Ein Abschied für immer - M P v Steigerwald - E-Book

Ein Abschied für immer E-Book

M.P. v. Steigerwald

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2,99 €

  • Herausgeber: neobooks
  • Kategorie: Erotik
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2021
Beschreibung

Verlieren kann jeder, aber am meisten nur der, der nichts wagt. June, eine eigenständige und fröhliche junge Frau, die ihr sorgenloses Leben in vollen Zügen genießt, verliert ihr Herz ungewollt an Cole. Doch er verbirgt ein Geheimnis vor ihr. Kann June die Wahrheit verkraften oder wird sie daran zerbrechen? Ist ihre Liebe allein stark genug, um jede Hürde zu überwinden?

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Seitenzahl: 296

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M P v Steigerwald

Ein Abschied für immer

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Ein Abschied für immer

Impressum

Widmung

Vorwort

Teil 1

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Teil 2

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Teil 3

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Teil 4

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Impressum neobooks

Ein Abschied für immer

M.P. v. Steigerwald

Ein Abschied für immer

Impressum

Ein Abschied für immer

ebookausgabe: Neuauflage 08/2021

Alte Ausgaben: Eisermann Verlag – Die Zeit mit dir: Gewollt und doch verloren.

Epubli – Nichts ist für immer

Copyright: ©by Melanie Popp 2021

M.P. v. Steigerwald

Zur Hofstatt 5

97514 Oberaurach

E-Mail: [email protected]

Druck: epubli - ein Service der neopubli GmbH, Berlin, Printed in Germany

Coverdesign: Melanie Popp/MP-Buchcoverdesign&mehr, www.mpbuchcoverdesign.com

Bildmaterial: @mark, @rocketclips.com, @RolandBarat/Depositphotos.com

Satz: Melanie Popp

Lektorat/Korrektorat: mpkorrekturen

Alle Rechte vorbehalten.

Jede Verwertung bedarf der schriftlichen Genehmigung der Autorin. Das gilt insbesondere für die Vervielfältigung, Verwertung, Übersetzung und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektrischen Systemen. Personen und Handlung sind frei erfunden.

Widmung

Ich widme dieses Buch all denen,

die irgendwo in der Welt

eine große Liebe haben und wissen,

dass sie diese niemals besitzen werden.

Egal ob Mann oder Frau,

ob jung oder alt.

Denn am Ende zählt nur eins:

Die Kraft zum Weiterleben,

für dich und die Menschen, die dich lieben.

Vorwort

Vertraue deinem Herzen,

höre auf die Liebe,

verstecke deine Gefühle nicht,

auch, wenn du verletzt wirst.

Dennoch hast du es gewagt.

Teil 1

Wie das Leben so spielt – eine unerwartete Begegnung

Kapitel 1

Genieße dein Leben, lache und weine,

sei fröhlich und schreie,

mache Fehler und lerne.

Gedankenversunken sitze ich vor meinem Laptop und versuche, mithilfe von beruhigender Chillstep-Musik, ein sehr spannendes und vielversprechendes Manuskript zu überarbeiten. Leider machen mir meine wirren Gedanken einen Strich durch die Rechnung. Ich habe das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Aber mir fällt nicht ein, was das sein soll.

Etwas genervt seufze ich laut auf und lehne mich in meinem bequemen Stuhl so weit nach hinten, bis er mir mit einem ungesunden Knirschen sagt, dass es weiter nicht geht. Dann lege ich den Kopf nach hinten und stiere an die Decke, während ich mein Haar mit den Fingern durchkämme. Ich sollte wirklich lernen, meine Termine aufzuschreiben, damit ich nichts mehr vergesse, so könnte ich mir den ein oder anderen Ärger ersparen.

Plötzlich hätte ich vor Schreck fast laut los geschrien, da meine Wohnungstür unerwartet aufgeschlagen wird.

»Bist du fertig?«, ruft mir Anny entgegen und stürmt freudig und mit einem Elan, den nur sie verbreiten kann, in meine Wohnung.

Stürmisch springe ich auf, der Stuhl rutscht mit voller Wucht gegen die Wand.

»Verdammt, bist du verrückt geworden?«, gehe ich sie unbeherrscht an, halte mir eine Hand auf die Brust und spüre meinen rasenden Herzschlag. »Wie kannst du mich so erschrecken? Wie kommst du hier überhaupt herein?«

Anny bleibt stocksteif zwischen meiner neuen Couch und dem Esstisch stehen, presst ihre Lippen zusammen und deutet fragend hinter sich. »Durch die Tür.«

Einen kleinen Augenblick herrscht gespenstische Stille, bis ich anfange zu lachen. »Ist mir schon klar, dass du kein X-Men bist und durch Wände gehen kannst«, entgegne ich ihr.

»Deine Mum hat uns rein gelassen. Olivia und Naomie sind noch bei ihr. Sie sollen eine neue Kreation deines Dads versuchen.« Sie blinzelt mir zu, schlängelt sich durch mein Zimmer und hebt dabei wie eine orientalische Bauchtänzerin ihre Arme. »Bist du so weit? Ich bin schon total aufgeregt«, sagt sie mit hoher Stimme, die mich zerknirscht dreinschauen lässt.

Meine Eltern besitzen eine kleine Konditorei unter meiner Wohnung. Diese führen sie mit großer Leidenschaft und viel Herzblut, was ihre Kunden zu schätzen wissen.

Ich runzele die Stirn und streiche mir die Haare nach hinten. »Was meinst du?«, frage ich Anny, während ich meinen Stuhl wieder zu mir ziehe und mich gelassen daraufsetze.

Sie runzelt die Stirn und spitzt ihre perfekten Lippen, bei denen sie heute nicht an rotem Lippenstift gespart hat. »Oh, June«, fängt sie an. »Du hast es tatsächlich vergessen. Heute ist doch die Party. Das Country-Festival bei Mike auf das wir schon das ganze Jahr gewartet haben.«

Keine drei Sekunden nach ihren Worten fällt mir ein, was ich verpennt habe. Mist! Sie hat das ganze Jahr darauf gewartet. Jetzt wird mir auch klar, warum sie sich so aufgebrezelt hat. Sie trägt Minirock und Trägertop, dazu hat sie sich stark geschminkt und ihr feuerrotes Haar zu einem Zopf geflochten, der über einer Schulter liegt.

Ich versuche, eine entschuldigende Miene aufzusetzen und deute mit einer Hand auf meinen Laptop. »Dafür habe ich heute echt keine Zeit, ich muss …«

Anny macht ein spöttisches Geräusch und winkt ab. »Nichts da, du hast es uns versprochen.« Sie zeigt hinter sich, als auch schon Naomie und Olivia durch meine noch offenstehende Wohnungstür kommen, genauso aufgetakelt wie Anny, und mich liebevoll begrüßen.

»Das soll ein Mädelsabend werden. Du hast es uns doch versprochen«, spricht Anny weiter.

»Du bist ja noch gar nicht angezogen«, stellt Olivia mit ihrer mädchenhaften Stimme fest, steuert wie selbstverständlich auf meinen Kühlschrank zu und öffnet ihn, als wäre sie hier zu Hause. Mit einem Finger auf ihren Lippen mustert sie den Inhalt. »Du solltest dir unbedingt angewöhnen, etwas Richtiges zu essen zu kaufen, nicht immer nur dieses Grünzeug. Dann würdest du vielleicht auch mal etwas auf deine Hüften bekommen«, hält sie mir den üblichen Vortrag, lässt die Kühlschranktür zufallen und klopft auf ihre ausladenden brasilianischen Oberschenkel.

Anny und Naomie, die es sich auf einem kleinen Hocker neben meinem Schreibtisch gemütlich gemacht haben, kichern leise. Ich nicke nur und lächele. »Ich werde das auf meine Einkaufsliste setzen«, will ich Olivia beschwichtigen. »Wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet …« Ich beuge mich nach vorne und schaue auf meinen Bildschirm. »Ich muss in drei Tagen das Manuskript abgeben und habe noch nicht einmal die Hälfte durch.« Provozierend ziehe ich meine Augenbrauen nach oben, um ihnen zu zeigen, dass ich es ernst meine.

Anny schnappt sich einen Apfel aus der Obstschale auf dem Fensterbrett. »Du bekommst heute eh nichts mehr zusammen.« Sie beißt herzhaft hinein und kaut kräftig. »Das sehe ich in deinen Augen.«

Ich schüttele den Kopf und zucke mit den Schultern. »Ich kann nicht. Es geht wirklich nicht, tut mir leid«, bestehe ich weiter auf meine Zeit mit dem Manuskript.

Naomie nimmt Anny den Apfel ab und genehmigt sich auch einen Bissen. Dann schenkt sie mir ein liebevolles Lächeln, bei dem ihre seeblauen Augen noch größer zu werden scheinen. »Sag mal, June …«, zögert sie. »Wie lange warst du schon nicht mehr aus? Du arbeitest fast nur noch.«

Ich verkneife mir ein spöttisches Lachen. Das sagt gerade sie. Wo sie doch nahezu Tag und Nacht auf der riesigen Pferde-Ranch ihrer Eltern beschäftigt ist.

Olivia sitzt auf dem Küchentisch und lässt ihre Beine baumeln, während sie ungeduldig auf meine Antwort wartet. Ich ziehe meine Mundwinkel nach unten.

»Ich war letzte Woche mit Seth im Kino.« Außerdem kommt das Geld auch nicht von irgendwoher, denke ich, spreche es aber nicht laut aus.

»Seth ist wie ein Bruder für dich«, fährt mir Anny gleich über den Mund. »Das zählt nicht.«

Bruder? Wenn die wüssten.

»Und wie lange hattest du schon keinen Sex mehr?«, fragt Olivia, während sie ihren luftigen Faltenrock zurechtrückt.

»Ähm …« Ich schaue etwas verdutzt, beiße mir auf die Unterlippe und denke an letzte Woche, an den Kinobesuch und an das, was danach in Seth‘ Wohnung geschah. In meine Gedanken versunken fahre ich im Geiste die Muster auf Olivias Wildlederstiefeln nach. »Mhm, na ja, also …«

»Nein«, schreit Anny und verschluckt sich an dem Apfel. »Du hast doch nicht etwa mit Seth …?« Sie hustet. »Habt ihr etwas miteinander?«

Ich lache übertrieben und winke ab. Verdammt. »Ich schlafe doch nicht mit meinem Bruder«, verteidige ich mich rasch.

Olivia stockt der Atem, sie wirft ihren pechschwarzen Zopf nach hinten und beugt sich nach vorne. »Das ist nicht dein Ernst, oder?«, fragt sie mich, wissend lächelnd.

Anny beugt sich ebenfalls nach vorne und boxt mir gegen die Schulter. »Du kleines Biest!«

Naomie grinst mich an, als würden Seth und ich nächste Woche heiraten. »Seid ihr zusammen?«, will sie auf der Stelle wissen.

Ich schüttele überfordert den Kopf. »Nein, um Gottes willen. Wir sind nicht zusammen«, sage ich etwas gereizt, stehe auf und schließe meine Wohnungstür. Von dem Gespräch muss schließlich nicht jeder etwas mitbekommen. »Wir sind nur sehr gute Freunde und wenn wir … wenn uns danach ist, na ja, dann tun wir es eben.«

Seth und ich haben uns darauf geeinigt, dass wir nur Freunde sind und das auch bleiben. Ich kenne ihn seit Kindertagen, er war mein Nachbar und das mit dem Sex hat sich einfach so ergeben. Wir sind beide erwachsen und single, warum sollte man da auf etwas Spaß verzichten?

Anny lacht laut und wirft die Überreste des Apfels in den Mülleimer unter dem Schreibtisch.

»Oh Mann, und ich dachte immer, du lebst enthaltsam. Mit Keuschheitsgürtel oder so ähnlich. Dabei hast du wahrscheinlich mehr Sex als wir alle drei zusammen. Irgendwie bin ich jetzt neidisch, aber auch sehr stolz auf dich«, sagt sie offen und ehrlich.

Ich beiße mir auf die Unterlippe und verkneife mir ein Grinsen. »Du bist unmöglich, ihr alle seid unmöglich. Und jetzt geht bitte!«, fordere ich sie erneut auf.

Alle drei schütteln einig den Kopf. »Umziehen und mitkommen, und wenn du es nicht tust, dann schleifen wir dich in Schlafanzughose und diesem Hauch von nichts, den du da vor deiner Brust trägst, mit«, kontert Olivia. »Das wird ein toller Abend.«

»Bitte.« Naomie sieht mich an wie ein Dackel, der die Überbleibsel auf meinem Teller haben möchte. »Bitte komm mit. Nächste Woche ist mein Urlaub vorbei, dann nimmt mich die Arbeit auf der Ranch wieder völlig ein.«

Anny wiegt ihren Kopf hin und her. »Seth wird sicher auch dort sein.«

Verlegen senke ich den Kopf und kehre für einen kurzen Augenblick zu unserer letzten Nacht zurück … Es war romantisch, leidenschaftlich und einfach nur wundervoll, er ist zärtlich und einfühlsam und gibt sich immer sehr viel Mühe, damit ich mich bei ihm wohl fühle. Ich wundere mich dabei immer wieder, warum er keine Frau an seiner Seite hat.

Dann gebe ich mir einen Ruck, atme tief durch und klatsche in die Hände. »Ich brauche zehn Minuten.« Kaum ist der Satz aus meinem Mund gekommen, brechen meine Freundinnen in Jubel aus. Lachend und mich wie ein Teenager fühlend stürme ich ins Badezimmer und mache mich für die Party des Jahres fertig.

Kapitel 2

Manchmal tauchen unerwartet Menschen auf

und bringen dein Leben völlig durcheinander.

Nehme dieses Geschenk und diese Erfahrung an,

koste alles in vollen Zügen aus.

Der Schweiß rinnt wie ein Wasserfall nach einem starken Schauer über meinen Rücken, macht nicht Halt. Er läuft an meinen Beinen entlang nach unten, bis er in meinen Cowboyboots landet. Barfuß rutsche ich in den unvorteilhaften Schuhen herum und hoffe, dass es niemand bemerkt.

Mein stufig geschnittenes, schulterlanges braunes Haar klebt in meinem Nacken und scheint sich mit meiner hellen Haut vereinen zu wollen.

Genervt versuche ich, der Schrittfolge eines Line-Dance-Gemeinschaftstanzes zu folgen, ohne die komplette Reihe Tänzer wie Dominosteine umfallen zu lassen. Wir stehen so eng beieinander, dass durch die Bewegungen der anderen mein Jeansrock ständig nach oben rutscht. Wären es Männer, würde ich behaupten, dass sie es mit Absicht tun. Aber ein Blick nach links verrät mir, dass ein anderes Mädchen dasselbe Problem hat.

»Das ist fantastisch, oder?«, schreit mir Anny ins Ohr, weil die Musik so laut ist.

Ich zucke zusammen. »Ja, sehr schön«, gebe ich ihr überfordert zurück und stolpere, als mich jemand schubst. Ich drehe mich herum und nehme ein schüchternes Lächeln und eine stumme Entschuldigung von einem jungen Mädchen entgegen.

Anny stupst mich an, woraufhin ich mich wieder ihr zuwende. Mit ihrem Kinn deutet sie in Richtung des Publikums hinter der Tanzfläche. »Siehst du den Typen dort drüben?«, fragt sie mich mit einem süffisanten Grinsen. »Der ist nicht von hier. Den habe ich noch nie gesehen.«

Ich verdrehe die Augen. Es fällt allen sofort auf, wenn jemand Fremdes in unser kleines, aber feines Städtchen kommt. »Nein«, gebe ich nur eine kurze Antwort.

Wieder landet ihr Ellenbogen in meiner Seite. »Jetzt schau doch mal hin, aber nur ganz unauffällig.« Schon aus Trotz werde ich ihrer Aufforderung nicht folgen. »Der beobachtet dich schon die ganze Zeit.«

Ich bin mir fast sicher, dass mich mehr Zuschauer beobachten und sich über mich lustig machen. »Ich brauche eine Pause«, sage ich zu ihr, reibe meinen feuchten Nacken und hüpfe von der Tanzfläche.

Ohne Umwege schlängele ich mich mit gesenktem Kopf durch die Menschenmenge. »Entschuldigung, darf ich mal?«, sage ich nach jedem zweiten Schritt und bin überglücklich, als ich aus dem Gedränge heraus bin und tief durchatmen kann. Das tut gut.

Ich fahre mir durch meine Haare, lockere sie auf und schaue mich um. Überall hängen bunte Lichter. Feuerkörbe sind auf dem kleinen, unnatürlichen Strand bis zum angrenzenden Weg verteilt, sodass auch die Betrunkenen nach Hause finden können.

An manchen Stellen sitzen Pärchen, sie unterhalten sich leise miteinander und küssen sich, lassen sich von dem Publikum um sich herum nicht beeindrucken.

Ich grinse, als sich ein Mädchen an einen Typen heran wirft, der doppelt so groß und doppelt so breit, wahrscheinlich auch doppelt so alt ist wie sie.

»Weißt du, ich bin betrunken …« Sie torkelt vor ihm herum, wobei ihr beinahe die Brüste aus dem unvorteilhaften Oberteil gefallen wären.

»Hey, Süße«, poltert der Hüne und grapscht ihr mit seinen Riesenpranken grob an den Hintern, woraufhin sie anfängt, wie ein Meerschweinchen zu quieken.

Ich schüttele den Kopf, das muss ich mir nicht länger geben. Desinteressiert drehe ich mich weg und entschließe mich dazu, zum See zu laufen, um ein wenig allein zu sein. Je weiter ich mich von der Party-Location entferne, desto leiser wird die Musik und das Johlen der Möchtegerncowboys.

Am See angekommen, ziehe ich meine Stiefel aus und setze mich in den groben Sand, so nahe ans Wasser, dass die leichten Wellen meine Zehen berühren. Der Sternenhimmel über mir zeigt sich in seiner vollen Pracht, genauso wie der Mond.

Eine Sternschnuppe schenkt mir für ein paar Sekunden Gesellschaft. Das Wasser glitzert und in der Ferne kündigt sich über einem Fichtenwald ein Gewitter an. Die immergrünen Baumkronen ragen bis in den Himmel und vereinen sich mit der Dunkelheit, gespenstisch und märchenhaft.

»Guten Abend«, begrüßt mich auf einmal eine tiefe Stimme in meinem Rücken.

Entspannt drehe ich mich langsam zu dem unbekannten Gast herum. »Hallo«, gebe ich zurück und lächele, dann wende ich meinen Blick wieder auf den riesigen See. Auch wenn die Party nicht so war, wie ich sie mir vorgestellt habe, ist dieser Augenblick den Besuch allemal wert.

»Darf ich?«, fragt er.

»Natürlich.« Ich deute neben mich.

Was ist schon gegen ein bisschen nette Gesellschaft einzuwenden?

Sobald er sitzt, geht die Fragestunde weiter. »Was machst du allein hier?« Er winkelt seine langen Beine an, die in dunklen Jeans und Cowboystiefel stecken. Anschließend stützt er seine Arme darauf ab.

Ich strecke meine Beine aus, überschlage sie, lehne mich zurück und stütze meine Arme im Sand ab. »Mir ist die Flucht gelungen«, scherze ich. »Ich wollte dem Partygetümmel und meinen Freundinnen für einen Moment entkommen«, sage ich dann ehrlich.

Ich höre, wie mein Besucher leise lacht. »Mir geht es genauso. Nur, dass ich meinen Freunden entkommen will.« Er seufzt. »Ich bin Cole.«

Ich lege meinen Kopf in den Nacken und schließe kurz die Augen. »June.«

»Bist du von hier, June?«, will er wissen.

Ich nicke mit einem Lächeln auf den Lippen. »Ja, und ich liebe es.« Tief atme ich die saubere Luft ein, während ein friedliches Donnergrollen, so leise, als wolle es niemanden erschrecken, zu uns herüberweht.

Er lacht leise, woraufhin ich mich ihm nun endlich richtig zuwende und im ersten Moment schockiert bin, dass mir seine unglaublich intensive Aura nicht gleich von Anfang an aufgefallen ist. Müsste die normalerweise nicht schon … strahlen?

»W-Was?«, stottere ich und blinzle mehrmals, um mich auch wirklich zu vergewissern, dass dieser atemberaubende Mann neben mir sitzt und sich mit mir unterhält.

Er grinst, worauf mich auf einmal eine hemmungslose Gänsehaut heimsucht. »Keine Großstadtsehnsucht?«, fragt er keck und zwinkert mir zu. Schwarzes Haar umrundet sein maskulines Gesicht.

Ich träume. Schnell weiche ich ihm wieder aus. »Ähm, nein. Ich weiß eigentlich nicht wirklich, wie es in der Großstadt ist.« In meinem Bauch breitet sich ein wohliges Kribbeln aus und mir wird ganz warm ums Herz. »Wenn, dann war ich mal für ein Wochenende dort, oder zum Shoppen.« Ich warte kurz und schiele zu ihm hinüber, er sitzt noch immer neben mir. »Ich glaube nicht, dass man da etwas verpasst«, rattere ich wie auswendig gelernt herunter.

»Nein, das tut man allerdings nicht«, gibt er mir leise recht.

Obwohl mich seine Erscheinung total verzaubert und ich mich eigentlich erst einmal sammeln müsste, bevor ich das Gespräch wieder aufnehmen würde, werde ich mutig. »Wo kommst du her? Ich habe dich hier noch nie gesehen«, frage ich und winkele meine Beine an. Dann presse ich die Oberschenkel zusammen und drehe meinen Oberkörper in seine Richtung, damit ich ihn nun vollständig im Licht der Sterne und der Feuerkörbe betrachten kann. Er ist mit einem rotkarierten Hemd bekleidet, welches ihm gut steht. Wer steht nicht auf einen Cowboy, vor allem, wenn er so gut aussieht wie Cole?

Er mustert mich für einige Sekunden, was mir überhaupt nicht unangenehm ist. Dann leckt er sich über seine schmalen Lippen. »Aus der Stadt.«

Ich nicke und forme meinen Mund zu einem Schlitz. Er macht es also auf die geheimnisvolle Tour. Soll mir ganz recht sein. »Und was führt dich hierher?«

Mit dem Kopf deutet er hinter sich in Richtung der Party. »Ich bin zu Besuch bei einem alten Freund.« Die Sterne spiegeln sich in seinen Augen, deren Farbe ich in der Dunkelheit leider nicht erkennen kann. »Der hat es sich natürlich nicht nehmen lassen mich auf diese …« Er zieht seine Mundwinkel nach unten und nickt. »… sehr interessante Party zu zerren.«

Ich grinse und verkrampfe meine Zehen. »Oh, ja«, bestätige ich seine Worte und ziehe scharf Luft durch meine zusammengebissenen Zähne. »Diese Party ist das Highlight des Jahres. Du musst aufpassen, was du sagst«, ermahne ich ihn scherzend. »So eine große Feier findet hier nicht jedes Wochenende statt.«

Er hebt beide Hände, als würde ich ihn mit einer Waffe bedrohen. Dabei reißt er die Augen auf und ich bilde mir ein, einen blauen Schimmer darin zu erkennen. Ich wünsche mir, nein, ich hoffe, dass ihm meine braunen Augen in einem bernsteinfarbenen Funkeln entgegenstrahlen. Und ich ihn damit genauso beeindrucken kann, wie er mich.

»Schon gut, dann eben so: Wow, das ist echt eine klasse Party.« Er lässt die Arme sinken und reibt sich sein spitzes Kinn, dann schüttelt er den Kopf. »Aber nein, tut mir leid. Alle sind wie verrückt und total aus dem Häuschen und tun so, als würden sie nur einmal im Jahr Ausgang bekommen«, stellt er nun fest.

Ich lache und halte mir eine Hand vor dem Mund, damit es nicht zu laut wird. »So, das kannst du natürlich als Mann aus der Stadt voll und ganz beurteilen.«

Cole nickt und zieht seine dunklen Brauen nach oben. »Ja, kann ich.« Kurz tritt ein angenehmes Schweigen ein, in dem wir uns einfach nur ansehen, unseren Anblick und das leise Rauschen des Windes genießen. Dann durchbricht er der die Stille wieder. »Darf ich dich zu einem Drink einladen?«, fragt er leise, fast schüchtern.

Ich presse meine Lippen aufeinander und zögere, obwohl er mir sehr gut gefällt. Und da ich ihn wirklich gerne näher kennenlernen würde, auch erfahren, was er unter Hemd und Hose verbirgt, erstaunt mich meine Antwort beinahe selbst. »Ich wollte eigentlich demnächst gehen«, wimmele ich seine Einladung ab. Langsam stehe ich auf und streife den Sand von meinen Beinen.

Dabei habe ich eine ganz bestimmte Person vor Augen. Seth. Auch wenn unsere Beziehung nichts Festes ist, nur freundschaftlich, muss ich doch zuerst mit ihm darüber reden, wenn ich etwas mit einem anderen Mann anfange. Oder?

Cole springt auf und stellt sich direkt vor mich, woraufhin mich auf der Stelle ein herber Duft nach Zedernholz umgibt, der mir fast den Boden unter den Füßen wegzieht.

»Warte.« Er streckt eine Hand nach mir aus und stellt so meine Entscheidung voll und ganz in Frage. Er ist wirklich groß und ziemlich gut gebaut. »Wie kann ich dich wiedersehen?«

Gott, hilf mir, von ihm fernzubleiben.

Ich schaue etwas verdutzt und grinse. Ich sollte so schnell wie möglich von hier verschwinden. »Wenn du willst, kannst du ein Foto von mir machen«, schlage ich vor.

Er lacht laut, seine Wangenknochen schieben sich unter seine Augen und seine Zähne leuchten im Mondlicht, lassen mich um ein Haar dahinschmelzen. »Ich hätte gerne deine Handynummer, June.«

Sein Wunsch lässt mich doch wieder etwas erhärten, weshalb ich einen Schritt zurückgehe. »Wirklich?«, sage ich aufreizend und verschränke meine Arme. Das hätte er wohl gerne so leicht. »Dir ist ja wohl klar, dass ich einem wildfremden Mann nicht einfach so meine Nummer gebe«, stelle ich mich zickig.

Er fasst nach hinten, in seine Hosentasche und holt sein Handy heraus. »Dann gebe ich dir eben meine Nummer.«

Ich schüttele den Kopf. »Ich werde dich nicht anrufen. Das ist Männersache«, mache ich weiter.

Fragend und etwas verwirrt streckt er seine Arme, samt Handy zur Seite und runzelt die Stirn. »Aber du willst mir deine Nummer ja nicht geben.«

Ich zucke belanglos mit den Schultern. »Dann finde sie doch heraus.«

Mit offenem Mund steht er vor mir und ich kann mir vorstellen, dass er sich fragt, ob ich ihn nur verarschen will. Er wirkt auf einmal klein und zerbrechlich und leicht überfordert. Doch plötzlich fängt das Spiel an, mir zu gefallen.

»Wirst du morgen wieder hier sein?«, will er mit enttäuschter Stimme wissen und steckt sein Handy wieder weg.

Wieder schüttele ich den Kopf. »Eigentlich nicht.«

Cole gibt nicht auf. Er neigt den Kopf leicht zur Seite, wobei mir kleine Sommersprossen auf seiner Nase und unter seinen Augen auffallen. »Wirst du eine Ausnahme machen – für mich?«

Ich unterdrücke ein Grinsen und stelle mich aufrecht hin. »Eigentlich nicht.«

Auf einmal formen sich seine Lippen zu einem Lächeln, wie ich es noch nie bei einem Mann gesehen habe. Einen Wimpernschlag später schnappt er sich meine Hand und verschränkt unsere Finger ineinander. »Dann ist der Abend auch noch nicht vorbei.« Mit einem Mal rennt er los und zieht mich hinter sich her.

»Warte, meine Schuhe.« Ich habe jedoch gar keine andere Möglichkeit, als ihm zu folgen.

Kapitel 3

Unbekannt, geheimnisvoll und beängstigend,

dennoch vertraut und interessant.

Neugier macht uns mutig.

Er hat es wirklich geschafft, mich wieder auf die Party zu zerren. Wir stehen uns an der übervollen Strandbar gegenüber, trinken einen Drink nach dem anderen. Ausgelassen unterhalten wir uns über Gott und die Welt, was sich bei der wummernden Musik und dem lauten Gerede der anderen Leute als nicht ganz einfach herausstellt.

Anny, Naomie und Olivia stehen hinter Cole, keine drei Meter von uns entfernt. Sie zeigen mir minütlich ihre Daumen, nicken übertrieben und grinsen aufreizend zu ihm herüber. Furchtbar!

»Sind das deine Freundinnen?«, fragt Cole und schaut kurz über seine rechte Schulter.

Die drei sind unmöglich. Als Antwort bekommt er von mir nur ein Nicken und ein Augenverdrehen. Ständig versuchen sie, mich mit irgendjemandem zu verkuppeln, statt sich selbst mal einen Kerl zu angeln. Und dieses ständige Bewerten meiner Freundschaft mit Seth … Als mir Naomie vorhin erzählte, dass er heute doch nicht zur Party kommt, machte ich drei Kreuze.

»Noch einen?«, fragt Cole und hebt amüsiert sein leeres Glas. Nun bleiben mir seine zauberhaften blauen Augen auch nicht mehr verborgen.

Warum interessiert er sich für mich, wenn er hier vermutlich jede haben könnte?

Ich schüttele entschlossen den Kopf. »Nein, nein«, lehne ich dankend ab. »Ich habe wirklich genug, Cole«, meine ich ernst. »Ich glaube, es reicht für heute.«

»Wie wäre es zum Abschluss mit einer Cola?« Die ersten Knöpfe seines Hemdes stehen offen und geben einen ungezügelten Blick auf seinen nackten Oberkörper frei. Ich bin mir sicher, dass er das mit Absicht macht.

Wieder wehre ich ab, bevor ich noch anfange zu sabbern. »Ich werde dann gehen, ich muss noch arbeiten.« Dabei merke ich, wie ich in seiner Anwesenheit nervös werde. Das ist kein gutes Zeichen, ich sollte morgen in meinem eigenen Bett aufwachen.

Aber Cole ist nicht blöd. Er sieht skeptisch auf die bunte Uhr oberhalb der Bar. »Um diese Zeit noch?«

Ich zucke unsicher die Schultern. »Was sein muss, muss sein.« Er könnte sich ja noch ein bisschen mit seinen Freunden amüsieren, aber die scheinen ihn im Augenblick nicht zu interessieren.

Er senkt kurz den Kopf, stellt das Glas ab und nickt. »Gut, dann will ich dich nicht weiter aufhalten«, gibt er mich endlich frei. Unvermittelt kommt er näher und breitet seine Arme aus, um mich an sich zu ziehen.

Flink schnappe ich mir seine Hand und schüttele sie übertrieben. »Es hat mich gefreut dich kennengelernt zu haben, Cole.« Ich schüttele und schüttele, während er aus dem Grinsen nicht mehr herauskommt. »Es war ein sehr schöner Abend mit dir«, füge ich noch hinzu. Seine Augen leuchten bei meinen Worten kurz auf.

Meine Freundinnen schütteln im Hintergrund nur den Kopf und schauen mich an, als hätte ich Cole zum Abschied eine geknallt.

Himmel, was tue ich hier? Mein Herz tanzt zu der Musik, jedoch im falschen Takt. Dann schaltet mein Gehirn aus, anders kann ich mir das nicht erklären. Denn ich mache etwas, was ich sonst niemals tun würde. Ich stelle mich auf Zehenspitzen, beuge mich ihm entgegen und gebe ihm einen Kuss auf die Wange. »Es war wirklich ein schöner Abend«, flüstere ich ihm ins Ohr.

Als ich mich wieder zurückziehe, starren mich große Augen an, sein Daumen fährt über meinen Handrücken, umrundet meine Knöchel. »Bis morgen«, bekomme ich gerade noch so heraus und spüre einen heftigen Herzschlag in meinem Bauch. Verlegen senke ich den Kopf und marschiere mit einem Kloß im Hals los, bemerke dabei gar nicht, dass er meine Hand noch hält.

Ehe ich protestieren kann, zieht er mich plötzlich zurück. Ich pralle gegen seinen Brustkorb, einen Atemzug später liegen seine Lippen auf meinen. Das erste, was ich wahrnehme, sind die Jubelschreie von Olivia, Anny und Naomie, danach bleibt mein Herz für ein paar Sekunden stehen.

Meine Gedanken, zusammen mit meinen Gefühlen fahren Achterbahn, über Berge, über Flüsse, durchs Universum, um Sonne und Mond und wieder zurück. Unglaublich. Die Musik wird leise, alles um uns herum verschwimmt, mir wird schwindelig.

Wir vergessen alles: Wo wir sind, wer wir sind und wer uns sieht. Es ist egal, es zählt nur noch das Wesentliche, und zwar wir beide, der Kuss und seine Hände, eine auf meiner Wange, eine in meinem Nacken. Jeder seiner Finger streichelt mich zärtlich und lässt mich beinahe vor Lust zergehen. Seine Lippen sind so weich und warm, er schmeckt süß und salzig zugleich, er riecht nach frischem Waldboden und purer Lust.

Meine zitternde Hand landet auf seinem Brustkorb, hart und stark. Er fühlt sich himmlisch an. Meine andere krallt sich um sein Handgelenk. Ich schnappe nach Luft und mir entfährt ein leises Keuchen, ohne dass ich mich von Coles Lippen löse.

So etwas habe ich noch nie erlebt. Ein unglaubliches Verlangen nach dem Mann, den ich erst seit ein paar Stunden kenne, breitet sich in meinem gesamten Körper aus. Ich werde immer wilder, greife unter sein Hemd und kratze über seine Haut, fahre über seine harten Muskeln.

Cole verkrampft sich und stöhnt in meinen Mund, dann umschlingt er meine Schultern und drückt mich sanft zurück. »Wa… Warte mal«, bittet er mit stockender Stimme und zitternden Lippen.

Er zuckt zusammen und schließt kurz die Augen, als ich hauchzart über seinen Bauch streichele. »June«, wispert er und ich bemerke, dass er sich sehr zusammenreißen muss, um sich meinen Berührungen nicht vollends hinzugeben. »Nicht hier«, sagt er ernst und atmet tief durch.

Ich presse meine Lippen zusammen, weil mir klar wird, dass wir zwischen all den Leuten keine heiße Nummer schieben können. Mein Körper bebt, mein Atem geht schnell und stoßweise. Leidenschaft brennt in meinen Augen, sodass ich das Gefühl habe, es nicht länger aushalten zu können. Herausfordernd lege ich meinen Kopf zur Seite und zeige mit den Augen Richtung Ausgang.

Cole versteht sofort. Er grinst, streicht mir eine dünne Strähne von der Stirn, mustert mein Gesicht und leckt sich die Lippen. »Dann lass uns gehen«, schlägt er vor, und ich habe nichts dagegen einzuwenden. Ohne uns von irgendwem zu verabschieden oder Bescheid zu sagen, wohin wir gehen, verlassen wir in Lichtgeschwindigkeit die Party.

Kapitel 4

Habe Spaß, lass dich gehen,

denke an nichts.

Nicht an die Probleme, die kommen,

oder die, die hinter dir liegen.

»Wohin gehen wir?«, stöhne ich und kralle meine Finger in die kalte Fahrstuhlwand, während Cole vor mir kniet. Behutsam streift er die Stiefel von meinen Füßen, wickelt meinen Rock nach oben und zieht mir meinen Slip quälend langsam aus.

»Wo sind wir?«, ist meine zweite Frage. Wie in einem Vollrausch habe ich völlig die Orientierung verloren.

Himmel, mein Herz rast, ich bekomme kaum Luft und meine Nervosität steigt ins Unermessliche, aus Neugier darauf, was er mit mir in diesem Fahrstuhl anstellen wird. »Cole?«, frage ich nochmals nach und stehe dabei kurz vor einer Ohnmacht. »Was ist, wenn uns jemand erwischt, wenn die Fahrstuhltür aufgeht?«

»Shh«, haucht er, sein warmer Atem streift meine Oberschenkel und dann … spüre ich seine Zunge über meine Haut gleiten, rücksichtsvoll und hauchzart, als müsste er erst testen, ob er so weit gehen darf.

Er darf! Mit angehaltenem Atem unterdrücke ich einen leisen Aufschrei. Dann fallen alle Bedenken von mir ab. Ich steige mit einem Fuß aus meinem Slip und spreize unaufgefordert die Beine, damit er mich besser erreichen, schmecken und direkter liebkosen kann.

Er versteht sofort und setzt nun alles auf eine Karte … und wie er das tut. »Du bist einzigartig«, flüstert er, während sein Mund meine sensible Mitte erreicht und genüsslich neckt. Unglaublich, seine Lippen sind einfach göttlich. Mit geschlossenen Augen genieße ich alles, was er mit mir macht. Ich bin nicht fähig auch nur ein Wort von mir zu geben. Viel mehr bin ich damit beschäftigt mein Stöhnen, Wimmern und Keuchen in einer angemessenen Lautstärke zu halten, aber Cole macht mir das ziemlich schwer.

Eine Hand knetet grob meinen Hintern, die andere fährt sanft zwischen meine Beine und findet ihr Ziel auf Anhieb. Diese Mischung macht mich ganz verrückt. Cole ertastet einfühlsam meine geschwollene und feuchte Mitte und gleitet dann direkt mit einem Finger in mich hinein. Er wartet nicht ab, sondern fängt gleich damit an, sich in mir zu bewegen.

Ich kippe mit einem lauten Seufzer nach vorne, finde jedoch noch rechtzeitig Halt in seinem schwarzen Haar. Auf der Stelle kralle ich meine Finger in seine Kopfhaut und lasse meiner Lust vollkommen freien Lauf, ohne darauf zu achten, was er oder vielleicht irgendwer außerhalb des Fahrstuhls von mir denken könnte. Ich kann es jetzt einfach nicht mehr zurückhalten.

Meine Beine drohen unter Coles Fingern und Zunge zu versagen. Unsere aufgestaute Leidenschaft, die wir beide schon den ganzen Abend voreinander versteckten, macht uns hemmungslos und katapultiert uns in einen wahnsinnigen Traum, aus dem ich nicht mehr so schnell erwachen möchte.

Während mir klar wird, dass ich gleich hier, mitten in einem Fahrstuhl, der bis in die Unendlichkeit zu fahren scheint, kommen werde, bildet sich auf meinen Lippen ein Lächeln. Wer hätte gedacht, dass der Abend so ein Ende nehmen wird?

Bitte lass ihn nicht so schnell zu Ende sein, bete ich innerlich und zucke zusammen, als Cole seine Bewegungen verstärkt. Seine Finger tauchen immer wieder in mich ein, sie werden drängender und seine Zunge massiert genüsslich mein geschwollenes Lustzentrum. Damit schraubt er meine Erregung immens in die Höhe.

Es kann nur noch Sekunden dauern, bis ich in meiner Lust zergehe. Ehe mein Gedanke zu Ende ist, lasse ich meinen Oberkörper wieder gegen die Fahrstuhlwand fallen und stöhne was das Zeug hält, als Cole nochmals das Tempo erhöht. Obwohl ich schon in fremden Sphären schwebe und dabei kaum noch Herr meiner Sinne bin, versuche ich mich in irgendeiner Weise zurückzuhalten.

Aber mein Körper macht dabei nicht mit, und Cole scheint das auch nicht zu wollen.

Obwohl er sich so ins Zeug legt, ist er trotzdem unglaublich zart, sodass ich immer mehr vor Verlangen schwinde. Also lasse ich ihn gewähren, gebe auf und gebe mich ihm ganz hin.

Als er noch einen weiteren Finger in mich schiebt, habe ich das Gefühl, ein Stück vom Himmel zu sehen, ein paar Stöße weiter und es gibt kein Zurück mehr. Ich schreie, suche Halt an der Wand und in seinem Haar und explodiere regelrecht. Alles in mir zuckt, krampft sich zusammen und ich habe das Gefühl, mich hüllt ein dichter Nebel ein und legt sich wie eine warme Decke auf meine Haut.

Er und ich – in diesem Moment sind wir eins, obwohl nur ich die Macht eines gewaltigen Höhepunktes genießen darf. Wir sind verschmolzen, doch nur ich fliege, nur ich bin schwerelos und lasse mich allein über die Klippe fallen, tauche ein in ein Meer aus gieriger Leidenschaft, Sehnsucht, Verlangen und ungehemmter Begierde.

Schwer atmend komme ich wieder auf der Erde an, nur langsam lichtet sich der Nebel vor meinen Augen. Ich liege in Coles Armen. Er umschlingt meinen Oberkörper, seine Hand streichelt leicht über meinen Oberarm.

Ich keuche noch immer, mein Puls beruhigt sich nur mäßig, mein Herz führt einen Tango auf und mein Unterleib pocht, schreit nach mehr. Cole hat mich mit dieser Aktion nicht gebändigt, sondern meinen Appetit nur noch weiter geweckt. Aus der Sache kommt er nicht mehr so leicht heraus.

Mit schweren Lidern blicke ich zu ihm auf, sein Gesicht sieht entspannt und zufrieden aus. Er beißt sich auf die Unterlippe und grinst. »Wieder erwacht?«, fragt er fürsorglich und streichelt meine Wange.

Ich räuspre mich. »Wie viele Stockwerke hat das Gebäude?«, will ich wissen.

Er grinst spitzbübisch. »Ich habe den Notschalter gedrückt, bevor …« Er schnalzt mit der Zunge. »Bevor du richtig in Fahrt kamst.«

Mir entfährt ein weinerlicher Ton, anschließend lege ich eine Hand auf meine Augen und spüre, dass ich rot werde. »Oh Gott, hoffentlich hast du auch die schalldichten Wände hochgezogen.«

Er lacht und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. »Das … Du warst der Wahnsinn«, lobt er mich, ohne seine Lippen von mir zu lösen.

Ich seufze und ziehe die Knie bis zu meinem Bauch hoch. »Ach ja?«

Leicht spüre ich, dass er nickt. »Unglaublich.«

Wenn er so beeindruckt von mir ist, dann können wir gleich in Phase zwei übergehen. Warum sollten wir warten, bis meine Erregung abgeklungen ist? Ich drehe meinen Kopf ein Stück, damit er sich von meiner Stirn löst, greife in seinen Ausschnitt und ziehe mich an ihm hoch.

Dann gebe ich ihm einen flüchtigen Kuss, der tausend Schmetterlinge in meinem Bauch freilässt. »Ich will mehr, Cole«, fordere ich, kneife meine Augen zusammen und beiße auf meine Unterlippe.

Seine eben noch entspannten Gesichtszüge werden mit einem Mal ernst. Einen Wimpernschlag später steht er schweigend auf und drückt einen roten Knopf, der den Fahrstuhl wieder in Bewegung setzt.

Anschließend kniet er sich vor mich, schiebt seine Arme unter meinen Körper und hebt mich hoch. Sofort schlinge ich meine Arme um seinen Nacken, halte mich an ihm fest und lege meinen Kopf auf seinen Brustkorb, der Slip baumelt noch immer an meinem Fuß wie an einer Wäscheleine.