Ein Bule in Indonesien: - Horst H. Geerken - E-Book

Ein Bule in Indonesien: E-Book

Horst H. Geerken

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Beschreibung

In diesem Buch berichtet der Autor unterhaltsam, informativ, kenntnisreich und humorvoll über die vielen Facetten eines beruflichen und privaten Lebens in Indonesien. Dabei komplettiert er eigene Erlebnisse mit den Erzählungen befreundeter Zeitgenossen. In allen Berichten spiegelt sich die Zuneigung des Autors zum Indonesischen Archipel. Übrigens: Das indonesische Wort Bule bedeutet Ausländer oder Weißer

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Diese Kurzgeschichten sind allen meinen indonesischen Freundinnen und Freunden gewidmet, ganz besonders Ni Komang, Indri und Ayu

Inhaltsverzeichnis

Dank

1 Einleitung

2 Geschichtliches

3 Die indonesische Frau

4 Eine erste Reise nach Ostjava

5 Lange entbehrte Leckerbissen

6 Das Ehepaar mit dem Schlüsseltick

7 Ein Schrank aus Java und seine Odyssee

8 Ärzte und erfolgreiche Quacksalber

9 Zwei Deutsche mit ihren Ehefrauen und ein Boot

10 Was hat eine Indonesische Reistafel mit Jazz zu tun?

11 Auf den Kei-Inseln

12 Ein Geschenk Gottes

13 Toko Sarinah

14 Wira und ihre Freundin Nina

15 Die Hotels Savoy Homann und Grand Hotel Preanger in Bandung

16 Eine Reise nach Bali

17 Beim Bürgermeister von Ubud

18 Was wurde aus einem deutschen Geschäftsmann auf Bali?

19 Der Vulkan Krakatau in der Sundastraße

20 Brutale Fälscher – dreiste Betrüger. Eine Kriminalgeschichte aus Bali

21 Die Kunstmaler Walter Spies, Willy Quidort und Ernest Albert Christen, alias ‚Muda‘

22 Fahrt nach Iseh

23 Die indonesische Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit

24 Der Vulkan Gunung Agung und die Tempelanlage Puri Besakih

25 Eine Familientragödie auf Bali

26 Galungan und Kuningan

27 Die weiße Maya

28 Sadiah und Tina

29 Upacara und die balinesischen Geister

30 Moni aus Madiun in Ostjava

31 Ein königlicher Besuch

32 Das Bali Spirit Festival

33 Meine drei Lieblingsrestaurants in Jakarta

34 Bali in Corona-Zeiten

35 Ausblick

Dank

Ich danke Renate und Bernd Pullig, die mir viele außergewöhnliche Geschichten aus ihrem abenteuerlichen Leben in Indonesien erzählten. Einige dieser Geschichten habe ich in diesem Buch wiedergegeben, zum Teil in ihren eigenen Worten.

Besonders danke ich meiner langjährigen Freundin und Masseurin Komang, einer Balinesin. Sie ist eine treue und ehrliche Seele. In den vergangenen 22 Jahren unterstützte sie mich bei vielen Vorhaben, zum Beispiel bei Recherchen für meine Bücher oder bei der Realisierung der Büste von Walter Spies, die heute den Park im ARMA Museum in Ubud auf Bali bereichert. Komang ist immer zur Stelle, wenn man sie braucht!

Ich danke auch Indri, die Sängerin der lateinamerikanischen Band Buena Tierra ist. Meine Lebensgefährtin Annette und ich haben sie vor fast 20 Jahren kennengelernt. Ab und zu tanzte ich mit ihr, und nach dem frühen Tod von Annette wurde sie meine feste Tanzpartnerin. Ihr macht Tanzen genauso viel Spaß wie mir und ich konnte viele vergnügliche Abende mit ihr verbringen. Sie macht mich stolz, wenn ich die neidischen Blicke der Männer sehe, sobald ich mit einer fast 50 Jahre jüngeren Frau in den Tanzlokalitäten aufkreuze.

Die Künstlerin Ilse Hörning hat mir für die Titelseite dieses Buches wieder – wie bei meinem Buch ‚Indonesien, Gestern und Heute‘ – eines ihrer Gemälde aus Bali zur Verfügung gestellt. Dafür danke ich ihr ganz besonders. Diesmal ist das Motiv ‚Reisfelder in Bali. Blick von der Terrasse des Hauses von Walter Spies in Iseh‘. Genau dieser Ort spielt auch in Kapitel 22 dieses Buches eine Rolle.

Mein besonderer Dank gilt Michaela Mattern und Barbara Bode, die mir – wie in den vergangenen Jahren – durch ihr Lektorat sowie mit Rat und Tat eine große Stütze waren, sowie Cornelia Biegler-König, die mich in Frauenund Stilfragen beriet.

Last but not least danke ich allen lieben Frauen Indonesiens, die mich immer wieder mit ihrer Natürlichkeit überraschten und die mir in meinem langen Leben viel Freude bereiteten. Nach dem Ende meiner Ehe hatte ich das ausgesprochene Glück, viele interessante und geistreiche indonesische Frauen kennenzulernen. Danke, Terima kasih, oder auf Balinesisch Suk seme!

Nachdem ich meiner langjährigen Partnerin Annette begegnete, war Schluss mit meiner ‚wilden Zeit‘. Annette war meine große Liebe, aber leider verstarb sie viel zu früh. Erst nach einer längeren Trauerzeit konnte ich das Leben wieder genießen, bis heute.

Horst H. Geerken,

im Herbst 2021

Meine Unterschrift, verschönert durch einen balinesischen Künstler!

1 Einleitung

Manche Leser, die nicht die Sprache Bahasa Indonesia beherrschen, werden sich fragen, was wohl das Wort Bule im Titel bedeutet. Als Bule werden in Indonesien heute Ausländer bezeichnet. Früher wurde für Ausländer meist das Wort Orang Belanda benutzt, das übersetzt ‚Holländer‘ heißt. Während der Kolonialzeit kannten die Einheimischen nur die niederländischen Kolonialherren, und das waren für sie dann generell ‚die Ausländer‘. Auch heute hört man diesen Ausdruck noch von älteren Indonesiern, die diese Zeit miterlebt haben.

Dieses Buch war – ehrlich gesagt – nur eine Notlösung. Ich arbeitete an Band 5 meiner Dokumentation ‚Hitlers Griff nach Asien‘. Da ich wegen der Corona-Pandemie in den Wintermonaten 2020/21 die Archive in Deutschland, in Indonesien und den Niederlanden nicht mehr besuchen konnte, lag dieses Projekt vorläufig auf Eis. Durch die verschiedenen Lockdowns war ich viel alleine zu Hause, und da ist für mich das Schreiben die beste Unterhaltung, es lässt keine Langeweile aufkommen. Und was lag da näher, als Geschichten aus Indonesien zu erzählen. Ich konnte in alten Erinnerungen schwelgen und war damit in Gedanken meiner zweiten Heimat ganz nahe.

Für Kurzgeschichten benötigte ich keine Archive. Und der Rückblick auf mein ereignisreiches Leben machte mir richtig Spaß, besonders als ich einige meiner vor Jahren erlebten erotischen Begegnungen mit indonesischen Frauen zu Papier brachte. Diese Geschichten habe ich eingefügt, um die Lektüre für die Leserinnen und Leser etwas aufzulockern. Ich hatte unvergessliche Erlebnisse mit lieben Frauen aus Java und Bali. Aber mehr als das Niedergeschriebene wollte ich nicht preisgeben, obwohl es noch Vieles zu erzählen gäbe!

Vor einer Veröffentlichung dieses Buches wollte ich, dass mein Manuskript von mehreren Frauen gelesen wird, um ihre Ansichten und eine eventuelle Kritik in Erfahrung zu bringen. Mit Männern gibt es bekanntlich in dieser Hinsicht weniger Probleme. Es waren kultivierte und belesene deutsche Frauen mit unterschiedlichen Berufen, deren Reaktionen ich abgefragt habe. Die Antworten waren unterschiedlich, aber generell positiv, von es könnte noch wilder sein, über so schlimm ist es doch gar nicht, bis zu diese Stelle würde ich etwas abschwächen. Besonders die letzte Empfehlung nahm ich zu Herzen und habe daraufhin einige erotische Szenen etwas ‚entschärft‘.

Als ich 1963 von einem deutschen Großkonzern nach Java entsandt wurde, um dort eine Niederlassung aufzubauen, war ich verheiratet und reiste mit meiner Ehefrau auf einem Linienschiff von Lloyd Triestino nach Jakarta. Zu jener Zeit war es bei deutschen Konzernen eine unumgängliche Vorschrift, verheiratet zu sein. Junggesellen hatten keine Chance, nach Indonesien versetzt zu werden. Zu viele waren dort schon wegen Frauengeschichten und Alkohol unter die Räder gekommen und mussten wieder zurückgeholt werden. Die charmanten indonesischen Frauen waren einfach zu verführerisch. Seit Menschengedenken weiß man, dass die erotische Verführung die stärkste Macht der Frauen ist, der nur wenige Männer widerstehen können. Und die Indonesierinnen sind allesamt außerordentliche Meisterinnen auf diesem Gebiet. Dieses Risiko wollten die großen deutschen Konzerne nicht eingehen. Dagegen scheuten die deutschen Handelshäuser nicht davor zurück, weil die Entsendung eines Junggesellen natürlich wesentlich billiger war als die eines Ehepaares.

Ehefrauen von nach Indonesien entsandten Kaufleuten, Experten oder Diplomaten hatten allerdings immer große Probleme, mit dieser Situation zurechtzukommen. Ihnen blieb natürlich nicht verborgen, dass junge indonesische Frauen nicht nur hübsch und kess sind, sondern dass man ihnen – wenn man ihre Sprache sprach – auch relativ leicht näherkam. Die europäischen Frauen wachten dann mit Argusaugen über ihre Ehemänner. Eifersuchtsszenen waren bei westlichen Paaren an der Tagesordnung. Neben diesen farbenfrohen und anmutigen, oft bezaubernd schönen indonesischen Frauen hatten es die Ehefrauen der entsandten Diplomaten und Geschäftsleute nicht immer leicht, sich optisch zu behaupten.

Dies ist eine Sammlung von Episoden, wie ich sie selbst erlebt habe, sowie von Abenteuern, die mir von Freunden erzählt wurden, wie die Geschichten von Renate und Bernd Pullig mit ihrem Boot, oder die Erzählung eines Freundes über seine erste Reise durch Java. Diese Geschichten in Kapitel 4 und 13 habe ich in den Worten der Freunde wiedergegeben.

Viele Jahre sind seither vergangen, sodass eine leichte Verfremdung des Erlebten möglich ist. Natürlich wird in einer Rückschau vieles verklärt und erhöht. Vielleicht sind die Geschichten mit einem Hauch von Erotik nicht ganz so, wie ich sie erlebt habe. Sie sind nun so, wie ich mich an sie erinnere. Allerdings habe ich der dichterischen Freiheit ziemlich enge Grenzen gesetzt.

Natürlich handeln nicht alle Kurzgeschichten von indonesischen Frauen und Erotik. Dafür ist Indonesien ein viel zu facettenreiches Land, ein Land mit überaus großen kulturellen Unterschieden und vielen lokalen Besonderheiten, es birgt immer neue Überraschungen. Der indonesische Archipel ist eine so interessantes Region, dass man viele Bücher mit kuriosen Kurzgeschichten füllen könnte. Seit nunmehr 58 Jahren kenne ich dieses Gebiet. Während meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit dort habe ich zahlreiche seiner Inseln rund um den Äquator besuchen können. Auch danach reiste ich noch bis heute jedes Jahr dorthin, um für meine Bücher zu recherchieren und um dem europäischen Winter zu entfliehen.

Meine jahrzehntelangen Freundschaften mit Menschen Indonesiens und besonders Balis, sind für mich eine unerschöpfliche Quelle für Informationen aus ihrem täglichen Leben geworden. Seit meinem ersten Besuch auf Bali im Jahre 1963 ist mir diese Insel mit ihren überaus freundlichen Menschen besonders ans Herz gewachsen.

Dieses Buch ist eine Aneinanderreihung von verschiedenen Geschichten ohne verbindenden Faden. Sie wurden niedergeschrieben, so wie sie mir eingefallen sind. Das Buch erhebt somit keinen Anspruch auf ein chronologisches oder thematisches Ordnungsprinzip! In der missvergnügten Corona-Pandemie war es mir ein besonderes Vergnügen, die Zeit zu nutzen, um diese Geschichten zu Papier zu bringen.

2 Geschichtliches

Vermutlich ist bei indonesischen Frauen die Unbeschwertheit und Freiheit in sexuellen Dingen historisch bedingt, denn während der holländischen Kolonialzeit war der regelmäßige Wechsel des Partners sogar von der holländischen Kolonialregierung gewollt. Einfachen Kolonialbeamten und Soldaten war es verboten, eine weiße Frau aus Europa zu heiraten. Man wollte eine Verbindung mit einer einheimischen Frau fördern. 1652 empfahl die VOC1 ihren holländischen Mitarbeitern, doch einheimische Konkubinen zu nehmen. Sie würden weniger Ansprüche stellen und in den Tropen gesündere Kinder zur Welt bringen als holländische Frauen. Aber heiraten durften sie zunächst nicht. Im Falle einer Hochzeit wurde ihnen die Pensionsberechtigung entzogen! Die einfachen Kolonialdiener und Soldaten konnten ohnehin ‚keine großen Sprünge‘ machen. Die Hälfte ihres vereinbarten Lohns wurde von der VOC einbehalten und erst bei ihrer Rückkehr in Amsterdam ausbezahlt. Da die allermeisten der einfachen Leute in NiederländischIndien scheiterten oder schon bei der langen Rückfahrt verstarben, war das für die VOC ein gutes Geschäft. Diese, teilweise hohen, Beträge landeten wieder in der Kasse der Kompanie.

Die strengen moralischen Regeln, die damals in Holland angewendet wurden, galten in Niederländisch-Indien nicht! Die Verbindung von weißen Männern mit einheimischen Frauen wurde gefördert, damit die entsandten Herren möglichst lange in der Kolonie blieben. Die Passagekosten für die lange Seereise waren hoch.

Außerdem machten weiße Frauen in den Tropen meist Probleme. Sie vertrugen das ungesunde Klima nicht so gut wie die Männer und sie fühlten sich einsam. Aber der Hauptgrund war – damals wie heute – die große Konkurrenz durch die einheimischen Frauen. Holländische Frauen fühlten sich in der Kolonie einfach nicht wohl und wollten so schnell wie möglich wieder zurück nach Hause in das vertraute Heimatland. Den Männern dagegen gefiel es in Niederländisch-Indien gut, sie wollten schnell zu viel Geld kommen. Und die einheimischen Frauen waren hübsch und willig.

Es gab aber doch Ausnahmen. Eine größere Anzahl von Frauen aus den Niederlanden wurde in die Kolonie am anderen Ende der Welt verschifft. Sie wurden ‚Kompanietöchter‘ genannt. Diese waren aber nicht für das gemeine Volk bestimmt. Soldaten oder Schreiber mussten sich mit schwarzen Sklavinnen begnügen. Im ‚Frauenhof‘ im Fort von Batavia, gab es immer einen ‚Vorrat‘ an dunkelhäutigen Frauen, und wer genügend Geld hatte, konnte dort eine kaufen. Die Niederländer waren schon immer eine Nation von Händlern. Kaufen und verkaufen gehörte zu ihrem täglichen Geschäft, auch der Handel mit Frauen. Aber auch diese Frauen im Frauenhof wollten ‚an den Mann‘ und in eine bescheidene Freiheit kommen, und zeigten in ihren Bewegungen eine fast teuflische Verführungskraft, wenn Männer zur Begutachtung kamen. Die Frauen waren meist Sklavinnen von den Inseln Java, Bali und Celebes sowie von der Koromandelküste im Südosten Indiens und aus Ostafrika. Alle Abstufungen der Hautfarbe, vom hellbraun der Mädchen von gemischtem Blut bis zu rabenschwarz, waren hier zu finden.

Die Soldaten und einfachen Bediensteten der VOC hatten nur eines im Kopf: Schnaps und eine Frau! Im Laufe der Zeit hatten diese Frauen jedoch die Männer, die in den Tropen meist dem Alkohol verfallen waren, vollkommen in ihre Macht bekommen. Sie wurden Herr im Haus und wickelten ihre Gebieter um den Finger. Für die Männer war es ein Leben ohne Zukunft. Den einzigen Trost fanden sie im Alkohol, dem billigen lokalen Arak. In den allermeisten Fällen schafften sie es nicht mehr zurück in die Heimat und endeten meist total verarmt in der tropischen Gosse. Das Geld war versoffen oder es hatten ihnen ihre einheimischen Frauen abgenommen. Aber bis zum bitteren Ende schwelgten sie noch in tausend guten Erinnerungen an die ferne Heimat im Westen und hofften, es doch noch unversehrt dorthin zu schaffen. Die Bevölkerung von Batavia war zu jener Zeit ein liederlicher und sittenloser Haufen.

Die Kompanietöchter waren den Offizieren, den bessergestellten Kaufleuten, den Kapitänen, hohen Beamten oder noch höhere Posten vorbehalten. Sie mussten schon in Amsterdam einen Vertrag unterschreiben, der sie zwang, jeden Mann nehmen zu müssen, der ihnen vom Generalgouverneur zugeteilt wurde. Die höchsten Chargen um den Generalgouverneur hatten jedoch das Vorrecht, eine Frau ihrer Wünsche auszusuchen. Je höher der Rang, desto größer war die Auswahl der angekommenen Frauen. Blieben welche in Batavia übrig, wurden sie meist weiter in die Faktoreien der Außeninseln verschifft, nach Makassar, Ambon oder zu den kleinen Gewürzi nseln in den Molukken. Der Gouverneur der Banda-Inseln beklagte sich bitterlich, dass bei ihm nur noch ‚Schrott‘ ankommen würde, nur hässliche und versoffene Weiber. Hier herrschte ein besonders großer Frauenmangel, da Generalgouverneur Coen aus reiner Profitgier bei einem brutalen Völkermord die gesamte einheimische Bevölkerung hatte ausrotten lassen.2

Aber auch die erste Auswahl in Batavia scheint nicht viel besser gewesen zu sein, denn Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen3, der mit eiserner Faust über alle Kompaniediener herrschte, schrieb an den ‚Rat der Siebzehn Herren‘, an die ‚Hochedlen Direktoren‘ der VOC im ‚Ostindienhaus‘ in Amsterdam:

Unter den Frauenspersonen, die hier angekommen sind, befinden sich wieder einige, die sich an Bord mit gewissen Leuten verlobt und ungebührlich betragen haben. Die Missetäterinnen wurden dafür bestraft […]. Die Herren mögen bei der Verschiffung junger Mädchen insoweit auf Ordnung sehen, dass diese hier ehrbar ankommen. Sorgt doch, dass wir uns vor den Schwarzen nicht zu schämen brauchen. […] Ist Indien, sind wir und Eure übrigen Diener denn keiner anderen Frauen würdig, als der allergemeinsten aus den Niederlanden?

Wer wüsste nicht, dass das Menschengeschlecht ohne Frauen nicht weiterexistieren kann? […] Um dem Mangel abzuhelfen, haben wir hier viele Frauen teuer kaufen lassen, aber, so wie die Herren uns bisher nichts als den Abschaum des Landes sandten, scheint es, dass man uns auch hier nichts als den Abschaum verkaufen will, denn schon mehrere wackere Männer wurden von diesen schwarzen Frauen vergiftet.

Sollen wir denn hier aussterben müssen? Wir ersuchen Euch dringend, insoweit die Herren nicht rechtschaffene Leute bekommen können, uns minderjährige junge Mädchen zu schicken, von denen die Waisenhäuser entlastet werden könnten.4

Die Frauen wurden wie irgendeine andere Fracht nach NiederländischIndien verschifft. Sie mussten nur lebend ankommen. Was der Generalgouverneur verlangte, wurde verschifft: Geld, Baumaterial, Bier – und Frauen. Weibliche Wesen waren einfach eine Handelsware, wie alles andere auch.

Die weißen Frauen, die aus den Niederlanden kamen, waren in der Kolonie immer Mangelware. Und ehrbare gab es nur wenige. Stand für einen höheren Beamten keine zur Verfügung, schickte der Generalgouverneur den Mann auf Kosten der VOC nach Bali. Dort durfte der Glückliche eine Gefährtin nach seinem Geschmack suchen. Balinesinnen waren bei den weißen Kolonialherren besonders beliebt. Sie waren meist hübscher und größer als Javanerinnen und einer ihrer besonderer Vorzüge war, dass sie als Anhängerinnen der Agama-Hindu-Religion mit Schweinefleisch und Alkohol frei umgehen durften. Die Balinesinnen liebten Schweinefleisch wie die Niederländer, die Muslimas aus Java dagegen hassten es wie die Pest. Muslimas, die in der Küche arbeiteten, weigerten sich sogar, Schweinefleisch anzufassen und zuzubereiten. Bis 1860 waren die Nyais5 – so nannte man die Lebenspartnerinnen auf Zeit – Sklavinnen. Meist waren sie Muslimas. Danach, als die Sklaverei verboten wurde, waren sie freie Frauen oder wurden Konkubinen. Die aus diesen Verbindungen hervorgegangenen – meist sehr hübschen – Mischlinge waren bei den nächsten Generationen von nach Niederländisch-Indien entsandten Kolonisten sehr beliebt.

Die gemischten Ehen zwischen weißen Kolonialbeamten und einheimischen Frauen wurden 1898 von der holländischen Regierung sogar legalisiert. Durch die Legalisierung wurde der Status der Nyais aufgewertet. Sie gingen ohnehin gerne eine Verbindung mit einem weißen Kolonialbeamten ein, weil dadurch ihr Prestige gegenüber ihrer einheimischen Umgebung stieg. Und sie waren gut versorgt. Es waren fast immer Ehen auf Zeit. Ging der Holländer wieder zurück zu seiner Familie in der Heimat, wurde die Ehe so einfach wieder aufgelöst wie sie geschlossen wurde. Die Frau mit ihren Kindern blieb zurück und musste schauen, wie sie weiterhin durchs Leben kam. Meist war ein neuer Partner – oft der Nachfolger – der schnellste und einfachste Weg, um weiterhin sorglos durchs Leben zu kommen.

Während der holländischen Kolonialzeit hatte so gut wie jeder weiße Kolonialherr – auch wenn er in den Niederlanden verheiratet war – ein festes Verhältnis mit einer einheimischen Nyai. Aus diesen Verbindung erwuchs dann der sogenannte ‚indische Zweig‘ des Stammbaumes. Dessen Abkömmlinge verschwanden in der Regel nach zwei oder drei Generationen wieder namenlos – also ohne den holländischen Namen weiterzuführen – in der indonesischen Gesellschaft.

Bereits damals priesen die nach Niederländisch-Indien entsandten Europäer die ‚besondere Geschicklichkeit beim Geschlechtsverkehr‘ der einheimischen Frauen, die sie auf die scharfe Kost zurückführten. Über diese zierlichen und verführerischen orientalischen Frauen erzählten sich die Männer die tollsten Dinge! War es eine Verlockung durch die fremde und unbekannte Exotik? Die indonesischen Frauen sind früh erwachsen. Sie altern dafür auch meist rascher, wie es viele tropische Blumen tun.

Einerseits versuchten die europäischen Puritaner ihnen die ‚Unsittlichkeiten‘ auszutreiben, andererseits genossen sie selbst diese Freizügigkeit über alle Maßen. Auch die einheimischen Muslime versuchten durch eine strengere Auslegung des Korans das wilde Treiben zu unterbinden. Ohne Erfolg, denn auch sie mischten selbst kräftig mit und fanden auch einfallsreiche Lösungen, um die Auflagen im Koran zu umgehen! Zum Beispiel durch die ‚Ehe auf Zeit‘.

Ausgesprochen wild muss es auf der kleinen und seit Jahrhunderten abgelegenen und isolierten Insel Enggano zugegangen sein. Die Insel liegt rund 300 Kilometer südlich der Mentawai Inseln und knapp 150 Kilometer vor der Südwestküste Sumatras im Indischen Ozean. Die Insel wurde erstmal 1596 von dem holländischen Seefahrer Cornelis de Houtman6 erwähnt und 1602 erfolgte die erste Anlandung durch die Portugiesen. Es dauerte noch viele Jahrzehnte, ehe die niederländische Kolonialregierung auf dieser abgelegenen Insel eine gewisse Kontrolle ausüben konnte.

Von der Zeit der Segelboote bis Anfang des 20. Jahrhunderts war die Insel unter den Seefahrern als ‚Fraueninsel‘ oder ‚Insel der kaffeebraunen Sirenen‘ berühmt. Landete ein Schiff an, strömten die Frauen nackt zum Strand, um die Mannschaft singend zu begrüßen und zu umarmen. Einheimische Männer konnte man nicht entdecken, die versteckten sich alle in ihren Häusern. Kaum waren die Männer vom Schiff mit den einheimischen Frauen im schattigen Busch oder im Palmenwald verschwunden, schlichen ihre Ehemänner heimlich hervor und stahlen auf dem Schiff alles, was nicht niet- und nagelfest war. Als sich dieser raffinierte Trick bei den Seeleuten herumgesprochen hatte, blieb immer eine Wachmannschaft an Bord, solange ihre Kameraden sich mit den Frauen an Land vergnügten. Ein Diebstahl war nun nicht mehr möglich. Die Frauen der Insel kamen aber trotzdem regelmäßig nackt zum Strand, wenn ein Schiff anlegte. Nun erhofften sie sich ein kleines Geschenk für ihre Liebesdienste. Nach einer langen Seereise ohne Frau muss den Seeleuten die kleine Insel Enggano am anderen Ende der Welt wie ein Paradies vorgekommen sein.7

Die Portugiesen gaben der Insel den Namen Engano, was ‚Täuschung‘ bedeutet. Aber weshalb wurden sie getäuscht oder enttäuscht? Hatten sie gedacht, nach einer langen Seereise bereits Java erreicht zu haben? Der Hafen Bantam8 in Westjava war ihr eigentliches Ziel. Dort war der Umschlagplatz für die begehrten Gewürze. Von dem generösen Angebot der einheimischen Frauen konnten sie kaum enttäuscht gewesen sein.

Wie regelten die Frauen die sicherlich daraus resultierenden Schwangerschaften? Wurden die Kinder der Seeleute von den Ehemännern akzeptiert? Viele Kinder waren ja erwünscht, schon wegen der dadurch verbesserten Altersversorgung. Da konnte es schon sein, dass die Ehemänner auch Kinder, die ein westliches Aussehen hatten, akzeptierten. Heute ist aber von einem westlichen Einfluss auf Enggano nichts mehr zu sehen.

Vielleicht wurde auch abgetrieben oder es kamen althergebrachte Methoden zur Schwangerschaftsverhütung zum Einsatz. Bis in neueste Zeit ist bekannt, dass Frauen auf Java durch eine spezielle Massage des Unterbauchs eine Fehlgeburt einleiten konnten. Diese Massagetechnik wurde innerhalb einiger Familien von Generation zu Generation überliefert und wurde nur von wenigen alten Frauen angewandt.

Oder verwendeten die Frauen eine uralte javanische Methode der Schwangerschaftsverhütung? Ein einflussreicher deutscher Jesuitenpater, der viele Jahre lang an der Universität Gaja Mada von Yogyakarta lehrte, beschäftigte sich viele Jahren mit diesem Thema. Er behauptete, dass durch eine spezielle Massage der Gebärmuttermund verschlossen werden könne und somit der Zugang für Spermien unmöglich gemacht würde. Oder wurde die Gebärmutter in eine andere Lage gebracht? Ich weiß es nicht, ich bin kein Arzt. Ich kannte den Jesuitenpater viele Jahre und hatte mich mit ihm angefreundet. Unzählige Abende lang führten wir am Strand von Carita interessante Gespräche über Gott und die Welt. Er war von der Wirksamkeit dieser Methode der Verhütung ganz und gar überzeugt.

Um eine Wirksamkeit dieser Methode nachzuweisen, müssten sich heutzutage auch Ärzte um diese natürliche Verhütungsmethode kümmern. Es wäre für die westliche Welt von Interesse, wenn eine Verhütung auf diese Weise möglich wäre.

1891 besuchte der italienische Forscher und Zoologe Elio Modigliani die Insel Enggano. Er stellte einen kritischen Rückgang der Bevölkerung durch eingeschleppte Krankheiten, aber auch durch eine absichtsvolle Kinderlosigkeit fest. Auch dies deutet auf eine natürliche Methode der Verhütung hin. 1894 veröffentlicht er sein Buch L‘isola delle Donne (Insel der Frauen). Er beschreibt darin ein natürliches Matriarchat auf der Insel, eine dominierende Rolle der Frau. Vielleicht mussten die Männer die Freiheiten der Frauen mit den Fremden tolerieren!

Die protestantische Missionierung der nördlich von Enggano liegenden Mentawai Inseln begann 1901. Vermutlich wurde zur selben Zeit das Christentum auch auf Enggano etabliert, denn 1903 und danach besuchte der auf den Mentawai-Inseln stationierte deutsche Missionar der Rheinischen Missionsgesellschaft, Pastor Lett, mehrmals die Insel Enggano. Er wollte sehen, wie es den einheimischen Lehrern der Mentawai-Mission erging. Eine eingeschleppte Epidemie verursachte bei der indigenen Bevölkerung viele Todesfälle. Die Bevölkerung von Enggano nahm rapide ab. Wie Pastor Lett wohl von den Frauen der Insel empfangen wurde?9 Darüber wurde leider nichts überliefert!

Von 1937 bis 1938 lebte der international bekannte deutsche Sprachwissenschaftler Hans Kähler auf Enggano. Unter anderem entdeckte er dort die bisher unbekannte Sprache Enggano, deren Ursprung bis heute nicht eindeutig geklärt ist.10 Bei der Jugend der Insel hat sich jedoch heute die Bahasa Indonesia als Umgangssprache durchgesetzt, sodass nur noch eine Minderheit von rund 1500 älteren Menschen die Sprache Enggano fließend beherrscht.

Wie in den 1940er Jahren ein weiterer Italiener, Arnaldo Fraccaroli, schrieb, hatte sich zu dieser Zeit die Situation auf der Insel Enggano verändert. Es wurde nicht mehr gestohlen und geraubt! Die Ehemänner begleiteten nun ihre Frauen und Töchter zum Strand und schauten gelangweilt – ohne Eifersucht – zu, wenn ihre Frauen mit den Fremden im schattigen Palmenwald verschwanden. Ich hatte bisher – leider – noch keine Gelegenheit, um auf der Insel zu forschen.

Vielleicht war diese Freizügigkeit auch ein Zeichen der Gastfreundschaft und Aufmerksamkeit dem Fremden gegenüber. Wie wir noch sehen werden, hat einer meiner Freunde diese Gastfreundschaft in Ostjava noch am eigenen Leib erleben dürfen.

1 Niederländische Ostindien-Kompanie (nl: Vereenigde Oostindische Compagnie)

2 Siehe Horst H. Geerken, Das Gold der Bandas: Die Geschichte der Muskatnuss, S. 93–105

3 1587–1629

4 Ary den Hertog, Frauenfracht nach Java, S. 14f

5Nyai ist eine balinesische Bezeichnung für eine Frau der niedrigsten Kaste – bei den Holländern eine Bezeichnung für Mätresse oder Konkubine. Siehe auch Horst H. Geerken, Der Ruf des Geckos, S. 50 und 203

6 Siehe auch Horst H. Geerken, Das Gold der Bandas, S. 69f, 72, 74 und 173f

7 Arnaldo Fraccaroli, Sumatra und Java. Menschen unter dem Äquator, 1942 und 1947, S. 96ff

8 Heute Banten

9 KITA 1/21, Panulis Saguntung, Boote und Schiffe der Mentawai-Mission, 2021, S. 44

10 Hans Kähler, Texte von der Insel Enggano: Berichte über eine untergehende Kultur, 1975 und Hans Kähler, Enggano-Deutsches Wörterbuch, 1975

3 Die indonesische Frau

Die Frauen in Indonesien sind einfach lieb und anschmiegsam und liebten es – und lieben es bis heute – einen Mann zu verwöhnen. Welcher Mann kann da NEIN sagen! Indonesische Frauen sind besonders geschmeidig, hingebungsvoll und weich. Sie haben eine geheimnisvolle Macht, eine Wildheit in ihrem Körper, in ihrer Kultur, die uns im Westen unerklärlich bleibt. Sie genießen einfach, wenn ein Mann und eine Frau harmonisieren und wenn sie ihre ungetrübte Freude aneinander haben.

Normalerweise war und ist Sex für eine Indonesierin etwas ganz Natürliches und Normales und gehört zum Leben wie das Essen oder Trinken. Angesichts dieser zarten und feingliedrigen Geschöpfe hatten es matronenhafte und oft spröde europäische Frauen schwer, sich im Konkurrenzkampf zu behaupten. Und das Beste an Frauen aus Südost-Asien ist, dass sie zum überwiegenden Teil nicht zickig sind, wie man es heutzutage bei vielen Frauen im Westen beobachten kann. Ich habe es jedenfalls in Indonesien nur selten erlebt! Allerdings war ich auch noch mit keiner Indonesierin verheiratet. In einer Ehe mit der täglichen Routine sieht das vermutlich etwas anders aus!

Indonesische Frauen – und besonders Balinesinnen – haben andere Unzulänglichkeiten. Sie sind extrem eifersüchtig und man kann sie leicht und ungewollt mit der westlichen, geradlinigen Art und Denkungsweise verletzen. Sie denken in verschlungenen und uns oft unverständlichen Wegen. Klare Antworten sind selten. Sind sie einmal beleidigt, dann aber wirklich! Dann kann es Tage dauern, bis sie wieder ansprechbar sind. Einem aufklärenden Gespräch verweigern sie sich meist und ziehen einen ‚Flunsch‘. Ihre Beweggründe und Gedanken können wir meist nie ganz ergründen.

Eine weitere Unzulänglichkeit ist, dass sie oft nicht die Wahrheit sagen. Das macht es für uns Männer schwierig, mit ihnen über einen längeren Zeitraum zurecht zu kommen. Die Frauen in Indonesien wollen leben und sterben und das Leben so nehmen wie es kommt. Balinesinnen können sehr geduldig sein. Wenn etwas so ist, wie man es nicht wünscht, dann machen sie einfach einen Selamatan11 oder einen Upacara12 und bittet alle guten Götter und Geister um Abhilfe! Danach ist die Welt wieder in Ordnung.

Leider sind indonesische Frauen – und besonders balinesische – ausgesprochen wehleidig. Irgendetwas tut ihnen immer weh, oder sie finden etwas, das wehtun könnte: Mal das Knie, dann die Finger oder der Kopf. Selbst um einen kleinen Pickel im Gesicht wird ein großes Theater gemacht und ein Hautarzt aufgesucht. Wenn sie ihre Tage haben, setzen sie eine leidende Miene auf und heischen ununterbrochen nach Anteilnahme. Für alles wollen sie Obat, eine Medizin, oder rennen schnell zum Arzt. Kein Wunder, dass man sich fragt, hat sie nun wirklich Schmerzen? Oder ist sie nur wieder wehleidig?

Wenn man früher einem Balinesen oder einer Balinesin ein Geschenk machte, wurde es wortlos weggelegt. Man hörte kein DANKE! War es fehlende Dankbarkeit? Nein, früher galt es auf Bali als unhöflich, sich zu bedanken, da man den freundlichen Schenker nicht in Verlegenheit bringen wollte. Heute hat man in Bali schon viele westliche Angewohnheiten angenommen, sodass auch Terima kasih, oder auf Balinesisch Suk seme, DANKE, gesagt wird. Aber ich bin immer wieder überrascht, wenn dieses kleine Wörtchen ausbleibt. Besonders treffend finde ich das indonesische Wort Terima kasih für Danke. Wörtlich übersetzt heißt es ‚Empfangen und Geben‘! Was für ein schönes Wort, das viel mehr ausdrückt als unser abgegriffenes ‚Danke‘!

Wie die Vegetation, so ist auch die Gebärfreudigkeit der Frauen in dem fruchtbaren tropischen Klima gewaltig. Fünf, sechs und mehr Kinder sind – mit der Ausnahme des hinduistischen Bali – im islamischen Indonesien die Regel. Die Muslimas auf Java gelten als die fruchtbarsten der Welt. Javanische Männer sagen, man muss nur seine Unterhose aufs Bett legen, und schon gebären dir die Frauen ein Kind! Aber um die Erziehung ihrer Kinder kümmern sich die Frauen oft weniger. Die Kinder werden wohl lange gestillt und behütet, aber sobald sie selbständig laufen können, ist die nächste Kinderschar zum Spielen nie weit. Kleidung benötigen sie in dem warmen Klima ohnehin kaum und ihnen genügt eine Handvoll Reis und eine Banane oder ein Nasi Bungkus, ein kleines Päckchen Reis mit Gemüse, das im Kiosk an jeder Ecke zu haben ist, um glücklich zu sein. Leider sieht man heutzutage immer weniger Kinder, die mit anderen spielen, so wie früher. Hüpf- und Fangenspiele haben sie vergessen. Nun sitzen sie vor den Häusern und starren gebannt auf ihre Smartphones, wie es auch die Kinder im Westen tun.

Obwohl sich die Eltern nur wenig um die Kinder kümmern, sind sie wohlerzogen. Sie lernen schon früh Selbstdisziplin und Achtung vor dem Alter. Gefühle werden nicht gezeigt. In meinen vielen Jahren in Indonesien habe ich ein indonesisches Kind nur äußerst selten weinen gesehen. Wenn ein Kind weint, dann ist es normalerweise ein Kind westlicher Eltern, das vor einem Stand mit Süßigkeiten jähzornig etwas haben will.

Frauen in Indonesien, egal, ob sie dem Islam oder dem Hinduismus zugeneigt sind, fühlen sich nur in der Großfamilie wohl. Im Kreise von Eltern, Geschwistern, Neffen und Nichten, Onkeln und Tanten erfahren sie Sicherheit. Sie müssen ein Teil des Ganzen sein. Werden sie aus dieser Sicherheit herausgerissen, sind sie oft halt- und hilflos. Westliche Männer, die mit einer indonesischen Frau verheiratet sind, können diesen Verlust des Zusammenhalts der Großfamilie meist nicht ersetzen. Probleme sind vorprogrammiert. Werden die Frauen älter, neigen sie oft zur Bequemlichkeit und der damit zusammenhängenden Zunahme der Fülle. Sie können stundenlang mit ihren Freundinnen zusammensitzen und über ihre großen und kleinen Leiden, über Arztbesuche oder über Familie und Bekannte reden. Westliche Männer nervt das, auch mich! Mir ist ein offenes Gespräch ohne Hintergedanken und Komplikationen lieber als ein typisch balinesisches Getue. Die Frauen wurden so erzogen. Man kann ihnen daher keinen Vorwurf machen. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich ihre Mentalität verstand und damit zurechtkam. Aber dafür muss man sich die Mühe machen und ihre Sprache erlernen.

Die Frauen in Asien haben bis heute eine andere, viel ungezwungenere und offenere Einstellung zur Sexualität als die meisten europäischen Frauen. Willige Frauen für Geld findet man zuhauf! In diesem Buch werden jedoch nur einige Erlebnisse mit lieben und ganz natürlichen Frauen gezeigt, die nichts mit dem Rotlichtmilieu zu tun haben. Wie viele Naturreligionen auch sind der Islam und der Hinduismus körperzugewandte Religionen. Ohne Hemmungen und ohne Verklemmtheit redet eine Indonesierin über ihre Periode, ihren Busen oder ihre Sexualität, auch mir als Mann gegenüber. Man kann sie – aber nur in ihrer eigenen Sprache – das Intimste fragen und sie geben fast immer und ohne Scham bereitwillig darüber Auskunft. Im Laufe der fast 60 Jahre, in denen ich nun Indonesien kennenlernen durfte, hat sich dies allerdings auch verändert. Die Muslimas sind religiöser und zurückhaltender geworden. Die Mädchen in Indonesien sind sicherlich frühreif, aber Moslems heiraten sie, wenn sie noch Kinder und noch nicht voll entwickelt sind.

Indonesierinnen reden oft um den heißen Brei herum, sodass es manchmal schwierig ist zu verstehen, was sie meinen. Wenn man aber über Sex redet, kommt man in ihrer Sprache immer schnell zum Punkt. Dies habe ich nicht nur bei Muslimas auf Java, die ich zuvor noch nie gesehen hatte, sondern auch bei Frauen auf Bali, deren Religion der Hinduismus ist, erlebt. Ich habe das Gefühl, dass erotische Gespräche den meisten Frauen in Indonesien sogar großen Spaß machen. Zu Hause in Deutschland würde ich bei solchen Gesprächen von den Frauen wegen sexueller Belästigung belangt werden.

Wie ungezwungen indonesische Frauen über erotische Dinge reden, zeigen folgende Beispiele, die ich selbst erlebt habe:

Auf dem Zentralmarkt in Ubud auf Bali, gegenüber dem Palast des Fürsten, schlenderte ich vor wenigen Jahren entlang der Textilläden im ersten Stock des langen Gebäudes. Ich wollte eine neue Badehose kaufen. Hier und da machte ich ein Schwätzchen. Ein Europäer, der auch gut Indonesisch sprechen kann, bringt immer etwas Abwechslung in den tristen Alltag der Verkäuferinnen und ist ein guter Grund zum Scherzen. An einem der vielen Stände wurde ich fündig. Die junge, knapp dreißigjährige balinesische Verkäuferin entfernte sich gerade ungeniert mit einem Elektrorasierer ihre Achselhaare. Man hat ja sonst nichts zu tun, wenn man auf Kundschaft wartet! Ich machte die Bemerkung, dass ich aus hygienischen Gründen auch meine Achselhaare rasieren würde. Ihre Antwort verblüffte mich dann doch: Sie würde auch ihr alat kelamin wanita, ihr weibliches Geschlechtsteil, aus hygienischen Gründen rasieren, aber nicht mit dem elektrischen Rasierer, dazu würde sie eine Schere benutzen. Es entwickelte sich daraufhin ein nettes erotisches Zwiegespräch, das auch mich anmachte! Ich spürte, dass auch sie daran Spaß hatte. Nach 15 Minuten kaufte ich bei ihr eine Badehose, aber ohne sie zuvor anprobiert zu haben!

Nur einen Stock tiefer, bei den Holzschnitzereien, wurden Penisse von freundlichen Verkäuferinnen ohne Scham in allen Größen und Farben öffentlich angepriesen. Es gab Penisse als Schmuckstücke, als Schlüsselanhänger, als Mobile oder als Ausstellungsstücke für die Vitrine. Der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Besonders wenn es um die Größe ging, machten die Verkäuferinnen ihre Späße. Manche Penisse sprengten jegliches Vorstellungsvermögen. Ich denke, es waren Wunschvorstellungen, da Indonesier – wie mir von balinesischen Frauen erzählt wurde – bei diesem Körperteil von der Natur eher benachteiligt wurden.

Eines Tages war ich mit einer sehr kultivierten balinesischen Partnerin in einem Tanzlokal. Sie tanzt hervorragend und spricht mehrere Sprachen. Aber wir unterhalten uns immer auf Bahasa Indonesia oder aus einer Mischung mit Balinesisch. Sie hatte internationale Politik studiert, für eine Frau in Indonesien ein außergewöhnliches Fach. Wir hatten schon einige Tänze hinter uns und machten gerade eine Pause. Unsere Unterhaltung ging über Politik und Reisen in Europa. Am Nebentisch ließ sich eine junge aufgeputzte farbige Touristin, vermutlich aus Afrika, nieder. Plötzlich rümpfte meine Begleiterin die Nase und sagte: Pfui, bau Pek, die stinkt nach Pek, einem ziemlich vulgären Ausdruck für die Vagina. Ich war doch sehr überrascht, dieses vulgäre Wort aus dem Mund einer äußerst gebildeten Frau gehört zu haben, zumal ich außer Tanzen keine weitere Beziehung zu ihr hatte und habe. Dabei muss man bedenken, dass Balinesinnen vielleicht die reinlichsten Frauen der Welt sind. Sobald Wasser in der Nähe ist, wird geduscht, mindestens zwei- bis dreimal, meist noch öfter pro Tag. Der deutsche Soldat Christian Burckhardt, der in Diensten der niederländischen VOC war, schrieb schon im 17. Jahrhundert, dass die einheimischen Frauen außergewöhnlich reinlich sind und sich zweimal pro Tag von Kopf bis Fuß waschen, besonders auch noch nach dem ehelichen Werken und nach Verrichtung der Notdurft.13

Die damaligen Soldaten wuschen oft wochenlang sich selbst und ihre Uniformen nicht. Und das bei diesem tropisch heißen Klima! Auf der Insel Java war es damals üblich, dass ein Javaner, wenn er an einem Holländer vorbeiging, sich die Nase zuhielt und vor Ekel oft auch noch ausspuckte. Daraufhin bekamen die Soldaten den Befehl, jedem, der die ‚Herren‘ missachtete, eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. Der Chirurg Frik14 aus Ulm schrieb dazu: Da hätte einer seine Wunder sehen sollen, wie häufig die Ohrfeigen umherflogen und ich habe selbsten deß Tags über etliche 30 ausgetheilet, bis endlich diese schändliche Gewohnheit der Javanen gantz in Abgang kommen ist…15 Auf die Idee, selbst reinlicher zu sein und auf Hygiene zu achten, kamen die Kolonialherren nicht. Sie hätten einiges von den Eingeborenen lernen können!

Die Balinesinnen sind normalerweise klein. Neulich wurde ich von einer mir fremden, außergewöhnlich kleinen Balinesin zum Tanz aufgefordert. Sie reichte mir gerade mal bis zur Schulter. Dass man mich zum Tanz auffordert, ist in Ubud nichts Besonderes. Ich gehe während meines Aufenthaltes auf Bali fast jeden Abend in ein anderes Tanzlokal, ins Restaurant Indus, in die Buddha Bar, in Mades Warung oder ins Café Batu Jimbar. Überall spielen Bands lateinamerikanische Musik. Wenn ich den ganzen Tag am Computer sitze und schreibe, muss ich am Abend entspannen und Bewegung haben.

Dafür ist Salsa meine Medizin. Es herrscht meist Mangel an tanzfreudigen Herren und es sprach sich bereits herum, dass ich gerne tanze. Daher werde ich oft von alleinstehenden Frauen zu einem Tanz aufgefordert.

Die junge kleine Balinesin tanzte ausgesprochen gut, sodass ich immer wieder neue Figuren mit ihr versuchte. Bei einer Drehung, bei der ich die mit dem Rücken zu mir stehende Tanzpartnerin an den Hüften anfassen und drehen muss, hatte ich mich bei ihr in der Höhe verschätzt. Plötzlich hatte ich anstatt der Hüfte, trotz ihres kleinen Wuchses, ihren beachtlichen Busen voll in meiner Hand. Oh wie peinlich! Als sie wieder mit dem Gesicht zu mir stand, entschuldigte ich mich. Ihr Kommentar dazu: Tidak apa-apa! No problem! (Macht gar nichts! Kein Problem!) Ich war erleichtert und sagte: Dann können wir es ja nochmals versuchen! Ihr schelmisches Lachen klang wie eine Aufforderung!

Etwas Ähnliches ist mir früher einmal versehentlich mit einer US-Amerikanerin passiert. Dabei hatte ich ihren Busen nicht in meiner Hand, wie bei meiner kleinen indonesischen Tanzpartnerin. Es war nur ein kurzes versehentliches Streifen ihrer Brust bei der Abwärtsbewegung meiner Hand, wie beim Salsa im Film Dirty Dancing. Mit bösen Augen blickte sie mich an und sagte entrüstet: Don’t touch me! Das ist der Unterschied der Weiblichkeit in den westlichen und östlichen Regionen!

Eines Tages hatte ich eine wunderschöne Schnitzerei einer barbusigen balinesischen Tänzerin in Mas entdeckt und wollte diese unbedingt besitzen. Ich trat mit dem Schnitzer wegen des Preises in Verhandlung und da ich wegen des hohen Preises nach irgendeinem Grund zum Handeln suchte, bemängelte ich den Ansatz und die Proportionen des Busens. Ich sagte, da würde etwas nicht ganz stimmen. Die Frau des Schnitzers hatte im Hintergrund unser Gespräch mitgehört und kam nun auf mich zu. Ohne Scham knöpfte sie ihre Bluse auf und entblößte ihren blanken Busen, der in keinen BH gepresst war. Apa yang salah dengan itu? Was daran falsch sein sollte, fragte sie empört. Sie war das Modell des Schnitzers und er hatte seine Frau originalgetreu nachgebildet. Ich gab mich geschlagen und entrichtete den gefragten Preis ohne weitere Diskussion.

In diesem Buch bewundere ich immer wieder die schöne Form und Festigkeit der Brüste javanischer und balinesischer Frauen. Das haben vor mir auch andere schon viel früher getan. 1937 verglich Colin Ross in seinem Buch Heute in Indien die Brüste von Thailänderinnen mit denen von Frauen aus Java und Bali. Er schrieb:

[...] Die Mode des bloßen Oberkörpers trägt auch nicht dazu bei, den ästhetischen Genuss eines Anblicks siamesischer Frauen zu erhöhen, denn im Gegensatz zu den hinreißend schönen Brüsten der Javanerinnen und Balinesinnen sind die Siamesinnen im Durchschnitt hässlich übervoll hängend oder schlaff. [...]16

Ich hoffe, die sexuell nicht verklemmten Leserinnen und Leser der ‚erotischen‘ Kapitel können meine Begeisterung verstehen.

Die Eifersucht von Frauen ist auf Java und besonders auf Bali weit verbreitet. Sie hat meist materielle Ursachen. Die Frau fühlt sich durch eine Nebenbuhlerin betrogen, da ihr Ehemann diese häufig finanziell unterstützt. Die betrogene Ehefrau rächt sich aber nun, indem sie bei einem anderen Liebhaber Zuneigung sucht. Der Ehemann versucht sogar manchmal, daraus Kapital zu schlagen. Ich kenne im Detail einen Fall aus meinem näheren Freundeskreis in Bali. Da verlangte der betrogene Ehemann sogar Geld von seinem Nebenbuhler, damit er mit seiner Ehefrau schlafen durfte. Was ist dies? Moderne Prostitution?

Überall in Indonesien gibt es unzählige Frauen, die – meist gezwungenermaßen – der Prostitution nachgehen. Es ist kein Problem, eine Frau für die Nacht zu finden. Aber weshalb Prostitution? Es ist doch viel interessanter und spannender eine unverdorbene Frau für ein sexuelles Abenteuer zu gewinnen! Ohne Bezahlung! Die wenigen Beispiele in diesem Buch sollten nur zeigen, dass das Verhältnis zwischen Mann und Frau in Indonesien wesentlich entspannter und unkomplizierter ist als in der westlichen Welt.

Aber die Frauen in Indonesien haben trotzdem kein einfaches Leben. Indonesien ist das viertgrößte Land der Welt mit 270 Millionen Einwohnern, und es ist der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Wie allgemein bekannt, ist dort die Polygamie unter den Moslems, den Balinesen und einigen Volksstämmen in Papua weit verbreitet. Die Anzahl der Frauen im Islam ist auf vier beschränkt, auf Bali dagegen ist sie unbegrenzt. Man muss aber entsprechend viel Geld haben, um alle Frauen gleichberechtigt unterhalten zu können.

Eigentlich müssen alle Frauen gleich gut behandelt werden, aber das ist in den seltensten Fällen gegeben. Viele Frauen erzählten mir, dass sie von ihrem Ehemann geschlagen wurden. Im Islam ist eine Scheidung relativ einfach, auch wenn die Frau danach ohne Mittel auf der Straße steht, sie darf jedoch ihre eigenen Kinder mitnehmen. In Bali ist die Situation ganz anders. Heiratet eine Balinesin, muss sie ihre eigene Familie verlassen und in dem Haus der Eltern ihres Ehemannes wohnen. Lässt sie sich scheiden, verliert sie alles: Ihre Kinder, das bisher angesparte Geld. Aber balinesische Frauen sind stark. Sie landen nicht auf der Straße. Keine Arbeit ist ihnen zu schwer. Sie schleppen tagsüber Steine oder Sand auf dem Kopf zu den Baustellen und abends marschieren sie mit eleganten Schritten und Opfergaben auf dem Kopf zum Tempel. Trotz ihres schweren Lebens sind sie immer fröhlich und lebenslustig.

Auf Bali heiraten die Männer früh, möglichst sehr junge Frauen, die jedoch nach der Hochzeit schwere Arbeit erwartet. In jungen Jahren ist man auch noch Hals über Kopf verliebt und denkt nicht an die Folgen. Die Männer heiraten so früh, um alle schwere Arbeit der lieben Gemahlin – oder auch zweien – zu überlassen. Balinesische Frauen haben es nicht einfach! Rauchen, Frauen, Kaffee und das Glücksspiel, das sind die großen Freuden der indonesischen, besonders der balinesischen Männer!

Auf der anderen Seite haben Männer der ländlichen Bevölkerung Balis meist künstlerische Fähigkeiten und ein geniales Formgefühl, wie man es auf der Welt kein zweites Mal findet. Sie führen das Messer für Holzschnitzereien, den Meißel für Skulpturen aus Stein oder den Pinsel für Gemälde mit einer handwerklichen Sicherheit, die ihresgleichen sucht. Aber Künstler ist auf Bali kein Beruf. Es gibt niemand, der ausschließlich Gamelanmusik macht, niemand, der ausschließlich tanzt oder Bildhauer ist. In erster Linie geht jeder einem anderen Erwerb nach. Dies gilt natürlich nicht für jene, die wie am Fließband Ramsch für die Touristen herstellen.

Die Frauen in Indonesien arbeiten im Allgemeinen hart und balinesische Männer gehen oft aus dem Haus, um Karten zu spielen oder ihre Kampfhähne zu streicheln. Die Frauen kochen, putzen, ziehen die Kinder groß und versorgen auch noch ihre Männer. Ein finanzielles Polster für schlechte Zeiten gibt es nicht. Unter ‚Rationierung‘ können sich die Balinesen meist nichts vorstellen. Solange man Geld hat, wird es ausgegeben, für Tempelfeste, Familienfeiern, Essen und unnütze Sachen. Die Götter werden es schon richten, dass man am nächsten Tag keinen Hunger leiden muss!

Eine Scheidung von ihrem Mann zu erreichen, ist für eine Frau zwar prinzipiell kein Problem, aber sie verliert in Bali dann unwiederbringlich ihre Kinder, die immer beim Mann und seiner Familie bleiben. Auch wenn der Mann stirbt und die Frau wieder heiraten möchte, verliert sie ihre Kinder, die dann zur Familie des verstorbenen Ehemannes müssen. Nur wenn eine Balinesin nicht mit einem Balinesen, sondern mit einem muslimischen Javaner oder einem Chinesen verheiratet ist und sich von diesem scheiden lässt, bleiben die Kinder bei ihr. So ist das ‚Paradies‘ von innen betrachtet doch oft ein zweischneidiges Schwert. Uns kommt es hier paradiesisch und billig vor, wenn man aber die Löhne der Einheimischen betrachtet, dann sieht es schon wieder ganz anders aus.

Im vorigen Kapitel habe ich über Empfängnisverhütung geschrieben, hier soll noch berichtet werden, was die indonesische Frau macht, wenn ihr ein Kinderwunsch nicht erfüllt wird. Dafür sind die Kräuterfrauen, die Ibu Jamu, zuständig. Es sind immer gut und gesund aussehende rotwangige Frauen, mit einem Korb auf dem Rücken, in dem etwa zwei Dutzend Flaschen mit den unterschiedlichsten Kräuter-, Wurzel- und Rindenmischungen untergebracht sind. Sie sind die javanischen Wunderheilerinnen für alles und wandelnde Apotheken. Alle nur denkbaren körperlichen Gebrechen von Krebs bis Impotenz, von Blinddarmentzündung bis Malaria, von bösen Geistern bis zu schlimmen Träumen, alles wird behandelt. Man schildert der Kräuterfrau sein Übel und schon beginnt sie aus den verschiedenen Flaschen eine dagegen wirksame Kräutertrankmischung zusammenzustellen. Ob diese pflanzliche Medizin immer wirkt, ist fraglich, aber die Indonesier schwören darauf und es gibt nicht wenige Europäerinnen, die diesen Kräutermischungen vertrauten und damit zufrieden sind.

Auch unsere Hausangestellten in Jakarta waren gute Kunden bei einer Ibu Jamu. Für oder gegen was sie diese Kräuter einnahmen, blieb aber ihr Geheimnis. Besonders beliebt war die Kräutermedizin zur Förderung einer Schwangerschaft. Auch nach einer Geburt gab es geheimnisvolle Getränke, damit das Neugeborene genügend Muttermilch bekam. Mit Jamus blieben die Frauen nach einer Entbindung normalerweise schlank und rank.

Die wichtigste Einrichtung, damit ein Kinderwunsch erfüllt werden sollte, befindet sich bis heute ganz im Norden Jakartas, im ehemaligen Alt-Batavia. In der Nähe der Reste des ehemaligen Forts, das der holländische Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen17 während der niederländischen Kolonialherrschaft errichten ließ, findet man die ‚Heilige Kanone‘. Niemand weiß, wie alt sie ist und ihre lateinische Inschrift Ex me ipsa renata sum18 gibt auch keinen Hinweis darauf. Es wird jedoch vermutet, dass sie von einem portugiesischen Schiff stammt. Die Portugiesen trieben bereits im 16. Jahrhundert einen regen Handel mit Java.

Die Kanone ist sehr heilig, denn sie ist bis heute ein Symbol der Fruchtbarkeit. Vermutlich ist sie für die javanischen Frauen ein Sinnbild für einen Phallus. Das Kanonenrohr wird heftig in Anspruch genommen. Es wird gestreichelt, es wird geküsst, es wird selbst darauf geritten. Blumen und andere Opfergaben schmücken die Kanone. Als ich vor einigen Jahren das letzte Mal dort war, strömten laufend javanische und chinesische Frauen in Festtagskleidung herbei, um zu beten und das Heiligtum zu berühren. Sie glaubten an die Wunderkraft der Kanone. Aber kann sie auch Wunder vollbringen? Wie mir Frauen aus meinem indonesischen Freundeskreis erzählten, gibt es viele positive Beispiele dafür. Eine der Frauen war jahrelang kinderlos, aber nach dem Besuch der ‚Heiligen Kanone‘ brachte sie sogar Zwillinge zur Welt.

In Banten19 im Westen von Java gibt es eine zweite ‚Heilige Kanone‘. Banten war vom 16. bis ins 18. Jahrhundert der wichtigste Umschlagplatz für Gewürze auf Java. Diese Kanone ist in doppelter Hinsicht heilig. Auch sie soll aus Portugal stammen. Einerseits ist auch sie ein Symbol der Fruchtbarkeit, von dem die Frauen Wunder erwarten. Dann ist sie aber auch ein Zeichen gegen die Kolonialherrschaft der Niederländer gewesen. Es kursierte die Geschichte, dass, wenn es gelänge, die beiden ‚Heiligen Kanonen‘ zusammenzubringen, würde die Herrschaft der Niederländer zu Ende sein. Die Javaner machten mehrere Versuche, die aber alle von den Kolonialherren vereitelt wurden. Ob die beiden Kanonen am 17. August 1945, dem Tag der Unabhängigkeit Indonesiens, vereint wurden, entzieht sich meiner Kenntnis.

11 Weihefest

12 Eine hinduistische Zeremonie

13 Burckhardt, Christian, Ost-Indianische Reise-Beschreibung / Oder Kurtzgefaster Abriß von Ost-Indien / und dessen angräntzenden Provincien : bevorab wo die Holländer ihren Sitz und Trafiquen mainteniren / zusammt beides derselben/ als der Indianer / Lebens-Art und Gebräuche/ so dann einiger Thiere / Gewächse / Edelgesteine und anderer merckwürdigen Begebenheiten […] / Aus eigener Erfahrung zusammen getragen / und auff Begehren guter Freunde zum Druck befördert von Christian Burckhardten / Aus Halle in Sachsen. Halle/Leipzig, 1693 (Reisebericht online verfügbar: https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/61337/7/0/) und Horst H. Geerken, Das Gold der Bandas, S. 115

14 Auch Frick

15 Christoff Frik, Beschreibung von Java, Ceylon und Bali, 1692

16 S. 138

17 Siehe Horst H. Geerken, Das Gold der Bandas, S. 93ff

18 Aus mir selbst heraus wurde ich wiedergeboren

19 Früher Bantam

4 Eine erste Reise nach Ostjava

Als ich 1963 nach Jakarta kam freundete ich mich mit dem Vertreter eines deutschen Chemiekonzerns an, der schon zwei Jahre vor mir nach Indonesien kam. Wir tranken ab und zu ein Bier zusammen und eines Abends erzählte er mir die außergewöhnliche Geschichte seiner ersten Reise nach Ostjava. Ich hatte damals eines der ersten tragbaren Tonbandgeräte der Marke Butoba dabei, mit dem ich seine Erzählung aufzeichnete. Ich gebe daher die kommenden Zeilen in seinen eigenen Worten wieder:

Mein erstes sexuelles Erlebnis mit einer indonesischen Muslima war ganz außergewöhnlich. Als ich 1961 nach Java kam, machte ich mit einem javanischen Geschäftsmann, Soedarmo, der mein guter Freund und Lehrmeister für javanischer Sitten und Gebräuche wurde, eine Reise durch seine Heimat Ostjava. Ein Jahr zuvor hatte ich ihn und seine Frau auf ihrer Reise durch Deutschland begleitet. Wir besuchten gemeinsam Schlösser, Burgen und den Schwarzwald. Besonders interessiert waren die beiden an einem Besuch der Reeperbahn in Hamburg. Die Freizügigkeit der Darbietungen in den dortigen Bars hatte sich Anfang der 1960er Jahre schon bis ins ferne Indonesien herumgesprochen.

Bei unserer Reise durch Mittel- und Ostjava gab es natürlich schon Moscheen, aber noch keine Hotels, nur ganz einfache und nicht sehr saubere Losmens, kleine Gästehäuser. Heute sieht das natürlich ganz anders aus, auf ganz Java findet man nun hervorragende Hotels. Obwohl unser Fahrer täglich mindestens acht bis zehn Stunden mit dem Auto unterwegs war, kamen wir am ersten Tag der Reise nur bis Cirebon an der Nordküste Javas. Die Straßen waren in einem sehr schlechten Zustand. Teilweise war es nur nackter, steiniger Boden mit wassergefüllten Rinnen, über die der Wagen holperte. Löcher, so groß wie Badewannen, mussten umfahren werden. Durch die erzwungene Slalomfahrt kamen wir nur langsam voran. Besonders bei Regen waren die Straßen gefährlich, da die großen Schlaglöcher kaum zu erkennen waren.

Am dritten Tag erreichten wir das kleine Dorf in Ostjava, in dem mein Freund Soedarmo geboren wurde. Als wir in das Dorf kamen, wurden wir zunächst ziemlich abweisend beäugt. Damals, nur wenige Jahre nach dem Ende des Unabhängigkeitskrieges der Indonesier gegen die wiederkehrende Kolonialmacht Niederlande, wurden Fremde – besonders Weiße – noch sehr misstrauisch behandelt. Nach der Unabhängigkeit Indonesiens waren Niederländer noch alles andere als beliebt. Aber als mein Freund Soedarmo laut seinen und meinen Namen sowie unsere Herkunft ausrief, hellte sich die Stimmung sofort auf. In

den 1960er Jahren war es noch üblich, dass sich ein Fremder so identifiziert. Man erinnerte sich noch an die Unruhen nach der Unabhängigkeitserklärung Indonesiens durch Präsident Sukarno und den nachfolgenden Unabhängigkeitskrieg gegen die Niederländer.20Mein Freund war schon viele Jahre nicht mehr in seinem Geburtsort gewesen und wurde daher nicht gleich erkannt. Seit 1945, des Beginns der Unabhängigkeit Indonesiens, war kein Bule, kein Europäer, kein ‚Weißer‘, mehr im Dorf gewesen, weshalb ich auch überall von den Einheimischen wie ein Außerirdischer angestarrt wurde.

Wir übernachteten im Haus des Dorfvorstehers, des Kepala Kampong. In so einem kleinen Dorf hat ein Dorfvorsteher ein ziemlich bedeutungsvolles Amt. Er versah das Amt schon seit vielen Jahren und er wurde von der Dorfbevölkerung geachtet. Bei allen Fragen wurde er zu Rate gezogen. Sein großes Haus, das Fundament gemauert, oben Teakholz, war sehr repräsentativ. Er hatte mehrere Frauen und viele Kinder. Sieben seiner Kinder, darunter zwei Mädchen in jugendlichem Alter, lebten noch zu Hause. Die älteren Jungs waren bereits ausgezogen und arbeiteten in Surabaya. Nach einem reichhaltigen und scharf gewürzten javanischen Essen mit Reis, Gemüse, Fisch und Fleischspießchen, zog ich mich in das mir zugewiesene Gästezimmer zurück. Es war ein kleines, einfach eingerichtetes, aber sehr sauberes Zimmer mit einem großen Bett und einem Tisch mit Stuhl. Ein Schrank fehlte. Mein Freund und ich waren bereits seit dem Morgengrauen unterwegs und von der langen Autofahrt auf den schlechten Straßen sehr müde.

Nach einer damals üblichen, aber sehr erfrischenden ‚Elefantendusche‘ im indonesischen Kamar Mandi mit einem Gayung,21 lag ich nach Anbruch der Dunkelheit bereits im Bett. Kurz vor dem Einschlafen dachte ich noch mit der bei Männern üblichen Übertreibung, dass ich bei so einem kleinen Zimmer bei einer Erektion die Türe öffnen müsse! Hatten mich die Götter Javas erhört?

Ich war nicht schlecht überrascht, als sich die Türe wirklich fast lautlos öffnete. Damals, in den 1960er Jahren, konnte man die Türen nicht verschließen, nicht einmal in den wenigen Hotels auf Java und Bali. Die junge hübsche Tochter des Hausherrn kam zu mir ins Zimmer, ließ ihren Sarong22 fallen und legte sich wortlos und ungezwungen nackt neben mich ins Bett. War es ihr Zimmer, ihr Bett? Sie war schätzungsweise 16 oder 17 Jahre alt. War sie wirklich hübsch? Ich denke schon, natürlich in meiner Erinnerung. Mir fällt dabei gerade der Spruch meines Großvaters ein, der des Öfteren sagte, dass in diesem Alter selbst der Teufel schön wäre!

Ich war völlig verwirrt, denn sie sprach natürlich kein Wort Englisch und ich war erst ganz frisch in dem Lande gerade dabei, die Bahasa Indonesia zu erlernen. Wie sollte ich mich verhalten? Ich ging zu meinen Freund Soedarmo und fragte ihn um Rat. Er erklärte mir, dass dies ein Zeichen der Gastfreundschaft im ländlichen Mittel- und Ostjava sei und ich könnte sie unmöglich ablehnen. Das wäre unhöflich, ein Bruch der Sitten und eine Zurückweisung könnte das Selbstvertrauen des Mädchens nachhaltig erschüttern. Da sie mit Sicherheit nach der Unabhängigkeitserklärung Indonesiens geboren wurde, war ich definitiv der erste Hellhäutige, den die junge Dame in ihrem bisherigen Leben sah und traf. Umso mehr wunderte mich, dass sie sich trotz meiner Fremdheit und trotz ihrer Jugend mit einer angeborenen Natürlichkeit nackt an mich schmiegte. Mein javanischer Freund wurde mit der ein oder zwei Jahre älteren Schwester beglückt. Er war ja auch der Ältere! Als ich zu ihm ins Zimmer platzte, lag auch diese bereits nackt neben ihm.

Für mich als Neuling im Lande war dies natürlich mehr als aufregend! Im trüben Licht einer Petroleumfunzel tasteten wir unsere Körper ab. Sie hatte eine wunderschöne glatte samtene Haut und kleine, noch kindliche feste Brüste. Schon schnell stellte ich fest, dass sie in jungen Jahren in Sachen Liebe schon ziemlich erfahren war. Mit wem hatte sie ‚ES‘ wohl zuvor schon erprobt? Sie hatte ja Brüder! Konnte sie vielleicht nicht schnell genug rennen? Denn zu der Zeit – das ist nun schon fast 60 Jahre her – machte folgendes Sprichwort auf Java die Runde: ‚Wenn ein Mädchen auf Java mit 14 Jahren noch Jungfrau ist, kann sie schneller rennen als ihre Brüder!‘

Wir hatten eine wunderschöne, aufregende Nacht zusammen, die auch sie genoss, bis wir ermattet in einen Tiefschlaf fielen. Ob sie sich – ihren Namen nenne ich absichtlich nicht – wohl auch noch an diese Nacht erinnert? Sie muss nun auch schon an die 70 Jahre alt und Großmutter sein. Vermutlich lebt sie immer noch in diesem Dorf, Betel kauend und ohne Zähne. Ich jedenfalls habe diese Nacht nie vergessen, denn es war mein erstes sexuelles Erlebnis in einem fremden Land mit einer fremden exotischen jungen Frau aus Südost-Asien.

Nach einem entspannten und erholsamen Schlaf wurden wir am Morgen durch den starken Duft des Java-Kaffees – einem Brühkaffee, genannt Kopi Tubruk – und von Nasi Goreng, gebratenem Reis, geweckt. Meine Begleitung der vergangenen Nacht begrüßte mich mit einem umwerfenden Lächeln und mit einer Natürlichkeit, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Ich stotterte einen Guten-Morgen-Gruß hervor, denn damals konnte ich mich noch nicht fließend unterhalten. Zusammen gingen wir ins Kamar mandi, ins Badezimmer, das war damals natürlich ohne Badewanne, ohne Dusche, ohne warmes Wasser. Das Kamar mandi, wie es auf Bahasa Indonesia heißt, bestand aus einem Wasserbecken mit einem Gayung, einer Schöpfkelle, mit der man Wasser aus dem Becken schöpfte und sich über den Körper goss. Diese unter Europäern ‚Elefantendusche‘ genannte Einrichtung war zunächst sehr ungewohnt, aber schon bald genoss ich die Erfrischung. Eine ‚Elefantendusche‘ ist für die Tropen ideal.

Wie selbstverständlich und ohne Scham goss sie Wasser über mich und seifte mich ein. Es war für mich eine gänzlich neue Erfahrung, die ich über alle Maßen genoss. War dies Asien? Hatte dies mein javanischer Freund organisiert und für mich vorbereitet? Mein Freund sagte ‚nein‘! Dies wäre in ländlichen Regionen Javas normal. Das wäre die javanische Gastfreundschaft.

Gerne wäre ich noch eine weitere Nacht geblieben, aber wir hatten ein enges Reiseprogramm mit festgelegten Terminen. Mein Freund drängte und wir mussten leider schon weiter nach Surabaya. Dort hatten wir einen Termin in einem Chemieunternehmen, wo mich mein Freund Soedarmo bei den leitenden Personen vorstellen und einführen wollte. Durch seine herausragende Stellung während des Unabhängigkeitskrieges gegen die Kolonialmacht Niederlande hatte er ausgezeichnete Kontakte zu allen leitenden indonesischen Persönlichkeiten.

So ein fürstliches Gastgeschenk wie in dem Dorf meines Freundes habe ich in den darauf folgenden Jahrzehnten auch nie mehr erhalten. Schade! Ich bin sicher, dass es diese Art der Gastfreundschaft heute nicht mehr gibt. Aber dieses einmalige und exotische Erlebnis aus dem dörflichen Ostjava ist bis heute ganz klar in meiner Erinnerung geblieben.

Vielleicht war auch gerade die Reifezeit der Durianfrucht. Indonesier sind echte Durian-Liebhaber. Je mehr die stachelige Frucht für unsere Nasen stinkt, desto besser sei der Geschmack, sagen sie. Die Durian, deren Name von dem Wort Duri für Stachel kommt, hat aber auch ihre positiven Seiten: Sie ist reich an Proteinen und es wird ihr nachgesagt, ein starkes Aphrodisiakum zu sein. Auf Java gilt daher bis heute das Sprichwort: ‚Wenn die Durian-Früchte vom Baum fallen, ist es die Zeit der Liebe!‘ oder ‚… dann tragen die Frauen die Röcke kürzer!‘

Soweit die Erzählung meines Freundes, dessen Namen ich nicht nennen möchte. Er ist nämlich bis heute noch glücklich verheiratet. Meine erste Java-Reise war 1963, also zwei Jahre später als die meines Freundes. Ich konnte die Erfahrung, wie er sie hatte, leider nicht machen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich nicht den richtigen Javaner als Begleitung hatte. Mein Javaner wollte mir sein Heimatdorf nicht zeigen, das wäre zu weit abgelegen. Sein Wunsch war, in großen Städten, wie es Bandung, Cirebon, Semarang, Yogyakarta oder Surabaya bereits damals schon waren, zu übernachten.

Oskar Speck23, der in den 1930er Jahren mit einem Faltboot von Ulm an der Donau bis nach Australien fuhr, erlebte 1937 auf Java ähnliches wie mein Freund. In dem populären US-Magazin ‘Vanity Fair’ erschien am 10. Januar 2018 ein Bericht über Specks abenteuerliche Reise. Hier der entsprechende Ausschnitt:

He found a warm welcome in Javanese villages. On his first overnight stop a local policeman offered him a Javanese girl for two cents. He turned down the offer. In the next village, he wavered. The chief ’s daughter, a ‘particularly goodlooking’ young woman with naked breasts, enticed him with ‘unambiguous gestures’. Speck played the aloof German, although later he wrote, ‘I stayed up half the night hoping she would show up. I would not have rejected her.‘

20 Für Einzelheiten siehe mein Buch Der Ruf des Geckos

21 Ein traditionelles indonesisches Badezimmer hatte ein großes Wasserbecken, aus dem man mit einem Gayung, einer Schöpfkelle, Wasser über den Körper goss.

22 Ein indonesischer Wickelrock

23 Horst H. Geerken, Hitlers Griff nach Asien, Band 3, Kapitel 58

5 Lange entbehrte Leckerbissen

In den 1960er Jahren waren westliche Lebensmittel in Indonesien noch so gut wie unbekannt. In ganz Jakarta gab es damals kein Brot. Ein ziemlich unappetitliches Toastbrot gab es nur im 40 Kilometer entfernten Bogor bei dem Chinesen Tan Ek Tjong. Der hatte alle Käfer, die sich im alten Weißmehl tummelten, mit ins Brot gebacken. Jede Scheibe musste man vor dem Verzehr gegen das Licht halten und die schwarzen Stellen herauspicken. Man konnte nie alle Käfer erwischen, man aß sie einfach mit.

Butter gab es nur im über 200 Kilometer entfernten Kloster in Lembang, nördlich von Bandung. Dort gab es noch einige katholische Schwestern, die die Kunst des Buttermachens von den Holländern gelernt hatten. Von der damals kleinen deutschen Community fuhr jede Woche ein anderer nach Lembang, um Butter für die Gemeinschaft einzukaufen. Käse und Wurstwaren, auch Supermärkte, waren Anfang der 1960er Jahre selbst in Jakarta noch gänzlich unbekannt. Familien, die nicht selbst Brot backen konnten, aßen täglich Reis oder chinesische Nudeln. Selbst Klopapier war in Jakarta eine Rarität. Wenn einer der Deutschen in Jakarta irgendwo Klopapier auftreiben konnte, ging es wie ein Lauffeuer von Familie zu Familie und jeder rannte los, um noch ein paar Rollen zu ergattern. Zum offiziellen Umrechnungskurs kostete damals eine Rolle über DM 30,–, aber mit Rupiahs zum Schwarzmarktkurs wurde sie bei einer galoppierenden Inflation schließlich erschwinglich!