Ein Held der Feder - Elisabeth Bürstenbinder - E-Book

Ein Held der Feder E-Book

Elisabeth Bürstenbinder

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Beschreibung

In "Ein Held der Feder" entfaltet Elisabeth Bürstenbinder ein fesselndes Narrativ, das das Spannungsfeld von Schriftstellerei und Heldentum durchdringt. Der Roman behandelt die Herausforderungen und Triumphe eines Schriftstellers, der sich in einer von Krieg und Ungerechtigkeit geprägten Gesellschaft behaupten muss. Bürstenbinder kombiniert eindringliche Prosa mit poetischen Elementen und verwebt geschickt historische Szenarien mit zeitgenössischen Fragestellungen, was das Werk sowohl thematisch als auch stilistisch zu einem bemerkenswerten Beitrag der modernen Literatur erhebt. Ein Kaleidoskop menschlicher Emotionen und kreativer Ambitionen kommt zum Tragen, während die Protagonisten auf ihrer Reise zur Selbstfindung und zur Entdeckung des eigenen Wertes navigieren. Elisabeth Bürstenbinder, eine vielfach ausgezeichnete Autorin mit Wurzeln in der Germanistik, bringt ihre Expertise und Leidenschaft für die Literatur in jedes ihrer Werke ein. Ihr tiefes Verständnis für die Mechanismen des Geschichtenerzählens und ihre persönliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des schöpferischen Prozesses verleihen "Ein Held der Feder" eine authentische Stimme. Bürstenbinder reflektiert in ihrem Schreiben nicht nur die Realität der Schriftstellerei, sondern hinterfragt auch deren gesellschaftliche Bedeutung. Dieses Buch ist nicht nur für Literaturbegeisterte von großer Bedeutung, sondern auch für all jene, die sich für die Intrigen des menschlichen Schaffens interessieren. "Ein Held der Feder" ist ein eindringliches Plädoyer für die Macht der Worte und die unaufhörliche Suche nach Identität—eine Ermutigung, sich der eigenen Kreativität zu stellen und die Herausforderungen des Lebens mit Feder und Papier zu konfrontieren. Eine absolute Leseempfehlung für jeden, der den Wert der Literatur zu schätzen weiß. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Elisabeth Bürstenbinder

Ein Held der Feder

Bereicherte Ausgabe. Die tiefgründige Suche eines Schriftstellers nach der menschlichen Seele
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen
Bearbeitet und veröffentlicht von Good Press, 2024
EAN 8596547838500

Inhaltsverzeichnis

Einführung
Synopsis
Historischer Kontext
Ein Held der Feder
Analyse
Reflexion
Unvergessliche Zitate
Notizen

Einführung

Inhaltsverzeichnis

Zwischen der Verlockung des Ruhms und der Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit entfaltet sich in Ein Held der Feder die Frage, was ein Mensch der Öffentlichkeit schuldet, wenn seine Worte über Leben, Ruf und Zukunft anderer zu entscheiden scheinen, und wie weit Leidenschaft, Ehrgeiz und moralisches Verantwortungsgefühl einander tragen oder verraten, wenn das Werkzeug der Feder zum Maßstab für Charakter, Standhaftigkeit und Mut wird und damit jene stille Heldenreise auslöst, die nicht auf dem Schlachtfeld ausgetragen wird, sondern in Arbeitszimmern, Herzen und Gewissen – dort, wo die Wahrheit leise spricht, weit trägt und im Spannungsfeld einer Gesellschaft steht, die Öffentlichkeit liebt und doch Authentizität fordert und deren Urteile verlocken und verwunden können.

Elisabeth Bürstenbinder, bekannt unter dem Pseudonym Ernst Werner, gehört zu den prägenden Stimmen der populären deutschen Erzählliteratur des ausgehenden 19. Jahrhunderts; in diesem Umfeld lässt sich auch Ein Held der Feder verorten, ein Roman, der die Tradition des Gesellschafts- und Unterhaltungsromans fortschreibt. Die Schauplätze entstammen dem bürgerlichen Kultur- und Bildungsleben, ohne sich auf spektakuläre Exotik zu stützen; entscheidend ist die soziale Bühne, vor der Ansehen, Arbeit und Moral verhandelt werden. Bürstenbinders Werke zirkulierten breit in Leihbibliotheken und Familienkreisen, was den Ton zwischen Zugänglichkeit und Ernst prägte – eine Prägung, die auch hier das Lesen strukturiert und Orientierung in einer Öffentlichkeit bietet.

Im Zentrum steht eine Schreibende oder ein Schreibender, deren oder dessen Begabung gerade in dem Moment Sichtbarkeit gewinnt, in dem die eigene Lebensführung und die Erwartungen des Umfelds sich schärfer zu reiben beginnen. Aus einer zunächst überschaubaren Aufgabe entsteht eine größere Verantwortung: Texte finden Leserinnen und Leser, Meinungen beginnen zu wirken, Beziehungen geraten in neues Licht. Mehr muss man über die Handlung nicht wissen, um sich einzulesen: Der Roman eröffnet die Perspektive auf den Weg in die Öffentlichkeit und die Frage, was das Schreiben den Schreibenden abverlangt – an Fleiß, Urteilskraft, Rückgrat und der Kunst, sich nicht zu verlieren.

Stilistisch setzt der Text auf klare, glatte Prosa, die psychologische Beobachtung mit dialogischer Lebendigkeit verbindet und in ruhig geschnittenen Szenen eine anhaltende Spannung entfaltet. Der Ton ist ernsthaft, stellenweise warm und von jener milde belehrenden Haltung getragen, die viele populäre Romane des 19. Jahrhunderts kennzeichnet, ohne ins Predigende abzugleiten. Tempo und Perspektivwechsel bleiben übersichtlich, wodurch die innere Bewegung der Figuren im Vordergrund steht. Leserinnen und Leser erleben eine Erzählweise, die Nähe sucht, ohne die Distanz des Überblicks aufzugeben – ein Zusammenspiel aus Empathie, Maß und diskreter Ironie, das die Lektüre angenehm fließend und zugleich gehaltvoll macht.

Zentrale Themen sind die Verantwortung des Wortes, die Wechselwirkung von Öffentlichkeit und Privatheit sowie die Frage, wie Anerkennung gewonnen, behauptet und bezahlt wird. Der Roman spürt der Versuchung nach, sich dem Zeitgeist gefällig zu zeigen, und dem Mut, in Konflikten bei der eigenen Überzeugung zu bleiben. Ebenfalls präsent sind soziale Erwartungshorizonte, Klassen- und Milieuunterschiede sowie der Preis, den Integrität in Netzwerken wechselseitiger Abhängigkeit fordert. Dass die Autorin selbst unter männlichem Pseudonym schrieb, erweitert den Resonanzraum: Ohne den Text zu überfrachten, erinnert dieser Umstand daran, wie sehr Anerkennung von Rahmenbedingungen abhängt und wie viel stiller Arbeit hinter öffentlichem Erfolg steht.

Heutige Leserinnen und Leser finden darin eine bemerkenswerte Aktualität: Wer schreibt, spricht oder postet, bewegt sich ebenfalls zwischen Sichtbarkeit und Verantwortung, zwischen Resonanz und Rückkopplung. Die Mechanik von Meinungsdruck, Aufmerksamkeit und Reputation wirkt im digitalen Raum schnell und laut, doch die Fragen bleiben dieselben: Wofür stehe ich ein, welche Worte wähle ich, was schulde ich der Wahrheit und den Menschen, die mich lesen. Ein Held der Feder lädt dazu ein, den eigenen Umgang mit Einfluss, Loyalität und Kritik zu prüfen und erinnert daran, dass Haltung nicht im Spektakel entsteht, sondern in alltäglichen Entscheidungen, die sich summieren.

Wer sich auf diesen Roman einlässt, gewinnt keine grelle Sensation, sondern eine beharrliche, klug komponierte Erzählung über Arbeit, Gewissen und Beziehungen im Schein der Öffentlichkeit, die mit jedem Kapitel an Profil gewinnt. Das Buch belohnt aufmerksames, geduldiges Lesen, weil es Figuren nicht auf Thesen reduziert, sondern ihre Beweggründe ernst nimmt und Konflikte vielschichtig auslotet. Zugleich bleibt es zugänglich und bietet jene narrative Klarheit, die klassische Unterhaltungsliteratur langlebig macht. So eignet sich Ein Held der Feder sowohl als Einstieg in das Werk Bürstenbinders als auch als Wiederbegegnung mit einem Strang deutschsprachiger Erzählliteratur, der Wirkung mit menschlicher Wärme verbindet.

Synopsis

Inhaltsverzeichnis

Ein Held der Feder von Elisabeth Bürstenbinder erzählt von einem Menschen, dessen eigentliche Kraft nicht in körperlicher Tapferkeit, sondern im geschriebenen Wort liegt. Zu Beginn skizziert der Roman ein Umfeld, in dem Meinungen öffentlich zirkulieren und Wertschätzung wie Misstrauen gegenüber geistiger Wirkung eng beieinanderliegen. Der Protagonist arbeitet diszipliniert, beobachtet scharf und setzt auf Argumente statt auf laute Gesten. Noch dominieren Routine und Selbstgewissheit, doch es zeichnet sich die Frage ab, wie weit Verantwortung reicht, wenn Worte über den Schreibtisch hinaus in Leben anderer eingreifen. Diese Ausgangslage bereitet den Boden für eine Auseinandersetzung mit Wirkung, Gewissen und Grenzen.

Ein erster markanter Einschnitt erfolgt, als eine Veröffentlichung über das beabsichtigte Lesepublikum hinaus Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Resonanz ist gemischt: Anerkennung für Klarheit und Mut steht Empörung darüber gegenüber, dass Kritik allzu deutlich ausfällt. Unerwartet rückt die Person des Autors selbst ins Rampenlicht, was berufliche Möglichkeiten eröffnet, zugleich aber Erwartungen und Zumutungen nach sich zieht. Um ihn formiert sich ein Kreis aus Unterstützern, die in seinem Erfolg einen Fortschritt sehen, und Widersachern, die Grenzüberschreitungen wittern. Damit sind die Konfliktlinien markiert, entlang derer Loyalität, Öffentlichkeit und persönliche Integrität künftig beständig verhandelt werden.

Die Kontroverse verdichtet sich in einer direkten Konfrontation mit jenen, die sich durch den Text getroffen fühlen. Aus der abstrakten Debatte wird ein persönliches Gegenüber, das den Autor zwingt, Absicht und Wirkung sorgfältig zu trennen und zu begründen. Das Motiv der Verantwortung des Schreibenden tritt deutlicher hervor: Darf Klartext zulasten von Rücksicht gehen, und wo beginnt aus Sicht des Gegenübers die persönliche Kränkung? Ein Missverständnis oder eine unbedachte Formulierung verschärft die Lage zusätzlich. Die Grenze zwischen sachlicher Kritik und verletzender Attacke wird zum Prüfstein, an dem sich nicht nur die Professionalität, sondern auch der Charakter des Protagonisten misst.

Neben den öffentlichen Auseinandersetzungen entfaltet sich eine private Beziehung, die durch das zunehmende Medienecho belastet wird. Vertrauen und Nähe müssen sich gegenüber einem wachsenden Druck behaupten, der von außen Urteile und Zuschreibungen in das intime Feld trägt. Eine nahestehende Figur fungiert als Gegenstimme, stellt die Frage nach Maß, Timing und Konsequenz, und fordert, dass Einsichten nicht auf Kosten von Menschenwürde gewonnen werden. Der Protagonist gerät in die Spannung von Rolle und Person: Er soll zugleich unerschrocken auftreten und Rücksicht üben. Die private Ebene spiegelt so die öffentliche, vertieft jedoch die emotionale Dimension des Konflikts.

Ein weiterer Text oder eine Replik treibt die Entwicklung voran und verschiebt das Kräfteverhältnis. Anerkennung institutionalisiert sich in Form eines Angebots, das Prestige verspricht, aber zugleich Bindungen und Bedingungen mitbringt. Es steht die Entscheidung an, ob Reichweite um den Preis von Anpassung gewonnen werden soll. Gleichzeitig konkretisieren sich negative Folgen: Anwürfe, drohende Schritte von Betroffenen, die juristisch oder reputativ reagieren, und ein Umfeld, das rasch urteilt. Der innere Konflikt vertieft sich, denn die Feder erweist sich sowohl als Schutz wie als Angriffswerkzeug. Aus dem Aufstieg wird eine Bewährungsprobe, die Maß, Haltung und Prioritäten abverlangt.

Die Handlung kulminiert in einer Situation, die unmittelbare Konsequenzen verlangt. Ein Ereignis mit persönlicher Tragweite macht deutlich, dass die Frage nach Wahrheit und Takt nicht abstrakt bleibt, sondern Beziehungen, Zukunftspläne und Selbstbild betrifft. Unterstützer zeigen ihre Grenzen, Gegner ihre Hartnäckigkeit, und der Protagonist muss entscheiden, ob er nachgibt, vermittelt oder standhält. An diesem Punkt wird erkennbar, welche Motive die Beteiligten wirklich antreiben: verletzte Ehre, Sorge um Gemeinwohl, Ehrgeiz oder Gerechtigkeitssinn. Ohne vorzugreifen, deutet der Roman an, dass jeder Weg Risiken birgt, der gewählte jedoch nur mit innerer Klarheit tragfähig sein wird.

Abschließend bündelt der Roman seine Reflexionen über die Macht des Wortes, die soziale Verantwortung von Öffentlichkeit und die ethische Selbstprüfung des Schreibenden. Ein Held der Feder zeichnet weder ein naives Erfolgsmodell noch eine Warnung vor offener Rede, sondern lotet Grauzonen aus, in denen Mut, Rücksicht und Genauigkeit zusammengedacht werden müssen. Die nachhaltige Wirkung liegt in der Sensibilisierung für Ton und Konsequenz: Kritik gestaltet Wirklichkeit mit und fordert jene Reife, derer es bedarf, wenn Anerkennung, Widerstand und persönliche Bindungen zugleich im Spiel sind. So bleibt das Werk als Prüfung von Integrität und Wirkungskraft der Sprache im Gedächtnis.

Historischer Kontext

Inhaltsverzeichnis

„Ein Held der Feder“ wurde im späten 19. Jahrhundert im deutschen Sprachraum rezipiert, geprägt von der Reichsgründung 1871 und der politischen Dominanz Preußens. Berlin und Leipzig fungierten als zentrale Verlags- und Pressemetropolen, getragen von Institutionen wie dem Börsenverein der Deutschen Buchhändler und der Leipziger Messe. Die staatlich-militärische Ordnung des Hohenzollernreichs, Universitäten nach humboldtschem Modell sowie ein ausgeprägtes Vereinswesen prägten Öffentlichkeit und Bildung. Massenblätter und Familienzeitschriften – etwa Die Gartenlaube – etablierten eine bürgerliche Lesekultur. Zugleich strukturierte der Offizierskorps die gesellschaftliche Hierarchie, während Kirchen, Verwaltung und Gerichte Normen, Moral und Konfliktlösung regulierten.

Elisabeth Bürstenbinder (1838–1918) veröffentlichte ihre Romane unter dem geschlechtsneutralen Kürzel „E. Werner“ und gehörte zu den meistgelesenen Autorinnen der Unterhaltungsliteratur im Kaiserreich. Ihre Werke erschienen häufig zunächst als Fortsetzungsromane in Familienzeitschriften und erreichten über Leihbibliotheken ein breites Publikum. Dieses Distributionsmodell stabilisierte eine Leserschaft, die zwischen häuslicher Erbauung und gesellschaftlicher Orientierung suchte. „Ein Held der Feder“ steht in dieser Marktpraxis, die melodramatische Handlungszüge mit zeitdiagnostischen Motiven verband. Der Einsatz eines neutralen Pseudonyms entsprach verbreiteten Strategien von Schriftstellerinnen, die unter männlich dominierten Kritik- und Verlagsstrukturen publizierten und zugleich ein gemischtes Lesepublikum ansprachen.

Die Ära war von einem explosionsartigen Wachstum der Presse geprägt. Zunehmende Alphabetisierung, verbesserte Schulbildung und technische Neuerungen – Schnellpresse, Telegraphie, Eisenbahn – beschleunigten Nachrichtenflüsse. Das 1874 erlassene Reichspressegesetz hob präventive Zensur weitgehend auf und band Druckwerke primär an das allgemeine Strafrecht, während Beleidigungs- und Majestätsdelikte weiterhin sanktioniert wurden. Nachrichtenagenturen wie Wolffs Telegraphisches Bureau bündelten Informationsströme für Zeitungen im ganzen Reich. Diese Infrastruktur stärkte Journalismus, Feuilleton und literarische Serialisierung und machte den „Helden der Feder“ als gesellschaftliche Figur – Redakteur, Autor, Kritiker – zu einem sichtbaren Akteur im öffentlichen Leben.

Die Nationalstaatsbildung wurde von drei Kriegen gerahmt: dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Der militärische Erfolg erhöhte das Prestige von Armee und Offiziersstand und prägte Werte wie Pflicht, Ehre und Disziplin. Diese Leitbilder wirkten in Literatur und Öffentlichkeit nach, auch dort, wo nicht der Krieg, sondern zivile Berufe im Zentrum standen. Zeitgenössische Autoren wie Theodor Fontane arbeiteten als Kriegsberichterstatter, was die enge Verzahnung von Feder und Feld sichtbar machte. Vor diesem Hintergrund gewinnt die literarische Figur des schreibenden Professionals an Gewicht als Deuter staatlicher Macht und bürgerlicher Lebenswelt.

Ökonomisch dominierte die Gründerzeit: beschleunigte Industrialisierung, Eisenbahnbau, neue Aktiengesellschaften und ein spekulativer Boom, der im Gründerkrach 1873 abrupt einbrach. Die Urbanisierung schuf ein expandierendes Bildungsbürgertum und neue Weißkittelberufe, darunter Verlagsangestellte, Redakteure und Kritiker. Debatten über Arbeitsethos, soziale Mobilität, Kredite und moralische Verantwortung prägten das Feuilleton. Literatur thematisierte Aufstiegserzählungen, gefährdete Reputation und die Macht öffentlicher Meinung. In diesem Umfeld wurde die „Feder“ als Werkzeug gesellschaftlicher Positionierung sichtbar: Schreiben konnte Karrierepfad, moralische Pflicht und Gegenmacht zur wirtschaftlichen Spekulation zugleich sein.

Das Geschlechterregime des Kaiserreichs war von bürgerlichen Rollenerwartungen geprägt; höhere Bildung und akademische Berufe standen Frauen meist erst ab den 1890er Jahren offen. Dennoch prägten Autorinnen die populäre Lesekultur. Pseudonyme oder Initialen verschleierten die Autorinnenschaft und erleichterten die Platzierung im männlich dominierten Rezensionswesen. Zeitschriften wie Die Gartenlaube förderten familienorientierte Stoffe und adressierten eine große weibliche Leserschaft. Zeitgleich kritisierten Literaturhistoriker und Feuilletonisten die sogenannte Trivial- oder Unterhaltungsliteratur, wodurch Autorinnen wie E. Werner in einem Spannungsfeld aus enormer Popularität, moralischer Didaktik und ästhetischer Abwertung publizierten.

Politisch-kulturell prägte der Kulturkampf der 1870er Jahre das öffentliche Klima, insbesondere die Auseinandersetzung zwischen dem protestantisch geprägten Nationalstaat und der katholischen Kirche. Presseprozesse, Vereinsverbote und kontroverse Predigten mobilisierten Leserschaften und verstärkten das Interesse an publizistischen Debatten. Strafrechtsnormen zu Religionsbeleidigung, Pressevergehen und Ehrenkränkungen kanalisierten Konflikte in Gerichtssäle und Zeitungsseiten. Literatur spiegelte diese Verflechtung von Moral, Recht und Öffentlichkeit, oft verschlüsselt in Familien- und Standesgeschichten. Die Feder fungierte als moralische Instanz, die Autorität behauptete, kritisierte oder vermittelte – ein Motiv, das zeitgenössische Leser unmittelbar erkannten.

Vor diesem Hintergrund lässt sich „Ein Held der Feder“ als Kommentar zur Epoche lesen: Das Buch thematisiert die gesellschaftliche Wirksamkeit des Schreibens und die Konkurrenz zwischen intellektueller Leistung, aristokrischem Rang und militärischem Prestige. Es zeigt – ohne Kriegsdarstellung nötig zu machen – Mechanismen von Reputation, öffentlicher Aufmerksamkeit und bürgerlichen Tugenden in einer medial verdichteten Gesellschaft. Die Publikationswege über Familienzeitschriften und Leihbibliotheken machten das Werk breit zugänglich; Übersetzungen verbreiteten E. Werners Romane international. Damit steht das Buch exemplarisch für die Literatur des Kaiserreichs, die bürgerliche Werte verhandelte und zugleich die Macht der Öffentlichkeit reflektierte.

Ein Held der Feder

Hauptinhaltsverzeichnis
Cover
Titelblatt
Text
Von E. Werner[1].

Ein klarer Januartag lag über einer jener Städte des Mississippi, die noch vor zwei Jahrzehnten aus einem Dutzend roh gezimmerter Holzhäuser bestanden und sich im Laufe dieser Zeit mit dem schnellen Wachsthum der amerikanischen Ortschaften zu mächtigen, reich bevölkerten Handelsplätzen emporgeschwungen hatten. Die Mittagssonne fiel hell in die Fenster eines Landhauses, das, in einiger Entfernung von der Stadt gelegen, von einem Hügel die ganze Aussicht beherrschte, und sich durch die Pracht seiner Bauart und den Reichthum seiner Anlagen vor allen übrigen auszeichnete.

In dem reich ausgestatteten Parlour, dessen Einrichtung die ganze Fülle jenes Comforts zeigte, der dem reichen Amerikaner als unerläßliches Lebensbedürfniß gilt, saß eine junge Dame in eleganter Hauskleidung am Kamin. Es war ein Mädchen von vielleicht achtzehn bis zwanzig Jahren, das im vollsten Lichte des auf- und niedersinkenden Feuers, das Haupt nachdenklich auf den Arm gestützt, der Unterhaltung ihres Gegenübers zuhörte. Das dunkle Haar umgab ein Gesicht vom reinsten Oval und jenem matten, klaren Braun, welches das Antlitz bleich erscheinen läßt, die großen dunklen Augen und die mit vollendeter Regelmäßigkeit gezeichneten Züge gaben ihm unbedingt Anspruch auf Schönheit, und dennoch fehlte etwas in diesem schönen Gesicht. Es war jener Ausdruck von Heiterkeit und Unbefangenheit, der der Jugend so selten mangelt, jener Hauch von Schüchternheit, der den achtzehn Jahren fast immer eigen ist, und vor Allem jener Zug von Weichheit, den ein Frauenantlitz fast niemals ganz, und dann niemals zu seinem Vortheil, entbehrt. Es lag ein kalter Ernst in dieser ganzen Erscheinung, eine sichere Ruhe, ein unleugbares Selbstbewußtsein, und doch schien es nicht, als hätten schwere Lebensstürme oder frühzeitige bittere Erfahrungen dem jungen Mädchen jetzt schon die Errungenschaften späterer Jahre aufgezwungen; dazu war die Stirn noch zu klar, das Auge zu hell; angeboren oder anerzogen mußte dieser Ernst sein, durch den ihre Schönheit an Eindruck so mächtig gewann und an Anmuth so unendlich viel verlor.

Ihr gegenüber, gleichfalls im niedrigen Fauteuil, saß ein junger Mann in tadellosem Gesellschaftsanzuge. Es lag eine gewisse Aehnlichkeit in dem Aeußern der Beiden, die wohl nicht allein in der gleichen Farbe des Haares und der Augen ihren Grund hatte, sondern vielmehr in dem Ausdruck kalter Ruhe und selbstbewußten Stolzes, der Beiden in gleich hohem Maße eigen war; nur trat bei dem Mädchen das Alles viel bedeutender und schärfer ausgeprägt hervor, während es bei dem Manne zum Theil unter einer conventionellen Glätte und Förmlichkeit verschwand, die seiner Erscheinung, trotzdem auch sie unbedingten Anspruch auf Schönheit erheben konnte, doch eine gewisse Nüchternheit gab. In lebhafter Unterhaltung mit der jungen Dame begriffen, fuhr er in der eben begonnenen Erzählung fort.

„Mein Vater hält diese europäische Reise für nothwendig zur Vollendung meiner kaufmännischen Ausbildung, und ich füge mich seinen Wünschen um so lieber, als sie mir viel Interessantes verspricht. Ich gehe zuvörderst auf einige Monate nach New-York[5], wo das Interesse unseres Hauses augenblicklich eine persönliche Vertretung verlangt, und von dort im März nach Europa. Ein Jahr wird gerade hinreichend sein, um England und Frankreich, auch Deutschland kennen zu lernen, und zum Schluß eine Tour durch die Schweiz und Italien zu machen, ohne die gesehen zu haben man ja nicht zurückkehren darf. Im nächsten Frühjahr hoffe ich wieder hier zu sein.“

Die junge Dame war mit augenscheinlichem Interesse dem in kurzen Zügen entworfenen Reiseplan gefolgt; sie ließ jetzt den aufgestützten Arm sinken und blickte empor.

„In der That ein reiches Jahr, das vor Ihnen liegt, Mr. Alison[3]! Es wird meinem Vater leid sein, daß sein Zustand ihm nicht erlaubt, Sie noch einmal vor der Abreise zu sehen.“

„Auch ich bedaure, daß Mr. Forest zu leidend ist, um meine Abschiedsgrüße persönlich zu empfangen. Darf ich Sie bitten, Miß, ihm dieselben in meinem Namen zu überbringen?“

Sie neigte leicht das Haupt. „Gewiß! Und inzwischen nehmen Sie auch von mir die besten Wünsche für eine glückliche Reise und eine frohe Wiederkehr.“

Sie reichte ihm mit ruhiger Freundlichkeit die Hand; es blitzte etwas auf bei dieser Berührung in dem Auge des jungen Mannes, er ergriff diese schöne kühle Hand und hielt sie fest.

„Miß Forest[2], darf ich eine Frage an Sie richten?“

Ein flüchtiges Roth glitt einen Augenblick lang über die Züge der jungen Dame, aber es verschwand ebenso schnell wieder.

„Sprechen Sie, Mr. Alison!“

Er erhob sich rasch, und ihre Hand noch immer fest in der seinigen haltend, trat er dicht an ihre Seite.

„Der Zeitpunkt ist vielleicht schlecht gewählt zu einer Erklärung; aber ich weiß zu gut, daß Miß Forest das Ziel so vieler Bestrebungen ist, die dem Abwesenden gefährlich werden können. Verzeihen Sie deshalb, Miß, wenn ich gerade jetzt von einer Neigung zu sprechen wage, die Ihnen vielleicht kein Geheimniß mehr ist. Darf ich hoffen, daß meine Wünsche Erhörung finden und daß ich bei meiner Rückkehr diese Hand auf’s Neue ergreifen und festhalten darf für das Leben?“

Er hatte in ruhiger, fast geschäftsmäßiger Art begonnen; aber der Ton steigerte sich allmählich zur Wärme, es lag eine fast gewaltsam unterdrückte Bewegung darin, und jetzt hing sein Auge in brennender Unruhe an ihrem Antlitz, als wolle er darin die Antwort lesen.

Miß Forest hatte schweigend zugehört. Keine Gluth der Ueberraschung, keine mädchenhafte Verwirrung, nicht der leiseste Wechsel in ihren Zügen verrieth, ob ihr der Antrag erwünscht oder unerwünscht kam; erst als er geendet, hob sie das Auge zu ihm empor; die Ruhe desselben bildete einen seltsamen Contrast zu dem seinigen, und die Antwort kam fest und klar, ohne das geringste Zögern oder Verbergen.

„Sie haben mich offen gefragt, Mr. Alison, und so soll auch meine Antwort sein. Ich kenne die Neigung, welche Sie für mich hegen, ich erwidere sie, und wenn Sie zurückkehren, werde ich meine Hand mit vollem Vertrauen in die Ihrige legen, für eine gemeinsame Zukunft.“

Ein Strahl der Freude brach heiß mitten durch die Kälte von Alison’s Zügen, aber sofort kehrte die gemessene Ruhe seines Wesens zurück, es war, als schäme er sich dieses unwillkürlichen Aufflammens.

„Ah, Miß Jane, Sie machen mich sehr glücklich; darf ich jetzt nicht Mr. Forest –?“

„Nein!“ unterbrach sie ihn rasch. „Nicht Sie, ich selbst werde es ihm mittheilen. Ich habe überhaupt eine Bedingung zu stellen, der Sie sich fügen müssen, Mr. Alison. Ich kann nicht Braut sein am Sterbebette meines Vaters, ich kann und will ihm auch keine einzige der Stunden entziehen, die dies neue Verhältniß beanspruchen würde. Lassen Sie daher das Gesagte vorläufig noch Geheimniß bleiben, wenigstens für jeden Fremderen. Bei Ihrer Rückkehr mag es ausgesprochen werden, bis dahin aber verlangen Sie keins von den Rechten, die Ihnen mein Jawort giebt – ich kann sie Ihnen jetzt nicht gewähren, und will es auch nicht.“

Es lag wenig von der Hingebung einer Braut in diesem entschiedenen „Ich will es nicht!“ das ihm gleich in der ersten Minute entgegentrat, und Alison mochte das fühlen, eine leichte Wolke des Unmuthes verdüsterte seine Stirn.

„Das ist eine harte Bedingung, Jane! Sie werden mir doch jetzt gestatten, meine Abreise zu verschieben und Ihnen zur Seite zu bleiben, wenn ein, wie ich fürchte, unabwendbarer Schlag Sie in nächster Zeit treffen sollte?“

Sie schüttelte verneinend das Haupt. „Ich danke Ihnen, aber ich bedarf keiner Stütze. Was mir bevorsteht,“ hier zuckte es zum ersten Male während der ganzen Unterredung heftig um die Lippen des Mädchens, „werde ich zu tragen wissen, und ich trage es am besten allein. Ich fordere, daß Sie Ihre Abreise um keine Stunde verschieben, und Ihre Rückkehr um keine Woche beschleunigen. In einem Jahre sehen wir uns wieder, bis dahin muß Ihnen mein Wort genügen, wie mir das Ihre.“

Sie hatte sich erhoben und stand ihm jetzt gegenüber, mit dem Ausdruck einer so völligen Entschiedenheit, daß Alison sofort die Unmöglichkeit einsah, gegen den mit so großer Bestimmtheit kund gethanen Entschluß anzukämpfen; er sah, daß sie in der That keiner Stütze bedürftig war, und jedenfalls fand er sich nicht allzu schwer in die ihm auferlegte Nothwendigkeit.

„Ich werde Ihnen zeigen, Jane, daß ich Ihre Wünsche zu ehren weiß, selbst wenn es mir schwer fällt. Aber wenn ich auch noch keines von meinen Rechten geltend machen darf, das erste und für jetzt einzige werden Sie mir wenigstens nicht versagen.“

Jane antwortete nicht, aber sie widerstrebte auch nicht, als Alison sie in seine Arme zog und einen Kuß auf ihre Lippen drückte. Es blitzte wieder leidenschaftlich auf in seinem Auge, und er preßte sie eine Secunde lang fest an sich, aber als er die Liebkosung wärmer, heißer wiederholen wollte, machte sie sich mit einer raschen Bewegung frei.

„Genug, Henry! Erschweren wir uns den Abschied nicht unnöthig. In einem Jahre finden Sie Ihre Braut, bis dahin – Schweigen.“

Er trat zurück, doch etwas erkältet durch dies schnelle Abbrechen, und auch seine Züge nahmen wieder den kühlen, stolzen Ausdruck an, der die ihrigen nicht einen Moment lang verlassen hatte. Mr. Alison war augenscheinlich nicht gemacht, Zärtlichkeiten zu erflehen, die man ihm nicht freiwillig zugestand.

Ein Räuspern und ein nahender Tritt im Nebenzimmer veranlaßte Beide, sofort wieder die Gesellschaftshaltung anzunehmen, die junge Dame saß wie vorhin im Fauteuil und Alison ihr gegenüber, als der, welcher sich soeben bemerklich gemacht, in’s Zimmer trat. Es war ein kleiner ältlicher Mann mit ergrautem Haar und scharfen durchdringenden Augen, in denen ein unverhehlter Spott aufblitzte, als er das junge Paar so fremd nebeneinander sitzen sah.

„Der Arzt ist soeben im Begriff fortzufahren, Miß Jane; Sie wünschten ihn vorher noch zu sprechen.“

Jane erhob sich schnell. „Verzeihen Sie, Mr. Alison, ich muß zu meinem Vater. Ich werde ihn auf Ihren Besuch heute Abend vorbereiten.“

Sie reichte ihm die Hand, ein bedeutsamer Druck, ein Blick tiefen ruhigen Einverständnisses, dann schieden sie mit einem flüchtigen Gruße und Jane verließ das Zimmer.

Als die Thür des Nebengemaches sich hinter ihr geschlossen hatte, trat der zuletzt Gekommene zu Alison und legte die Hand auf seine Schulter.

„Ich gratulire![1q]“

Der junge Mann wendete sich hastig um. „Wozu?“ fragte er scharf.

„Zur Verlobung!“

Alison zog finster die Augenbrauen zusammen. „Es scheint, Mr. Atkins[4], daß es Ihnen beliebt hat, zu spioniren.“

Der Genannte nahm den Vorwurf in großer Gemüthsruhe hin.

„Möglich! Aber Sie sollten doch wissen, Henry, daß ich nicht unter die ‚Fremderen‘ gehöre, denen die Sache noch geheim bleiben soll.“

Die Stirn des jungen Mannes glättete sich etwas. „Sie sind allerdings eine Ausnahme, also–“

„Also nehmen Sie meinen Glückwunsch ohne Weiteres an,“ ergänzte Atkins. „Schnell genug waren Sie übrigens Beide mit der Sache fertig! ‚Willst Du mich? Ich will Dich! Abgemacht! Ueber’s Jahr ist die Hochzeit!‘ Alles kurz, glatt, klar, ohne viel Redensarten und Sentimentalitäten, ganz im Geschmacke von Miß Jane. Unsere verstorbene Missis wäre freilich außer sich gerathen über eine solche Verlobung.“

Alison’s Lippen kräuselten sich verächtlich. „Wenn Miß Forest ihrer Mutter gliche, würde ich mich schwerlich um sie beworben haben.“

„Da haben Sie Recht!“ sagte Atkins trocken. „Mein Geschmack war sie auch nicht! Immer krank, immer zu Thränen und Scenen geneigt, voll Sentimentalität und Ueberspanntheit – eine echte Deutsche, ist auch schließlich am Heimweh gestorben. Zum Glück hat ihre Tochter nichts von all’ dem Zeuge geerbt, die ist der Vater, Zug um Zug!“

„Ich weiß es! und Mr. Forest wird schwerlich Jemand einer überflüssigen Sentimentalität beschuldigen.“

„Nein!“ sagte Atkins ruhig, „aber wie mir scheint, hat er auch sein gehöriges Theil davon besessen, zum Glück war er einsichtig genug, dies und alles Andere, was wir hier nicht brauchen können, drüben zu lassen. Als Mr. Forest vor zwanzig Jahren hier anlangte, mußten sie ihm in der Heimath wohl arg mitgespielt haben, denn er brachte einen ganz gesunden Haß gegen sein Deutschland und gegen Alles, was damit zusammenhing, mit herüber. Er warf denn auch den ganzen Erinnerungskram mit aller Energie hinter sich, amerikanisirte sogar seinen Namen – Sie wissen doch, daß er früher Förster hieß – und als unsere Colonie sich ausdehnte, und die Deutschen natürlich wieder zusammenhielten wie die Kletten, ging er ihnen gründlich aus dem Wege und hielt sich zu den Amerikanern. Das aber ertrug nun wieder die Frau nicht, die sich an das Leben hier nie gewöhnen konnte; es gab Streit und Bitterkeit ohne Ende, und als das Kind heranwuchs, wurde die Sache noch schlimmer. Der Vater wollte sie zur Amerikanerin erziehen, und er setzte denn auch seinen Willen durch, zumal Miß Jane sich bald genug mit aller Entschiedenheit auf seine Seite stellte; das brach nun aber der Mutter vollends das Herz. Wir haben oft genug arge Scenen gehabt, sage ich Ihnen; es wurde erst Ruhe, als Mrs. Forest dem Heimweh erlag; aber wie die Sachen jetzt stehen, fürchte ich, er wird sie nicht lange überleben.“

Die Stimme des Sprechenden war bei den letzten Worten aus ihrem spöttischen Tone unwillkürlich zum Ernst übergegangen, Alison, der schweigend zugehört, nahm jetzt seinen Hut vom Tische.

„Sie haben es gehört, ich darf meine Abreise nicht verschieben, es rufen mich auch in der That dringende Geschäfte nach Newyork. Wenn der Fall eintritt, den wir erwarten müssen, so stehen ja Sie Miß Forest zur Seite. Wenn jedoch,“ hier machte sich Alison mit dem Zuknöpfen seiner Handschuhe zu thun, „wenn sich in Bezug auf das Ordnen des Nachlasses oder sonst irgend wie Schwierigkeiten herausstellen sollten, so wird mein Vater gern bereit sein, mit seinem vollen Einfluß und seiner ganzen Geschäftskenntniß einzutreten. Es dürfte wohl überhaupt gerathen scheinen, daß er den Interessen der künftigen Tochter nicht fremd bleibt, da ich durch meine Reise verhindert werde, sie kennen zu lernen.“

Derselbe Spott wie vorhin blitzte wieder in Atkins’ Augen, als er sarkastisch erwiderte: „Ich danke verbindlichst für das Anerbieten, aber das Vermögen bleibt laut Testament in meinen Händen, und folglich wird es sich auch in vollkommener Ordnung befinden. Sie und Ihr Vater werden sich wohl noch ein Jahr lang gedulden müssen, so lange, bis Miß Jane Ihnen die Mitgift selbst in’s Haus bringt. Inzwischen kann ich Ihnen jedoch die Beruhigung geben, daß Mr. Forest in der That sehr reich ist, reicher sogar, als Sie ihn schätzen – und um das war es Ihnen bei dem gewünschten Einblick in unsere Verhältnisse doch wohl hauptsächlich zu thun.“

Alison machte eine heftige Bewegung. „Mr. Atkins, Sie sind bisweilen ganz entsetzlich rücksichtslos!“

„Weshalb?“ fragte dieser in unzerstörbarer Ruhe. „Nehmen Sie das als einen Vorwurf? oder meinen Sie, ich könnte Ihnen im Ernst die Thorheit zutrauen, eine junge Lady ohne Vermögen zu heirathen, jetzt, wo der großartige Aufschwung Ihres Handlungshauses und die Verbindungen, die Sie in Europa anknüpfen wollen, Ihnen das Capital doppelt nothwendig macht? Nein, Henry, da hege ich denn doch eine zu hohe Meinung von Ihnen, um Sie dieser unpraktischen Romantik für fähig zu halten.“

Alison wandte sich um und sah ihn forschend an. „Ich habe allerdings als Theilnehmer und dereinstiger Chef unseres Hauses selbst bei der Wahl einer Gattin Rücksicht zu nehmen, aber ich gebe Ihnen mein Wort, wenn das Vermögen Miß Forest’s nur einigermaßen meinen Erwartungen entspricht, so ziehe ich sie unbedingt jeder reicheren Erbin vor.“

Atkins lachte. „Das glaube ich Ihnen ohne Schwur, Henry! Sie haben ziemlich arg Feuer gefangen, mich soll nur wundern, ob Sie es auch aus unserer schönen kalten Miß hervorlocken werden, bis jetzt ist sie noch etwas kühl. Nun, das wird sich geben; jedenfalls ist es ein Glück, wenn der Kaufmann und der Liebhaber nicht in Conflict gerathen, und hier ergänzen sie sich vollständig. Noch einmal, ich gratulire Ihnen dazu.“–

Jane hatte, als sie die Beiden verließ, rasch mehrere Zimmer durchschritten, und betrat nun ein halbdunkles, ebenfalls reich sind prachtvoll ausgestattetes Schlafgemach. Ueber den Teppich hingleitend näherte sie sich dem Bette und schlug die schweren Vorhänge desselben zurück.

Jetzt zeigte es sich, woher jener seltsame Zug in dem Antlitz des jungen Mädchens stammte, der es denen ihrer Altersgenossinnen so unähnlich machte; der finstere Ernst, die kalte Festigkeit, der energische Stolz, das Alles fand sich, unverwischt und ungemildert durch die Spuren der Krankheit, in dem Gesicht des Mannes wieder, der hier auf den Kissen lag. Er wendete langsam das Haupt nach der Tochter, die sich über ihn beugte.

„Man hat mir den Arzt erst jetzt gemeldet, er war allein bei Dir, und ich wollte doch zugegen sein. Hattest Du das so befohlen, mein Vater?“

„Ja, mein Kind! Ich wollte einen Ausspruch von ihm hören, den er mir in Deiner Gegenwart schwerlich so unumwunden gegeben hätte. Ich weiß jetzt, daß ich nur noch Tage zu leben habe.“

Jane war an dem Bette auf die Kniee gesunken und drückte ihr Haupt in die Kissen, sie antwortete nicht, aber ihr ganzer Körper bebte in einem gewaltsam zurückgedrängten, thränenlosen Schluchzen. Der Kranke blickte auf sie nieder.

„Sei ruhig, Jane! Dich kann der Ausspruch so wenig überraschen, wie mich, wenn wir Beide auch vielleicht auf eine längere Frist hofften. Es muß sein, und Du wirst mir die Nothwendigkeit des Scheidens nicht durch Thränen erschweren wollen.“

„Nein!“ Sie richtete sich plötzlich auf und blickte den Vater an, der Schmerz war mit vollendeter Selbstbeherrschung unterdrückt, kaum daß ihre Lippen noch zuckten; der Kranke lächelte, aber es lag etwas wie eine leise Bitterkeit in diesem Lächeln, vielleicht hätte er es lieber gesehen, wenn sie nicht so schnell hätte gehorchen können.

„Ich habe mit Dir zu sprechen, mein Kind, und ich weiß nicht, wie viel ruhige, schmerzfreie Stunden mir noch beschieden sein werden. Komm näher zu mir und höre mich an.“

Jane gehorchte, sie nahm an der Seite des Bettes Platz und wartete schweigend.

„Ich kann Dich ruhig zurücklassen, denn ich weiß, daß Du trotz Deiner Jugend keiner Stütze und keines Vormundes bedarfst. Was die äußeren Angelegenheiten betrifft, so hast Du Atkins zur Seite; seine sarkastische, ewig spottende Natur ist mir nie sympathisch gewesen, seine Redlichkeit und Anhänglichkeit aber habe ich in einem fast zwanzigjährigen Zusammenleben erprobt. Du weißt, daß er längst ein eigenes Vermögen gesammelt hat und es dennoch vorzog, in unserem Hause zu bleiben, er wird auch Dir zur Seite bleiben, bis Du in den Arm eines Gatten übergehst, was vielleicht bald–“

„Mein Vater!“ unterbrach ihn Jane ruhig, „ich habe Dir eine Mittheilung zu machen, Du weißt, daß Mr. Alison bei mir war – er hat um meine Hand gebeten.“

Der Kranke richtete sich mit dem Ausdruck lebhafter Spannung empor.

„Und Du?“

„Ich habe sie ihm zugesagt[2q].“

„So?“ Forest sank wieder in die Kissen zurück, er schwieg.

Befremdet beugte sich Jane über ihn. „Bist Du damit nicht einverstanden? Ich glaubte Deiner Billigung im voraus gewiß zu sein.“

„Du weißt, Jane, daß ich Dich in der Wahl Deines Gatten weder beschränken noch beeinflussen werde. Es ist Deine Zukunft, und ich bin überzeugt, Du hast nicht ohne ernste Ueberlegung darüber entschieden.“

„Nein! Der Antrag kam mir nicht unerwartet. Ich habe unbedingtes Vertrauen zu Mr. Alison’s Charakter und zu seiner Zukunft, seine Familie gehört zu den ersten der Stadt, seine Lebensstellung ist glänzend, und ich bin gewiß, daß sein kaufmännisches Genie ihm später eine bedeutende Rolle in der Handelswelt ertheilen wird. Scheint Dir das nicht hinreichend, mein Vater?“

„Mir? Wenn es Dir genug ist!“

Jane richtete ihre dunklen Augen mit dem Ausdruck des Erstaunens auf den Vater, was sollte denn sonst noch von einer Ehe zu fordern sein? Forest lächelte wieder, mit derselben Bitterkeit wie vorhin.

„Du hast Recht, Jane, vollkommen Recht! Ich dachte nur an meine eigene Brautwerbung und an das Jawort Deiner Mutter. Gleichviel! Mr. Alison besitzt in der That alle die Eigenschaften, die Du genannt, Du bist ihm darin mehr als ebenbürtig, Ihr werdet sehr – zufrieden miteinander sein.“

„Ich hoffe es!“ und Jane begann jetzt, dem Vater die Bedingung mitzutheilen, die sie ihrem Verlobten auferlegt, und die Frist, welche sie ihm gestellt hatte. Forest folgte mit lebhafter Aufmerksamkeit ihren Worten.

„Das ist mir lieb! Du kamst, ohne es zu wissen, meinen Wünschen entgegen mit diesem Entschluß, denn auch ich habe Dir eine Bedingung aufzuerlegen. Was würdest Du sagen, wenn ich von Dir verlangte, dies Jahr, in welchem Du noch frei bist, in Deutschland bei unseren dortigen Verwandten zuzubringen?“

Mit dem Ausdruck peinlichster Ueberraschung erhob sich die junge Dame von ihrem Sitze. „In Deutschland? Ich!“

„Ja, Du liebst Deutschland nicht?“