Beschreibung

Als ihr Vater stirbt, verlieren die ungleichen Schwestern Meredith und Nina Whitson ihren größten Rückhalt. Auf dem Totenbett hat er ihnen das Versprechen abgenommen, sich um die Mutter zu kümmern, die ihr Leben lang kalt und abweisend zu ihren Töchtern war. Als es ihr immer schlechter geht, rückt die Familie enger zusammen. Die ungewohnte Nähe ist eine große Herausforderung für alle. Doch ein dramatischer Zwischenfall lässt die Vergangenheit in neuem Licht erscheinen.

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Seitenzahl: 604

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Das Buch

Zutiefst erschüttert über den Verlust ihres geliebten Vaters, sind die ungleichen Schwestern Meredith und Nina gezwungen, nach langer Zeit wieder an einem Strang zu ziehen. Denn der letzte Wunsch ihres Vaters war, dass sie sich um ihre pflegebedürftige Mutter kümmern. Schon nach kurzer Zeit fallen die drei Frauen in alte Verhaltensmuster zurück. Die Mutter behandelt ihre Töchter so kühl und distanziert wie früher, Meredith kümmert sich aufopferungsvoll um alles und jeden, und die erfolgreiche Fotojournalistin Nina sucht Zuflucht in ihrer Arbeit. Die drei Frauen versuchen sich mit der gegebenen Situation bestmöglich zu arrangieren. Doch plötzlich wirft ein dramatischer Zwischenfall ein ganz neues Licht auf die Vergangenheit.

Die Autorin

Kristin Hannah, Jahrgang 1960, hat zahlreiche Bestseller veröffentlicht und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einer kleinen Stadt in der Nähe von Seattle, Washington.

Von Kristin Hannah sind in unserem Hause bereits

erschienen:

An fernen Küsten · Immer für dich da

Insel des Lichts · Was wir aus Liebe tun

Wer dem Glück vertraut

Wer zu lieben wagt

Kristin Hannah

Ein Garten im Winter

Roman

Aus dem Amerikanischen von Marie Rahn

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www.ullstein-taschenbuch.de

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Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch

1. Auflage Januar 2012

© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2012

© 2010 by Kristin Hannah

Titel der amerikanischen Originalausgabe: Winter Garden (St. Martin’s Press, New York)

Umschlaggestaltung: ZERO Werbeagentur, München nach einer Vorlage von Tom Hallman

Titelabbildung: Getty Images

Satz und eBook:

Für meinen Mann Benjamin, wie immer;für meine Mutter – ich wünschte, ich hätte Dir früher öfter zugehört, als Du aus Deinem Leben erzähltest;für meinen Vater und Debbie – danke für den langen Weg, den ihr mit mir zurückgelegt habt, und für die Erinnerungen, die noch länger überdauern werden; und für meinen geliebten Tucker – ich bin sehr stolz auf Dich. Dein eigenes Abenteuer fängt gerade erst an.

Nein, nicht meine Wunde: die eines anderen.

Ich hätte sie nie überlebt. Also nimm das,

was passiert ist, versteck es, vergrab es tief.

Lösch alle Lichter …

Nacht.

Anna Achmatowa

aus Gedichte von Achmatowa

Prolog

1972

Am Ufer des mächtigen Columbia lag die Obstplantage Belije Notschi in tiefem Winterschlaf. In dieser Jahreszeit, da jeder Atemzug sichtbar wird, streckten, so weit das Auge reichte, schlafende Apfelbäume ihre kräftigen Wurzeln tief in den kalten, fruchtbaren Boden. Als die Temperatur immer weiter fiel und alle Farbe aus Erde und Himmel wich, entstand durch das allgegenwärtige Weiß eine Winterblindheit, in der die Tage nicht mehr voneinander zu unterscheiden waren. Alles gefror und wurde zerbrechlich.

Nirgendwo war die Stille deutlicher als im Haus der Whitsons. Mit ihren zwölf Jahren hatte Meredith bereits die Leere entdeckt, die sich zwischen Menschen verdichtet. Wie sehr wünschte sie sich eine Familie wie im Fernsehen, wo alles immer perfekt wirkte und jeder zurechtkam. Niemand, nicht mal ihr geliebter Vater verstand, wie allein sie sich oft in diesem Haus fühlte. Als wäre sie unsichtbar.

Aber morgen Abend würde sich alles ändern.

Sie hatte einen brillanten Plan ersonnen. Sie hatte nach einem der Märchen ihrer Mutter ein Theaterstück geschrieben und würde es bei ihrer Weihnachtsparty aufführen. Genau so etwas hätte auch in einer Folge von Die Partridge-Familie stattfinden können.

»Wieso kriege ich denn nicht die Hauptrolle?«, maulte Nina. Das hatte sie schon mindestens zehnmal gefragt, seit Meredith das Stück fertig hatte.

Meredith drehte sich auf ihrem Stuhl um und blickte hinunter zu ihrer neunjährigen Schwester, die auf dem Fußboden ihres gemeinsamen Zimmers saß und auf ein altes Bettlaken ein mintgrünes Schloss malte.

In dem Bemühen, nicht die Stirn zu runzeln, biss Meredith sich auf die Unterlippe. Das Schloss war krumm und schief; die Proportionen stimmten hinten und vorn nicht. »Müssen wir das wirklich noch mal durchkauen, Nina?«

»Ja, wieso kann ich nicht das Bauernmädchen sein, das den Prinzen heiratet?«

»Das weißt du doch. Jeff spielt den Prinzen, und er ist schon dreizehn. Neben ihm würdest du einfach albern wirken.«

Nina steckte den Pinsel in die leere Suppendose und hockte sich auf die Fersen. Mit ihren kurzen schwarzen Haaren, den leuchtend grünen Augen und der bleichen Haut sah sie aus wie ein Kobold. »Darf ich dann nächstes Jahr das Bauernmädchen spielen?«

»Versprochen«, meinte Meredith grinsend. Ihr gefiel die Idee, eine Familientradition zu begründen. All ihre Freundinnen hatten Familientraditionen, nur die Whitsons nicht, die waren schon immer anders gewesen. Es gab weder Scharen von Verwandten, die sie zu Feiertagen besuchten, noch Truthahn an Thanksgiving oder Lamm zu Ostern, nicht mal Gebete vor dem Essen oder Schlafengehen. Sie wussten ja nicht mal genau, wie alt ihre Mutter war.

Das lag daran, dass ihre Mom Russin war und keine Angehörigen in Amerika hatte. Zumindest behauptete ihr Dad das. Die Mutter erzählte kaum etwas über sich.

Als es klopfte, war Meredith überrascht. Sie blickte auf und sah, dass Jeff Cooper und ihr Vater ins Zimmer kamen.

Auf der Stelle fühlte sich Meredith wie einer der großen, schlaffen Heißluftballons, die langsam mit Luft gefüllt werden und immer mehr Form annehmen. In ihrem Fall war Jeffrey Cooper die Luft. Seit der vierten Klasse waren sie dicke Freunde, aber in letzter Zeit fühlte es sich anders an, mit ihm zusammen zu sein. Aufregend. Manchmal stockte ihr der Atem, wenn er sie ansah. »Du kommst genau richtig zur Probe.«

Er bedachte sie mit seinem atemberaubenden Lächeln. »Du darfst es nur nicht Joey und den Jungs erzählen. Dann könnte ich mir endlos blödes Zeug anhören.«

»Ach, die Probe«, sagte ihr Dad und trat einen Schritt vor. Er trug noch Arbeitskluft, einen braunen Overall mit orangefarbenen Ziernähten. Überraschenderweise umspielte kein Lächeln seinen buschigen schwarzen Schnäuzer, und selbst seine Augen blickten ernst. Er nahm das Manuskript und hielt es in die Höhe. »Ist das dein Theaterstück?«

Meredith stand auf. »Meinst du, es gefällt ihr?«

Nina erhob sich ebenfalls. Ihr herzförmiges Gesicht war ungewöhnlich ernst. »Ja, meinst du?«

Die drei blickten sich über die Kulisse mit dem grünen Picassoschloss und über die auf dem Bett ausgebreiteten Kostüme an. Die Wahrheit, die sie einander nur mit Blicken vermittelten, war, dass Anja Whitson eine kalte Frau war. Was sie an Wärme aufbringen konnte, schenkte sie ihrem Mann. Für ihre Töchter blieb so gut wie nichts übrig. Als sie noch jünger waren, hatte ihr Vater dies zu verbergen versucht und ihre Aufmerksamkeit nur kraft seiner blendenden Zuneigung auf sich gezogen, wie ein Magier, doch wie bei allen Illusionen schimmerte die Wahrheit letzten Endes doch hervor.

Daher war allen klar, was Merediths Frage bedeutete.

»Ich weiß es nicht, Meredoodle«, antwortete der Vater und griff auf der Suche nach einer Zigarette in seine Tasche. »Die Geschichten deiner Mutter –«

»Ich höre ihr unheimlich gern zu«, sagte Meredith.

»Nur dann spricht sie wirklich mit uns«, fügte Nina hinzu.

Der Vater zündete sich die Zigarette an, kniff seine braunen Augen zusammen und blickte durch die graue Rauchspirale zu ihnen. »Ja«, sagte er und atmete aus. »Nur …«

Vorsichtig, um nicht auf die Kulisse zu treten, ging Meredith zu ihm. Sie verstand, warum er zögerte. Keiner von ihnen wusste, was genau ihre Mom berührte, aber dieses Mal war Meredith sich sicher, eine Möglichkeit gefunden zu haben. Wenn ihre Mutter eines liebte, dann war es dieses Märchen über ein kühnes Bauernmädchen, das es wagte, sich in einen Prinzen zu verlieben. »Es dauert nur zehn Minuten, Dad. Ich habe es gestoppt. Es wird allen gefallen.«

»Na dann, gut«, war er schließlich einverstanden.

Meredith spürte, wie Stolz und Hoffnung in ihr aufwallten. Dieses eine Mal würde sie die Party nicht in irgendeinem dunklen Winkel verbringen und lesen oder in der Küche den Abwasch erledigen. Dieses Mal würde sie im Zentrum der mütterlichen Aufmerksamkeit stehen. Dieses Theaterstück würde beweisen, dass Meredith sich jedes einzelne kostbare Wort ihrer Mutter gemerkt hatte, obwohl es leise und im Dunkeln zur Schlafenszeit geäußert worden war.

In der nächsten Stunde half Meredith ihren Schauspielern durchs Stück, obwohl eigentlich nur Jeff Hilfe brauchte. Denn sie und Nina hatten das Märchen jahrelang immer wieder gehört.

Später, als die Probe vorbei war und alle auseinandergegangen waren, machte Meredith sich wieder an die Arbeit. Sie malte ein Schild, auf dem EINMALIGE VORSTELLUNG ZUM FEIERTAG und ihre drei Namen standen. Sie besserte notdürftig die Kulisse aus (sie ganz zu retten, war unmöglich, da Nina wie immer über die Konturen gemalt hatte) und stellte sie dann ins Wohnzimmer. Nachdem die Bühne fertig war, nähte sie Pailletten auf den Tüll des Ballettröckchens, den die Prinzessin am Ende des Stücks tragen sollte. Als sie schließlich ins Bett ging, war es zwei Uhr morgens, und selbst da war sie noch so aufgeregt, dass sie lange nicht einschlafen konnte.

Der nächste Tag schien sich endlos in die Länge zu ziehen, aber schließlich, gegen sechs Uhr, trudelten die Gäste ein. Es waren nur wenige, die üblichen Bekannten: Arbeiter der Obstplantage und ihre Angehörigen, ein paar Nachbarn. Und die einzige lebende Verwandte des Vaters, seine Schwester Dora.

Meredith saß auf dem oberen Treppenabsatz und blickte hinunter zur Eingangshalle. Nervös tappte sie mit dem Fuß auf und wartete auf den rechten Zeitpunkt für ihren großen Auftritt.

Gerade, als sie aufstehen wollte, hörte sie ein schepperndes Gongen.

O nein! Sie schoss in die Höhe und stürzte die Treppe hinunter, aber es war zu spät.

Nina stand in der Küche, schlug mit einer Suppenkelle auf einen Topf und brüllte: »Showtime!« Niemand konnte einem besser die Show stehlen als Nina.

Gelächter ertönte, und die Gäste strebten von der Küche ins Wohnzimmer, wo neben dem großen Kamin die Schlosskulisse am Leinwandhalter aufgespannt war. Rechts davon stand der mächtige Weihnachtsbaum, der mit bunten Lämpchen und dem Weihnachtsschmuck dekoriert war, den Meredith und Nina über die Jahre selbst gebastelt hatten. Vor der Kulisse war die Bühne: ein kleines Podest auf dem Holzboden und eine Straßenlaterne aus Pappe, auf die eine Taschenlampe geklebt worden war.

Meredith dimmte das Wohnzimmerlicht, schaltete die Taschenlampe ein und verschwand hinter der Kulisse. Nina und Jeff warteten dort bereits in ihren Kostümen.

Sie hatten nur wenig Platz. Wenn sie sich zur Seite beugte, konnte sie ein paar der Gäste sehen, und diese konnten auch sie sehen, aber sie fühlte sich dennoch geschützt. Als die Gespräche verstummten, holte Meredith tief Luft und begann mit der Einführung, die sie sich so sorgfältig ausgedacht hatte. »Ihr Name ist Vera, und sie ist ein armes Bauernmädchen, ein Niemand. Sie lebt in einem magischen Land namens Schneereich, aber ihre geliebte Heimat droht zu schwinden. Das Böse ist in ihr Land gedrungen; ausgesandt von einem finsteren Ritter, rollt es in schwarzen Kutschen über die Straßen aus Kopfsteinpflaster und will alles zerstören.«

Dann trat Meredith auf die Bühne und achtete darauf, nicht über ihren langen, mehrlagigen Rock zu stolpern. Sie überblickte das Publikum und entdeckte ihre Mutter im Hintergrund, auch jetzt seltsam allein in der Menge, das schöne Gesicht verschleiert von Zigarettenrauch. Ausnahmsweise sah sie Meredith direkt an.

»Komm, Schwester«, sagte Meredith laut und ging zur Straßenlaterne. »Wir lassen uns nicht von der Kälte aufhalten.«

Nina trat hinter der Kulisse hervor. Sie trug ein verschlissenes Nachthemd und ein Kopftuch, blickte zu Meredith auf und rang die Hände. »Glaubst du, es ist der Schwarze Ritter?«, schrie sie und löste damit leises Gelächter im Publikum aus. »Bewirkt er mit seiner schwarzen Magie diese Kälte?«

»Nein. Nein. Mich fröstelt, weil unser Vater verschwunden ist. Wann wird er zurückkommen?« Meredith presste sich den Handrücken gegen die Stirn und seufzte dramatisch. »Mittlerweile sind die Kutschen überall. Der Schwarze Ritter gewinnt an Macht … vor unseren Augen lösen sich die Menschen in Rauch auf …«

»Sieh da«, sagte Nina und zeigte zur Schlosskulisse. »Der Prinz kommt …« Sie schaffte es, ihrer Stimme einen ehrfürchtigen Klang zu verleihen.

Jeff betrat ihre kleine Bühne. Angetan mit Jeans, blauem Sportsakko und einer billigen Goldkrone auf seinem weizenblonden Haar sah er so gut aus, dass Meredith kurz ihren Text vergaß. Sie wusste, dass ihm unwohl und peinlich zumute war – seine glühenden Wangen verrieten dies mehr als deutlich –, aber dennoch war er hier und zeigte, welch ein guter Freund er war. Und er lächelte sie an, als wäre sie wirklich eine Prinzessin.

Nun streckte er ihr zwei Seidenrosen entgegen. »Ich habe Rosen für dich«, verkündete er mit unsicherer Stimme zu Meredith.

Sie berührte seine Hand, doch bevor sie etwas erwidern konnte, hörte man ein lautes Klirren.

Meredith fuhr herum und sah, dass ihre Mutter wie erstarrt in der Menge stand. Ihr Gesicht war bleich, die blauen Augen weit aufgerissen und von ihrer Hand tropfte Blut. Sie hatte ihr Cocktailglas zerbrochen, und selbst aus der Entfernung konnte Meredith die Scherbe sehen, die aus ihrer Handfläche ragte.

»Das reicht«, sagte ihre Mutter scharf. »Das ist wohl kaum die rechte Unterhaltung für eine Party.«

Die Gäste wussten nicht, was sie tun sollten. Einige standen auf, andere blieben auf ihren Plätzen sitzen. Stille senkte sich über das Zimmer.

Der Vater bahnte sich einen Weg zu seiner Frau. Er legte ihr den Arm um die Schultern und zog sie an sich. Zumindest versuchte er es, aber sie ließ es nicht zu, nicht mal bei ihm.

»Ich hätte euch niemals diese albernen Märchen erzählen sollen«, meinte sie, und vor lauter Zorn klang ihr russischer Akzent noch härter. »Ich vergaß, wie romantisch und dumm Mädchen sein können.«

Vor lauter Scham konnte Meredith sich nicht rühren.

Sie sah, wie ihr Vater ihre Mutter in die Küche führte, wo er sie wahrscheinlich sofort zur Spüle schob, um ihre Hand zu säubern. Die Gäste suchten so schnell das Weite und verließen das Haus, als befänden sie sich auf der Titanic und strebten zu den Rettungsbooten.

Nur Jeff starrte Meredith unverwandt an, und sie sah, wie peinlich ihm die Situation um ihretwillen war. Die Rosen immer noch in seiner ausgestreckten Hand, trat er auf sie zu. »Meredith –«

Sie drängte sich an ihm vorbei und rannte aus dem Zimmer. Am Ende der Eingangshalle blieb sie stehen und verbarg sich schwer atmend und mit brennenden Augen in einer dunklen Nische. Sie konnte die Stimme ihres Vaters in der Küche hören; er versuchte seine zornige Frau zu beschwichtigen. Eine Minute später fiel leise die Haustür zu, und sie wusste, dass Jeff heimgegangen war.

»Was hast du denn gemacht?«, fragte Nina leise und trat zu ihr.

»Was weiß ich?«, erwiderte Meredith und wischte sich über die Augen. »Sie ist so ein Miststück.«

»Das sagt man aber nicht.«

Meredith hörte, dass Ninas Stimme zitterte, und wusste, wie sehr ihre Schwester bemüht war, nicht zu weinen. Sie griff nach ihrer Hand.

»Was machen wir jetzt? Sollen wir sagen, es tut uns leid?«

Unwillkürlich dachte Meredith an die letzte Gelegenheit, als sie ihre Mutter geärgert und sich dafür entschuldigt hatte. »Das interessiert sie sowieso nicht, glaub mir.«

»Was machen wir dann?«

Meredith versuchte, sich so erwachsen zu fühlen wie noch am Morgen, doch ihr Selbstvertrauen war dahin. Sie wusste, was passieren würde: Ihr Dad würde die Mutter beruhigen und danach in ihr Zimmer kommen. Er würde sie zum Lachen bringen, sie in seine großen, starken Arme nehmen und ihnen erzählen, wie lieb ihre Mom sie hätte. Wenn er dann mit seinen Scherzen und Geschichten fertig wäre, würde Meredith ihm verzweifelt glauben wollen. Wieder einmal.

»Ich weiß, was ich machen werde«, sagte sie und marschierte durch die Halle zur Küche, bis sie einen Blick auf ihre Mutter erhaschen konnte – nur auf ihr schmales schwarzes Samtkleid, ihren bleichen Arm und ihr schneeweißes Haar. »Ich werde mir nie wieder ihre blöden Märchen anhören.«

Wir wissen nicht, wie wir Lebwohl sagen sollen;

so wandern wir weiter, Schulter an Schulter.

Schon geht die Sonne unter;

du bist bedrückt; ich bin dein Schatten.

Anna Achmatowa

Eins

2000

Sah man so in den Vierzigern aus? Im Ernst? Im vergangenen Jahr war Meredith von einer Miss zu einer Ma’am geworden. Einfach so, ohne Übergang. Schlimmer noch: Ihre Haut verlor langsam an Spannkraft. Fältchen zeigten sich an Stellen, die früher glatt gewesen waren. Ihr Hals war auch nicht mehr so schlank, ganz ohne Zweifel. Allerdings wurde ihr Haar noch nicht grau, dies war ein Pluspunkt. Ihr kastanienbraunes Haar, das sie in einem strengen, schulterlangen Bob trug, war immer noch voll und glänzend. Aber ihre Augen verrieten sie. Sie blickten müde, und das nicht nur um sechs Uhr morgens.

Meredith wandte sich vom Spiegel ab, schlüpfte aus ihrem alten T-Shirt und zog sich eine schwarze Jogginghose, Söckchen und einen langärmligen schwarzen Pulli an. Während sie ihr Haar in einem Stummelschwanz zusammenfasste, verließ sie das Bad und ging ins dunkle Schlafzimmer, wo das leise Schnarchen ihres Mannes sie verlockte, wieder ins Bett zu kriechen. Früher hätte sie das einfach gemacht und sich an ihn geschmiegt.

Jetzt verließ sie das Zimmer, zog leise die Tür hinter sich zu und ging den Flur hinunter zur Treppe.

Im fahlen Schein zweier altgedienter Nachtlichter ging sie an den verschlossenen Zimmertüren ihrer Kinder vorbei. Jetzt waren sie allerdings keine Kinder mehr. Jillian war bereits neunzehn und studierte im zweiten Jahr Medizin an der UCLA, und Maddy – Merediths Nesthäkchen – war achtzehn und hatte gerade an der Vanderbilt-Universität angefangen. Ohne sie war das Haus – und ihr Leben – leerer und stiller, als Meredith erwartet hatte. Fast zwanzig Jahre lang war sie hingebungsvoll die Mutter gewesen, die sie selbst nie gehabt hatte, und das mit Erfolg. Ihre Töchter und sie verstanden sich prächtig. Seit ihrem Fortgang hatte sie das Gefühl, sich selbst überlassen und irgendwie nutzlos zu sein. Sie wusste, das war albern. Schließlich hatte sie jede Menge zu tun. Sie vermisste einfach die Mädchen, mehr nicht.

Also machte sie weiter. In letzter Zeit schien ihr dies die beste Methode, mit allem umzugehen.

Unten angekommen, hielt sie gerade lange genug im Wohnzimmer inne, um die Beleuchtung des Weihnachtsbaums einzuschalten. Im Flur sprangen die Hunde kläffend und schwanzwedelnd an ihr hoch.

»Luke, Leia, runter!«, mahnte sie die Huskys und kraulte ihnen die Ohren, während sie zur Hintertür gingen. Als sie sie öffnete, strömte kalte Luft herein. In der Nacht hatte es wieder geschneit, und obwohl es an diesem Morgen Mitte Dezember immer noch dunkel war, schimmerten Straße und Feld perlmuttfarben. Ihr Atem verwandelte sich sofort in dunstige Wölkchen.

Als sie draußen auf dem Weg waren, war es zehn nach sechs, und der Himmel erhellte sich in einem dunklen Purpurgrau.

Pünktlich auf die Minute.

Zuerst lief Meredith langsam los, um sich an die Kälte zu gewöhnen. Wie jeden Morgen in der Woche joggte sie die Schotterstraße hinunter, die von ihrem Haus zum Anwesen ihrer Eltern führte, und dann weiter zu dem Feldweg, der etwa eine Meile weiter oben am Hügel endete. Von dort aus machte sie einen Schlenker zum Golfplatz und zurück. Genau vier Meilen, jeden Morgen, und sie ließ kaum einen Tag aus. Im Grunde blieb ihr auch nichts anderes übrig. Denn alles an Meredith war großzügig angelegt. Sie war groß und hatte breite Schultern, geschwungene Hüften und große Füße. Ihr blasses, ovales Gesicht wirkte etwas zu klein für ihren großen Mund à la Julia Roberts, für die riesigen braunen Augen, die ausgeprägten Augenbrauen und das dicke Haar. Nur regelmäßiger Sport, strenge Diät, gute Haarprodukte und eine Riesenpinzette ermöglichten, dass sie gut aussah.

Als sie wieder auf die Schotterstraße einbog, beschien die aufgehende Sonne die Berge und ließ ihre schneebedeckten Gipfel in Lavendel und Pink aufleuchten.

Zu beiden Seiten säumten nackte, dürre Apfelbäume die Straße und wirkten im Schnee wie braune Kreuzstiche auf weißem Stoff. Dieses schmale Stück Land gehörte ihrer Familie seit fünfzig Jahren, und da, genau in der Mitte, stand groß und stolz das Haus, in dem sie aufgewachsen war. Belije Notschi. Selbst in der Morgendämmerung wirkte es protzig und lächerlich fehl am Platz.

Meredith rannte den Hügel hinauf, schneller und immer schneller, bis sie kaum noch Luft, dafür aber Seitenstiche bekam.

Sie stoppte vor ihrer eigenen Veranda, gerade als sich das Tal mit hellgoldenem Licht füllte. Dann fütterte sie die Hunde und rannte ins Haus. Sie wollte ins Bad, als Jeff herauskam. Sein blondes Haar mit den grauen Strähnen war noch tropfnass, und er trug nur ein Handtuch. Als sie voreinander standen, wandte er sich zur Seite, um sie durchzulassen, und sie tat es ihm nach. Keiner von beiden sagte ein Wort.

Um zwanzig nach sieben föhnte sie sich die Haare, und um halb acht – pünktlich auf die Minute – zog sie sich schwarze Jeans und eine taillierte Bluse für die Arbeit an. Noch etwas Eyeliner, Rouge und Mascara, dazu ein Hauch Lippenstift und sie war bereit für den Tag.

Unten in der Küche saß Jeff an seinem üblichen Platz am Tisch und las die New York Times. Die Hunde schliefen zu seinen Füßen.

Sie ging zur Kaffeemaschine und schenkte sich eine Tasse ein. »Möchtest du auch?«

»Nein, danke«, erwiderte er, ohne aufzusehen.

Meredith rührte Sojamilch in ihren Kaffee und sah zu, wie sich die Farbe veränderte. Sie dachte, dass sie und Jeff in letzter Zeit nur aus einer gewissen Distanz miteinander redeten, wie Fremde – oder ein desillusioniertes Paar –, und dann nur über die Arbeit oder die Kinder. Halbherzig versuchte sie sich zu erinnern, wann sie das letzte Mal miteinander geschlafen hatten, aber es fiel ihr nicht ein.

Vielleicht war das normal. Ganz sicher sogar. Wenn man schon so lange verheiratet war wie sie, dann gab es eben Flauten. Dennoch machte es sie manchmal traurig, wenn sie daran dachte, wie leidenschaftlich sie früher gewesen waren. Bei ihrer ersten Verabredung waren sie vierzehn gewesen (sie waren in Frankensteins Sohn gewesen; immer noch einer ihrer Lieblingsfilme), und ehrlich gesagt, hatte sie seitdem nur noch Augen für Jeff gehabt. Seltsam, wenn sie jetzt darüber nachdachte; sie hielt sich nicht für romantisch, aber bei ihr war es praktisch Liebe auf den ersten Blick gewesen. Seit sie denken konnte, war er ein Teil von ihr.

Sie hatten früh geheiratet – im Grunde zu früh –, und sie war ihm ans College nach Seattle gefolgt, wo sie abends und an den Wochenenden in verrauchten Bars arbeitete, um die Studiengebühren zu bezahlen. Sie waren glücklich gewesen in dem winzigen, vollgestopften Apartment im Studentenwohnheim. Im letzten Studienjahr dann war sie schwanger geworden. Zuerst war sie in Panik geraten. Sie hatte befürchtet, wie ihre Mutter zu sein und ein Leben mit Kindern abzulehnen. Aber zu ihrer großen Erleichterung entdeckte sie, dass sie das vollkommene Gegenteil ihrer Mutter war. Vielleicht half es auch, dass sie so jung war. Ihre Mom war weiß Gott nicht mehr jung gewesen, als sie Meredith bekommen hatte.

Jeff schüttelte den Kopf. Es war ein unmerkliches Zucken, kaum eine Bewegung, aber sie bemerkte es. Sie war immer so auf ihn eingestimmt gewesen, dass ihre beiderseitige Enttäuschung in letzter Zeit ein Geräusch zu erzeugen schien, ein hohes Pfeifen, das nur sie hören konnte.

»Was ist?«, fragte sie.

»Nichts.«

»Aber du hast doch den Kopf geschüttelt. Was ist los?«

»Ich hatte dich etwas gefragt.«

»Das hab ich nicht gehört. Frag noch mal.«

»Ist schon gut.«

»Schön.« Sie nahm ihren Kaffee und ging ins Esszimmer.

Das hatte sie schon hundertmal gemacht, und doch, gerade als sie unter der altmodischen Deckenlampe mit dem überflüssigen Plastikmistelzweig hindurchging, änderte sich ihre Perspektive.

Sie sah sich selbst aus der Distanz: eine vierzigjährige Frau mit einem Kaffeebecher in der Hand, die zwei leere Plätze am Tisch betrachtete und dann ihren Mann, der immer noch da war; und für den Bruchteil einer Sekunde fragte sie sich, welch ein Leben diese Frau sonst hätte führen können. Wenn sie nicht wieder heimgekehrt wäre, um die Obstplantage zu leiten und ihre Kinder aufzuziehen. Wenn sie nicht so jung geheiratet hätte. Welch eine Frau wäre sie wohl dann geworden?

Und dann zerplatzte die Vorstellung wie eine Seifenblase und sie war wieder dort, wo sie hingehörte.

»Bist du zum Abendessen zu Hause?«

»Bin ich doch immer.«

»Sieben Uhr.«

»Aber sicher«, sagte er und blätterte eine Seite um. »Lass uns einen Termin machen.«

Um acht Uhr saß Meredith an ihrem Schreibtisch. Wie üblich war sie die Erste und wanderte durch das Großraumbüro im zweiten Stock des Lagerhauses, um überall Licht zu machen. Sie kam am – nun unbenutzten – Büro ihres Vaters vorbei und verharrte lange genug, um einen Blick auf die Auszeichnungen an seiner Tür zu werfen. Dreizehnmal war er zum Apfelproduzenten des Jahres gewählt worden, und seine Konkurrenten fragten ihn immer noch regelmäßig um Rat. Es war ganz gleich, dass er sich eigentlich vor zehn Jahren zur Ruhe gesetzt hatte und nur noch gelegentlich ins Büro kam. Er war immer noch der Kopf der Belije Notschi-Apfelplantage, der Mann, der dem Golden Delicious in den Sechzigern, dem Granny Smith in den Siebzigern und Braeburn und Fuji in den Neunzigern den Weg bereitet hatte. Seine Kühltechnik für Langzeitlagerung hatte die Branche revolutioniert und die Möglichkeit geschaffen, die besten Äpfel auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

Natürlich hatte Meredith auch ihren Anteil am Wachstum und Erfolg des Unternehmens. Unter ihrer Leitung waren die Kühlräume vergrößert worden, und jetzt bestand ein Großteil ihrer Aufträge darin, die Früchte anderer Produzenten zu lagern. Sie hatte auch den alten Apfelverkaufsstand an der Straße zu einem Geschenkartikelladen ausgebaut, in dem viele verschiedene selbstgemachte Kunstgewerbeartikel und Spezialitäten der Region sowie Souvenirs von Belije Notschi verkauft wurden. Zu dieser Jahreszeit – kurz vor Weihnachten –, wenn scharenweise Touristen wegen des weltberühmten Weihnachtsmarktes nach Leavenworth strömten, fanden mehr als genug ihren Weg zum Laden.

Als Erstes an diesem Morgen griff Meredith zum Telefon und rief ihre jüngere Tochter an. In Tennessee war es gerade kurz nach zehn.

»Hallo?«, murmelte Maddy undeutlich.

»Guten Morgen«, sagte Meredith fröhlich. »Hört sich an, als hättest du verschlafen.«

»Oh. Mom. Hi. Ich bin gestern spät ins Bett. Hab gelernt.«

»Madison Elizabeth.« Mehr brauchte Meredith nicht zu sagen.

Maddy seufzte. »Okay, schon gut, es war eine Lambda-Chi-Party.«

»Ich weiß, das Studentenleben ist aufregend, und du möchtest jede Minute davon auskosten, aber nächste Woche hast du deine erste Abschlussprüfung. Dienstagmorgen, stimmt’s?«

»Stimmt.«

»Du musst lernen, eine Balance zwischen Studium und Freizeit zu finden. Und jetzt beweg deinen lilienweißen Hintern aus dem Bett und geh zur Uni. Auch das ist etwas, was du lernen musst: die Nacht durchmachen und am nächsten Morgen trotzdem pünktlich aufstehen.«

»Die Welt wird schon nicht untergehen, wenn ich einmal das Spanisch-Seminar verpasse.«

»Madison.«

Maddy lachte. »Okay, okay. Ich stehe schon auf. Spanisch 101, ich komme! Hasta la vista … Ba- by.«

Meredith lächelte. »Ich melde mich Donnerstag noch mal und frag nach, wie dein Referat gelaufen ist. Und ruf deine Schwester an. Sie ist wegen der Biochemie-Prüfung im Stress.«

»Ist gut, Mom. Ich hab dich lieb.«

»Ich hab dich auch lieb, Prinzessin.«

Als Meredith auflegte, fühlte sie sich schon besser. Die nächsten drei Stunden konzentrierte sie sich auf die Arbeit. Sie las gerade den neuesten Erntebericht, als ihre Gegensprechanlage summte.

»Meredith? Ihr Vater ist am Telefon.«

»Danke, Daisy.« Sie griff nach dem Hörer. »Hi, Dad.«

»Mom und ich haben uns gefragt, ob du heute nicht zum Lunch zu uns kommen möchtest.«

»Ich versinke hier in Arbeit, Dad –«

»Ach, bitte.«

Meredith hatte ihrem Vater noch nie etwas abschlagen können. »Okay. Aber um eins muss ich wieder hier sein.«

»Sehr schön«, sagte er, und sie hörte, dass er lächelte.

Sie legte auf und widmete sich wieder ihrer Arbeit. Da in letzter Zeit die Produktion gestiegen, die Nachfrage jedoch gesunken war, verbrachte sie neuerdings häufig ihre Tage damit, Löcher zu stopfen, und heute war keine Ausnahme. Gegen Mittag hatte sich ein leichter Kopfschmerz an ihrer Schädelbasis festgesetzt und fing an auszustrahlen. Dennoch bedachte sie ihre Angestellten mit einem Lächeln, als sie das Büro verließ und durch das Lagerhaus marschierte.

Nicht mal zehn Minuten später parkte sie vor der Garage ihrer Eltern.

Mit seiner turmbewehrten zweistöckigen Frontveranda und dem raffinierten Schnitzwerk wirkte das Haus, als stamme es direkt aus einem russischen Märchen, vor allem zu dieser Jahreszeit, da Dachsims und Geländer im Licht unzähliger Lämpchen erstrahlten. Das Dach aus poliertem Kupfer war zwar an diesem grauen Wintertag matt, doch wenn die Sonne schien, schimmerte es wie flüssiges Gold. Das Haus war von hohen, schlanken Pappeln umgeben und stand auf einer sanften Anhöhe, von der aus man das ganze Tal überblicken konnte, so dass es kaum verwunderlich war, dass immer wieder Touristen dort haltmachten, um es zu fotografieren.

Dieses fast schon absurd fehl am Platz wirkende Haus verdankten sie ihrer Mutter. Eine russische Datscha, ein Sommerhaus mitten im Staat Washington. Selbst der Name ihrer Apfelplantage war absurd: Belije Notschi.

Weiße Nächte, in der Tat: Die Nächte hier waren so schwarz wie frischer Asphalt.

Allerdings hatte ihre Mutter kaum Auge und Ohr für ihre Umgebung. Sie ging immer ihre eigenen Wege. Was Anja Whitson auch wünschte, ihr Mann gewährte es ihr, und offenbar hatte sie sich ein Märchenschloss und eine Obstplantage mit einem unaussprechlichen russischen Namen gewünscht.

Meredith klopfte und ging ins Haus. Die Küche war leer; auf dem Herd köchelte ein großer Topf Suppe.

Im Wohnzimmer fiel das Licht durch die Fenster des zweistöckigen runden Erkers an der Nordwand – das war der berühmte Turm des Hauses. Der Holzboden schimmerte von dem Bienenwachs, auf den ihre Mom bestand, obwohl die Dielen damit zur Rutschbahn wurden, wenn man es wagte, nur auf Strümpfen zu laufen. Ein riesiger steinerner Kamin nahm die mittlere Wand ein, darum drängten sich antike Sofas und Sessel mit dicken Kissen. Über dem Kamin prangte ein Ölgemälde von einer russischen Troika: einer romantischen Kutsche, die von gleichfarbigen Pferden durch eine Schneelandschaft gezogen wurde. Doktor Schiwago in Reinkultur. Links davon sah man Dutzende von Bildern mit russischen Kirchen, und darunter befand sich der »Altar« ihrer Mutter, auf dem mehrere antike Ikonen und eine einzelne, ewig brennende Kerze standen.

Meredith fand ihren Vater an seinem Lieblingsplatz im hinteren Teil des Zimmers, neben dem reichgeschmückten Weihnachtsbaum. Er lag ausgestreckt auf den burgunderfarbenen Mohairpolstern der Ottomane und las. Sein Haar – das, was ihm mit fünfundachtzig davon geblieben war – säumte in weißen Büscheln seinen rosa Schädel. Zu viele Jahre in der Sonne hatten seine Haut mit Flecken und Falten versehen. Er hatte einen Blick wie ein Basset, selbst wenn er lächelte, doch die traurige Miene täuschte niemanden. Evan Whitson wurde von allen geliebt. Man konnte ihn nur lieben.

Bei ihrem Eintreten hellte sich seine Miene auf. Er streckte die Arme aus und umfasste mit beiden Händen ihre Hand, bevor er sie wieder losließ. »Deine Mom wird sich freuen, dich zu sehen.«

Meredith lächelte. Das war ihr altes Spiel. Ihr Vater tat so, als liebte ihre Mom Meredith, und Meredith tat so, als glaubte sie ihm. »Schön. Ist sie oben?«

»Ich konnte sie heute nicht davon abbringen, in den Garten zu gehen.«

Das überraschte Meredith nicht. »Ich hole sie.«

Sie ließ ihren Vater im Wohnzimmer und ging durch die Küche ins Esszimmer. Durch die Flügeltür sah sie in der Ferne eine schneebedeckte Ebene mit unzähligen Reihen kahler Apfelbäume. Näher zum Haus jedoch, unter den eiszapfenbewehrten Ästen einer fünfzig Jahre alten Magnolie lag ein kleiner, rechteckiger Hausgarten, der von einem antiken schmiedeeisernen Zaun eingefasst war. Sein reichverziertes Tor bot Halt für die braunen Weinranken, die es im Sommer üppig mit grünen Blättern und weißen Blüten schmückten. Jetzt jedoch glitzerte es von Raureif.

Und da saß sie: ihre über achtzig Jahre alte Mutter, eingehüllt in Decken, auf der schwarzen Bank ihres sogenannten Wintergartens. Es fing sacht an zu schneien; winzige Schneeflocken verwischten die Szenerie zu einem impressionistischen Gemälde, in dem alles flüchtig und substanzlos wirkte. Schnee bedeckte die beschnittenen Büsche und ein einzelnes Vogelbad und verlieh dem Garten eine seltsam entrückte Atmosphäre. Meredith überraschte es nicht, dass ihre Mutter reglos und mit verschränkten Händen im Zentrum dieser Szenerie saß.

Als Kind hatte ihr das Angst gemacht – die Aura der Einsamkeit, die ihre Mutter umgab –, doch mit zunehmendem Alter wurde es ihr erst peinlich und dann zum Ärgernis. Eine Frau in ihrem Alter sollte nicht ganz allein in der Kälte sitzen und ins Nichts starren. Ihre Mutter behauptete zwar, es läge an ihren ruinierten Augen, aber das glaubte Meredith nicht. Zugegeben, ihre Mutter konnte keine Farben, sondern nur noch Schwarz, Weiß und Grautöne sehen, doch das wäre für Meredith nie, auch nicht als Kind, ein ausreichender Grund gewesen, einfach ins Leere zu starren.

Jetzt öffnete sie die Tür und trat in die Kälte. Ihre Stiefel versanken knöcheltief im Schnee; hier und da knirschten vereiste Stellen unter ihren Füßen, und mehr als einmal wäre sie fast ausgerutscht. »Was machst du hier draußen, Mom?«, fragte sie, als sie zu ihr trat. »Du holst dir noch eine Lungenentzündung.«

»Für eine Lungenentzündung ist es längst nicht kalt genug. Wir sind ja gerade mal unter dem Gefrierpunkt.«

Meredith verdrehte die Augen. Diese absurde Bemerkung war typisch für ihre Mutter. »Ich habe nur eine Stunde Mittagspause, also kommst du jetzt besser rein.« Sie zuckte zusammen, weil ihre Stimme im sanft fallenden Schnee so scharf klang, und wünschte, sie hätte die Vokale mehr gedehnt und ihre Stimme gedämpft. Wie schaffte es ihre Mutter nur, ihre schlechtesten Seiten zum Vorschein zu bringen? »Hast du gewusst, dass Dad mich zum Mittagessen eingeladen hat?«

»Natürlich«, antwortete sie, aber Meredith hörte, dass sie log.

Ihre Mutter erhob sich in einer einzigen, fließenden Bewegung vom Stuhl, wie eine alte Göttin, die es gewohnt ist, ehrfürchtig angebetet zu werden. Ihr Gesicht war außergewöhnlich faltenfrei und glatt, die Haut makellos und fast durchscheinend. Ihre Wangen- und Kieferknochen hatten bei anderen Frauen stets Neid erweckt, aber ihre eigentliche Schönheit verdankte sie ihren Augen. Tiefliegend, leuchtend aquamarin mit goldenen Sprenkeln und gesäumt von dichten Wimpern. Meredith war überzeugt, dass niemand, der diese Augen einmal gesehen hatte, sie je vergessen konnte. Es war Ironie des Schicksals, dass Augen mit einer derart bemerkenswerten Farbe keine Farben sehen konnten.

Meredith fasste ihre Mutter am Ellbogen und führte sie von der Bank fort. Erst da, auf dem Weg zur Tür, bemerkte sie, dass die Hände ihrer Mutter bloß und blau angelaufen waren.

»Meine Güte! Deine Hände sind ja schon ganz blau. Bei dieser Kälte hättest du Handschuhe –«

»Du weißt doch gar nicht, was Kälte ist.«

»Wie du meinst, Mom.« Eilends führte Meredith ihre Mutter die Stufen hinauf und in die Wärme des Hauses. »Vielleicht solltest du ein heißes Bad nehmen, um dich aufzuwärmen.«

»Vielen Dank, aber ich möchte mich nicht aufwärmen. Wir haben den vierzehnten Dezember.«

»Schön«, meinte Meredith und sah zu, wie ihre Mutter fröstelnd zum Herd ging und die Suppe umrührte. Dabei glitt die zerschlissene graue Wolldecke von ihren Schultern zu Boden und blieb unbeachtet liegen.

Meredith deckte den Tisch, und die Geräusche schufen zumindest für einige kostbare Minuten die Illusion einer Beziehung.

»Meine Mädchen«, sagte ihr Vater, als er in die Küche kam. Er wirkte blass und gebrechlich, seine einst breiten Schultern waren durch reinen Gewichtsverlust schmaler geworden. Er trat zu ihnen, legte jeder von ihnen eine Hand auf die Schulter und brachte sie so zusammen. »Ich finde es schön, wenn wir gemeinsam zu Mittag essen.«

»Ja, ich auch«, sagte die Mutter mit ihrem abgehackten Akzent und lächelte angespannt.

»Ich auch«, erwiderte Meredith.

»Schön, schön«, sagte der Vater und wandte sich zum Tisch.

Die Mutter trug ein Blech herbei, auf dem noch warmes Maisbrot mit Fetakäse lag, legte auf jeden Teller ein Stück und brachte dann die Teller mit der Suppe.

»Ich habe heute Morgen einen Rundgang durch die Plantage gemacht«, erzählte der Vater.

Meredith nickte und nahm neben ihm Platz. »Dann hast du wohl auch die Rückseite von Feld A bemerkt?«

»So ist es. Dieser Hang wird uns Probleme machen.«

»Ich habe Ed und Amanda darauf angesetzt. Mach dir keine Sorgen um die Ernte.«

»Mach ich mir auch nicht. Eigentlich hab ich mir was anderes überlegt.«

Sie kostete vorsichtig von der Suppe: Sie war sämig und köstlich. Selbstgemachte Lammfleischklößchen in einer pikanten Safranbrühe mit seidigen Eiernudeln. Wenn sie sich nicht gewaltig zusammenriss, würde sie alles aufessen und am Nachmittag noch eine Meile joggen müssen. »Ach, ja?«

»Ich wollte das Feld in einen Weinberg umfunktionieren.«

Langsam ließ Meredith den Löffel sinken. »In einen Weinberg?«

»Der Golden Delicious ist nicht mehr unser bester Apfel.« Bevor sie widersprechen konnte, hob er die Hand. »Ich weiß, ich weiß. Unsere Plantage wurde mit Golden Delicious aufgebaut, aber die Dinge verändern sich eben. Teufel noch mal, Meredith, bald schreiben wir das Jahr 2001; Wein ist im Kommen. Ich bin der Meinung, wir könnten zumindest Eiswein und Spätlese anbauen.«

»In diesen Zeiten, Dad? Der asiatische Markt wird eng, und der Transport unserer Früchte kostet uns ein Vermögen. Der Wettbewerb wird immer härter. Im letzten Jahr hatten wir zwölf Prozent Gewinneinbußen, und dieses Jahr sieht es auch verdammt schlecht aus. Wir kommen gerade so über die Runden.«

»Du solltest deinem Vater zuhören«, bat ihre Mom.

»Ach, bitte, Mom. Seit der Modernisierung unseres Kühlsystems warst du nicht mehr im Lagerhaus. Und wann hast du dir eigentlich das letzte Mal die Jahresbilanzen angesehen?«

»Das reicht«, seufzte der Vater. »Ich möchte jetzt keinen Streit.«

Meredith stand auf. »Ich muss wieder zur Arbeit.«

Sie brachte ihren Suppenteller zur Spüle und wusch ihn aus. Dann gab sie die übriggebliebene Suppe in eine Tupperdose, stellte diese in den unglaublich vollen Kühlschrank und spülte den Topf. Als sie damit gegen das Abtropfgestell stieß, wirkte das Klappern in der stillen Küche ungebührlich laut. »Das war sehr lecker, Mom. Danke.« Sie verabschiedete sich kurz und verließ die Küche. In der Eingangshalle zog sie ihren Mantel über. Sie war schon auf der Veranda und atmete tief die kalte, scharfe Luft ein, als ihr Dad zu ihr trat.

»Du weißt doch, wie sie im Dezember und Januar ist. Im Winter hat sie es schwer.«

»Ich weiß.«

Er zog sie in die Arme und hielt sie fest. »Ihr beide müsst euch einfach mehr Mühe geben.«

Unwillkürlich war Meredith verletzt. Das hatte sie schon ihr ganzes Leben gehört; ein einziges Mal hätte sie gern von ihm gehört, ihre Mutter müsste sich mehr Mühe geben. »Das werde ich«, entgegnete sie und spielte ihre Rolle in dem kleinen Märchen, wie immer. Aber es stimmte, sie würde sich Mühe geben. Das hatte sie stets, doch ihre Mutter und sie würden sich nie näherkommen. Es war einfach viel zu viel passiert. »Ich hab dich lieb, Dad«, sagte sie und küsste ihn auf die Wange.

»Ich dich auch, Meredoodle«, erwiderte er grinsend. »Und denk mal über den Wein nach. Vielleicht werde ich doch noch Winzer, bevor ich sterbe.«

Sie hasste es, wenn er solche Scherze machte. »Sehr komisch.« Sie wandte sich ab, ging zum Wagen und startete den Motor. Dann setzte sie den SUV zurück und wendete. Durch den Schneeschleier auf der Windschutzscheibe konnte sie ihre Eltern im Wohnzimmer sehen. Ihr Vater zog ihre Mutter in die Arme und küsste sie. Dann begannen sie langsam zu tanzen, obwohl wahrscheinlich keine Musik im Haus lief. Ihr Dad brauchte auch keine Musik. Er behauptete immer, in seinem Herzen bewahre er viele Liebeslieder.

Meredith entfernte sich zwar von dieser intimen Szene, verweilte aber in Gedanken dort. Den gesamten restlichen Tag, während sie verschiedene Bereiche des Betriebs analysierte, Möglichkeiten suchte, den Gewinn zu maximieren, und endlose Management- und Planungsmeetings über sich ergehen ließ, ertappte sie sich immer wieder bei dem Gedanken, wie verliebt ihre Eltern gewirkt hatten.

Ehrlich gesagt, hatte sie nie verstanden, wie eine Frau ihren Mann leidenschaftlich lieben, ihre gemeinsamen Kinder aber verachten konnte. Nein, das stimmte nicht. Sie verachtete Meredith und Nina nicht. Sie waren ihr einfach gleichgültig.

»Meredith?«

Sie blickte abrupt hoch. Einen Augenblick war sie so in Gedanken versunken gewesen, dass sie völlig vergessen hatte, wo sie sich befand. An ihrem Schreibtisch. Bei der Lektüre des Schädlingsberichts. »Oh, Daisy. Tut mir leid. Ich hab dich wohl nicht klopfen hören.«

»Ich mache jetzt Feierabend.«

»Ist es schon so spät?« Meredith warf einen Blick auf die Uhr. Es war 18 Uhr 37. »Scheiße, ich meine, verdammt. Ich komme zu spät.«

Daisy lachte. »Du bleibst immer zu lange.«

Meredith fing an, ihre Unterlagen ordentlich zu stapeln. »Fahren Sie vorsichtig, Miss Daisy« – das war ein alter Scherz, aber sie lächelten beide –, »und denk dran, dass morgen Josh von der Apple Commission um neun zum Meeting kommt. Wir brauchen Donuts und Kaffee.«

»Schon klar. Gute Nacht.«

Meredith räumte ihren Tisch für den nächsten Tag auf und ging dann zum Wagen.

Der Schnee fiel jetzt heftiger und erschwerte ihr die Sicht durch die Windschutzscheibe. Obwohl die Scheibenwischer auf die höchste Stufe gestellt waren, konnte sie kaum etwas sehen. Jedes Mal, wenn ihr ein Wagen entgegenkam, wurde sie kurzzeitig von den Scheinwerfern geblendet. Obwohl sie die Straße kannte wie ihre eigene Westentasche, fuhr sie langsamer und hielt sich dicht an der Böschung. Das erinnerte sie an ihren einzigen Versuch, Maddy im Schnee das Fahren beizubringen. Bei der Vorstellung musste sie lächeln. Ist doch nur Schnee, Mom. Kein Eis. Ich muss nicht so langsam fahren. Da wäre ich ja zu Fuß schneller zu Hause.

So war Maddy. Immer in Eile.

Zu Hause angekommen, ließ Meredith die Eingangstür hinter sich zufallen und eilte in die Küche. Ein rascher Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie zu spät kam. Wieder einmal.

Sie legte ihre Brieftasche auf die Küchentheke. »Jeff?«

»Ich bin hier.«

Sie folgte seiner Stimme ins Wohnzimmer. Jeff stand an der Bar, die sie sich Ende der Achtziger hatten einbauen lassen, und machte sich einen Drink. »Tut mir leid, dass ich zu spät komme. Der Schnee –«

»Ja, ja«, erwiderte er. Sie beide wussten, dass sie zu spät losgefahren war. »Möchtest du einen Drink?«

»Ach ja. Weißwein.« Sie sah ihn an, ohne zu wissen, was sie eigentlich empfand. Er sah so gut aus wie eh und je: mit seinem dunkelblonden Haar, das gerade erst an den Schläfen die ersten grauen Strähnen zeigte, mit seinem ausgeprägt kantigen Kiefer und den stahlgrauen Augen, die immer zu lächeln schienen. Er trieb keinen Sport und fraß wie ein Scheunendrescher, doch sein Körper war immer noch zäh und drahtig, als wäre er vor dem Alter gefeit. Wie üblich trug er ausgeblichene Levi’s und ein altes Pearl-Jam-T-Shirt.

Er gab ihr ein Glas Wein. »Wie war dein Tag?«

»Dad will Wein anbauen. Und Mom war wieder im Wintergarten. Sie wird sich noch eine Lungenentzündung holen.«

»Deine Mom ist kälter als Eis.«

Einen Moment spürte Meredith die Jahre, die sie verbanden, all die Verbindungen, die die Zeit erschaffen hatte. Jeff hatte sich über zwanzig Jahre zuvor eine Meinung über ihre Mutter gebildet und sich bis heute nicht veranlasst gesehen, sie zu ändern. »Amen«, sagte Meredith und lehnte sich an die Wand. Plötzlich wurde ihr der Druck, die Hektik, der Irrsinn ihres Tages – ihrer Woche, ihres Monats – bewusst und sie schloss die Augen.

»Ich habe heute ein Kapitel geschrieben. Es ist zwar kurz und besteht nur aus etwa sieben Seiten, aber ich glaube, es ist gut. Ich hab dir einen Ausdruck gemacht. Meredith? Mere?«

Sie öffnete die Augen und sah, dass er sie anblickte. Als sie die winzige Falte zwischen seinen Augen sah, fragte sie sich, ob er etwas Wichtiges gesagt hatte. Sie versuchte, sich zu erinnern, aber vergeblich. »Tut mir leid. War ein langer Tag.«

»Kommt in letzter Zeit oft vor.«

Sie konnte nicht entscheiden, ob dies eine Anklage oder eine reine Feststellung war. »Du weißt doch, wie es im Winter ist.«

»Und im Frühjahr. Und im Sommer.«

Da hatte sie die Antwort: Es war eine Anklage. Noch vor einem Jahr hätte sie ihn gefragt, was mit ihnen los sei. Sie hätte ihm erzählt, wie verloren sie sich im grauen Einerlei ihres Alltags vorkam und wie sehr sie die Mädchen vermisste. Aber seit einiger Zeit waren ihr solche Vertraulichkeiten unmöglich geworden. Sie war nicht sicher, wie oder wann es gekommen war, aber zwischen ihnen schien sich Distanz auszubreiten wie verschüttete Tinte und alles einzufärben. »Ja, da hast du wohl recht.«

»Ich gehe ins Arbeitszimmer«, sagte er unvermittelt und griff nach der Jacke, die er über einen Stuhl gehängt hatte.

»Jetzt?«

»Wieso fragst du?«

Sie fragte sich, ob er das wirklich wissen wollte. Wollte er, dass sie ihn aufhielt, ihm einen Grund zu bleiben gab, oder wollte er tatsächlich gehen? Sie wusste es nicht, und eigentlich war es ihr auch ziemlich egal. Es wäre nett, jetzt ein heißes Bad zu nehmen und ein Glas Wein zu trinken, anstatt beim Abendessen jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Noch netter wäre es, überhaupt kein Essen zu kochen. »Nur so.«

»Ja«, meinte er und gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Das dachte ich mir schon.«

Zwei

Sie mussten sich zwei Wochen durch den Dschungel schlagen, bis sie den Kadaver fanden.

Die Fliegen hatten sie vorgewarnt, und Verwesungsgeruch.

Nina stand neben dem Führer, der sie hergebracht hatte. Einen schrecklichen Augenblick lang drang alles auf sie ein: die surrenden Fliegen auf der Lichtung, der blutige Kadaver, der wegen der Maden an manchen Stellen vollkommen weiß war, die drückende Stille des afrikanischen Dschungels, die ihr sagte, dass Raubtiere und Aasfresser ganz in der Nähe waren und sie beobachteten.

Dann übernahm die Fotografin in ihr das Kommando und fragmentierte die Szene.

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