Beschreibung

Steckt nicht in jedem von uns ein Schokoholic? Weil er ihre Schokoladensucht nicht mehr ertragen konnte, hat Lauras Freund sie sitzengelassen. Die lang geplante gemeinsame Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer tritt Laura alleine an und lernt gleich bei ihrer Ankunft den gutaussehenden Max kennen. Da hübsche Männer ihrer Erfahrung nach jedoch nur Probleme machen, lässt sie ihn eiskalt abblitzen und genießt stattdessen einen harmlosen Flirt mit dem Schweizer Peter. Aber so leicht gibt Max nicht auf: Mit raffinierten Mitteln wirbt er um Laura und erreicht schließlich sein Ziel. Doch das junge Liebesglück wird durch ein Missverständnis getrübt. Laura wirft sich frustriert in die Arme des anderen Mannes – und dann sieht Max rot … Ein humorvoller Liebesroman von Karin Lindberg Die ›Sieben Sommersünden‹ im Überblick: 1. Band Neid: ›SOS! Versenkt den Milliardär‹ von Mira Morton 2. Band Hochmut: ›Seesterne küssen nicht‹ von Martina Gercke 3. Band Zorn: ›Wirf die Braut über Bord!‹ von Rose Snow 4. Band Geiz: ›Rettung für die Liebe‹ von Mila Summers 5. Band Faulheit: ›Ein Rettungsboot für mein Herz‹ von Annie Stone 6. Band Völlerei: ›Ein Schokoholic will Meer‹ von Karin Lindberg 7. Band Wollust: ›Die Versuchung und das Meer‹ von Wendt & Hünnebeck

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Beliebtheit


Ein Schokoholic will Meer

Karin Lindberg

Teil 6 der Sieben Sommersünden:

„Völlerei“

Liebesroman

Covergestaltung: Catrin Sommer www.rausch-gold.com

Unter Verwendung von shutterstock_245941942, shutterstock_122344309

Lektorat: Katrin Engstfeld

Korrektorat: Martina König

Alle Rechte vorbehalten.

Jede Verwertung oder Vervielfältigung dieses Buches – auch auszugsweise – sowie die Übersetzung dieses Werkes ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Handlungen und Personen im Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Copyright © Karin Lindberg

www.karinlindberg.info

Sieben Sommersünden im Überblick:

1. Band Neid: ›SOS! Versenkt den Milliardär‹ von Mira Morton2. Band Hochmut: ›Seesterne küssen nicht‹ von Martina Gercke3. Band Zorn: ›Wirf die Braut über Bord!‹ von Rose Snow4. Band Geiz: ›Rettung für die Liebe‹ von Mila Summers5. Band Faulheit: ›Ein Rettungsboot für mein Herz‹ von Annie Stone6. Band Völlerei: ›Ein Schokoholic will Meer‹ von Karin Lindberg7. Band Wollust: ›Die Versuchung und das Meer‹ von Kirsten Wendt & Marcus Hünnebeck

Inhalt:

Kapitel 1 – Unerwarteter Aufstieg

Kapitel 2 – Auf gute Nachbarschaft

Kapitel 3 – Ein sündiges Dessert

Kapitel 4 – Fröhliches Entgiften

Kapitel 5 – Casino Royale

Kapitel 6 – Eine besondere Stadtführung

Kapitel 7 – Über den Wolken

Kapitel 8 – Bittere Erkenntnis

Kapitel 9 – Liebreizende Besatzung

Kapitel 10 – Ich lasse mir die Sache noch mal durch den Kopf gehen

Kapitel 11 – No hard feelings

Epilog – Zufälle gibt’s

Bonuskapitel

Danksagung

Über die Autorin

Vorschau auf den siebten Teil der Sieben Sommersünden:

Kapitel 1 – Unerwarteter Aufstieg

Als ich in Valletta aus dem klimatisierten Bus des Reiseveranstalters aussteige, schlägt mir eine Hitzewelle entgegen, die mich beinahe umhaut. Ich marschiere mit meinem kleinen Köfferchen in Richtung Anmeldung, während sich auf meiner Haut bereits ein leichter Schweißfilm bildet. Viel habe ich ja nicht mitgenommen, schließlich habe ich nicht vor, großartig etwas zu unternehmen. Eigentlich frage ich mich sogar, was ich hier überhaupt mache, denn extreme Temperaturen konnte ich noch nie ab. Aber es gibt einen Schuldigen: Das alles hat mir mein Ex Steve eingebrockt, der zum Buchungszeitpunkt noch mein Partner war. Ich hätte die kühleren Hurtigruten gebucht, aber nein, er hat auf die (Tor-)Tour „Östliches Mittelmeer“ bestanden. Nun ist es zu spät und verfallen lassen wollte ich die Reise auch nicht, etwas Abstand und Erholung habe ich nämlich bitter nötig.

Wenigstens bin ich Steve los. Allerdings hat er mich abserviert, und das aus einem völlig absurden Grund: wegen meiner angeblichen Disziplinlosigkeit in Sachen Schokoladenkonsum.

Wie lächerlich. Ein bisschen Schokolade hat noch niemandem geschadet! Und so schlimm bin ich nun wirklich nicht. Ich könnte ganz bestimmt auch mal einen Tag ohne Seelentröster überleben, glücklicherweise muss ich das aber nun niemandem mehr beweisen. Gut, dass ich ihn los bin.

Meine Laune bessert sich nicht, als ich das Ende der langen Warteschlange erreiche. Mir bleibt anscheinend nichts erspart. Frustriert schnappe ich mir einen Orangensaft vom Tablett einer überfreundlich lächelnden Mitarbeiterin unsers Schiffes Sonnenglück. Wenigstens etwas, der Begrüßungsdrink.

Gefühlte Stunden später bin ich endlich dran. An Schalter vier sitzt eine untersetzte Dame, die mindestens genauso sehr schwitzt wie ich.

„Ja, äh, Frau Bergmann. Wir haben da ein kleines Problem“, höre ich sie sagen und bei dem Wort Problem wird mir endgültig flau im Magen.

„Was meinen Sie?“, frage ich trotzdem höflich und zurückhaltend. Auch wenn mir eher der Sinn danach steht, die Schnepfe zu schütteln und mich eigenhändig einzuchecken. Diese Hitze macht selbst der besten Erziehung den Garaus. Ich sollte ihr raten, lieber nicht das Risiko einzugehen, mich wirklich wütend zu machen.

„Ihre Kabine wurde doppelt gebucht.“ Sie sieht mich erwartungsvoll an, als ob ich ihr eine Lösung vorschlagen könnte. Ja, klar, ich fahr wieder nach Hause.

„Na super. Und was heißt das jetzt?“ Meine Stimme klingt nun doch schrill.

Sie tippt etwas in ihrem Computer und pustet sich dabei eine Strähne aus dem aufgedunsenen Gesicht. Ich sehe wahrscheinlich auch nicht besser aus, jedenfalls bin ich sicher, dass sich auf meiner Stirn eine fette Zornesfalte gebildet hat. Ich bemühe mich um einen neutralen Gesichtsausdruck, aber es fällt mir schwer. Ich mag einfach nicht mehr, schließlich bin ich aufgrund von Flug und Anreise schon den ganzen Tag unterwegs.

„Hören Sie“, versuche ich es weiter bemüht freundlich, „ich stehe hier seit Stunden, ich möchte jetzt gerne an Bord gehen und mich frisch machen.“ Ich neige zu Übertreibungen, wenn ich aufgeregt bin, das sollte ich vielleicht erwähnen.

„Ja, das verstehe ich. Entschuldigen Sie mich kurz.“ Sie steht auf und spricht mit einem Mann, der im Bereich des VIP-Check-ins arbeitet. Vielleicht der Chef der Einchecker, was weiß ich. Ist mir schnurz, solange bald was passiert.

Ich nehme meine Anmeldepapiere und wedele damit vor meinem Gesicht herum. Eine Klimaanlage könnte hier Wunder wirken. Nach Ewigkeiten kommt die Frau mit nichtssagender Miene zurück.

„Ja, also, Frau Bergmann, alle anderen Standardkabinen sind leider ausgebucht.“ Sie macht eine bedeutungsschwangere Pause und sieht mir tief in die Augen. Dann fährt sie fort: „… aber ich konnte eine Lösung finden. Sie bekommen ein Upgrade.“

Ich kneife die Augen kurz zusammen und klappe meinen Mund wieder zu. Den hatte ich nämlich schon geöffnet, um meinen Unmut über die Unfähigkeit dieses Reiseveranstalters in die Welt zu schreien. Das ist nun scheinbar nicht mehr nötig. Meine Mundwinkel biegen sich langsam nach oben.

„Ooookay“, höre ich mich langgezogen antworten.

Wo ist der Haken?, frage ich stumm.

Sie tippt wieder etwas in den Computer und macht hoffentlich meine Unterlagen fertig, damit ich endlich Zutritt zu dem vermaledeiten Schiff kriege.

„Entschuldigen Sie, dass es etwas länger gedauert hat. Hier, Sie bekommen die Suite Heaven. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Urlaub, Frau Bergmann.“

Ich bedanke mich und nehme die Papiere entgegen, fühle mich aber wie im falschen Film. Noch nie habe ich irgendwo ein Upgrade bekommen. Ich bin eher der Typ Mensch, der auf dem Rummel alle Nieten zieht und den Trostpreis nur vom Hörensagen kennt. Ich kann mein Glück noch gar nicht fassen.

„Bitte, den Koffer lassen Sie hier, den bringen wir für Sie auf die Suite. Sie ist um achtzehn Uhr bezugsfertig. Entschuldigen Sie bitte die Verzögerung, wir mussten etwas umdisponieren.“

Hey, kein Problem, denke ich. Ich genehmige mir ohnehin erst mal einen Drink an der Bar. Ich will meine neu gewonnene Freiheit und die Ankunft in einem klimatisierten Raum feiern.

„Auf Wiedersehen“, verabschiede ich mich, nun aufrichtig lächelnd. Die Frau weiß gar nicht, was für ein Glück sie hat, dass sie mich nicht in Rage erleben musste. Plötzlich kommt mir die Hitze auch gar nicht mehr so schlimm vor, als ich an den ganzen anderen Wartenden vorbeistolziere.

An Bord werde ich freundlich begrüßt, das Begrüßungskomitee sieht mein VIP-Kärtchen und sie geben sich deswegen anscheinend besondere Mühe. Meine Güte, der Erste Offizier sieht lecker aus. Männer in Uniform haben einfach was, vor allem, wenn sie so gut gebaut sind wie der da. Dunkle Haare, blaue Augen, breite Schultern und schmale Hüften. Falls es ihm auf dem Schiff mal langweilig werden sollte, würden die Chippendales ihn sicher auch nehmen, die Uniform könnte er sogar weiterverwenden ... Wenn ich auf der Suche nach einem Mann wäre, würde ich es sicher bei ihm versuchen. Aber von Kerlen habe ich momentan die Schnauze gestrichen voll. Mein Ex – der Sportsüchtige, dem ein simpler Marathonlauf nicht genug ist und der zum Spaß am Iron-Man teilnimmt – ist noch nicht mal aus meiner Wohnung ausgezogen. Mein Bedürfnis, ihn zeitnah zu ersetzen, hält sich in Grenzen. Bis ich aus dem – wie erwähnt ursprünglich gemeinsam geplanten – Urlaub zurück bin, soll er mit seinem Sack und Pack samt Chiasamen verschwunden sein. Nur weil der Kerl sich ausschließlich von Rohkost und Biofutter ernährt, muss ich das ja nicht auch tun. Mir Schokosucht vorzuwerfen, ist wirklich die Höhe. Obwohl unsere besten Zeiten ohnehin lange vorbei waren, was ich in meinen schwachen Momenten gerne zugebe.

„Entschuldigen Sie, Lena“, spreche ich die sympathische Chefhostess gemäß Namensschildchen an, „können Sie mir sagen wie ich zur Sternenlounge komme?“

Sie lächelt mich an und zückt einen Bordplan. Sie sieht aus wie ein Engel. Ehrlich. Goldblondes Haar und intensiv blaue Augen. Für diese rosige Pfirsichhaut könnte man sie glatt hassen, aber ich will mal nicht so sein, schwebe ich doch gerade auf einem VIP-Wölkchen an Bord.

„Ja, sicher, hier habe ich einen Plan für Sie, dann können Sie sich gar nicht verlaufen, äh …“

„Laura“, helfe ich ihr aus. Ich bin im Urlaub, daher spare ich mir das Tamtam mit Vor- und Nachnamen. Der tut hier auch gar nichts zur Sache.

„Laura, danke. Ich hoffe, Sie kommen zurecht, und wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt an Bord.“ Sie markiert mir darauf die Sternenlounge. Gut, das findet sogar der letzte Idiot. Ich nehme den Plan an mich und falte ihn erst einmal wieder zusammen.

„Danke, den werde ich haben.“ Ich grinse sie an und mache mich auf den Weg. Dabei laufe ich beinahe dem Schiffsarzt – Dr. Mark Sievers –, erkennbar an einem extragroßen Namensschild mit Funktion, in die Arme. Meine Güte, muss man erst mal an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen, bevor man auf diesem Kahn anheuern darf? Er lächelt mich an: „Hoppla, da hat es aber jemand eilig!“ Ich spüre die Hitze an meinem Hals nach oben kriechen. „Äh, Entschuldigung!“ „Aber nicht doch, ist ja nichts passiert. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt an Bord!“

Er tritt galant einen Schritt zur Seite und nickt mir augenzwinkernd zu. Aus der Entfernung sehe ich, dass die Chefhostess uns argwöhnisch beobachtet. Oha, läuft bei denen was?

„Ja, ich muss dann auch mal …“, stottere ich und marschiere in Richtung Sternenlounge davon. Das Bedürfnis nach Alkohol ist nach diesem Beinahe-Zusammenstoß noch größer geworden. Ich bin eindeutig überspannt. Hoffentlich schaffe ich es, mich auf dieser Kreuzfahrt ein wenig zu erholen.

Ich zögere kurz, bevor ich hineingehe, bleibe einen Moment an der Reling stehen und werfe einen Blick auf all die fröhlichen Menschen, die sich verabschieden und von unten heraufwinken. Mein Wölkchen löst sich flugs wieder auf und ich knalle hart auf den Boden der Realität. Ich bin einsam und von glücklich weit entfernt, Upgrade hin oder her.

Jetzt bloß nicht sentimental werden, ermahne ich mich und recke mein Kinn in die Höhe. Ein Begrüßungsdrink muss her, der wird meine Laune verbessern.

Es ist noch nicht viel los in der Sternenlounge, aber ich bin auch nicht gänzlich allein. An einem Tisch sitzt ein älteres Pärchen, er trägt eine Spiegelreflexkamera um den Hals und beide halten einen grellgrünen Cocktail mit Schirmchen umklammert.

Ach Gott, wie süß. Ironie aus.

Nee, dann bleibe ich doch lieber allein.

Ich setze mich auf einen Barhocker mit dem Rücken zur Fensterfront, die Aussicht kann ich schließlich noch vierzehn Tage lang genießen. Der Barkeeper nickt mir zu und signalisiert mir damit, dass er gleich bei mir sein wird. Ich werfe einen Blick auf die Karte und überfliege das Angebot. Alles inklusive, bis auf spezielle fancy Drinks, denen ich ohnehin nichts abgewinnen kann.

„Hola, schöne Frau, was kann ich Ihnen bringen?“ Er strahlt mich an.

Nein, Freundchen, ich bin nicht auf der Suche, versuch es gar nicht erst. Vermutlich legt der Dunkelhaarige jede Nacht eine andere flach.

Kein Interesse.

Ich hebe eine Augenbraue und gebe knapp zurück: „Einen Aperol Spritz, bitte.“

Höflich, aber die Botschaft ist hoffentlich angekommen. Unterdessen krame ich in meiner riesigen Handtasche. Eigentlich rauche ich nicht, aber ich habe mir am Flughafen aus Protest eine Stange Zigaretten gekauft. Steve würde mich köpfen, wenn er noch was zu sagen hätte.

Hat er aber nicht. Im Geiste zeige ich ihm noch einmal den Stinkefinger und schiebe mir eine Fluppe zwischen meine rot geschminkten Lippen. Ich zücke das ebenfalls neu erstandene Feuerzeug und will sie mir gerade anstecken, als mir jemand den Glimmstängel aus dem Mund zieht und mit samtiger Stimme sagt: „Rauchen ist so ungesund, Baby!“

Ich drehe mich in die Richtung, aus der die Stimme kommt, und blicke in ein Paar stahlblaue Augen. Gerade will ich protestieren, da setzt sich das männliche Individuum auch noch ungefragt neben mich.

Er hat ein absolut entwaffnendes Lächeln, das mir den Atem raubt. Aus meinem Mund kommt kein Ton, stelle ich überrascht fest. Dabei ist Schlagfertigkeit eigentlich mein zweiter Vorname.

„Ja, und außerdem ist hier ohnehin Nichtraucherbereich“, mischt sich der Barkeeper ein, legt eine kleine Serviette vor mir auf den Tresen und stellt meinen orangefarbenen Drink darauf ab.

„Danke, nein, ich möchte keine Gesellschaft“, höre ich mich schließlich sagen. Und schon gar nicht von einem Gesundheitsfanatiker, den Zigarettenrauch stört. Einen zweiten Steve, der leider auch super aussah, will ich mir keinesfalls anlachen. Mein nächster Mann muss andere Vorzüge haben als einen sexy Körper. Meine Stimme klingt dennoch, als hätte ich gerade einen Hundert-Meter-Sprint hinter mir, was mich selbst wohl am meisten irritiert.

„Ich nehme das Gleiche, bitte“, weist das dunkelblonde Geschöpf neben mir den Barkeeper an.

Vielleicht ist er ja taub?

Ich sehe ihn mir noch einmal genauer an.

Heilige Mutter Gottes, der Mann könnte glatt als Chris Hemsworth’ Double durchgehen.

Was will er von mir?

„Entschuldigung, ich habe mich noch gar nicht vorgestellt, mein Name ist Max.” Er streckt mir seine Hand entgegen und ich ergreife sie tatsächlich. Mein Körper hat sich quasi verselbstständigt.

Na toll. Mir wird plötzlich ganz heiß, als ich Max’ Haut auf meiner spüre. Als ob mir nicht schon warm genug wäre …

Was geht denn hier ab?

Schnell ziehe ich meine Hand zurück und trinke von meinem Aperol, um mich ein wenig abzukühlen.

„Verrätst du mir noch, wie du heißt?“, fragt er mich und ich sehe aus dem Augenwinkel, dass er mich mit spöttisch hochgezogener Augenbraue beobachtet. O Mann, ich will es nicht wahrhaben, aber er lässt mich nicht kalt. Das passt mir ganz und gar nicht. Ich muss ihn schnellstens loswerden, bevor ich Dummheiten begehe.

„Laura“, antworte ich genervt. „Und jetzt wäre ich dir sehr zu Dank verpflichtet, wenn du mir meine Ruhe lassen würdest. Ich bin weder auf der Suche nach einem Fick noch nach einem Lebenspartner, reich bin ich auch nicht, also spar dir die Mühe.“

Ich sehe, wie dem Barkeeper sein süffisantes Grinsen aus dem Gesicht fällt und er mich ansieht, als wäre ich eine Wahnsinnige, während er Max seinen Drink serviert. Interessiert mich alles nicht. Max hingegen lacht schallend, kommentiert meine – zugegeben – hässliche Abfuhr nicht. Hart im Nehmen ist er, das muss ich ihm lassen.

Mein Aperol ist schnell ausgetrunken und ich zeige an, dass ich einen Refill möchte. Anscheinend hat der dunkelhaarige Mitarbeiter mittlerweile Angst vor mir, denn er schickt sich an, mir meinen Wunsch in Nullkommanichts zu erfüllen. Wenigstens einer, der verstanden hat, was ich will.

„Was treibst du denn so einsam hier an Bord?“, versucht mein attraktiver Sitznachbar es noch einmal. Mutig, mutig, er kennt mich halt nicht.

„Wer sagt denn, dass ich allein bin? Kann doch sein, dass gleich mein Mann mit einer Horde Kinder kommt, um mich abzuholen.“

Max hebt sein Glas an die Lippen, ich beobachte ihn und warte auf seine Reaktion.

„Dein südländisches Temperament ist ja nicht ganz ohne Charme, aber zickig zu sein, steht dir gar nicht.“

Ich presse die Lippen aufeinander und drehe mich nun mit dem Oberkörper zu ihm. Obwohl ich nachvollziehen kann, dass er denkt, ich hätte spanische, italienische oder was weiß ich für Wurzeln, liegt er damit komplett falsch. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich diese Unterhaltung führe. Nach den ersten 31 Jahren meines Lebens muss ich sogar zugeben, dass diese Frage in mir nur noch müde Gereiztheit auslöst. Was ich ihn auch spüren lasse. Und was soll der Quatsch überhaupt, von wegen zickig? Das kann er gleich mal haben.

„Pass mal auf, äh, Max. Meine Oma kommt aus Frankfurt und deren Oma kam schon aus Frankfurt, ich bin einfach dunkelhaarig mit einer gesunden Hautfarbe und nicht nordisch blond mit Sommersprossen. Dass ich zickig bin, liegt einzig und allein daran, dass ich wirklich kein Interesse an einer Unterhaltung mit dir habe. Warum suchst du dir nicht eine Gesprächspartnerin, die es zu schätzen weiß, angebaggert zu werden?“

Seine Mundwinkel zucken, mein Herz dagegen pocht wild. Ob vor Ärger oder Aufregung, kann ich nicht sagen.

Spätestens jetzt wird er das Feld räumen.

Und gegen meinen Willen warte ich gespannt auf seine Reaktion. Es gibt genügend alleinstehende Reisende, die einen Bettgefährten suchen. Das muss der Grund sein, warum er mir hier den letzten Nerv raubt. Wie ein Heiratsschwindler sieht er nicht aus … wobei, seine Klamotten sind vom Feinsten. Weißes Leinenhemd, luftige Jeans und braune Bootsschuhe. Ohne Socken natürlich. Alles andere wäre Grund genug, nie wieder ein Wort mit ihm zu wechseln.

„Laura, Laura, Laura“, lacht er. „Ich entschuldige mich.“ Er trinkt sein Glas aus und stellt es geräuschvoll auf dem dunklen Tresen ab.

Ich antworte nicht, sondern drehe meinen Kopf wieder stur geradeaus und starre in meinen Drink. So schweigen wir eine Weile und ich bemerke, dass mir der Alkohol bereits zu Kopf steigt. Aber es ist ein schönes Gefühl, der Ärger der letzten Wochen löst sich langsam. Vielleicht hat es auch was damit zu tun, dass ich mit meinen Sinnen ein ganz klitzekleines bisschen bei meinem Nachbarn bin. Er hat eine einnehmend maskuline Ausstrahlung, die mich nicht kaltlässt. Leider.

Just in diesem Moment schiebt er sein Glas von sich und erhebt sich.

Aha, ich habe es also doch geschafft, ihn zu vergraulen.

„Bis bald, Laura. Wir werden uns wiedersehen.“ Seine dunkle Stimme klingt verheißungsvoll und kleine Schauer rieseln über meinen Rücken. Ich sehe ihn an und unsere Blicke verhaken sich einen kurzen Moment ineinander. Dieses Blau ist fantastisch, stelle ich fest und spüre, dass mein Brustkorb sich schneller, als er sollte, hebt und senkt.

„Das bleibt abzuwarten“, gebe ich schon wieder atemlos zurück. Wenn das mal nicht zu einem Dauerzustand wird, bete ich perplex.

Max sieht mich wissend an, verlässt dann die Sternenlounge und lässt mich leicht verdattert und mit brennend heißem Gesicht zurück.

Ich trinke aus und bestelle mir noch einen Aperol. Mein Todesurteil. Ich weiß es, aber ich will es so. Die Kopfschmerzen, die ich morgen haben werde, werden mich daran erinnern, dass ich mir nicht gleich das nächste Problem in Form eines Testosteronbolzens ans Bein binde. Oder ins Bett lege – obwohl der Gedanke daran schon verlockend ist.

Ich habe keine Ahnung, wie spät es ist, als ich zu meiner Kabine torkele. Es ist mir auch egal. Unterwegs hole ich mir in der Snack Bar noch einen Kebap, nach dem ganzen Alkohol brauche ich dringend was Fettiges im Magen. Zum Nachtisch gönne ich mir noch ein exquisites Schokoeis, damit ist zumindest mein Blutzuckerspiegel wieder im Gleichgewicht.

Wenig später öffne ich die Tür zum Heaven, meiner Suite. Ich sehe zwar nicht mehr ganz klar, aber trotzdem fallen mir beinahe die Augen aus dem Kopf, als ich erkunde, wie viel Platz mir in den nächsten vierzehn Tagen zur Verfügung stehen wird. Ich habe zwei Schlafzimmer, natürlich ein ultracooles Badezimmer, ein Lounge-Sofa und das Beste: einen eigenen Balkon mit Liegestuhl und Hängematte. Hammer.

Draußen stelle ich fest, dass wir abgelegt haben und es bereits dunkel ist. Es muss also nach 21 Uhr sein. Wie viele Drinks hatte ich noch mal? Mehr als vier?

Ich stelle mich an die Reling und atme die frische Seeluft tief ein. Mittlerweile ist es auch nicht mehr so brütend heiß draußen, es ist gut auszuhalten. Nein, es ist sogar ganz angenehm, denn es weht ein laues Lüftchen. Nach ein paar Minuten überfällt mich bleierne Müdigkeit und ich schlingere zurück in mein Reich, wo ich in voller Montur aufs Bett sinke und sofort einschlafe.

Mitten in der Nacht werde ich von Lärm auf dem Gang aufgeweckt. Müde reibe ich meine Augen und stelle fest, dass ich noch immer das Kleid vom Vortag trage. Die Kopfschmerzen halten sich in Grenzen, aber ich habe großen Durst. Verschlafen gehe ich zur Minibar, hole mir ein Wasser und trinke die ganze Flasche auf einmal aus.

So gut!

Wenig später liege ich nackt im Bett und wälze mich von einer auf die andere Seite, aber es hilft nichts. Ich bin hellwach. Für mich ist die Nacht vorbei.

Um vier schmeiße ich mich kurzerhand in einen Bademantel und lege mich in die Hängematte auf meinem Privatbalkon. Sonnenaufgang ansehen hat ja auch was. Und es ist wirklich toll, das zu erleben. Das Panorama, das sich mir hier bietet, ist großartig. Die Farben am Himmel sind so intensiv, dass ich mit einem verzückten Lächeln vor mich hin schwinge.

Kapitel 2 – Auf gute Nachbarschaft

Mein Magen meldet sich und ich bestelle Frühstück auf die Kabine. Am Buffet hätte ich sicherlich eine opulente Auswahl an Schokocroissants, Gebäck und sogar frisch gebackenen Waffeln vorgefunden, aber meine Motivation, mich alleine den mitleidig gaffenden Blicken anderer Reisender auszusetzen, hält sich an diesem Morgen in Grenzen. Normalerweise habe ich damit kein Problem, als wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Pharmakonzerns bin ich es gewohnt, mich in Teams zu exponieren. Aber heute fühle ich mich seltsam verletzlich – und ein wenig verkatert. Ich genieße also den Luxus des Zimmerservice für VIP-Gäste und ordere Pancakes mit Nuss-Nougat-Creme, Schokocroissants, Milchkaffee und frisch gepressten Orangensaft.

Während ich auf mein Essen warte, packe ich meine Habseligkeiten aus und hänge oder lege sie ordentlich in den Schrank.

Nach dem üppigen Frühstück, das ich im Bademantel im Bett eingenommen habe, zwinge ich mich dazu, meinen Laptop zu schließen und weitere Folgen von Greys Anatomy später anzusehen – obwohl mich diese Cliffhanger fertigmachen. Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Cristina Yang und Owen Hunt haben sich gerade getrennt, wenn die es nicht mal miteinander aushalten, wie soll ich dann jemals glücklich werden?

Seufzend schwinge ich mich aus dem Bett. Der Gedanke, mir die restlichen Folgen der Staffel doch noch sofort anzusehen, ist verlockend, aber mein Gewissen treibt mich auf die Beine. Ordentlich wie ich bin, nehme ich mein Tablett und stelle es vor meiner Kabinentür ab. Ich will gar nicht erst in Versuchung geraten, die letzten drei Pancakes auch noch in meinem Mund verschwinden zu lassen. Ich bin nämlich wirklich satt, nur kann ich manchmal einfach nicht nein sagen. Jedenfalls nicht, wenn Schokolade im Spiel ist.

Meine dunkle Mähne fällt mir über die Schultern, als ich mich bücke und das Speisebrett sacht auf dem Boden absetze. In dem Moment öffnet sich die Tür neben meiner Kabine. Mein Nachbar scheint ähnlich veranlagt zu sein wie ich, denn er trägt die Reste seines Frühstücks in den Händen.

Ansonsten trägt er nicht viel.

Ich erstarre mitten in der Bewegung, denn mit Max hatte ich nicht gerechnet. Und schon gar nicht damit, dass er nur eine lässige Boxershorts am Körper haben würde. Sonst nichts. Absolut nichts, außer sonnengebräunter Haut und prächtigen Muskeln. Holy Moly!

„Guten Morgen“, grinst er mich an. Mein Herz beginnt in ungleichmäßigem Takt zu schlagen, es hatte einen Moment ausgesetzt. Ich merke, dass ich ihn anglotze, sein Sixpack ist aber auch wirklich beachtlich.

Junge, Junge.