deswegen hierher gelockt? Weil Mareena es dir aufgetragen hat?«

Was ich ihr unterstellte, traf sie mit voller Wucht. »Wie kommst du denn auf so was?«

Die Vorstellung, dass Mareena die Fäden in der Hand hielt, behagte mir nicht. Schon bei unserem Ausflug an den Südstrand war sie mir unsympathisch vorgekommen. Wie ich ihr jedes Wort aus der Nase hatte ziehen müssen, bis ich erfuhr, dass mein Vater vielleicht gar nicht ertrunken war, sondern sein Verschwinden eine viel dunklere Ursache hatte. Das war keine wirklich neue Erkenntnis für mich. Schon immer hatte ich in diese Richtung spekuliert, doch erst seit ich das Buch im Unijazz gefunden hatte, war ich von dem Gedanken, dass mein Vater aus einem ganz bestimmten Grund in die Tiefen gelockt worden war, nicht mehr abzubringen.

»Immer mit der Ruhe«, gab Vic mit erhobenen Händen zurück und schaute mich eindringlich an. »Ich denke, ich sollte noch einmal ganz von vorne beginnen.«

»Und diesmal bitte keine Lügen!«, ermahnte ich sie. Sie nickte einsichtig und begann schließlich die wichtigsten Punkte aus ihrem Geständnis noch einmal zusammenzutragen.

»Die Existenz der Lunamaren hängt eng mit der hiesigen Natur zusammen. Der Regenwald mit seinen Flüssen, Seen und Wasserfällen gehört nicht den Menschen, sondern hat schon immer den Cascaden gehört. Genauso wie den Circen schon immer der Pazifik gehört hat. Die Menschen, hingegen - und da gehören auch wir leider dazu - haben sich erst viel später auf dem roten Kontinent angesiedelt. Da die Lunamaren ein friedfertiges Volk sind, haben sie die Menschen geduldet, und sich einverstanden erklärt, ihre Böden zu teilen.« Sie holte Luft, und ihr Blick trübte sich. »Das war jedoch nicht immer so«, fügte sie hinzu und unterdrückte ein Raunen. Das ließ mich erahnen, dass etwas Schreckliches vorgefallen sein musste, wobei ich mir sicher war, dass die Menschen die Hauptschuld für diesen Stimmungswechsel trugen. So wie für jedes Übel in der Welt.

Sie räusperte sich und tauchte wieder in eine lange zurückgelegene Zeit ein. »Seit jeher pflegten die Ureinwohner, die Aborigines, ein enges Verhältnis zu den Lunamaren. Sie tauschten sich aus, halfen sich gegenseitig und lernten voneinander. Allein die Aborigines wussten vom Bestehen der beiden Wasservölker und wo die Grenzen zu ihrer eigenen Welt verliefen. Und alle Bewohner respektierten diese Grenzen und hielten sie in Ehren. Die Cascaden zogen sich in den tiefen Urwald zurück, um ein abgeschiedenes Leben mit ihren Artgenossen zu führen, während die Circen den Pazifik für sich beanspruchten. Es ging auch nicht anders. Cascaden waren Landgänger und atmeten Landluft, während der Organismus der Circen dem der Fische und Unterwasserlebewesen ähnlich war.

Trotz allem hat es die Cascaden nicht gestört, dass sie ihr Reich mit dem indigenen Volk der Aborigines teilen mussten. So haben sie ihren Nachbarn alles Land, das jenseits ihrer Schutzzone in den tropischen Wäldern lag, freiwillig überlassen, damit sie darauf ein bescheidenes Zuhause für sich und ihre Familien errichten konnten. Die Aborigines haben dabei nur Materialien und Energiequellen verwendet, die ihnen die Natur bereitstellte, und das in einem Maße, dass die Tiere und Pflanzen um sie herum nicht darunter litten. Dieses Gesetz nach dem Prinzip "Leben und leben lassen" achteten alle in der Gemeinschaft, die Alten wie auch die Jungen, und es fiel ihnen nicht schwer. Genauso wie die Lunamaren hatten sich die Aborigines verpflichtet, den australischen Urwald, den Boden allen Ursprungs, so zu erhalten, wie ihn die Götter ihnen überlassen hatten. In unserer heutigen Zeit wird eine solche Lebensweise als primitiv verschmäht, doch nur die Wenigsten können erkennen, wie viel Reichtum diese Art des Zusammenlebens wirklich birgt.« Vic brach ab und schaute mir tief in die Augen. Ein Lächeln umspielte ihre Züge, die trotz ihres Alters nicht an Jugendlichkeit eingebüßt hatten.

Ich wollte eine Bemerkung machen, doch war so von dem Erzählten eingenommen, dass ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Die Welt, die Vic beschrieben hatte, war mir vertraut und fremd zugleich. Wenn ich mir Nambucca Heads betrachtete, konnte ich alles, was sie gesagt hatte, nachvollziehen. Dieser Ort erschien wie das Paradies auf Erden. Aber eben nur auf den ersten Blick.

»Die Wasserstellen bilden das höchste Heiligtum der Lunamaren, denn dort finden sie den größten Frieden«, fuhr Vic fort und ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder auf sie. »Es reicht schon, wenn sie sich für ein paar Minuten unter einen Wasserfall stellen. Sofort spüren sie, wie sich ihre Kraftreserven auffüllen und neue Hoffnung in ihnen aufblüht. Spiegelt sich dann auch noch der Mond in den heilbringenden Quellen, vervielfacht sich diese Wirkung, bis nichts und niemand ihnen mehr in die Quere kommen kann. Das Mondlicht in Verbindung mit den Heilquellen ist eine Zauberformel, die selbst den Aborigines nicht unbekannt war.

Obwohl die Lunamaren ihnen deswegen überlegen waren, wahrten die Aborigines ihr Geheimnis. Im Gegenzug für diese Treue versprachen die Lunamaren ihren Verbündeten Schutz vor wilden Tieren und anderen Gefahren, die vom Dschungel ausgingen. Außerdem lenkten sie mit ihren Kräften wohlwollend in das Wetter ein, etwa wenn sich ein gefährlicher Sturm über das Gebiet der Aborigines zusammenbraute. Doch damit nicht genug. Die Loyalität der Lunamaren ging noch viel weiter. Obwohl ihnen ihre Gewässer heilig waren, verband sie eine so tiefe Verbundenheit mit den australischen Ureinwohnern, dass sie für sie eine Ausnahme machten. So erlaubten die Lunamaren, ihren kranken und verwundeten Freunden in ihren Quellen zu baden.«

Vics Beschreibung dieser einzigartigen Freundschaft ließ bunte Bilder in meiner Fantasie aufleben. Ich malte mir eine Landschaft mit erquickenden Wasserfällen und Quellen aus. Frauen und Männer mit traditionell bemalten Gesichtern und selbstgewobenen Gewändern saßen am Ufer. Sie beobachteten eine Zeremonie im Wasser, die von elfenähnlichen Gestalten abgehalten wurde. Obwohl weder Callan noch Mareena tatsächlich wie Elfen aussahen, taten sie es in meiner Vorstellung. Ich konnte nicht fassen, dass sie den Menschen optisch so sehr ähnelten. Dabei waren sie für mich so etwas wie Zauberwesen, wenn ich mir Vics Worte noch einmal in Erinnerung rief.

Vics Stimme nahm nun einen düsteren Unterton an. »Als eines Tages feindliche Schiffe am Horizont auftauchten, war es jedoch vorbei mit der Ruhe. Mit dem Einmarsch der Weißen erhöhte sich für die Lunamaren die Gefahr von den Eindringlingen entdeckt und ihrer Ressourcen beraubt zu werden. Um dies zu verhindern, verabschiedeten sie einen Pakt mit den Aborigines, in dem sie sich gegenseitige Loyalität schworen. Die Aborigines sollten die Lunamaren rechtzeitig vorwarnen, für den Fall, dass die Menschen ihnen zu nahe kamen und umgekehrt verpflichteten sich die Lunamaren gegenüber den Aborigines, ihr Land gegen die feindlichen Übergriffe zu verteidigen. So ließen sie fürchterliche Stürme und Erdbeben auf die provisorischen Festungen der Fremden los. Mit jedem Tag, der verstrich, ohne dass die bewaffneten Truppen abgezogen waren, fuhren die Lunamaren höhere Geschütze auf. Das ging so weit, dass die weißen Männer irgendwann dachten, dass der Inselkontinent verflucht sei und es besser war, die Flucht zu ergreifen, bevor noch mehr ihrer Leute den Tod fanden.«

»Und haben sie es getan?«

Ein Schatten huschte über ihr Gesicht, was mir die Antwort halb vorwegnahm. »Manchmal besteht der einzige Lebenssinn eines Menschen darin, einem anderen als Warnung zu dienen.«

Ihre Worte stimmten mich nachdenklich. »Lass mich raten«, sagte ich nach einer Weile. »Du sprichst vom Lebenssinn dieser weißen Männer.«

Sie nickte und presste ihre Lippen aufeinander. »Mit vereinten Kräften haben die Cascaden und die Ureinwohner die Weißen in einer Schlacht geschlagen.« Ein Seufzen entfuhr ihr. »Leider war diese Schlacht sehr verlustreich gewesen. Nicht nur auf der Seite der Weißen.«

Ich schluckte. »Und das hat als Warnung gereicht, damit keine Schiffe mehr nachkamen?«, fragte ich unschlüssig.

»Natürlich nicht!«, antwortete Vic impulsiv. »Menschen sind töricht, doch vor allem sind sie eins.« Ihre Augen blitzten wütend auf. »Gierig!«, fügte sie mit scharfer Stimme hinzu. Ich nickte wissend. »Das Gute jedoch ist«, fuhr sie fort und Hoffnung kehrte wieder in ihren Blick. »Verluste sind die besten Lehrer der Menschen. Im Laufe der Geschichte hat sich das Verhältnis zwischen den Einwanderern und den Eingeborenen zum Glück entspannt. Die Fremden haben erkannt, dass sie genauso wie die Aborigines und die Lunamaren nur Gäste sind, denen man ein vorübergehendes Zuhause schenkt, bis sie eines Tages wieder in ihr eigenes Zuhause zurückkehren können.«

»Aber ist denn Nambucca etwa nicht das Zuhause der Lunamaren und der Aborigines?«

»Sowohl das Volk der Lunamaren als auch das der Aborigines ist spirituell sehr stark verwurzelt. Beide Völker sehen sich nicht als Eigentümer ihres Landes, sondern als ihre Hüter. Deswegen entnehmen sie der Erde auch nur so viel, wie diese imstande ist, sich zu regenerieren. An diesem Gleichgewicht richten sie ihre ganze Lebensweise aus. Leider hat dieses Gleichgewicht im Laufe der Jahrtausende massive Ausschläge erfahren. Zum Leidwesen unseres Planeten.«

»Es ist schrecklich, was mit unserem Planeten passiert«, stimmte ich ihr zu, »und wie machtlos wir dagegen sind.«

»Nicht machtlos, sondern bequem«, korrigierte mich Vic und stieß hörbar Luft aus. »Das ist ein gewaltiger Unterschied.«

Ich senkte befangen den Blick. »Ob die Menschen etwas ändern würden, wenn sie von der Existenz der Lunamaren wüssten?«

»Ganz bestimmt, doch zur gleichen Zeit würde eine Jagd auf diese einzigartigen Geschöpfe beginnen, deren Folgen nicht abzuschätzen sind. Und sei es auch nur, um ihre Körper und Fähigkeiten zu studieren.«

Sie hatte Recht. Den Menschen war nicht zu trauen. Es würde immer jemanden mit Geld und Einfluss geben, der diese Sensation zu seinen Vorteilen auszunutzen wusste. Die Lunamaren wären die Letzten, die davon profitieren würden. »Es ist wirklich erstaunlich, dass in all der Zeit nichts von ihrer Existenz durchgesickert ist«, teilte ich einen Gedanken, der mich schon eine ganze Weile beschäftigte.

»Frag mich nicht, wie, doch es simmt. Bis heute haben sie es geschafft, ihr Geheimnis zu hüten.«

»Und was ist mit den Nachfahren der Aborigines? Wissen die Bescheid?«

»Soweit ich informiert bin, haben die Aborigines irgendwann aufgehört, das Geheimnis weiterzugeben. Sie haben sich gefürchtet, dass die neuen Generationen die Lunamaren aus Profitgier ausliefern könnten.«

»Würden sie das denn?«, hakte ich ungläubig nach.

»Ich kenne ein paar Aborigine Familien in Nambucca und soweit ich das beurteilen kann, gibt es eine ganze Reihe von ihnen, die die Traditionen ihrer Ahnen für nichts als Geschichten halten. Der westliche Lebensstil ist dort nicht mehr so verpönt wie vor dreißig Jahren noch. Die Jüngeren studieren und ziehen in die Städte. Das soll kein Vorwurf sein. Ich halte Bildung für sehr wichtig, vor allem für die Aborigines. Es gibt immer noch zu viele, die auf staatliche Hilfen angewiesen sind und den Sprung in die finanzielle Unabhängigkeit nicht schaffen.«

Als sie geendet hatte, musste ich noch eine ganze Weile über alles nachdenken. Hätte Vic mir diese Geschichte zu einer anderen Zeit, an einem anderen Ort erzählt, hätte ich sie vermutlich für eine australische Legende gehalten. »Und du hast dir das ganz sicher nicht alles ausgedacht?«, fragte ich mit einem Funken Resthoffnung in der Stimme.

Vics Gesicht hellte sich für einen Moment auf. »So viel Fantasie habe ich doch gar nicht«, sagte sie und schaute mich liebevoll an. »Doch, wenn du mehr über den Ursprung der Lunamaren erfahren willst, solltest du dich an Mareena und Callan wenden.«

»Weil sie selbst Lunamaren sind?«

Sie senkte ihren Blick. »Und nicht nur sie.«

Mein Herz machte einen Satz. »Dad war auch einer von ihnen!«, brach es aus mir heraus. Plötzlich ergab alles einen Sinn.

Vic nahm meine Hand und schaute mich mitfühlend an. »Dein Vater hat das alles nicht verdient«, flüsterte sie und bekam glänzende Augen.

Ihre Worte verunsicherten mich. »Was ist mit ihm passiert?«

Sie machte einen Schritt auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. »Du wirst es bald selbst herausfinden«, sagte sie mit gefasster Stimme.

Kaum hatte sie mir dieses Versprechen mit auf den Weg gegeben, zog ein Schatten über uns hinweg. Ich warf einen Blick nach oben. Eine pechschwarze Wolke hatte sich direkt über den Camper-Park formiert und dehnte sich immer weiter aus. Bis vor einigen Minuten noch war der Himmel klar und blau gewesen, doch jetzt kündigte er Unheil an. Kaum hatte ich diesen Gedanken gefasst, spürte ich schon einen Tropfen an meiner Stirn. Innerhalb kürzester Zeit stand der ganze Camper-Park unter Beschuss. Das Barbecue drohte wortwörtlich ins Wasser zu fallen, doch zum Glück hatten Michael und Vic ein paar Pavillons im Garten aufgestellt, in denen schon einige der Gäste Schutz gefunden hatten.

»Wir können im Wohnwagen weiter reden«, rief mir Vic zu und stürzte auf die Terrasse, wo sie mithilfe einiger Gäste begann, die Tische mit durchsichtigen Planen abzudecken. »Geh schon mal vor, ich bin gleich bei dir!«, forderte sie mich auf, als ich noch immer wie angewurzelt dastand.

Mein Blick fiel auf den Grill, auf dem eine beachtliche Anzahl Fleisch- und Fischware vor sich hin schmorte. In diesem Moment erschien Michael mit einer Haube auf der Bildfläche, die er schnell über den Grill stülpte. »Soll ich euch nicht besser helfen?«, fragte ich und wollte schon einen Teller mit einem Steak aufheben, das der Regen begonnen hatte aufzuweichen.

»Das ist nicht nötig!«, wies mich Vic zurück und deutete mit einer auffordernden Handgeste auf ihren Wohnwagen.

Obwohl ich nicht verstehen konnte, warum sie nicht wollte, dass ich ihnen half, tat ich wie befohlen und stieg in den altertümlichen Kastenwagen. Der Regen prasselte hart auf das Dach und gegen die Fenster. Mindestens genauso durch den Wind wie die Stimmung draußen, setzte ich mich auf die Polsterbank und versuchte mich zu entspannen. Egal, wie sehr ich mich bemühte an etwas anderes zu denken, Vics Worte ließen einfach nicht von mir ab. Sie pulsierten in meinem Unterbewusstsein wie eine Schallplatte mit Sprung. Meine Tage als Abiturientin waren gezählt, die Welt, wie ich sie kannte, gab es in dieser Form nicht mehr. Die Menschen waren nicht die einzige überlegene Spezies auf unserem Planeten.

Plötzlich hörte ich ein Geräusch, das die Endlosschleife in meinem Kopf für einen Moment zum Erliegen brachte. Ich fuhr hoch und lauschte. Der Regen dämpfte die Laute ab, sodass sie nur diffus zu mir hervordrangen. Es waren Rufe einer menschlichen Stimme, doch ich konnte sie nicht einordnen. Während ich die Laute genauer studierte, riss plötzlich eins der Fenster auf und schlug gegen die äußere Verkleidung des Wohnwagens.

Mein Herz plumpste mir in die Hose, und ich blickte mit weit aufgerissenen Augen zu dem Fensterglas, das Gott sei Dank nicht zu Bruch gegangen war. Als ich einen Ausfallschritt nach vorne machen wollte, um das Fenster geschwind wieder zu schließen, fuhr mir ein Schreck in die Knochen und ließ mich mitten in der Bewegung erstarren. Ich hörte meinen Namen. Es war dieselbe Stimme, die ich schon einmal vernommen hatte. Vor einer Stunde etwa. Nachdem Vic das Schweigen über meine wahre Herkunft ein für allemal gebrochen hatte.

Mit einer hektischen Handbewegung nahm ich meine Hörkapsel aus dem Ohr und lauschte in die Richtung, aus der ich das Rufen vermutete. Das Blut rauschte in meinen Ohren und mein Herz hämmerte wie eine tickende Zeitbombe in meiner Brust. Es blieb dabei. Jemand rief nach mir und es war weder Vic noch Michael noch jemand von den Gästen. Plötzlich wurde mir alles zu viel und ich setzte die Hörkapsel wieder ein. Zeitgleich verstummte die Stimme und zurück blieb nur noch das Trommeln des aufschlagenden Regens.

»Eathelyn, was ist los mit dir?« Mit weichen Knien drehte ich mich um, und als ich erkannte, dass es Vic war, fiel ich ihr vor Erleichterung um den Hals.

»Das muss die Aufregung sein«, erklärte ich, nachdem ich eine ganze Tasse heiße Schokolade, die Vic für mich gemacht hatte, ausgetrunken hatte. Ich beschloss ihr erst einmal nichts von dem gespenstischen Vorfall zu erzählen. Stattdessen ging ich noch einmal auf das Geständnis ein, das meine ganze Welt, wie ich sie kannte, unter Schutt und Asche begraben hatte.