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Entdecke die Kraft der Natur Was ist denn nur mit Lotti los? Seit ihrem 9. Geburtstag scheint sie Gespenster zu sehen und hält sich von Willows Hexenwald fern. Gretchen, Valentina und Willow versuchen alles, um ihre Freundin davon zu überzeugen, dass der Wald ihr nichts Böses will. Im Gegenteil, sie müssen ihm helfen, denn er wird grauer und grauer. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn Willows Klasse soll eine Projektwoche im Wald absolvieren. Aber vielleicht ist das ja die Chance für die Hexenfreundinnen, den Kindern zu zeigen, was so alles in der Natur steckt und wie wichtig der Wald für die ganze Welt ist. In dieser Serie bereits erschienen: Ein Mädchen namens Willow (1) Ein Mädchen namens Willow – Waldgeflüster (2) "Ein Mädchen namens Willow"-Stoffbeutel Begeisterte Leserstimmen: "Meine 9-jährige Tochter war von der Geschichte gefesselt und konnte das Buch nicht mehr weglegen." "Ein wirklich schönes Buch mit schönen Gedichten und schönen Illustration. Kam als Geschenk für einen 10-Jährigen sehr gut an." "Wir haben alle Willow-Bücher gelesen und es ist ein sehr positives, nettes und 'angstfreies' Buch. Die Geschichte ist nicht aggressiv und zeigt die Wichtigkeit der Natur auf, wie auch die 'richtigen' Freunde zu treffen und gemeinsam Probleme zu lösen. Sehr empfehlenswert."
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Das Buch
Was ist denn nur mit Lotti los? Seit ihrem neunten Geburtstag scheint sie Gespenster zu sehen und hält sich von Willows Hexenwald fern. Gretchen, Valentina und Willow versuchen alles, um ihre Freundin davon zu überzeugen, dass der Wald ihr nichts Böses will. Im Gegenteil, sie müssen ihm helfen, denn er wird grauer und grauer. Das ist jedoch leichter gesagt als getan, denn Willows Klasse soll eine Projektwoche im Wald absolvieren. Aber vielleicht ist das ja die Chance für die Hexenfreundinnen, den Kindern zu zeigen, was so alles in der Natur steckt und wie wichtig der Wald für die ganze Welt ist.
Die Autorin
© Christian Hartmann
Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.
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Der Verlag
Du liebst Geschichten? Wir bei Planet in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH auch!
Wir wählen unsere Geschichten sorgfältig aus, überarbeiten sie gründlich mit Autor*innen und Übersetzer*innen, gestalten sie gemeinsam mit Illustrator*innen und produzieren sie als Bücher in bester Qualität für euch.
Deshalb sind alle Inhalte dieses E-Books urheberrechtlich geschützt. Du als Käufer*in erwirbst eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf deinen Lesegeräten. Unsere E-Books haben eine nicht direkt sichtbare technische Markierung, die die Bestellnummer enthält (digitales Wasserzeichen). Im Falle einer illegalen Verwendung kann diese zurückverfolgt werden.
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Viel Spaß beim Lesen!
Schau genau hin,hör genau zu!Nur der, der hört und schaut,der die Augen schließt, vertraut,der kann sie sehen –zwischen den Gräsern stehen,in den Blättern liegen,sich im Winde wiegen,auf Wurzeln und Moos,klein und groß.Sie sind ganz nahund nur für dich da!
Für alle kleinen Weltretter
Wenn du Schutz brauchst,dann rufe das Moos.Es kann sich wie ein Mantel über dich legen,schützt dich vor Wind, vor Sonne, vor Regen.Und hast du ein Geheimnis,dann musst du dich nicht quälen.Es bewahrt es für dich auf,du kannst es ihm erzählen.Das Moos beschützt, bewahrt und hält fest,alles versiegt in des Mooses Nest.
Drei Mal rief die Eule: »Schuhu, schuhu, schuhu.«
Willow sah auf. Das war das Zeichen. Sie blickte zu Rufus, ihrem Fuchs, hinüber, pustete über die neun Kerzen, die auf einem kleinen Kuchen angeordnet waren, und freute sich, als diese sich auf magische Weise entzündeten.
»Ich wollte schon immer mal Kerzen anpusten!«, lachte Willow und setzte sich einen der vier Blumenkränze auf den Kopf, die auf einem Baumstumpf lagen. Dann sah sie sich noch einmal prüfend um. Die bunten Girlanden umsäumten den Platz vor dem Hexenhaus. Von Baum zu Baum waren sie gespannt. Dazwischen leuchtende Lampions. Es war zwar noch heller Nachmittag, aber im dichten Wald konnten ein paar Lichter nicht schaden. Ein kleiner Tisch aus Brettern mit umgedrehten Baumstümpfen, die als Stühle dienten, war festlich gedeckt. Eine Kanne mit Waldbeerenlimo, Obstspieße, Muffins in Fliegenpilzform und Knabbereien standen ebenfalls bereit. An jedem der vier Plätze war ein weißer Luftballon befestigt.
»Fehlt noch was, Rufus?«, fragte Willow ihren Fuchs, der neben dem rothaarigen Mädchen im Gras saß. Auch Rufus sah sich um. Er wirkte sehr zufrieden. »Also gut. Wir sind bereit!« Rufus hatte ebenfalls einen kleinen Blumenkranz um den Hals. Sein Fell glänzte wie frisch gebürstet. Willow legte den Kopf in den Nacken.
Über sich hörte sie ein Rauschen. Jolanda, Valentinas Eule, flog mit zwei anmutigen Flügelschlägen auf die kleine Lichtung zu und nahm auf einem Ast Platz. Sie blinzelte Willow mit großen Augen an.
»Kommen sie?«, fragte diese die Eule und der Vogel blinzelte dem Mädchen erneut zu.
Dann hörte man Gekicher und endlich sah Willow ihre drei Freundinnen. Valentina und Gretchen führten die kleine Lotti, deren Augen mit einem Tuch verbunden waren. Willows Herz machte einen Freudensprung. Ein Eichhörnchen hüpfte ebenfalls auf die Lichtung. Es war Krümel. Er rannte auf Rufus zu und gab ihm einen liebevollen Nasenstüber.
Gretchen setzte ihre Schildkröte Kehala auf dem Boden ab, die gemächlich auf einen Stein zuging, auf dem sie es sich gemütlich machen wollte. Auch sie trug auf ihrem Panzer einen winzigen Blumenkranz.
»1,2,3«, zählte Gretchen, und Valentina befreite Lotti von der Augenbinde.
»Happy birthday to you, happy birthday to you, happy birthday, liebe Lotti, happy birthday to you!«, sangen Willow, Valentina und Gretchen im Chor. Dann klatschten und jubelten sie, schlossen Lotti fest in die Arme und alle vier hüpften vor Freude im Kreis.
»Alles Gute zum Geburtstag, liebe Lotti!«, sagte Willow feierlich und machte eine einladende Geste zum Geburtstagstisch.
Lottis Wangen glühten vor Aufregung. »Oh, wie schön das alles ist!«, rief sie aus und sah mit leuchtenden Augen von einer Freundin zur anderen. »Du siehst schön aus«, lachte Valentina, während sie dem Geburtstagskind ebenfalls einen Blumenkranz auf den Kopf setzte.
»Wir sind Blumenelfen«, lachte Gretchen. Sie hatte sich den dritten Kranz auf ihre Biberohrenmütze gelegt, ohne die sie nie aus dem Haus ging.
»Du musst die Kerzen auspusten«, flüsterte Valentina.
»Oh nein, die hab ich mit so viel Mühe gerade erst angepustet!« Willow versuchte ein beleidigtes Gesicht zu machen.
»Du kannst jetzt Kerzen anpusten?«, fragte Valentina verblüfft. Willow nickte stolz. »Lange geübt und endlich geschafft.«
Lotti kicherte, schloss dann aber doch die Augen. Sie presste die Lippen zusammen, holte tief Luft und pustete die neun Kerzen mit einem Atemzug aus.
»Neun auf einen Streich!«, riefen die Mädchen und klatschten begeistert Beifall.
Lotti öffnete die Augen und musterte ihre Freundinnen streng. »Ihr habt doch mitgepustet!«
Valentina, Gretchen und Willow schüttelten heftig die Köpfe.
»Wir?«, fragte Gretchen mit Unschuldsmiene.
»Niemals!«, bestätigte Willow.
»Wir können überhaupt nicht pusten!«, fügte Valentina hinzu. Dann prusteten die drei los und Lotti kicherte mit.
»Hast du dir überhaupt was gewünscht?«, wollte Willow wissen, als sie wieder Luft bekam.
»Klar, ich lass mir doch an meinem Geburtstag keinen Wunsch entgehen.«
»Und jetzt die Geschenke.« Gretchen holte ein Päckchen aus ihrer Umhängetasche. Auch Willow und Valentina legten ihre Geschenke vor Lotti.
»Ich liebe Geschenke!«, rief Lotti aus. »Und ich liebe es, Geburtstag zu haben.«
»Mach auf, mach auf!«, forderte Gretchen ungeduldig und quiekte voller Vorfreude.
»Du quiekst wie ein Ferkelchen«, lachte Willow.
»Wenn, dann wie ein kleines Wildschweinferkel, bitte schön!«, antwortete Gretchen und quiekte gleich noch einmal. »Müsst ihr nicht quieken, wenn ihr aufgeregt seid? Ich kann da gar nicht anders.«
»Beeil dich mit deinen Geschenken, Lotti, sonst nimmt das Quieken kein Ende mehr«, kicherte Valentina.
Lotti ließ sich nicht zweimal bitten. Sie öffnete Gretchens Päckchen. Noch bevor sie den Inhalt begutachten konnte, erklärte Gretchen aufgeregt: »Ohne Hexerei. Handgemacht. Das ist eine Jacke, die hab ich aus einem alten Pulli von meinen Brüdern geschneidert. Oben an der Kapuze, siehst du, hier«, sie nahm Lotti das rote Stoffbündel aus der Hand und faltete es auseinander, »da hab ich Ohren drangenäht. Du wirst voll niedlich damit aussehen. Wie ein kleines Eichhörnchen. Und apropos Eichhörnchen. Da vorne ist eine Tasche, da passt Krümel rein und kann es sich gemütlich machen.«
Lotti strahlte. »Die ist wahnsinnig schön, Gretchen, danke. Und so kuschelig.«
»Das kommt daher, weil die schon hunderttausendmal gewaschen wurde und fünf Brüder die schon anhatten.«
Lotti schlüpfte sofort in die Jacke und Krümel sprang an dem Mädchen hoch und verschwand in der gemütlichen Tasche. Dann stülpte sie sich die Kapuze über. »Gretchen, die ist suuuuperschön!« Voller Freude drehte sie sich im Kreis.
»Ich wünsch mir auch so eine, wenn ich Geburtstag habe, Gretchen!«, sagte Willow.
»Ich auch!«, rief Valentina.
»Ich werde sehen, was ich tun kann«, grinste Gretchen und war sehr stolz, dass ihr Geschenk so gut angekommen war.
In Valentinas Päckchen befand sich eine weiße Eulenfeder an einer Kette. Braune Holzperlen wechselten sich mit ein paar Bernsteinperlen ab.
»Ich dachte, Braun passt, weil du doch das Element Erde bist«, erklärte Valentina. Lotti umarmte ihre Freundin fest. »Jolanda hat natürlich auch ihren Teil beigetragen!« Valentina deutete auf die Eule.
Lotti nahm die Kette und hängte sie sich um den Hals. »Danke, Jolanda. Du hast die schönsten Federn der Welt und ich hoffe, diese hier fehlt dir jetzt nicht beim Fliegen«, rief sie in Richtung der Eule.
»Bist du verrückt?« Valentina bekam ganz große Augen. »Ich reiß Jolanda doch keine Feder aus. Natürlich war das eine, die sie von selbst verloren hatte.«
»Weiß ich doch!« Lotti strich zärtlich über die weiche Eulenfeder.
»Die Kette steht dir total gut und sie passt super zu deinem Mojo.«
Das Mojo war ein Amulett, das jedes Mädchen an einem Lederband um den Hals trug. Willow hatte sie damals im alten Hexenhaus in der Kiste gefunden, die ihre verstorbene Großtante Alwina für sie bereitgestellt hatte.
»Stimmt. Richtig schön!«
Von Willow bekam Lotti eine gerahmte Bleistiftzeichnung von Krümel.
»Wahnsinn! Er sieht ja aus wie echt. Als würde er direkt aus dem Papier springen wollen!«, staunte sie.
»Es war gar nicht so leicht, weil Krümel nie stillsitzen wollte, aber ich glaub, ich hab ihn ganz gut getroffen.« Willow betrachtete noch einmal ihre Zeichnung.
»Das Bild ist wunderschön! Ich würde auch gern so gut zeichnen können wie du, Willow!«, seufzte Lotti.
»Und ich würde gern so gut tanzen können wie du«, lachte Willow, denn sie hatten schon mehrmals darüber gesprochen, dass eben jede von ihnen etwas anderes richtig gut konnte.
»Oder so gut Geschichten erzählen wie Valentina …«
»Oder so gut aus alten Kleidern neue nähen wie Gretchen«, riefen Valentina, Willow und Lotti lachend.
»Ich habe übrigens was Interessantes herausgefunden!«, begann Valentina, als sich die kleine Partygesellschaft den Kuchen schmecken ließ, und griff in ihre Rocktasche. Sie zog einen Zettel mit ihren Notizen heraus. »Ist euch eigentlich aufgefallen, wann wir alle Geburtstag haben?«, fragte sie und sah von einer zur anderen. »Natürlich. Lotti hat heute Geburtstag, das ist mir allerdings schon vorgestern aufgefallen, ich hab am 1. November und das fällt mir auch immer schon im Oktober auf und zwar fällt mir das auf, seit ich denken kann. Und Gretchen hat am 21. Juni und du, Valentina, am 1. Mai. Auch das ist mir alles schon mal aufgefallen«, zählte Willow mit gespielt ernster Miene auf.
»Hast du Mücken! Und wie mir das jedes Jahr auffällt!«, kicherte nun auch Gretchen.
Valentina verdrehte die Augen. »Ich meine, wisst ihr nicht, was für besondere Tage unsere Geburtstage sind?«
»Jeder Geburtstag ist doch für den, der Geburtstag hat, besonders, Valentina!«
Valentina stöhnte. »Manchmal ist es leichter, meinem vierjährigen Bruder zu erklären, wie das mit der Photosynthese funktioniert, als euch den Gebrauch einer Zahnbürste.«
»Also, wir hören!«, sagte Willow und bemühte sich, ihr aufmerksamstes Gesicht zu machen.
Valentina atmete tief durch, als würde sie ihre Gedanken sortieren müssen, dann erklärte sie: »Heute ist der 1. August. In der Welt der Hexen wird dieser Tag Lughnasadh genannt. Es ist die Hochzeit des Lichts. Wir befinden uns also zwischen der großen Sommersonnwende, die übrigens am 21. Juni stattfindet, und was ist da?«
»Gretchens Geburtstag!«
»Richtig. Und zwischen der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, also dem heutigen Tag. Du, Willow, hast am 1. November Geburtstag. Es ist die Nacht nach Halloween. Und ich habe am 1. Mai, dem Tag nach der Walpurgisnacht, Geburtstag.«
Jetzt sahen sich die Freundinnen mit großen Augen an.
»Das ist mir wirklich noch nie aufgefallen. Wir sind an Hexentagen geboren.«
»Genauer gesagt, gibt es acht wichtige Hexentage. Sie heißen: Jul, Ostara, Beltane, Litha, Lughnasadh, Mabon, Imbolc und Samhain. Und jetzt ratet mal, wer an den anderen vier wichtigen Hexentagen Geburtstag hatte.«
»Unsere Großtanten und Großmütter?«, fragte Willow verblüfft, die die Antwort bereits ahnte.
»Unsere Hexenvorfahren?«, fragte Lotti, die auch zu verstehen begann.
»Ganz genau!« Valentina nickte stolz.
»Da wiehert ja das Warzenschwein«, flüsterte Gretchen.
»Das gibt’s doch nicht!«
»Also wenn ich bis heute noch nicht sicher gewesen wäre, dass wir wirklich Hexen sind, die die Hexenkräfte unserer Vorfahren in uns haben, spätestens jetzt wäre es klar wie verkohlte Kartoffelsuppe.«
»Alles ergibt einfach Sinn. Dass deine Großtante Alwina dir diesen Wald und ihr Hexenhaus vererbt hat und ihre Hexenkraft. Dass Grimmoor, das Hexenbuch, dir aufgetragen hat, uns zu suchen. Und dass wir uns schließlich gefunden haben. Wir vier. Die Hexen der vier Elemente. Feuer, Wasser, Erde, Luft. Als hätten unsere Großtanten und Großmütter uns geleitet.«
»Oder das Schicksal oder die Bestimmung oder der Mond. Ich glaub ja, der Mond leitet alles.« Willow nickte und blickte zum Himmel, an dem auch jetzt, am helllichten Tag, der Mond zu sehen war.
»Und unsere Krafttiere nicht zu vergessen«, fügte Lotti hinzu.
Jetzt wandten sich die Mädchen liebevoll ihren Tieren zu, die sich in den Sonnenstrahlen wärmten, die die Augustsonne zwischen den Baumwipfeln hindurchschickte.
»Und dass wir dadurch Freundinnen geworden sind.«
»Alles macht Sinn!«
»Ja, alles macht Sinn!«
Die Mädchen sahen sich an. Eine kurze Weile sagte niemand etwas. »Apropos. Wo ist denn eigentlich Grimmoor?«, fragte Lotti plötzlich.
Willow fasste sich an die Stirn. »Ich hab ihn im Haus vergessen, dabei wollte er ja mitfeiern! Oje, er wird furchtbar traurig sein.«
»Und eingeschnappt!«
»Und schmollen wird er auch!«
»Und ihr wisst, wie gut Grimmoor schmollen und eingeschnappt sein kann.«
»Was machen wir denn jetzt? Er wird bestimmt tagelang nicht mehr mit uns sprechen.«
»Wir tun einfach so, als würde mein Geburtstag gerade erst beginnen«, schlug Lotti leise vor.
»Gute Idee, Lotti!«, lobte Valentina. »Also, alles auf Anfang!« Und so pustete Willow noch einmal die Kerzen an und ging ins Haus, um Grimmoor zu holen, während Lotti sich von Valentina noch einmal die Augen verbinden ließ. Gretchen wickelte die Geschenke, so gut es ging, noch einmal in die aufgerissenen Papiere ein und rannte dann zu Valentina und Lotti, die leise kichernd im Unterholz verschwanden, damit sie noch einmal auftauchen konnten.
Grimmoor war ein uraltes Hexenbuch. Sein Einband war aus dunkelbraunem Leder und man konnte darauf einen Kreis erkennen, in dem vier Spiralen miteinander verwoben waren. Dann gab es noch vier kleine Kreise, in jeder Ecke des Buches einen. In jedem dieser Kreise befand sich ein Symbol. Eine Welle, eine Spirale, eine Flamme und eine Blume. Jedes Symbol stand für eines der Mädchen, die wiederum ein Element verkörperten. So war Willow das Element Feuer, Valentina Luft, Gretchen Wasser und Lotti Erde.
Grimmoor war also kein gewöhnliches Buch. Er war ein Hexenbuch und hatte seinen eigenen Kopf. Er blätterte seine Seiten nur dann um, wenn er es für richtig hielt. Und dann waren diese Seiten erst einmal weiß. Erst wenn Grimmoor sich mitteilen wollte, erschienen die Buchstaben auf dem Papier.
Als Willow mit Grimmoor aus der Tür trat, spulten die Mädchen das Geburtstagsritual noch einmal ab. Diesmal allerdings im Schnelldurchlauf. Es sah aus wie ein Film, den man schneller ablaufen ließ. Als sie sich die letzten Kuchenkrümel in den Mund steckten, öffnete sich das Buch und schrieb: Ihr wollt mich wohl verpappeln?
»Das heißt veräppeln«, berichtigte Valentina das Buch.
»Oder verpopelen«, fügte Gretchen hinzu.
In der Welt der Bücher heißt das verpappeln, weil es von dem Wort Pappe abgeleitet wird - es ist derMehlkleister der Buchbinder, mit dem die Papier- und Pergamentbögen zusammengepappt wurden. Ein bereits in der ägyptischen Antike bekanntes Verfahren, schrieb das Buch.
Jetzt sahen sich die Mädchen schuldbewusst, aber gleichzeitig belustigt an.
»Tut uns leid, Grimmoor. Wir waren so aufgeregt.«
Nichts ist schlimmer, als vergessen zu werden, schrieb das Buch in langen beleidigten Buchstaben.
»Ach, Paperlapappe, wir würden dich niemals vergessen. Wenn wir dich vergessen hätten, dann hätten wir ja auch jetzt nicht an dich gedacht. Wir haben eben nur ein bisschen spät an dich gedacht.«
»Ja, wir haben dich nur ein bisschen vergessen.«
»Ein ganz kleines bisschen.«
Das Buch blähte sich auf, als würde es seufzen.
»Nicht böse sein, liebster Lieblingsgrimmoor!«, säuselte Lotti und ging auf das Buch zu, um es zu umarmen. »Ich hab doch heute Geburtstag und da darfst du mir gar nicht böse sein, weil das Einzige, das ich mir von dir zum Geburtstag wünsche, ist, dass du mir nicht böse bist.«
»Wenn eine Grimmoor bezirzen kann, dann Lotti«, flüsterte Gretchen Valentina und Willow zu.
Das Buch schien zu überlegen. Dann veränderten sich die beleidigten Buchstaben und wurden zu einer wunderschönen fröhlichen Schwungschrift. Es schrieb: Alles Gute zum Geburtstag, kleine Hexe, Lottika.
Lotti grinste von einem Ohr bis zum anderen. Valentina, Willow und Gretchen atmeten erleichtert auf.
Dann riss sich Grimmoor eine Seite aus. Das Papier faltete sich zu einem Schmetterling und dieser flog hoch hinauf.
»Ah« und »Oh« machten die Mädchen und sahen dem Papierschmetterling hinterher, bis er in den Baumwipfeln verschwand.
»Danke, Grimmoor, was für ein wunderschönes Geschenk«, sagte Lotti, dann warf sie einen besorgten Blick in das Buch, zu der Stelle, an der die Seite sich herausgelöst hatte. Nicht der Rede wert. Wächst nach!, schrieb Grimmoor, als könnte er Lottis Gedanken lesen.
Fröhlich drehte sich Lotti zu ihren Freundinnen um. Da zuckte sie plötzlich zusammen. »Was war denn das?«, fragte sie und fasste sich an die Ohren.
»Was meinst du?«, fragte Willow zurück und sah sich um. »Ich habe nichts gehört.«
»Ich auch nicht«, sagte Valentina und auch Gretchen schüttelte den Kopf.
Wieder zuckte Lotti zusammen. »Das da. Das Geräusch!«
»Da ist nichts!«
»Du hörst Gespenster«, kicherte Gretchen.
»Lasst uns lieber zu Musik und Tanz wechseln«, rief Valentina, schnippte mit ihren Fingern und ein altes Grammofon, das auf einem Holztischchen stand, begann zu spielen.
Lotti drehte sich noch einmal in die Richtung, aus der sie dieses seltsame Geräusch vernommen hatte. Dann schüttelte sie den Kopf und hakte sich bei Willow ein, die sie zum Tanzen aufforderte.
Wenn es kichert und giggelt und lacht,mal laut, mal schrill, mal sacht,sind das die kleinen Kichelsteine.Sie hüpfen, denn sie habenweder Arme noch Beine.Manchmal lassen sie sich einfach rollen,wenn sie wollen.Manchmal springen sie in des Baumes Spitzen,verschwinden dort in Rindenritzen.Werden eins mit dem Holz.Darauf sind sie stolz.
Es war dunkel geworden. Die Lampions wiegten sich sacht im Wind hin und her. Die vier Mädchen lagen im weichen Moos und sahen in die Sterne, die zwischen den Wipfeln der Bäume am Himmel zu ihnen herabblinkten.
Rufus hatte seinen Kopf auf Willows Bauch gelegt und die Augen geschlossen. Kehala hatte sich in ihren Panzer zurückgezogen. Man hörte sie leise schnarchen. Krümel war in Lottis Jackentasche zusammengerollt eingeschlafen und Valentinas Eule saß auf einem Ast und genoss die Stille.
»Sternschnuppe!«, riefen die Mädchen plötzlich im Chor. Dann schlossen alle die Augen und überlegten sich einen Wunsch, der nicht ausgesprochen werden durfte.
Willow gähnte. »Wir sollten nach Hause gehen«, sagte sie leise und richtete sich auf. Rufus hob sogleich den Kopf. Willow streichelte sein weiches Fell.
Auch die anderen Mädchen standen langsam auf.
Gretchen wollte gerade nach dem Tellerstapel greifen, da hielt sie Willow zurück. »Gretchen. Wie räumt eine Hexe den Tisch ab?«
Gretchen schlug sich mit der flachen Hand an die Stirn. »Donnerknispelkieselstein, ich lern das nie!« Dann hob sie die Hände über das Geschirr und wisperte:
»Aller Inhalt werde leer,leicht, was eben noch war schwer.
Alle Schwere nun entweicht,alles werde federleicht.
Hebe dich nun in die Luft,wenn das Käuzchen dreimal ruft.«
Jetzt rief Jolanda. Drei Mal. »Schuhu, schuhu, schuhu.«
Behutsam hoben sich die Teller vom Tisch und schwebten mit einem Wusch zum Hexenhaus.
»Nein, Gretchen, du musst erst noch …«, schrie Valentina, doch dann verstummte sie. Die Teller prallten gegen die verschlossene Tür des kleinen Häuschens und zerbarsten in unzählige Scherben. »… die Tür aufmachen«, vollendete Valentina ihren Satz.
»Da pinsel doch einer die Wand an!«, rief Gretchen aus. »Kein Problem, Gretchen, das haben wir gleich!« Lotti trat an die Scherben heran.
