Eiskalte Fusion - Bodo Kroll - E-Book

Eiskalte Fusion E-Book

Bodo Kroll

4,8

Beschreibung

Ein gescheiterter Millionär, der im Hintergrund agierende Unbekannte und zwei konkurrierende Teams auf der Suche nach der Verwirklichung der Kernfusion. Auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg geht man gnadenlos über Leichen. Niemandem kann man trauen! Bodo Kroll schildert in seinem Krimi mit verschobenen Handlungs- und Zeitebenen und fundiertem Hintergrundwissen eine temporeiche Exkursion in die Untiefen der Wissenschaft.

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Seitenzahl: 405

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EISKALTE FUSION

Inhaltsverzeichnis
Cover
Eiskalte Fusion
Impressum
Worte zum Buch

© 2015 Amrûn Verlag Jürgen Eglseer, Traunstein

Covergestaltung: Christian Günther

Alle Rechte vorbehalten

ISBN – 978-3-944729-77-0

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amrunverlag.de

Das Meer war ungewöhnlich ruhig, wären nicht die winzigen Schaumkronen auf wie Schneeflöckchen tanzend auf den weit entfernten Bugwellen der vorbeifahrenden Schiffe gewesen, hätte es fast wie ein gigantischer Spiegel gewirkt. In der Ferne verschmolz es mit einem wolkenlosen Horizont. Unsichtbar begann dort irgendwo die Küste Schleswig-Holsteins, doch seine Augen waren schon lange nicht mehr gut genug, um das zu sehen. Eine feine Brise blies dem alten herzkranken Mann die jodhaltige Luft der Küste in die Nase, die er begierig einsog. Ja, obwohl er gebürtiger Binnenländer war, hatte er hier seine wahre Heimat gefunden.

Neunzig lange Jahre hatte er nun gelebt. Die Ärzte hatten ihm bereits vor zwei Jahren eindringlich darauf hingewiesen, seine Zeit sei aufgrund der akuten Herzmuskelschwäche abgelaufen. Jeder neue Tag sei bei seinem Gesundheitszustand ein echtes Wunder.

Der alte Mann lächelte. Die tiefen Furchen in seinem wettergegerbten Gesicht vertieften sich zu Schluchten, aus denen seine wachen Augen wie unergründliche Bergseen funkelten.

Eine innere Stimme sagte ihm heute Morgen, es sei nun soweit. Er fühlte eine seltsame Ruhe. Es ging nun zu Ende, warum auch nicht? Schließlich gehörte das Sterben zum Leben. Leider verdrängten die meisten Menschen diese Tatsache, doch er zählte mittlerweile nicht mehr dazu. Er hatte alles vorbereitet, die Weichen waren gestellt, selbst seinen Nachruf hatte er bereits verfasst. Schade, er durfte die weiteren Veränderungen der Zukunft nicht mehr erleben. Doch der alte Mann fühlte keine Trauer. Sein Leben war erfüllt, er hatte mehr erlebt, gelernt und gesehen als die meisten Menschen, und dies alles war ein Geschenk, denn es war nicht sein Leben, das er gelebt hatte.

Nur noch dunkel konnte er sich an sein eigenes erinnern. Wie lang war das nur her? Damals begann es ebenfalls am Meer …

***

Geblendet schloss Bertram für einen winzigen Moment die Augen. Der gerade niedergegangene Höllenblitz erhellte für einen Sekundenbruchteil das Wasser, das plötzlich wie ein wild schäumendes Monstrum aussah. Sturm peitschte ihm Sand und salzige Flüssigkeit ins Gesicht. Sein wattierter Winterparka blähte sich wie ein Surfsegel auf. Trotz der Gummibündchen gelang dem Wind, unter die Jacke zu fahren, um ihm die aufgestaute Körperwärme zu rauben.

Der einsame Spaziergänger versuchte mit den Armen seinen Parka an den Körper zu drücken. Direkt vor ihm klatschten die Wellen der Nordsee an die felsbewehrte Küste, um ihre Kraft in meterhohen Wasserfontänen abzubauen. Wieder schlug ein Schwall eiskalter Feuchtigkeit in Bertrams Gesicht. Eine neue Sturmböe riss an seinem Körper. Mit aller Kraft stemmte er die Füße in den Boden und lehnte sich gegen die Gewalt, die ganze Generationen von Segelschiffen hatte untergehen lassen. Sein untrainiertes Herz pochte wie ein überlasteter Schiffsdiesel in seiner Brust und gab ihm das Gefühl zu leben.

Ja, das war es, überlegte er genussvoll. Das war, was ihm in den letzten Jahren so gefehlt hatte. Mühsam setzte er einen Fuß von den anderen, bedacht nicht auf losgerissenes Gras oder Schwemmgut zu treten. Falls Bertram seinen festen Stand verlöre, würde ihn der Sturm Meter zurück werfen und er hatte keine Lust, für die Insulaner als verdreckte Lachnummer in seine Ferienpension zurückzukehren.

Sie hatten ihn für ein völlig verrücktes Landei gehalten, als er erklärte, er wolle in diesem Gewittersturm noch einmal am Strand spazieren gehen. Für sie war er einer der Gaga-Touristen, die das Gesetz der Küste nicht begreifen wollten: Alle Menschen hier haben sich nach dem Meer zu richten und nicht das Meer nach den Menschen. Bertram kannte diese Regel, doch es war ihm im Moment völlig egal.

Er wollte endlich wieder Leben spüren. Obwohl die Umgebung des Unwetters irreal erschien, fühlte er sich viel besser als all die vergangenen Jahre, in denen er als reicher Nichtstuer von einer Party zur nächsten tingelte. Damals, nachdem er durch eine unverhoffte Erbschaft zu neunzehn Millionen US-Dollar gekommen war, rissen sich alle möglichen Menschen um ihn. Völlig überfordert, als unerfahrener Studienanfänger, hatte er sich in den Strudel um Eitelkeiten, Drogen und windige Geldanlageberater ziehen lassen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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