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Das Buch zum Netflix-Blockbuster erzählt die Geschichte des ersten Bandes neu, verfasst von Sabine Bohlmann. Mit 40 Filmfotos. Ein magisches Abenteuer bricht an: Als Willow sich eines Tages tief in den geheimnisvollen Wald hineinwagt, den sie von ihrer Großtante Alwina geerbt hat, ahnt sie nicht, was sie dort erfährt: Willow ist eine Hexe! Um jedoch ihre ganze Hexenkraft des Feuers zu entfachen, muss sie zunächst drei weitere Junghexen ausfindig machen. Gelingt es Willow, die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde zu vereinen? In dieser Serie bereits erschienen: Ein Mädchen namens Willow (1) Ein Mädchen namens Willow – Waldgeflüster (2) Ein Mädchen namens Willow – Flügelrauschen (3) Ein Mädchen namens Willow – Nebeltanz (4) Ein Mädchen namens Willow – Schattenzeit (5) Ein Mädchen namens Willow-Stoffbeutel Ein Mädchen namens Willow-Waldtagebuch Ein Mädchen namens Willow. Krafttierkarten – Finde deinen magischen Begleiter Begeisterte Leserstimmen: "Meine 9-jährige Tochter war von der Geschichte gefesselt und konnte das Buch nicht mehr weglegen." "Dieses Buch ist mit sehr viel Liebe geschrieben und traumhaft schön illustriert. Mein Sohn und ich sind voll begeistert und hoffen auf eine Fortsetzung. Danke für dieses toll Buch!" "Wir haben alle Willow-Bücher gelesen und es ist ein sehr positives, nettes und 'angstfreies' Buch. Die Geschichte ist nicht aggressiv und zeigt die Wichtigkeit der Natur auf, wie auch die 'richtigen' Freunde zu treffen und gemeinsam Probleme zu lösen. Sehr empfehlenswert."
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Was soll Willow denn mit einem Wald anfangen? Den hat sie nämlich von ihrer Tante Alwina geerbt. Und nicht nur den – ihre Tante hat Willow auch noch ein kleines windschiefes Häuschen hinterlassen und vor allem: ihre Hexenkraft. Doch ob Willow dieses Erbe, mit allem was dazugehört, wirklich annehmen möchte? Und dann soll sie auch noch drei Mädchen finden, die die Gabe des Hexens ebenfalls in sich tragen. Nur wo? Und vor allem, wie? Zum Glück ist Willow nicht allein, denn Rufus, der Fuchs, weicht nicht mehr von ihrer Seite.
Eine SamFilm Produktion in Koproduktion mit Alias Film und Constantin Film Produktion
Regie: Mike Marzuk
Drehbuch: Gesa Scheibner
Nach dem Buch „Ein Mädchen namens Willow“ von Sabine Bohlmann
© Christian Hartmann
Geboren wurde Sabine Bohlmann in München, der schönsten Stadt der Welt. Als Kind wollte sie immer Prinzessin werden. Stattdessen wurde sie (nachdem sie keinen Prinzen finden konnte und der Realität ins Auge blicken musste) Schauspielerin, Synchronsprecherin und Autorin und durfte so zumindest ab und zu mal eine Prinzessin spielen, sprechen oder über eine schreiben. Geschichten fliegen ihr zu wie Schmetterlinge. Überall und zu allen Tages- und Nachtzeiten (dann eher wie Nachtfalter). Sabine Bohlmann kann sich nirgendwo verstecken, die Geschichten finden sie überall. Und sie ist sehr glücklich, endlich alles aus ihrem Kopf rausschreiben zu dürfen. Auf ein blitzeblankes, weißes – äh – Computerdokument. Und das Erste, was sie tut, wenn ein neues Buch in der Post liegt: Sie steckt ihre Nase ganz tief hinein und genießt diesen wunderbaren Buchduft.
Mehr über Sabine Bohlmann: www.sabinebohlmann.com
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Viel Spaß beim Lesen!
Sabine Bohlmann
Das Buch zum Film
Planet!
Der Schlüssel öffnet dir ein Torzu einer völlig neuen Welt.Mitunter kommt es jedoch vor,dass man den falschen Schlüssel wählt.Wenn du dir sicher bist, greif zu,nimm dir für die Entscheidung Zeit,denn jeder hat so seine Zacken,jeder seine Eigenheit.
Willow stand am Fenster. Es goss in Strömen. Schemenhaft konnte sie die Umrisse des kleinen Waldes erkennen, der an den Garten des alten Hauses grenzte. Der Wind spielte mit den Bäumen und ließ sie sanft hin und her wehen. Willow sah ihnen eine Weile zu.
»Was soll ich denn mit einem Wald?«, flüsterte sie schließlich.
Ihr Vater, Adam Flynn, kam gerade mit einem Umzugskarton ins Zimmer. »Du kannst ein Baumhaus bauen. Oder du kannst vom Weg abkommen und von einem bösen Wolf gefressen werden.« Er hob die Hände wie Bärentatzen und brüllte sein stärkstes Bärenbrüllen. »Uaaaah!« Dann stellte er den Karton lachend auf einen Umzugskistenturm, der gefährlich ins Wanken geriet.
Willow blieb ernst. Sacht schüttelte sie den Kopf. »Oder du fragst die Nachbarskinder, ob sie mit dir spielen wollen. Vielleicht findest du auch gleich Freunde!«, schlug Adam vor, als er die Sorgenfalten auf Willows Stirn bemerkte, die in diesem Moment noch tiefer wurden.
»Ich brauche keine Freunde!«, grummelte sie düster.
»Jeder braucht Freunde«, meinte Adam nun ernster.
»Wir ziehen doch eh bald wieder um!« Willow ging die Treppe hoch in ihr Zimmer.
Adam seufzte. »Willow!«, rief er ihr nach und stieß dabei an den Kistenstapel, der sofort mit einem Rumms umkippte. Der oberste Karton öffnete sich und der Inhalt fiel heraus. Bücher, Ordner, Fotoalben und anderer Papierkram. Adam bückte sich und griff nach einem gerahmten Foto. Kurz warf er einen Blick darauf. Dann folgte er seiner Tochter nach oben.
Willow saß auf dem Bett und sah sich um. Das Haus war in einem bemitleidenswerten Zustand. Eine Diele stand heraus, aus der Decke tropfte der Regen. Alles roch leicht muffig, denn das Haus war schon einige Monate leer gestanden.
Adam setzte sich behutsam neben seine Tochter. »Ich weiß, umziehen ist schei…schwierig«, verbesserte er sich schnell. »Aber schau mal, Pieps …« Er zeigte Willow das Foto. »Das bist du. Und das ist Mama. Hier, in diesem Haus. Du hast es früher hier geliebt!«
Willow blickte auf das Foto. Sie sah sich selbst als Vierjährige mit ihrer Mutter. Vergeblich kramte sie in ihrem Kopf nach Erinnerungen, aber sie konnte keine finden.
»Das weiß ich gar nicht mehr!«, gab sie schließlich zu und starrte weiter auf die Fotografie.
»Na ja, du warst ja auch noch sehr klein. Wenn du dich auf das hier einlässt, kann das wieder unser wunderschönes gemütliches Zuhause werden! Du musst es nur zulassen. Gib ihm ... gib uns hier eine Chance. Schau dich um, es ist alles noch tadellos in Schuss.« Adam versuchte so zuversichtlich zu klingen, wie er konnte. Wie aufs Stichwort fiel in diesem Moment eine Lampe von der Decke und baumelte an ihrem Kabel hin und her. Willow zog die Augenbrauen hoch.
»Ich werde das hier alles reparieren!«, versprach ihr Vater sofort. »Und zwar schneller, als du Blaubeerkuchensahneeiswaffel sagen kannst!«
»Papa, du hast zwei linke Hände. Hammer und Nägel zählen zu deinen Feinden, hast du das vergessen?«, fragte Willow und sah ihren Vater mit schiefgelegtem Kopf an.
Adam sprang auf. »Hey, das schaff ich schon. Ich bin schließlich Superpapa!«
»Super-was?«
»Superpapa!« Adam schnappte sich ein Laken und legte es sich wie einen Umhang um die Schultern. Dann nahm er eine Superheldenpose ein.
»Superpapas können Spaghetti … äh … anbrennen lassen«, berichtete er, so heldenhaft er konnte. Willow musste gegen ihren Willen schmunzeln. »Löcher in Hosen …«, fuhr er fort.
»… nicht zunähen!?«, half ihm Willow weiter.
Adam nickte. »Und gruselige Gute-Nacht-Geschichten erzählen, nach denen man …«
»… nicht einschlafen kann!«, beendeten beide den Satz und lachten.
»Komm, Pieps, ich helf dir beim Auspacken!«, sagte Adam nach einer Weile. »Denn in diesem Karton hier ist, glaub ich, deine Kinderküche. Da kannst du vielleicht auch mal üben, wie man Spaghetti anbrennen lässt, das ist nämlich gar nicht so leicht, wie alle immer denken.«
»Aha!« Willow grinste schief.
Und gemeinsam machten sie sich ans Auspacken.
»Willow! Aufstehen! Schnell, heute fängt die Schule an. Und wir haben verschlafen!« Adam Flynn war in Willows Zimmer gerannt und zog die Vorhänge zurück. Willow schreckte aus dem Tiefschlaf hoch.
Adam warf ihr ein T-Shirt zu und Willow, die die Augen nur halb geöffnet hatte, steckte ihren Kopf durch irgendeine Öffnung, die zwei Mal die falsche war. Hektisch rannte ihr Vater die Treppen hinunter und Willow zog sich hastig an. Ohne die Zähne zu putzen, ohne zu frühstücken, folgte sie ihrem Vater in den Flur. Während sie nach ihrem Rucksack griff, setzte Adam ihr den Fahrradhelm auf. Dieser rutschte ihr jedoch über die Augen, sodass Willow ihre Schuhe nur blind ertasten konnte und hineinschlüpfte. Sie stolperte aus dem Haus, wo ihr Vater bereits auf dem Fahrrad saß und auf sie wartete. Willow rückte noch schnell den Helm zurecht und sprang auf den Gepäckträger. Da fuhr Adam bereits los.
»Festhalten!«, schrie er und das tat Willow, denn sie kannte den Fahrstil ihres Vaters bereits, der wie ein Wahnsinniger in die Pedale trat und mal rechts-, mal linksherum durch die Gassen und Straßen flitzte. Erst überfuhren sie fast einen kleinen Hund, danach die Frau, die an der dazu passenden Leine hing, und dann noch eine rote Ampel.
»Papa, das war Rot!!«, rief Willow ihrem Vater zu.
»Ach, Quatsch. Du sitzt ja viel weiter hinten, bei mir war’s noch dunkelgrün!«, versuchte sich dieser herauszureden und trat weiter in die Pedale. Willow schüttelte amüsiert den Kopf.
Doch als sie mit quietschenden Reifen vor der Schule ankamen und Willow abstieg, verging ihr das Lachen. Mit einem Blick auf ihre Schuhe realisierte sie, dass sie aus Versehen ihre Tigertatzen-Hausschuhe angezogen hatte.
»Nein!«, jammerte Willow. Der erste Schultag in der neuen Schule würde mal wieder eine Katastrophe werden.
Kein Kind war auf dem Pausenhof zu sehen. Der Unterricht hatte bereits begonnen. Willow sah an dem Gebäude nach oben. Es war hübsch. Grüne Fassade, Türmchen, Erker, aber es blieb nun mal das, was es war: eine Schule. Und für Willow zum wiederholten Mal eine neue Schule mitten im Jahr. Genau dann, wenn sich alle bereits gefunden, sich Grüppchen gebildet hatten, in die es schwer war hineinzukommen. Sie seufzte.
»Ich kann da so nicht reingehen!«, sagte Willow leise und deutete auf ihre Hausschuhe.
»Ach was, die werden dich lieben, Pieps!« Adam nahm ihr den Helm ab.
»Du weißt echt nicht, wie Schule funktioniert, Papa!« Willow schüttelte den Kopf.
Gerade wollte sie mit hängenden Schultern das Schulgebäude betreten, da hielt sie ihr Vater noch einmal auf. »Pieps?«
Willow drehte sich zu ihm um, sie wusste, worauf ihr Vater wartete. Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht.
»So viel Zeit muss sein!«, sagten sie gleichzeitig und umarmten sich innig. So war es immer. Seit Willow denken konnte, war dies Gesetz in der Familie Flynn gewesen. Ein Kuss oder eine Umarmung mit auf den Weg, das musste sein. Egal wie sehr man in Eile war.
Willow versteckte ihre Tigertatzen-Hausschuhe hinter ihrem Rücken. Sie hatte beschlossen, dass es weniger peinlich war, barfuß vor einer neuen Klasse zu stehen als mit diesen Hausschuhen. Doch jetzt war sie sich da nicht mehr so sicher. Die Kinder musterten Willow von oben bis unten. Sie hatte ihr T-Shirt verkehrt herum an. Ihre Haare standen ungekämmt und wild vom Kopf ab und ihre Füße waren dreckig, weil sie meist barfuß herumgelaufen war. Ein Mädchen in der ersten Reihe rümpfte sogar ein wenig die Nase.
Die Lehrerin, Frau Schlösinger, stand neben Willow und lächelte ihr freundlich zu. »Sagt doch mal Hallo zu Willow!«, forderte sie ihre Schüler auf.
»Hallo zu Willow!«, singsangte die ganze Klasse.
Frau Schlösinger verdrehte die Augen. »Willst du etwas über dich erzählen?«, wandte sie sich an ihre neue Schülerin.
Willow bemühte sich zu lächeln. Sie biss sich auf die Lippen, dann atmete sie einmal tief durch und begann: »Mein Name ist Willow Flynn. Das kommt aus dem Irischen, weil mein Vater Ire ist.«
Ein Junge in der zweiten Reihe beugte sich zu seinem Nachbarn. »Irre trifft es wohl eher!«, flüsterte er so laut, dass die ganze Klasse und auch Willow es hören konnte.
Frau Schlösinger schüttelte kurz den Kopf, dann nickte sie Willow aufmunternd zu.
Mutig fuhr das Mädchen fort: »Mein Vater arbeitet als Auslandskorrespondent, außerdem schreibt er an seinem ersten Roman. Wir sind viel umgezogen, aber jetzt wohnen wir hier, weil wir das Haus von meiner Großtante geerbt haben.« Willow sah in die Runde. Die Klasse hörte aufmerksam zu. Darum fasste sie Mut und fügte ein wenig stolz hinzu: »Und ich ihren Wald.«
»Den Hexenwald?«, fragte ein blonder Junge erstaunt.
Willow wollte gerade etwas erwidern, da kam ihr ein Mädchen mit dunklen langen Zöpfen zuvor. »Sie hätte mal lieber Geld erben sollen, dann hätte sie sich ein neues Outfit kaufen können.« Willow schluckte. »Und Schuhe!«, fügte das Mädchen mit einem Blick auf Willows Füße gehässig hinzu. Die Klasse grölte.
»Loana! Was soll denn das?«, maßregelte sie die Lehrerin.
»Kann ich mich jetzt setzen?«, fragte Willow kleinlaut.
Frau Schlösinger nickte und deutete auf einen freien Platz in der letzten Reihe.
Mit eingezogenem Kopf ging Willow durch die Reihen und setzte sich. Ein blondes Mädchen lächelte sie an, doch das nahm sie nicht mehr wahr. Nach dem Kommentar von dieser Loana wäre sie am liebsten unsichtbar geworden oder in einem Mauseloch verschwunden.
Als Willow von der Schule nach Hause kam, war Adam Flynn gerade dabei, den Klingelknopf an der Tür zu reparieren. Vorsichtig drehte er den Schraubenzieher herum und bekam in diesem Moment einen kleinen elektrischen Schlag. Erschrocken schrie er auf und schüttelte seine Hand vor Schmerz.
»Na, wie war’s?«, fragte er seine Tochter und steckte den Finger in den Mund, um den Schmerz zu lindern. Willow ging ohne ein Wort an ihm vorbei. Adam seufzte und sah seiner Tochter besorgt hinterher.
Am Nachmittag saß Willow auf der Treppe, die zum Garten hinausführte.
Traurig warf sie ein paar Steinchen in eine verrostete Dose. Es schepperte jedes Mal, wenn sie traf. Immer wieder sah Willow zum Wald hinüber.
Die Bäume türmten sich wie eine Wand vor ihr auf. Kein Weg führte hinein. Plötzlich stutzte sie. Es schien, als hätte sich etwas im Gebüsch bewegt. Zweige wackelten. Da stand etwas am Waldrand. Es war ein Tier. Ein Fuchs. Noch nie zuvor hatte Willow einen Fuchs in freier Natur gesehen. Sie vergaß fast zu atmen, denn das Tier sah genau in ihre Richtung. Und nicht nur das – es schien auf sie zu warten.
Vorsichtig stand Willow auf. Dann ging sie ein paar Schritte in seine Richtung, doch der Fuchs blieb, wo er war, und sah sie aufmerksam an. Schritt für Schritt näherte sich das Mädchen und erst, als sie vor ihm stand, drehte sich das Tier um und verschwand im Gebüsch.
Willow blieb keine Zeit sich zu wundern, denn im selben Moment schien sich das Dickicht zu öffnen, als wäre es eine Tür. Willow zögerte keinen Moment und betrat zum ersten Mal ihren Wald.
Sie schluckte. Der Wald war ihr auf einmal unheimlich. Gleichzeitig fühlte Willow sich magisch von ihm angezogen. Ein Teil in ihr wollte zurück zum Haus laufen, aber der andere Teil, der stärkere, führte sie nun Schritt für Schritt in den Wald hinein. Sie lauschte. Wie still es war.
Der Fuchs erwartete sie. Mit schiefgelegtem Kopf sah er sie an. »Komm mit!«, schien er sagen zu wollen, dann drehte er sich um und lief tiefer in den Wald hinein. Willow folgte ihm.
Als sie völlig außer Atem auf einer Lichtung ankam, war der Fuchs jedoch nirgends zu sehen.
»Fuchs?«, rief Willow leise in das Dickicht des Waldes hinein. Und dann noch einmal lauter: »Fuchs?« Ihre Stimme wurde von Baum zu Baum getragen. Doch das Tier war verschwunden. Ihr wurde plötzlich bewusst, wie wenig sie über Füchse wusste. Waren sie eigentlich gefährlich? Angst hatte sie keine gehabt. Sie war wie verzaubert von seiner Schönheit und tief in sich hatte sie eine Art Vertrautheit verspürt.
Erst jetzt sah sie sich genauer um. Die Sonne schickte ihre Strahlen durch die Baumwipfel. Willow streckte die Hand aus und ließ die Strahlen durch ihre Finger tanzen. Sie atmete ein und aus. Der Wald roch herrlich. Nach Erde und Bäumen und Zapfen und Pilzen. Ohne es zu merken, stand sie auf einmal vor dem größten Baum, den sie je gesehen hatte. Seine Wurzeln liefen am Boden entlang wie Schlangen, bis sie irgendwann irgendwo in der Erde verschwanden. Willow legte ihren Kopf in den Nacken. Der Baum war so hoch, dass sie seine Spitze kaum erkennen konnte. Wie alt er wohl sein mochte? Ob er ihre Großtante Alwina kannte? Vielleicht sogar die kleine Alwina, als sie in Willows Alter gewesen war. Instinktiv hob sie die Hand und legte sie behutsam an die Rinde. Und nun konnte sie tatsächlich den Herzschlag des Baumes spüren. Er wurde lauter und lauter und bald war es, als hätte ihr eigener Herzschlag seinen Rhythmus angenommen. Bumm-bumm … bumm-bumm.
Willows Traurigkeit war auf einen Schlag verflogen. Sie legte ihren Kopf an den Baum und musste unwillkürlich lächeln.
