Beschreibung

Fest entschlossen, die alljährliche Weihnachtsfeier frühzeitig zu verlassen, um endlich wieder einen Mann aufzureißen, rechnet Elena gar nicht damit, dass irgendetwas – oder irgendjemand – ihren tollen Plan durchkreuzen könnte. Doch ihr Kollege Stephan hat seine eigene Strategie für den Abend und lässt sie kaum aus den Augen. Blöd nur, dass Elena eigentlich den Grundsatz hat, niemals, keinesfalls und unter keinen Umständen etwas mit einem Kollegen anzufangen … Alle Bücher dieser Reihe sind in sich abgeschlossen. Gefühlvolle Handlung. Explizite Szenen.

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Seitenzahl: 68

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Ein halber Kollege

Natalie Rabengut

Kurzgeschichte

Copyright: Natalie Rabengut, 2013, Deutschland.

Korrektorat: Claudia Heinen - http://sks-heinen.de

Coverfoto: © Ramona Heim - fotolia.com

Alle Rechte vorbehalten. Ein Nachdruck oder eine andere Verwertung ist nachdrücklich nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet.

Sämtliche Personen in diesem Text sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind zufällig.

www.blackumbrellapublishing.com

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Über Natalie Rabengut

Kapitel 1

»Na, das ist aber wirklich hübsch geworden«, sagte die Ohligschläger hinter mir.

Ertappt wirbelte ich herum und zwang mir ein Lächeln ins Gesicht, während meine Finger sich um die halb volle Flasche Wodka verkrampften. Hatte meine Chefin etwas gesehen?

Es schien nicht der Fall zu sein, denn sie lächelte nur weiter schmallippig vor sich hin und sah sich um. »Ich bin wirklich zufrieden, Elena. Sieht aus, als hätten Sie das Geld gut investiert.« Anerkennend nickte sie.

Bescheiden winkte ich ab. Zwar hatte ich mich selbst übertroffen, zumal der Geizkragen gerade einmal 150 Euro lockergemacht hatte, um eine Party für 80 Leute zu organisieren – aber das musste ich ihr nicht direkt auf die Nase binden. Ich war dankbar, dass ich nicht auch noch dazu eingeteilt gewesen war, das Essen davon zu bezahlen. Lediglich die Getränke und die Dekoration hatte ich organisieren müssen.

Glücklicherweise war ich alles andere als blöd. Unsere Chefin, die Spießerin vom Dienst, hatte uns wohlweislich nur deswegen so wenig Geld gegeben, weil sie hoffte, dass wir dann keinen Alkohol kaufen würden. Ich konnte mich allerdings nur zu gut an die trübe Vorstellung vom letzten Jahr erinnern, weil meine Vorgängerin, die nun im Mutterschutz war, tatsächlich nur Kinderpunsch gekauft hatte. Vermutlich hatte es in der Menschheitsgeschichte keine langweiligere Party gegeben.

Die Ohligschläger hob jetzt die Zuckerstangen auf, immer zwei davon hatte ich mit einer Silberschleife zusammengebunden und entweder auf die Tische gelegt oder mit transparenten Fäden unter die Decke gehängt. Zusammen mit ein paar roten Weihnachtskugeln und Teelichter hatte ich so eine fast weihnachtliche Atmosphäre gezaubert.

Was den Rest anbelangte, hatte ich einfach unter den Kollegen gesammelt und für 400 Euro Alkohol in der Abstellkammer gebunkert, den ich hervorholen würde, wenn schon alle von meiner gespickten Kinderbowle betrunken waren. Innerlich rieb ich mir bereits die Hände – diese Weihnachtsfeier würde so schnell keiner vergessen.

Ich erst recht nicht. Die letzten Wochen waren einfach sterbenslangweilig gewesen. Seitdem mein Bruder Daniel mit seiner Freundin Melanie zusammen war, durfte ich nicht einmal daran denken, mit ihnen auszugehen – von Helen ganz zu schweigen. Manchmal fiel es mir schwer zu glauben, dass wir wirklich Zwillinge waren. Ihre Laune war grundsätzlich immer schlecht, aber in den letzten Wochen hielt ich es kaum in ihrer Nähe aus. Ich konnte mir die Gesichter der beiden, wenn ich vorschlug, doch mal wieder feiern zu gehen, schon gut vorstellen.

Daniel würde lieber zu Hause die Couch bewachen wollen, und Helen würde mich vermutlich nicht einmal mit einer Antwort würdigen.

Kurz vergaß ich die Anwesenheit meiner Chefin und seufzte schwer. Ich brauchte dringend Sex. Sobald ich heute Abend den richtigen Pegel erreicht hatte, würde ich mich von dieser langweiligen Arbeitsweihnachtsfeier abseilen, mir im D4rkster einen Mann aufreißen und ihn mit zu mir nehmen. Ich hatte sogar frische Bettwäsche aufgezogen.

Bei dem Gedanken daran hätte ich beinahe breit gegrinst, erst im letzten Augenblick erinnerte ich mich an die Anwesenheit der Ohligschläger. Doch diese hatte ihre Inspektion bereits beendet und machte nun Anstalten, zu gehen.

»Kommen Sie, Elena? Dann kann ich hinter Ihnen zuschließen.«

Mir fiel auf die Schnelle nichts anderes ein, als die Flasche Wodka in den leeren Karton Kopierpapier verschwinden zu lassen. Ich hatte zwar erst die Hälfte in die kleine Schüssel mit Kinderbowle gefüllt, aber das sollte für den Anfang reichen. Besonders die Schnepfen aus dem dritten Stock vertrugen sicherlich nicht viel und würden von der kleinen Menge schon betrunken werden. Sobald die Party dann in Schwung gekommen war, würde ich meine eigene Bowle mischen und auf den Tisch stellen. Unauffällig natürlich.

Eilig folgte ich meiner Chefin in den Flur und zog die Tür hinter mir zu. Wenn ich heute Abend mit ihr zurückkam, würde ich die Flasche besser verstecken.

Vor der Tür nickte sie mir zu und sagte: »Na dann. Bis 18 Uhr, Elena.«

Ich rang mir ein Lächeln ab. Klar, 18 Uhr, und zwar auf die Minute pünktlich. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder zu einer Party kommen würde, wenn er Lust hat?

»Natürlich, 18 Uhr. Wer lässt den DJ herein? Er kommt doch schon eine Stunde früher, um aufzubauen«, wollte ich wissen. Ich machte mir ja nicht die Mühe, die Party zu beflügeln, wenn dann nicht einmal Musik lief.

»Das macht ein Kollege. Sie haben Ihren Teil bereits erledigt und können sich nun entspannen.« Sie grinste mich an. Es sollte wohl irgendwie kumpelhaft und bestätigend wirken, sah aber eher gruselig aus.

Nickend erwiderte ich: »Das ist schön. Bis später, Frau Ohligschläger.«

Kapitel 2

Als ich den heimischen Flur betrat, sah ich Helen schon auf der Treppe sitzen und fragte mich, was ihr Gesichtsausdruck darstellen sollte. Als Lächeln ging es beim besten Willen nicht durch und ihre Augen sahen verdächtig feucht aus. Herr im Himmel! Nicht schon wieder!

»Hallo, Schwesterherz. Was führt dich zu mir?«, begann ich tapfer eine Unterhaltung, von der ich schon ahnte, dass sie sehr einseitig werden würde. Lass mich raten: Du setzt dich gleich auf die Couch, schweigst zwei Stunden vorwurfsvoll und gehst wieder.

Ich schloss die Tür auf, während ich halbherzig auf eine Antwort wartete. Aus dem Augenwinkel betrachtete ich meine Zwillingsschwester. Mein Ebenbild sah wirklich beschissen aus, wenn ich das so bemerken durfte. Sie hätte schon vor Monaten zum Friseur gemusst und ihre Haare wenigstens einmal nachschneiden lassen, die dunklen Ringe unter ihren Augen gingen mühelos als Halloweenkostüm durch und ihr übergroßer, schwarzer Pullover war an beiden Ellenbogen durchgescheuert. Wenn dieses störrische Weibsbild nur den Mund aufmachen würde.

Helen schlurfte mit einem Seufzen vor mir durch die Tür, gesagt hatte sie noch immer nichts. Das ging jetzt seit gut sechs Wochen so: Immer wieder tauchte sie bei mir auf und wirkte eine Weile so, als würde sie mir etwas erzählen wollen, doch früher oder später verfiel sie wieder in brütendes Schweigen und ging nach Hause.

In den ersten zwei Wochen hatte ich mir noch den Mund fusselig geredet, weil ich herausfinden wollte, was mit ihr los war. Doch es hatte nichts genützt. Manchmal war ich bereit zu glauben, dass meine Schwester durch ein Feuer laufen konnte und dabei aus bloßer Sturheit selbst nicht in Brand geraten würde – einfach, weil sie nicht wollte.

Unschlüssig stand Helen vor meiner Kaffeemaschine und fixierte das Gerät böse. Ihre überdimensionierte Handtasche hatte sie einfach auf den Boden fallen lassen. Als sie dort mit hängenden Schultern stand, fiel mir zum ersten Mal auf, wie spitz ihre Schultern durch den Pulli stachen.

So leise, wie ich nur konnte, schlich ich mich von hinten an meine Schwester heran und vergrub meine Hand in ihrem Sweater. Ruckartig zog ich den Stoff nach hinten und erschrak. Selbst durch den Pullover konnte ich ihre Rippen deutlich erkennen.

Helen fuhr herum und schlug meine Hand weg. »Was soll der Quatsch?«, fuhr sie mich an, die Augen schmal, die Augenbrauen zusammengezogen.

Ich wusste, dass sie sofort dichtmachen würde, wenn ich sie darauf ansprach. Also zuckte ich nur mit den Schultern. »Ich wollte nur sichergehen, dass du deine Zunge nicht verschluckt hast. Setz dich auf die Couch, ich komme gleich.«

Der Befehlston zeigte glücklicherweise Wirkung und Helen zog ab, während ich mich mit klopfendem Herzen an den Küchentresen lehnte. Was war nur los mit ihr? Und warum war sie so dünn und vernachlässigte ihr Äußeres? Ich hatte schon mehrfach den Verdacht gehegt, dass sie möglicherweise unter Liebeskummer litt – aber als ich die Theorie geäußert hatte, hatte sie mich mit einem Blick bedacht, als wäre es das Idiotischste, was sie in ihrem ganzen Leben gehört hatte. Sie war wortlos aufgestanden, hatte ein Sofakissen nach mir geworfen und war gegangen.

Mein nächster Gedanke war, dass sie vielleicht Geldsorgen haben könnte. Sie hatte schon ewig nicht mehr davon gesprochen, wie es mit dem Schreiben lief, und ich wusste, dass ihre Nebenjobs zunehmend stressiger wurden.