Eine Reise auf den Prärien - Washington Irving - E-Book

Eine Reise auf den Prärien E-Book

Washington Irving

0,0
5,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Im Jahr 1832 wagte sich Washington Irving – der berühmte Autor von "Die Legende von Sleepy Hollow" und "Rip Van Winkle" – über die Grenzen der amerikanischen Zivilisation hinaus in die wilden, ungezähmten Prärien des heutigen Oklahoma. Nach siebzehn Jahren in Europa kehrte er in ein verändertes Land zurück und war begierig darauf, das authentische Amerika zu entdecken, bevor es für immer verschwand. Irving schloss sich einer Regierungsexpedition in das Indianergebiet an und ritt zusammen mit Rangern, Trappern und einheimischen Spähern durch ein Meer aus hohem Gras, das sich bis zum Horizont erstreckte. Er schlief unter dem weiten Sternenhimmel, jagte Büffel über endlose Ebenen, begegnete den Creek- und Osage-Indianern in deren Heimat und trotzte den unvorhersehbaren Gefahren einer Reise durch die Wildnis – von wild gewordenen Pferden über Präriebrände bis hin zur ständigen Gefahr feindseliger Begegnungen. Mit dem scharfen Blick eines Geschichtenerzählers und der Faszination eines echten Abenteurers fängt Irving einen entscheidenden Moment in der amerikanischen Geschichte ein: den letzten Atemzug der wilden Grenze, wo alte indigene Kulturen mit der Expansion nach Westen kollidierten. Seine lebhaften Porträts erwecken die schillernden Charaktere zum Leben, die dieses Grenzland bewohnten – grauhaarige Pioniere, vertriebene Stämme, ehrgeizige Soldaten und exzentrische europäische Adlige, die alle in der weiten Leere der Prärie nach etwas suchten. Teils Reisebericht, teils Meditation über eine verschwindende Welt, ist dieses Werk eine unverzichtbare amerikanische Reise – eine Chronik aus erster Hand über die Grenze in ihren letzten, mythischen Tagen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 232

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



 

 

 

Eine Reise auf den Prärien

 

WASHINGTON IRVING

 

 

 

 

 

 

Eine Reise auf den Prärien, W. Irving

Jazzybee Verlag Jürgen Beck

86450 Altenmünster, Loschberg 9

Deutschland

 

ISBN: 9783988683052

 

www.jazzybee-verlag.de

[email protected]

 

 

Inhalt:

Vorwort.1

Erstes Kapitel.2

Zweites Kapitel.4

Drittes Kapitel.7

Viertes Kapitel.10

Fünftes Kapitel.11

Sechstes Kapitel.15

Siebtes Kapitel.17

Achtes Kapitel.22

Neuntes Kapitel.23

Zehntes Kapitel.26

Elftes Kapitel.30

Zwölftes Kapitel. Übergang über den Arkansas.34

Dreizehntes Kapitel.37

Vierzehntes Kapitel.42

Fünfzehntes Kapitel.47

Sechzehntes Kapitel.51

Siebzehntes Kapitel.53

Achtzehntes Kapitel.57

Neunzehntes Kapitel.60

Zwanzigstes Kapitel.63

Einundzwanzigstes Kapitel.67

Zweiundzwanzigstes Kapitel.70

Dreiundzwanzigstes Kapitel.75

Vierundzwanzigstes Kapitel.78

Fünfundzwanzigstes Kapitel.81

Sechsundzwanzigstes Kapitel.84

Siebenundzwanzigstes Kapitel.87

Achtundzwanzigstes Kapitel.93

Neunundzwanzigstes Kapitel.96

Dreißigstes Kapitel.102

Einunddreißigstes Kapitel.104

Zweiunddreißigstes Kapitel.107

Dreiunddreißigstes Kapitel.109

Vierunddreißigstes Kapitel.114

Fünfunddreißigstes Kapitel.118

Vorwort.

Der Verfasser beabsichtigt, den gehäuften Inhalt seiner Reise-Mappe, so wie die zufälligen Ergebnisse seines Nachdenkens in gelegentlichen Heften bekannt zu machen, die erscheinen sollen, wie die Umstände es erlauben.

Man hat ihm sehr angelegen, eine Reise, welche er nach dem fernen Westen gemacht, zu beschreiben, und verschiedene Schriften über diesen Gegenstand sind, als aus seiner Feder kommend, angekündigt worden, während er wirklich die Feder noch nicht angesetzt hatte. Um den auf sich dem geselligen Leben angeschlossen haben und in der Nähe weißer Niederlassungen wohnen. Hierher ziehen auch die Pawnees, die Comanchen, und andere wilde und bis jetzt unabhängige Stämme, die Nomaden der Prärien, oder die Grenzbewohner der Rocky Mountains.

Die Region, deren ich eben gedacht habe, ist ein streitiges Gebiet dieser kriegerischen und rachsüchtigen Stämme. Keiner derselben mag eine dauernde Wohnung innerhalb ihrer Grenzen aufschlagen. Während der Jagdzeit begeben sich ihre Jäger und „Tapferen“ in zahlreichen Scharen dahin, schlagen ihr vorübergehendes Lager, aus leichtem Gezweig und Buschwerk oder Häuten bestehend, auf; erlegen eilig einen Teil der zahllosen Herden, welche auf den Prärien weiden, und ziehen sich, wenn sie sich mit Wildbret und Büffelfleisch beladen haben, schleunig aus dem gefährlichen Bezirk zurück. Diese Züge haben stets etwas von einem kriegerischen Charakter; die Jäger sind immer zum Angriff oder zur Verteidigung gewaffnet, und müssen ohne Unterlass auf ihrer Hut sein.

Wenn sie bei ihren Ausflügen auf die Jäger eines feindlichen Stammes stoßen, findet ein heißer Kampf statt. Auch ihre Lager sind plötzlichen Angriffen solcher wandernden Krieger stets bloßgestellt, und ihre Züge müssen, wenn sie sich bei dem Verfolgen des Wildes zerstreuen, gewärtig sein, von auflauernden Feinden gefangen oder niedergemetzelt zu werden. —

Modernde Schädel oder Gerippe, die in irgendeiner dunkeln Schlucht oder in der Nähe der Spuren eines Jagdlagers bleichen, bezeichnen hier und dort den Schauplatz einer verübten blutigen Tat, und lehren den Reisenden den gefährlichen Charakter der Gegend kennen, die er durchschneidet. Die nachstehenden Blätter setzen es sich zur Aufgabe, einen vierwöchentlichen Ausflug in jene berüchtigten Jagdgebiete, welche teilweise bis jetzt noch nicht von weißen Männern untersucht worden sind, zu erzählen.

Erstes Kapitel.

Früh im Oktober des Jahres 1832 kam ich nach Fort Gibson, einem Grenzposten des fernen Westens, an dem Neosho oder großen Fluss, nicht fern von dessen Ausmündung in den Arkansas, gelegen. Ich war mit einer kleinen Gesellschaft den Monat vorher von St. Louis die Ufer des Missouri herauf und die Grenzlinie der Agentschaften und Missionen, welche sich von dem Missouri bis zum Arkansas hinziehen, entlang gereist. An der Spitze unserer Reisegesellschaft stand einer der Kommissare, welche von der Regierung der Vereinigten Staaten angestellt waren, die Niederlassungen der Indianischen Stämme zu überwachen, die von Osten nach dem Westen des Mississippi wanderten. Im Gefolge seines Auftrags besuchte er jetzt die verschiedenen Außenposten der Zivilisation.

Man erlaube mir hier der Verdienste dieses würdigen Anführers unserer kleinen Gesellschaft zu gedenken. Er war in einer der Städte von Connecticut geboren, und ein Mann, der seine natürliche Einfachheit und Herzensgüte in einer ausgedehnten juristischen Praxis und in dem politischen Treiben unversehrt bewahrt hatte. Er hatte den größeren Teil seines Lebens im Schoos seiner Familie und in der Gesellschaft von Zunftvorstehern, Älteren und städtischen Bediensteten, an den friedlichen Ufern des Connecticut, hingebracht, als er plötzlich aufgefordert wurde, sein Ross zu besteigen, seine Büchse auf die Schulter zu nehmen und sich in den unwegsamen Wildnissen des fernen Westen mit rauben Jägern, Hinterwäldlern und nackten Wilden einzulassen.

Ein anderer meiner Reisegefährten war Hr. L., von Geburt ein Engländer, aber einem fremden Geschlechte entstammt; er hatte die ganze Elastizität und den fügsamen Geist eines Eingebornen des Festlandes. Da er viele Länder bereist hatte, war er bis zu einem gewissen Grad ein Weltbürger geworden, und fand sich leicht in jeden Wechsel. Er beschäftigte sich mit tausend Dingen: er war Botaniker, Geologe, Käfern- und Schmetterlings-Jäger, Dilettant in der Musik, Skizzist von nicht geringen Ansprüchen, — kurz, ein vollkommener Tausendkünstler; dazu kam noch, dass er ein unermüdlicher, wenn auch nicht immer glücklicher Jagdfreund war. Nie hatte jemand, „mehr Eisen im Feuer,“ und niemand war sonach geschäftiger und munterer.

Mein dritter Reisegenosse hatte jenen aus Europa begleitet und reiste als sein Telemach mit ihm; er mochte wohl, wie sein Vorbild, seinen Mentor gelegentlich in Verlegenheit und Unruhe versetzen. Er war ein junger Graf aus der Schweiz, kaum einundzwanzig Jahre alt, voller Geist und Talent, aber lebhaft bis zum Übermaß und jeder Art wilden Abenteuers zugetan.

Nach dieser Schilderung meiner Reisegefährten darf ich eine Person niedrigeren Ranges, aber alldurchdringender und allvermögender Wichtigkeit nicht unerwähnt lassen — ich meine den Knappen, den Reitknecht, den Koch, den Zeltbauer, mit einem Worte, das Faktotum, und ich muss hinzufügen, den allgemeinen Einmischer und Unheilstifter unserer Gesellschaft. Er war ein kleiner, schwarzbrauner, dürrer, drähterner, französischer Kreole, der Antoine hieß, aber vertraulich Tonisch benannt wurde: eine Art Grenz-Gil Blas, der ein bewegtes Leben geführt und zuweilen unter weißen Männern, zuweilen unter indianischen Agenten, zuweilen unter den Osage-Jägern sich herumgetrieben hatte. Wir fanden ihn zu St. Louis, in dessen Nähe er eine kleine Besitzung, eine indianische Frau und ein Nest voll halbbürtiger Kinder hatte.

Seiner eigenen Aussage nach hatte er eben bei jedem Stamm eine Frau; in der Tat, darf man allem, was dieser kleine Landstreicher von sich aussagte, Glauben beimessen. so war er ohne Moral, ohne Kaste, ohne Glauben, ohne Heimat, und selbst ohne Sprache, denn er sprach ein babylonisches Gewelsch von gemischtem Englisch, Französisch und Osage. Dabei war er ein ruchloser Aufschneider und ein Lügner von der ersten Art.

Es war ergötzlich ihn zuzuhören, wenn er von seinen grässlichen Taten und den mit Noth. überstandenen Todesgefahren in Jagd und Krieg windbeutelte und aufschnitt. Inmitten seiner Zungengeläufigkeit befiel ihn zuweilen ein krampfhaftes Schnappen nach Atem, als wenn sein Schlund plötzlich gelähmt wäre; ich bin aber fast versucht zu glauben, dass es durch eine in der Kehle stecken gebliebene Unwahrheit veranlasst wurde, denn ich habe allgemein bemerkt, das unmittelbar darauf eine Lüge von der ersten Größe herausplatzte.

Unsere Reise war angenehm gewesen; wir hatten zuweilen unsere Wohnung in den weit getrennten Anstalten der indianischen Missionäre genommen, aber im Allgemeinen unter dem schönen Laubwerk, das die Bäche begrenzt, gelagert und im Schutz eines Zeltes geschlafen. Während des letzten Teils unserer Reise hatten wir uns beeilt, in der Hoffnung, noch zeitig genug zu Fort Gibson einzutreffen, um die Osage-Jäger bei ihrem Herbst-Besuche auf den Büffel-Prärien zu begleiten.

Die Phantasie des jungen Grafen war in der Tat von diesem Gegenstande ganz hingerissen. Die großartige Szenerie und die wilden Sitten der Prärien hatten seinen Sinn vollkommen betört und die Geschichten, welche ihm der kleine Tonisch von Indianischen Tapferen und Indianischen Schönheiten, von dem Jagen der Büffel und dem Einfangen wilder Pferde erzählte, hatten ihn ganz lüstern gemacht, sich einmal in das wilde Leben zu stürzen. Er war ein kecker und abgehärteter Reiter und sehnte sich, die Jagdgebiete zu durchstreifen. Es war ergötzlich. zu hören, was er in seinem jugendlichen Eifer alles zu sehen und zu tun und zu genießen hoffte, wenn er sich unter die Indianer mischte und ihre kühnen Abenteuer teilte, und es war noch weit ergötzlicher, den Aufschneidereien des kleinen Tonisch zuzuhören, der sich freiwillig erbot, seinen treuen Knappen bei diesen gefährlichen Unternehmungen abzugeben, ihn zu lehren, wie man die wilden Pferde einfange, die Büffel bewältige und die Huld Indianischer Prinzessinnen erwerbe. Und wenn wir nur eine brennende Prärie sehen können!“ sagte der junge Graf. — „Sapperment, ich stecke selbst eine an!“ rief der kleine Franzose.

Zweites Kapitel.

Die Erwartungen der Jugend werden gar leicht getäuscht. Zum Unglück für des Grafen Pläne zu einem wilden Ausflug erfuhren wir, ehe wir das nächste Ziel unserer Reise erreichten, dass die Osage-Jäger bereits ihren Zug zu dem Jagdgebiet angetreten hatten. Der junge Mann beschloss dennoch, ihrer Spur, wenn möglich, zu folgen und sie einzuholen; zu diesem Zweck hielt er bei der Osage-Agentschaft, einige Meilen von Fort Gibson an, um Nachrichten einzuziehen und seine Vorbereitungen zu treffen. Sein Reisegefährte, Hr. L., blieb bei ihm, während der Kommissar und ich, von dem treuen und wahrheitsliebenden Tonisch gefolgt, nach Fort Gibson reisten.

Ich spielte bei dem letzteren auf sein Versprechen an, den Grafen auf seinem Zuge zu begleiten, fand aber, dass der kleine Taugenichts seine Interessen scharf in das Auge zu fassen wusste. Er übersah nicht, dass der Kommissar in Folge seiner Aufträge eine lange Zeit in dem Lande bleiben und ihm wahrscheinlich eine dauernde Beschäftigung geben würde, während der Aufenthalt des Grafen nur vorübergehend war. Mit den Aufschneidereien des kleinen Prahlers hatte es daher plötzlich ein Ende. Er sprach mit dem jungen Grafen kein Wort mehr von Indianern, Büffeln und wilden Pferden, sondern schloss sich schweigend dem Gefolge des Kommissars an und schlenderte still hinter uns drein zu dem Fort.

Als wir hier anlangten, bot sich die Möglichkeit zu einem Kreuzzug auf die Prärien von neuem dar. Wir erfuhren, dass eine Kompanie berittener Grenzjäger, oder Schützen, erst drei Tage vorher abgegangen war, um das ausgedehnte Gebiet zwischen dem Arkansas und Red River, einschließlich eines Teils des Pawnee Jagdgebiets, wohin bis jetzt noch keine Gesellschaft weißer Männer vorgedrungen war, zu durchstreifen. So bot sich also eine Gelegenheit, diese gefährlichen und anziehenden Gegenden unter dem Schutze eines starken Geleites zu bereisen und diesen Schutz auch ansprechen zu dürfen, denn der Kommissar konnte, kraft seines Amtes, die Dienste dieses neu errichteten Schützenkorps in Anspruch nehmen, und eben das Gebiet, welches sie durchstreifen sollten, war zu Niederlassungen für einige der wandernden Stämme bestimmt.

Unser Entschluss war schnell gefasst und in Ausführung gebracht. Der Kommandant des Fort Gibson schickte ein paar Creek Indianer als Boten fort, die Schützen einzuholen und ihnen aufzutragen, zu warten, bis der Kommissar und seine Gesellschaft zu ihnen stoßen könnten. Da unser Weg drei oder vier Tage lang durch eine wilde Gegend führte, ehe wir uns mit der Schützenkompanie vereinigen konnten, wurde uns ein Geleit von fünfzehn berittenen Jägern, unter dem Befehl eines Leutnants, beigegeben.

Wir meldeten dem jungen Grafen und Hrn. L. in der Osage-Agentschaft unseren neuen Plan und unsere Aussichten, und luden sie ein, uns zu begleiten. Der Graf wollte jedoch nicht auf die Freuden verzichten, die er sich von dem Eintreten in ein durchaus wildes Leben versprochen hatte. Er erwiderte uns, er wolle sich zu uns halten, bis wir den Osage-Jägern auf die Spur gekommen, dann aber sei es sein fester Entschluss, sich in die Wildnis zu begeben und jenen zu folgen; sein treuer Mentor war ein zu ergebener Freund, um ihn zu verlassen, obgleich er über die Tollheit des Planes seufzte.

Der nächste Morgen war zu einem allgemeinen Zusammentreffen unserer Gesellschaft und des Geleites in der Agentschaft bestimmt. Wir richteten nun alles zu einer schnellen Abreise her. Unser Gepäck war bisher auf einem leichten Wagen fortgebracht worden; jetzt sollten wir aber unseren Weg durch ein unbesuchtes Land uns bahnen, das von Flüssen, Schluchten und Buschwerk durchschnitten war und wo ein Fuhrwerk dieser Art in jeder Hinsicht nur hinderlich sein konnte. Wir mussten zu Pferd, in der Jägerweise, und mit so wenig Belästigung, als nur immer möglich, reisen.

Unser Gepäck erfuhr daher eine sehr strenge Musterung und Reduktion. Jeder brachte seine knappe Garderobe in ein paar Mantelsäcke, die keineswegs überfüllt wurden; diese und ein Überrock wurden auf das Pferd geschnallt, das er ritt. Das übrige Gepäck kam auf Packpferde. Jeder hatte ein Bärenfell und einige Tücher für das Bett; auch fehlte es nicht an einem Zelt, um uns zu schützen, wenn einer krank oder das Wetter schlecht würde. Dann sorgten wir für einen ziemlichen Vorrat von feinem Mehl, von Kaffee und Zucker, und für gesalzenes Schweinefleisch für den Fall der Noth, da wir in Hinsicht des Lebensunterhaltes hauptsächlich auf die Jagd verwiesen waren.

Der Teil unserer Pferde, die durch die letzte Reise nicht zu abgemüdet waren, nahmen wir als Packpferde und als Aushilfe mit uns; da wir aber eine lange und beschwerliche Reise antraten, wo dann und wann gejagt werden sollte, und wo, im Falle eines Zusammentreffens mit feindlich gesinnten Wilden die Sicherheit des Reiters von der Güte seines Pferdes abhängen konnte, sorgten wir, dass wir gut beritten waren. Ich verschaffte mir ein starkes, silbergraues Tier, das etwas rauer Natur, aber tüchtig und kräftig war; ein gutes Pferdchen, das ich bisher geritten und das jetzt etwas abgetrieben war, behielt ich und ließ es mit den Packpferden gehen, um es nur im Fall der Noth zu brauchen.

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, verließen wir am 10. Oktober 1832 das Fort Gibson, überschritten den Fluss, der vor demselben fließt, und zogen unserm Zusammenkunftsort, der Agentschaft, entgegen. Ein Ritt von wenigen Meilen brachte uns an die Furt des Verdigris, eine wilde felsige Gegend, von Waldbäumen düster überspannt. Wir stiegen an das Ufer des Flusses hinab und ritten, einer hinter dem anderen, hinüber, wobei unsere Pferde sorgfältig von Feld zu Fels schritten und in dem rauschenden und schäumenden Wasser gewissermaßen nach einem Halt für die Hufe tappten.

Tonisch, unser kleiner Franzose, machte mit den Packpferden den Nachtrapp aus. Er war sehr vergnügt, da ihm eine Art Beförderung zu Teil geworden war. Auf unsrer bisherigen Reise hatte er den Wagen geführt, was er für eine seiner nicht sehr würdige Beschäftigung anzusehen schien; jetzt war er Stallmeister. Er hockte, wie ein Affe, hinter einem Pack auf einem der Pferde, sang, jubelte, johlte wie ein Indianer und schmähte jeden Augenblick die zaudernden Packpferde.

Als wir zur Furt kamen, sahen wir an dem anderen Ufer einen Creek-Indianer zu Ross. Er hielt auf dem Vorsprung eines Felsen, um uns und unser Beginnen zu beachten, und bildete einen malerischen Vorwurf dar, der im Einklang mit der wilden Szenerie um ihn war. Er trug ein hellblaues Jagdhemd mit Scharlachfranzen besetzt; ein buntfarbiges Tuch war, fast in der Art eines Turbans, um seinen Kopf geschlagen und ein Ende hing an der Seite nieder; er hatte eine lange Büchse in der Hand und sah einem wilden Araber, der auf Raub ausging, ähnlich.

Unser geschwätziger und in alles sich mischender Franzose rief ihm in seinem Babylonischen Kauderwelsch zu; der Wilde aber, der seine Neugierde befriedigt hatte, schwenkte seine Hand in der Luft, wandte den Kopf seines Pferdes, galoppierte das Ufer entlang und verschwand bald unter den Bäumen.

Drittes Kapitel.

Als wir über der Furt waren, erreichten wir bald die Osage-Agentschaft, wo Obrist Choteau sein Büro und Magazin zur Förderung der Indianischen Angelegenheiten, und zur Verteilung von Geschenken und Vorräten hatte. Sie bestand aus wenigen Blockhäusern an dem Ufer des Flusses und gab eine bunte Grenzszene ab. Unser Geleit harrte hier unserer Ankunft: einige waren zu Pferd, andere zu Fuß; einige saßen auf den Stämmen gefällter Bäume, andere schossen nach der Scheibe; es war ein bunt zusammengesetzter Haufe; einige trugen Fräcke, die aus grüner Leinwand gemacht waren; andere hatten lederne Jagdhemden an; die Mehrzahl war aber in wunderbar schlecht zugeschnittene Kleider gesteckt, die, viel zu schlecht zum Tragen, offenbar zu rauem Dienste angelegt worden waren.

In der Nähe dieser war eine Gruppe Osagen, stattliche Bursche, ernst und einfach in Kleidung und Charakter. Sie trugen keinen Schmuck; ihre Kleidung bestand aus Umwürfen, lederner Beinbedeckung und Mokassins. Ihr Kopf war unbedeckt und ihr Haar knapp abgeschnitten, einen emporstehenden Streifen, oben einem Helmbusch ähnlich, und die lange hinten hinabhängende Skalplocke ausgenommen. Sie hatten hübsche römische Gesichter und eine starte, gewölbte Brust; da sie fast durchgehend ihre Umwürfe um die Lenden geschlagen hatten, so dass Arme und Oberleib bloß blieben, glichen sie eben so vielen edlen Bronzefiguren. Die Osagen sind die schönsten Indianer, welche ich im Westen gesehen habe. Sie haben sich bis jetzt dem Einfluss der Sittigung noch nicht ganz fügen mögen, so dass sie ihre einfache Indianische Bekleidung abgelegt und den Sitten des Jägers und Kriegers sich entschlagen hätten; ihre Armut hindert sie, einem großen Luxus der äußeren Erscheinung nachzuhängen.

Mit ihnen kontrastierte eine bunt geputzte Schar von Creeks. Es ist nach dem ersten Eindruck etwas ganz Orientalisches in dem Äußern dieses Stammes. Sie kleiden sich in zitzene Jagdhemden von mannigfachen glänzenden Farben, mit bunten Franzen geziert; breite mit Knöpfen besetzte Gürtel umschließen sie. Ihre Beinbekleidung besteht aus gegerbter Bockshaut oder aus grünem oder rotem Wolltuch mit gestickten Kniebändern und Trotteln. Ihre Mokassins sind prachtvoll gearbeitet und verziert; um den Kopf werden bunte Tücher geschmackvoll gewunden.

Außer diesen sah man hier eine Menge Trapper, Jäger, Mestizen, Kreolen, Neger von jeder Farbenabstufung, und die ganze hergelaufene Schar nicht zu beschreibender Wesen, die, zwischen dem gesittigten und wilden Leben inne liegend, die Grenze umschwärmen, wie jenes zweideutige Geschlecht, die Fledermäuse, sich in den Grenzen des Lichts und der Dunkelheit bewegen.

Das kleine Dorf der Agentschaft war in einem vollkommenen Aufruhr; besonders bot der Schoppen des Schmiedes eine bewegte Szene dar: ein riesiger Neger beschlug ein Pferd; zwei Mestizen machten sich eiserne Löffel, um darin Blei zu Kugeln zu gießen. Ein alter Trapper, in einem ledernen Jagdfrack und Mokassins, hatte seine Büchse an eine Arbeitsbank gelehnt, während er den Mestizen zusah und von seinen Jagdtaten plauderte; mehrere große Hunde streiften in und außerhalb der Werkstätte umher oder schliefen in der Sonne, während ein kleines Tier, die eine Seite des Kopfes emporhebend und das eine Ohr spitzend, mit der, kleinen Hunden gewöhnlichen Neugierde, auf das Geschäft des Beschlagens des Pferdes achtgab, als wollte er die Kunst auch erlernen oder warten, bis die Reihe, beschlagen zu wer: den, an ihn käme.

Wir fanden den Grafen und seinen Begleiter, den Tausendkünstler, marschfertig. Da sie sich zu den Osagen begeben, und einige Zeit damit hinbringen wollten, den Büffel und das wilde Pferd zu jagen, hatten sie die nötigen Vorkehrungen getroffen, indem sie den Pferden, mit welchen sie die Reise gemacht, andere von der ersten Qualität zugefügt hatten, welche auf der Reise geführt und nur auf der Jagd geritten werden sollten.

Sie hatten ferner einen jungen Mann, Namens Antoine, einen Mestizen, Französischen und Osage Ursprungs, angenommen, der auch ein Tausendkünstler in seiner Art sein, d. h. kochen, jagen und für die Pferde sorgen sollte; er hatte aber eine heftige Vorliebe, nichts zu tun, da er der nichtswerten Brut angehörte, die in den Missionen gezeugt und erzogen wird. Er war überdies ein wenig verhätschelt, da er wirklich ein schöner, junger Bursche, ein Grenz-Adonis war, und was noch schlimmer ist, sich auf seine vornehme Verwandtschaft etwas zu guttat, denn seine Schwester war das Kebsweib eines reichen weißen Handelsmannes!

Der Kommissar und ich verlangten sehr, vor dem Aufbruch eines anderen Dieners habhaft zu werden, der mit dem Waidwerk bekannt wäre und uns als Jäger dienen könnte, denn wir sahen, dass unser kleiner Franzose in dem Lager mit Kochen und auf dem Wege mit der Sorge für die Packpferde die Hände voll zu tun haben würde. Ein solcher bot sich uns dar oder vielmehr, wurde uns empfohlen, in der Person des Pierre Beatte, eines Mestizen von Französischem und Osage Blut. Man versicherte uns, er sei mit allen Teilen des Landes bekannt, da er es in allen Richtungen bei Jagd- und Kriegszügen durchwandert hätte; er würde uns als Führer und Dolmetscher gleich nützlich sein, und gelte mit Recht für einen der besten Jäger.

Ich gestehe, er gefiel mir nicht, als man mir ihn zum ersten Male zeigte. Er strich in einem alten Jagdrock und Metussen oder Beinkleidern von Bocksleder umher, die schmierig und fettig und durch langen Gebrauch wie überfirnisst waren. Er war, wie es schien, gegen 36 Jahre alt, und stark und kräftig gebaut. Seine Züge waren nicht übel, denn sie hatten einige Ähnlichkeit mit denen Napoleons, aber hohe indianische Backenknochen gaben ihnen zu viel Eckiges. Vielleicht vermehrte die dunkelgrüne Farbe seines Gesichts seine Ähnlichkeit mit einer alten Bronzebüste, die ich vom Kaiser gesehen hatte. Seine Züge hatten jedoch einen wirschen, mürrischen Ausdruck, der durch einen breitrandigen wolligen Hut und durch die wirren um seine Ohren hängenden Haare noch erhöht wurde.

Der Art war die äußere Erscheinung des Menschen und seine Sitten waren eben nicht einnehmender. Er war kalt und lakonisch; er gab keine Versprechungen und keine Versicherungen; er nannte die Bedingungen, unter denen er und sein Pferd uns zu Diensten stünden; wir fanden sie ziemlich hoch, aber er zeigte keine Neigung, sie zu ermäßigen und keinen Drang, sich die Stelle zu sichern. Er zeigte überhaupt mehr von dem roten als dem weißen Mann in seinem Character, und da ich gelehrt worden war, auf alle Mestizen als auf ein unzuverlässiges und treuloses Geflecht mit Misstrauen zu blicken, so hätte ich den Dienst des Pierre Beatte gern entbehrt. Wir hatten aber keine Zeit, uns nach jemand, der mehr nach unserm Geschmack gewesen wäre, umzutun und mussten uns auf der Stelle mit ihm abfinden. Er ging sonach weg, um seine Vorbereitungen zu treffen und versprach, in unserm Abendlager zu uns zu stoßen.

Nur Eines fehlte nur noch zur Ausrüstung für die Prärie-Reise — ein durchaus zuverlässiges Pferd. Ich war nicht nach meinem Sinne beritten. Der Silbergraue, den ich gekauft hatte, war zwar stark und willig, aber ungestüm. In dem letzten Augenblick gelang es mir, ein vortreffliches Tier zu erkaufen; es war ein dunkelbraunes, kräftiges, munteres, edles und herrlich gehaltenes Ross. Freudig schwang ich mich in den Sattel und überließ den Silbergrauen dem kleinen Tonisch, der so entzückt war, sich nun ganz und gar en cavalier zu sehen, dass ich fürchtete, er möchte das alte und wohlbekannte Sprichwort von dem Bettler zu Pferd verwirklichen.

Viertes Kapitel.

Die langgezogenen Töne eines Hornes gaben endlich das Zeichen zur Abreise. Die Jäger traten, einer hinter dem anderen reitend, in die Wälder ein; wir setzten uns zu Pferd und folgten ihnen, wurden aber durch die Unregelmäßigkeit der Packpferde aufgehalten. Diese waren nicht gewöhnt, in der Reihe zu bleiben und streiften von einer Seite zur anderen im Dickicht herum, ungeachtet alles Fluchens und Verwünschens von Seiten unseres Tonisch, der, auf seinem wackeren Grauen sitzend, mit einer langen Büchse auf der Schulter, ihnen nachjagte und sie mit derben Flüchen und Schlägen in reichem Maß beschenkte.

Wir verloren daher unser Geleit bald aus den Augen, suchten aber ihre Spur zu behalten, indem wir durch stolze Wälder und verwachsenes Gebüsch ritten und an indianische Wigwams und Negerhütten vorbeiritten, bis wir gegen Abend an eine Grenzbesitzung kamen, die einem Ansiedler namens Berryhill gehörte. Das Haus lag auf einem Hügel, an dessen Fuß die Jäger sich in einem Laubgang, an dem Saume eines Flusses, gelagert hatten. Der Besitzer des Hauses empfing uns freundlich, konnte uns aber wegen einer Krankheit, die in seiner Familie herrschte, keine Bequemlichkeit bieten. Er schien selbst nicht in den besten Umständen zu sein, denn, obgleich von kräftiger Gestalt, hatte er eine bleiche, ungesunde Gesichtsfarbe und eine pfeifende, überschlagende Stimme, die abgebrochen vom Diskant in den tiefsten Bass überging.

Da sein Blockhaus ein wahres Hospital war, das von Kranken wimmelte, ließen wir unser Zelt in dem Hofe aufschlagen.

Wir waren nicht lange gelagert, als unser neu geworbener Diener Beatte, der Osage-Mestize, eintraf. Er ritt auf seinem einen Pferd und führte das andere, das mit Vorräten für den Zug ganz gut bepackt schien. Beatte war augenscheinlich ein „alter Soldat“, was die Kunst betrifft, für seine Bedürfnisse zu sorgen und sich auf unvorgesehene Fälle gefasst zu machen. Da er wusste, dass er in dem Dienst der Regierung war, indem er zum Gefolge des Kommissars gehörte, hatte er sich Rationen Mehl und Speck zu verschaffen gewusst und sie gegen die Launen des Wetters trefflich verwahrt.

Neben dem Pferd, das für die Reise und den gewöhnlichen Dienst bestimmt war, einem lebhaften, starken Tier, hatte er ein zweites für die Jagd mitgenommen. Dies war ein Halbblut, wie er, indem es von einem zahmen und einem wilden Prärie-Pferd abstammte, und es war ein edles Tier, stolz, schön in seinen Bewegungen und trefflich auf den Beinen. Er hatte Sorge getragen, dass seine Pferde auf der Agentschaft gut beschlagen wurden. Er stellte sich ein, in allen Beziehungen auf Kampf und Jagd vollständig gerüstet — seine Büchse auf der Schulter, sein Pulverhorn und die Tasche mit Kugeln an der Seite, das Jagdmesser im Gürtel und an dem Sattelbogen ein Knäul von Strickwerk, Lariats oder verschlungene Stricke, wie man sie nannte, zum Einfang der wilden Pferde.

So ausgerüstet und ausgestattet gleicht der indianische Jäger auf der Prärie dem Kreuzer auf der See, vollkommen unabhängig von der Welt und im Stande sich selbst zu schützen und selbst zu erhalten. Er kann sich von einem Jeglichen lossagen, seinen eigenen Weg verfolgen und sein Schicksal nach Willkür bereiten. Ich glaubte, Beatte dürfte seine Unabhängigkeit fühlen und sich jetzt, da wir uns in die Wildnis zu wagen im Begriff standen, uns allen überlegen glauben. Er behielt einen halbstolzen, mürrischen Blick und eine große Schweigsamkeit bei; seine erste Sorge war, seine Pferde abzupacken und sie für die Nacht unter sicheres Obdach zu bringen. Sein ganzes Benehmen stand in vollkommenem Kontrast mit unserm prahlerischen, schnatternden, lärmenden kleinen Franzosen.

Auch schien der Letztere auf den neuen Ankömmling eifersüchtig. Er flüsterte uns zu, diese Mestizen seien eine empfindliche, launische Menschensorte, auf die man sich wenig verlassen könne; Beatte habe sich augenscheinlich darauf eingerichtet, auf seinen eigenen Füßen zu stehen und er wäre jeden Augenblick während unserer Reise im Stande', uns plötzlich seine üble Laune, oder Trotz zu zeigen und uns augenblicklich zu verlassen, da er die Mittel habe, sich selbst zu helfen, und auf den Prärien vollkommen zu Haus sei.

Fünftes Kapitel.

Am nächsten Morgen — den 11. Oktober — machten wir uns um halb acht Uhr auf den Weg und ritten durch tiefe, üppige Gründe von angeschwemmtem Boden, mit reicher Vegetation und Bäumen von ungeheurer Größe geschmückt. Unser Weg lag in einer Linie mit dem Westufer des Arkansas, an dessen Saum wir, in der Nähe der Einmündung des Red Fork, auf die Kompanie unserer Jäger zu stoßen hofften. Die Gegend war eine Zeitlang mit Creekdörfern und Farmhäusern bedeckt, deren Bewohner mit bedeutender Leichtigkeit die Anfänge der Gesittung angenommen zu haben und in dessen Folge zu gedeihen schienen. Ihre Farmen waren gut versehen und ihre Wohnungen zeugten von Behaglichkeit und Überfluss.

Wir stießen auf eine Menge derselben, während sie von einem jener großen Kugelspiele heimkehrten, durch welche ihre Nation so berühmt ist. Manche waren zu Fuß, andere zu Pferd; viele der letzteren hatten schön geputzte Frauenzimmer hinter sich. Diese Leute sind gut gebaut, kräftig und gedrungen, Schenkel und Beine schön geformt. Sie haben eine Zigeuner-Liebhaberei an hellen Farben und buntem Schmuckwerk und nehmen sich aus der Ferne von den Prärien glänzend und phantastisch aus. Der eine hatte ein Scharlachtuch um seinen Kopf gebunden mit einem schwarzen Federbusch, wie ein Fahnenschweif drauf; der andere ein weißes Tuch mit roten Federn, während ein dritter, der keine Federn hatte, einen glänzenden Sumachbüschel in seinen Turban gesteckt hatte.

An dem Saum der Wildnis hielten wir an, um an einem Blockhaus, das einem weißen Ansiedler oder Squatter angehörte, nach dem Wege zu fragen; er war ein großer, rauknochiger alter Bursche, mit rotem Haar und einem dünnen, durchsichtigen Gesicht, der die eingewurzelte Gewohnheit hatte, mit dem einen Auge zu blinzeln, als wenn alles, was er vorbrachte, von der größten Wichtigkeit wäre. Er war in einem ungemessenen Zorn. Eines seiner Pferde fehlte; er schwor, es sei in der Nacht von einer herumstreifenden Schar Osagen, die in einem benachbarten Moor gelagert waren, gestohlen worden. Aber er würde Genugtuung erhalten, er wollte an den Schurken ein Beispiel geben! Demzufolge hatte er von der Wand seine Büchse, diese stete Erzwingerin von Recht und Unrecht auf der Grenze, herabgenommen, sein Ross gesattelt und war im Begriff, einen Ritt in das Moor zu machen, während ein anderer Squatter, die Büchse in der Hand, fertig da stand, um ihn zu begleiten.

Wir bemühten uns, den alten Bewohner der Prärien zu beruhigen, indem wir ihm sagten, sein Pferd könnte sich in die umliegenden Wälder verlaufen haben; er hatte aber den Hang der Grenzer, den Indianern alles zur Last zu legen, und nichts konnte ihn davon abbringen, mit Feuer und Schwert in das Moor dringen zu wollen.

Nachdem wir einige Meilen weiter geritten waren, verloren wir die Spur der Jägerkompanie und wurden durch eine Menge von Pferden, welche von den Indianern und Ansiedlern herrührten, irre gemacht. Als wir endlich an ein von einem weißen Mann bewohntes Blockhaus, das letzte auf der Grenze, kamen, erfuhren wir, dass wir von der Richtung des Weges abgekommen waren. Er führte uns eine Strecke zurück und brachte uns wieder auf die rechte Spur; dieser folgten wir nun, sagten der Grenze das legte Lebewohl und traten in die weite Öde ein.

Die Spur lief wie ein einzelner Fußpfad, über Hügel und Täler, durch Busch und Hecken, durch verwachsenes Dickicht und offene Prärien fort. Bei dem Durchschneiden der Wildnis pflegten Reisende gewöhnlich, sowohl zu Pferd wie zu Fuß, wie die Indianer, in einer langen Linie sich zu folgen, so dass die Anführer denen, welche folgen, den Weg bahnen und ihre Mühe und Arbeit erleichtern. Auf diese Weise bleibt die Zahl der Reisenden ungewiss, indem das Ganze nur eine stark betretene schmale Spur lässt und den Weg bezeichnet, den man genommen.

Wir waren noch nicht lange wieder auf der Spur, als wir beim Austritt aus einem Walde, unsers rauknochigen, starr blinzelnden und stark trabenden fahrenden Grenzritters ansichtig wurden, wie er, von seinem bewaffneten Gefährten gefolgt, am Abhang eines Hügels hernieder eilte. Als er uns näherkam, erinnerte mich die Hagerkeit seiner Gestalt und das Jämmerliche seines Anblicks an die Schilderung des Helden von La Mancha; auch er war, wie der berühmte Ritter, auf einem Abenteuer begriffen, da er in das Dickicht des gefahrvollen Moors, in welchem der Feind sich gelagert hatte, einzudringen im Begriff stand.