Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum - Michael Kiener - E-Book

Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum E-Book

Michael Kiener

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Beschreibung

Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich BWL - Wirtschaftspolitik, Note: 1.5, Universität Bern, Sprache: Deutsch, Abstract: [...] Das Ziel dieser Arbeit ist, neben dem Aufzeigen der theoretischen Wirkungszusammenhänge, die empirische Überprüfung der unterschiedlichen Kausalzusammenhänge der Forschungsrichtungen anhand von Kantonsdaten. Dabei wird die normative Frage der Gerechtigkeit der Einkommensungleichheit nicht berücksichtigt, vielmehr wird das Augenmerk auf die Wirkungsbeziehung zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum gelegt. Daher liefert Kapitel 2 zuerst einen kurzen Überblick über die Verteilungsdynamik, bevor auf die beiden hauptsächlichen Forschungsrichtungen und weitere Theorien über den Zusammenhang zwischen den beiden Variablen näher eingegangen wird. Der eine Forschungsstrang, geprägt durch Kuznets (1955), versucht den Effekt von Wirtschaftswachstum auf die Einkommensverteilung aufzudecken und zu systematisieren. Der andere beschäftigt sich mit dem umgekehrten Kausalzusammenhang und untersucht die Effekte von ursprünglicher Ungleichheit auf das Wachstum der Folgeperioden durch verschiedenste Einflusskanäle. Werden beide Stränge zusammengeführt ergibt sich eine Wechselwirkungsbeziehung. Während in Kapitel 3 einige internationale Studien vorgestellt werden, die auf länderübergreifenden Querschnitt- bzw. Paneldaten beruhen, widmet sich Kapitel 4 der empirischen Analyse der Verhältnisse in der Schweiz zwischen 1979/1980 und 1999/2000.[...]

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Veröffentlichungsjahr: 2012

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung.
2 Verteilungsdynamik und theoretische Wirkungsrichtungen.
2.1 Konvergenzkonzepte und Verteilungsdynamik im 20. Jahrhundert
2.2 Wachstum beeinflusst die Einkommensverteilung.
2.2.1 Kuznets „U-Curve Hypothesis (UCH)“
2.2.2 Empirische Befunde zur UCH.
2.3 Wirtschaftswachstum
2.3.1 Das neoklassische Solow-Modell und konvexe Sparfunktionen.
2.3.2 Endogene Wachstumstheorie
2.3.3 Humankapital und Wirtschaftswachstum.
2.4 Einfluss der Einkommensverteilung auf das Wachstum
2.4.1 Politökonomischer Ansatz
2.4.2 Die Rolle von Kapitalmarktimperfektionen.
2.4.3 Soziopolitische Instabilität, Industrialisierungsprozess und weitere
2.5 Interdependenz zwischen Einkommensverteilung und Wachstum
2.5.1 Humankapital als intervenierende Variable
2.6 Redistribution
2.6.1 Umverteilung, Produktionsmöglichkeiten und Wachstum.
2.6.2 Anreizeffekte bei Umverteilungsaktivitäten.
2.7 Bildungspolitik als Wachstums- und Verteilungspolitik
3 Empirische Analysen.
3.1 Internationale Querschnittsvergleiche
3.2 Studien mit Panel-Daten
4 Empirische Analyse in der Schweiz.
4.1 Funktionale Abhängigkeiten
4.2 Operationalisierung und Datenqualität
4.3 Datenanalyse Gini-Koeffizient und Volkseinkommen
4.4 Ergebnisse
4.4.1 Determinanten der Ungleichheit
4.4.2 Determinanten des Wirtschaftswachstums.
5 Schlussfolgerung.
6 Literatur.
7 Anhang.

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Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilungsdynamik in den USA, Grossbritannien und Japan……………………………………………………………….………..8

Abbildung 2: Darstellung der U-Curve Hypothesis (UCH) von Kuznets…………… 11 Abbildung 3: Einflusskanäle zwischen Ungleichheit und Wachstum………………. 26 Abbildung 4: Humankapital als intervenierende Variable in der Wechsel-

Abbildung 5: Entwicklung des Gini-Koeffizienten in den deutschsprachigen Kantonen………………………………………………………………..… 58

Abbildung 6: Wachstumsraten der Pro-Kopf-Volkseinkommen 1980-2000 in Prozent……………………………………………………………..…... 61

Abbildung 7: Gini-Koeffizient und logarithmiertes Pro-Kopf-Volkseinkommen…… 63

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ergebnisse und Ausprägungen einiger empirischer Studien……...… 42 Tabelle 2: Vergleich Gini Berechnungen Steuerperiode 1995/1996……………. 50 Tabelle 3: Variablen, Zusammenhänge und Operationalisierung………………. 57 Tabelle 4: Statistik zum Gini Koeffizienten………………………………………… 59 Tabelle 5: Determinanten des Gini Koeffizienten………………….……………… 65 Tabelle 6: Determinanten des Wirtschaftswachstums……………………………. 69

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1 Einleitung

„Denn jede von Ihnen ist nicht nureineStadt, sondern eine Vielzahl von Städten, wie man beim Spiele sagt. Zum mindesten sind es zwei, die einander feindlich gegenüberstehen: die Stadt der Armen und die der Reichen“ (Platon 1974, S. 214).

Der Anteil des obersten Quintils der steuerpflichtigen Schweizer Bevölkerung am Total der in der Steuerstatistik ausgewiesenen reinen Einkommen in der Steuerperiode 1997/1998 beträgt 47%, wobei alleine die reichsten 5% über 21% des gesamten reinen Einkommens verfügen.1Der Anteil des untersten Quintils ist hingegen mit 1.5% gering. Werden anstelle der Einkommensverteilung innerhalb der Länder die Einkommensungleichheiten zwischen den Ländern betrachtet, ergibt sich gemäss einer Studie der World Commission on the Social Dimension of Globalization (2004) folgendes: Die zwanzig ärmsten Länder erzielen im Durchschnitt ein Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukt (BIP) von $ 267, während die zwanzig reichsten Länder über durchschnittlich $ 32’339 verfügen. Zudem weisen laut der Studie die ärmsten Länder seit den 1960er Jahren äusserst geringe Wachstumsraten aus. Die reichsten Länder haben hingegen in demselben Zeitraum ihr Pro-Kopf-BIP verdreifacht. Unter Berücksichtigung des umfassenden Datensatzes von Deininger/Squire (1996), welcher in vorwiegend armen Ländern Afrikas, Mittel- und Südamerikas und im Nahen Osten eine hohe Einkommensungleichheit feststellt, sowie der erwähnten Wachstumsunterschiede, scheint ein Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Ungleichheit gegeben zu sein, wobei die kausale Wirkungsrichtung nicht a priori klar ist.

Das Ziel dieser Arbeit ist, neben dem Aufzeigen der theoretischen Wirkungszusammenhänge, die empirische Überprüfung der unterschiedlichen Kausalzusammenhänge der Forschungsrichtungen anhand von Kantonsdaten. Dabei wird die normative Frage der Gerechtigkeit der Einkommensungleichheit nicht berücksichtigt, vielmehr wird das Augenmerk auf die Wirkungsbeziehung zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum gelegt. Daher liefert Kapitel 2

1Das reine Einkommen wird ermittelt, indem zum steuerbaren Einkommen die erfassten Abzüge aufgerechnet werden (ESTV o.J.).

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zuerst einen kurzen Überblick über die Verteilungsdynamik, bevor auf die beiden hauptsächlichen Forschungsrichtungen und weitere Theorien über den Zusammenhang zwischen den beiden Variablen näher eingegangen wird. Der eine Forschungsstrang, geprägt durch Kuznets (1955), versucht den Effekt von Wirtschaftswachstum auf die Einkommensverteilung aufzudecken und zu systematisieren. Der andere beschäftigt sich mit dem umgekehrten Kausalzusammenhang und untersucht die Effekte von ursprünglicher Ungleichheit auf das Wachstum der Folgeperioden durch verschiedenste Einflusskanäle. Werden beide Stränge zusammengeführt ergibt sich eine Wechselwirkungsbeziehung. Während in Kapitel 3 einige internationale Studien vorgestellt werden, die auf länderübergreifenden Querschnitt- bzw. Paneldaten beruhen, widmet sich Kapitel 4 der empirischen Analyse der Verhältnisse in der Schweiz zwischen 1979/1980 und 1999/2000.

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2 Verteilungsdynamik und theoretische Wirkungsrichtungen

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben Verteilungsfragen in der öffentlichen Diskussion und in der wissenschaftlichen Literatur an Aufmerksamkeit gewonnen (vgl. Schäper 2002, S. 23). Die subjektive Empfindung einzelner Bevölkerungskreise, dass vom ausgewiesenen Wirtschaftswachstum nicht alle gleich profitieren, sondern eine zunehmende Ungleichverteilung der Einkommen festzustellen sei, wird durch die explodierenden Gehälter von Managern in einzelnen Branchen in den letzten Jahren zusätzlich geschürt. Das Verhältnis der Top-Lohnbezüger zum einfachen Arbeiter hat sich in vielen Ländern stark vergrössert und dadurch diese Wahrnehmung verstärkt.2Die Befürchtung einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich wird nicht nur in Industrienationen geteilt. Besonders in Transformationsländern wird durch den Umbau der ökonomischen Systeme eine ungleiche Einkommensverteilung in einem Ausmasse toleriert, wie es unter sozialistischen Regimen nicht denkbar gewesen wäre. In Entwicklungsländern hingegen ist die weit verbreitete Armut das vordringlichste Problem. Während in der ersten Welt vor allem relative Einkommensvergleiche angestellt werden, ist in diesen Ländern das absolute Niveau des Einkommens entscheidend, hängt doch davon das Überleben vieler Menschen ab.

In der ökonomischen Theorie spielen Verteilungsaspekte aber nicht erst im 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Bereits Adam Smith und David Riccardo haben die funktionale Verteilung und Aufteilung von Erträgen auf die Produktionsfaktoren als Untersuchungsgegenstand berücksichtigt (vgl. Schäper 2002, S. 19). In der heutigen Zeit interessiert allerdings mehr die individuelle Verteilung des Einkommens bzw. des Vermögens.

2Aghion, Caroli und Garcia-Peñalosa (1999, S. 1633) stellen für verschiedene OECD-Länder eine erhöhte Lohnungleichheit in den 80er und 90er Jahren fest. Für die USA, Grossbritannien, Kanada, Neuseeland, Australien, aber auch Österreich, Belgien, Japan und Schweden wird eine zunehmende Ungleichheit ausgewiesen. Mit Finnland bzw. Frankreich (stabil) und Deutschland bzw. Italien (sogar leicht sinkende Ungleichheit) gibt es aber auch Länder, die diesem Trend in der untersuchten Periode nicht gefolgt sind.

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Im folgenden Abschnitt wird die Entwicklung dieser personellen Einkommen einerseits und der Verteilung andererseits für die letzten Jahrzehnte an einigen ausgewählten Staaten nachgezeichnet. Anschliessend wird in Kapitel 2.2 theoretisch aufgezeigt, wie das Wirtschaftswachstum die Einkommensverteilung beeinflussen kann.

2.1 Konvergenzkonzepte und Verteilungsdynamik im 20. Jahrhundert

Bevor in diesem Kapitel die Verteilungsdynamik analysiert wird, werden kurz die zwei Grundlegenden Konvergenzbegriffe dargestellt, die nicht zuletzt auch in der Konvergenzkontroverse in Kapitel 2.3 massgebend sind. Oft werden zwei Sichtweisen von Konvergenz festgehalten:β-Konvergenzliegt dann vor, wenn ärmere Länder wirtschaftlich schneller wachsen als reichere, so dass sich das Pro-Kopf-Einkommen über die Zeit angleicht. Das Konzept derσ-Konvergenzhingegen betrifft die Querschnittsstreuung und geht von Konvergenz dann aus, wenn die Streuung der Pro-Kopf-Einkommen von Ökonomien über eine Gruppe von Ländern im Laufe der Zeit abnimmt (vgl. Stönner-Venkatarama 1997, S. 18). Wie Stönner-Venkatarama theoretisch zeigen konnte, ist die „β-Konvergenz eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung fürσ-Konvergenz“(Stönner-Venkatarama 1997, S. 19). In dieser Arbeit werden diese Konvergenzkonzepte teilweise verwendet. Weit wichtiger ist allerdings die Frage nach der Konvergenz der Einkommen innerhalb eines Landes. Lässt sich ein Trend zur Gleichverteilung feststellen, oder gibt es eine zunehmende Ungleichverteilung und somit eine wachsende Kluft in der Bevölkerung? Dieser Frage wird im Folgenden anhand der Verteilungsdynamik im 20. Jahrhundert exemplarisch nachgegangen.

In seiner Analyse der Einkommensverteilung von 1880 - 1950 in den USA und Grossbritannien respektive bis zum ersten Weltkrieg in Preussen bzw. Sachsen stellt Kuznets fest:

„The general conclusion suggested is that the relative distribution of income, as measured by annual income incidence in rather broad classes, has been moving toward equality - with these trends particularly noticeable since the

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1920’s but beginning perhaps in the period before the first world war” (Kuznets 1955, S. 4).

Ist diese Sichtweise auch heute noch vertretbar? Das Pro-Kopf-Einkommen ist im letzten Jahrhundert stark angestiegen, doch haben die einzelnen Länder höchst unterschiedlich von dieser Zunahme des materiellen Wohlstandes profitiert. Der intertemporale Vergleich von Pro-Kopf-Einkommen und ihren Veränderungsraten zwischen den Ländern und die Frage, ob eine Annäherung oder ein Auseinanderfallen feststellbar ist, also obβ-Konvergenzvorherrscht, soll aber nicht Gegenstand dieser Arbeit sein. Vielmehr steht die Verteilung des Wohlstandes auf die gesellschaftlichen Schichten innerhalb eines Landes im Vordergrund. Als relevantes Verteilungsmass wird neben der bereits von Kuznets verwendeten Perzentils- bzw. Quintilsanalysen des Einkommens auch oft der Gini-Koeffizient herangezogen. Dieses Messkonzept reagiert sehr stark auf Veränderungen der Verteilung im mittleren Bereich des Einkommens. Gemäss einer Studie von Ecoplan spielt

„(…) neben dieser Sensitivitätseigenschaft auch die Transformationseigenschaft eine wichtige Rolle: Nimmt beispielsweise das Einkommen aller Beschäftigten im beobachteten Zeitraum um 20% zu, so würden die so genanntenrelativen Ungleichheitsmassekein Anwachsen der Ungleichheit anzeigen. Da aber die Einkommen unterschiedlich hoch sind, würdenabsolutbetrachtet die Bezüger hoher Einkommen am meisten davon profitieren. Die so genanntenabsoluten Ungleichheitsmassewürden hingegen ein Anwachsen der Ungleichheit anzeigen“ (Ecoplan 2004, S. 128).

Ein solches relatives Ungleichheitsmass stellt der Gini-Koeffizient dar.3Aus neueren Analysen der Verteilungsentwicklung der Einkommen lassen sich die Aussagen von Kuznets für den Anfang des 20. Jahrhunderts nicht auf das gesamte Jahrhundert ausdehnen, da keine eindeutige Konvergenz in Richtung Gleichheit mehr festgestellt wird. Im Gegenteil4: Die auch von Kuznets untersuchten Vereinigten Staaten von

3Zur Definition des Gini-Koeffizienten siehe Anhang A1.

4Wie Smeeding (2000) in einem internationalen Vergleich der Entwicklungen von Gini-Koeffizienten zwischen Ländern aufzeigt, weisen von elf untersuchten OECD-Länder über drei Erhebungswellen