Ein paar Minuten für die Schönheit - Christine Nöstlinger - E-Book

Ein paar Minuten für die Schönheit E-Book

Christine Nöstlinger

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Beschreibung

Trost und Rat mit Weisheit und Witz: noch mehr Geschichten über das Leben unter Mitmenschen, Männern und Kindern. Liebe macht blind - das macht sie auch so schön. Weil man nachsichtig wird, wenn man nicht weiter sieht als bis zu der rosaroten Brille, die sie einem aufsetzt, oder bis zu den Gurkenscheiben, die man vor Augen hat, damit die Liebe auch schön frisch bleibt. Aber die Welt jenseits davon ist natürlich voller Ecken und Kanten, voller Hindernisse und Hürden. Wer den Blick dafür verliert, stolpert dann bald durch ein Leben zwischen Haushalt und Beziehungskisten, zwischen Ehealltag und Kinderkram. Christine Nöstlinger erzählt Geschichten aus diesem Leben, über die sie gestolpert ist, und sie tut das, wie es keine andere kann: mit klarem Blick, bissig, ironisch, aber immer auch liebevoll

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Seitenzahl: 24

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Christine Nöstlinger

Liebe macht blind –

manche bleiben es

Teil 3 Ein paar Minuten für die Schönheit

Herausgegeben von Hubert Hladej

Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in derDeutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografischeDaten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

www.residenzverlag.at

© 2012 Residenz Verlag

im Niederösterreichischen PressehausDruck- und Verlagsgesellschaft mbHSt. Pölten – Salzburg – Wien

Alle Urheber- und Leistungsschutzrechte vorbehalten.Keine unerlaubte Vervielfältigung!

ISBN ePub (Einzelgeschichte):978-3-7017-4321-6

ISBN ePub (Gesamtausgabe):978-3-7017-4302-2

ISBN Printausgabe:978-3-7017-1600-5

3. Ein paar Minuten für die Schönheit

Reif?

Natürlich gibt es Frauen, die sich täglich mehrmals im Vergrößerungsspiegel derart selbstkritisch betrachten, dass sie den Zustand ihrer Gesichtshaut ganz genau kennen. Aber die meisten Frauen haben Wichtigeres zu tun, als diese Kontrolle regelmäßig auszuüben. Und da kann es eines Tages passieren, dass man heiter, beschwingt, dynamisch, vital und bester Dinge eine Parfümerie betritt und eine Flasche Parfüm ersteht, und die jugendliche Verkäuferin, darauf trainiert, den Absatz zu heben, hält einem, bevor es ans Zahlen geht, einen Cremetopf hin und spricht: „Da gibt es jetzt auch ein ganz neues, wirklich wirksames Produkt für die reife Haut, gnä’ Frau!“

Das kann dann „Gnä’ Frau“ ganz schön aus dem Gleichgewicht bringen, weil sie bis dahin ihre Haut noch immer in alter Gewohnheit als „jugendlich“ eingestuft hat. Sie könnte sich natürlich damit trösten, dass Cremes für „reife Haut“ viel teurer sind als Cremes für junge Haut und die Verkäuferin bestrebt ist, Teures an die Frau zu bringen.

Aber „Gnä’ Frau“ sieht das meistens anders. Ein echter „Profi“, sagt sie sich, hat da ein objektives Urteil gefällt. Und das nagt an „Gnä’ Frau“. Das nagt sogar so sehr, dass sie nach dem Parfümerie-Besuch (den Cremetopf hat sie übrigens nicht gekauft) nicht mehr, wie vorgehabt, in die kleine Boutique geht, um das rosa Kleidchen zu kaufen. Vielleicht, denkt sie, trübe heimtrottend, ist rosa den „Unreifen“ vorbehalten, vielleicht sind auch meine Knie zu „reif, um unter dem kurzen Rockerl rauszuschauen, und ist der Ausschnitt zu groß für eine „reife“ Oberweite!

Und während sie mit ihrer Parfum-Flasche so zweifelnd dahintrabt, fragt sie sich entsetzt: Wie lange, um Himmels willen, bin ich denn eigentlich schon äußerlich „reif“, ohne es selbst gemerkt zu haben? Möglicherweise hat ja deswegen auch der Friseur so komisch geschaut, als ich ihm das Frisuren-Foto in der Zeitschrift gezeigt und gesagt habe, dass ich die Haare gern so geschnitten hätte! Und es war wohl nur Höflichkeit, dass er gesagt hat, mein naturgelocktes Haar würde sich dieser Frisur widersetzen. Wahrscheinlich hat er sich gedacht: Unmöglich, dieser überreifen Dame diese jugendliche Frisur zu verpassen!