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Die heiß ersehnte Fortsetzung der Bestseller-Serie – atmosphärischer denn je Es wird Herbst. Willow und ihre Freundinnen nutzen die stille Zeit, um an ihren magischen Fähigkeiten zu arbeiten. Vor allem Gretchen versucht alles, um auf einem Besen fliegen zu lernen. Doch es wird unruhiger, als sich ein Hexen-Kongress in der kleinen Stadt ankündigt. Es dauert auch nicht lang, da finden die Möchtegernhexen den Weg in Willows Wald. Die Mädchen tun alles, um zu verhindern, dass die Magie darin entdeckt wird. Wider Erwarten freundet sich Willow mit Lumiel, einer der Hexen, an. Ihr gesteht sie auch ihren immer größer werdenden Wunsch, noch einmal ihre verstorbene Mutter sehen zu können – und Lumiel will Willow dabei helfen. Doch welche Opfer Willow dafür bringen muss, wird sich erst in den Raunächten zeigen. In dieser Serie bereits erschienen: Ein Mädchen namens Willow (1) Ein Mädchen namens Willow – Waldgeflüster (2) Ein Mädchen namens Willow – Flügelrauschen (3) Ein Mädchen namens Willow-Stoffbeutel Ein Mädchen namens Willow-Waldtagebuch Ein Mädchen namens Willow. Krafttierkarten - Finde deinen magischen Begleiter Begeisterte Leserstimmen: "Meine 9-jährige Tochter war von der Geschichte gefesselt und konnte das Buch nicht mehr weglegen." "Dieses Buch ist mit sehr viel Liebe geschrieben und traumhaft schön illustriert. Mein Sohn und ich sind voll begeistert und hoffen auf eine Fortsetzung. Danke für dieses toll Buch!" "Wir haben alle Willow-Bücher gelesen und es ist ein sehr positives, nettes und 'angstfreies' Buch. Die Geschichte ist nicht aggressiv und zeigt die Wichtigkeit der Natur auf, wie auch die 'richtigen' Freunde zu treffen und gemeinsam Probleme zu lösen. Sehr empfehlenswert."
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Das Buch
Es wird Herbst. Willow und ihre Freundinnen nutzen die stille Zeit, um an ihren magischen Fähigkeiten zu arbeiten. Vor allem Gretchen versucht alles, um auf einem Besen fliegen zu lernen. Doch es wird unruhiger, als sich ein Hexen-Kongress in der kleinen Stadt ankündigt. Es dauert auch nicht lang, da finden die Möchtegernhexen den Weg in Willows Wald. Die Mädchen tun alles, um zu verhindern, dass die Magie darin entdeckt wird. Wider Erwarten freundet sich Willow mit Lumiel, einer der Hexen an. Ihr gesteht sie auch ihren immer größer werdenden Wunsch, noch einmal ihre verstorbene Mutter sehen zu können – und Lumiel will Willow dabei helfen. Doch welche Opfer Willow dafür bringen muss, wird sich erst in den Rauhnächten zeigen.
Die Autorin
© Christian Hartmann
Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.
Mehr über Sabine Bohlmann: www.sabinebohlmann.com
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Der Verlag
Du liebst Geschichten? Wir bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH auch!Wir wählen unsere Geschichten sorgfältig aus, überarbeiten sie gründlich mit Autor:innen und Übersetzer:innen, gestalten sie gemeinsam mit Illustrator:innen und produzieren sie als Bücher in bester Qualität für euch.
Deshalb sind alle Inhalte dieses E-Books urheberrechtlich geschützt. Du als Käufer:in erwirbst eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf deinen Lesegeräten. Unsere E-Books haben eine nicht direkt sichtbare technische Markierung, die die Bestellnummer enthält (digitales Wasserzeichen). Im Falle einer illegalen Verwendung kann diese zurückverfolgt werden.
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Viel Spaß beim Lesen!
NebeltanzLeise steigt der weiße Dunst in den Wiesen auf.Nebeldecke legt sich über Halme, Moos und Strauch.Sonnenstrahlen schneiden Nebelscheiben ab.Nebelhauch vergeht und lässt nun Raum dem neuen Tag.Doch irgendwann ergreift er wiedermit seiner Diesigkeitden Boden wie ein Wolkenmeer,bleibt bis zur Dunkelheit.Und wenn der Nebel leise tanzt,dann tanze einfach mit.Nimm die weißen Geister an die Hand,und Schritt für Schritttanz den Nebelschleiertanz.Tanz ihn mit den Seelen,dann werden sie dir alles über sich erzählen.
Für alle Mütter dieser Welt
Klein und grau, langer Schwanz,keine Ratte, Mäusetanz.Kohleaugen, Käse, Speck,Kletterkünstler, Mäusedreck.Mäusekinder tippeln, fiepen, überall hört man es piepen.Spielen am liebsten Katz und Maus,flüchten schnell ins Mäusehaus.
Samstagmorgennebel hüllte den Wald ein. Nur die Spitzen der Bäume stachen durch die weiße Wattewolke. Wie Nadeln aus einem Nadelkissen. Der Nebel hing wie eine weiße Suppe auf dem Waldboden und kroch über die Wiese bis hin zu Willows Haus. Als wäre eine Wolkendecke vom Himmel gefallen.
Die Sonne suchte sich einen Weg durch das Grau und fand ihn auch. Zumindest schaffte sie es, einen Strahl durch das Fenster der Junghexe zu schicken und das Mädchen an der Nase zu kitzeln. Willow schlug die Augen auf. Sie sah den kleinen Staubpartikeln zu, die in diesem Lichtstrahl tanzten. Einige schimmerten sogar in Regenbogenfarben. Willow atmete einmal ein und aus. Und sogleich wirbelten die Teilchen in ihrem ausgepusteten Atem durcheinander. Sie wartete, bis sich der wilde Tanz wieder beruhigt hatte. Ob der Staub immer da war? Überall? Ständig um sie herum?
Oder suchte er sich nur die Sonnenstrahlen zum Tanzen. Wie ein Tänzer das Scheinwerferlicht auf der Bühne. Und wenn er immer da war, bedeutete das, dass man all diese klitzekleinen Teilchen auch immerfort einatmete? Und dann auch wieder aus? Egal wie es war. Es war magisch. Ohne einen Hexenspruch, ohne einen Trank oder einen Wink mit dem Zauberstab, der Staub tanzte – wie verzaubert. Regenbogenglitzerstaubtänze.
»Willow, bist du schon wach?«, fragte ihr Vater, Adam Flynn, und klopfte an ihre Tür.
»Nein, ich schlafe noch!«, antwortete Willow und zog sich die Decke über den Kopf. Sie hörte, wie ihr Vater trotzdem die Tür öffnete und auf der Bettkante Platz nahm. Es roch nach Kakao, Ei und Toast.
»Schade, dann muss ich mir jemand anderen suchen, der sich über dieses phänomenale Frühstück freut!«, sagte Adam Flynn und Willow konnte sein Grinsen förmlich hören.
Sofort schlug sie die Decke zurück. »Bin wach!«, rief sie und griff nach einem Marmeladentoast. »Frühstück ans Bett? Hab ich Geburtstag? Womit hab das verdient?«, fragte sie mit vollem Mund.
»Ich dachte, satt kann man besser Mäuse fangen!« Adam Flynn zog sich verlegen am Ohr.
»Wieso willst du Mäuse fangen?«
»Weil wir wohl welche im Haus haben, genauer gesagt auf dem Dachboden.«
»Wir haben einen Dachboden? Wieso weiß ich nichts davon?«
»Weil wir, seit wir hier wohnen, noch nicht dort waren. Und das liegt daran, dass wir die Tür noch nicht gefunden haben.«
Willow lachte. »Was wahrscheinlich wiederum daran liegt, dass wir sie noch nicht gesucht haben, denn warum sollte ich nach einer Tür für einen Dachboden suchen, ohne zu wissen, dass wir einen Dachboden haben?« Jetzt lachte auch Adam Flynn. Willow sprang aus dem Bett. »Du hast Glück, dass du eine Hexe im Haus hast, die findet alles, was man verloren hat, auch eine Tür zum Dachboden und den Dachboden dazu.«
Adam nickte lächelnd. »Das hatte ich gehofft.«
Seit Willow im Frühjahr die Hexenkraft ihrer Tante Alwina vererbt bekommen hatte, hatte das Mädchen viel gelernt. Einige kleine Hexereien schüttelte sie schon wie nichts aus dem Ärmel. Andere Dinge gingen allerdings immer noch schief und deshalb war sie oft noch sehr vorsichtig, wann und wie sie ihre Hexenkräfte einsetzen wollte. Der Zeig-dich-Zauber war jedoch einer ihrer ersten Hexereien gewesen.
Willow stellte sich im Schlafanzug in den Flur, schloss die Augen und streckte ihre Hände aus.
»Darf ich zusehen?«, flüsterte Adam Flynn ehrfürchtig, er hatte immer noch Respekt vor seiner kleinen Hexentochter und deren Fähigkeiten.
Willow nickte fast unmerklich, sie war schon in voller Konzentration. Dann begann sie zu wispern:
»Du bist ganz nah, doch unsichtbar,
für Augen nicht zu sehen.
Drum zeig uns, wo du dich versteckst,
im Augenblick hervorgehext.
Erscheine!«
Willows Hände begannen zu vibrieren. Dann wurden sie von einer unsichtbaren Kraft nach oben gezogen, sodass Willow automatisch die Arme heben musste. Jetzt öffnete sie die Augen. Auch Adam Flynn blickte zur Decke. Ein Quadrat leuchtete dort auf.
»Das war ja leicht!« Willow senkte die Arme. »Das hätten wir auch ohne Hexerei finden können!« Sie gab der Luke ein Zeichen, sich zu öffnen. Diese klappte auch brav auf.
»Ich versteh immer noch nicht, wie das mit der Magie funktioniert, Pieps. Einmal sprichst du einen Spruch, einmal wischst du nur mit den Händen oder schnipst, und ein anderes Mal brauchst du Fläschchen mit Tränken und Ritualen und Hexenbüchern und …«
»Magie ist eben nicht so einfach. Mit bloßem Schnipsen kommt man bei den größeren Dingen nicht weit. Je größer ein Zauber, desto mehr braucht man dazu. Es ist wie … wenn du ein Haus baust. Dann kann man ein paar Steine vielleicht noch mit den Händen übereinanderschichten. Aber je größer das Haus wird und je schwerer die Bauteile, desto mehr Werkzeuge oder sogar Maschinen brauchst du. Eigentlich also ganz logisch, oder, Papa?«
Adam Flynn nickte und sah nach oben zur Luke.
»Der nächste Zauber heißt aber, glaub ich, Leiter holen, weil das mit dem Schweben und auch das mit dem Fliegen noch nicht so ganz funktioniert.«
»Ach ja, natürlich!« Adam Flynn verschwand im Putzschrank und kam kurz darauf mit einer Leiter zurück. Außerdem hatte er einen kleinen Karton unter dem Arm. »Mausefallen!«, erklärte er, als er den fragenden Blick seiner Tochter bemerkte.
»Nicht dein Ernst! Wir werden die armen Mäuse sicher nicht mit Käse und Speck in Mausefallen locken, in denen sie dann brutal zerquetscht werden.«
»Das sind natürlich Lebendfallen, Pieps!«
»Auch das nicht. Wozu bin ich eine Hexe? Die Tiere im Wald hören ja auch auf mich. Ich bin sicher, dass ich die Mäuschen zu einem Umzug überreden kann. Bei den alten Eichen sind noch einige schöne Mäuse-Apartments frei. Und Mäusenahrung gibt es dort in Hülle und Fülle!« Willow grinste.
Dann kletterte sie die Leiter nach oben und Adam Flynn folgte ihr. Staubige, abgestandene Luft schlug ihnen entgegen. Willow ging zu einem winzigen runden Fenster, um es zu öffnen.
Adam Flynn leuchtete mit einer Taschenlampe in die dunklen Ecken. »Mäuse! Wo seid ihr? Hier kommen die Mäusewohnungs-Immobilienmakler! Zimmer mit Aussicht gefällig? Wir hätten da eine freundliche Drei-Zimmer-Wohnung am Stadtrand anzubieten, mit Blick auf Pilzplantagen, in netter Nachbarschaft mit den Eichhörnchen.«
Willow schnipste mit den Fingern und eine Glühbirne, die traurig von der Decke hing, leuchtete auf. »Papa, ich glaube nicht, dass sich die Mäuschen heraustrauen, wenn so ein großer Mensch so laut spricht.«
»Zumindest trauen sie sich, in den Wänden nach unten zu laufen und in der Speisekammer die Nudel- und Haferflockentüten aufzuknabbern. Aber ich lass dich gern mit ihnen allein.«
Willow wartete, bis ihr Vater die Leiter hinuntergestiegen war. Dann hockte sie sich auf den Boden. Ganz still saß sie da. Mit aller Geduld, die sie aufbringen konnte. Und Willow konnte viel Geduld aufbringen. Irgendwann war es dann so weit.
Ein Mäuschen rannte von rechts nach links. Ein weiteres hinterher. Willow drehte langsam ihren Kopf. »Ich bin Willow. Habt keine Angst. Ich will euch nichts tun. Aber vielleicht habt ihr es drüben in meinem Wald viel schöner als hier. Da gibt es viele Mäuse wie euch. Ihr könntet neue Freunde finden. Die Luft ist auch viel besser. Nicht so staubig und stickig. Und es gibt immer frische Beeren und Moose, auf denen ihr rumhüpfen könnt. Der Wald ist der schönste Ort, den ich kenne!« Willow machte eine Pause und wartete. Neugierig kam das erste Mäuschen wieder aus seinem Versteck. Willow schaute ihm direkt in die Augen. Es legte den Kopf schief und betrachtete das Mädchen. Dann verschwand es noch einmal kurz und kam gleich darauf mit einer ganzen Mäusefamilie zurück. Es waren sieben Stück. »Packt eure sieben Sachen, dann kann der Umzug losgehen!« Willow lächelte und sah sich suchend um. »Wir brauchen einen Korb, in dem ihr umziehen könnt.« Ihr Blick fiel auf eine Truhe in der Ecke. Willow ging darauf zu und öffnete sie mit einer einzigen Handbewegung. Darin lagen ordentlich zusammengelegt einige Kleidungsstücke. Jedes fein säuberlich in Seidenpapier eingeschlagen. Willow zog das erste heraus. Es war ein grünes Kleid aus festem Baumwollstoff. Es gab weitere Kleider, Röcke und auch einen wunderschönen Mantel mit Stickereien. Willow wusste sofort, wem die Kleider einmal gehört haben mussten. Sie schluckte. Dann schlüpfte sie aus ihrem Schlafanzug und streifte sich das grüne Kleid über. Auch den Mantel legte sie sich um. Er war ihr noch ein bisschen zu groß, aber sie fühlte sich darin sofort wohl. Zwischen einigen alten Stühlen, einer Kommode und einem Garderobenständer entdeckte Willow einen matten Spiegel. Sie trat an ihn heran und erschrak. Denn ein Foto ihrer Mutter schoss ihr in den Kopf, auf dem sie genauso aussah wie sie jetzt.
In diesem Augenblick steckte Adam Flynn seinen Kopf zur Luke herein. »Und, hast du sie überzeu…« Er brach mitten im Satz ab. Dann schluckte er. »Ich dachte gerade wirklich, du wärst sie!«
»Das liegt an ihren Kleidern. Sie waren in der Truhe da! Tante Alwina hat ihre schönsten Sachen wohl dort aufbewahrt.«
»Das grüne war ihr Lieblingskleid. Sie sah darin aus wie eine Elfe. Und so nannte ich sie auch immer, wenn sie das Kleid trug. Meine kleine Elfe!« Adam Flynn lächelte ein trauriges Lächeln. »Steht dir gut!«
»Darf ich die Sachen behalten? Oder macht dich das zu traurig, Papa?«
Einen kurzen Moment musterte Adam seine Tochter, die auf einmal so erwachsen wirkte. Dann schüttelte er den Kopf. »Deine Mutter hätte sich sicher gefreut, wenn du ihre Lieblingskleider trägst!«
Wenn die Sehnsuchtdeine Seele suchtund groß und größer wird.Wenn du denkst, dein Herz zerspringt,und eine Stimme in dir singtund ruft dich immerzu,dann folge ihr ein Stück.Denn vielleichtist das dein Weg zum Glück.
»Wo bleibst du denn, Willow?« Gretchen war vor das kleine Hexenhaus getreten und riss ungeduldig die Arme zum Himmel. Sie trug wie immer ihre Biberohrenmütze, die Mädchen sahen sie selten ohne. »Wir wollten uns doch um Punkt neun zum Training treffen!«
»Ich musste mit meinem Vater noch auf Mäusejagd gehen!« Willow war ganz außer Atem. Rufus, der Fuchs, begrüßte sie und ließ sich von ihr hinter den Ohren kraulen. Er war Willows Krafttier und erwartete sie jedes Mal, wenn sie den Wald betrat. Dann wich er nicht mehr von ihrer Seite. Willow zeigte auf einen Korb.
Gretchen trat näher und linste hinein. Vierzehn Mäuseaugen starrten ihr entgegen. »Heiliger Strohsack, sind die niedlich. Wir könnten sie doch im Hexenhaus wohnen lassen, jetzt, wo der Winter kommt, würden sie sicher draußen erfrieren.«
»Gretchen, wozu haben Tiere Fell?«
»Du bist herzlos!«
»Nein, tierlieb.«
In diesem Moment kamen Valentina und Lotti aus dem Haus. Nun waren die vier Junghexen komplett. Zusammen mit der Hexenkraft, die Willows Tante Alwina ihr übertragen hatte, hatte Willow außerdem einen ganz besonderen Wald und das kleine Haus darin vererbt bekommen – und noch dazu die Aufgabe, drei weitere Junghexen zu finden. Mit Valentina, Gretchen und Lotti hatte Willow schließlich nicht nur drei Hexen gefunden, mit deren Hilfe ihre magischen Kräfte wachsen konnten, sondern auch drei wunderbare Freundinnen.
»Grimmoor wartet schon ganz ungeduldig. Er hasst es, wenn eine von uns zu spät zum Training kommt«, meinte Lotti und wandte sich zum Eingang des kleinen Holzhauses um.
»Tierrettung geht vor!« Willow zeigte erneut auf den Mäusekorb.
Nun brachen auch die anderen beiden Mädchen in Entzücken aus.
»Das sind ja sieben Stück. Eine magische Hexenzahl, die gehören auf jeden Fall zu uns!«
»Nein, sie gehören nur sich selbst und werden sich ein schönes Baumloch suchen«, sagte Willow bestimmt.
»Wie siehst du eigentlich aus, Willow?« Erst jetzt hatte Valentina das Outfit ihrer Freundin bemerkt.
Willow setzte den Korb auf dem Boden ab und drehte sich einmal im Kreis. »Gefällt’s euch?«
»Irgendwie erinnerst du mich an …« Gretchen überlegte und bekam sogleich Valentinas Ellenbogen in die Seite.
Willow blieb abrupt stehen. »An meine Mutter? Das hat mein Vater auch gesagt. Und ihr dürft so was ruhig laut aussprechen. Das ist so lange her. Als meine Mutter gestorben ist, war ich vier und kann mich gar nicht mehr richtig an sie erinnern.«
»Das liegt sicher auch an dem Vergessens-Zauber, den deine Tante Alwina dir damals verabreicht hat«, überlegte Lotti.
Willow nickte. »Der löst sich ja zum Glück langsam auf, seit ich die Hexenkraft angenommen hab.«
»Also erinnerst du dich doch wieder an sie?«
Willow überlegte. »Manchmal ist es so, als ob ganz plötzlich Bilder in mir auftauchen. Es macht wusch oder zisch – wie ein Blitz. Und dann sind sie auch wieder weg.«
»Vermisst du sie sehr?«
»Wie kann man jemanden vermissen, an den man sich nicht richtig erinnern kann? Und ich hab ja immerhin einen Superman als Vater. Mit der Zwei-linke-Hände-Superkraft!«
Die Mädchen kicherten.
Willow hob den Arm und schnupperte an der Jacke. »Ich glaub, das duftet alles sogar noch nach ihr.«
Die drei Hexenmädchen traten näher heran und steckten ihre Nasen ebenfalls in Willows Mantel.
»Wenn deine Mutter nach Muffel gerochen hat, ja, dann riecht das nach ihr.« Gretchen hielt sich die Nase zu.
»Ach, so schlimm finde ich das gar nicht. Irgendwie ist da doch noch ein ganz kleiner Hauch Parfüm dabei.« Valentina schnüffelte noch einmal.
»Für mich riecht es wunderbar, Willow!« Lotti sog tief den Geruch der Kleidungsstücke ein.
»Und wonach?«, fragte Willow gespannt.
Lotti überlegte. »Nach Erinnerungen, nach einer längst vergangenen Zeit. Nach Geborgenheit und gemütlich irgendwie auch. Einfach nach …«
»Mutter!«, vollendete Willow leise ihren Satz.
»… mit Mottenpulver-Parfüm«, prustete Gretchen, und Willow zog gespielt verärgert die Augenbrauen hoch.
»Na warte, ich geb dir gleich Mottenpulver-Parfüm!« Gretchen quiekte und rannte hakenschlagend davon. Willow hinter ihr her.
Valentina und Lotti sahen der wilden Jagd kichernd zu.
Als Willow gerade wieder zu Atem gekommen war und vorsichtig die Mäuse aus dem Korb gelassen hatte, kamen auf einmal seltsame Geräusche aus dem kleinen Hexenhaus.
Die Mädchen horchten auf, dann rannten sie schnell hinein.
Grimmoor lag auf dem Küchentisch und schlug ungeduldig seine Lederdeckel auf und zu. Es war seine einzige Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, denn Grimmoor war ein Buch. Genauer gesagt ein uraltes Hexenbuch. Es hatte einen dunkelbraunen Ledereinband, auf dem ein großer Kreis abgebildet war, in dem vier Spiralen miteinander verwoben waren. In jeder Ecke gab es außerdem noch kleine Kreise mit vier unterschiedlichen Symbolen. Es waren die Symbole für Feuer, Wasser, Erde und Luft.
Vor allem aber hatte das Buch seinen eigenen Kopf. Es blätterte sich nur dann auf, wenn es etwas zu sagen hatte oder den Mädchen etwas Dringendes mitteilen wollte. Es war eigensinnig, leicht eingeschnappt, aber in der Not immer für die Mädchen da. Außerdem war Grimmoor der beste Hexenlehrer, den sie sich vorstellen konnten.
Seid ihr bald fertig mit eurem Kaffeekränzchen? Oder soll ich noch Kuchen servieren? Ich kann allerdings nur mit Buchstabentorte dienen und auch die ist eher papiertrocken, schrieb Grimmoor. Er hasste es, vergessen zu werden. Deshalb fügte er noch mit beleidigten Buchstaben hinzu: Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.
»Ach nein?«, fragte Lotti, trat näher heran und lächelte das Buch liebevoll an. »Was hast du denn noch vor, Grimmoor? Hast du ein Date mit Fräulein Kräuterbuch?«
Ihr habt ja keine Ahnung, was ein Hexenbuch alles zu tun hat, wenn die Buchdeckel geschlossen sind.
Auch Willow, Valentina und Gretchen traten interessiert näher.
»Darüber habe ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht, Grimmoor. Erzähl doch mal!«, forderte Willow das Buch auf.
Ihr wollt euch nur vor dem Training drücken, schrieb Grimmoor.
»Aber, aber, lieber Grimmoor, warum sollten wir das tun?«, fragte Lotti mit Zuckerstimme.
Weil ihr einen sehr strengen Lehrer habt?
»Du bist doch das liebste Lehrbuch auf der Welt! Und streng … na ja, wenn, dann nur ein ganz, ganz kleines bisschen«, meinte Gretchen und grinste.
Lotti hob den Zeigefinger. »Streng, aber mit dem Herz am rechten ... äh … haben Bücher überhaupt Herzen?«, flüsterte sie Willow zu.
Diese überlegte. »Mit der Tinte am rechten Fleck!«, verbesserte sie Lottis kleine Rede.
Grimmoor errötete ein wenig. Nun lasst uns beginnen!, antwortete er ausweichend. Er blätterte eine Seite um und schrieb in verschnörkelten altmodischen Buchstaben:
Wenn die Tage kürzer werden
und Ruhe einkehrt hier auf Erden,
wenn der Nebel dichter wird
und sich tief im Wald verirrt,
dann ist es Zeit,
macht euch bereit,
denn in der Ruhe liegt die Kraft
und mit Geduld ihr Großes schafft!
Die Mädchen lasen die Worte im Chor. Sie liebten es, wenn Grimmoor in Reimen schrieb. Und Grimmoor liebte es mindestens genauso, in Reimen zu schreiben. Für ihn hatte das Stil. Für ihn waren Worte, die sich reimten, die größte Magie auf Erden.
Und tatsächlich war die Welt draußen leiser geworden. Die Kälte sorgte für eine klare reine Luft und wenn die Mädchen vom Wald in das Hexenhaus kamen, zündeten sie Kerzen an und befeuerten den kleinen Bollerofen. Gemütlich war das, und auch die Junghexen spürten, dass eine besondere Zeit auf sie wartete.
»Werden wir auch endlich Besenfliegen lernen, Grimmoor?«, fragte Gretchen zum hundertsten Mal.
Willow verdrehte die Augen. »Es gibt doch sicher Wichtigeres als das, Gretchen!«
»Es gibt immer Wichtigeres, aber gibt es auch Lustigeres? Und hin und wieder ist es wichtig, dass man es lustig hat!« Gretchen verschränkte die Arme vor der Brust.
Grimmoor räusperte sich, indem er Ähem, ähem auf die Buchseiten schrieb.
Und dann begann endlich das Training. Es gab Übungen für alle vier, aber auch bestimmte Aufgaben für jede Einzelne von ihnen.
Da jedes Mädchen für ein anderes Element stand – Willow für das Feuer, Valentina für die Luft, Gretchen für das Wasser und Lotti für die Erde –, gab es bestimmte Übungen, an denen die Mädchen einzeln feilen mussten.
Die erste Stunde war »Übersinnliches Training«. Es ging darum, seinen Geist zu leeren und sich in seinen Gedanken auf einen anderen Ort zu konzentrieren. Ziel war es zu spüren, wenn sich irgendwo etwas Wichtiges ereignete, ohne am jeweiligen Ort sein zu müssen. Wenn die Junghexen das beherrschen würden, könnten sie sogar spüren, wenn es einer von ihnen nicht gut ging.
Dann übten sie, Dinge schweben, Dinge verschwinden und Dinge wieder erscheinen zu lassen.
Die meiste Kraft besaßen sie, wenn sich alle vier an den Händen nahmen und gemeinsam die Hexensprüche aufsagten. Doch den Mädchen fiel es schwer, all die Sprüche auswendig zu lernen. Es gab unzählige dicke Bücher für jede erdenkliche Situation. Für manche Situationen gab es sogar mehrere Sprüche. Daher hatten die vier beschlossen, sie aufzuteilen und nur die gemeinsam zu lernen, die ihnen besonders wichtig erschienen. Vor allem Lotti hatte Schwierigkeiten mit dem Auswendiglernen. Oft brachte sie alle Sprüche durcheinander. Und so gingen auch hin und wieder ihre Übungshexereien daneben. Dann stieß Gretchen jedoch auf einen Spruch, der es ihnen ermöglichte, mit Handauflegen die Sprüche aus dem Buch direkt in ihre Köpfe zu ziehen. Allerdings klappte das nur mit fünfzig Sprüchen pro Person. Doch das war immerhin schon mal etwas.
Der Spruch dafür lautete:
Alle Worte hier im Buch,
jeder noch so kleine Fluch,
jeder Reim und jeder Satz
hat nun in meinem Kopfe Platz.
Meine Hand sauge sie ein –
Hexensprüche werdet mein.
»Mann, Grimmoor, warum hast du uns diesen Spruch nicht früher verraten? Da mühen wir uns schon so lange ab und lernen und lernen, bis wir einen Knoten im Gehirn kriegen, und dabei geht es auch einfacher!«, beschwerte sich Willow.
Grimmoor blätterte seelenruhig eine neue Seite auf und schrieb: Es ist wichtig, sich auch mal anzustrengen. Erst jetzt wisst ihr solch einen Spruch richtig zu schätzen, und ich habe mit solchen Sprüchen auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Jede Magie ist mit einem gewissen Risiko verbunden, das müsstet ihr inzwischen wissen, Junghexen!
Gretchen verdrehte die Augen. »Ja, das wissen wir. Ich sag nur: Liebestrank!«
Valentina, Willow und Gretchen prusteten los, als sie an das arme Gretchen dachten, das im Sommer die Fläschchen für einen Liebestrank verwechselt hatte und danach auf der Flucht vor Carlo war, der sich hoffnungslos in sie verliebt hatte.
Dann gab Grimmoor ihnen die Aufgabe, an ihren besonderen Fähigkeiten zu arbeiten.
Lotti hockte in der Novembersonne und guckte den drei Freundinnen fasziniert bei ihren Übungen zu.
Gretchen versuchte gerade, allein mit ihren Gedanken und ihrer Konzentration, das Wasser aus einem Eimer in einen anderen Eimer zu schütten. Ohne dass die Gefäße dabei bewegt wurden. Anfangs hüpften immer nur wenige Tropfen hinüber, aber dann plötzlich sprang der gesamte Inhalt heraus, allerdings mit so viel Schwung, dass der arme Rufus, der danebensaß und sich das Fell von der Sonne wärmen ließ, die volle Ladung abbekam.
»Ups«, war alles, was Gretchen dazu einfiel.
Valentina wollte sogleich helfen und gab dem Wind ein Zeichen, ihn trocken zu pusten. Doch sie hatte nicht mit der Winterkälte des Windes gerechnet, und die Mädchen sahen hilflos zu, wie Rufus innerhalb einer Sekunde tiefgefroren wurde.
Zerknirscht blickten Gretchen und Valentina zu Willow hinüber, die gerade mit einem Feuerzauber beschäftigt war.
»’tschuldige, Willow!«, rief Gretchen. »Ich glaube, wir haben deinen Fuchs versehentlich tiefgefroren!«
Willow sprang auf und rannte zu ihrem Krafttier hinüber, das steif und starr auf der Wiese stand. Sie legte ihre Hand auf seinen Kopf und sofort taute der Fuchs wieder auf. Klitschnass stand er nun da, schüttelte sich und warf den beiden Mädchen einen vorwurfsvollen Blick zu.
»Das müssen wir wohl noch mal üben! Tut uns leid, Rufus!«, entschuldigte sich Gretchen. »Zumindest wissen wir jetzt, wie man jemanden schockgefriert. Kann man ja vielleicht auch mal brauchen!«
»Ich fühl mich so unnütz!«, meinte Lotti auf einmal. »Ihr könnt so tolle Dinge und ich hab das Gefühl, mein Element Erde ist im Winter zu gar nichts zu gebrauchen.« Lotti ließ lustlos ein paar Efeuranken den Baum hinaufwachsen und grub mit der Kraft ihrer Gedanken ein Loch in die Erde. Sie zuckte freudlos mit den Schultern. »Was kann ich damit schon bewirken? Erdhügel und Gänge können auch Maulwürfe buddeln und das ganz ohne Hexerei.«
»Ach, sei nicht traurig, Lotti. Dafür kannst du die Waldgeister sehen. Ich würde echt gern mit dir tauschen!« Gretchen seufzte.
»Hier wird nicht getauscht. Jeder kann eben was anderes. Und das ist auch schon viel mehr, als die meisten Menschen sich überhaupt vorstellen können. Mit unseren vereinten Kräften schaffen wir sowieso so ziemlich alles«, erinnerte sie Willow.
Als es draußen zu kalt wurde, nahmen die Mädchen Grimmoor und machten es sich im Hexenhaus gemütlich.
Eine besondere Zeit steht bevor!, schrieb Grimmoor. Der Zauber der Rauhnächte!
»Rauhnächte? Was ist denn das wieder?«, fragte Lotti.
In diesem Moment ruckelte ein Buch im Regal und machte auf sich aufmerksam.
Valentina stieg auf einen Stuhl und streckte sich nach ihm aus. »Nur nicht so ungeduldig, ich hab dich ja gleich!«, lachte sie. »Der Zauber der Rauhnächte«, las sie schließlich vor. »Den Rauhnächten schreibt man einen ganz besonderen Zauber zu. Sie beginnen in der Weihnachtsnacht. Viele Hexen tummeln sich in dieser besonderen Zeit, denn ihre Kräfte scheinen in den Tagen zwischen den Jahren stärker zu sein als im gesamten restlichen Jahr. Es heißt, die Seelen nehmen sich und Menschen, die sich dafür öffnen, an den Händen, um den Nebeltanz zu tanzen. Die Rauhnächte können auch Wünsche erfüllen und Träume wahr werden lassen«, las Valentina weiter. »Das klingt schön.« Verträumt blätterte sie durch die Seiten.
»Das klingt gruselig«, meinte Lotti.
»Und voll magisch«, fügte Gretchen hinzu.
Da schlug die Wanduhr vier Mal. Draußen begann es bereits zu dämmern.
Lotti sprang auf. »Oh Mist, schon so spät. Ich hab Mama versprochen, ihr bei der Zwergenstunde zu helfen.«
»Du? Ballettlehrerin?«, fragte Willow erstaunt.
»Warum nicht?« Lotti zuckte mit den Schultern. Ihre Mutter war Ballettlehrerin und besaß eine eigene Tanzschule. »Ich verdiene mir damit mein Taschengeld. Die Kleinen sind echt süß, und so winzig. Die sind erst drei Jahre alt. Und nur ein paar tanzen besser als ich.«
Valentina, Gretchen und Willow konnten sich ein Lachen nicht verkneifen.
Da das Training sowieso zu Ende war, begleiteten die Freundinnen Lotti nach Hause.
In der Stadt blieb Willow plötzlich wie angewurzelt stehen. »Schaut mal!« Sie deutete auf ein Plakat an einem Bauzaun. »Ein Hexenkongress!«
»Was?« Gretchen, Valentina und Lotti kamen neugierig näher. Auf dem Plakat war ein Mond auf violettem Himmel zu erkennen, in dem ein Stern in einem Kreis abgebildet war.
»Der Stern ist ein Pentagramm. Ein Schutzzeichen gegen das Böse«, erklärte Willow und las weiter: »Treffen der Hexen, Magier und Wiccas, Zauberer und Druiden am ersten Adventswochenende.«
»Hier? Bei uns? In unserer klitzekleinen Stadt?«, fragte Valentina ungläubig.
»Das Treffen findet im Kulturhaus statt!«, erklärte Willow.
»Da müssen wir hin!« Lotti hüpfte in die Luft vor Aufregung.
»Warum denn? Das sind sicher nur Möchtegernhexen!«, meinte Gretchen.
Ende der Leseprobe
