Ein Dingo auf der Überholspur - Bobo Malone - E-Book

Ein Dingo auf der Überholspur E-Book

Bobo Malone

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Beschreibung

Schund: Das ist Abenteuer und Action pur! In dieser brandneuen Anthologie-Reihe ist für jeden etwas dabei. Fantasy, Science-Fiction, Cyberpunk, Western, Horror, Mystery, nichts muss, alles kann. Wechselnde Autoren stellen in jeder neuen Ausgabe eine ihrer fantastischen Welten und Charaktere vor. Schund ist Pulp in seiner reinsten Form. Rasante Unterhaltung für das 21. Jahrhundert! Ein halblegales Rennen quer über den Kontinent. Ein roter Mustang am Limit. Und Gegner, die bereit sind, jedes Mittel einzusetzen. Stuntfahrerin Sally Cooper lässt sich auf ein gefährliches Straßenrennen ein, bei dem es längst nicht mehr nur um Geschwindigkeit geht. Sabotage, brutale Fahrmanöver und ein skrupelloser Rivale machen jede Etappe zu einem Kampf ums Überleben. Zwischen brennendem Asphalt, blitzschnellen Entscheidungen und einem Gegner, der sie von der Straße drängen will, muss Sally erkennen, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als der Sieg.

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Seitenzahl: 78

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Bobo Malone© 2026 Bobo MaloneAlle Rechte vorbehalten.Bobo MaloneHorner Landstr. 126

22111 Hamburg

[email protected]

Ein Dingo auf der Überholspur

Die Motoren brüllten, und der Geruch von verbranntem Gummi und heißem Öl hing schwer über dem Gelände. Scheinwerfer tauchten die Arena in grelles Licht, und die Tribünen bebten vor Jubel. Überall lagen Schrottautos, Rampen, brennende Fässer und verbogene Metallgerüste, die wie die Überreste eines Schlachtfelds wirkten.

Dann raste sie herein.

Mustang Sally schoss mit ihrem feuerroten Wagen durch das Tor, und der V8 hämmerte wie ein wütendes Herz aus Stahl. Der Lack glänzte wie flüssiges Feuer, während breite Rennreifen Staub und Kies aufwirbelten. Sie riss das Lenkrad herum, zog die Handbremse, und der Mustang driftete quer durch die Arena, Funken sprühten unter dem Unterboden, als Metall über Beton schabte.

Ohne zu zögern jagte sie auf die erste Rampe zu.

Der Turbolader pfiff, als sie Gas gab, der Motor heulte auf, und dann flog der Mustang durch die Luft. Unter ihr lagen die zerquetschten Dächer alter Wracks, scharfkantig wie ein Maul aus Stahl. Der Wagen landete hart, das Fahrwerk arbeitete bis an seine Grenzen, doch Sally hielt die Spur und beschleunigte weiter, noch bevor die Stoßdämpfer sich beruhigten.

Sie raste zwischen brennenden Fässern hindurch, Flammen leckten an den Türen, und die Hitze schlug ihr durch die Scheiben entgegen.

Vor ihr stand die Feuerwand.

Ein Metallrahmen spuckte meterhohe Flammen, und die Luft flimmerte vor Hitze. Sally bremste nicht. Sie presste sich tiefer in den Sitz, hielt das Lenkrad fest und fuhr mitten durch das Feuer. Für einen Augenblick verschwand der Mustang in den Flammen, dann brach er auf der anderen Seite wieder hervor, von Ruß bedeckt, aber ungebrochen.

Die Menge tobte, doch Sally war noch nicht fertig.

Sie riss den Wagen herum und nahm Kurs auf die zweite Rampe, steiler und länger als die erste. Am Ende hing ein alter Schulbus quer über einer Senke aus Autowracks. Sally beschleunigte, der Motor brüllte, als wollte er zerreißen, und der Mustang sprang erneut ab.

Der Flug dauerte eine Ewigkeit.

Der Wagen schrammte knapp über das Dach des Busses, Funken sprühten, als Metall Metall berührte. Dann krachte der Mustang auf der anderen Seite auf den Boden, brach kurz aus, doch Sally fing ihn mit einer schnellen Lenkkorrektur wieder ein.

Zum Abschluss stellte sie den Wagen quer, ließ die Räder durchdrehen, und hüllte die Arena in eine dichte Staubwolke. Der Motor dröhnte noch einige Sekunden, dann stellte sie ihn ab.

Sally stieg aus, nahm den Helm ab, und ihr schweißnasses Haar fiel ihr über die Schultern. Sie hob die Arme, winkte der Menge zu und grinste breit, während ihr Name durch die Arena hallte.

Sally fuhr langsam aus der Arena, während hinter ihr noch immer der Jubel der Menge nachhallte. Der feuerrote Mustang rollte durch das breite Tor in den abgedunkelten Backstage-Bereich, wo der Lärm der Show nur noch dumpf zu hören war. Staub hing in der Luft, und Scheinwerfer warfen lange Schatten über Werkzeugkisten, Ersatzreifen und zusammengeflickte Transporter.

Sie stellte den Wagen ab, ließ den Motor noch einen Moment im Leerlauf laufen und hörte aufmerksam zu. Der V8 klang rau, aber gesund. Dann drehte sie den Zündschlüssel herum, und plötzlich war es still, bis auf das leise Knistern des abkühlenden Metalls.

Sally stieg aus und ging in die Hocke, um den Unterboden zu prüfen. Sie fuhr mit den Fingern über die Stoßstange, fühlte Kerben und frische Kratzer, die der Sprung über den Bus hinterlassen hatte. Dann öffnete sie die Motorhaube. Heißer Dampf stieg auf, und der Geruch von Öl und Benzin lag in der Luft. Sie beugte sich über den Motor, prüfte Schläuche, zog an Kabeln und klopfte mit den Fingerknöcheln gegen das Gehäuse des Turboladers.

Sie griff nach einem Schraubenschlüssel aus ihrer Werkzeugtasche und zog ein paar lockere Schrauben an der Halterung des Ladeluftschlauchs fest. Danach überprüfte sie den Ölstand, wischte den Peilstab sauber, steckte ihn wieder hinein und nickte zufrieden. Sie zog noch eine Schlauchschelle nach, klopfte dem Motor kurz auf den Ventildeckel und murmelte etwas, das wie ein Dankeschön klang.

Gerade als sie die Haube wieder schließen wollte, hörte sie Schritte hinter sich.

„Du behandelst den Wagen besser als die meisten Leute ihre Haustiere,“ sagte eine tiefe, ruhige Stimme.

Sally drehte sich um und grinste. „Wenn er mich mit zweihundert Sachen über Feuer und Schrott trägt, hat er sich ein bisschen Zuneigung verdient.“

Vor ihr stand Clay Murdoch.

Er war ein breitschultriger Mann Mitte fünfzig, mit wettergegerbtem Gesicht und grauen Bartstoppeln, die ihm ständig ein raues Aussehen gaben.

Clay verschränkte die Arme und musterte den Mustang anerkennend. „Verdammt, Sally, der Sprung über den Bus war verrückt. Ich dachte, du reißt dir dabei die Achse raus.“

Sally klopfte auf den Kotflügel. „Nicht mit dem hier. Außerdem weißt du doch, ich baue die Stunts um das Auto herum, nicht das Auto um die Stunts.“

Clay grinste schief. „Deshalb lasse ich dich auch immer fahren. Du bringst mir volle Ränge und halb so viele Krankenwagen.“

Er trat näher, warf einen Blick in den Motorraum und nickte anerkennend. „Sieht gut aus. Ein paar Schrammen, aber nichts, was dich morgen aufhalten würde.“

Clay lehnte sich an eine der Transportkisten und sah Sally einen Moment lang schweigend an. Sein Grinsen war schmaler geworden, nachdenklicher. Es war der Blick, den sie von ihm kannte, wenn er ihr nicht irgendeinen normalen Auftritt anbieten wollte, sondern etwas, das gefährlich nah an Wahnsinn grenzte.

„Sally…“, sagte er schließlich langsam, „ich habe dich für ein Rennen angemeldet.“

Sie hielt mitten in der Bewegung inne.

Der Lappen rutschte ihr aus der Hand und fiel auf den staubigen Boden.

„Was?“

Sie sah ihn scharf an. „Du hast was?“

Clay hob beschwichtigend beide Hände. „Hör mir erst zu, bevor du mir den Kopf abreißt.“

Sally verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick war kühl. „Du meldest mich nicht einfach irgendwo an. Nicht bei einem Rennen. Nicht ohne zu fragen.“

Clay nickte langsam. „Ich weiß. Und genau deshalb habe ich es trotzdem getan.“

Ein kurzes, hartes Lachen entfuhr ihr. „Das ist jetzt deine Erklärung?“

Er schüttelte den Kopf und trat näher an sie heran. Seine Stimme wurde leiser. Ernsthafter.

„Ich habe dich angemeldet, weil du die Einzige bist, die dieses verdammte Ding überleben kann.“

Sallys Lächeln verschwand.

„Clay…“

„Ich meine das so, wie ich es sage“, fiel er ihr ins Wort. „Ich habe in den letzten dreißig Jahren jeden heißen Fahrer gesehen, der geglaubt hat, er wäre unbesiegbar. Und ich habe die meisten von ihnen irgendwann aus verbogenen Wracks ziehen lassen.“

Er tippte mit dem Finger gegen die Motorhaube ihres Mustangs.

„Aber du fährst nicht nur schnell. Du fährst klug. Du hörst auf dein Auto. Und du hast diese… diese kalte Ruhe, wenn alles auseinanderfällt.“

Sally atmete langsam aus.

„Das reicht nicht, um mich einfach irgendwo reinzuwerfen.“

Clay nickte. „Stimmt. Aber es reicht, um zu wissen, dass du dort nicht untergehst.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Ich fahre Shows. Ich fahre Filme. Ich fahre Stunts, die ich vorher bis ins letzte Detail plane.“

Sie sah ihn hart an.

„Keine illegalen Straßenrennen quer über den Kontinent.“

Clay verzog den Mund. „Halblegal.“

Sally hob die Augenbrauen. „Das macht es nicht besser.“

Er grinste kurz, wurde dann aber wieder ernst.

„Hör zu. Die Sache heißt offiziell inoffiziell der Iron Run.“

Der Name blieb einen Moment zwischen ihnen hängen.

„Iron Run?“ wiederholte Sally leise.

Clay nickte.

„Von der Westküste bis an die Ostküste. Keine feste Strecke. Nur Startpunkt, Zielpunkt und eine verdammt lange Liste von Kontrollpunkten, die du in beliebiger Reihenfolge anfahren kannst. Wer zuerst alle Marker bestätigt und am Ziel auftaucht, gewinnt.“

Sally verschränkte die Arme noch fester.

„Und wo ist der Haken?“

Clay lächelte schief.

„Es gibt keine Genehmigung. Keine Absicherung. Keine Streckenposten. Nur ein paar sehr gut bezahlte Leute, die an den Checkpoints warten und deinen Transponder scannen.“

Sally lachte leise, aber ohne jede Heiterkeit.

„Du meinst also… öffentliche Straßen.“

„Highways. Landstraßen. Wüstenpisten. Bergpässe. Städte“, zählte Clay ruhig auf. „Alles, was dieses Land hergibt.“

Sallys Blick wanderte unwillkürlich über ihren Mustang.

„Und die Polizei?“

Clay hob die Schultern.

„Offiziell weiß niemand, dass das Rennen stattfindet. Inoffiziell…“

Er machte eine vage Handbewegung.

„Ein paar Sheriffs gucken weg. Andere nicht. Das ist Teil des Spiels.“

Sally schnaubte.

„Das ist kein Spiel, Clay. Das ist ein Haftbefehl auf Rädern.“

Er sah sie ruhig an.

„Und genau deshalb ist es nichts für Möchtegern-Rennfahrer.“

Sie schwieg einen Moment.

„Warum ich?“, fragte sie schließlich.

Clay zögerte nicht.

„Weil ich diese Show hier kaum noch halten kann. Die Versicherungen drehen mir den Hahn zu. Sponsoren wollen nur noch Streaming-Formate und saubere PR. Aber der Iron Run…“

Sein Blick bekam wieder dieses alte Feuer.

„Der bringt Aufmerksamkeit. Legenden. Geschichten. Und wenn du dort vorne mitfährst… dann redet man wieder über echte Fahrer. Nicht über Influencer hinter getönten Scheiben.“

Er sah ihr direkt in die Augen.

„Und ehrlich? Ich wollte, dass da wenigstens eine Person startet, von der ich weiß, dass sie nicht nur auf Klicks aus ist. Außerdem ist das Preisgeld so hoch, dass ich die finanziellen Lücken stopfen kann und noch ein hübsches sechsstelliges Sümmchen für dich dabei rausspringt.“

Sally presste die Lippen zusammen.

Ihre Skepsis blieb.

Sie spürte dieses leise Ziehen in der Magengrube, das sie immer bekam, wenn etwas gleichzeitig gefährlich und verführerisch war.