• Herausgeber: Goldmann
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2016
Beschreibung

Der Richter Pierluigi Rocca befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch genau zu diesem Zeitpunkt scheint es, als würden seine Widersacher wegen Bestechlichkeit gegen ihn ermitteln. Voller Sorge bittet er einen alten Freund, den Anwalt Guido Guerrieri, um Hilfe. Guerrieri ist von der Unschuld Roccas überzeugt und übernimmt offiziell seine Verteidigung, als es tatsächlich zu einer Anklage kommt. Es gelingt ihm, den Hauptzeugen als unglaubwürdig darzustellen und seine Aussage wertlos zu machen. Doch dann tauchen Indizien auf, die Guerrieri vor ein schmerzhaftes Dilemma stellen ...

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Seitenzahl: 399

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Buch

Der Anwalt Guido Guerrieri steckt wieder einmal in einer persönlichen Krise, als sich ein früherer Kommilitone meldet, ein Richter, der ihm ein heikles Mandat aufträgt: Er glaubt, dass gegen ihn wegen Bestechlichkeit ermittelt wird, und will wissen, was an dem Verdacht dran ist. Guerrieri, der von der Unschuld Pierluigi Roccas überzeugt ist, beauftragt die Privatdetektivin Annapaola. Als sie die Vermutung des Richters bestätigt, beauftragt dieser Guerreri offiziell mit seiner Verteidigung. Die Strategie ist, den Zeugen als unglaubwürdig darzustellen und seine Aussagen damit wertlos zu machen. Guerrieri macht sich an diese Aufgabe, die seine Lebensgeister weckt, und mit Hilfe von Annapaola, der er im Laufe der Arbeit an diesem Fall näherkommt, gelingt ihm bei der Anhörung des Zeugen, das Gericht von der Unschuld des angeklagten Richters zu überzeugen. Nur dass dann doch ein paar Indizien auftauchen, die in Guerrieri den Verdacht wecken, er könne sich irren…

Autor

Gianrico Carofiglio wurde 1961 in Bari geboren und arbeitete in seiner Heimatstadt viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. 2007 war er als Berater des italienischen Parlaments für den Bereich organisierte Kriminalität tätig. Von 2008 bis 2013 war Gianrico Carofiglio Mitglied des italienischen Senats. Berühmt gemacht haben ihn vor allem seine Romane um den Anwalt Guido Guerrieri. Carofiglios Bücher feierten sensationelle Erfolge, wurden bisher in 27 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen literarischen Preisen geehrt, u. a. mit dem Radio Bremen Krimipreis 2008. Er lebt mit seiner Familie in Bari.

Gianrico Carofiglio

EineFrage derWürde

Ein Fall für Avvocato Guerrieri

Roman

Aus dem Italienischen vonViktoria von Schirach

Die Originalausgabe erschien 2014 unter dem Titel

»La regola dell’ equilibrio« bei Giulio Einaudi editore s.p.a., Torino.

Die Verse in Kapitel 19 stammen aus dem Liedern Balla von Umberto Balsamo; Anima mia von Cugini di Campagna; e Ti amo von Umberto Tozzi.

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1. Auflage

Copyright © der Originalausgabe 2014

by Gianrico Carofiglio.

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2016

by Wilhelm Goldmann Verlag, München,

in der Verlagsgruppe Random House GmbH,

Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlaggestaltung: UNO Werbeagentur München

Umschlagmotiv: © Millennium Images, UK / Captureworx

Satz: Buch-Werkstatt GmbH, Bad Aibling

ISBN 978-3-641-18937-2V001

www.goldmann-verlag.de

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1

Es war um den zehnten April herum. Die Luft war frisch und klar. Ein wohlriechender Wind, wie es ihn hier nur selten gibt, wehte durch die Stadt; die Sonne und ihr Licht ergossen sich über uns und die graue Fassade des Gerichtsgebäudes. Carmelo Tancredi und ich standen am Eingangsportal und unterhielten uns.

»Manchmal denke ich ernsthaft daran aufzuhören«, sagte ich, gegen die Mauer gelehnt. Der Putz bröckelte, ein Spinnennetz aus kleinen Rissen kroch nach oben und bot einen beunruhigenden Anblick.

»Womit aufzuhören?«, fragte Tancredi, während er die Zigarre aus dem Mund nahm.

»Mit dem Anwaltsdasein.«

»Machst du Witze?«, sagte er, mit einer leichten, unbewussten Bewegung des Kinns.

Ich zuckte die Schultern. In dem Moment kamen zwei Richter vorbei. Sie bemerkten mich nicht, und ich war froh, sie nicht grüßen zu müssen.

»Kennst du die beiden?«, fragte ich und deutete mit dem Kopf zur Glastür, hinter der sie verschwunden waren.

»Ciccolella und Longo? Ich weiß, wer sie sind, aber kennen ist zu viel gesagt. Ich hatte einmal eine Verhandlung bei Ciccolella, aber das war eine kurze Angelegenheit.«

»Vor ein paar Tagen stand ich mit ihm im Aufzug. Da waren auch zwei Referendare und diese Anwältin, die sich immer so anzieht, als wäre sie zu einem chinesischen Neujahrsfest unterwegs.«

Tancredi musste lachen. Er wusste sofort, wen ich meinte.

»Die Nardulli.«

»Genau, die Nardulli. Sie ist zwar etwas schräg, aber ein herzensguter Mensch. Sie rührt mich beinahe. Sie verteidigt eine Menge Leute umsonst.«

»Das ist wahr. Wenn wir einen Pflichtverteidiger brauchen und keinen finden, springt sie immer ein, auch wenn sie nichts dabei verdient. Aber warum erzählst du mir das?«

»Der Aufzug hält im Erdgeschoss, und ich trete beiseite, um ihr Platz zu machen; sie ist die einzige Frau im Aufzug. Sie will gerade hinausstöckeln mit ihren absurd hohen Absätzen, da drängt sich Ciccolella an ihr vorbei, rempelt sie an, sodass sie fast umfällt, schaut sie einen Moment lang an und ruft dann vorwurfsvoll: ›Frau Anwältin!‹ So als wollte er ihr sagen: ›Sie hätten mich vorlassen müssen, Sie hätten überhaupt nicht erst versuchen dürfen, vor mir durch die Tür zu gehen. Ich bin schließlich Richter, falls Sie das nicht wissen sollten.‹ Dann verschwand er, ohne zu grüßen.«

»Sympathischer Typ.«

»Er hat sie absichtlich angerempelt. Mir war das Ganze richtig unangenehm. Ich hätte eingreifen sollen, ihm sagen, dass man sich nicht so benimmt, dass er ein Rüpel ist. Aber natürlich habe ich das nicht getan. Der Vorfall hat mich ins Grübeln gebracht. In meiner Kanzlei haben sie mich dann mindestens drei Mal Selbstgespräche führen sehen, und das an einem Tag. Das passiert mir übrigens immer öfter.«

»Deine Mandanten wissen sowieso schon, dass du verrückt bist. Was ist denn bei diesen Grübeleien herausgekommen? Sagt man so, Grübeleien?«

»Ich glaube schon.«

Ein Polizeiwagen hielt, aus dem zwei zwielichtige Gestalten stiegen. Sie grüßten Tancredi, der mit einem Kopfnicken antwortete, und betraten das Gebäude.

»Ich dachte mir, dass es früher anders war«, nahm ich das Gespräch wieder auf, »dass es solche Unverschämtheiten nicht gab, dass eine solche Grobheit nicht vorkam, damals, als ich angefangen habe, vor über zwanzig Jahren. In meiner Erinnerung waren die Beziehungen in diesem Umfeld weniger brutal, weniger… ja, eben grob. Doch dann fasste ich mir plötzlich an den Kopf und sagte mir, dass ich langsam senil werde, dass ich gerade genau das tat, was ich immer als peinlich empfunden hatte.«

»Zu behaupten, dass früher alles besser war?«

»Genau. Die früheren Zeiten zu preisen, als wären sie das goldene Zeitalter. Man trauert der eigenen Jugend nach, obwohl man vielleicht damals alles ganz schlimm fand. Du weißt schon, wie im ersten Satz dieses Romans von Paul Nizan: ›Ich war zwanzig, und niemand soll sagen, das sei die schönste Zeit des Lebens.‹«

»Ich kenne zwar den Satz, aber das Buch habe ich nie gelesen. Wie heißt der Autor gleich wieder?«

»Paul Nizan, ein französischer Schriftsteller.«

Ich rutschte ein wenig an der Mauer entlang, damit die Sonne mir aufs Gesicht schien, und versuchte, mich möglichst bequem anzulehnen. Dann schloss ich halb die Augen.

»Manchmal denke ich daran, wie ich mir damals meine Zukunft vorgestellt habe. Eine Reise, ein Universitätsabschluss, Heiraten, mein erster großer Prozess, eine Menge Dinge. Es kommt mir vor, als sei es gestern gewesen, dass ich mir so meine Zukunft ausmalte. Doch die Dinge, die ich mir vorgestellt habe und die dann tatsächlich eingetroffen sind, sind ganz weit weg. Meine Zukunft ist in der Vergangenheit versunken.«

»Ich habe schon klarere Gedanken gehört.«

»Aber du weißt doch, was ich meine?«

»Nur weil ich überdurchschnittlich intelligent bin.«

Er rutschte ebenfalls in die Sonne. Dann zog er ein paarmal an seiner Zigarre.

»Wie würdest du den Geruch eines Toscanos beschreiben?«, fragte ich.

»Sag bloß nicht, dass dich der stört. Mein Freundeskreis wird immer kleiner, aufgrund der Unverträglichkeit: Ich vertrage ihre Intoleranz gegenüber dem Toscano nicht.«

»Es stört mich nicht. Jedenfalls nicht besonders.«

Tancredi strich sich über das Gesicht und den kurzen Bart, den er sich seit ein paar Monaten zugelegt hatte.

»Kenner sagen, dass der Geruch– sie sprechen von Aroma– des Toscanos eine Mischung aus nassem Leder, Pfeffer, alten Brandyfässern und getrocknetem Holz ist. Das habe ich mir so lange anhören müssen, dass ich mittlerweile überzeugt bin, dass ich diese Dinge auch rieche. Außer dem alten Brandyfass, natürlich. Ich habe niemals eines gesehen, geschweige denn daran gerochen.«

»Pfeffer, getrocknetes Holz, Leder…«

»Nasses, nasses Leder!«

»Nasses Leder… Das macht mich rasend. Wie bei den Weinkennern. Ich komme mir immer vor wie ein Idiot, wenn ich mit jemandem bei Tisch sitze, der Sachen sagt wie: fruchtige Note, Lakritz- und Schokoladenaroma, Tannin. Ich trinke gern Wein, aber solche Dinge habe ich noch nie geschmeckt.«

»Hast du schon mal einen Toscano geraucht?«

»Noch nie. Aber ich habe jahrelang Zigaretten geraucht, wie du vielleicht noch weißt. Dann habe ich aufgehört. Und Zigarren oder Pfeife hab ich nie geraucht, Gott sei Dank.«

Es war angenehm, so an der Mauer zu lehnen, mit dem Gefühl von Seelenläuterung, wie man sie an manchen Frühlingstagen verspürt. Ich dachte daran, wie schön es wäre, jetzt aufs Land zu fahren, eine Decke auf einer Wiese auszubreiten, zu lesen, belegte Brote zu essen, die Augen zu schließen und dem Gemurmel der Natur zu lauschen.

»Willst du eine Geschichte hören?«

Er machte eine Geste, die bedeutete: bitte sehr, nur zu.

»Vor einem Monat war ich bei einer Routineuntersuchung, Blutwerte. Mein Arzt sagt, das sei alle zwei, drei Jahre nötig. Ein paar Tage nach der Blutabnahme ruft er mich an– ich war gerade bei einem Gerichtstermin gewesen und befand mich genau hier– und sagte, er müsse mit mir sprechen. Sein Tonfall war eine Spur zu sachlich, das gefiel mir gar nicht. Ich fragte ihn, ob es ein Problem gebe, und er meinte, es sei besser, wenn ich in der Praxis vorbeikäme. Das tat ich dann auch, mit nicht gerade freudestrahlender Miene.«

»Und was hat er gesagt?«

»Er ist ein Freund, es war ihm sehr unangenehm. Er sagte, meine Werte seien ziemlich auffällig, aber es passiere oft, dass sich bei dieser Art von Untersuchungen falsche Messungen einschleichen. Deshalb müsse man sie möglichst schnell wiederholen, bevor man sich Sorgen macht. Aber falls diese Werte sich bestätigten, müsse man einen Termin bei einem Hämatologen vereinbaren. Ich fragte ihn, ob er sich nicht etwas deutlicher ausdrücken könne, und bemerkte, dass ich meine Hände auf der Tischplatte abstützen musste, weil sie so zitterten.«

»Und er?«, fragte Tancredi ganz leise.

»Er redete noch eine Weile um den heißen Brei herum, dann meinte er, es könne sich um eine Form von Leukämie handeln. Es gebe eine Menge Varianten, und viele ließen sich heutzutage hervorragend behandeln. Es sei jedoch verfrüht, darüber zu sprechen, erst solle ich die Untersuchung wiederholen.«

Tancredi rührte sich nicht und schien den Atem anzuhalten.

»Wir wiederholten die Blutabnahme. Er wollte mit dem Labor sprechen, damit die Ergebnisse am nächsten Tag da seien. Am Morgen danach rief er mich um acht Uhr an. Er fand nicht die richtigen Worte, und so sagte er: ›Herzlichen Glückwunsch.‹ Ich habe ja gesagt, oft sind die Ergebnisse falsch. In Wirklichkeit passiert das nicht wirklich oft, da habe ich etwas übertrieben, aber es kommt vor. Zum Glück ist es diesmal der Fall. Heute Abend kannst du auf deine zweite Geburt anstoßen!‹ Er sagte noch weitere Dinge, aber die drangen kaum bis zu mir durch, ich verstand sie nicht und habe sie auch gleich wieder vergessen. Es war einer der irrealsten Momente meines Lebens.«

Ich hörte, wie Tancredi laut ausatmete.

»Es ist also gut ausgegangen?«

»Ja.«

»Verfluchte Scheiße. Du hast also einen Tag lang geglaubt, Leukämie zu haben?«

»Ja.«

»Und hast du mit jemandem darüber gesprochen?«

»Nein.«

»Warum hast du mich denn nicht angerufen?«

»Ich habe daran gedacht, aber dann habe ich mich geschämt.«

»Du hast dich geschämt? Einen Freund anzurufen? Du brauchst einen Psychiater und keinen Hämatologen. Warum denn das?«

»Ich fühlte mich unterlegen. Auf einmal war ich auf der Seite der Kranken, während die Gesunden, die normalen Tätigkeiten nachgingen wie essen, trinken, arbeiten, reisen, Sex haben, Pläne machen, auf der anderen Seite waren, von der ich eben verjagt worden war. Ich fühlte mich unterlegen und schämte mich. Ich weiß, dass das seltsam klingen mag, aber so war es nun mal.«

Tancredi atmete tief durch. Er kniff die Augen zusammen. Mit einer wütenden Grimasse schüttelte er den Kopf, so als wolle er einen Gedanken verscheuchen.

»Das muss ziemlich hart gewesen sein«, sagte er schließlich.

»Ich weiß es nicht. Meine Erinnerung ist ziemlich verschwommen. Es war, als hinge ich einen Tag lang in der Luft. Zuerst einmal war da die Angst. Sie pulsierte in mir. Die konkrete Vorstellung, dass es dich innerhalb kurzer Zeit, nicht in einer fernen, abstrakten Zukunft, nicht mehr geben wird. DieWelt wird es nicht mehr geben. Ich dachte daran, was mir ein Freund– Emilio– gesagt hat, als er mir von der Krankheit und dem Tod seiner Frau erzählte, die mit vierunddreißig gestorben ist: Du denkst an all die Ausflüge, die du nicht gemacht hast, an all die Momente, wo du wie ein Buchhalter mit deinen Gefühlen gehaushaltet hast. Es ist nicht nur die Angst vor dem Tod, es ist auch die bange Frage, ob du dein Leben verschwendet hast. Und dann wieder gab es Momente perfekter Ruhe. So, als hätte ich mich mit meinem Schicksal abgefunden und könnte es mit Distanz betrachten. Wie etwas, das jemand anderen betrifft. Und dann gab es Momente, in denen ich dachte, ich sollte mich nicht ergeben, sondern kämpfen, die Krankheit besiegen, wie auch immer sie geartet war. Das sei schließlich schon vielen gelungen. Das waren die schwierigsten, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Dachtest du nicht, dass es sich um einen Irrtum handeln könnte, wie der Arzt gesagt hatte?«

»Keine Sekunde lang. Das verbot ich mir. Ich glaube, dieser Gedanke erschien mir feige, ein Weg, um den Moment der Wahrheit hinauszuzögern. Ich bin nicht der Typ, der in der Lotterie gewinnt, sagte ich mir wohl.«

»Und wie hast du den Tag verbracht?«

»Das ist auch ziemlich merkwürdig. Ich habe gearbeitet, war im Fitnessstudio und bin früh ins Bett, ich bin gleich eingeschlafen und habe keine Erinnerung an das, was ich geträumt habe. Dann kam das Erwachen. Um vier Uhr morgens riss ich die Augen auf mit einer Beklemmung, wie ich sie nie zuvor verspürt hatte. Die Decke erdrückte mich, als sei sie aus Metall. Ich stand auf, ich musste einfach aufstehen, weil ich spürte, wie die Panik mich langsam überrollte. Ich verließ das Haus noch in der Dunkelheit, lief stundenlang herum, bis es hell wurde und die Straßen sich füllten. Dann endlich rief der Arzt an.«

»Du musst ausgeflippt sein vor Freude.«

»Das ist das Allermerkwürdigste an der Sache. Tatsächlich war ich ein paar Sekunden lang, vielleicht eine Minute… glücklich? Ja, so kann man es bezeichnen, glücklich. Gleich danach kam jedoch ein Gefühl, das ich nie erwartet hätte.«

Ich versuchte ihm zu erklären, was es war, aber das war nicht leicht. Ich hatte mich verwundbar gefühlt. Ich hatte gedacht, wenn es nicht bei dieser Gelegenheit passiert war, könnte es in ein paar Monaten oder Jahren passieren. Es war eine andere Angst als noch ein paar Tage zuvor. Das war ein spitzer Schmerz gewesen, dieses jetzt ein schwaches Fieber. Beides war demütigend, auf unterschiedliche Weise. Als der Arzt mich angerufen hatte, um mir mitzuteilen, dass die Werte falsch waren, hatte ich gedacht, dass die Uhr einfach zurückgestellt werden könnte, dass mein Leben dort weitergehen würde, wo es unterbrochen worden war. Doch so war es nicht. Mein Leben hatte sich geändert, und zwar unwiderruflich, nach diesen vierundzwanzig Stunden.«

»Seit das passiert ist, in den letzten Wochen, habe ich mir eine Menge Fragen gestellt, und einige davon betreffen meine Arbeit. Wie viel Lust ich habe, so weiterzumachen, und wie lange. Fragen dieser Art.«

Carmelo schien etwas sagen zu wollen, fand aber keine passenden Worte. Er steckte sich die Zigarre wieder an und blies das x-te dichte graue Rauchwölkchen in die Luft. Ich beschloss, das Thema Blutwerte und existenzielle Dilemmata zu beenden.

»Warum bist du heute ins Gericht gekommen?«

»Ich habe eine Besprechung mit einem Staatsanwalt, einem der wenigen, mit denen ich noch gern zusammenarbeite. Und du?«

»Eine Verhandlung in erster Instanz.«

»Worum geht es?«

»Ein junger Mann, der wegen Vergewaltigung angeklagt ist.«

Er sah mich erstaunt an. Der Grund für seine Verwunderung war offensichtlich. Ich nehme solche Fälle prinzipiell nicht an. Ich verurteile keinen, aber ich habe einfach keine Lust, Leute zu verteidigen, die Verbrechen dieser Art begangen haben könnten. Ich würde mich dabei nicht wohlfühlen und sie deshalb auch nicht adäquat verteidigen können. Wohlgemerkt, ich meine damit nicht das leichte Unbehagen, das man für jede Arbeit braucht, die in gewisser Weise eine ethische Herausforderung ist. Das ist eine gute Sache. Doch das Übermaß an Unbehagen, wie ich es beim einzigen Mal verspürte, als ich einen Vergewaltiger verteidigt habe, ist ein Hindernis. Dann ist es besser, es sein zu lassen. Tancredi wusste, dass ich diese Regel befolge, deshalb wunderte er sich.

»Der junge Mann ist unschuldig.«

»Das sagen sie alle.«

»Er ist es wirklich. Hör dir die Verhandlung an, wenn du mir nicht glaubst.«

Tancredi antwortete nicht. Er starrte auf einen Punkt hinter meinem Rücken.

»Da kommt deine Partnerin.«

Ich drehte mich um und blickte in Richtung Eingangstor, wo Consuelo mit ihrer ledernen Aktenmappe auf elegante Weise unbeholfen herbeieilte.

»Guten Tag, Inspektor«, sagte Consuelo zu Tancredi, mit einem Lächeln, das einen reizvollen Kontrast zu ihrer dunklen Haut bildete.

»Anwältin Favia«, erwiderte Carmelo, während er seinen Kopf zu einer angedeuteten Verbeugung neigte.

Consuelo Favia stammt aus den Anden, wo sie in einem kleinen peruanischen Dorf geboren ist, aber sie ist zugleich auch Italienerin, weil ein Freund von mir sie als kleines Kind adoptiert hat. Vor ein paar Jahren hatte sie bei mir als Praktikantin angefangen, und jetzt war sie Partnerin der Kanzlei. Sie zählte zu den wenigen Strafverteidigern, von denen ich mich vertreten lassen würde.

»Chef, gehen wir in die Verhandlung?«

»Gehen wir. Ciao, Carmelo.«

Tancredi wartete, bis Consuelo im Gerichtsgebäude verschwunden war. »Guido?«

»Ja?«

»Das nächste Mal, wenn du mich so erschreckst, erschieße ich dich.«

2

Der vorsitzende Richter, ein würdevoller älterer Herr namens Basile, vertagte den vorherigen Prozess und rief unseren auf.

Consuelo und ich standen schon bereit, in der Bank links vom Richter, beide in Robe. Kurz vorher, als sie ihre überzog, hatte sich ein zarter Duft von Ambra im Raum ausgebreitet. Nach den Eingangsformalitäten wandte Basile sich an uns.

»Der Prozess in Sachen Antonio Bronzino wird hier in zweiter Instanz wieder aufgenommen. Ein Großteil der Beweisaufnahme, eigentlich die gesamte Beweisaufnahme, ist bereits erörtert worden. Ich frage die Parteien und insbesondere die Verteidigung, ob sie einverstanden sind, dass die Prozessunterlagen der Verhandlung vor dem Berufungsrichter zugelassen werden.«

Die Sache ist nämlich so: Die Strafprozessordnung sieht vor, dass das Urteil von denselben Richtern gefällt wird, die auch die Verhandlung durchgeführt und die Zeugen befragt haben. Das wäre prinzipiell auch sinnvoll, wenn die Prozesse nur ein paar Tage oder Wochen dauern würden. Da sie sich jedoch in der Regel über Monate oder auch Jahre erstrecken, wird dieses Prinzip mit der Zeit zu einem ernsthaften Problem. Wird nämlich auch nur einer der drei Richter, die einer Verhandlung vorsitzen, versetzt– was mit einer gewissen Häufigkeit passiert–, dann muss der gesamte Prozess neu aufgerollt werden. Es sei denn, der Verteidiger und der Angeklagte stimmen zu, dass die dem Gericht bereits vorliegenden Prozessakten einer früheren Kommission gelten sollen. Diese Zustimmung wird oftmals verweigert. Nicht immer liegt es im Interesse der Anwälte mitzumachen, denn die Beweislage noch einmal zu rekonstruieren bedeutet, Zeit zu gewinnen (man könnte auch sagen, Zeit zu verlieren, aber das würde einem gleich den Vorwurf einbringen, nicht im Interesse des Angeklagten zu handeln), was vor allem den schuldigen Angeklagten zugutekommt, die so auf eine Verjährung ihrer Straftat hoffen können. Mir gefällt diese Auslegung des Anwaltsberufs nicht.

Ich stand auf und wandte mich an die Richter.

»Wir willigen ein, Herr Vorsitzender. Unser einziger Antrag ist, die Klägerin erneut anzuhören, was leicht möglich ist, da sie anwesend zu sein scheint. Es handelt sich hier nicht um eine Verschleppungstaktik, sondern um ein wesentliches Element der Verhandlung. In den vorherigen Verhandlungsphasen hat sich der Angeklagte nicht verteidigt. Der Vorfall liegt mehrere Jahre zurück. Signor Bronzino hat sich aus beruflichen Gründen im Ausland aufgehalten, die Vorladungen wurden an seine alte Adresse geschickt, was formal korrekt war, aber er hatte bis letzten Januar keine Kenntnis von diesem Prozess. Wir haben bisher keine Einwände zum Verlauf des Prozesses geäußert, obwohl die Voraussetzungen dafür durchaus gegeben waren. Das haben wir deshalb nicht getan, weil wir kein Interesse an formalen Fragen und an einer Vertagung haben. Wir möchten, dass der Prozess sofort abgehalten wird. Deshalb beantragen wir lediglich eine erneute Befragung der Klägerin. Der Angeklagte ist abwesend, weil er wie gesagt im Ausland arbeitet. Wir sind der Ansicht, dass seine Anwesenheit nicht erforderlich ist, behalten uns jedoch vor, seine Aussage zu beantragen, falls dies nicht nach der Anhörung der Klägerin überflüssig erscheint.«

Unser Mandant hatte mehrere Jahre vor dem Vorfall bei einer Party ein Mädchen kennengelernt, mit dem er sich getroffen und zweifellos auch sexuell verkehrt hatte. Darüber gab es keine Zweifel, das wurde von niemandem bestritten. Die Zweifel bezogen sich auf die Frage, ob dieser Verkehr einvernehmlich erfolgte oder nicht. Das Mädchen – sie hieß Marilisa, und aus irgendeinem Grund hat sich mir ihr Name eingeprägt – hatte ihn wegen Vergewaltigung angezeigt. Aufgrund dieser Anzeige war Bronzino verhaftet und mehrere Wochen lang in Gewahrsam genommen worden. Dann muss der Richter gemerkt haben, dass etwas nicht stimmte mit der Anklage, denn er setzte ihn auf freien Fuß. Zwei Jahre später war jedoch trotzdem eine Vorladung erfolgt. Der Staatsanwalt, der den Fall bearbeitete, war kein Freund von harter Arbeit und hatte es wohl bequemer gefunden, ein Formular mit einer Vorladung auszufüllen, als eine Einstellung des Verfahrens zu beantragen und zu begründen.

In der Zwischenzeit war Bronzino in der Überzeugung, seine Freilassung und die Einstellung des Verfahrens seien ein und dieselbe Sache, nach Deutschland übergesiedelt. Kurz gesagt, er war in Abwesenheit angeklagt worden. Der Prozess, der darauf folgte, war eine jener surrealen Veranstaltungen, die mitunter in unseren Gerichten stattfinden. Die Verteidigung, sofern man sie als solche bezeichnen konnte, wurde wechselnden Pflichtverteidigern anvertraut, die von Vertagung zu Vertagung gelangweilt anwesend waren, ohne sich je zu Wort zu melden, aus dem einfachen Grund, weil keiner von ihnen die Akte auch nur durchgelesen hatte.

Keiner der Zeugen war einem Kreuzverhör unterzogen worden, nicht einmal die Hauptzeugin, die Klägerin Marilisa Di Cosmo.

Als Bronzino bei einem Besuch in Italien bei seiner alten Adresse seine Post in einem Schuhkarton abholte, erfuhr er von dem Prozess und wandte sich an mich.

Die Position des Angeklagten, die sich aus der Beweislage ergab, war nicht die beste. Da gab es die Aussagen der geschädigten Person, ein gynäkologisches Gutachten, das von Abschürfungen sprach, die von einem gewaltsamen Geschlechtsakt stammen könnten, es gab die Aussagen des damaligen Freundes des Opfers, der die erste Schilderung des Tathergangs gehört hatte, als sie unter Schock nach Hause gekommen war. Vor allem aber hatte es bis dahin keine wirkliche Verteidigung gegeben. So wie die Dinge lagen, konnte der Prozess durchaus mit einem Schuldspruch enden; die Mindeststrafe für Vergewaltigung betrug fünf Jahre.

Als ich fertig gesprochen hatte, wandte sich der Vorsitzende erst nach rechts und dann nach links, um Blicke mit den beisitzenden Richterinnen auszutauschen. Die beiden Frauen legten offenbar wenig Wert auf ihr Aussehen– die eine hatte ihre Haare mit einem Gummiband zusammengebunden, die andere mit einer Haarspange nach oben gesteckt–, und man sah ihnen an, dass sie gern woanders wären. Dieser Gesichtsausdruck ist beinahe so etwas wie eine Berufskrankheit bei all denen, die schon zu lange Beisitzer sind. Man denkt, das wäre eine interessante Tätigkeit, und in gewissem Maße stimmt das auch. Einige Monate lang, wenn die Prozesse spannend sind. Aber sich über Jahre hinweg drei Mal in der Woche Zeugen, Anwälte, Staatsanwälte und Angeklagte anhören zu müssen– jede dieser Kategorien gibt eine Menge Unsinn oder Schlimmeres von sich–, ohne ein Wort zu sagen, weil der vorsitzende Richter der Einzige ist, der dazu berechtigt ist, das nagt am Verstand jedes normalen Menschen. Ich selbst würde verrückt werden.

Wie dem auch sei, der Richter tauschte einen kurzen Blick mit den beisitzenden Richterinnen, um eventuelle Einwände zu erfragen. Beide schüttelten kaum merklich den Kopf. Das bedeutete nein, sie hatten keine Einwände, und ja, sie sprachen sich für meinen Antrag aus.

»Herr Staatsanwalt?«

Staatsanwalt Castroni war ein sehr wohlerzogener, auf seine Art sympathischer Mensch mit wenig Sinn für die Feinheiten der Juristerei. Er stand auf und sagte, er habe keine Anmerkungen zu machen, keine besondere Forderung und auch keine Einwände dagegen, dass die Klägerin vernommen würde.

»Gut. In Anbetracht der Tatsache, dass sie anwesend ist, hören wir, was sie zu sagen hat«, sagte der Vorsitzende zum Gerichtsdiener. Dieser begab sich zum Zeugenraum und kam kurz darauf mit einem hübschen Mädchen zurück, das etwas Gewöhnliches in seiner Haltung und seinen Gesichtszügen hatte. Brünett, groß, wohlgeformt und gewöhnlich.

Sie sah sich flüchtig um, wie ein gehetztes Tier, das bereit ist anzugreifen, um sich zu verteidigen. Der gefährlichste Typ von Zeuge– eigentlich die gefährlichste Art von Mensch. Erst als sie sicher war, dass der Angeklagte nicht im Raum war, schien ihre Anspannung etwas nachzulassen.

Der Vorsitzende bat sie, die verpflichtende Formel laut vorzulesen. Früher hieß der Satz, den die Zeugen aufsagen mussten, bevor sie vernommen wurden, Schwur. Als ich als Anwalt anfing, noch bevor die neue– jetzt schon wieder alte– Strafprozessordnung in Kraft trat, gab es den Schwur noch. Ich weiß ihn immer noch auswendig: »Eingedenk der Verantwortung, die ich mit diesem Schwur vor Gott– im Fall eines Gläubigen– oder vor den Menschen annehme, schwöre ich, die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit.«

Im Crescendo dieses Satzes verbarg sich ein perfektes Gleichgewicht zwischen Drama und Farce, in der Metrik und in der drohenden Mahnung, die zu den surrealsten Verballhornungen einlud. Meine Lieblingsversion war die, bei der der Zeuge in seiner Anspannung sich die Formel noch einmal vorsagen ließ und schwor, dass er »alles andere als die Wahrheit« sagen würde. Mit anderen Worten: das, was tatsächlich in den meisten Fällen vor Gericht ausgesagt wird, unabhängig von der wirklichen Absicht der Zeugen.

In der neuen Strafprozessordnung, die 1989 in Kraft trat, war man offensichtlich der Ansicht, dass so ein Schwur wenig elegant war und nicht zu einem weltlichen Staat passte, und so überlegte man sich eine verpflichtende Formel, die folgendermaßen lautet: »Im Bewusstsein der moralischen und rechtlichen Verantwortung, die ich mit meiner Aussage annehme, verpflichte ich mich, die ganze Wahrheit zu sagen und nichts von dem, was mir bekannt ist, zu verschweigen.« Ganz eindeutig korrekter, aber auch wesentlich weniger poetisch.

Unsere Zeugin las diese Formel von einem schmutzigen eingeschweißten Stück Pappe ab.

Der Vorsitzende ließ sie ihre Personalien aufsagen– eine besonders überflüssige Aktion, da die Personalien bereits sechs- oder siebenmal in den Akten vermerkt sind– und erteilte dem Staatsanwalt das Wort.

»Danke, Herr Vorsitzender«, sagte Castroni. »Frau Zeugin, erinnern Sie sich an Ihre Vernehmung vor ein paar Monaten… ungefähr einem Jahr?«

Die Frau nickte.

»Sie müssen mit Ja antworten, wegen der Aufzeichnung.«

»Ja.«

»Sie erinnern sich also daran. Auch daran, was Sie bei dieser Gelegenheit ausgesagt haben?«

Die Frau zog die Nase hoch, bevor sie antwortete. Sie schien sich sehr unbehaglich zu fühlen.

»Mehr oder weniger, ja.«

»Haben Sie damals die Wahrheit gesagt?«

»Ja.«

»Herr Vorsitzender, ich habe keine weiteren Fragen. Wir haben das Vernehmungsprotokoll der Verhandlung, das dürfte ausreichen.«

»Na, der hat sich aber ins Zeug gelegt!«, flüsterte Consuelo mir ins Ohr.

»Gut, dann kann die Verteidigung jetzt mit ihrer Vernehmung anfangen.«

Consuelo erhob sich, rückte die Robe auf ihren Schultern zurecht, wobei sie wieder den leichten Duft nach Ambra verströmte, und wandte sich mit einem Lächeln an die Zeugin. Consuelos Lächeln kann trügerisch sein. Ihr Gesicht, das an einen freundlichen kleinen Nager aus einem Trickfilm erinnert, wirkt wohlwollend. Wenn man sie genauer betrachtet, erkennt man jedoch ein beunruhigendes Funkeln in ihren Augen. Consuelo ist eine gute Anwältin, ein Mensch von einer beinahe bestürzenden Redlichkeit, mit dem man sich besser nicht anlegt.

»Guten Tag, Signora Di Cosmo. Ich bin Anwältin Favia. Anwalt Guerrieri und ich vertreten Signor Bronzino. Ich muss Ihnen ein paar Fragen stellen, aber ich werde versuchen, es kurz zu machen. Wollen Sie mir antworten?«

Die junge Frau starrte sie verblüfft an, dann sah sie sich hilfesuchend um, ob ihr jemand helfen könnte, die Situation zu interpretieren. Man erwartet einfach nicht, dass eine Indiofrau als Strafverteidigerin in Bari auftritt, das löst gewöhnlich Staunen aus. Consuelo ist daran gewöhnt, sie wird noch eine Zeit lang damit leben müssen.

»Frau Zeugin, antworten Sie bitte auf Anwältin Favias Frage«, sagte der Vorsitzende verständnisvoll.

»Ja, ja, entschuldigen Sie.«

Consuelo warf einen Blick auf ihre Notizen. Das war zwar nicht nötig, aber wir tendieren alle dazu, unnötige Gesten zu machen, wenn wir etwas Wichtiges beginnen oder beenden.

»Können Sie mir erzählen, wann und bei welcher Gelegenheit Sie den Angeklagten kennengelernt haben?«

»Wir haben uns auf einer Party kennengelernt, zu der ich mit einer Freundin gegangen bin.«

»Wann war diese Party?«

»Das weiß ich nicht mehr, es ist schon ein paar Jahre her.«

»Sie können die Frage also nicht beantworten.«

»Nein, wie soll ich mich an das Datum erinnern?«

»Gut, kein Problem. Nachdem Sie den Angeklagten bei der Party kennengelernt hatten… apropos, wer veranstaltete diese Party?«

»Das weiß ich nicht mehr, wie ich schon gesagt habe, hat mich eine Freundin mitgenommen. Sie kannte den Hausherrn.«

»Sie kannten den Hausherrn also nicht?«

»Nein, aber was ist so seltsam daran?«

»Nichts. Verzeihung. Welche Art Party war das?«

Castroni stand auf und meldete Einspruch an.

ENDE DER LESEPROBE