Ein Sommer wie dieser - Annette Hohberg - E-Book

Ein Sommer wie dieser E-Book

Annette Hohberg

4,8
9,99 €

Beschreibung

Es ist ein herrlicher Sommer. Klara und Stephan sind Anfang 20, als sie sich in Italien kennenlernen und ineinander verlieben – bis eine unglückliche Verkettung von Umständen sie trennt. Die Jahre vergehen, jeder führt sein eigenes Leben. Durch einen pikanten Zufall begegnen sie sich Jahrzehnte später wieder und entdecken, dass sie noch immer dieselben starken Gefühle füreinander haben. Doch Klara ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter, und Stephan ist Literaturprofessor und hat seine Affären. Sollen sie das wirklich alles aufgeben und den Sprung ins Ungewisse wagen? Es kommt der Tag, da müssen sie eine Entscheidung treffen …

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 368




Annette Hohberg

Ein Sommer wie dieser

Knaur e-books

Inhaltsübersicht

Prolog1. Kapitel2. Kapitel3. Kapitel4. Kapitel5. Kapitel6. Kapitel7. Kapitel8. Kapitel9. Kapitel10. Kapitel11. Kapitel12. Kapitel13. Kapitel14. Kapitel15. Kapitel16. Kapitel17. Kapitel18. Kapitel19. Kapitel20. Kapitel21. Kapitel22. Kapitel23. Kapitel24. Kapitel25. Kapitel26. KapitelEpilog
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Juli 1982

Sie hatte immer alles gewollt. Und alles bekommen. Zwei Jahrzehnte ging das schon so. Zwei Jahrzehnte, in denen das Leben es gut mit ihr gemeint hatte.

Jetzt wollte sie, dass der Zug kam. Dass er pünktlich kam. Der Zug, der an den kleinen Badeorten der Cinque Terre Station machte, der durch zahllose Tunnel über Alassio nach Ventimiglia fuhr, bei Menton die Grenze nach Frankreich passierte und schließlich in gemächlichem Tempo die Côte d’Azur entlangrumpelte. Der Zug, bei dem jedes Abteil seinen eigenen Einstieg hatte – gardinenbehängte Flügeltüren mit dicken, schweren Griffen, die nur auf Nachdruck reagierten, drei Stufen, die vom Sitzplatz direkt auf den Bahnsteig führten. Sie mochte diese alten Züge der italienischen Eisenbahngesellschaft SF. Obwohl es so ein Zug gewesen war, der sie vor einer Woche von ihm weggetragen und Kilometer um Kilometer zwischen sie beide gelegt hatte. Jetzt wollte sie, dass genau dieser 20-Uhr-Zug pünktlich kam.

Sie saß in einer kleinen schäbigen Bar gegenüber dem Bahnhof von Aix-en-Provence. Sie hatte sich Wein bestellt. Einen billigen, säuerlich schmeckenden Rotwein für ein paar Francs. Einer der Männer am Tresen fragte, wie sie heiße. »Klara«, erwiderte sie, nahm einen Schluck und sah schnell aus dem großen Fenster. Woher sie denn komme? Aus Deutschland. Mehr sagte sie nicht. Sie wollte allein sein mit ihren Gedanken. Wollte ihre Gedanken auslegen. Wie einen Teppich auslegen, über die Straße direkt vor den Bahnhofseingang werfen und dort unter der riesigen Uhr in Wartestellung bringen. Der große Zeiger stand auf der Sieben. Noch fünfundzwanzig Minuten.

Er komme am Mittwoch, Donnerstag oder Freitag, hatte er gesagt. An einem dieser drei Tage werde er aus dem Zug steigen und direkt in ihre Arme laufen. Heute war der erste Tag. Ein Tag, an dem sie etwas mit sich herumtrug, dem bereits Erinnerung anhaftete. Etwas, das vor einer Woche noch aufregende, aufwühlende Gegenwart gewesen war, hatte sich nahezu unbemerkt in der Vergangenheit niedergelassen, um von dort seine Leuchtfeuer zu senden.

 

Sie war an einem heißen Julitag in Levanto, einem kleinen Ort in den Cinque Terre, angekommen. Mit einem blauen Rucksack, der schwer wog, weil sie zu viele Bücher mitgenommen hatte. Sie wollte ein paar Tage zum Baden bleiben. Sie wollte lesen. Sie wollte sich mit ihren einundzwanzig Jahren erwachsen fühlen. Danach plante sie, weiter nach Frankreich zu fahren, Gastvorlesungen an der Uni in Aix-en-Provence zu besuchen. Das Vorlesungsverzeichnis hatte sie sich schicken lassen und darin dicke rote Kreuzchen gemacht. Literatur des Existenzialismus. Sartre und Beauvoir. Solche Themen interessierten sie. Sie hoffte Antworten zu finden, Antworten auf Fragen, die das Leben ihr zu stellen begann. Ein Leben, das sich noch neu anfühlte, ein Leben frei von elterlichen Zwängen und Vorschriften. Die Ermahnungen von zu Hause hatte sie einfach abgehängt und auf ein Abstellgleis manövriert. Dort lagen sie nun, die Sorgen ihrer Mutter, die Strenge ihres Vaters, die behüteten Jahre ihrer Kindheit. Sie brauchte das alles nicht mehr, wollte es nicht mehr brauchen.

 

Levanto hatte sie mit verschlafener Nonchalance begrüßt. Ein winziger Bahnhof, in dessen Warteraum man für ein paar Lire eine Jukebox bedienen konnte. Einige Andenkenläden, Restaurants und Cafés. Ein Lebensmittelladen mit roter Leuchtschrift, Alimentari stand dort, das »m« flackerte unruhig, als würde es der Bar Tabacchi daneben heimlich Morsezeichen senden. Eine Tankstelle mit einer einzigen Zapfsäule, die ein alter Mann mit blauer Latzhose bediente. Ein paar Pensionen und Hotels, aber nirgendwo ein Zimmer. Hochsaison, beschied die Frau in dem Tourismusbüro Klara. Es war wohl der verzweifelte Blick des Mädchens, der sie bewog, zum Telefonhörer zu greifen und einige schnelle, unverständliche Sätze mit jemandem zu wechseln.

»Sie können bei meiner Schwester wohnen«, meinte sie schließlich und schrieb Klara eine Adresse auf. »Fünf Minuten von hier, ganz nah am Strand. Nicht besonders komfortabel, aber zum Schlafen reicht es.«

 

In ein ehemaliges Badezimmer hatte die Wirtin ein Klappbett gestellt. Über der Badewanne lag ein Brett, das als Ablage diente. Unter dem Fenster befand sich ein großes Waschbecken, daneben ein Haken mit zwei Handtüchern. Die Wände waren bis zur Decke gekachelt, rosa mit hellblauen Blümchen. In der Ecke über dem Bett hing eine Madonna mit über der Brust verschränkten Armen und gen Himmel gerichtetem Blick. Und dann war da noch eine Dachterrasse, auf die man gelangte, indem man durchs Fenster stieg. Dort standen unter einer Wäscheleine ein Tisch und zwei Stühle und einige Töpfe mit roten Geranien darin.

Klara beschloss, ihre Unterkunft zu mögen. Sie stellte die Bücher auf die Badewanne, legte Hosen, Blusen, Röcke, Kleider daneben.

Auf dem Weg zum Strand kaufte sie Sonnenmilch und eine Flasche Mineralwasser, außerdem Postkarten und Briefmarken. Sie würde ihren Eltern schreiben, dass sie angekommen war und dass es ihr gut ging. Sie trug ein hellblaues weites Kleid mit roten Stickereien an Ausschnitt und Ärmeln. Darunter einen Bikini mit rosa-weißem Vichymuster. Die langen rotblonden Haare hatte sie zum Pferdeschwanz hochgebunden. Badetuch, Buch, Portemonnaie, Sonnenmilch und Wasser lagen in einem Bastbeutel, den sie sonst als Handtasche benutzte.

Sie hielt sich aufrecht, bog den Rücken beim Gehen durch. Der Pferdeschwanz wippte im Takt ihrer schnellen Schritte. Sie neigte schon damals nicht dazu, sich aufzuhalten, Zeit zu verlieren.

 

Er hatte sie sofort gesehen – und sie ihn. Es war dieses Austauschen von Blicken in Bruchteilen von Sekunden, dieses Hin-und-wieder-Wegschauen, dieses Spiel, das sich mit Möglichkeiten auflud. Ein Spiel, das sich für Klara fremd anfühlte, eines, das sie noch nicht oft gespielt hatte, aber das ihr gefiel. Er saß unter einem Baum in einem Liegestuhl, neben sich ein Tisch mit Buch und Aschenbecher, vor sich ein Schild, auf dem die Preise für Liegestühle und Sonnenschirme standen. Darunter war die aktuelle Wassertemperatur vermerkt. »22 Grad« stand dort in einer ungestümen Handschrift. Die Schirme und Stühle leuchteten blau-weiß, ein paar grüne hatten sich darunter verirrt, als wollten sie das Maritime ein wenig aufmischen.

Als sie ihr Handtuch in den Sand legte, zündete er sich eine Zigarette an. Aus den Augenwinkeln beobachtete sie, wie er den Rauch Richtung Himmel blies. Er hatte schwarze, leicht gelockte, längere Haare, die hinten zusammengebunden waren, und trug blaue Badeshorts. Er war braun gebrannt; das brachte so ein Job wohl mit sich.

Sie begann sich einzucremen. Er verhandelte inzwischen mit einem älteren Ehepaar den Preis für zwei Liegestühle plus Schirm und trug, nachdem die beiden gezahlt hatten, alles Richtung Wasser. Sie sah ihm dabei zu, wie er den Schirm in den Sand pflockte und mit zwei geübten Griffen die Stühle darunter plazierte. Als er zurückschlenderte, griff sie hastig nach ihrem Buch.

»Keine Lust auf Schatten?«, fragte er in akzentfreiem Deutsch. Das überraschte sie. Sie hatte ihn für einen Italiener gehalten.

Sie sah hoch. Sah in blaugraue Augen, die sich offen zur Neugier bekannten. »Ist mir zu teuer«, erwiderte sie und deutete auf die Preistafel.

Er nickte. »Verstehe. Aber pass auf mit der Sonne. Du wärst nicht die Erste, die sich hier einen Sonnenbrand holt.«

»Danke, werde es mir merken.«

Sein Schulterzucken ließ er bei ihr zurück.

Sie ging dreimal schwimmen an diesem Nachmittag. Seine Blicke schwammen mit, begleiteten sie, während sie sich auf den Rücken legte und von den Wellen schaukeln ließ. Legten sich danach zu ihr aufs Handtuch. Irgendwann riskierte sie ein Lächeln – und erhielt dafür ein Grinsen, das nicht länger als eine hundertstel Sekunde dauerte. Als sie ging, spielte sie ihm ein Nicken zu. Er fing es auf. Sein Zwinkern versuchte sich zu verstecken; sie sah es trotzdem, und es war ihr Antwort genug.

 

Am nächsten Vormittag stand er plötzlich neben ihr, kurz nachdem sie sich in den Sand gelegt hatte. Er trug einen Sonnenschirm in der Hand.

»Ein Geschenk«, erklärte er in ihr Stirnrunzeln hinein. »Ich schenke dir ein bisschen Schatten.«

»Oh, danke.« Sie setzte sich auf. »Und was sagt dein Chef dazu? Du hast doch hier einen Chef, oder?«

Er machte eine wegwerfende Handbewegung. »Der merkt das gar nicht.«

»Also bist du so eine Art Schirm-Herr an diesem Strand?«

Sein Lächeln setzte sich neben sie; es zeigte eine kleine Zahnlücke zwischen den oberen Schneidezähnen.

»Könnte man so sagen. Was liest du da?« Er deutete auf das Buch, das auf ihrem Handtuch lag.

»Memoiren einer Tochter aus gutem Hause.«

»Ah, Beauvoir.«

»Kennst du sie?«

Er schüttelte den Kopf. »Habe mich bislang eher an Sartre gehalten.«

»Verstehe. Die männliche Sicht der Dinge.«

»Wenn du so willst. Aber im Moment habe ich’s nicht so mit den Franzosen. Sind mir zu artifiziell. Ich mag die Amerikaner lieber. Hemingway, Auster, Salinger – das ist geradeaus, unverstellt, lebendig.«

Dass sie beide Literaturwissenschaften studierten, fanden sie wenig später heraus. Er kam aus Freiburg, wohnte in den Semesterferien bei Tante und Onkel, die in Levanto ein Haus hatten, und verdiente sich am Strand ein bisschen Geld. Er hieß Stephan. Sie nannten sich nur ihre Vornamen, und Klara nahm seinen am Abend mit in ihr Zimmer, legte ihn in die Geranienblüten auf der Dachterrasse, während sie sich Rotwein aus einer Halbliterflasche in ihr Zahnputzglas goss. Sie hatte den Wein auf dem Heimweg in dem Alimentari ohne m gekauft; es war so eine Flasche mit Bastmantel, wie man sie damals überall in Italien bekam. Sie spürte den Alkohol. Und sie spürte, dass sich etwas in ihr zu regen begann. Wie ein junger Vogel, der erstes Flügelschlagen versuchte. Ein wenig ungelenk noch, aber mit einer unbändigen Lust darauf, das warme Nest zu verlassen, sich endlich aufzuschwingen und den widrigen Winden dort draußen auszusetzen.

 

Tags darauf nahm Stephan schließlich Anlauf mit einer Frage, auf die Klara ihm insgeheim bereits eine Antwort gegeben hatte. Ob sie heute Abend schon etwas vorhabe? Ob sie mit ihm ausgehen wolle? In Monte Rosso – ein paar Kilometer von hier entfernt; es sei hübsch dort, mal was anderes als Levanto. Sie nickte. Und es fühlte sich gut an, mit diesem Nicken ein erleichtertes Lachen bei ihm auszulösen, ein Lachen, das sie in die Arme nahm. Es war die erste Umarmung. Eine, die noch nicht ganz aus der Reserve kam und gleichzeitig fast schüchtern Berührung in Aussicht stellte.

 

Sie hatte an diesem Abend einen weiten weinroten Rock mit Pailletten am Saum angezogen. Dazu trug sie eine weiße Bluse mit weinroten Blumen darauf, passend zum Rock. Die sei zu durchsichtig, hatte ihre Mutter gesagt. Doch die Mutter mit ihren Ermahnungen war weit weg, konnte die Tochter nicht mehr erreichen. Das Haar hatte Klara locker zu einem Zopf geflochten.

Er war mit einer Vespa gekommen, einer hellgelben Vespa. »Gehört meinem Onkel«, sagte er, als sie aufstieg, und »Du musst dich schon an mir festhalten«, als er Gas gab. Er trug Jeans und ein weiß-blau kariertes Hemd, das er an den Ärmeln hochgekrempelt hatte. Er roch nach Seife – und nach Sonne; es schien, als hätte seine Haut die Wärme vom Tag gespeichert. All das atmete Klara ein, sog es auf, während sich ihre Arme zögernd um seinen Körper legten, ihre Hände vor seinem Bauch verschränkten. Er fühlte sich fest an, dieser Bauch, und sie registrierte, wie er sich hob und senkte, während sie aus dem Ort hinaus in die Berge fuhren. Die Vespa schraubte sich Serpentinen hinauf und wieder hinunter.

 

Das kleine Ristorante hatte einige Tische draußen stehen. Tische, auf denen weiße Papierdecken lagen, die an allen vier Seiten mit dicken Metallklammern festgehalten wurden. Sie bestellten Rotwein und das Drei-Gänge-Menü. Das sei gut und günstig, meinte Stephan, er habe schon öfter mit Tante und Onkel hier gegessen. Es war eine gewisse Unsicherheit, Unbeholfenheit, Ungelenkheit, die sich zwischen sie auf die Papierdecke legte und dort raschelte und die sie beide mit vielen Worten zu vertreiben suchten. Worte, die nur ein Ziel kannten – jede Andeutung von Stille zu füllen. Stephan redete von seiner Familie, seinem Studium, seinen Plänen. Er habe vor zwei Monaten die Magisterarbeit abgegeben, und in vier Wochen wolle er aus Freiburg weggehen. Weit weg. Wohin, wisse er noch nicht. Vielleicht nach Südamerika. An einen Ort jedenfalls, wo sein Vater keinen Zugriff mehr auf ihn habe. Der Vater, der immer andere Pläne mit ihm gehabt, ihm seine Firma ans Bein habe binden wollen. Eine Firma, die Schrauben herstellte. Schrauben und Muttern. »Der Alte hat nie begriffen, dass das für mich kein Leben ist.«

Klara hielt mit ihrer Biographie dagegen. Ihr Vater sei Schuldirektor an einem Hamburger Gymnasium. Akribisch, pedantisch, mit dem unverbesserlichen Drang zu dozieren, sozusagen die Inkarnation des Oberstudienrates. Er projiziere alles, was er jemals an eigenen Träumen gehabt habe, auf seine einzige Tochter. Und ihre Hausfrauen-Mutter zeige in ihrem Eifer, ihm beizupflichten, fast schon pathologische Züge. Klara sagte wirklich »Inkarnation« und »projizieren« und »pathologisch«; sie hatte Spaß daran, komplizierte Wörter in die Welt zu setzen.

Stephan lächelte und goss Wein nach. Sie tranken viel und aßen wenig. Und sie rauchten, während sie ihrer beider Leben vor sich ausbreiteten. Irgendwann retteten sie sich wieder mit ihrem Lieblingsthema Literatur vor den Schweigeminuten, die sich beharrlich zwischen sie legen wollten, um anderes vorzubereiten. Sie suchten Zuflucht in Hemingways Short Storys, bis der Kellner mit dem Espresso und der Rechnung kam. Stephan legte ein paar große Lire-Scheine auf den Tisch, und dabei fand er wie zufällig Klaras Hand. Und die Sätze, diese sich so klug gebenden Sätze liefen ihnen plötzlich davon.

Auf der Rückfahrt lehnte Klara ihren Kopf an Stephans Rücken, und ihre Hände versuchten ein erstes Streicheln auf seinem festen Bauch.

 

In Levanto fuhren sie an den Strand, wo noch ein paar Bars geöffnet hatten. Sie wählten die mit der besten Musik. Blue von Joni Mitchell mochten beide. Der Schnaps, den sie tranken, hieß Grappa – er schmeckte so anders als das, was sie von zu Hause kannten, und Klara spürte, wie er ihren Willen atomisierte, in kleinste Teilchen zerlegte, die nichts mehr auszurichten vermochten gegen alle Vorbehalte, die ihre Eltern ihr mitgegeben hatten.

Ob sie in Hamburg einen Freund habe, wollte Stephan irgendwann wissen. Sie schüttelte nur den Kopf, und ihr »Nicht mehr« führte zum ersten Kuss. Umleitungen waren jetzt unnötig. Sie verstanden sich.

Zu Tante und Onkel könnten sie nicht gehen, sagte Stephan, als der Mann hinter der Bar die Musik abstellte. Die seien komisch in solchen Dingen. Es kam Klara fast selbstverständlich vor, Stephan in ihr rosa gekacheltes Badezimmer mit dem Klappbett einzuladen. Sie schlichen auf Zehenspitzen die Treppe in der Pension hinauf, und sie kicherten dabei. Die Madonna in der Ecke über dem Bett schickte ihren Blick weiter stoisch gen Himmel, während sie sich auszogen und ihren Händen und Lippen jetzt alles erlaubten. Sie lachten, während sie sich liebten, weil das Bett so merkwürdige Geräusche machte und weil das Leben ihnen in diesem Moment verschwenderisch seine Sonderangebote zuwarf. Es kostete sie nichts, ihre Körper damit spielen zu lassen, diese noch so jungen Körper, die freigiebig herschenkten, was sie gerade erst gefunden hatten.

 

Als Klara zum Waschbecken ging, um sich ein Glas Wasser zu holen, sah sie in den Spiegel, traf dort auf sein Lächeln, in das er so etwas wie Besitzerstolz legte. Sie streckte die Hand aus. »Komm, ich zeige dir meine Terrasse.«

Sie kletterten aus dem Fenster, sie blieben nackt. Die Nacht hatte jegliche Kühle weggeschickt; der Sommer gab sich lau. Klara setzte sich auf Stephans Schoß und zündete eine Zigarette an. Sie nahm einen Zug und reichte sie danach an ihn weiter.

»Es steht dir, wenn du rauchst«, sagte er. »Bei manchen Mädchen wirkt es albern, aber bei dir hat es etwas Selbstverständliches.«

»Mein Vater meint immer, das sei ordinär.«

»Ich glaube, ich mag deinen Vater nicht.« Er gab ihr einen Kuss in den Nacken, dort, wo ein leichter rotblonder Flaum saß und sich unter der Berührung aufstellte. »Willst du mit mir nach Südamerika kommen?«

Sie sah ihn an. »Einfach so?«

»Einfach so.«

»Wie lange?«

»So lange, wie wir Lust haben.«

Sie bog ihren Kopf zurück, bis sie seine Schulterbeuge fand. »Und mein Studium?«

»Du könntest ein, zwei Semester aussetzen.«

»Das darfst du dann meinen Eltern erklären.«

»Also doch Tochter aus gutem Hause?«

»Komm, lass deine Anspielungen.«

»Beauvoir hat sich schließlich auch irgendwann befreit.« Er grinste.

»Die Existenzialisten glauben, wenn man eine Entscheidung in seinem Leben getroffen hat, folgen alle anderen unausweichlich«, entgegnete sie. »Es gibt keine Möglichkeit mehr umzukehren.«

»Aber sie sagen auch, in dieser einen Entscheidung ist man völlig frei. Nur seinem eigenen Willen verpflichtet.«

Sie küsste sein Ohrläppchen. »Ah, und du meinst also, ich sollte eine Reise ins Ungewisse mit dir wählen – obwohl wir uns gerade mal drei Tage kennen?«

»Es ist ein Angebot.«

»Bist du sehr freigiebig mit solchen Angeboten?«

Er drehte seinen Kopf in ihre Richtung, zögerte seine Antwort mit einem Kuss hinaus. Ihre Lippen gaben nach, gaben ihm Aufschub. Als sie voneinander abließen, lehnte er sich zurück. »Du willst wissen, ob ich eine Freundin habe?«

»Natürlich will ich das wissen.« Sie sah in die Geranien, deren Rot in der Dunkelheit fast unheimlich wirkte.

»Ja, ich habe, besser hatte eine, mit der ich ging.«

»Wie lange?«

»Ungefähr ein Jahr. Bevor ich hierherkam, habe ich Schluss gemacht.«

»Warum?«

»Sie passt nicht in mein Leben. Sie denkt ans Heiraten und Zusammenziehen und Kinderkriegen. Und ich lasse mich nun mal nicht gern anbinden.«

»Mir geht’s genauso. Mein Freund hat sich zu gut mit meinem Vater verstanden. Da habe ich gewusst, das kann nicht funktionieren mit uns.«

Seine Umarmung nahm Antworten vorweg. »Könnte es sein, dass wir zwei uns gesucht und gefunden haben?«, fragte er schließlich.

Sie lachte. »Ich glaube, für solche Dinge ist es noch zu früh. Nichts mit Conclusio für heute also …«

»Du bist hellwach, Klara.«

Sie rutschte von seinem Schoß herunter und ging an die Brüstung der Terrasse, drehte sich plötzlich zu ihm um und breitete die Arme aus. »Ich würde eher sagen, ich bin hundemüde – und ein wenig betrunken.«

Er stand auf und lief geradewegs auf sie zu, hob sie hoch, so dass ihre Füße für Sekunden den Boden verloren. In dem Moment spürte sie eine nie da gewesene Leichtigkeit; sie war noch zu jung, um für dieses Gefühl einen Namen zu kennen.

 

Die nächsten Tage verbrachten sie fast jede Minute zusammen. Am Strand lag sie in seiner Nähe und beobachtete ihn dabei, wie er Sonnenschirme und Liegestühle vermietete. Immer wieder verließ er seinen Baum, um sich zu ihr zu setzen. Er brachte Buch und Zigaretten mit, rauchte mit ihr und las ihr vor. Paris. Ein Fest fürs Leben hatte er dabei. »Das passt doch. Jetzt, da du bald nach Frankreich fährst«, meinte er. Sie lag mit dem Kopf in seinem Schoß, trank sich satt an Hemingways kurzen, knappen, kargen Sätzen. Sie mochte Stephans Stimme; sie klang weich und ein wenig heiser. Manchmal cremte er sie mit Sonnenmilch ein; ihren Knien widmete er besonders viel Aufmerksamkeit, mit Nachdruck führte er seine Hände über dieses »perfekte Rund« – so nannte er das, und sie lachte darüber. Wenn sie die Augen geschlossen hielt, bat er sie ab und zu, sie zu öffnen, nur für ihn. Sie hatte wasserblaue Augen, wie hundertfach verdünnt, meinte er, und irgendwann sagte er, ihr Blick trage das Meer in sich. An diesem Tag war das Meer hell und licht und transparent.

Sie hatten keine Scheu voreinander; alles, was sie miteinander taten, schien selbstverständlich. Und sie nahmen es an, griffen hungrig zu. Eine andere Option gab es für sie nicht in diesem italienischen Juli.

 

Am letzten Tag brachte Stephan sie zum Bahnhof. Er trug ihren Rucksack mit den vielen Büchern darin.

Vor dem Schaufenster eines Souvenirladens blieb Klara plötzlich stehen. »Guck mal.« Sie zeigte auf zwei Puppen. Es waren Puppen aus Porzellan, eine Frau und ein Mann, denen irgendwer ein Lächeln auf die kleinen Gesichter gemalt hatte. Die Frau trug ein rotes Kleid mit weißem Kragen. Der Mann steckte in einem dunklen Anzug und schien stolz zu sein auf die kleine Fliege mit weißen Pünktchen, die seinem Auftritt etwas Festliches gab.

Stephan blieb stehen. »Gefallen sie dir?«

»Sie sehen glücklich aus.«

Er holte seinen Geldbeutel aus der Hosentasche. »Dann kaufen wir uns jetzt ein bisschen Glück.«

Sie ließen sich die beiden Püppchen von der Frau in dem Laden in Seidenpapier wickeln. Sie band noch jeweils eine Schleife darum, eine rote und eine blaue. Dann gab sie die zwei in eine Tüte und überreichte sie Klara.

»Du nimmst die Frau und ich den Mann«, sagte Klara, als sie am Bahnhof angekommen waren und auf den Zug warteten. Sie griff in die Tüte und gab ihm die Figur mit der roten Schleife.

»… und in einer Woche sind die beiden wieder vereint«, ergänzte er.

»Wann kommst du?«

»Mittwoch, Donnerstag oder Freitag werde ich in Aix sein, je nachdem, wann hier am Strand mein Nachfolger auftaucht. Und dann werde ich direkt in deine Arme laufen. Und danach fahren wir zusammen nach Paris.«

Ihre letzte Umarmung geriet unbeholfen; sie hatten noch keine Erfahrung im Abschiednehmen. Stephan öffnete Klara die Tür zum Zug, trug ihren Rucksack hinein und verstaute ihn im Gepäcknetz. Der Kuss, den sie sich gaben, war ein kurzer. Sie waren nicht allein; ein Pater saß bereits im Abteil und nickte ihnen freundlich zu.

»Er sieht aus wie Don Camillo«, flüsterte Stephan und strich Klara übers Haar, das sie wieder zum Zopf geflochten hatte.

Sie lachte und setzte sich. »Bis nächste Woche.«

Er sprang die drei Stufen hinunter, als sich der Zug in Bewegung setzte, und warf die Tür zu. »Bis nächste Woche«, rief er. Sein Winken sah sie noch lange. Sie sah es sogar noch, als der Zug bereits viele Kurven genommen, viele Tunnel passiert hatte. Irgendwann wickelte sie die kleine Porzellanfigur aus; der Mann mit der Fliege lächelte sie an. Der Pater ihr gegenüber lächelte auch.

 

Klara hatte die Puppe mitgenommen an diesem Abend, als sie in Aix-en-Provence auf den 20-Uhr-Zug wartete. Manchmal griff sie mit der Hand in ihre Basttasche, ertastete den kleinen Körper und streichelte ihn behutsam.

Als um kurz nach acht plötzlich viele Reisende aus dem Bahnhof strömten, spürte sie, wie sich eine bislang unbekannte Aufregung in ihr ausbreitete. Und als kurz darauf die letzten Menschen aus dem Eingang tröpfelten und sich in alle möglichen Richtungen verloren, blieb nur Leere in ihr. Eine Leere, die der Hoffnung auf die nächsten beiden Abende Platz machte.

Sie kam wieder, die Leere. Kam am Donnerstag und am Freitag. Nahm die Gedankenspiele, die tagsüber vergnügt Zukunft gespielt hatten, ins Fadenkreuz, um sie mit grausamer Präzision zu erledigen. Längst hatte Klara ein »Ja, ich komme mit nach Südamerika« in Stellung gebracht. Längst hatte sie entschieden, Stephan an die Hand zu nehmen und fürs Erste nicht mehr loszulassen. Sie wollte ihn überraschen mit ihrem Entschluss. Malte sich die Freude auf seinem Gesicht aus, während sie in den Hörsälen der Uni von Aix saß und sich Notizen zu den Vorlesungen machte. Sie war sich so sicher, dass er sich freuen würde. Andere Möglichkeiten verwarf sie in dem Augenblick, in dem sie sich zeigten. Bis zu jenem Freitagabend, an dem die letzten Menschen das Bahnhofsgebäude verließen. Stephan war nicht darunter.

 

Wie benommen stand Klara da, zunächst unfähig, sich zu rühren. Dann holte sie aus ihrer Tasche ein kleines Notizbuch. Sie blätterte, bis sie fand, was sie suchte – die Telefonnummer der Frau im Touristeninformationsbüro. Sie hatte sie ihr damals aufgeschrieben, unter der Adresse ihrer Schwester, falls sie noch etwas bräuchte. Jetzt brauchte sie etwas. Sie ging ins Bahnhofsgebäude und sah sich suchend nach einem Telefon um. Als sie kurz darauf die Nummer wählte, zitterte ihre Hand. Das Gespräch war kurz. Ob sie sich erinnern könne? Si, si. Ob sie wüsste, wer am Strand die Liegestühle vermiete? Si, si, das seien immer Studenten. Vor drei Tagen sei ein neuer gekommen, ein Junge aus England. Und der davor? Keine Ahnung. Ein Deutscher sei das gewesen, stimmt, wie sie, wie Klara. Aber wo der jetzt sei? Nein, da könne sie ihr leider nicht weiterhelfen. Sie habe ihn nicht mehr gesehen hier in Levanto, und hier sehe man eigentlich jeden. Mi dispiace, Signorina. Und viel Glück noch …

Es klackte in der Leitung; das Geld, das Klara eingeworfen hatte, war durchgefallen.

 

Wie ferngesteuert ging sie zum Cours Mirabeau zurück, diesem platanenbestandenen Boulevard, der die Altstadt von Aix durchschnitt und an dem sich die Leute in einem der zahllosen Cafés auf den Abend einstimmten. Sie setzte sich zu den Leuten, um nicht allein zu sein. Fragen über Fragen tauchten auf, die sie nicht mehr losließen, die eine Endlosschleife in ihrem Kopf drehten. Was war passiert? Warum war er nicht gekommen? Hatte sie sich alles nur eingebildet? Die Antworten blieben aus, versanken Schluck für Schluck in dem Rotwein, den sie sich bestellt hatte und den sie viel zu hastig trank. Sie holte die Porzellanfigur aus ihrer Tasche und stellte sie neben ihr Glas, diesen kleinen Mann in seinem Festtagsanzug, der so stolz seine weiß gepunktete Fliege trug. »In einer Woche sind die beiden wieder vereint.« Wo war seine kleine Frau mit dem roten Kleid jetzt?

Das erste Mal blieb das Leben Klara etwas schuldig, gab ihr nicht mehr verschwenderisch das, wonach sie verlangte. Entzog ihr seine Zuwendung und legte ihr stattdessen Zweifel vor die Füße, große Steine, die sie würde wegräumen müssen. Irgendetwas in ihr wollte weinen, laut und hemmungslos weinen, wie ein kleines Kind. Aber da war noch etwas anderes, ein fast trotziges Gefühl, das sich dagegen stemmte, das Tränen nicht zuließ. Als sie ihren Wein bezahlte, stand ihr Entschluss fest: Sie würde morgen früh ihre Sachen packen und diese Stadt verlassen. Sie hatte hier nichts mehr verloren. Das Püppchen lächelte, als sie es behutsam wieder in die Tasche steckte.

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1

Es ist seine letzte Vorlesung in diesem Semester. Einige Studenten haben sich schon vorzeitig in den Sommer verabschiedet; die Reihen im Hörsaal sind ausgedünnt. Wieder einmal hat er die Danziger Trilogie von Günter Grass in fünfzehn Doppelstunden abgehandelt; wieder einmal gibt es viel Beifall am Schluss. Er ist beliebt bei seinen Studenten, das weiß er und das genießt er. Er fährt die Tafel hinter sich herunter, nimmt den großen gelben Schwamm und wischt damit seine Schrift weg. Es ist eine ausladende Schrift, eine Schrift, die über die Jahre gewachsen ist und bei der sich die Buchstaben an die Hand nehmen. Er mag keine Powerpoint-Präsentationen wie viele seiner Kollegen; das sei ermüdend, sagt er immer, und unpersönlich, auf Knopfdruck stets dasselbe Programm abspulend. Tafel und Kreide dagegen stellten einen direkten Kontakt zum Auditorium her, in dem Moment, in dem man seine Schrift zeige, offenbare man einen Teil von sich, mache sich unverwechselbar.

Er nickt den jungen Leuten zu, die ihm schöne Ferien wünschen, während er seine Unterlagen in eine dunkelbraune Ledertasche steckt. Sie ist schon etwas abgewetzt, diese Tasche, die ihm Susanne vor fünfzehn Jahren zur Promotion geschenkt hat. Die Tasche hat er noch; sie hat es länger bei ihm ausgehalten als Susanne.

»Ich habe gleich einen Termin bei Ihnen.« Die junge Frau steht plötzlich vor seinem Pult. Das Erste, was ihm auffällt, sind ihre Augen. Wasserblaue Augen. Außerdem registriert er lange schwarze Haare, eine schmale Nase, ein paar Sommersprossen, die sich nach dem Zufallsprinzip in ihrem Gesicht zu verteilen scheinen. Sie trägt hellblaue Hosen, die kurz unter dem Knie enden – Caprihosen sagt man wohl dazu – und ein enges weißes Top, dessen Träger mit denen des BHs konkurrieren. Sie ist groß, mindestens einen Meter achtzig, schätzt er, und schlank, fast dünn.

»Haben Sie den mit meinem Sekretariat vereinbart?«, fragt er und schließt seine Tasche.

Sie nickt.

»Na, dann kommen Sie am besten gleich mit.« Er nimmt sich vor, mit seiner Sekretärin zu reden und sie zu bitten, keine Termine am letzten Tag eines Semesters mehr auszumachen. Als er kurz darauf mit der Studentin die Treppen in den fünften Stock des Instituts hochsteigt, wo sein Büro liegt, tippt er eine Nummer auf seinem Handy ein. »Hallo, Max, ich bin’s«, erklärt er. »Ich verspäte mich etwas. So ungefähr eine halbe Stunde …«

»Habe ich jetzt Ihren Zeitplan durcheinandergebracht?«, fragt sie. Sie keucht vom Treppensteigen. Er merkt, dass ihn das amüsiert.

»Schon okay«, gibt er zurück.

»Warum nehmen Sie eigentlich nicht den Aufzug?« Sie ist völlig außer Atem, als er die Tür seines Büros aufschließt. Professor Stephan Lechmann, Neuere Deutsche Literatur, steht dort auf einem kleinen hellgrauen Schild.

»Bin ein alter Bergsteiger«, entgegnet er.

»Na ja, so alt sind Sie nun auch wieder nicht.«

Er sieht sie an. Ihr Mund kräuselt sich zu einem Anflug von Spott, während sie das sagt. Er kennt diesen Unterton, als würde ein Subtext mitlaufen, der ihm schöntun will. Koketterie, die irgendwann in die Offensive geht. Ein paar Mal schon hat er sich auf dieses Spiel eingelassen. Nicht zuletzt deswegen hat Susanne mit ihm Schluss gemacht.

»Kommen Sie.« Er geht durch das Vorzimmer, seine Sekretärin ist weg, bereits in den Ferien. »Bitte sehr.« Er lässt die Frau mit den Caprihosen und dem engen Top vorangehen. Irgendwie sind sie alle gleich, denkt er. Und doch hat diese hier etwas, das anders ist. »Nehmen Sie Platz.« Er zeigt auf ein Sofa, vor dem ein kleiner Tisch und ein Sessel stehen. »Dort ist es bequemer als am Schreibtisch. Mögen Sie etwas trinken? Kaffee oder Mineralwasser?« Sein Tonfall ist sachlich.

Sie bestellt Wasser. Während er eine Flasche und zwei Gläser holt, beobachtet er aus den Augenwinkeln, wie sie sich auf das Sofa setzt und die Beine übereinanderschlägt. Die Bewegung gerät selbstverständlich; da ist nichts Verstelltes, nichts absichtsvoll Aufreizendes. Da sind nur diese Augen, diese wasserblauen Augen, die jeden seiner Handgriffe scannen. Mit einer Ruhe, die sich vorgenommen zu haben scheint, seine Selbstsicherheit zu sezieren.

»Und worüber wollen Sie mit mir sprechen?« Er lässt sich in den Sessel ihr gegenüber fallen und sieht sie erwartungsvoll an. In diesem Moment verlässt ihr Blick ihn.

»Ich habe vor, demnächst mit meiner Abschlussarbeit anzufangen«, sagt sie mit fester Stimme, einer Stimme, der man anhört, das sie weiß, was sie will. »Und ich möchte Sie fragen, ob Sie mich betreuen könnten.«

»Haben Sie sich bereits über das Thema Gedanken gemacht?« Er greift nach seinem Wasser. Jetzt muss sie sich beweisen, denkt er. Muss herauslassen, was sie will, muss ihre Ideen hier vor mir ausbreiten.

»Ich dachte an die Beziehung zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch, daran, wie die zwei …«

»Lassen Sie Frisch weg«, unterbricht er sie. Er weiß, dass er sie irritiert. Und es gefällt ihm. Diese Frau hat etwas, das ihn herausfordert.

»Wie meinen Sie das?« Er hat es geschafft, hat sie verunsichert, aus dem Konzept gebracht. Diesem Konzept, das sie so sorgfältig vorbereitet hat.

»Lassen Sie ihn einfach weg.« Seine Selbstsicherheit meldet sich zurück, nun ganz professoraler Habitus. Das hat er drauf. Damit hat er Susanne unzählige Male den K. o.-Schlag verpasst.

»Aber …« – Sie sucht nach Worten – »… ich verstehe nicht …«

»Das Ganze zwischen den beiden ist nur eine rührselige Geschichte, die bereits hundertmal durchgekaut wurde. Das ist nicht neu, das ist nicht spannend, das ist allenfalls ein bisschen romantisch.«

»Was haben Sie gegen Romantik?« Der Satz ist schnell gekommen, unvorsichtig, hat sich aus der Deckung gewagt. Sie trinkt einen großen Schluck Wasser und lässt ihren Blick wieder laufen, lässt ihn direkt in seinen laufen.

Er lächelt, und er weiß, wie es auf Frauen wirkt, wenn er das tut. Jetzt beginnt das Ganze ihm Spaß zu machen. »Ich habe nichts gegen Romantik«, gibt er zurück. »Ich habe nur etwas gegen Dinge, die nicht neu sind. Rein wissenschaftlich, meine ich.«

Sie verändert die Haltung ihrer Beine, stellt nun beide parallel zueinander und stützt ihre Unterarme darauf. Sie gibt nicht auf; das imponiert ihm. »Und was schlagen Sie mir vor?« Ihr Tonfall ist eine Nuance weicher geworden.

»Versuchen Sie es mit Wittgenstein statt mit Frisch.«

»Wittgenstein?«

»Ja, Ludwig Wittgenstein. Er hat Bachmann mehr beeinflusst als dieser Schweizer. Ich schätze Frisch, nicht dass Sie mich falsch verstehen, aber er ist eine Geschichte für sich. Wittgensteins Gedankengut dagegen ist regelrecht eingeflossen in Bachmanns Werk. Forschen Sie da mal ein bisschen nach. Es lohnt sich.«

»Wie viel Zeit habe ich für die Arbeit?«

»Kommen Sie im nächsten Semester in mein Seminar über Bachmann …«

»Ich habe mich bereits angemeldet«, unterbricht sie ihn.

»Gut. Dann lernen wir uns ja näher kennen. Sie machen bis dahin ein grobes Konzept, und wir sprechen darüber. Lassen Sie sich ruhig Zeit. Ich bin immer dafür, dass Studenten ihre Abschlussarbeit nicht übers Knie brechen.« Er greift nach Block und Bleistift, die auf dem Tisch liegen. »Wie ist übrigens Ihr Name?«

»Isabel Weidner.«

»Gut, Frau Weidner.« Er steht auf. Zeigt damit, dass das Gespräch für ihn beendet ist.

Als er sie zur Tür begleitet, nimmt er einen leichten Geruch von Schweiß wahr. Warmer, frischer Schweiß. »Was gefällt Ihnen an Bachmann?«, fragt er.

Sie bleibt abrupt stehen. »Sie war so zerbrechlich«, erwidert sie. »Und ich mag Menschen, die etwas Fragiles haben.«

Vielleicht ist es dieser Satz, der seine Warnsysteme kurzfristig abschaltet. »Ich habe eine Sammlung von Wittgensteins Texten«, stammelt er – noch bevor seine Gedanken ihn zur Ordnung rufen, ihn zurückpfeifen können. »Ich könnte Sie Ihnen über die Semesterferien leihen.«

Jetzt lacht sie, fast wie befreit. »Danke, das ist nett von Ihnen.«

»Lassen Sie mir Ihre Telefonnummer da. Ich suche zu Hause und rufe Sie an.«

Sie greift in ihre Umhängetasche und holt ein Buch heraus. Ein schwarzes Notizbuch. Schnell schreibt sie ein paar Zahlen auf, reißt die Seite heraus und reicht sie ihm. »Ich bin noch vier Tage hier. Dann fahre ich mit meinen Eltern nach Amrum.«

»Bis dahin hören Sie von mir.«

 

Nachdem er die Tür hinter ihr geschlossen hat, steht er noch eine Zeitlang da mit dem Zettel in der Hand. Blau-weiß kariertes Papier und eine kleine Schrift mit akkuraten Zahlen. Eine sechsstellige Nummer. Er hätte sie auch in die Bibliothek schicken können, diese Isabel Weidner, das weiß er. Er weiß auch, warum er es nicht getan hat. Er will sie wiedersehen, will dieses Spiel fortsetzen, das sie begonnen hat. Er kennt die Regeln inzwischen. Wie oft schon hat er sich vorgenommen, keinen Einsatz mehr zu bringen. Einfach aufzuhören. Ihm ist inzwischen klar geworden, dass diese Geschichten irgendwann mit einem Patt enden und das Leben ihn mit einem lächerlichen Unentschieden vom Platz schickt.

 

Er geht zu dem Tisch zurück, auf dem immer noch ihr Glas neben seinem steht. Sie hat es zur Hälfte ausgetrunken. Ihr Mund hat einen kleinen Abdruck darauf gesetzt. Er nimmt beide Gläser und schüttet den Rest des Wassers in das Waschbecken, das seine Sekretärin bereits geputzt hat. Beim Ausspülen fährt er kurz mit dem Zeigefinger über Isabel Weidners Lippen-Hinterlassenschaft. Er sieht den Mund vor sich, der sich spöttisch kräuselt, während die Augen ihr Gegenüber in Wasserblau tauchen. Augen, die erst Erstaunen, dann Erkennen in ihm ausgelöst haben. Doch was hat er da erkannt?

Er schüttelt den Kopf, begegnet seinem Blick im Spiegel über dem Becken, während er nach dem frisch gebügelten roten Handtuch an dem kleinen Haken daneben greift. Er ist blass geworden in den letzten Monaten, die schwarz gelockten, kurz geschnittenen Haare lassen an den Schläfen erstes Grau durchscheinen, seine Augen wirken müde. Der Urlaub in den Bergen wird ihm guttun. Viel frische Luft und Sonne und das unbeschreibliche Gefühl, bis an seine Grenzen zu gehen. Eine Art Standortbestimmung, die er sich mindestens einmal im Jahrauferlegt, ja, geradezu verordnet. Auch nach der Trennung von Susanne war er ins Gebirge gefahren, und irgendwo dort oben begriff er, dass Susanne nur etwas vollzogen hatte, das über Jahre in ihm gewachsen war. Sie hatte einen Strich unter seine Unzufriedenheit gesetzt. Er war nur zu feige gewesen, dieses quälende Gefühl endgültig hinauszulassen, damit es seiner Wege gehen konnte.

Bevor er sein Büro verlässt, steckt er den kleinen blau-weiß karierten Zettel in ein Seitenfach seiner Tasche. Er lächelt dabei. Dann schließt er die Tür hinter sich zu.

 

Max ist bereits da, sitzt unter den alten Linden im Hofgarten und winkt ihm zu. Er ist älter geworden in den letzten Jahren, sichtbar älter. Und obwohl Stephan seinen Freund oft trifft, fällt ihm das heute zum ersten Mal auf. Dieser Bauchansatz über dem Gürtel, der fast fatalistisch mit dem immer kahler werdenden Kopfhaar korrespondiert. Die Hände, auf denen sich verschämt erste Altersflecken versammeln. Mit Ende vierzig lässt Gewissheit noch Gnade den Vortritt, begnügt sich mit einer Ahnung von dem, was unweigerlich kommt.

»Ich habe uns eine Flasche Weißwein bestellt«, begrüßt ihn Max. »Gefällt dir das zum Semesterabschluss?«

»Und ob.« Stephan setzt sich ihm gegenüber an den Tisch.

Max greift nach der Flasche im Kühler, fängt mit der Serviette, die der Kellner darauf plaziert hat, die Tropfen auf und gießt Stephan ein. »Lass uns anstoßen.«

»Auf was?«

»Auf die freie Zeit, zumindest deine freie Zeit.«

Stephan hebt sein Glas und nimmt einen großen Schluck. Er spült den Professor weg, wird wieder zu dem Jungen, der seinen ältesten Freund trifft. Den Freund, mit dem er in Freiburg Abitur gemacht hat, mit dem er durch Mexiko, Guatemala, Nicaragua, Costa Rica und Peru reiste, den er danach aus den Augen verlor und Jahre später in München wieder traf. Da war Max bereits verheiratet und hatte sein erstes Kind, ein weiteres war unterwegs; der Freund, der die Welt sein Zuhause genannt hatte, war häuslich geworden. Als Chefredakteur eines kleinen Reisemagazins verkaufte er fortan seine Sehnsüchte, ließ andere Autoren das tun, was ihm verwehrt war, redigierte ein Leben, das er selbst gern geführt hätte. So kann’s gehen, dachte Stephan damals, während Max ihm und Susanne Cornelia vorstellte, die ihnen stolz ihren Siebenmonatsbauch entgegenstreckte. Susanne guckte etwas neidisch auf das sich selbstsicher wölbende Rund; Stephan wappnete sich im selben Moment mit Verweigerung. Alle Versuche Susannes, ihn doch noch zum Familienvater zu machen, konnten sich nur zerschlagen, wie Wellen, die sich an einem Felsen abarbeiten, mal mehr, mal weniger heftig, je nach Wetterlage. Die Affären mit seinen Studentinnen waren Stephan Beweis genug, dass sein Leben andere Wege gehen wollte. Er ließ sich treiben, und Susanne ließ er mit ihren Träumen allein.

 

»Wie sieht’s mit euren Urlaubsplänen aus?«, fragt Stephan jetzt.

»Wir fahren in zwei Wochen mit meiner Schwägerin und ihrer Familie in ein Ferienhaus nach Südfrankreich. Cornelia hat alles organisiert, und ich, na ja …«

»… du machst gute Miene?«

Max nippt an dem Wein, als könnte er die Antwort damit in kleinen, bekömmlichen Schlucken wegtrinken.

Stephan lässt nicht locker. »Denkst du manchmal an das, was wir uns in Costa Rica am Strand von Cahuita geschworen haben?«

»Oft.« Für Momente taucht Max ab, verabschiedet sich ans Meer, in dem die Sonne gerade versinkt, spürt Leichtsinn und Übermut und Grenzenlosigkeit. Wir werden die Welt aus den Angeln heben, Stephan. Wir werden es anders machen als unsere Väter, nicht in diesem spießigen Sumpf enden …

»Und?« Stephan holt ihn ins Jetzt zurück. Zurück an diesen Tisch im Hofgarten, unter den alten Linden, die ihnen beiden bereits so oft zugehört haben.

»Was soll ich machen?«, erwidert er. »Ich habe eine Frau und drei Kinder und muss sehen, dass das Leben nicht aus der Bahn läuft.«

»Ist es das nicht längst?«

Max nickt, als könnte er mit diesem Nicken die Starre auflösen, die ihn fest im Griff hat. »Du hast recht, Stephan. Die Kugel rollt, und keine Macht der Welt kann sie mehr anhalten.«

»Les jeux sont faits. Willst du mir das damit sagen?«

»Komm mir jetzt nicht mit Sartre, bitte.«

»Berufskrankheit. Aber eins zu null für dich, dass du mir gleich die Fußnote lieferst.«

Max winkt den Kellner heran. »Magst du Roastbeef mit Bratkartoffeln?«

Stephan grinst. »Ab und an hast du immer noch gute Ideen. Übrigens, ist dir in all den Jahren nie der Gedanke gekommen, Cornelia zu betrügen?«

Max schüttelt den Kopf. »Ich bin nicht der Typ für … für so etwas …«

»Du meinst, nicht so ein Typ wie ich, oder?«

»Habe ich dir eigentlich schon mal gesagt, wie sehr ich dich manchmal beneide?«

»Warum? Ich habe eine gescheiterte Beziehung hinter mir und gehe ab und an mit einer meiner Studentinnen ins Bett. Nicht gerade preisverdächtig, wenn es um die Frage geht, ob man aus seinem Leben das Beste herausgeholt hat …«

»Alter Zyniker.« Max gießt beiden Wein nach. »Apropos, gibt es gerade jemanden in deinem Leben?«

Stephan lächelt, und in seinem Lächeln verstecken sich ein spöttischer Mund und wasserblaue Augen. Er sucht in seiner Jackentasche nach Zigaretten, holt eine Packung und Streichhölzer heraus. Er lässt sich Zeit mit dem Anzünden, bläst dann langsam den Rauch über den Tisch.

»Nun sag schon …« Max lässt den Wein im Glas kreisen.

»Es ist nichts«, sagt Stephan, »zumindest noch nichts. Es war eine flüchtige Begegnung, eigentlich nicht der Rede wert. Heute hat eine Studentin mit mir ihre Abschlussarbeit besprochen, und, na ja, wie soll ich sagen, sie hat etwas Besonderes, ich kann dir gar nicht erklären, was es ist.«

»Haben sie das nicht alle am Anfang?«

»Ja, schon, aber sie ist auf eine irgendwie herausfordernde Weise respektlos.«

»Respektlos?«

»Sie geht in die Offensive, lässt sich nicht einschüchtern. Ihr ganzes Auftreten erinnert mich an ein Selbstverständnis, das ich selbst mal hatte.«

»Wirst du sie wiedersehen?«

»Natürlich, sie kommt in mein Seminar im nächsten Semester.«

»Ich meine, vorher.«

»Okay, ich werde sie anrufen … noch bevor ich in die Berge fahre.«

»Wann fährst du?«

»In fünf Tagen.«

Max nimmt das Roastbeef, das der Kellner ihnen bringt, mit wohlwollendem Nicken entgegen. »Übrigens, Susanne war neulich bei Cornelia zu Besuch.« Er streicht Remoulade auf sein Fleisch. »Sie hat jemanden kennengelernt. Lehrer wie sie und anscheinend noch zu haben.«

»Schön für sie. Sie hat’s verdient.« Mehr sagt er nicht. Er sieht Susanne vor sich. Sieht diese Frau, die auf ihn wartete, während er mit Max durch die Welt zog. Die ihm alle als Abenteuer ummantelten Ausreißer verzieh. Die mit ihm nach München ging, um hier Gemeinsamkeit aufzubauen. Die zunächst immer wütender und schließlich immer stiller wurde, angesichts ihres so schönen Lebensbauplans, den Stephan so zielsicher demontierte. Und die irgendwann ihre ganze Verzweiflung zusammenraffte und ihm in einem Anfall aus Wut und Hoffnungslosigkeit diese drei Worte entgegenschleuderte: Ich verlasse dich. Er hatte das nicht erwartet von ihr, aber er nahm es an. Nahezu dankbar nahm er die drei Worte an und packte kurz darauf seine Sachen. Es fühlte sich leicht an damals, sein Gepäck.

 

»Redet ihr noch miteinander?« Max sieht ihn neugierig an.

»Manchmal telefonieren wir, aber wir haben uns nicht mehr viel zu sagen.«

»Cornelia hat Susanne nach eurer Trennung sehr bedauert.«

»Warum sagst du nicht gleich, dass mich deine Frau nicht leiden kann?«

»Wundert dich das?«

»Eigentlich nicht. Sie hat Angst, dass ich dich auf meine Seite ziehen könnte. Ich bin schließlich der personifizierte Gegenentwurf zu allem, was ihr wichtig ist. Unstet, bindungsunfähig, launisch …«

»… leidenschaftlich und charismatisch.«

»Oh, danke, das sind dann die Luftkissen, mit denen sich Menschen meines Schlags über Wasser halten.«

»Klingt da gerade etwas Selbstkritik durch?«

Stephan pikst eine Bratkartoffel mit seiner Gabel auf. »Vielleicht.«

»Hast du nicht auch manchmal das Bedürfnis nach Ruhe in deinem Leben?«, hakt Max nach. »Das Bedürfnis anzukommen?«

»Du willst wissen, ob ich in dunstiger Ferne den Hafen der Ehe ausmache, um irgendwann das Steuer herumzureißen und Kurs auf die gepflegte Langeweile zu nehmen?«

»Meinetwegen – wenn du ohne Metaphern nicht leben kannst …«

Die Bratkartoffel verschwindet in Stephans Mund, und er kaut sie weg, wie das Lächeln, das sich für einen Moment zwischen die beiden Männer legen will. »Manchmal wünsche ich mir das wirklich«, sagt Stephan jetzt, und jede Ironie hat sich davongemacht. Er sieht zu den drei Boule-Spielern, die unweit ihres Tischs im Kies die kleine Kugel in Stellung bringen und dann mit geübtem Schwung versuchen, die großen, schweren Eisenkugeln möglichst nah am petit cochon zu plazieren. »Es ist nur wie bei diesem Spiel hier« – er zeigt auf eine Kugel, die gerade eine andere wegschießt – »eine ständige Suche nach der bestmöglichen Position.«

»Verstehe.« Max verteilt den Rest des Weins auf die zwei Gläser. »Aber am Ende will man doch der Gewinner sein, oder?«

Stephan greift nach seinem Glas. »Bist du ein Gewinner?«

»Eher nicht.«

Stephan registriert, dass das Lachen seines Freundes binnen Sekunden zur Karikatur wird. »Genau das ist es, Max. Und ich mag keine Trostpreise.«

»Willst du damit sagen, dass mein Leben mit Cornelia und den Kindern …«