Ein totes Baby im Klostergarten - Sandro Pessina - E-Book

Ein totes Baby im Klostergarten E-Book

Sandro Pessina

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Beschreibung

Das Kloster Wesemlin in Luzern plant verschiedene Bauten und will eine Begegnungsstätte für Alle, egal welcher Glaubensrich-tung jemand angehörtnicht . Neu wird der wundervolle Kloster-garten nicht mehr abgesclossen und soll immer für jedermann sein. Bei Renovationsarbeiten an der hintere Klostermauer, wird in einem blauenAb-fallsack eine Babyleiche entdeckt. Die Klosterl-eitung meldete den Vorfall sofort der Kripo und bat gleichzetig um grösstre Diskretion. Sepp Schnyder sicherte diese zu und beauftragte, seinen besten Ermittler und Kriminalautor, Luciano Pasetti mit der Aufklärung. Pasetti hatte seinerzeit in dieser scchmucken Klosterkirche geheiratet. Es stellte sich heraus, dass das tote Kind türkischer Abstammung war. Nach und nach fand Pasetti heraus, dass immer mehr Türken in höchst kriminelle Machenschaften, wie Drogenhandel, Zwangsprostitutionution, Menschenhandel. Er deckte die Verbrechen des Clans auf.

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Wie immer, so gegen Ende April fühlte sich Pasetti unruhig und irgendwie unzufrieden. Er hoffte auf einen schönen, warmen Mai und dass er so bald wie möglich seine Lieblings Badi, die Winkel Badi in Horw, aufsuchen konnte und dort, wenn auch nur kurz, ein kurzes Bad im See geniessen konnte, auch wenn sich die Wassertemperatur, noch eher im kühleren Bereich befand.

Doch wenn er ganz ehrlich mit sich selber war, so bestand für ihn eigentlich überhaupt kein Grund, unzufrieden zu sein.

Er fühlte sich nämlich sehr gut, wobei er wusste, dass er dies, zum grössten Teil, seiner angetrauten Frau, Bianca, zu verdanken hatte. Sie pflegte und verwöhnte ihn, in allen Bereichen. Er liebte sie über alles und sie war für ihn, auch noch nach all diesen Jahren, immer noch seine Traumfrau.

Ausserdem, liess ihn sein Chef und Freund Sepp Schnyder, Kommandant der Luzerner Kriminalpolizei, für die er als Berater und Profiler, tätig war, weitgehend in Ruhe. Vermutlich lag es daran, dass es diesen Winter keine grösseren Kriminalfälle oder grössere Verbrechen aufzuklären gab, bei denen er angefordert werden musste. Dadurch konnte er die lange Winterzeit, dazu benutzen, seinen neuesten Kriminalroman, zu vollenden und zu überarbeiten.

Schliesslich, musste er die Manuskripte auch an seinen Verlag übermitteln. Zudem hatte er auch genügend Zeit, für alle notwendigen Recherchen, die er für seinen neuen Kriminalroman, dringend benötigte, durch zu führen.

Da die, momentan herrschenden Witterungsverhältnisse, immer noch nicht zu einem Badi Besuch einluden, begann er damit, einen weiteren Kriminalroman zu schreiben. Er wollte sich aber selber nicht unter Druck setzen und fixierte deshalb keinen Termin, bis wann er diesen Krimi fertig geschrieben haben sollte.

Da er während der Sommerzeit prinzipiell, keine Krimis schrieb, könnte es auch erst im Spätherbst, soweit sein. So musste er sich eigentlich eingestehen, dass für ihn wirklich kein Grund vorhanden war, mit sich selbst und der Welt unzufrieden zu sein – ganz im Gegenteil.

Er genoss sein bescheidenes Frühstück, welches eigentlich nur aus einem Joghurt bestand und einem kräftigen Milchkaffee, welchen er allein zu sich nahm. Ein gemeinsames Frühstück, fand bei den Pasettis jeweils nur an einem Sonntag statt und zwar eher spät – so gegen zehn Uhr und glich mehr, einem leichten Brunch.

Während der warmen Sommermonate, wo er und Bianca, sich bereits kurz nach neun in der Badi befanden, gabs keinen Brunch, sondern lediglich einige frische Butter- und Laugengipfeli.

Heute war Montag und die Uhr zeigte gegen halb Neun, als plötzlich die Türklingel losging. Pasetti war darüber sehr verwundert und begab sich deshalb persönlich zur Türe, da Bianca ohnehin noch im Bad mit der Morgentoilette beschäftigt war.

Als er dann die Türe öffnete, stand da Tonia Bühlmann, neben seinem Chef, Sepp Schnyder. Beide wiesen einen eher ernsten Gesichtsausdruck auf. Schnyder entschuldigte sich für den Überfall und erkundigte sich, ob er störe. Pasetti lachte nur und bat die beiden herein und bot ihnen einen Espresso an, der gerne akzeptierten, jedoch mit dem Hinweis , dass sie nur ganz kurz bleiben könnten.

Inzwischen kam Bianca aus dem Bad, frisch gesteilt, wie immer sehr gepflegt und begrüsste ihre Besucher herzlich, wobei sie auch gleich, nochmals vier Espressi für alle braute und servierte und sich nun zu den beiden Gästen setzte. Beide wollten nun aber wissen, was der wirkliche Grund für den etwas überraschenden Besuch war.

Schnyder suchte zuerst nach den geeigneten Worten. Er begann vorsichtig mit der Frage, wo die Pasettis, seinerzeit eigentlich geheiratet hätten. So viel ihm bekannt sei, habe die Trauung in der kleinen, wundervollen Klosterkirche des Klosters Wesemlin stattgefunden und von einem Pater organisiert worden sei.

Beide Pasettis bestätigten dies und erwähnten gleichzeitig, dass sie von den Kapuziner Patres, die höchste Hochachtung hätten und diese für ihre weltoffene Haltung, den Menschen gegenüber und für ihre, äusserst sinnvollen Tätigkeiten, zum Wohle von Menschen ehrlich bewundern würden. Schnyder präzisierte nun, dass dort etwas grauenvolles passiert sei und er deshalb auf Lucianos Hilfe angewiesen sei. Man habe dort heute Morgen eine Babyleiche entdeckt.

Aus begreiflichen Gründen, sei man nun darüber äusserst besorgt und befürchte nun, dass etwas an die Öffentlichkeit gelangen könnte. Man habe von Seiten der Polizei absolute Diskretion und jegliche Unterstützung zu gesagt bekommen

Er habe Bruder Carlo Waser, neuer Leiter des Guardinariats und dessen Stellvertreter, Bruder Alois Widmer (Vikar) versprochen, alles Notwendige zu unternehmen, dass gar nichts nach aussen dringen werde und dafür seinen besten Ermittler, Luciano Pasetti eingesetzt, welcher zudem auch noch durch sein ganzes Ermittlungsteam voll unterstützt werde.

Schnyder drängte nun langsam zum Aufbruch. Man nehme Luciano gleich mit und Tonia würde ihn später auch wieder nach Hause bringen. Danach fuhren sie Richtung Kloster los. Schnyder, wollte während der Fahrt wissen, warum er ausgerechnet bei den Kapuzinern und nicht an seinem Wohnort in Kriens, geheiratet habe Pasetti bestätigte, dass man dies ursprünglich auch tun wollte.

Man habe sich deswegen mit dem dortigen. Katholischen Pfarramt in Verbindung gesetzt. Er habe dort ehrlich erklärt, dass er schon seit Jahren, aus der Kirche ausgetreten sei. Seine Braut, habe jedoch den Wunsch geäussert, katholisch zu heiraten und er habe abolut nichts dagegen einzuwenden gehabt und unterstütze sie dabei.

Der Pfarrer habe dann eine besorgte Mine aufgesetzt und davon gesprochen, dass es da Probleme geben könnte, weil Pasetti nicht katholisch sei und deshalb zumindest, wieder der Kirche beitreten sollte. Doch da sei dieser Pfarrer bei ihm an den Falschen geraten.

Er sei gerade wegen der, so verbohrten Engstirnigkeit und Intoleranz aus der Katholischen Kirche, ausgetreten. Wenn der Pfarrer, damit ein Problem habe, dann sei das dessen Problem und damit sei das Gespräch definitiv zu Ende. Beide seien nicht bereit gewesen, ein solches Verhalten zu akzeptieren und verliessen das Pfarrhaus. Natürlich war Bianca danach etwas deprimiert und enttäuscht. Am nächsten Morgen sei er mit ihr zur kleinen Klosterkirche Wesemlin gefahren. Sie betraten diese und waren über deren Schönheit sehr erstaunt.

Das war ja ein wahres Kleinod. Bianca schaute Luciano an, küsste ihn, und erklärte, dass sie sich keinen schöneren Ort vorstellen könne, um zu heiraten.

Sie waren so in Gedanken versunken, dass sie erst gar nicht bemerkten, dass ein Kapuziner auf sie zutrat und sich freundlich erkundigte, was er für sie tun könne. Darauf setzten sich alle hin.

Dann erklärte Pasetti dem Pater, dass er selber keiner Kirche mehr angehöre, seine Frau aber katholisch sei und am liebsten, auch hier katholisch heiraten möchte. Dann wollte er wissen, ob es wegen dieser Situation Probleme gebe? Der Pater schaute beide an und fragte dann: «Seid ihr euch beide sicher und liebt ihr Euch wirklich von ganzem Herzen»? Beide beantworteten die zwei Fragen, laut und deutlich mit ja. Dann gibt es hier gar kein Problem. Wir werden Euch hier mit grosser Freude trauen. Nachdem wir beide einige notwendige Unterlagen unterzeichnet hatten und uns über das Datum einigen konnten, verliessen, wir die wundervolle Klosterkirche.

Darauf umarmte mich Bianca lange und erklärte sich glücklich, dass ich für uns einen solch traumhaft schönen Ort, zum Heiraten ausgelesen hatte.

Sie erklärte mir, dass sie viel lieber in diesem schmucken kleinen Kirchlein heirate, als in einer Kirche von der Grösse eines mittleren Bahnhofs. «So, nun kennt ihr den wahren Grund, warum wir hier geheiratet haben und warum ich von den Kapuzinern grösste Hochachtung habe und wir beide, nicht gerade viel von der Katholischen Kirche halten, von welcher inzwischen auch Bianca ausgetreten ist». Damit sei ja alles klar, meinte Schnyder. Inzwischen angelangt, wurden sie vom Leiter des Ordens, Bruder Carlo Waser und dessen Stellvertreter, Bruder Alois Widmer, empfangen, wo sie sehnlichst erwartet wurden.

Pasetti beruhigte die beiden und erklärte ihnen, dass er alles tun werde, diesen Fall aufzuklären und zwar so, dass überhaupt nichts an die Öffentlichkeit dringen werde. Schnyder bestätigte dann noch, dass er Pasetti, die absolute Leitung, auch des gesamten Teams übertragen habe.

Dr. Sonja Huber von der Gerichtsmedizin und Dr. Amrein von der Spurensicherung, seien gerade dabei, ihre Arbeit aufzunehmen, warteten jedoch noch auf das Einverständnis Pasettis, der sich wie immer zuerst einen persönlichen Eindruck des Tatortes verschaffen wollte.

Deshalb begab er sich, unter Führung von Br. Alois Widmer, zum Fundort der Leiche, wo die Spurensicherung, erste Fotos gemacht hat, aber sonst noch niemand etwas angerührt hatte.

Pasetti nahm sich Zeit um die entsprechenden Eindrücke zu speichern und nickte dann Dr. Huber zu, was für diese, die Aufforderung war, ihre Arbeit aufzunehmen, während Pasetti sich dem einzigen Zeugen, der auch die Leiche entdeckte, zuwandte. Werner Bucher, so hiess der Führer des kleinen Baggers, der den Auftrag hatte, die Klostermauer zu kontrollieren und wo notwendig, zu sanieren. Pasetti und Tonia, nahmen den sichtlich erschütterten Mann zur Seite und führten ihn in die Nähe des Feuerwehrteiches, wo sich ein Tischchen, sowie einige Gartenstühle befanden.

Sie setzen sich und Tonia beruhigte ihn und bat ihn, zu erzählen, was er heute entdeckt hatte. Nach einigem Zögern, begann dieser langsam zu berichten.

Er sei kurz nach acht Uhr, hier eingetroffen, um die gestern begonnene Arbeit mit dem kleinen Bagger bis zur vorgesehenen Stelle fort zu setzen. Dabei sei ihm aber aufgefallen, dass sich da jemand an der Stelle, wo er gestern aufgehört habe, zu schaffen gemacht haben müsse. Bei genauerem Hinsehen, habe er dann ein kleines Stück blaue Plastikfolie entdeckt. Als er vorsichtig daran gezogen habe sei dieser Plastiksack, mit der Babyleiche zum Vorschein gekommen.

Hier unterbrach er seine Aussage kurz für einen Moment, fuhr dann aber fort indem er erklärte, er habe einfach nicht anders gekonnt, als diesen zu öffnen und rein zu schauen, wobei er wiederum eine kleine Pause benötigte, um weiter sprechen zu können. Als er gesehen habe, was zum da Vorschein kam, habe grösste Mühe gehabt sich nicht zu übergeben.

Tonia nahm seine Hand und forderte ihn auf, sich Zeit zu nehmen. Darauf habe er Bruder Carlo Waser aufgesucht und ihm seine Entdekkung mitgeteilt. Dieser habe ihn danach zum Fundort begleitet und angeordnet, die Arbeiten umgehend einzustellen und nichts zu verändern.

Sie hätten dann gemeinsam den Fundort mit einer grossen Plastikfolie abgedeckt und nachdem ihm Bruder Carlo das Versprechen abgenommen habe, niemandem etwas über den Vorfall verlauten zu lassen, habe er die Kriminalpolizei informiert. Pasetti, der sich fleissig Notizen gemacht hatte, bemerkte, dass Werner Bucher sichtlich erleichtert war, dass er sich alles von der Seele reden konnte. Beide bedankten sich bei Bucher für dessen präzise Schilderung und erwähnten, dass sie sich bei allfälligen Fragen, später noch an ihn wenden könnten. Bucher nickte zustimmend.

Inzwischen hatte auch die Gerichtsmedizinerin, Dr. Sonja Huber, ihre Arbeit beendet. Auch die Spurensicherung war soweit mit ihrer Arbeit fertig. Schnyder erkundigte sich bei Sonja, ob sie schon etwas zu diesem Fall, erklären könne. Die Antwort lautete kurz und bündig: «Können schon, aber wollen nicht. Alles weitere morgen an der Teamsitzung, sorry»!

Nachdem sich die Zeiger der Uhr langsam gegen Zwölf bewegten, trat unverhofft Bruder. Carlo auf das Ermittlerteam zu und lud dieses zu einem gemeinsamen Mittagessen, hier im Kloster ein, was von allen gerne akzeptiert wurde.

Lediglich die Gerichtsmedizin und auch die Spurensicherung, lehnten dankend ab und begründeten dies damit, dass Ihre Abklärungen absoluten Vorrang hätten.

Das Team wurde nun von Bruder. Carlo, in einem kleinen Nebenraum zum Speisesaal empfangen und staunte nur so über die hohe Qualität der Klosterküche.

Es gab nach einer hervorragenden Suppe, ein superzartes Kalbsvoressen, mit einer ausgezeichneten Rösti, reichlich Gemüse und Salate aus dem Klostergarten. Selbst auf ein gutes Glas Wein, Kaffee und einen selbstgebrannten Digestif, musste niemand verzichten. Bruder Carlo betonte, wie dankbar er dem Team für dessen diskrete Arbeit sei und er im Gegenzug, alles dafür tun werde, dass sich alle hier wohlfühlten.

Er möchte jedoch, die Gelegenheit wahrnehmen und seine Pläne für die Zukunft des Klosters darlegen und gleichzeitig damit begründen, warum er auf absolute Diskretion bestehen müsse.

Der Gesamtplan, sowie die Grundidee sei nämlich, hier auf Wesemlin eine offene Begegnungsstätte für jedermann entstehen zu lassen, unabhängig davon, welcher Glaubensrichtung, ein Mensch angehöre und ob er überhaupt einen Glauben habe, offen und zugänglich für jedermann.

Pasetti einte, das sei ja fantastisch! Das sei es auch, erwiderte Bruder Carlo, aber leider denke nicht jeder so. Es gebe gewaltigen Widerstand aus erzkonservativen Kreisen, die dies mit allen Mitteln verhindern wollten, obwohl die gesamte Aussenanlage jetzt schon, niemals abgeschlossen werde und auch regelmässig Besucher aufweise, unter denen sich auch Frauen mit Kopftusch befänden. Gerade im Frühling, aber auch im Herbst, gäbe es viele Leute, die sich bei Bruder Ignaz, dem Verantwortlichen für den reichhaltigen Kräutergarten, Rat über Heilkräuter, aber auch über Speisegewürze holten Gerade in der heissen Sommerzeit, suchten viele, unter den grossen Bäumen beim Feuerwehrteich Kühlung und ihre Ruhe,

Schnyder bemerkte hier, dass er all dies nicht gewusst habe. Auch Tonia hatte keine Ahnung davon. Pasetti erwähnte, dass er nur von gewissen Streitigkeiten, betreffend Baubewilligungen gehört habe, das Ganze jedoch, ehrlich gesagt, nicht weiterverfolgt habe. Bruder Carlo bestätigte, dass es ein Riesenkampf gewesen sei, der Gottseidank sei zu Gunsten des Klosters ausfiel.

Am 1. Mai 2020 erteilte der Regierungsrat des Kantons Luzerns, die Baubewilligung zum Erstellen eines Gebäudes Namens «Francesco» für ein klosternahes Wohnen, im Klostergarten. Schlussendlich, hatte auch das Bundesgericht so entschieden.

Dabei sei nebst einer kompletten Neugestaltung des gesamten Klostergartens vorgesehen, diesen auch für jedermann zugänglich zu machen, egal welcher Glaubensrichtung dieser angehörte und ob er überhaupt einen Glauben, egal welchen hatte.

Bruder Carlo wies nun mit Nachdruck darauf hin, was die Folgen wären, wenn die Öffentlichkeit von diesem Fund erfahren würde!!

Pasetti, wie auch der Rest des Ermittlerteams, sicherten ihm absolute Diskretion und Vorsicht zu. Da müsse er sich überhaupt nicht die geringsten Sorgen machen. Aus Vorsicht, sollten die Renovationsarbeiten aber für einige weitere Tage ruhen.

Am nächsten Morgen fand eine ausführliche Teamsitzung im Präsidium statt. Gleich zu Beginn waren auch Frau Dr. Sonja Huber, Chefin der Gerichtsmedizin, sowie Dr. Werner Amrein, Chef der Spurensicherung anwesend.

Schnyder übergab das Wort gleich an Dr. Huber: «was kannst Du uns berichten»? Obwohl sie bereits jedem, einen schriftlichen Bericht gegeben hatte, zog sie es diesmal vor, ihren eigenen Bericht zu interpretieren.

Sie entschuldigte sich zuerst für ihr gestriges Verhalten, aber sie sei selbst zu erschüttert gewesen, um sich, gleich direkt nach dem Fund der Babyleiche, zu äussern.

Bei der aufgefundenen Leiche handle es sich um ein etwa eine Woche altes, bildhübsches, kerngesundes Mädchen, in absolut lebensfähigem Zustand, dem jedoch brutal der Schädel eingeschlagen wurde. Damit sei die Todesursache eindeutig klar.

Unklar sei jedoch, ob ihr der Schädel eingeschlagen wurde oder ob sie mit dem Kopf gegen eine Wand oder gegen sonst einen sehr harten Gegenstand geschlagen worden sei. Ferner sei sie selbst, beinahe über einen ganz wesentlichen Punkt gestolpert – aber eben nur beinahe.

Die genetischen Daten hätten eindeutige Hinweise zu Tage gebracht, dass es sich bei der Babyleiche, nicht um eine Schweizerin, sondern eindeutig, um eine Türkin, vermutlich aus Zentralanatolien handelt. Die letzten Worte schlugen wie eine Bombe ein!

Ob sie sich da ganz sicher sei, wollte Pasetti wissen? Über den genetischen Abdruck ja, aber nicht über das genaue Ausmass dessen.

Es wäre somit nicht aus zu schliessen, dass der Vater selbst ein Türke oder türkischer Herkunft sei. Es könnte sich beim Erzeuger, genauso gut um einen Anwohner handeln, der aus dieser Gegend stammt.

Um absolute Sicherheit zu erhalten, benötige sie viel Zeit. Schnyder übergab nun das Wort an Dr. Amrein, von der Spurensicherung. Dieser bestätigte, dass es überhaupt kein Problem gewesen sei, sich Zugang zum Graben an der Klostermauer, zu beschaffen.

Anhand klar aufgefundener Fussabdrucke, von denen man Gipsabdrücke erstellen konnte, gehe man davon aus, dass es sich um zwei Frauen gehandelt haben müsse, die den ganz gewöhnlichen Kehrichtsack, dort abgelegt hätten. Sie hätten sich offensichtlich Zugang zum Fundort beschafft, indem sie die hintere Türe zum Kloster benutzten. die bekanntlich seit längerer Zeit, unverschlossen sei.

Die Gerichtsmedizin, sowie die Spurensicherung entdeckten unabhängig voneinander zwei goldige Blümchen, an einem hauchdünnen Kettchen, mit der Inschrift «Gülnaz»(kleine hübsche Rose), was einen weiteren Hinweis auf die Herkunft des Kindes ergab.

Da das Wesemlin Quartier, nicht gerade für eine Ansammlung von Türken und auch sonst generell nicht gerade für eine Anhäufung, von sonstigen Ausländern sprach, schlug Pasetti vor, dass man sich umgehend auf die Suche nach den Angehörigen des Babys machen sollte. Tonia übernahm das Einwohnermeldeamt, Liniger kümmerte sich um Schulhäuser und Vereine, währen Pasetti sich sonst so, in der Umgebung herumhörte.

Unweit des Dorfplatzes, bei der Bushaltestelle, sassen einige ältere Leute, auf einer kleinen Bank und unterhielten sich über Gott und die Welt. Pasetti erkundigte sich, ob er sich zu Ihnen setzen dürfte. Nach einer Weile kamen sie auch auf die Ausländer zu sprechen.

Pasetti wollte wissen, ob es hier auch niedergelassene Türken gebe. Nur sehr wenige, lautete die Antwort. Da hinten, in der Nähe des Waldrandes, habe ein Türke, vor einigen Monaten, von einem pensionierten Schweizer eine alte, mechanische Werkstätte übernommen. Der Türke, welcher auch sonst alle möglichen Reparaturen am Haus oder in der Wohnung vornehme, sei hier als zuverlässig bekannt Es würden jedoch in diesem Quartier, auch viele Bosnierinnen und teilweise auch Albanierinnen, die in Wohngemeinschaften wohnen und die in der nahen, Hirslanden Klinik, St. Anna arbeiteten. Pasetti bedankte sich bei den Leuten. Er hatte nach seiner Lehrzeit, hier auf der Wesemlin Ter-rasse, für einige Zeit, zusammen mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder gewohnt, bevor er dann in Kriens seine eigene Junggesellen Wohnung mit zweieinhalb Zimmern bezog. Er kannte sich hier also, relativ gut aus.

Soeben erhielt er eine telefonische Mitteilung von Tonia, bezüglich der Daten vom Einwohnermeldeamt. An der vermuteten Adresse, sei tatsächlich ein Jusuf Timur gemeldet, mit seiner Frau Hilai und Tochter Jasmina.

Es soll da noch einen Sohn, namens Esra, geben, der jedoch zwischen der Schweiz und der Türkei hin und her pendle. Pasetti geriet nun langsam unter Zeitdruck, denn es war vereinbart, sich um zwölf, in der Klosterküche, zum gemeinsamen Essen, zu treffen. Das Treffen zum gemeinsamen Lunch geschah auf