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Als Brigitte mit ihrer Familie weg von Melbourne auf eine kleine Insel zieht, glaubt sie, das Glück gefunden zu haben. Und endlich in Sicherheit zu sein. Aber das Idyll ist trügerisch. Denn bald schon taucht ihr Ex-Freund auf, ein Kriminalschriftsteller, und präsentiert auf der Insel seinen neuen Roman – über eine Frau, die ermordet in einem See aufgefunden wird. Nur Stunden später wird eine weibliche Leiche aus dem Wasser gezogen, ganz in der Nähe von Brigittes Haus.
In die Ermittlungen der Melbourne Homicide Squad ist auch der örtliche Cop eingebunden, ihr Mann Aidan, und es scheint, dass er ihr irgendetwas verschweigt. Brigitte stoßen merkwürdige Dinge zu, sie wird von bösen Ahnungen geplagt, ihre Familie gerät in Gefahr. Wem kann sie trauen? Auf wen kann sie sich verlassen? Brigitte ist ganz auf sich selbst gestellt. In einem furiosen Showdown geht es nur um eines: leben oder sterben.
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Seitenzahl: 357
Veröffentlichungsjahr: 2018
Tania Chandler
Ein drittes Leben
Psychothriller
Aus dem australischen Englisch von Karen Witthuhn
Herausgegeben von Thomas Wörtche
Suhrkamp
Ein drittes Leben
Für Mum
Brigitte joggte über die Fifth Parade auf die Uferpromenade zu. Ella schlief in ihrem Kinderwagen, Zippy zog an der Leine. Es war früher Herbst, doch auf Raymond Island verloren die Bäume nie die Blätter. Brigitte mochte diese Jahreszeit nicht, wenn die Tage kürzer wurden, der Winter drohend in der Luft lag. Die Kälte erinnerte ihren Körper an den Schmerz.
Fischerboote, Segelschiffe und Yachten dümpelten an ihren Ankern auf der im Sonnenlicht silbrig funkelnden McMillan Strait. Auf dem Uferweg verringerte Brigitte das Tempo und hielt sich auf der rechten Seite, so weit wie möglich weg vom Wasser. Die Planken waren grau wie alte Knochen, Seegrasbüschel wucherten aus den Spalten hervor. Die Brise trug den Geruch von nassem Hund heran, fast so stark wie der von Eukalyptus in der Luft, und kühlte Brigittes verschwitzten Körper ab. Sie zitterte.
Am ersten Anleger war ein alter Fischer mit dem Vorbereiten seiner Ausrüstung beschäftigt. Um die Pfeiler herum knabberten schwarze Schwäne an Algen und unter Wasser waberndem Seegras, wenn ihre Köpfe und langen Hälse in das dunkle Wasser eintauchten, wackelten die Beine in der Luft wie in einem Zeichentrickfilm.
Brigitte schaute zum Festland hinüber. Jetzt zur Stoßzeit warteten etwa zehn Autos an der Straße aufgereiht auf die Kabelfähre – ohne eigenes Boot der einzige Weg, auf die Insel zu kommen. Sie erkannte den Ford Territory ihres Mannes in der Schlange und wendete Kinderwagen und Hund, um vor ihm zu Hause zu sein.
Am Anfang der Sixth Avenue ließ sie Zippy von der Leine – ein großer, gestromter Blitz, bis er auf den unteren Ästen des Eukalyptusbaums vor ihrem Haus einen Koala erblickte und versuchte, auf den Baum zu klettern. Unbeholfen fiel er um, stemmte die Pfoten gegen den Stamm und bellte laut. Der Koala kletterte völlig ungerührt auf einen höheren Ast und schlief wieder ein.
Nebenan bastelte Harry in seiner Bootswerkstatt unter dem Carport herum. Der Dunst von Leinsamen und Heizöl lag in der Luft. Brigitte winkte.
»Hi, Brigitte.« Seine graubraune Haartolle fiel ihm über die Stirn. Über eine Schulter hatte er eins der Flanellpoliertücher geschlungen, die er en gros bei Lang’s Hardware kaufte. Die besten Lappen in Victoria. »Hab ein paar Zitronen vom Baum für dich.«
»Ich hole sie später. Hab die Hände voll.« Sie zeigte auf den Kinderwagen mit der schlafenden Ella und nickte in Richtung des den Baum attackierenden Zippy.
»Kein Problem.« Harry – Junggeselle, Mitte-Ende vierzig – gehörte zu den jüngeren Leuten auf der Insel.
Der Kinderwagen neigte sich gefährlich auf fünfundvierzig Grad, als Brigitte sich abmühte, ihn auf die hintere Veranda zu ziehen. Sie spürte einen stechenden Schmerz im unteren Rücken – und Panik aufsteigen – und richtete sich langsam auf. Nur ein Zucken. Seit der letzten OP war der Schmerz zu neunundneunzig Prozent verschwunden. Ein gelegentliches Zucken war kein Anlass zur Sorge.
Ella schlief immer noch. Brigitte schob die Tür auf und den Kinderwagen ins mittlere Schlafzimmer, wo das Sonnenlicht die Karussellpferdchen an den Wänden sprenkelte. Als sie Ellas Zimmertür zuzog, hörte sie draußen Reifen auf die Kieseinfahrt knirschen.
Zippys freudig-aufgeregtes Bellen, eine Autotür, die zuschlug, das Tor, das knarrte.
»Zippy, nicht.« Ein quietschendes Lachen, das nicht zu ihm passte. Dann, in der brummigen Hundestimme, zu der der Tierarzt ihnen geraten hatte: »Aus, Zippy.« Ein Ton, auf den Zippy nie hörte. Er bellte, sprang und leckte einfach weiter.
Brigitte kam auf die Veranda und wiegte sich in den Hüften. »Detective Senior Sergeant, ist das eine Pistole in Ihrer Tasche?«
»Wird je der Tag kommen, an dem du das nicht sagst?«
»Nein. Du weißt, ich mag Routine.« Sie küsste ihn, hielt seinen Kopf in den Händen – das dunkle Haar nicht mehr ganz so kurz, das Gesicht nicht mehr so glattrasiert, seit sie aus der Stadt weggezogen waren. Wenn sie auf der Veranda stand und er auf dem Boden, waren sie fast gleich groß.
Er stieg die Stufe hoch, ging zur Tür, putzte sich die Schuhe ab.
»Pst, Ella schläft drinnen«, sagte sie.
Er wandte sich um. »Wo sind die Zwillinge?«
»Bei Emily und Josh.«
Sein Lächeln war schief, der eine Mundwinkel höher als der andere. Manchmal ließ ihn das clever wirken, manchmal selbstgefällig. »Willst du ein Bier?«
»Sicher.« Sie ging in den Garten, um die Wäsche von der Leine zu nehmen, er ins Haus.
Mit zwei kleinen Flaschen Coopers kehrte er zurück, riss die Verschlüsse ab, trank aus einer, stellte beide auf den Tisch und ließ sich auf die uralte schwarze Ledercouch sinken.
»Wie war dein Tag?« Krach: Sie ließ den Plastikwäschekorb auf die Veranda fallen.
»Aufregend wie immer. Kids, die im Park an Sprühdosen schnüffeln. Vieh auf der Straße bei Seale. Ein Typ, der im Supermarkt eine Getränkedose geklaut hatte.«
Sie setzte sich auf seine Oberschenkel, trank einen Schluck Bier und stellte die Flasche mit einer halben Drehung – auf Schmerz achtend – auf den Couchtisch zurück. Nichts. »Wie geht es deiner Schulter?« Sie öffnete die oberen Knöpfe seines Hemdes und zog den Stoff nach unten, um das rosa Narbengewebe um die kreisrunde Wunde herum zu begutachten.
»Schon viel besser«, sagte er, als sie die Stelle küsste.
»Die neuen Uniformen gefallen mir äußerst gut«, sagte sie zwischen weiterem Küssen und Knöpfen.
»Ach, wirklich?«
»Mhm. Vielleicht könntest du dir eine besorgen?«
»Nach der Scheiße in Melbourne hätte ich fast jeden Tag eine tragen müssen.«
»Du würdest sehr sexy aussehen.«
»Ich schaue, was sich machen lässt. Aber nur, wenn du eins von deinen alten Stripperinkostümen rauskramst.«
»Aidan!« Sie richtete sich auf. Er wusste, das Thema war tabu, sie reagierte jedes Mal kratzbürstig.
»Was? Du hast angefangen.« Er zog ihr Gesicht wieder zu sich heran.
Sie vergab ihm schnell – legte sich auf den Rücken und zog ihn auf sich.
»Hoffentlich guckt Harry nicht gerade über den Gartenzaun«, sagte er, während er ihre Bluse hochschob.
»Hab ich dir schon mal gesagt, dass du ein guter Stecher bist?« Sie glitt mit den Händen an ihm herab und öffnete den Reißverschluss seiner Hose.
»In letzter Zeit nicht.«
»Es ist ja auch eine Weile her.«
Er vergrub das Gesicht an ihrem Hals. »Tut mir leid.«
»Pscht. Alles gut.« Sie streichelte ihm übers Haar, legte die Arme nach hinten, fasste die Sofalehne, schloss die Augen und flüsterte ihm ins Ohr, was er mit ihr machen sollte und zwar mehrmals.
In der untergehenden Nachmittagssonne wurde das Bier warm.
Die Badezimmertür stand offen, damit Brigitte die Küche im Blick behalten konnte, während sie Ellas dunkles, welliges Haar wusch. Kein Gejammer, keine Wutanfälle, als sie den Conditioner einkämmte. So ein ruhiges Kind, so viel einfacher als Phoebe mit drei Jahren.
Ella pulte an dem ausgefransten Pflaster auf ihrem Knie.
»Wenn du es langsam abziehst, hält der Schmerz länger an«, sagte Brigitte. »Aber wenn du es schnell abziehst, tut es nur ein paar Sekunden lang weh. Soll ich das machen?«
Ella schüttelte den Kopf und zog ihr Knie schnell unter Wasser.
»Was gibt’s zum Abendessen, Brig?« Aidan öffnete den Kühlschrank und nahm sich noch ein Bier.
»Na ja, ich hatte heute ziemlich viel zu tun, Fitnessstudio, mein Buch lesen, mit Ella spielen, Zippy ausführen Ich bin zu nichts gekommen.« Sie spülte Ellas Haar aus. »Wenn du Nudeln aufsetzt, wärme ich eine Soße aus der Dose auf, wenn wir hier fertig sind.«
»Pub?«
»Du hast doch immer die besten Ideen. Deswegen habe ich dich geheiratet.«
Sie hörte Phoebe hereinstapfen und die Schultasche auf den Boden schmeißen. Finn folgte ihr auf den Fersen.
Aidan sagte: »Nicht die Tür zu-«
Knall. Finn schlug die Fliegentür zu. »Hi, Aidan. Mum. Ella«, rief er, bereits auf dem Weg zu seiner Xbox im Wohnzimmer.
Phoebe lehnte sich an die Frühstücksbar und streckte sich wie eine Katze. Wenn sie den Kopf in den Nacken legte, reichte ihr blondes, seidiges Haar bis an ihre Jeansshorts. Ihr T-Shirt war zu eng – Brigitte nahm sich vor, es bei der nächsten Wäsche in den Mülleimer zu befördern. Die geraden Linien von Phoebes schlankem, kleinen Körper formten sich zu Kurven, neun schien viel zu jung dafür. Bitte lass sie nicht so werden, wie ich war, wünschte sich Brigitte jeden Tag. Aber das war kaum zu befürchten. Bei all der Liebe, die sie umgab. Und mit einem Polizisten als Stiefvater.
»Ich hab Hunger. Was gibt’s zum Essen, Aidan?«, fragte Phoebe.
»Ruf im Pub an und frag.«
»Die sagen Pommes.«
Ein Krachen vor dem Badezimmerfenster. Brigitte sprang auf, ein schlurfendes Geräusch ertönte, Zippy bellte.
»Was zum Teufel!« Aidan knallte sein Bier auf die Frühstücksbar und lief ins Badezimmer.
Brigitte sah ihn mit gerunzelter Stirn an. »Nichts passiert. Wahrscheinlich bloß ein Koalabär.« Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und spähte aus dem Fenster, doch draußen war es zu dunkel.
Ella blickte mit zitternder Unterlippe von Aidan zu Brigitte. Brigitte hob sie aus der Wanne, wickelte sie in ein Handtuch und trug sie auf der Hüfte in die Küche.
Aidan nahm eine Taschenlampe und ging nach draußen.
»Was ist denn, Mummy?« Phoebes Augen waren weit aufgerissen, sie sah aus, als wäre sie wieder fünf.
Finn schlitterte auf Socken über die farbigen Dielen. »Warum bellt Zippy so?«
»Keine Ahnung.« Brigitte legte den Arm um Phoebe.
»Aidan sollte seine Pistole mit nach Hause bringen«, sagte Finn.
»Sei nicht albern.«
»Die Leute mögen Polizisten nicht.«
»Hör auf, Finn.«
»Oder deren Familien.«
»Wo hast du das denn her?«
Er zuckte die Achseln, tippte mit einem Fuß auf den Boden, betrachtete ihn. Im Socken war ein Loch.
Das Bellen hörte auf. Schritte und Pfoten auf der Veranda. Aidan schob die Tür auf. Zippy war neben ihm, wedelte mit dem Schwanz und japste, ein dummer, glücklicher Ausdruck im Gesicht, die Zunge hing zu einer Seite aus dem Maul wie eine dicke Scheibe Schinken. Phoebe lief zu Aidan. Ella wand sich aus Brigittes Armen und folgte ihrer großen Schwester.
»Was?«, fragte Brigitte.
Aidan zuckte die Schultern, die Mädchen hingen an ihm.
»Ein Koalabär?« Brigitte sah, dass die Taschenlampe in seiner Hand zitterte.
»Das sind keine Bären, Brig.«
Vor Laurie Hunt hatten seine Hände nie gezittert.
Brigitte starrte aus dem Fenster. Sonnenlicht und Schatten warfen Streifen auf den gepflegten Rasen von Gip TV, grüne Feuchtigkeitsflecken zogen sich am durstigen grauen Zaun hoch. Sie wandte den Blick wieder dem Computer zu und klopfte mit zwei Fingerspitzen auf die Maus, zu dem angeforderten fünfzehnsekündigen TV-Werbespot für Wassertanks wollte ihr partout nichts einfallen. Sie öffnete Facebook und biss von ihrem Salatbrötchen ab.
»Rate mal, wer morgen in Lakes sein wird?«
Kumiko, die Rezeptionistin, schlich sich immer von hinten an. Brigitte schluckte den Bissen herunter. »Keine Ahnung.«
»Rate.«
»Keine Ahnung. Nick Cave?«
»Nein. Gibst du auf?«
Brigitte nickte und schlürfte Apfelsaft durch den Strohhalm.
»Matt Elery.«
Kumiko wartete, bis Brigitte nicht mehr hustete, und sagte dann: »Signierstunde bei Lakes Books.«
Brigitte sog einen großen Schluck ein.
»Hast du was von ihm gelesen?«
»Ist nicht mein Ding.« Sie öffnete eine Schublade, gab vor, etwas zu suchen, und schob sie mit einem Knall wieder zu. »Hast du die Info für den Metron-Werbespot schon fertig?«
»Sein neuer Roman spielt hier.«
Brigitte drehte sich mit dem Stuhl herum.
»Er hat es fiktionalisiert, aber alle sagen, es ist Gippsland. Es geht um einen Polizisten, dessen Frau tot in einem See gefunden wird. Der Titel ist Tot im Wasser.«
Brigitte schnaubte verächtlich. »So würde er das Buch niemals nennen. Niemand würde ein Buch so nennen.«
»Er schon. Willst du hin?«
»Wohin?«
»Zur Signierstunde.«
Sie drückte die Hände auf die Stuhllehnen. »Ich habe morgen was vor.«
Cam, der Produzent, legte ihr ein DIN-A4-Dokument auf den Schreibtisch und klopfte erst mit den Fingerknöcheln darauf, dann mit den ganzen plumpen Fingern. Kumiko huschte an den Empfangstisch zurück.
»Was ist das?« Brigitte sah in Cams faltenloses Gesicht.
»Das Skript für den Bairnsdale-Bauernmarkt.«
»Was ist damit?«
»Nichts. Du musst dafür vor die Kamera.«
Sie runzelte die Stirn und rieb ihr eines Auge.
»Der Star ist nicht aufgetaucht, und wir müssen jetzt drehen.«
Sie schüttelte den Kopf. »Nein.«
»Oh doch. Muss vor dem Wochenende ins Programm. Maree Carver kommt her, um auf dem Markt ihr neues Kochbuch vorzustellen.«
»Nimm Kumiko. Sie ist gern im Fernsehen.«
»Nein. Du bist hier die Einzige, die zur Beschreibung passt: weiß, sympathische Ausstrahlung, Ende zwanzig.«
Über Ende zwanzig musste sie lachen.
»Ja, wir drücken echt ein Auge zu.«
»Verpiss dich.«
»Komm schon. Dauert nicht lange. Den Text kannst du im Auto lernen.«
Brigitte band sich eine Bairnsdale-Bauernmarkt-Schürze um, während Cam die Ausstellungsküche wie das Bühnenbild einer Kochshow einrichtete: Designer-Kochutensilien, frische Kräuter auf Schneidebrettern, kleine Schüsseln voller Öl, Gewürze, roher Eier. Dazu legte er deutlich sichtbar eine Metron-Homes-Broschüre auf die Granitplatte – kostenlose Werbung, weil sie die Küche nutzen durften.
Auf einer Buchstütze stand Marees Familienkochbuch: Maree Carver in blau-weiß-gestreifter Schürze, die von einer altmodischen, wannenartigen Schüssel aufsah, ein Fernsehlächeln im Gesicht. Brigitte schlug ein Kuchenrezept auf und sah Cam beim Entwirren von Kabeln und dem Einrichten von Kamera und Licht zu. Johnno, der Beleuchter, gönnte sich einen Krankheitstag.
Cam brachte einen Tritthocker, auf den sie sich stellen sollte, und grinste. »Für die größenmäßig Minderbemittelten.« Er schüttete eine Fertigbackmischung in eine Schüssel und fragte, ob sie eine Probe wolle.
»Nein, dreht einfach. Umso schneller ist es vorbei.« Ein Gedanke wehte heran wie Staub: Wie sieht Matt Elery wohl jetzt aus? Der Gedanke verflog, als Cam ihr die Hand unter die Schürze steckte. »Mein Gott, Cam! Was machst du da?«
»Oh, bitte! Ich versuche nur, das Mikro zu befestigen. Hier, mach du’s.« Er gab ihr das Mikrofon. »Steck’s dir in den Ausschnitt.«
Sie klebte sich das winzige Mikro mit doppelseitigem Klebeband auf die Haut, fädelte das Kabel unter Schürze und Bluse hindurch und steckte den Empfänger in die hintere Hosentasche. Dabei rechnete sie nach: Er müsste jetzt siebenundvierzig sein.
Als sie glaubte, Cam sei bereit, blickte sie in die Kamera und sagte ihren Text auf: »Ich koche wahnsinnig gern für meine Familie und bin sehr –«
»Ich war noch nicht bereit. Du musst warten, bis ich ›Action‹ sage.«
Sie stöhnte.
»Okay. Kamera läuft, und Action.«
»Ich koche wahnsinnig gern für meine Familie und freue mich sehr, dass Maree Carver von Achtung, fertig, kochen! nach Bairnsdale kommt.« Sie hielt sich an das Skript – betrachtete mit gewinnendem Lächeln das Kochbuch und hielt dabei einen Krug Milch über die Schüssel.
Eine blasse Erinnerung an Matt: Er trägt knielange Jeansshorts und ein weißes T-Shirt, die Füße sind nackt. Sie macht sich Sorgen, dass er auf der Straße in eine Spritze treten könnte. Er wirkt so fehl am Platz in diesem Stadtteil – frisch und leuchtend vor all dem Schmutz. Sie schaut aus einem Taxifenster, sieht auf der anderen Straßenseite seine blauen Augen aufblitzen. Kam sie oder ging sie? War das das letzte Mal, das sie ihn gesehen hat? Nein, Jahre später kam er zu ihr ins Krankenhaus. »Maree wird diesen Samstag auf dem Bairnsdale-Markt Kochvorführungen ab-«
»Schnitt! Bairnsdale-Bauernmarkt. Komm schon, Brig, du hast den Text selber geschrieben, du solltest ihn kennen.«
Sie biss sich auf die Zunge.
»Fertig? Denk daran: freundlich, glücklich, glücklich – du bereitest deinen Kindern und deinem sexy Ehemann eine wunderbare Mahlzeit zu.«
Ein Schuldgefühl regte sich in ihrer Brust. Wofür? Gedanken zählen nicht.
»Läuft, und Action.«
»Maree wird diesen Samstag auf dem Bairnsdale-Bauernmarkt Kochvorführungen abhalten.« Sie legte die Stirn in Falten und versuchte, verwirrt auszusehen, wie das Skript es vorschrieb. »Ziehe oder hebe ich unter? Der Unterschied ist mir nie klar.« Sie zuckte die Achseln, goss die Milch in die Schüssel und rührte mit einem Holzlöffel um.
»Okay, super. Machen wir’s noch mal.« Cam kam nach vorne und füllte den Krug neu auf. »Und mit ein bisschen mehr Energie.«
Sie drehten wieder.
Und wieder.
Und wieder.
»Was stimmt diesmal nicht?«
»Nichts. Ich brauche für den Zusammenschnitt nur ein bisschen Auswahl. Zu viel ist besser als nicht genug.«
Sie verdrehte die Augen. »Du hast gesagt, es werde nicht lange dauern.«
»Hängt vom Star ab.«
»Verpiss dich.«
Siebzigerjahremusik – »Kiss You All Over« – schmalzte von irgendwoher heran.
Cam sah sich um. »Wo zum Teufel kommt das her?«
Brigitte zuckte die Achseln. Die Musik wurde lauter.
»Aus deiner Tasche, Brig!«
Sie japste auf, rannte zu ihrer Handtasche und angelte ihr Handy heraus. Aidan. Mehr Schuldgefühle. »Sehr witzig.«
»Was?«
»Meinen Klingelton zu ändern.«
»Ich wusste, er gefällt dir. Was willst du?«
»Du hast mich angerufen.«
»Ich hab dich zurückgerufen.«
»Tut mir leid. Mein Handy muss dich versehentlich angerufen haben. Ich habe wieder vergessen, den Bildschirm zu sperren.«
»Was hast du an?«
Sie wandte Cam den Rücken zu. »Aid! Ich bin bei der Arbeit.«
»Ich auch. Habe gerade zwei Beamte auf eine heiße Spur in der Ross Street geschickt. Der Verdächtige pflückt Rosen aus dem Vorgarten irgendeines alten Kerls.«
»Sind Rosen nicht Frühlingsblumen?«
»Ich wusste schon immer, du würdest eine gute Ermittlerin abgeben. Wenn wir wieder Leute einstellen, sage ich dir Bescheid.«
Sie warf einen Blick über die Schulter. Cam tappte ungeduldig mit dem Fuß.
»Wie wär’s, wenn ich rüberkomme und dich zum Mittagessen einlade?«
»Geht nicht. Ich bin mittendrin. Ist auch ein bisschen spät fürs Mittagessen.«
»Ich bin offen für andere Vorschläge. Ich könnte Uniform tragen.«
»Ich muss auflegen.«
»Sag nicht, ich hätte es nicht angeboten.«
Eine Pause. Lag da etwas in der Stille?
»Alles okay?«, fragte er.
»Was sollte nicht okay sein?«
»Bis heute Abend.«
Sie legte auf und wandte sich zu Cam um. Er sah auf die Uhr. »Stimmt es, was man über Italiener sagt?«
Sie verzog den Mund.
»Er ist doch Italiener, oder, dein Mann?« Er stellte die Kamera ein. »Hat er Brüder?«
»Zwei Schwestern.«
»Oh. Noch mal von vorne. Bereit. Diesmal wird’s. Glücklich, glücklich, und Action.«
Wahrscheinlich hatte Matt eine Glatze. Und Übergewicht. Sie setzte ein breites falsches Lächeln auf. »Und Sie können bei einem tollen Quiz mitmachen.« Sie war mit dem Taxi von der Führerscheinstelle gekommen. Sie sieht so glücklich aus, obwohl man ihr gesagt hatte, dass sie auf dem Foto für den vorläufigen Führerschein nicht lächeln soll. Sie fühlt sich leicht. Sie wird es ihm sagen. Sie wusste nicht mehr genau, warum sie es ihm nicht gesagt hatte, es war verschwommen – Fotos, zerbrochene Dinge, Brüllerei auf der Treppe, Türen, die geschlossen wurden. Ihr Kind wäre jetzt achtzehn. Diesen Gedanken hatte sie all die Jahre vergraben. Sie wedelte mit der Hand und stieß die Schüssel mit den Eiern um. »Scheiße!«
»Brigitte!«
Sie wischten das Ei auf, richteten das Set neu ein und fingen von vorne an.
Um sechzehn Uhr drehten sie immer noch. Ihr tat vom Lächeln das Gesicht weh.
»Sie können auch bei einem tollen Quiz mitmachen und großartige Preise gewinnen, darunter Kochbücher und die neuesten Küchengeräte.« Sie rührte noch einmal mit Kraft um und blickte freudig in die Kamera. »Lassen Sie sich dieses tolle Ereignis nicht entgehen.«
Laut Skript musste sie den Teig probieren und das Gesicht verziehen. Sie hob den Löffel mit der flüssigen, weißen Mixtur an den Mund und probierte. »Ich muss da auf jeden Fall hin«, sagte sie direkt in die Kamera.
»Schnitt!« Cam lachte.
»Was jetzt?«
»Vielleicht probierst du besser nicht. Es sieht aus, als hättest du gerade jemandem einen geblasen.«
***
Als Brigitte mit ihrem X-Trail auf dem Parkplatz der Paynesville Primary School hielt, vibrierte ihr Handy. Eine Nachricht von Cam: Dinner für Gip TV Angestellte mit Maree Carver im Bateau House heute Abend 8pm. Sie stöhnte – der Tag mit Cam war lang genug gewesen, sie hatte keine Lust, da auch noch hinzugehen. Sie antwortete mit der Notlüge, dass sie nicht kommen könne, weil eins der Kinder krank sei.
Die Zwillinge waren die Letzten im Schulhort. Die Lehrerin war sauer, als Brigitte endlich kam. Und sie war auch spät dran damit, Ella aus dem Kindergarten abzuholen.
»Ich bin am Verhungern. Was gibt’s zum Abendessen, Mum?«, fragte Finn vom Rücksitz.
»Für mich keinen Fisch«, sagte Phoebe.
»Ich besorge dir Kartoffelpuffer.«
»Und Pommes«, sagte Ella.
»Nein, wir machen zu Hause einen Salat.«
Während die Kinder maulten, ging Brigitte in Joes Laden.
Sie schob den Regenbogen aus Plastikstreifen aus dem Weg und betrat den Laden, in dem zwei mit rotkarierten Tischdecken bedeckte Tische standen. An einem saß Joe vor dem Kreuzworträtsel in der Zeitung und summte zu klassischer Musik. Er lächelte, stützte sich mit den Händen auf den Knien ab, erhob sich steif, zuckte zusammen – sie kannte diese Art Schmerz.
Während er hinter die Theke ging, erkundigte er sich nach den Kindern. Brigitte spähte durch das mit Fischen und Luftblasen bemalte Ladenfenster und bekam mit, dass Finn gerade Phoebe ärgerte, Phoebe schrie und Ella zwischen den beiden heulte. Die Autoscheiben beschlugen. Sie sah wieder Joe an und fragte, wie es ihm ging.
»Ganz gut. Das kalte Wetter ist schlecht für meine Knochen. Sylvia meint, wir sollten nach Norden ziehen.« Er ordnete die Broschüren auf der Theke. »Hab vor ein paar Tagen Detective Aidan gesehen. Auf der Rückseite der Insel haben irgendwelche Typen illegal gefischt.«
»Ja, davon habe ich gehört.« Eine Brise wehte über die Bass Strait heran und bewegte die Plastikstreifen an der Tür. Brigitte zog sich den Mantel fester um die Schultern und bestellte vier Stück Fisch und ein paar Kartoffelpuffer.
»Plattfisch ist heute gut.«
»Haben die Gräten?«
»Die Filets sollten kaum welche haben. Schmeckt gut mit Parmesan und Joghurt überbacken.«
Sie zog die Nase kraus und sagte, sie werde bei Glatthai bleiben, gegrillt.
»So abenteuerlustig.«
Sie zuckte die Achseln.
Während er den Fisch zubereitete, einpackte und ihr Geld nahm, plauderten sie über das Wetter und die Kinder.
»Gehen Sie auf den Bauernmarkt?«, fragte er. »Maree Carver kommt.«
»Ich weiß.«
»Wir lieben sie. Gucken sie immer im Fernsehen.«
Das Lenkrad fest umklammernd fuhr Brigitte auf der Fähre in Reihe eins und stellte den Motor ab. Hitze kribbelte wie Ameisen in ihrem Körper. Sie kurbelte das Fenster herunter. Die Kinder beschwerten sich, es sei zu kalt.
Scott, der Fährbetreiber, kam, um Hallo zu sagen. Auf dem Oberdeck lief leise seine Countrymusik: »Back in My Baby’s Arms Again«.
»Hab gedacht, du arbeitest donnerstagabends nicht mehr«, sagte sie, während sie ihre Ärmel aufrollte.
»Der Neue hat sich krankgemeldet.« Scotts lose sitzendes Sweatshirt blähte sich unter seiner Neonweste, als er weitere Autos an Bord winkte. »Hab gehört, du hast ein Abendessen mit dem Fernsehboss und deinen Schickimickifreunden.«
Sie lachte. »Gibt es hier unten irgendwas, das nicht jeder über jeden anderen weiß?«
»Nö.« Er wanderte über die drei Reihen des Autodecks und kletterte die Gitterrosttreppe zur Fährkabine hinauf, an dem Schild vorbei, auf dem stand: Die Passagiere sind verpflichtet, den Anweisungen des Fährbetreibers unbedingt Folge zu leisten.
Die Fähre vibrierte unter den Füßen und knarrte im Wind. Ächzend hob sich die hydraulische Rampe. Wie immer verwandelte sich die Panik von Hitze in Eiswasser, das die Arme entlang in ihre Fingerspitzen lief. Sie sah ihre weißen Knöchel das Lenkrad umkrallen und entspannte die Finger. Krach: Die Kettenräder griffen in die unter Wasser liegenden Ketten und begannen, die Fähre über die einhundertfünfzig Meter breite Wasserstraße zwischen Lake Victoria und Lake King zu ziehen. Brigitte zog die Ärmel herunter und kurbelte das Fenster hoch.
Der Boden des Autos schien unter ihr wegzufallen, wie in einem Aufzug. Über den gegrillten Fisch hinweg stiegen ihr Dieselschwaden in die Nase, als sie in den Bauch atmete – langsam, ein durch die Nase, aus durch den Mund – und zählte: eine Technik, die der Psychologe ihr nach ihrem Zusammenbruch nach dem Tod ihres ersten Mannes beigebracht hatte. Eine Technik, die sie wiederaufgenommen hatte, nachdem Aidan bei der Razzia in Laurie Hunts Haus angeschossen worden war.
So schlimm ist es nicht immer, log sie sich selbst an. Du bist einfach nur müde. Sie blendete das Genörgel der Kinder aus, schloss die Augen und machte sie erst wieder auf, als die Fähre gegen die Betonrampe auf der Insel stieß.
Zippy führte sich auf, als wären sie einen Monat lang weg gewesen. Er sprang an Brigitte hoch und stieß sie mit dem Rücken gegen das Tor. Das verrostete untere Scharnier gab endlich nach. Sie brüllte den Hund an. Die Kinder rannten ins Haus, und Zippy wandte seine Aufmerksamkeit ihnen zu.
Brigitte steckte den Kopf durch die Tür und rief, sie werde zu Harry gehen, um Zitronen fürs Abendessen zu holen.
Auf dem Weg stellte sie sich auf Zehenspitzen und untersuchte den Rahmen des Badezimmerfensters. In der morgendlichen Eile hatte sie die Aufregung von gestern Abend ganz vergessen. Unten am Fenster waren einige Spuren zu sehen. Dellen, Kratzer? Sie streckte sich, um das Holz abzutasten, dabei blätterte Farbe ab. War hier etwas dagegengelehnt oder -geschoben worden? Wahrscheinlich waren die Spuren schon immer da gewesen. Sie trat einige Schritte zurück. An dem Baum vor dem Badezimmerfenster war ein Ast abgebrochen, der tief genug hing, um im Wind gegen das Fenster zu schlagen. Das war alles gewesen – es erklärte das Krachen. Ein fetter Koala, high vom Eukalyptus, war hochgeklettert, zu schwer für den Ast gewesen und aus dem Baum gefallen. Aidan hatte mal wieder überreagiert.
Sie packte den Ast und zog mit aller Kraft, bis er ganz abbrach.
Harrys Kombi stand nicht vor dem Haus. Sie ging an einem in seiner Werkstatt aufgebockten Boot vorbei. Auf der Werkbank stand ein ungeöffnetes Paket von Lang’s Hardware.
Auf der Veranda fand sie einen Bierkasten halbvoll mit Zitronen und eine Nachricht, die in einen Riss in der Verkleidung der Sicherheitstür gesteckt war: Brig und Aid. Besuche meine Mutter. Morgen wieder da. Nehmt euch Zitronen und bedient euch aus dem Gemüsegarten. Harry.
Der Rasen hinter dem Haus war frisch gemäht. Einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzend, schritt sie den ordentlichen Ziegelsteinpfad zwischen den Gemüsebeeten entlang. Was machte Zippys Quietscheente hier zwischen den Salatpflanzen? Sie hob das Spielzeug auf. Frecher Hund. Sie würden endlich das Gartentor reparieren müssen.
Aidan kam eine halbe Stunde später nach Hause – sie mussten sich an der Fähre knapp verpasst haben. Sie begrüßte ihn auf der Veranda. »Detective Senior Sergeant, ist das eine Pistole in Ihrer Tasche?«
Heute Abend schien er das weder amüsant noch süß zu finden. Irgendetwas war passiert. Sie folgte ihm ins Haus.
»Nicht küssen, nicht küssen«, rief Ella kichernd, stellte sich zwischen sie, schob sie auseinander. Aber sie küssten sich nicht.
Brigitte berichtete ihm, dass Zippy wieder durch das Tor entwischt war, doch er wirkte abgelenkt und ging zum Kühlschrank, um Ellas neuestes Bild zu bewundern.
»Wow! Du bist eine große Künstlerin. Das ist das beste Bild, das ich je gesehen habe«, sagte er, ohne es wirklich betrachtet zu haben.
»Das ist eine Kuh und ein Bauer und die Sonne«, sagte Ella. »Für dich, damit du es mit zur Arbeit nehmen kannst.«
Er bedankte sich, kniete sich für eine Umarmung und einen Kuss auf den Boden, und sie rannte los, um Phoebe zu ärgern. Er öffnete die Kühlschranktür, holte zwei Bierflaschen heraus, gab eine Brigitte. »Hab gehört, du wirst berühmt.«
»Ja, klar.« Sie schnaubte lachend.
Finn schrie aus dem Wohnzimmer, dass Aidan kommen und mit ihm Xbox spielen solle.
»Gleich, okay?«
»Musst du noch Hausaufgaben machen?«, rief Brigitte.
Keine Antwort.
Aidan ging ins vordere Schlafzimmer, das eigentlich das hintere Schlafzimmer war, aber sie kamen und gingen nie durch die Vordertür, und zog sich um. Brigitte folgte ihm, stand in der Tür und sah ihm zu. Ein Stirnrunzeln, ein kleines Zucken, als er das Hemd auszog und ein T-Shirt überstreifte.
»Tut deine Schulter weh?«, fragte sie.
»Bisschen.«
»Kann ich irgendwas tun, um dich abzulenken?«
»Vielleicht später.«
Er zog die Hose aus, faltete sie zusammen, legte sie aufs Bett und holte eine Jeans aus der Kommode.
»Ist sonst alles in Ordnung?«
Er schob die Schublade zu. »Was gibt’s zum Essen?«
»Fisch und Salat.«
Er zog die Jeans an. »Hab auch gehört, dass dein Ex-Freund morgen in Lakes Entrance sein wird.«
Sie spürte ihren Hals rot anlaufen und trank einen Schluck Bier. Wie ihre Tage als Stripperin war auch das Thema Matt Elery tabu.
»Gehst du hin?«, fragte er, ordnete sich und zog den Reißverschluss zu.
»Warum sollte ich?«
»Keine Ahnung.« Er sah ihr in die Augen, forderte sie heraus, den Blick abzuwenden. »Um mal zu gucken.«
Sie hielt seinem Blick stand, trank Bier und hörte sich schlucken.
Die vom East Gippsland Shire Gemeinderat geäußerte Absicht, die Fahrpreise für die Fähre nach Raymond Island zu erhöhen, verärgert die Anwohner, sagte der 2GR-Moderator im Kofferradio auf der Frühstücksbar.
Brigitte schüttelte den Kopf.
Etwa fünfhundertvierzig Menschen leben auf der winzigen Insel in der Salzwasserseenlandschaft Gippsland, bekannt für seine große Koalapopulation und eine Kolonie seltener Delfine. Der Bürgermeister findet: »Wer hier wohnen will, sollte auch bereit sein, dafür zu zahlen.«
»Mistkerl«, sagte sie.
»Redest du wieder mit dem Radio?«
Sie spürte Aidans Blick im Rücken, als sie sich bückte, um einen Teller aus der Spülmaschine zu nehmen.
»Du siehst gut aus.«
»Ich muss heute zur Arbeit.« Sie richtete sich auf, drehte sich aber nicht um.
»Ich dachte, Freitag ist Mummy-und-Ella-Tag.«
»Ich nehme sie mit. Es ist nur für eine Stunde oder so.« Sie drehte sich um, er nahm ihr den Teller aus der Hand.
»Ist ein langer Weg für eine Stunde Arbeit. Lässt sich das nicht von zu Hause erledigen?«
»Cam will über diesen bescheuerten Bauernmarkt-Werbespot reden.« Anstatt ihm in die Augen zu sehen, betrachtete sie die Knöpfe an seinem Hemd. Der obere hing am seidenen Faden. Sie sollte ihn bitten, ein anderes Hemd anzuziehen, und den Knopf für ihn annähen. Sie nahm ihm den Teller wieder ab und stellte ihn auf die Frühstücksbar. Der Radiomoderator verkündete, der Meteorologe sage zwanzig Grad und Sonne voraus, am Abend gebe es eine Wetteränderung.
Als der Toast aus dem Toaster ploppte, machte Brigitte einen Satz.
Im Kreisverkehr am Ortsrand von Bairnsdale zögerte sie. Im Rückspiegel waren keine Wagen zu sehen. Dunkle Wolken zogen sich zusammen, das Wetter schwang schneller um als vorhergesagt.
Ella wollte wissen, wohin sie fuhren.
Brigitte wischte sich die Handflächen an ihrem neuen Country-Road-Rock ab. »Wir treffen nur jemanden von der Arbeit.« Sie holte tief Luft, hielt den Atem an, atmete aus und setzte den Blinker in die Richtung, die den Traralgon Gip TV Studios entgegengesetzt lag. Der Geschmack von Toast stieg ihr in der Kehle hoch. Aidan würde Bescheid wissen. Er wusste immer alles.
Sie fuhr an einem Crime-Stoppers-Plakat am begrünten Seitenstreifen vorbei: Wenn Sie etwas sehen, reden Sie mit uns. Sie hätte Aidans losen Hemdknopf annähen sollen. Sie fuhr an die Seite und drehte um.
Nach einigen Kilometern wendete sie wieder. Der Himmel vor ihr war klar. In dieser Gegend war es grüner. Die Pappeln neben der Straße widerstanden dem Wind.
Fünfundvierzig Minuten später tauchte vor ihnen Lakes Entrance auf, und Brigitte und Ella schnappten beim Anblick des tiefblauen Wassers nach Luft.
Der Motor des X-Trails knackte, als der Wagen auf dem Uferparkplatz abkühlte. Ella plapperte mit ihrer Puppe. Durch die Scheibe sahen die Lakes ruhig aus, die gelben Mietpaddelboote spiegelten sich auf der Wasseroberfläche. Brigitte konzentrierte sich auf ihre kurzen Fingernägel, die durchsichtig lackiert waren – der einzige Nagellack, den sie im Badezimmerschrank gefunden hatte. Ihre Hände zitterten.
Sie warf einen Blick auf ihr Handy: E-Mails – nichts Neues; Facebook – das Baby einer Freundin hatte sich beim Frühstück mit Müsli vollgekleckert, Cams Welpe trug einen neuen Hundepulli. Eine Nachricht von ihrem Bruder Ryan: Hey, Schwesterherz. Was geht? WASA. HDL. Sie hatte keine Ahnung, was WASA bedeutete. Und Was geht – WTF? Sie würde ihn später anrufen.
Sie kramte einen neuen Lippenstift aus der Handtasche und befreite ihn aus der Verpackung. Unten stand der Name Harmonie aufgedruckt. Sie drehte sich den Rückspiegel zurecht und stabilisierte den Ellbogen mit der Hand, während sie den Lippenstift auftrug.
Ella wollte wissen, was sie da mache und ob sie bei der Arbeit seien.
»Ich habe mir gedacht, wir gehen stattdessen ein Buch kaufen.« Sie rieb die Lippen aufeinander. Nur mal gucken.
Am Ende eines langen, harten Tages steht Detective Robert Moore (der Name klang bekannt, sie wusste nur nicht, woher) am Seeufer eines gottvergessenen Fischerdorfs im ländlichen Victoria. Unter ihm bergen Polizeitaucher die Leiche einer Frau aus dem Wasser.
Als sich die Tote im See als Moores Ehefrau herausstellt, verliert er die Kontrolle. Hatte er sie überhaupt?
TOT IM WASSER ist ein Roman über das Dunkle, das unter der Oberfläche lauert: Mord, Korruption und Liebe bis zur Besessenheit.
Brigitte drehte das Buch um. Der glänzend rote Titelaufdruck war auf einen Sturmhimmel gemalt, unter dem ein einsames Fischerboot auf schwarzem Wasser trieb. Sie legte das Buch auf den mit königsblauem Pannesamt ausgelegten Tisch.
»Für wen soll ich die Widmung schreiben?«, fragte er, ohne aufzusehen. Keine Glatze. Kein Übergewicht.
Ein nervöses Lächeln zuckte um ihren Mund. »Courtney.«
Er hob den Kopf und schob das graublonde Haar aus den Augen, die die Farbe von königsblauem Pannesamt hatten. Die halbmondförmige Narbe unter seinem linken Auge hatte sie völlig vergessen.
»Brigitte!«
»Hi, Kurt.«
»Mein Gott, was machst du denn hier?«
Er trug keinen Ehering. Sie versteckte die linke Hand hinter dem Rücken. Dämlich. Sie warf einen Blick zur Kinderecke hinüber. Ella lag zusammengerollt auf einem Sitzsack und war in ein Bilderbuch vertieft. Die neuen lila Stiefel, die Aidan ihr gekauft hatte, steckten an den falschen Füßen.
»Ich wohne jetzt hier unten. Auf Raymond Island.« Sie fummelte an ihrem Handtaschenträger herum.
»Nicht in dem Haus, ... in dem wir damals waren?« Seine Wangen färbten sich rosa.
Sie spürte ihre ebenfalls rot werden, als sie an die anderen Narben auf seiner Brust dachte, über ihr, vom Mondlicht erhellt. Ihr Magen flatterte. Wieder neunzehn. »Mein Großvater hat es uns überlassen, als Aidan nach Bairnsdale versetzt wurde.«
»Du hast diesen Polizisten geheiratet?«
»Zwei nacheinander.« Natürlich wusste er das.
»Bisschen aufregender als ein Schriftsteller.«
Als wäre das je eine Option gewesen. Sie nieste – im Buchladen war es staubig, neben den Neuerscheinungen stand ein Regal mit Second-Hand-Büchern.
»Der Typ, der da unten die Fähre betreibt, kam vorhin vorbei. Er meinte, er habe mein Buch drei Mal gelesen.«
»Scott?«
»Nein, irgendein anderer Name.« Er sah an ihr vorbei, die Leute hinter Brigitte traten von einem Fuß auf den anderen und räusperten sich. »Kannst du kurz warten? Geh einen Kaffee trinken. Ich brauche nicht mehr lange.« Er schrieb etwas in ihr Buch und gab es ihr zurück.
Sie zögerte, blickte wieder zu Ella hinüber. »Das Café ein paar Häuser weiter.«
Er nickte. Ella kam angerannt und umarmte Brigittes Bein. Matt lächelte und schenkte ihr ein Dr. Seuss-Lesezeichen.
Brigitte bezahlte Tot Im Wasser und das neue Buch von Mem Fox für Ella, bar, damit Aidan den Kauf nicht auf der Kreditkartenabrechnung fand. Im Gehen sah sie über die Schulter. Matt lächelte und nickte, während er einer Frau zuhörte, die ihm eine umständliche Geschichte zu erzählen schien und mit den Händen in der Luft fuchtelte. Er wandte den Kopf, fing Brigittes Blick auf, und sie stieß gegen einen blonden Typen, der gerade durch die Tür kam. Sie ließ das Buch fallen, der Blonde hob es auf und entschuldigte sich, obwohl es ihre Schuld gewesen war.
Das Café war in Rot und Schwarz und Metall eingerichtet und wurde von Neonlampen wenig schmeichelhaft erleuchtet – in diesem Licht sah man immer gelbsüchtig aus. Brigitte strich die Haut unter ihren Augen mit den Mittelfingern glatt, als ließen sich so die feinen Fältchen, die Jahre wegreiben.
Sie nippte an ihrem fettarmen Milchkaffee, ihre Hand zitterte, die Tasse klapperte, als sie sie in die Milchpfütze auf der Untertasse stellte.
Ella sah von Good Night, Sleep Tight auf – an ihrer Oberlippe klebte ein Babycino-Schnurrbart. Brigitte lächelte und senkte rasch den Kopf, als sie Kumiko am Café vorbei auf den Buchladen zueilen sah.
»Arbeitet der Mann aus dem Buchladen bei dir?«
Brigitte blinzelte.
»Kann ich einen Keks haben?« Ella hatte einen gewitzten Ausdruck im kleinen Gesicht. »Mit Smarties drauf.« Sie wandte ihre dunklen, neugierigen Augen – Aidans Augen – wieder dem Buch zu, und Brigitte ging zur Theke, um einen Keks zu kaufen.
Sie saßen eine ungewöhnlich lange Zeit schweigend da – vielleicht eine ganze Minute. Als die Musik aufhörte, nahm Brigitte das Ticken der Wanduhr wahr. Als dann der verdammte Gotye-Song – »Somebody That I Used to Know« – einsetzte, nahm sie ihre Handtasche und stand auf. »Weißt du was?«, fragte sie. »Das ist ja eigentlich unser Mummy-und-Ella-Tag, deswegen gehen wir jetzt. Ich muss den Mann nicht sehen.«
»Wird er nicht böse sein?«
»Nein.«
Ella murrte, weil sie den Babycino noch nicht ausgetrunken hatte. Brigitte nahm sie fest an der Hand, sie hatte es auf einmal eilig. In der Tür drehte sie sich um und sah sich selbst im Spiegel an der Rückwand des Cafés. Eine Mutter, alt, langweilig. Die dunklen Schatten unter ihren Augen waren selbst von hier noch erkennbar – sie hatte sich die ganze Nacht hin- und hergewälzt und überlegt, ob sie herkommen sollte oder nicht. Sie richtete sich auf und strich den Rock glatt, er war zu kurz für jemanden in ihrem Alter. Was zum Teufel hatte sie sich gedacht?
Gotye setzte zum nervtötenden Refrain an. Brigitte betrachtete die halb ausgetrunkenen Tassen – an ihrer klebte Harmonie-Lippenstift –, die verlassen auf dem rot lackierten Tisch standen. Würden sie da noch stehen, wenn Matt hereinkam?
Die Sonnensegel in Primärfarben warfen dreieckige Schatten auf den Sand des Spielplatzes. Brigitte saß am Picknicktisch und starrte durch die dunkle Sonnenbrille hindurch Lake Victoria an, der hinter der Spielplatzmauer lag. Auf den graugrünen Wellen tanzten Bojen, ein Stück entfernt schaukelte ein Fischerboot.
Als sie an Matts ersten Kuss dachte, rieb sie sich die Gänsehaut von den Armen. Gott, das war fast zwanzig Jahre her. Sie sitzen im Young and Jackson’s, um die Ecke von seinem Arbeitsplatz, und trinken. Es hat geregnet, doch jetzt ist die Sonne hervorgekommen, und über dem Bahnhof Flinders Street leuchtet ein Regenbogen.
Aus irgendeinem Grund muss sie gehen. Sie schiebt sich vom Barhocker und stellt sich auf Zehenspitzen, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben, doch er dreht den Kopf, und so wird es der Mund. Sie konnte sich nicht erinnern, wie der Kuss sich anfühlte, aber sie erinnerte sich an den roten und goldenen Teppich, seine Körperwärme, den Geruch von – was war das auf seiner Haut? Gewürz? Zitrone? – Zimt und Bergamotte. Straßenbahnen rattern vorbei, und auf der anderen Straßenseite blinkt an einem Laden neben dem Bahnhof ein rotes Neonschild: City Hatters. Den Laden gab es immer noch – bei ihrem letzten Besuch in der Stadt war sie daran vorbeigefahren.
»Mummy, Mummy.«
Sie blinzelte und sah Ella mit baumelnden Füßen auf der Schaukel sitzen, die Sonne warf goldene Streifen auf ihr langes, dunkles Haar.
»Kannst du mir bitte Schwung geben?«
Sie lächelte, rieb sich über das Gesicht – rieb die Gedanken weg – und ging zu Ella. Als sie sich auf dem Weg um eine Feuerwehrstange drehte, tat ihr danach der Arm weh. Kaum zu glauben, dass sie damit mal acht Stunden die Nacht ihren Lebensunterhalt verdient hatte.
***
Das Wetter hatte sich verschlechtert, es war grau und nieselte, als sie auf dem Weg von der Schule nach Hause die Esplanade erreichten. Ein Polizeiwagen versperrte den Weg. Constable Brandon Williams leitete den Verkehr um die Wellington Street herum. Brigitte hielt den X-Trail an, kurbelte das Fenster herunter und fragte, was passiert war.
»Ein Zwischenfall am Wasser in der Nähe des Restaurants Bateau House.«
Sie bemerkte, dass Brandon die Kinder auf der Rückbank ansah, und fragte nicht, was für ein Zwischenfall. Ihr Magen verwandelte sich in eine riesige Schnecke.
Brandon las ihre Gedanken. »Aidan ist da unten.«
Sie nahm die Umleitung, parkte im Wartebereich der Fähre neben der Straße und befahl den Kindern, im Auto zu bleiben. Finn stieg aus und wollte ihr folgen. Sie schrie ihn an, er solle wieder einsteigen, und lief auf das blauweiß gestrichene Restaurant zu.
Der uniformierte Polizist am Ende der Victoria Street hatte gerade mit einer Gruppe Jugendlicher zu tun, die in die Straße wollten. Brigitte schlüpfte unbemerkt an der Straßensperre vorbei, den hellen Mantel zugeknöpft, Nieselregen im Gesicht.
Sie zog die Kapuze über und schlang die Arme um sich, während sie vom Ufer aus eine Szenerie beobachtete, die sie an den Klappentext von Matts Buch erinnerte. Der Zugang zum See war vom Bateau House bis zum Fährenwartehäuschen von der Polizei mit Flatterband abgesperrt worden. Spurensicherer und Kriminaltechniker machten Fotos und Notizen. Jäger und Sammler nannte Aidan sie. Außerdem waren ein paar Polizisten in Zivil vor Ort, die Brigitte nicht kannte. Mordkommission Melbourne? Einer watete durch das flache Wasser, die Anzughose bis über die Knie hochgerollt. Aidan stand am Kai, das Jackett ausgezogen, Neonweste an, die Hemdsärmel hochgerollt. Er sagte etwas zu dem Mann im Wasser. Der stolperte, fiel auf die Knie ins Wasser, fluchte.
Brigitte legte die Hände über den Mund und hielt die Luft an, als ein Team von Polizeitauchern einen leblosen Körper auf den Kai hievte, nahe dem Pfosten, an dem ein oranger Rettungsring hing. Darüber stand auf einem Schild: Rettungsringe retten Leben. Sie wandte den Blick ab, als die Leiche in einen Sack gelegt wurde. Das rote Signallicht der Fähre spiegelte sich in den Glastüren des Restaurants.
»Gehen Sie zurück!« Senior Constable Carla Flanagan, die neue Ermittlerin, kam herbeigeeilt. Brigitte hatte nicht die Absicht, näher heranzugehen. Flanagan – groß, Ende zwanzig, hübsch, die blonden Locken zu einem festen Pferdeschwanz gebunden – duckte sich unter dem Flatterband durch, packte Brigitte an der Schulter und drängte sie mit Gewalt zurück. Flanagan sah aus, als würde sie viel Zeit im Sportcenter verbringen und könnte einem ohne große Mühe den Arm brechen.
Aidan sah es und kam ans Flatterband. Flanagan trat einen Schritt zurück. Aidan nickte und sagte Brigitte, alles sei okay, tiefe, ruhige Stimme. Auf seinen langen Wimpern lagen Regentropfen. »Geh nach Hause. Nein – geh zu Harry.«
Sie wollte wissen, was passiert war, was hier los war, wusste man, wer die Leiche war, doch sie nickte, ihre Knie zitterten, ihre Kehle war wie zugeschnürt.
»Ich komme, sobald ich kann«, sagte Aidan. Sein oberster Hemdknopf hing am seidenen Faden.
Vor dem Fährenwartehäuschen stand ein Aufsteller: WICHTIG. UM GEGEN DIE NEUEN FÄHRPREISE ZU STIMMEN, MÜSSEN SIE ZUM NÄCHSTEN GEMEINDERATSTREFFEN KOMMEN.
Brigitte fuhr weiter und parkte ganz vorne in Reihe drei. Der »neue Typ« steuerte die Fähre. Er trug eine rote Sonnenbrille im Regen, schob sich das rötlichbraune Haar aus dem Gesicht und legte Hände voller Sommersprossen auf den Fensterrahmen. Sie kannte ihn aus dem Fitnessclub: um die vierzig, viele Muskeln, schaute ständig in den Spiegel.
»Ein Fischer hat kurz nach Mittag die Leiche im Wasser entdeckt«, sagte er.
Brigitte deutete auf die Kinder.
Er grinste sie an. »Na, war’s schön in der Schule?«
Brigitte hatte ihn an der Schule noch nie gesehen, aber er sah aus wie einer dieser sportlichen Väter, die die Rugbymannschaft trainierten, den Elternbeirat leiteten und in der Freizeit in der Kantine aushalfen.
Er dämpfte die Stimme und wandte sich wieder an sie. »Hier war heute Nachmittag alles voller Polizei.« Die Augen waren hinter der Sonnenbrille versteckt, aber sein leichtes Lächeln wirkte vertrauenswürdig. »Ich bin Jeremy Williams.« Er hielt ihr die Hand hin.
Sie erwiderte das Lächeln und nahm die rechte Hand vom Lenkrad. Sie war kalt und feucht wie ein Fisch, aber Jeremy schüttelte sie mit genau der richtigen Festigkeit. »Nicht mit Brandon verwandt?«
