Einst unter Blauem Mond - Simon R. Green - E-Book
Beschreibung

Bereits zweimal haben Prinz Rupert und Prinzessin Julia das Waldkönigreich gerettet und sich so das Recht erworben, glücklich bis ans Ende ihrer Tage zu leben. Doch ein Blauer Mond zieht auf. Schon wieder. Falk und Fischer, berühmt für ihre jahrelangen Dienste als Bewahrer des Friedens in der Stadt Haven, sind mehr als zufrieden damit, Legenden zu sein. Nachdem sie beschlossen hatten, zu alt für den ganzen Scheiß zu sein, gaben sie ihr bisheriges Leben auf und gründeten die Helden-Akademie, um hoffnungsvolle Nachwuchsheroen auszubilden. Legenden sterben nie, doch scheint es, als dürften sie sich auch nicht auf ihr Altenteil zurückziehen. Kein Geringerer als ihr alter Erzfeind, der Dämonenprinz, hat Jack und Gillian, Falks und Fischers erwachsene Kinder, entführt, um sie zu einem finalen Kampf auf Leben und Tod zu zwingen. Doch die beiden Helden wähnen noch ein anderes Motiv hinter der Entführung, eines, das mit einem viele Jahre zurückliegenden Fall zusammenhängt - einem, über den sie nie reden wollten. Es bleibt ihnen also nichts anderes übrig, als ins Waldkönigreich zurückzukehren, - ein letztes Mal ...

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Seitenzahl:987

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Autor: Simon R. Green

Deutsch von: Jessica Becker

Lektorat: Oliver Hoffmann

Korrektorat: Lars Schiele

Art Director, Satz und Gestaltung: Oliver Graute

© Simon R. Green 2014

© der deutschen Übersetzung Feder&Schwert 2015

E-Book-Ausgabe

ISBN 978-3-86762-246-2

Originaltitel: Once in a Blue Moon

ISBN der Printausgabe 978-3-86762-245-5

Einst unter Blauem Mond ist ein Produkt von Feder&Schwert unter Lizenz von Simon R. Green 2014. Alle Copyrights mit Ausnahme dessen an der deutschen Übersetzung liegen bei Simon R. Green.

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck außer zu Rezensionszwecken nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlags.

Die in diesem Buch beschriebenen Charaktere und Ereignisse sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit zwischen den Charakteren und lebenden oder toten Personen ist rein zufällig.

Die Erwähnung von oder Bezugnahme auf Firmen oder Produkte auf den folgenden Seiten stellt keine Verletzung des Copyrights dar.

www.feder-und-schwert.com

1

Niemand entkommt seiner Vergangenheit

Größter Stolz, größtes Problem und rentabelste Sehenswürdigkeit des Großherzogtums Lancre zugleich war die Falk-und-Fischer-Gedächtnisakademie, im Volksmund auch „Heldenakademie“ genannt. Die Hauptleute Falk und Fischer hatten sie ungefähr fünfundsiebzig Jahre zuvor gegründet, nach ihrer Zeit bei der Stadtgarde in einem weniger zuträglichen Hafen in den Tiefen der südlichen Königreiche. Es gab viele Geschichten über Falk und Fischer, die scheinbar die einzig aufrichtigen Angehörigen der Stadtwache gewesen waren. All diese Geschichten waren entschieden heroischer Natur, jedoch nicht immer besonders vornehm, geschweige denn für jedes Ohr geeignet. Besagte geschätzte Recken hatten allerdings irgendwann ein Alter erreicht, in dem sie das Lehren dem Kampf vorzogen, und so war die Akademie entstanden.

Falk und Fischer hatten einige ebenso fröhliche wie lehrreiche Jahre damit verbracht, jungen Männern und Frauen beizubringen, wie man ein Krieger ist, hatten alles in trockene Tücher gebracht und waren dann auf Nimmerwiedersehen weitergezogen. Wahrscheinlich hatten sie ihre Heldentätigkeit wieder aufgenommen und waren in einer blutigen Schlacht an irgendeinem abgelegenen Ort für einen guten Zweck einsam gestorben. Das passierte Helden meistens. Die Heldenakademie trug weiterhin ihren Namen und führte einige ihrer Traditionen fort, etwa die, dass alle verheirateten Krieger, die die Leitung übernahmen, für die Dauer ihres Aufenthalts die Namen Falk und Fischer annahmen – aus Respekt vor den Gründervätern oder möglicherweise zwecks besserer Nutzung der Merchandising-Rechte. Jedenfalls gab es so über die Jahre ungezählte Falks und Fischers.

Jahrzehntelang schickten erwartungsvolle Eltern aus aller Welt ihre schwer erziehbaren Söhne und Töchter zur Falk-und-Fischer-Gedächtnisakademie, in der Hoffnung, man werde sie dort zu Helden machen. Na ja, eigentlich aus vielerlei Gründen: Ruhm und Reichtum – natürlich –, Pflicht und Ehre … und manchmal auch nur, weil die hoffnungsfreudigen Bewerber ihren Eltern etwas beweisen wollten. Von den vielen, die sich berufen fühlten, wurden jedes Jahr nur wenige auserwählt, doch das hinderte sie nicht daran, zu Hunderten und dann und wann sogar zu Tausenden aufzutauchen. Manche von Ihnen waren vielversprechend, andere hingegen hoffnungslose Fälle. Die Akademie hielt zu Beginn jedes Schuljahres Aufnahmeprüfungen ab, um in einem vernichtenden Verfahren die Spreu vom Weizen zu trennen. Die Aufnahmeprüfungen waren verflucht schwer, oft sehr blutig, und niemand durfte sich über die Entscheidung beschweren – selbst dann nicht, wenn die Bewerber mit weniger Würde oder Gliedmaßen gingen, als sie gekommen waren. Die Heldenakademie glaubte nämlich, es sei besser, gleich zu Beginn herauszufinden, ob man leicht abzulenken oder schreckhaft war. Die Lehrer der Academie waren hart, aber gerecht … aber hart.

Die Falk-und-Fischer-Gedächtnisakademie lehrte Menschen kämpfen, wofür es sich zu kämpfen lohnte und wie man dabei am Leben blieb. Die Akademie bot Waffen-, Zauber-, Querdenker- und Miese-Tricks-Kurse an und entließ jedes Jahr einige hoch motivierte junge Leute, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollten. Zum Dank sandte besagte Welt jährlich Assassinen aus, um die gegenwärtigen Falks und Fischers und deren Angestellte zu ermorden und wenn möglich die ganze Academie niederzubrennen sowie die Erde rundherum mit Salz zu bestreuen.

Politik eben.

An einem Tag, der zunächst wie jeder andere zu sein schien, befanden sich Falk und Fischer auf ihrem Morgenspaziergang und schlenderten gemütlich über die große Freifläche, die die Akademie umgab. Sie bestand größtenteils aus trockenem, staubigen Boden, der mit gerade genug seltsam herausragenden Steinen versehen war, dass man die Augen offen und seine übrigen Sinne zusammenhalten musste. Hier und da standen graugrüne Sträucher. Dichter Wald reichte bis zum westlichen Horizont, während sich im Osten der Drachenrücken genannte Gebirgsgrat befand. Im Flachland gab es nicht viel zu sehen und noch weniger zu tun, was den Schülern unerhört half, sich zu konzentrieren.

An diesem Morgen war die Sonne kaum aufgegangen, der Himmel grau und bedeckt und der Wind so still, dass sogar das kleinste Geräusch ewig widerzuhallen schien. Falk und Fischer spazierten Seite an Seite; ihre Bewegungen waren dem jeweils anderen so vertraut, dass sie so gut wie synchron waren. Sie schienen einander ewig zu kennen und sich den Großteil dieser Zeit mit organisierter Gewalt befasst zu haben. Die beiden sahen aus, als würden sie zusammengehören und als würde sich das nie ändern.

Falk war ein kleiner, kräftiger Mann mittleren Alters mit breitem Gesicht, schütter werdendem grauen Haar und einer sich ausbreitenden kahlen Stelle, die immer mehr zu seinem wunden Punkt wurde. Er trug einen einfachen Soldatenharnisch zu einfachen Lederbeinlingen und groben Stiefeln. Seine kühlen, grauen Augen waren ruhig und machten ganz den Eindruck, als saugten sie jedes Detail in sich auf. Er hinkte leicht, als wolle er ein verletztes Bein schonen, doch da das Hinken sich gelegentlich ohne Vorwarnung von einem Bein auf das andere verlagerte, nahm dies niemand besonders ernst. Statt eines Schwerts trug er traditionsgemäß eine große Axt an der Seite. Falk musterte die Welt mit nachdenklichem, aufmerksamem Blick, um sich zu versichern, dass sie sich nicht auf ihn stürzen und ihn überraschen würde. Alles an seiner Art, sich zu bewegen, und seiner Haltung deutete darauf hin, dass er in seinem früheren Leben ein Soldat oder Söldner gewesen war, doch davon sprach er nie. Es war Brauch, dass alle Falks und Fischers ihre Vergangenheit sowie ihre eigentlichen Namen hinter sich ließen, wenn sie die Leitung der Heldenakademie übernahmen.

Fischer war ebenfalls mittleren Alters und war noch weniger enthusiastisch als ihr Mann. Sie war von kaum durchschnittlicher Größe und überdurchschnittlichem Gewicht, hatte kurzes, ergrautes Haar, einen herausragenden Zinken von Nase und ein flüchtiges, jedoch strahlendes Lächeln. Sie trug den gleichen einfachen Harnisch und die gleichen Beinlinge wie Falk. Ein Langschwert, in dessen Scheide Runen geschnitzt waren, war auf ihren Rücken gegürtet. Sie musterte die Welt mit ihren grimmigen grünen Augen, als wolle sie sie warnen, ihr bloß keinen Ärger zu machen. Ein potenzieller Schüler, der sich als Schwertmeister und mit einem Schwert in der Hand unbesiegbar gefühlt hatte, hatte Fischer einmal ins Gesicht gesagt, eine Frau gehöre ins Haus und besonders an den Herd. Fischer hatte sich beinahe totgelacht und dann ihr Schwert gezogen, ihn durch die halbe Eingangshalle und wieder zurück getrieben, ihm das Schwert aus der Hand geschlagen, ihm in die Nüsse getreten und einen Genickschlag verpasst, bevor er wieder auf dem Boden aufgekommen war. Dann hatte sie ihn rückwärts auf einen Esel geschnallt und heim geschickt.

Niemand legte sich mit Falk und Fischer an.

Hinter ihnen her stolperte der Verwalter und brummte ständig vor sich hin. Er war kein Morgenmensch, und es kümmerte ihn auch nicht, wer das wusste. Normalerweise hätte er zu so früher Stunde allein am Küchentisch gesessen, mit beiden Händen eine Tasse Glühwein umklammert, als sei sie das Einzige, das ihn aufrecht hielt, und jedem einen tödlichen Blick zugeworfen, der mit ihm zu sprechen versucht hätte. Es war aber der erste Tag des Herbstschuljahres, die Aufnahmeprüfungen würden am Mittag stattfinden, und Falk und Fischer hatten darauf bestanden, mit ihm unter vier Augen zu sprechen. Hier war er nun also; auf einem frühmorgendlichen Spaziergang, der zweifellos gut für ihn war, und doch hasste er jeden Augenblick. Am Himmel über ihm sangen Vögel fröhlich vor sich hin, und hin und wieder hob er erschöpft den Kopf, um sie voll schlichten, ungekünstelten Hasses anzublicken.

Falls der Verwalter je mit etwas so Alltäglichem wie einem echten Namen oder einer Vergangenheit gesegnet gewesen war, wusste niemand davon. Er war etwa vierzig Jahre zuvor als gewöhnlicher Schüler zur Akademie gekommen, hatte sich seinen Weg ins Personal ermogelt und erlogen und keine Zeit vergeudet, sich bei seiner nervtötenden, doch leider überaus notwendigen Verwaltungstätigkeit, die niemand sonst ausüben wollte, als unentbehrlich zu erweisen. Er musste nur mit Kündigung drohen, und schon sprach man ihm eine erhebliche Gehaltserhöhung zu und versicherte ihm, dass es niemanden kümmerte, wie sein echter Name lautete oder wo er herkam.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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