Verlag: Fehnland-Verlag Kategorie: Abenteuer, Thriller, Horror Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2018

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Sicherung: Wasserzeichen

E-Book-Beschreibung Elektra - Theo Brohmer

Onno Frerichs, Briefträger in Ölbenfehn, macht auf seiner Posttour einen grauenvollen Fund. Er findet die 93jährige Hilde Meents tot unter der Dusche. Was er anfangs für einen Unfall hält, entpuppt sich als eiskalter Mord. Dieses Mal wird Onno nicht eher Ruhe geben, bis er den Täter gefunden hat. Denn noch immer nagt an ihm, dass man vor 30 Jahren den bestialischen Mord an seinem Freund nicht aufklären konnte. Zusammen mit seiner Schwester Anna, die gelegentlich Ahnungen hat und seinem Onkel ermitteln sie in dieser Mordsache. Ihr Gegner ist nicht nur der Täter selbst, sondern auch die Polizei …

Meinungen über das E-Book Elektra - Theo Brohmer

E-Book-Leseprobe Elektra - Theo Brohmer

Elektra

Onno Frerichs erster Fall

Kriminalroman

Theo Brohmer

Erstausgabe im Oktober 2018

Alle Rechte bei Verlag/Verleger

Copyright © 2018

Michael Kracht

-26817 Rhauderfehn

Dr.-Leewog-Str. 27

Coverdesign Tom Jay

Inhalt

Vorwort

Teil 1

Prolog

Onno Frerichs

Ende eines Tages

Die Jungen

Gretje

Feuchtes Grab

Des Teufels rotglühende Augen

Ausbruch

Aller Anfang

Das Ermittler-Team

Ein Mann Gottes

Anna gibt Antworten

Dirty Frerichs

Angelo Damasco

Espresso mit Hindernissen

Beste Kontakte

Dr. Simmons

Freies Geleit

Teil 2

Nachtwanderung

Ein frühes Ende

Beweissicherung

Raubtiere

Hamburg

Bonnie

Das Interview

Annäherung

Entdeckt!

Asche zu Asche

Alte Freunde

Investigative Ermittlungen

Schnüffler

Generalstab

Aurich

Flucht

Das Haus im Fehn

Sonntagsstuten

Montag, 19. Oktober 2015

Danksagung

Vorwort

Lie­be Le­se­rin, lie­be Le­ser, er­lau­ben Sie mir vo­rab noch ein paar Wor­te.

Seit sehr lan­ger Zeit bin ich ein Fan von Ste­phen King. Be­son­ders sei­ne Vor­wor­te ha­ben mich immer be­geis­tert.

Ich muss schmun­zeln, wenn ich da­ran zurück­den­ke, wie ich mit Mr So­kra­tes auf Tour war. Man sieht es den Men­schen meis­tens nicht an, was sie im Schil­de oder in ih­ren Taschen mit sich füh­ren. Ich trug an ei­nem Wo­che­nen­de im Juni 2018 So­kra­tes spa­zie­ren. Und ich bin heil­froh, dass man mir das nicht an­sah.

Es war schon eigen­ar­tig mit dem Schä­del im Ruck­sack durch den Wald zu wan­dern. Ich wür­de zum Tä­ter wer­den, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen dies zu­lie­ßen. Mein Ziel war es ein paar an­spre­chen­de Fotos für den Buch­um­schlag zu schie­ßen. Den To­ten­schä­del, den Sie auf dem Co­ver se­hen ist ein Kon­ter­fei von Mr So­kra­tes.

Plötz­lich ver­stand ich, wie sich ein Mör­der füh­len mag, der ei­nen Ab­le­ge­platz für die Lei­che sucht. Die stän­di­ge Angst vor Ent­de­ckung im Na­cken ist un­an­ge­nehm und stresst!

Ver­mut­lich wer­den aus die­sem Grund die meis­ten Lei­chen nachts ab­ge­legt. Ei­ne gu­te, aber auch gru­se­li­ge Zeit für Vor­ha­ben die­ser Art. Zwar hat man den Wald für sich. Doch mit schwe­rem Ge­päck ver­sinkt man doch leicht in der lo­cke­ren Laubs­treu. We­he man stol­pert …

Teil 1

Prolog

April 1985

An die­sem war­men und son­ni­gen Nach­mit­tag En­de April fühl­te sich das Le­ben wie ei­ne Ver­hei­ßung völ­li­ger Frei­heit an; denn die Os­ter­fe­rien waren ge­ra­de ein­mal ei­ne hal­be Stun­de alt.

Fünf Jun­gen und drei Mäd­chen im Al­ter von zwölf bis vier­zehn Jah­ren spiel­ten ihr Spiel: hi­de and go kill im Ro­ten Fehn. Doch De­ad Wood klang viel gru­se­li­ger. Sie schli­chen durch die ur­sprüng­li­che Moor­land­schaft, schlu­gen sich durch un­durch­dring­li­che Ve­ge­ta­tion und käm­pften alle ge­gen alle.

On­no Fre­richs war vor ein paar Ta­gen zwölf Jah­re alt ge­wor­den. Da­mit be­saß er heu­te end­lich das Pri­vi­leg, die Grup­pe an­zu­füh­ren. Das mach­te ihn ir­re stolz. Er peil­te den gro­ßen Moor­see an.

Wäh­rend er auf den Wald zu rann­te, zähl­te er im Stil­len. Die Re­geln ver­bo­ten ihm, sich um­zu­dre­hen oder nach den an­de­ren zu se­hen. Bei ei­nem Ver­stoß ris­kier­te er, als Stra­fe an den Mar­ter­pfahl ge­bun­den zu wer­den. Das war kein Ver­gnü­gen, wuss­te On­no aus leid­vol­ler Er­fah­rung. Ei­nen vol­len Tag lang war er jeg­li­cher Art Ge­tier schutz­los aus­ge­lie­fert ge­we­sen. Der Schweiß war ihm den Körper her­un­ter­ge­flos­sen. Sein Ge­sicht hat­te fürch­ter­lich ge­juckt. Doch mit ge­bun­de­nen Hän­den hat­te er sich nicht krat­zen und so­mit nicht er­leich­tern kön­nen. Oh­ne Was­ser und Es­sen hat­te er aus­ge­harrt und sich nichts sehn­li­cher als den Son­nen­un­ter­gang her­bei­ge­wünscht! Denn da­mit en­de­te sei­ne Mar­ter!

Er ver­scheuch­te die quä­len­de Er­in­ne­rung und kon­zen­trier­te sich aufs Zäh­len. Bis 250 muss­te ge­zählt wer­den.

On­no Fre­richs lief nach der ge­for­der­ten Min­dest­zahl an Schrit­ten weiter bis in die Schlucht hin­ein. Jetzt hieß es wach­sam sein, denn im Wald konn­te er je­der­zeit auf die Fein­de tref­fen.

Ge­duckt schlich er durch die Tal­soh­le und er­klomm auf der an­de­ren Sei­te den Berg bis zu ei­ner Grup­pe eng ste­hen­der Bu­chen.

Das Un­ter­holz bot hier schon aus­rei­chend Schutz. Die jun­gen Blät­ter der Bu­chen waren teils noch weich und mit zar­tem Flaum be­deckt.

Fre­richs moch­te es, den Nach­mit­tag mit sei­nen Freun­den im Wald zu ver­brin­gen. Mit sei­nem Taschen­mes­ser schnitt er ein hal­bes Dut­zend fri­scher Äs­te zu­recht, die er sich in den Gür­tel steck­te. Er woll­te eins wer­den mit dem Wald. Wenn es ihm ge­län­ge, mit sei­ner Um­ge­bung zu ver­schmel­zen, wür­de er als Sieger vom Platz zie­hen. Die Vögel im Ge­äst zwit­scher­ten nur für ihn.

Von Ferne hör­te Fre­richs Glo­cken­ge­läut. Er lausch­te – Drei Schlä­ge – drei Uhr. Ei­ne Wel­le der Glücks­elig­keit schwapp­te über ihn hin­weg. Noch drei Stun­den Frei­heit, ehe sie zum Abend­es­sen nach Hau­se muss­ten.

Das Läu­ten war eben ver­klun­gen, da ver­nahm er plötz­lich lei­se Schrit­te. Je­mand nä­her­te sich! Fre­richs duck­te sich tie­fer in die Laubs­treu. Aus wel­cher Rich­tung nä­her­te sich der Feind?

Er hob den Kopf, bis er die Schlucht über­bli­cken konn­te. Doch zu sei­ner Über­ra­schung war dort nie­mand. Woll­te ihn sein Geg­ner von der Flan­ke her an­grei­fen oder sich gar von hin­ten an ihn her­an­pir­schen?

Fok­ko, du Teufels­kerl! Das war nur ihm zu­zu­trauen. Kei­ner der An­de­ren war so kalt­schnäu­zig!

Wäh­rend er die Ge­gend im Au­ge be­hielt, tas­te­te er nach sei­ner Zwil­le und fin­ger­te ein neu­es Pro­jek­til aus dem Ma­ga­zin. Die­se hat­ten sie wie Bon­bons in Frisch­hal­te­fo­lie ein­ge­wi­ckelt. Wur­de ein Geg­ner von so ei­nem sol­chen Ge­schoss ge­trof­fen, platz­te die dün­ne Fo­lien­haut auf und der Lehm er­goss sich über die Klei­dung. Da­mit war der Ge­trof­fe­ne ge­kenn­zeich­net. An­schlie­ßend wur­de der Ab­schuss per Wal­kie-Tal­kie ge­mel­det.

Alle Ver­su­che zu er­grün­den, aus wel­cher Rich­tung man ihm auf­lau­er­te, schei­ter­ten. Als plötz­lich die Wald­vögel ver­stumm­ten und sich To­ten­stil­le auf den Wald her­ab­senk­te, kroch ihm blan­ke Angst in die Glie­der.

Die Schrit­te waren längst ver­klun­gen. Stra­te­gisch völ­lig ein­leuch­tend. Der Feind lau­er­te. Fre­richs nahm das Lehm­bäll­chen und die Zwil­le in ei­ne Hand und roll­te sich auf den Rü­cken. Er sah an­ge­strengt in die Baum­kro­nen hin­auf. In sei­ner un­mittel­ba­ren Nä­he war nichts zu ent­de­cken. Doch glaub­te er, links von sich ei­nen ro­ten Fle­cken aus dem Blatt­werk durch­schim­mern zu se­hen. Als sich die­ser auch noch be­weg­te, schwan­den alle Zwei­fel.

On­no roll­te sich zurück auf den Bauch und be­gann auf den ro­ten Fleck zu­zu­rob­ben. Die Lang­sam­keit, mit der er vor­wärts­kam, war schier zum Ver­zwei­feln, doch das muss­te er aus­hal­ten.

Als er end­lich in Schuss­wei­te her­an­ge­kom­men war – er hat­te die Zwil­le schon ge­laden und auf das Ziel an­ge­legt – er­kann­te er sei­nen Feh­ler. Die Ja­cke bausch­te sich zwar, aber es war nur der Wind, der das be­wirk­te. Es steck­te kein Mensch da­rin. Ei­nes der Mäd­chen, ver­mut­lich Freya oder Thea hat­te ih­re Ja­cke in den Baum ge­hängt. Sei­ne Schwes­ter An­na konn­te es nicht ge­we­sen sein, sie trug heu­te ei­ne grü­ne Ja­cke, wie er selbst.

Fre­richs fluch­te still vor sich hin. Am liebs­ten hät­te er sich selbst ei­nen Tritt ver­passt. Wenn be­kannt wür­de, dass er blind in die­se sim­ple Fal­le ge­tappt war, dann wä­re er für alle Zeit er­le­digt.

On­no Fre­richs, ein An­füh­rer? Machst du Wit­ze? Ist das der Fre­richs, den man mit dem Ja­cken­trick täu­schen kann? Der Ge­dan­ke war be­schä­mend!

Als am Stamm ne­ben ihm ein Lehm­bäll­chen zer­platz­te, wuss­te Fre­richs, dass er ent­deckt wor­den war. Der Schüt­ze muss­te rechts vor ihm im Un­ter­holz lie­gen. Ei­ne an­de­re Flug­bahn er­laub­te das Ge­län­de nicht. So schnell es eben ging, zog er sich rück­wärts krie­chend zurück. Er ver­mu­te­te den Schüt­zen auf dem Kamm. Im Grun­de gab es nur ei­ne Rich­tung für ihn: Nach oben, hin­auf in die Bäu­me. Fre­richs blick­te sich su­chend nach ei­nem Baum um, der güns­tig stand und zu er­klet­tern war.

Die Kie­fer zu sei­ner Lin­ken bot ein­deu­tig den be­sten Schutz. Doch das wuss­te auch sein Häs­cher. Der Baum konn­te ei­ne Zu­flucht, aber ge­nau­so gut auch ei­ne Fal­le be­deu­ten. Fre­richs ent­schied sich ge­gen den Baum. Statt­des­sen kroch er ein Stück weit in die Schlucht hin­un­ter und nä­her­te sich dem ver­meint­li­chen Schüt­zen von der Flan­ke her.

Er hat­te eben die An­hö­he auf der an­de­ren Sei­te er­klom­men, als er lei­se Schrit­te ne­ben sich ver­nahm. Es ge­lang ihm noch, sich auf den Rü­cken zu rol­len und ei­nen Schuss auf den Schat­ten ab­zu­feu­ern, als un­ver­mittelt ein lau­tes Kra­chen aus dem Wal­kie-Tal­kie drang.

In die Ka­ko­fo­nie aus Kna­cklau­ten und at­mo­sphä­ri­schem Rau­schen misch­ten sich as­thma­ti­sches Keu­chen und ein paar un­ver­ständ­li­che Wor­te. Dann er­klang ein graue­ner­re­gen­der Schrei. Kal­te Schau­er ran­nen ihm den Rü­cken run­ter. Fre­richs wuss­te in­stink­tiv, dass der Schrei von ei­nem sei­ner Freun­de stam­men muss­te.

Thea schien von den Er­eig­nis­sen völ­lig un­be­ein­druckt. Mit mit­leid­lo­sem Blick mus­ter­te sie Fre­richs. Sie lud ih­re Zwil­le, leg­te auf ihn an und schoss das Lehm­bäll­chen ab. Es traf sei­ne Brust, zer­platz­te und schon im näch­sten Augen­blick spür­te er wie ihm das Was­ser kalt am Bauch hin­ab­rann. Un­ge­lenk kam er auf die Bei­ne. Thea warf ihm ei­nen triump­hier­en­den Blick zu.

»Ich hab dich, On­no Fre­richs!« Sie lach­te ihm ins Ge­sicht.

»Hast du das nicht ge­hört?«, ent­geg­ne­te er zor­nig. »Es hat ei­nen von uns er­wischt! In echt!«

Wi­der­wil­lig ließ sie von ihm ab. Doch mit triump­hier­en­dem Ge­schrei mel­de­te sie der Grup­pe ih­ren Ab­schuss. Sie mach­te gro­ße Augen, als er ihr er­klär­te, dass die Jagd vor­über war.

»An alle!«, rief On­no auf­ge­regt. Das Sprech­ge­rät drück­te er sich dicht an den Mund.

Thea hielt ihn zurück. »Gib zu, dass ich dich er­wischt ha­be, ja?«

Fre­richs schüt­tel­te an­ge­wi­dert den Kopf über so viel Hoch­mut. Dann be­tä­tig­te er wie­der die Sprech­tas­te. »Okay, Leu­te, wer war das eben? Wer hat ge­schrien?« Nie­mand mel­de­te sich. Er wech­sel­te ei­nen Blick mit sei­ner Be­gleit­erin. Thea run­zel­te die Stirn. »Mel­det euch. Wir müs­sen uns sam­meln! Das Spiel ist un­ter­bro­chen. Ich wie­der­ho­le: Ti­me-out, bis wir wis­sen, was pas­siert ist!« Fre­richs ließ die Sprech­tas­te los, lausch­te auf das Rau­schen im Ge­rät.

Er sah zu Thea hin­über. Sie mach­te ein sau­res Ge­sicht. Of­fen­bar war sie an­de­rer Mei­nung.

Un­ver­mittelt er­klang das wü­ten­de Ge­schrei, das Fre­richs mit Mü­he sei­ner Schwes­ter An­na zu­ord­ne­te.

»Soll das ein Witz sein?« Sie war außer sich. »Ich ha­be so ein tol­les Ver­steck. Ihr fin­det mich nie­mals!«

»An­na!« On­no Fre­richs be­schwor sie. »Das Spiel ist erst ein­mal aus! Geh uns in Rich­tung To­te Ei­che ent­ge­gen, over and out!«

Er wuss­te, dass er hart blei­ben muss­te, so­gar bei sei­ner gro­ßen Schwes­ter. Er war heu­te der Spiel­lei­ter und sei­ne Freun­de hat­ten zu ge­hor­chen.

»Ro­ger. Ha­ben ver­stan­den!«, ant­wort­eten die Brü­der Ub­bo und Jib­be gleich­zei­tig. Gleich da­rauf mel­de­te sich auch Freya und ver­sprach un­ver­züg­lich los­zu­lau­fen. Fre­richs wech­sel­te mit Thea ei­nen Blick. »Jetzt feh­len noch Coob und Fok­ko«, kom­men­tier­te sie mit lei­ser un­si­che­rer Stim­me. On­no er­wi­der­te ein stum­mes Ni­cken.

Sein Mund war mit ei­nem Mal staub­tro­cken. Es fühl­te sich plötz­lich nicht mehr gut an, im Wald zu sein. Der Ort, der immer sei­ne Kat­he­dra­le ge­we­sen war. Sei­ne Oa­se, der Raum stil­ler An­dacht, und treu­er Rat­ge­ber für die schein­bar un­lös­ba­ren Pro­ble­me ei­nes Jun­gen. Wenn ihn et­was plag­te, ging Fre­richs in den Wald. Noch Jah­re spä­ter be­deu­te­te ein Wald­spa­zier­gang sei­ne Art der Stress­be­wäl­ti­gung. Nach zwei Stun­den allein mit sich im Wald war sein Kopf leer und die Lö­sung des Pro­blems lag auf dem sprich­wört­li­chen Silber­ta­blett.

Angst be­schlich ihn. Was ging hier vor? Er schluck­te schwer. »Fok­ko? Coob? Mel­det euch, so­fort!« In sei­ne Stim­me hat­te sich et­was Un­duld­sa­mes ge­mischt.

Wie­der folg­te nur sta­ti­sches Rau­schen. Die­se Un­ge­wiss­heit war nicht aus­zu­hal­ten. »Los, Leu­te! Das ist nicht wit­zig! Gebt mir ein Lebens­zeichen. Drückt die Sprech-Tas­te, wenn ihr nicht re­den könnt.

»Ah, On­no!«, rief ei­ne dunk­le Stim­me. »Du Blöd­mann, wie­so weckst du mich?«

Fok­ko! Ein Schwall der Er­leich­te­rung er­fass­te On­no »Komm zur To­ten Ei­che!«, be­fahl er barsch. »Lass dei­ne Spiel­chen und setz dei­nen Arsch in Be­we­gung.«

»Ro­ger. Bin auf dem Weg«, ant­wort­ete sein Freund oh­ne Mur­ren. Fok­ko schien plötz­lich ge­nau­so be­sorgt zu sein, wie er selbst.

»Es ist Coob!«, stell­te Thea mit ton­lo­ser Stim­me fest.

»Ja. Lass uns ei­nen Zahn zu­le­gen!« Im Lau­fen drück­te Fre­richs das Sprech­funk­ge­rät wie­der an den Mund. »Bit­te mel­den, Coob! Coob, hörst du mich? Drück die Sprech­tas­te, wenn du mich hörst!«

Fre­richs ließ das Funk­ge­rät sin­ken. Sein Freund mel­de­te sich nicht. Schweiß brach On­no aus allen Po­ren. Sein Herz klopf­te schmerz­haft in sei­ner Brust.

»Weiß je­mand von euch, wo­hin Coob ge­lau­fen ist? Heu­te gibt’s kei­ne Be­stra­fung!«

Der Rei­he nach mel­de­ten sie sich. Doch nie­mand hat­te et­was von Coob ge­se­hen oder ge­hört.

»Wir tref­fen uns an der To­ten Ei­che. Macht euch so­fort auf den Weg, over and out!«

Das Fehn teil­te sei­ne Be­sorg­nis um Coob. Das fröh­li­che Ge­zwit­scher der Vögel war ver­stummt, die Son­ne hin­ter Wol­ken ver­schwun­den. Die ein­zi­gen Lau­te stamm­ten von ihm selbst. On­no keuch­te, das Lau­fen streng­te an. Thea an sei­ner Sei­te schien das Lau­fen we­ni­ger aus­zu­ma­chen. Sie er­dul­de­te sein Tem­po stumm.

Plötz­lich gell­te ein wei­te­rer Schrei. Ob­wohl in die­sem Ge­räusch nichts Mensch­li­ches mit­schwang, wuss­te er so­fort, dass es nur von Coob stam­men konn­te, stam­men muss­te!

Gren­zen­lo­se Angst, Schmer­zen und Grau­en glaub­te Fre­richs her­aus­zu­hö­ren. Sein Körper rea­gier­te augen­bli­cklich und hef­tig: Die Haut pri­ckel­te, als sich die Här­chen auf sei­nen Ar­men auf­rich­te­ten. Der Laut schick­te Schau­er sei­nen Rü­cken he­rab.

Der Schreck sporn­te ihn zu noch hö­he­rer Ge­schwin­dig­keit an. Er ver­fiel in schnel­len Lauf­schritt. So gut es eben ging, setz­te er über Wur­zeln und Äs­te hin­weg. Die Schmer­zen von zahl­lo­sen Ver­let­zun­gen durch Zwei­ge oder Dor­nen­ge­büsch nahm er nicht wahr. Fre­richs hat­te nur noch Augen für die zwei Me­ter Weg vor sich. Immer weiter dem Ziel ent­ge­gen.

Erst ge­gen Abend, wenn die Hatz be­en­det und die Welt um ei­nen Schre­cken rei­cher sein wür­de, soll­te er das vol­le Aus­maß allen Schmer­zes spü­ren. In die­sem Augen­blick je­doch galt sei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit sei­nem Freund Coob.

Bil­der füll­ten sei­nen Kopf: Coob, der ver­wun­det an ei­nem Baum lehn­te. Coob, der sich das Bein hielt, das schre­cklich ver­dreht, von ihm ab­stand. Coob, der ein blut­ge­tränk­tes Taschen­tuch an die Stirn press­te, weil er ge­gen ei­nen Baum­stamm ge­lau­fen war.

Sei­ne Ge­dan­ken ka­men zum Still­stand, als wie­der at­mo­sphä­ri­sches Kra­chen und Wor­te durch den Wald hall­ten. Nie­mals zu­vor hat­te Coob ver­zwei­fel­ter ge­klun­gen. Nicht als sei­ne Schwes­ter El­fi vom Wal­nuss­baum fiel, weil ei­nes der Bret­ter des Baum­hau­ses morsch war. Sie brach sich da­mals das Schlüs­sel­bein. Nicht als sein Bo­nan­za-Fahr­rad aus­ein­an­der­brach, weil der Rah­men schlecht ver­schweißt war. Und nicht als sein Hund Rob­bie vor sei­nen Augen von ei­nem Last­zug über­rollt wur­de.

»Nein!« Ein lang ge­streck­ter Laut des Ent­set­zens. »Oh, Gott! NEIN, NEIN, NEIN!« Sei­ne Stim­me brach. Zum Schluss über­trug das Sprech­ge­rät noch ei­ni­ge Se­kun­den atem­lo­ses Keu­chen. Dann brach die Ver­bin­dung ab.

Er ist tot, schoss es Fre­richs durch den Kopf. Doch konn­te das sein? Viel wahr­schein­li­cher war, dass Coob das Wal­kie-Tal­kie fal­len­ge­las­sen hat­te. Im Ge­gen­satz zu ei­nem Tele­fon muss­te man die Sprech­tas­te ge­drückt hal­ten, woll­te man sen­den.

Fre­richs stürz­te un­ver­mittelt über et­was und krach­te der Län­ge nach hin. Müh­sam kam er wie­der auf die Bei­ne. Thea an sei­ner Sei­te, blick­te ihn mit schre­ckens­wei­ten Augen an. Auch in ih­ren Augen­win­keln schim­mer­te es feucht. Sie half ihm, wie­der auf die Bei­ne zu kom­men. An­schlie­ßend fass­te er Thea am Arm und zog sie mit sich. Bis zur To­ten Ei­che war es nicht mehr weit. Ge­mein­sam leg­ten sie den letz­ten hal­ben Kilo­me­ter zurück.

Aus der Ferne mach­te Fre­richs zwei bun­te Fle­cken an der To­ten Ei­che aus. Noch waren sie zu weit ent­fernt, um sie ein­deu­tig er­ken­nen zu kön­nen. Doch On­no glaub­te, sei­ne Schwes­ter An­na zu se­hen. Die Ge­stalt hob ge­ra­de in die­sem Augen­blick den Kopf und er wuss­te, dass er rich­tig ge­le­gen hat­te.

Der zwei­te Sche­men ent­pupp­te sich als Jib­be. Vor­nü­ber­ge­beugt, stütz­te er die Hän­de auf den Knien ab, um zu ver­schnau­fen. Fre­richs er­kann­te ihn an sei­nem Par­ka. Doch wo steck­te Ub­bo, Jib­bes Bru­der? Jib­be und er waren zu­sam­men un­ter­wegs ge­we­sen! Der Schreck über sei­nen Ver­bleib ver­puff­te schnell, als Ub­bo hin­ter ei­nem der grau­en Buch­ens­täm­me her­vor­trat. Er zog noch den Reiß­ver­schluss sei­ner Je­ans hoch. Ei­ne Hand zum Gruß er­ho­ben, fum­mel­te er mit der an­de­ren et­was aus sei­ner Ta­sche. Be­stimmt ei­nen Scho­ko­rie­gel, dach­te Fre­richs. Ub­bo konn­te in je­der Si­tua­tion es­sen.

Als Thea und er zu den an­de­ren stie­ßen, er­kann­te Fre­richs in den Ge­sicht­ern sei­ner Freun­de, den­sel­ben Schre­cken, der auch ihn er­füll­te. Et­was Grau­en­haf­tes war ge­sche­hen! Da­ran be­stand kein Zwei­fel. Kei­ner von ih­nen glaub­te an ei­nen üblen Scherz, den sich Coob er­laubt ha­ben könn­te. Das hier war echt!

»Feh­len noch Freya und Fok­ko«, stell­te er fest. »Freya! Kom­men. Wo steckst du?«, bell­te Fre­richs hei­ser ins Funk­ge­rät. Die Ant­wort kam zu sei­ner Über­ra­schung nicht über den Ät­her.

»Hier!«

Fre­richs wand­te sich um. »Schön dich zu se­hen«, ant­wort­ete er und mein­te es ge­nau­so. Sei­ner Mei­nung nach war sie das schöns­te Mäd­chen, von sei­ner Schwes­ter An­na ein­mal ab­ge­se­hen. Aber jetzt hat­te er nicht den Kopf da­für. Der Schre­cken über Co­obs Ver­schwin­den steck­te wie ein Sta­chel in sei­nem Fleisch.

»Hast du Fok­ko ge­se­hen?«

Freya schüt­tel­te den Kopf. »Nee. Der trö­delt be­stimmt wie­der. Aber vor­hin ha­be ich so ei­nen Ty­pen mit ei­nem ko­mi­schen Hut ge­se­hen. Und wisst ihr, was der da­bei hat­te?«

Die Freun­de schüt­tel­ten die Köp­fe. Kei­ner hat­te Lust auf ein Quiz. Freya ge­noss die Auf­merk­sam­keit, bis Fre­richs ihr mit ei­ner un­ge­dul­di­gen Ge­ste zu ver­ste­hen gab, dass sie mit der Spra­che her­aus­rü­cken sol­le.

»Der schlepp­te ei­ne die­ser weiß-blau­en Kühl­kis­ten mit sich he­rum. Ist doch selt­sam, oder? Was kann er da­mit ge­wollt ha­ben? Ich mei­ne, im Wald!«

»Na, ja«, misch­te sich Jib­be ein. »Bei ei­nem Pick­nick kann man die Ge­trän­ke da­rin trans­por­tie­ren, da­mit sie nicht warm wer­den. Viel­leicht war er auf dem Weg zum Moor­schlös­schen?«

Fre­richs hielt die Dis­kuss­ion um die omi­nö­se Kühl­kis­te für un­wich­tig. Er wid­me­te sich wie­der sei­nem Sprech­funk­ge­rät. Der Letz­te im Bun­de fehl­te noch. Sein be­ster Kum­pel, Fok­ko, glänz­te mal wie­der durch Ab­we­sen­heit.

»Fok­ko. Kom­men. Alle war­ten nur auf dich. Wo bleibst du, Mann?« Fre­richs lausch­te auf ei­ne Ant­wort. Doch sein Freund ent­täusch­te ihn zu­nächst. On­no ver­such­te es noch ein­mal. Statt ei­ner Ant­wort hör­te er wie­der nur Knis­tern und Kna­cken.

Doch dann drang die Stim­me Fok­kos aus dem Wal­kie-Tal­kie.

»Ich hab was ge­fun­den!«

Die Wor­te elek­tri­sier­ten On­no. »Wo bist du?«

Fok­ko klang un­ge­wohnt ernst. »Am Mar­ter­pfahl! Be­eilt euch. Ich ha­be Blut ge­fun­den!«

Die Freun­de setz­ten sich in Be­we­gung. Nie­mand sprach ein Wort. Das war auch nicht nö­tig. Sie dach­ten alle das­sel­be.

Der Mar­ter­pfahl be­stand aus dem ge­schwärz­ten Stamm ei­ner rie­sen­haf­ten Bir­ke. Ein Blitz hat­te sie vor lan­ger Zeit ge­spal­ten und in Brand ge­setzt.

Fok­ko stand nicht weit da­von ent­fernt und er­war­te­te sie schon un­ge­dul­dig. An ei­nem der knor­ri­gen Äs­te hing et­was. Auf den er­sten Blick glaub­te Fre­richs, ei­nen Teil ei­ner Fah­ne vor sich zu ha­ben. Doch bei ge­naue­rer Be­trach­tung ent­pupp­te es sich als ein Stück ei­nes T-Shirts, das zer­ris­sen und blut­ver­schmiert war.

Das ge­hört Coob! Ein Blick in die Ge­sich­ter sei­ner Freun­de ver­riet ihm, dass sie ganz Ähn­li­ches dach­ten. Alle stan­den wie an­ge­wach­sen da.

Sei­ne Schwes­ter An­na war die Er­ste, die zu sich kam. »Wir müs­sen ihn su­chen ge­hen. Be­stimmt ist es nicht so schlimm, wie es den An­schein hat.«

Sie nahm den Fet­zen vom Ast und hielt ihn un­schlüs­sig in der Hand. Mit ei­nem Mal ga­ben ih­re Knie nach. Sie tau­mel­te ge­gen den Mar­ter­pfahl, sank wie ei­ne Klei­der­pup­pe in sich zu­sam­men und blieb wie be­täubt sit­zen. So­fort war On­no an ih­rer Sei­te.

»An­na, was ist denn?« Er war be­sorgt. »Wie­so nimmst du auch den blu­ti­gen Stoff in die Hand? Das ist ekel­haft!«

Doch An­na über­rasch­te ihn. »Ich weiß, wo er hin ist. Wir ha­ben nicht viel Zeit. Er ist in der Sen­ke; da, wo der Re­gen die Wur­zeln un­ter­spült hat. Dort will er sich ver­ste­cken! Kommt, schnell!«

Und zur Ver­wun­de­rung aller war es so. In der Sen­ke fan­den sie Coob. Er hat­te noch ver­sucht, in die Höh­le zu krie­chen, muss­te da­bei aber ge­stellt wor­den sein. Er lag auf dem Rü­cken. Sei­ne viel ge­rühmt­en grü­nen Augen starr­ten bli­cklos zu den Wip­feln hin­auf. Doch alles Le­ben, alles was ih­ren Freund Coob aus­ge­macht hat­te, war ver­schwun­den. Sein Ge­sicht war zu ei­ner Frat­ze des Ent­set­zens er­starrt. Wel­che un­be­schreib­li­chen Gräu­el muss­te er mit­an­ge­se­hen, wel­chen Schre­cken er­lebt, wel­che Schmer­zen er­tra­gen ha­ben.

Noch lan­ge soll­te Fre­richs mit die­sem schre­ckli­chen An­blick aus sei­nen Alb­träu­men er­wachen. Co­obs Bauch­höh­le war auf­ge­schlitzt wor­den. Rings­um fand sich feucht glän­zen­des Blut und Ge­därm.

Spä­ter bei der Au­top­sie soll­te sich zei­gen, dass sein Herz, die Le­ber und bei­de Nie­ren fehl­ten.

Onno Frerichs

Diens­tag, 06. Ok­to­ber 2015

Die kri­ti­sche Mas­se der Sen­dun­gen an die­sem Tag war grö­ßer als Null. Für die­se Fests­tel­lung ge­nüg­te On­no Fre­richs ein Blick. Aus der schnee­wei­ßen Gleich­för­mig­keit ho­ben sich nur we­ni­ge Schmut­zig-graue ab. Uni­so­no Be­hör­den­post: Ar­beits­lo­sen­geld- und Steu­er­be­schei­de, lang­wei­li­ger Kram.

Nichts wo­für es sich zu ster­ben lohn­te. Alles­amt un­kri­tisch, denn Ein­kom­mens­mil­lio­nä­re gab es in Öl­ben­fehn kei­nen ein­zi­gen. Ar­beits­scheue je­de Men­ge und Ar­beits­lo­se auch, doch die waren in der Un­ter­zahl.

Ein ein­zi­ger Um­schlag stach aus der Mas­se her­vor. Die kräf­ti­ge Sig­nal­far­be, ein ex­tra­va­gan­tes Gelb, er­reg­te Auf­merk­sam­keit. Es han­del­te sich um ei­ne Zu­stel­lungs­ur­kun­de, de­ren Über­ga­be quit­tiert wer­den muss­te! Der blo­ße An­blick schick­te ei­nen Strom­stoß durch sei­nen Körper. Der Adre­na­lin­schub war stark ge­nug, sei­ne de­pres­si­ve Ge­müts­ver­fas­sung weg­zu­spü­len. An trü­ben Herbst­ta­gen wie heu­te ging sei­ne Stim­mung re­gel­mä­ßig in den Kel­ler.

Als Fre­richs den Na­men des Adres­sa­ten las, be­schleu­nig­te sich sein Puls. Im sel­ben Tem­po poch­ten die Schmerz­im­pul­se in sei­nem Hals und Na­cken.

Fre­richs ver­spür­te das drin­gen­de Be­dürf­nis nach ei­nem Shii­ta­ke-Bier oder in Er­man­ge­lung des­sen nach ei­nem Pilz-Ome­lett. Lei­der hat­te der Ar­beits­tag ge­ra­de erst be­gon­nen und so beg­nüg­te er sich mit ei­nem Brief­chen. Fre­richs fal­te­te das Stück Papier vor­sich­tig aus­ein­an­der. Zum Vor­schein kam ei­ne Kleinst­men­ge brau­nen Pul­vers. Rou­ti­niert leck­te er es auf.

Da­nach drück­te er die er­ste Ibu­pro­fen 600 des Tages aus dem Blis­ter. Er warf die Schmerz­ta­blet­te ein, zer­kau­te sie an­ge­wi­dert und schluck­te sie tro­cken her­un­ter. Aus schmerz­haf­ter Er­fah­rung wuss­te er, dass die Lin­de­rung in et­wa fünf­zehn Mi­nu­ten ein­set­zen und sei­ne üb­le Lau­ne hal­bie­ren wür­de. Die an­de­re Hälf­te wür­de er bis spä­tes­tens mit­tags Hin­nerk Ol­de­wur­tel auf die Schul­tern ge­laden ha­ben.

Die Aus­sicht heu­te vol­le Er­lö­sung zu fin­den, be­flü­gel­te Fre­richs. Ein bos­haf­tes Grin­sen mach­te sich auf sei­nem hohl­wan­gi­gen, wett­er­ge­gerb­ten Ge­sicht breit.

Fre­richs war kein miss­güns­ti­ger Mensch. Doch alle Re­geln waren außer Kraft ge­setzt, wenn es sich um Hin­nerk Ol­de­wur­tel han­del­te. Die bei­den Män­ner ver­band ei­ne lan­ge und tie­fe Feind­schaft. Ol­de­wur­tel war Schwarz­bren­ner. An sich hat­te Fre­richs nichts ge­gen Schwarz­ge­brann­ten. Er trank ger­ne und brann­te sich auch sei­nen ei­ge­nen Schnaps. Doch Ol­de­wur­tel muss­te er stop­pen. Der Mann stell­te ge­fähr­li­chen Stoff her.

Zwei Nach­barn waren an dem Fu­sel schon kre­piert.

Und heu­te wür­de er in of­fi­ziel­ler Mis­sion an Ol­de­wur­tel her­an­tre­ten müs­sen. Das gel­be Ku­vert wies Ol­de­wur­tel als Emp­fän­ger aus. Ol­de­wur­tel, sei­nes Zeichens Tru­cker war ein gu­ter Kon­su­ment, doch ein lau­si­ger Zah­ler. Un­ter Ga­ran­tie han­del­te es sich bei dem ge­richt­li­chen Schrei­ben um ei­nen Mahn­be­scheid.

Nichts ah­nend von der na­hen­den Ge­fahr, in der er schweb­te, blick­te Fre­richs zum Fir­ma­ment hin­auf. Er gab ei­nen Stoß­seuf­zer von sich.

Und als sei das nicht ge­nug, kam noch die­ser trü­be Tag hin­zu. Fre­richs stöhn­te ge­quält auf, denn die­ses Wet­ter reich­te ihm. Ein­zig die Aus­sicht auf ein küh­les Feie­ra­bend­bier oder ein hei­ßer Ge­würz­met lin­der­te sei­nen Är­ger.

Über ihm türm­ten sich graue Wol­ken­ber­ge. Dra­ma­ti­sches bahn­te sich an. Es sah ganz da­nach aus, als wol­le der Himmel heu­te noch sei­ne Schleu­sen öff­nen. Und lan­ge wür­de das Spek­ta­kel si­cher nicht mehr auf sich war­ten las­sen.

Dem Wett­er­be­richt hat­te er kei­nen Glau­ben ge­schenkt. Zu oft irr­ten sich für sei­nen Ge­schmack die Wett­er­frö­sche in letz­ter Zeit. Nun, für heu­te stan­den ih­re Chan­cen gut, dass sie mit ih­ren Un­ken­ru­fen Recht be­hal­ten könn­ten, dach­te er grim­mig.

Er zog sei­ne Ba­se­ball­kap­pe tie­fer in die Stirn und schlug den Kra­gen sei­ner dün­nen gelb-blau­en Ja­cke hoch. Är­ger wall­te in ihm auf, den er je­doch rasch nie­der­mach­te. Er dach­te an das Bier in sei­ner Ga­ra­ge und an ein gro­ßes Pilz-Ome­lett, das er heu­te Abend ver­til­gen wür­de.

Vor sei­nem geis­ti­gen Au­ge ent­stand das Bild ei­ner fri­schen Kis­te Je­ver im Däm­mer­licht sei­ner Ga­ra­ge. Sie stand dort in­mit­ten von Gar­ten­stüh­len, ei­nem halb ver­ro­ste­ten Grill und aller­hand Klei­nig­kei­ten, die ent­we­der noch auf ih­re Re­pa­ra­tur war­te­ten oder de­ren letz­te Be­stim­mung noch nicht ge­klärt war. Doch es war immer das­sel­be: Der pas­sen­de Mo­ment zur In­stands­et­zung woll­te sich ein­fach nicht er­ge­ben! Ir­gend­et­was kam halt immer da­zwi­schen! Wenn er mal Zeit und Mu­ße fand, er­eig­ne­te sich immer ir­gend­ei­ne Ka­ta­stro­phe und es war an ihm, die Kas­ta­nien aus dem Feu­er zu ho­len, meis­tens für ei­nen der Klook­schie­ter aus der Ge­mein­de­ver­wal­tung in Witt­mund.

Der heu­ti­ge Abend ver­sprach tol­len Fuß­ball. Das Er­ste über­trug die Be­geg­nung St. Pau­li ge­gen den HSV. Ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit, ein paar Fläsch­chen zu kip­pen, freu­te sich Fre­richs. Der Ge­dan­ke an ei­nen or­dent­li­chen Rausch be­flü­gel­te und hob sei­ne Lau­ne noch ein­mal um ein paar Grad.

On­no Fre­richs star­te­te sei­ne gel­be BMW C1. Das Ge­wicht der Sei­ten­taschen aus­ba­lan­cie­rend, lös­te er mit dem Fuß den Stän­der und gab Gas.

Trotz der frü­hen Tages­zeit und der Müh­sal, die ihm das Auf­ste­hen je­den Mor­gen be­rei­te­te, lieb­te er die­se Land­schaft. Er schau­te über die Stra­ße hin­weg. Sein Blick fing sich in tau­sen­den win­zi­gen Ref­le­xio­nen. Die Was­ser­ober­flä­che des Fehn­ka­nals glit­zer­te vol­ler Ma­gie und Schön­heit.

Rings­um war alles ru­hig. Fre­richs setz­te den Blin­ker rechts und lenk­te sei­ne Ma­schi­ne vom Post­hof auf das brei­te Band der Bun­des­stra­ße.

Wie aus dem Nichts war das Ge­schoss her­an­ge­kom­men. Es nä­her­te sich mit hals­bre­che­ri­schem Tem­po von links. Ge­nau auf ihn zu! Alle Ge­dan­ken zer­platz­ten wie Seifen­bla­sen.

Es war ihm schon fürch­ter­lich nah, ein Zu­sam­men­prall schien un­aus­weich­lich. Sei­ne eige­ne Ge­schwin­dig­keit war längst nicht hoch ge­nug, um ihn si­cher aus der Ge­fah­ren­zo­ne her­aus­zu­brin­gen.

Sei­ne rech­te Hand rea­gier­te im Bruch­teil ei­ner Se­kun­de. Ei­ne Dre­hung des Hand­ge­lenks und der Motor der Ma­schi­ne heul­te auf. Die C1 scheu­te, wie es ein Mus­tang tut, wenn er ei­ne Schlan­ge zu sei­nen Fü­ßen er­blickt. Ei­nen Augen­blick lang stand das Post­motor­rad wie ein­ge­fro­ren auf dem Hin­ter­rad.

Ein Blick seit­wärts. An­fangs ein ver­wisch­ter ru­bin­ro­ter Fleck. Nach und nach füg­ten sich die For­men zu ei­nem Gan­zen und Fre­richs er­kann­te den Fahr­zeug­typ. Es han­del­te sich um ei­nen SUV ed­ler Ab­stam­mung. Ein sel­te­nes Mo­dell aus dem Si­li­con Val­ley. Im Dorf hat­te be­stimmt noch nie­mand ei­nen sol­chen Schlit­ten ge­se­hen. Ge­schwei­ge denn ge­wusst, dass sie die Exis­tenz ih­rer ge­lieb­ten Smart­pho­nes ei­nem ge­nia­len Er­fin­der, glei­chen Namens ver­dank­ten.

Bei dem Fahr­zeug han­del­te es sich um ei­nen Tes­la, ein X-Mo­dell. Das Tü­cki­sche an die­sen Fahr­zeugen war ihr Sound. Es gab prak­tisch kei­nen, von dem Ab­roll­ge­räusch der Rei­fen auf dem As­phalt ein­mal ab­ge­se­hen, denn der Motor wur­de elek­trisch be­trie­ben.

Fre­richs er­schrak we­gen der Si­tua­tion und der Po­si­tion, in der er und sei­ne Ma­schi­ne sich be­fan­den. »Whee­lies« ver­mied er seit Lan­gem. Denn er war den Zwan­zi­gern längst ent­wach­sen, muss­te sich und den La­dies nichts mehr be­wei­sen. Bei dem An­blick des Vor­der­ra­des, das auf glei­cher Hö­he war, wie sein Kopf, wur­de ihm mul­mig zu­mu­te. So ge­schah, was ge­sche­hen muss­te: Er ver­lor das Gleich­ge­wicht und kipp­te mit sei­ner Ma­schi­ne auf die Sei­te.

Hart krach­te er auf den As­phalt. Sei­ne BMW be­grub ihn un­ter sich. Aus ei­nem Ref­lex her­aus, ver­such­te On­no, sich noch mit den Hän­den ab­zu­fan­gen. Doch das miss­lang gründ­lich. Er zog sich Ab­schür­fun­gen an der Hüf­te und den Hän­den zu.

Wenn er Hand­schu­he ge­tra­gen hät­te, wä­re er si­cher­lich mit we­ni­ger Ver­let­zun­gen da­von­ge­kom­men.

Dank des Adre­na­lins in sei­nem Körper nahm Fre­richs die Schmer­zen kaum wahr. Nur am Ran­de sei­nes Be­wusst­seins re­gis­trier­te er das ro­he Fleisch sei­ner Hand­bal­len.

Ein ner­ven­zer­fet­zen­des Jau­len zer­riss die Stil­le. Nie­mals zu­vor hat­te Fre­richs der­glei­chen ge­hört. Das Ge­räusch ent­stand, als die Brems­klöt­ze mit plötz­li­cher und un­er­war­te­ter Hef­tig­keit in die Ke­ra­mik-Brems­schei­ben bis­sen und so den Sport­wagen in ein Ge­schoss ver­wan­del­ten.

Der Tes­la voll­führ­te ein eigen­tüm­li­ches Bal­lett. Nach rechts und links swin­gend, tanz­te er über die Stra­ße. Da­bei mal­te er schwar­ze Schlan­gen­li­ni­en auf den As­phalt, die On­no an Mirò den­ken lie­ßen. Wie durch ein Wun­der ver­fehl­te der Wagen das Post-Motor­rad.

Fre­richs stemm­te sei­ne C1 hoch und kroch da­run­ter her­vor. Er robb­te zum Stra­ßen­rand, muss­te erst ein­mal ver­schnau­fen.

Sein Schmerz­zentrum feu­er­te wild. Den Hil­fe­schrei sand­te sein blan­kes Fleisch aus. Roll­splitt und Dreck hat­ten sich hin­ein­ge­fres­sen, lie­ßen es glü­hen. Doch nicht ein­mal die Hälf­te der Im­pul­se er­reich­te ihn. Gott Ibu sei Dank!

Fre­richs brüll­te wü­tend: »Di sall de Ku­ckuck ha­len!«

Der Tes­la ent­fern­te sich weiter und weiter. Nicht mehr lan­ge und er wür­de ver­schwin­den.

Ver­doomt noch mal! Fre­richs ver­fluch­te die Schwer­fäl­lig­keit sei­nes Körpers. He denkt wat lang­saam, mur­mel­te er vor sich hin.

Ge­fühlt moch­ten Mi­nu­ten ver­gan­gen sein. In Wahr­heit waren es si­cher­lich nur Bruch­tei­le von Se­kun­den. Müh­sam zog er sich in die Auf­rech­te. Ab­scheu­li­che Qua­len schüt­tel­ten sei­nen Körper. Doch Fre­richs hielt an sei­nem Plan fest. Er muss­te die Ver­fol­gung auf­neh­men! Auch wenn er ger­ne an­ders ent­schie­den hät­te. Die Stim­me in sei­nem Kopf ver­lang­te es.

Un­ge­lenk kam er auf die Fü­ße. Mit schlur­fen­den Schrit­ten be­weg­te er sich auf sei­ne Ma­schi­ne zu. Be­stimmt glich er ei­nem der Zom­bies, de­nen man in den Fil­men des Spät­pro­gramms manch­mal be­geg­ne­te, wenn man es nicht recht­zei­tig in die Fe­dern schaff­te. Gott­lob fehl­te es an Zeugen und so wür­de die­se film­rei­fe Sze­ne der Nach­welt nicht über­lie­fert wer­den. Nie­mals soll­te ihm frei­wil­lig ein Ster­bens­wört­chen die­ser Schmach über sei­ne Lip­pen kom­men, schwor er sich. Lie­ber wür­de er sich die Zun­ge ab­bei­ßen.

Es be­durf­te aller Wil­lens­an­stren­gung, die er zu mo­bi­li­sie­ren fä­hig war und drei Ver­su­chen, bis es ihm end­lich ge­lang, das Motor­rad auf­zu­rich­ten. Mit ka­put­ten Hän­den war das ein fürch­ter­lich schwie­ri­ges Un­ter­fan­gen – ein jä­her Vor­ge­schmack auf sein vor­ge­zo­ge­nes Grei­sen-Da­sein. Der Ge­dan­ke hat­te et­was Er­schüt­tern­des. Er war der Mei­nung, ei­ne weite­re Ibu ver­tra­gen zu kön­nen und ließ ei­ne Zwei­te fol­gen.

Dann hob Fre­richs den Stie­fel und trat den Star­ter durch. Zu sei­ner Über­ra­schung sprang der Motor so­fort an. Der ka­put­ten Plas­tik­ver­klei­dung schenk­te er kei­ne Be­ach­tung.

Er fuhr an ab­ge­ern­te­ten Fel­dern vor­bei, in Rich­tung des al­ten Dorf­kerns von Öl­ben­fehn. Grü­ßen­de Nach­barn nahm er ge­nau­so we­nig zur Kennt­nis, wie win­ken­de Schul­kin­der. Sei­ne Auf­merk­sam­keit galt dem Stück Ho­ri­zont in sei­nem Blick­feld.

Dort kleb­te ein ro­ter Fleck, der un­end­lich lang­sam an Grö­ße ge­wann. Das ließ sich doch be­schleu­ni­gen! Fre­richs leg­te ei­nen Schal­ter in sei­nem Cock­pit um. Augen­bli­cklich fla­cker­te das blaue Blink­licht.

Wind war auf­ge­kom­men. Die sturm­ge­peitsch­ten Bäu­me am Stra­ßen­rand über­lie­ßen ihm ihr letz­tes Laub. Ro­te und brau­ne Schwär­me wel­ken Blatt­schmucks trieb er vor sich her.

On­no Fre­richs fuhr un­beirrt hin­durch. Er dach­te gar nicht da­ran, sei­ne Ge­schwin­dig­keit zu ver­ring­ern, jetzt da der Tes­la end­lich an Grö­ße ge­wann. Die we­ni­gen Espen, de­ren Blät­ter noch hin­gen, knat­ter­ten im Wind, wie Fah­nen im Or­kan.

Kurz blieb sein Blick an Otto II hän­gen, der sich in der Ferne er­hob. So nann­ten die Ein­hei­mi­schen den gelb-rot ge­streif­ten Turm auf dem Feld von Bau­er Hein Han­sen. Ja­sper, der Sohn des Bau­ern war ein Vogel­narr. Mit­ten auf dem Feld hat­te Han­sen jr. sei­ne Vogel­war­te er­rich­tet. Im Ok­to­ber vor fünf Jah­ren kol­li­dier­te Han­sens Tre­cker mit dem Turm. Der Tag war so ne­be­lig ge­we­sen, dass man die Hand nicht vor Augen hat­te se­hen kön­nen. Das je­den­falls hat­te der Vater be­haup­tet. Ju­ni­or bau­te den Turm wie­der auf und ver­pass­te ihm die Sig­nal­far­ben, da­mit die­ser Un­fall sich nicht wie­der­hol­te. Das Pla­gi­at Otto II glich sei­nem Pen­dant in Pil­sum, wie ein Ei dem an­de­ren.

Fre­richs wand­te sich wie­der der Ver­fol­gung des Flüch­ti­gen zu. Das blaue Blink­licht an­zu­se­hen mach­te ihn glü­cklich. Er hat­te es selbst ein­ge­baut. In Mo­men­ten wie die­sen gab es nichts Bes­se­res. Ab­ge­se­hen von ei­ner Ma­schi­nen­pis­to­le, viel­leicht. Wirk­lich scha­de war, dass er kein Mar­tins­horn be­saß. Doch das hät­te zu viel Auf­merk­sam­keit er­regt. Außer­dem schickt sich das wirk­lich nicht. Er war Post­bo­te, kein Bul­le!

Auf den Fah­rer des X-Mo­dells mach­te es den er­hoff­ten Ein­druck. Lang­sam ver­ring­er­te der Wagen sein Tem­po.

Mit ei­ner gu­ten Por­tion Thea­tra­lik nä­her­te sich Fre­richs dem ste­hen­den Fahr­zeug. Das kann­te er aus ame­ri­ka­ni­schen Poli­zei­strei­fen: Be­tont läs­sig nä­hert sich ei­ner der Be­am­ten dem ver­däch­ti­gen Fahr­zeug, wäh­rend der zwei­te Po­li­zist beim Strei­fen­wagen bleibt und die Si­tua­tion mit er­ho­be­ner Dienst­waf­fe si­chert. Das er­höh­te die Dra­ma­tik.

Fre­richs Be­hä­big­keit war nicht der Co­ol­ness ge­schul­det, son­dern der Pein sei­nes ge­schun­de­nen Körpers. Je­der Schritt tat schlicht und ein­fach höl­lisch weh! Noch war die Ibu nicht an­ge­kom­men. Aber das konn­te nicht mehr all­zu lan­ge dau­ern.

Wie ger­ne hät­te er sei­ne Walt­her P99 aus dem Hol­ster ge­zo­gen. Doch lei­der be­saß er kei­ne. Sei­ne Dienst­stel­le hat­te ihn mit ei­nem Block vol­ler Be­nach­rich­ti­gungs­schei­ne und ei­nem Kugel­schrei­ber aus­ge­stat­tet. Doch wehr­los war er des­halb nicht! Blau­er Ziga­ret­ten­rauch weh­te aus dem of­fe­nen Fens­ter zu ihm her­über. Fre­richs ver­biss sich den Schmerz. Er sam­mel­te alle Kraft für das be­vor­ste­hen­de Ge­spräch mit dem flüch­ti­gen Fah­rer. In Mo­men­ten wie die­sen muss­te er sich oft ein La­chen ver­knei­fen. Heu­te war das un­nö­tig. Die Wut über sei­ne Ver­let­zun­gen und der Knacks in sei­nem Stolz ver­lie­hen sei­nem Ge­sicht die nö­ti­ge Ernst­haf­tig­keit. Kein Mus­kel zuck­te da­rin. Er trat ne­ben die Fahr­er­tür und blick­te in das In­ne­re des Sport­wagens.

Zu sei­ner Ver­wun­de­rung sah er in das Ge­sicht ei­ner Frau. Sie war allein und hielt den Blick starr auf die Stra­ße ge­rich­tet. Die Fin­ger ih­rer lin­ken Hand trom­mel­ten ner­vös auf das Lenk­rad. In der an­de­ren hielt sie ei­ne Zi­ga­ret­te. Die Fin­ger der Da­me beb­ten leicht. Da­mit ver­riet sie deut­lich ih­re Ge­müts­la­ge.

»Stel­len Sie bit­te den Motor ab und hän­di­gen Sie mir Füh­rer­schein und Fahr­zeug­papie­re aus!«, for­der­te Fre­richs mit müh­sam be­wahr­ter Sach­lich­keit. Ei­nen Augen­blick lang glaub­te er, dass sie das Gas­pe­dal durch­tre­ten und flüch­ten wür­de.

Doch sie über­rasch­te ihn. Sie war eben doch kei­ne Gangs­ter­braut, und Bon­nie und Cly­de funk­tio­nier­te bes­ser zu zweit. Ih­re lin­ke Hand hielt in der Be­we­gung in­ne. Dann fie­len ih­re Hän­de in den Schoss.

Sie lös­te den Si­cher­heits­gurt und lehn­te sich zum Hand­schuh­fach hin­über. Wort­los reich­te sie ihm die ge­wünsch­ten Papie­re durch das Fens­ter.

Der Füh­rer­schein kam im mo­der­nen Scheck­kar­ten­for­mat da­her, die Zu­las­sung steck­te in ei­nem leder­nen Mäpp­chen. Kro­ko-Leder oder Strauß. Wer konn­te das schon wis­sen? In je­dem Fall sah es un­ans­tän­dig teu­er aus und pass­te zu der Da­me. Ein fran­zö­si­scher oder ita­lie­ni­scher De­sig­ner viel­leicht.

Fre­richs nahm die Papie­re an sich und schlen­der­te nach vor­ne zur Motor­hau­be. Er bog den Fahr­zeug­schein aus­ein­an­der und hin­der­te das star­re Papier da­ran, sich wie­der zu­sam­men­zu­klap­pen. Das Papier mach­te nicht den Ein­druck, als wür­de es oft dem Mäpp­chen ent­nom­men. Al­lem An­schein nach wur­de die La­dy nicht häu­fig kon­trol­liert! Den Füh­rer­schein leg­te er ne­ben die Zu­las­sungs­papie­re. Dann fisch­te er sein Mo­bil­tele­fon aus der Bein­ta­sche sei­ner Car­go-Ho­se. Rasch mach­te er von den Aus­wei­spa­pie­ren ei­ne Se­rie Fotos.

Den Fa­mi­lien­na­men der fei­nen Da­me kann­te Fre­richs aus den Re­vol­ver­blät­tern. Er hat­te schon mal et­was über sie ge­le­sen. Die Frau stamm­te aus Ham­burg und hieß Eve­lyn Vel­bert. Wenn er dem Füh­rer­schein glaub­te, war sie acht­und­vier­zig Jah­re alt. Da­für hat­te sie noch ein sehr ap­pe­tit­li­ches und aus­ge­spro­chen an­sehn­li­ches Äu­ße­res. Be­stimmt schuf­te­te sie stun­den­lang im Fit­nesss­tu­dio mit ei­nem per­sön­li­chen Fit­ness­trai­ner. Be­stimmt half man ihr aber auch mit dem neu­en ›Aspi­rin zum Schnup­fen‹ oder Bo­tox? Wun­dern wür­de es ihn nicht. Ta­ten das nicht alle in der High So­cie­ty?

Der Na­me Vel­bert stand für gu­ten al­ten Ham­bur­ger Geld­adel, glaub­te Fre­richs zu wis­sen. Ge­mel­det war die fei­ne Da­me in Ham­burg am Har­ves­te­hu­der Weg. Außen­al­ster. Teu­res Pflas­ter. Si­cher­lich ei­ne Vil­la aus der Grün­der­zeit, in ei­nem Park ge­le­gen mit den Aus­ma­ßen von ei­nem Dut­zend Fuß­ball­fel­der, oder so.

»Wis­sen Sie, wel­che Geld­bu­ße für Fahr­er­flucht zu be­rap­pen ist? Nein? Aber mit un­ter­las­se­ner Hil­fe­leis­tung kön­nen sie be­stimmt et­was an­fan­gen, oder?«

Wäh­rend Fre­richs auf ei­ne Ant­wort war­te­te, sah er der Frau ins Ge­sicht. Sie ig­no­rier­te ihn, hielt den Blick weiter auf die Fahr­bahn ge­rich­tet. »Ha­ben sie mich nicht ver­stan­den?«, er­kun­dig­te er sich be­tont freund­lich.

Ein spöt­ti­sches Zu­cken in den Mund­win­keln ver­riet ih­re Ge­füh­le. Plötz­lich ruck­te ihr Kopf he­rum. »Na los, ver­pas­sen sie mir schon ein Ti­cket. Dann kann ich mei­ne Fahrt end­lich fort­set­zen!« Aus ih­rem Ton­fall spra­chen Ver­ach­tung, Spott und Hohn.

Fre­richs spür­te, wie ihm plötz­lich heiß wur­de in sei­ner dün­nen Ja­cke.

»Du bist neet weert, dat du an de Galg hängst!«, zisch­te Fre­richs vol­ler In­grimm. Die­se Frau war der In­beg­riff wohl­ha­ben­der Mists­tü­cke. Frau Vel­bert tat, als hö­re sie ihn nicht.

»Ha­ben sie Bar­geld da­bei?«

»Wie­so? Wol­len sie sich et­was lei­hen?«, ent­geg­ne­te sie amü­siert.

Ih­re Ant­wort ließ den Dampf­koch­topf in ihm bers­ten. »Aus­stei­gen!«, brüll­te er.

Die Frau über­hör­te sei­ne Auf­for­de­rung. Ein schie­fes Lä­cheln zier­te ih­re ma­kel­lo­sen Zü­ge.

»AUS­STEI­GEN!«, wie­der­hol­te Fre­richs don­nernd. Hit­ze brann­te auf sei­ner Haut, ver­wan­del­te ihn in ei­ne le­ben­di­ge Fa­ckel. Sein Ge­sicht muss­te knall­rot an­ge­lau­fen sein.

Sie schrak zu­sam­men, fin­ger­te ner­vös am Tür­öff­ner he­rum, be­kam die Tür schließ­lich auf und stieg mit zit­tern­den Bei­nen aus. Sie beb­te förm­lich.

»Jetzt noch mal. Wie­der­ho­len Sie bit­te, was Sie eben sag­ten. Der Wind hat so laut ge­heult, dass ich glau­be, Sie miss­ver­stan­den zu ha­ben!«, be­haup­te­te Fre­richs. Er lä­chel­te ihr auf­mun­ternd zu.

Be­schämt und ängst­lich schlug sie die Augen nie­der.

»Es tut mir leid«, ver­si­cher­te sie mit un­si­che­rer Stim­me. »Nen­nen Sie mir bit­te die Hö­he des Buß­gel­des. Ich zah­le je­den Preis!«

Für Papier­kram war Fre­richs nicht ge­schaf­fen. So hat­te es ge­schlag­ene fünf Mi­nu­ten ge­dau­ert, die ver­damm­te Quit­tung aus­zu­stel­len. Er war mit dem For­mu­lar nicht ver­traut, ob­wohl er es vor lan­ger Zeit ein­mal selbst mit Ex­cel an­ge­fer­tigt hat­te. Es kam ein­fach zu sel­ten vor, dass er Ver­kehrs­sün­der ver­war­nen muss­te! Viele Tou­ris­ten gab es in Öl­ben­fehn nicht.

Drei­hun­dert­fünf­zig Eu­ro spä­ter sah Fre­richs dem Tes­la hin­ter­her, bis die­ser hin­ter der Bis­marck-Al­lee aus sei­nem Blick­feld ent­schwand.

Sei­ne Knie zit­ter­ten min­des­tens eben­so stark, wie bei der han­sea­ti­schen La­dy eben. Äch­zend ließ er sich auf den As­phalt sin­ken. Er muss­te erst ein­mal ver­schnau­fen. Sein wun­des Fleisch schrie nicht mehr, es be­schwer­te sich flüs­ternd. Ob er woll­te oder nicht, er wür­de heu­te noch zu Doc Blee­ker müs­sen, dach­te er be­trübt. Ließ sich das noch in sei­nen prall ge­füll­ten Termin­ka­len­der quet­schen?

Mit den Un­ter­ar­men auf den Knien, die Hän­de in der Luft, saß er ei­ne ge­schlag­ene hal­be Stun­de ein­fach so da. Nie­mand kam des We­ges. Von ein paar Krä­hen und Doh­len ein­mal ab­ge­se­hen. Sie lie­ßen sich aus dem bleig­rau­en Himmel auf das Band der Bun­des­stra­ße fal­len, hüpf­ten he­rum und blick­ten in­te­res­siert zu ihm hin­über. Ei­nen solch lus­ti­gen Men­schen hat­ten sie schein­bar noch nie ge­se­hen. Fre­richs pfiff ih­nen ei­ne schrä­ge Me­lo­die zu, so wie er es manch­mal bei sei­nen Hüh­nern tat. Die Ra­ben­vögel rea­gier­ten ge­nau­so: Sie scher­ten sich nicht drum. Als sei­ne in­ne­re Un­ru­he wie­der zu ti­cken be­gann, er­hob er sich müh­sam.

»Die­se ver­mal­edei­te Schwer­kraft!«, schim­pfte er. »Run­ter geht es immer! Aber rauf? Nur mit Schweiß, Schmerz …« Ein wei­te­res pas­sen­des Wort für die­se Aus­zäh­lung woll­te ihm nicht ein­fal­len und so ließ er sei­nen Satz un­vol­len­det.

Los, auf die Fü­ße, Fre­richs!, trieb ihn sei­ne in­ne­re Stim­me zur Ei­le an. Du bist nicht auf Ur­laub hier! Er hat­te ei­nen Job zu er­le­di­gen. Und die Bür­ger von Öl­ben­fehn kann­ten ihn als ei­nen, der pünkt­lich lie­fer­te. Auch wenn es sich le­dig­lich um die Rek­la­me han­del­te.

Er wuch­te­te sei­nen Körper wie­der auf sei­ne Ma­schi­ne.

Be­hut­sam roll­te er vor­wärts. Schon von Wei­tem, er­kann­te er den Kirch­turm von St. Ja­ko­bus. Der gold­ene Wett­er­hahn an der Spit­ze des Gie­bels glänz­te matt.

Auf dem kies­be­streu­ten Park­platz stell­te er sei­ne C 1 un­ter den Lin­den ab, die wahr­schein­lich schon zu Zeiten der Wi­kin­ger da­ge­stan­den hat­ten. Fre­richs drück­te die Tür aus dunk­lem Holz auf und be­trat das Got­tes­haus.

Dump­fe Küh­le und der Ge­ruch nach Schim­mel und Mo­der weh­ten ihm ent­ge­gen. Im Däm­mer­licht mach­te Fre­richs die fünf­zehn Bank­rei­hen aus. Auf dem Al­tar brann­ten zwei Ker­zen. Ihr Schein ließ die gol­de­nen Ver­zie­run­gen der bi­bli­schen Mo­ti­ve leuch­ten. Den­noch er­füll­te Fre­richs leich­ter Gru­sel. Den Ge­räu­schen nach zu ur­tei­len, hielt sich min­des­tens ei­ne weite­re Per­son in der Kir­che auf.

Fre­richs tauch­te ei­ne Hand in das stein­er­ne Was­ser­be­cken und be­tupf­te sich die Stirn. Er war kein be­son­ders gläu­bi­ger Mensch. Wenn sei­ne Schwes­ter An­na nicht wä­re, wür­de er dem Got­tes­dienst re­gel­mä­ßig fern­blei­ben. Doch mit der Tra­di­tion des sonn­täg­li­chen Got­tes­diens­tes hat­te er sich ar­ran­giert. Für sei­ne Schwes­ter war die­se Stun­de fes­ter Be­stand­teil ih­res Lebens. Und weil auch On­no Fre­richs da­zu ge­hör­te, ver­mied er je­den Streit und be­glei­te­te sie ar­tig. Ihn er­reich­ten die from­men Sprü­che des Pfaf­fen nicht. Was er schätz­te, war die Or­gel­musik. Die hat­te es ihm rich­tig an­ge­tan.

Als Fre­richs das Bün­del Geld­schei­ne der rei­chen Han­sea­tin aus der Ta­sche zog, er­klan­gen zar­te Tö­ne ei­ner Toc­ca­ta. Im An­schlag er­kann­te sein ge­üb­tes Ohr die Or­ga­nis­tin Ed­da Beer. Das war leicht. St. Ja­ko­bus ver­füg­te nur über ei­ne ein­zi­ge Or­ga­nis­tin. Wenn sie krank war, fiel das Or­gel­spiel aus. So ein­fach lief das auf dem Lan­de. Ed­da Beer spiel­te ein Stück von Jan Pie­ter­zoon Swee­linck.

Ge­nau­so wie Fre­richs hat­te sie ei­ne Vor­lie­be für Swee­linck. Spiel­te sie die Toc­ca­ta et­wa um ihm ei­ne Freu­de zu be­rei­ten? War er ent­deckt wor­den? Ein hei­ßer Schreck durch­fuhr ihn.

Rasch schick­te er ei­nen Blick zum Bal­kon hin­auf. Doch die Or­ga­nis­tin saß stets mit dem Rü­cken zur Ge­mein­de. Von dort, wo er stand, konn­te er Ed­da nicht se­hen. Und sie ihn ge­nau­so we­nig.

Fre­richs be­ru­hig­te sich wie­der. Rasch ließ er sei­ne Beu­te in die Tie­fen des Klin­gel­beu­tels ver­schwin­den. Ei­ne klei­ne Wei­le lausch­te er noch den Tö­nen der Or­gel­musik. Dann stieß er sich von der Wand ab und ver­ließ auf lei­sen Soh­len das Got­tes­haus. Er trat wie­der in den trü­ben Herbst­tag hin­aus und schloss lei­se die Tür.

Wür­de Haan, der Pas­tor, am Sonn­tag die groß­zü­gi­ge Spen­de er­wäh­nen? Das blieb ab­zu­war­ten. Fre­richs freu­te sich schon ein we­nig auf den näch­sten Got­tes­dienst.

Ein Blick auf sei­ne Uhr zeig­te ihm, dass er gut ei­ne Drei­vier­tel­stun­de hin­ter sei­nem Zeit­plan zurück­lag. Das galt es nun auf­zu­ho­len. Er star­te­te sei­ne Ma­schi­ne und fuhr schnel­ler als er­laubt, um sei­ne Tour fort­zu­set­zen. Fre­richs hat­te we­nig Lust die ver­lo­re­ne Zeit an­zu­hän­gen. Das Spiel be­gann pünkt­lich.

Um Vier­tel nach acht woll­te er auf dem So­fa sit­zen. Ein an­de­rer Aus­klang des Abends kam für ihn nicht in Fra­ge.

Er war noch nicht lan­ge ge­fah­ren, da öff­ne­te der Himmel sei­ne Schleu­sen. Das feuch­te Bom­bar­de­ment be­gann mit ei­ni­gen fet­ten Trop­fen. Die­se netz­ten die Stra­ße und klatsch­ten auf das Dach sei­ner Ma­schi­ne. Das lieb­te er an sei­ner C1. Es war das ein­zi­ge Motor­rad mit ei­nem Dach und es ent­hob ihn der Not­wen­dig­keit den läs­ti­gen Helm zu tra­gen. Denn die­se un­ge­müt­li­chen Din­ger hass­te er wie die Pest.

Rasch bog er in die Ho­fein­fahrt von Fok­ko Willms ein. Ge­schickt um­run­de­te Fre­richs die Dre­ckkuh­len auf dem Hof, ließ das Wohn­haus links lie­gen und fuhr am ge­park­ten Fendt vor­bei. Das Tor der Ma­schi­nen­hal­le stand of­fen. Fre­richs nutz­te den Schwung aus, ließ das Motor­rad aus­rol­len und steu­er­te in das In­ne­re der Hal­le. Kei­ne Se­kun­de zu spät, wie sich her­aus­stell­te.

Als ha­be der Re­gen auf die­sen Mo­ment ge­war­tet, ging die Show los. Der Re­gen pras­sel­te auf den mit ro­tem Klin­ker ge­pflas­ter­ten Hof nie­der. Rasch bil­de­ten sich Pfüt­zen und oh­ren­be­täu­bend laut war es auch.

Fre­richs lang­te in die gel­be Ta­sche, fisch­te zwei Brie­fe her­aus und rief in die dunk­le Hal­le hin­ein. Denn um die­se Zeit hat­te Fok­ko nach Mei­nung sei­ner Frau, Freya im Haus nichts zu su­chen. Wes­halb er die Ma­schi­nen­hal­le dem Ritz vor­zog.

Fok­ko tauch­te hin­ter ei­nem Schlep­per auf. Er wisch­te sich die Hän­de an den Ho­sen­bei­nen ab. Mit brei­ten Schrit­ten wat­schel­te er in sei­nen grü­nen Gum­mi­stie­feln auf On­no zu.

Fre­richs hielt die bei­den Brief­um­schlä­ge auf­ge­fä­chert in der Hand.

»Al up steh?«, be­grüß­te Fre­richs sei­nen al­ten Freund Fok­ko. Auf Willms’ Ge­sicht brei­te­te sich ein Lä­cheln aus.

»Al god al!«, gab er zurück. Er sprach ge­dehnt, wie es in die­sem Land­strich üb­lich war.

»Schön di zu sehn«, füg­te er mit ei­nem ver­schmitz­ten Lä­cheln hin­zu. Als woll­te er ihm ein Ge­heim­nis ver­ra­ten, wink­te er ihn nä­her zu sich.

Fre­richs kam der Auf­for­de­rung ger­ne nach. Er konn­te sich den­ken, was Willms ihm zei­gen woll­te.

In der Hand hielt der Land­wirt ei­ne or­dent­li­che, aus drei Blatt Papier ge­dreh­te Zi­ga­ret­te. Die Glut maß gut ei­nen Zen­ti­me­ter im Durch­mes­ser. Zum Mund­stück hin ver­jüng­te sie sich ko­nisch, wie bei ei­ner Zi­gar­re.

Fre­richs lä­chel­te dank­bar bei ih­rem An­blick. Mit Ken­ner­mie­ne nahm er die Tü­te in die Hand, be­trach­te­te das Werk von allen Sei­ten. Dann nick­te er lo­bend.

»Mor­gens ein Jo­int und der Tag ist dein Freund. »Sieht gut aus, Fok­ko. Schmeckt er?« Er be­dach­te sei­nen Kum­pel mit ei­nem Blick. Die­ser nick­te auf­for­dernd, gab ihm da­mit zu ver­ste­hen, ei­ne Kost­pro­be zu neh­men. Fre­richs folg­te der Auf­for­de­rung und nahm ei­nen tie­fen Zug. Er be­hielt den Rauch für Se­kun­den in der Lun­ge und stieß ihn schließ­lich durch die Na­sen­lö­cher wie­der aus. Sei­ne Ge­sichts­zü­ge ent­spann­ten sich. Die Augen­li­der fie­len ihm zu. Als er sie wie­der öff­ne­te, war alle An­span­nung von ihm ab­ge­fal­len. So­gar die Schmer­zen in den Hand­bal­len waren fort.

»Ich brauch’ nich’ zu fra­gen, ob dir die neue Ern­te schmeckt, oder?«, er­kun­dig­te sich Fok­ko. Da­bei fie­len ihm die Ver­let­zun­gen sei­nes Freun­des auf. Er er­schrak. »Was is’ dir ’n pas­siert?«

»Bin dem Tod ge­ra­de noch ein­mal von der Schip­pe ge­sprun­gen!«

Fre­richs be­rich­te­te kurz, was sich zu­ge­tra­gen hat­te. Mit je­dem Zug ging es ihm bes­ser. Er schüt­tel­te breit grin­send den Kopf. »Das Kraut ist der Ham­mer!«

Das Lob tat Willms sicht­lich gut. Er reck­te die Brust und wirk­te plötz­lich grö­ßer.

»Fre­richs, das is’ die be­ste Ern­te, die ich je­mals hat­te. Die Qua­li­tät is’ echt der Ham­mer! Aber die Men­ge wird mich nicht durch den Win­ter brin­gen.« Sei­ne ro­ten Augen blick­ten trau­rig.

»Ein paar Pflan­zen muss­te ich wech’ tun. Die hat­ten wat, ei­nen Pilz oder so wat.«

»Mhm«, mach­te Fre­richs. »Wir las­sen uns was ein­fal­len. Viel­leicht krie­gen wir ei­ne neue Auf­zucht hin. Ich hab’ da schon ei­ne Idee. Wenn ich dei­ne Lam­pen brau­che, mel­de ich mich.« Er reich­te den Jo­int an Fok­ko zurück.

Mit spit­zen Fin­gern nahm sein Freund die Tü­te ent­ge­gen und sog kräf­tig da­ran. Der süß­li­che und eigen­tüm­li­che Duft er­füll­te die Hal­le. Die Bli­cke in die Un­end­lich­keit ge­rich­tet, sa­hen die Män­ner schwei­gend dem Re­gen bei der Ar­beit zu. Als die Ha­schisch­zi­ga­ret­te auf­ge­raucht war, hat­te auch der Re­gen nach­ge­las­sen und es war für Fre­richs wie­der Zeit die Tour fort­zu­set­zen.

»Dank ok!« Er tipp­te sich an die Schirm­müt­ze. »Ik mutt nu los.«

»Go­de Be­tern!«, ant­wort­ete Fok­ko mit ei­nem Ni­cken zu Fre­richs Hän­den.

Am Krei­sel ge­währ­te er ei­nem dun­kel­blau­en Mit­sub­is­hi ord­nungs­ge­mäß Vor­fahrt. Da­bei fie­len ihm fri­sche re­gen­bogen­far­be­ne Schlie­ren auf. Der Wagen ver­lor Öl! Um­welt­ver­schmut­zung hass­te Fre­richs noch mehr als Tou­ris­ten. Er be­schleu­nig­te und setz­te dem Wagen nach. Als er auf glei­cher Hö­he mit dem rück­sichts­lo­sen Auto­fah­rer war, be­deu­te­te er ihm an­zu­hal­ten und die Schei­be her­un­ter zu kur­beln. Was die­ser auch augen­bli­cklich tat.

»Ihr Wagen ver­liert Öl. Las­sen sie das so­fort re­pa­rie­ren!« Er sprach mit lau­ter und re­spekt­ein­flö­ßen­der Stim­me. Zu­frie­den blick­te Fre­richs in Augen in der Grö­ße von Fuß­bäl­len. Die äl­te­re Da­me hin­ter dem Steu­er er­bleich­te. Ihr Ge­sicht zeig­te plötz­lich je­nes Asch­fahl, das der Sen­sen­mann ab und an ver­teil­te.

Die­sem Be­fehl wür­de die al­te Vet­tel um­ge­hend Fol­ge leis­ten, wuss­te Fre­richs. Ge­nau das hat­te er er­rei­chen wol­len.

Die näch­ste Sta­tion auf sei­ner Tour hob sei­ne Lau­ne. Die Pein war aus­ge­schal­tet, dank Fok­kos Jo­int.

»Hin­nerk Ol­de­wur­tel, mein Be­such naht«, mur­mel­te Fre­richs bos­haft.

So­fort be­schleu­nig­te sich sein Herz­schlag. Wie lan­ge hat­te er das Tun die­ses Men­schen schon be­ob­ach­tet? Es muss­ten Jah­re sein! Hin­nerk Ol­de­wur­tel hat­te das In­ter­net und sei­ne Mög­lich­kei­ten für sich ent­deckt. Es ver­ging kei­ne Wo­che, dass kein Paket für Ol­de­wur­tel da­bei war. Aber sei­ne Zah­lungs­mo­ral war eben­falls le­gen­där, le­gen­där schlecht. Den Be­weis führ­te Fre­richs heu­te mit sich. Un­ter Ga­ran­tie ent­hielt der gel­be Um­schlag ei­nen Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss. Als Ab­sen­der trug das Schrei­ben das Amts­ge­richt Au­rich. Fre­richs park­te sei­ne Ma­schi­ne vor dem Haus mit der Num­mer 42 und öff­ne­te die Post­box. Er fisch­te den gel­ben Um­schlag her­aus und lenk­te sei­ne Schrit­te in Rich­tung des schma­len Stich­wegs.

Der ge­schot­ter­te Weg wies mehr Lö­cher auf, als der Mi­ni­golf­platz in Och­ter­fehn, wes­halb Fre­richs es vor­zog, die kur­ze Stre­cke zu Fuß zurück­zu­le­gen. Sein Blick blieb an ei­nem klei­nen Plas­tik­schild hän­gen. Es muss­te neu sein. Pri­vat­weg, ver­kün­de­te es groß­spu­rig. Als Fre­richs sich dem Haus bis auf zehn Me­tern ge­nä­hert hat­te, drang durch die ge­schloss­enen Fens­ter das har­te Wum­mern ei­nes Schlag­zeugs ge­paart mit dem schril­len Jau­len ei­ner elek­tri­schen Gi­tar­re.

»Ver­doomt noch mal!«, fluch­te Fre­richs zwi­schen den Zäh­nen her­vor. »Ik wull, dat du noch mal an de Galg ver­rot­ten dä­ätst!« Wie schön, sein Kun­de war da­heim!

Fre­richs leg­te sei­nen Fin­ger auf den Klin­gel­knopf und hielt ihn fünf Se­kun­den ge­drückt. Doch es tat sich nichts. Nie­mand er­schien, um zu öff­nen. Er ließ noch ein­mal fünf Se­kun­den ver­strei­chen, wäh­rend sein Fin­ger auf dem Knopf lag. Doch Ol­de­wur­tel kam nicht her­aus. Groß­ar­tig! Da die Zu­stel­lungs­ur­kun­de un­ter­schrie­ben wer­den muss­te, wür­de er mor­gen das Ver­gnü­gen noch ein­mal ha­ben, hier­her kom­men zu dür­fen. Was war er doch für ein Glücks­pilz! Er mach­te kehrt.

Plötz­lich stell­ten sich ihm die Na­cken­haa­re auf. Er hat­te das deut­li­che Ge­fühl, be­ob­ach­tet zu wer­den. Aber von sei­nem Kun­den war nichts zu se­hen. Als in sei­nem Rü­cken ein tie­fes Grol­len er­klang, wuss­te Fre­richs, dass er sich nicht ge­täuscht hat­te. Das Ge­räusch ver­ur­sach­te ihm ei­ne Gän­se­haut. Sie über­zog sei­nen gan­zen Rü­cken. Es han­del­te sich ein­deu­tig nicht um ein Wett­er­phä­no­men. Da­für klang es viel zu nah. Es muss­te von ei­nem Tier stam­men. Ei­nem gro­ßen Tier! Sehr wahr­schein­lich han­del­te es sich da­bei um ei­ne Hand­grana­te mit Fell­be­zug. Zwi­schen den Zeilen be­deu­te­te es: Sein Kun­de hat­te ge­ra­de kei­ne Zeit und bat da­rum, er mö­ge mor­gen wie­der­kom­men, wenn’s recht ist. Er tipp­te auf ei­nen Rott­wei­ler als Über­brin­ger der Nach­richt.

»Di sall de Ku­ckuck ha­len!«, zisch­te er und blieb wie an­ge­wur­zelt ste­hen. Vor­sich­tig lug­te er über sei­ne Schul­ter. Hin­ter ihm noch gu­te vier Me­ter ent­fernt mach­te er ei­nen Schat­ten aus. Der Atem der Krea­tur ging ras­selnd oder lag die Be­stie et­wa an ei­ner Ket­te? Lang­sam dreh­te sich Fre­richs um. Gleich­zei­tig wan­der­te sei­ne Hand zu sei­ner Bein­ta­sche hi­nab. Be­ste­chung ver­stieß nicht ge­gen sei­ne Prin­zi­pi­en. Doch wenn es ver­hin­der­te, dass er die Zäh­ne der Be­stie zu spü­ren be­kam, dann recht­fer­tig­te dies ein sol­ches Opfer.

Sein Job als Brief­zu­stel­ler ver­pflich­te­te ihn kei­nes­falls, die Brie­fe per­sön­lich zu­zu­stel­len. Wenn es ihm auf­grund von Ge­fahr für Leib und Le­ben nicht zu­zu­mu­ten war, konn­te der Kun­de ver­pflich­tet wer­den, die Post per­sön­lich an der Post­sta­tion ab­zu­ho­len. Die­se Op­tion konn­te Fre­richs noch zie­hen. Welch ein be­ru­hi­gen­des Ge­fühl! Doch jetzt, in die­ser Se­kun­de nutz­te ihm die Aus­sicht nicht das Ge­ring­ste.

Er muss­te sei­nen Aller­wert­es­ten aus der Ge­fah­ren­zo­ne her­aus­brin­gen. Und das hur­tig, woll­te er sein Stück im Gan­zen be­hal­ten. Be­stimmt wä­re je­mand un­tröst­lich, wenn es an­ders wä­re.

Ei­ne Hand­voll übel rie­chen­der Krin­gel fan­den sich in der Ta­sche. Zu­sam­men mit aller­lei Brö­sel und Fus­sel. Fre­richs be­för­der­te sei­ne Beu­te vor­sich­tig ans Tages­licht. Sein Blick wan­der­te zwi­schen der Hand­grana­te und sei­ner Hand hin und her. Wür­de ihm die Be­ste­chung mit die­ser lum­pi­gen Ga­be wirk­lich ge­lin­gen? Die Krin­gel sa­hen we­nig ver­lo­ckend aus! Wie wür­de der Floh­zirkus ent­schei­den, wenn er wäh­len müss­te zwi­schen ver­staub­tem Hun­de­müs­li und ei­ner saf­ti­gen Wa­de? Die Ant­wort fiel auch nach län­ge­rem Nach­sinnen nicht zu sei­ner Zu­frie­den­heit aus. De­xel noch to! Teu­fel auch!

Fre­richs schob die­se de­struk­ti­ven Ge­dan­ken has­tig bei­sei­te. Egal. Er muss­te es we­nigs­tens ver­su­chen! Schwarz­mal­erei nütz­te kei­nem.

Der Hund starr­te Fre­richs mit ge­bleck­ten Zäh­nen an. Die Lef­zen hoch­ge­zo­gen droh­te er, wie einst das Alien von 1979. Gei­fer spritz­te aus sei­nem Maul. Die Be­stie ver­füg­te über ein an­sehn­li­ches Ar­se­nal lan­ger wei­ßer Zäh­ne. Von der Ge­fahr ein­mal ab­ge­se­hen durch­aus ein net­ter An­blick, dach­te Fre­richs. Er ver­füg­te über ein gu­tes Au­ge für den be­son­de­ren Mo­ment.

Die Schnau­ze des Hun­des glänz­te feucht. Fre­richs schnalz­te mit der Zun­ge.

»Hal­lo Hund­chen! Ich ha­be Le­cker­lis für dich.«

Er sprach be­hut­sam auf das Tier ein. Die ol­len Din­ger auf der fla­chen Hand prä­sen­tie­rend, rühr­te er schmei­chelnd die Wer­be­trom­mel für die Hap­pen, die si­cher­lich schon die Wasch­ma­schi­ne von in­nen ge­se­hen hat­ten. Sprich schon mit der Ho­se ge­wa­schen wor­den waren.

Der Blick des Hun­des hef­te­te sich auf sei­ne Hand.

»Na, was denkst du? Se­hen die le­cker aus?« Der Kö­ter leck­te sich über sein Maul. War das ein gu­tes Zeichen?

Fre­richs warf ihm ei­nes nach dem an­de­ren zu. Der Blick des Hun­des folg­te der Flug­bahn der brau­nen Kuchen. Er schien ab­ge­lenkt. Schnüf­felnd nä­her­te er sich. Be­vor er auch nur ei­nen Ge­dan­ken da­ran ver­schwen­den konn­te, sie zu ver­schlin­gen oder da­von ab­zu­las­sen, er­klang un­ver­mittelt ein Ruf.

Fre­richs ver­stand das Ge­sag­te nicht. Ehe er ei­nen Blick zurück­wer­fen konn­te, sprang der Hund direkt auf ihn zu. Fre­richs wehr­te die Zäh­ne der Be­stie mit dem El­len­bogen ab. Es galt sein Ge­sicht und die Fin­ger zu schüt­zen. Des­halb ball­te er die Hän­de zu Fäus­ten.

Ei­nen zwei­ten An­griff muss­te Fre­richs ver­hin­dern. Er stell­te sich seit­wärts, da­mit sein Körper nur ei­ne ge­rin­ge An­griffs­flä­che bot. Das wirk­te auf Hun­de we­ni­ger be­droh­lich, da er so nicht so mas­sig er­schien. Wie dies auf die Be­stie von Hin­nerk Ol­de­wur­tel wir­ken moch­te, muss­te sich zei­gen.

Fre­richs ließ ei­ne Hand in ei­ner Bein­ta­sche ver­schwin­den. Er för­der­te ei­ne klei­ne Sprüh­do­se zu­ta­ge. Es han­del­te sich um ei­ne Ab­wehr­waf­fe ge­gen Hun­de, so je­den­falls ver­sprach es das Eti­kett. Er nahm die Do­se in die ei­ne Hand. In der zwei­ten hielt er ei­ne Hun­de­pfei­fe, die er sich rasch zwi­schen die Lip­pen steck­te, als der Hund auf ihn zu rann­te.

Fre­richs blies in die Pfei­fe. Das stopp­te den Hund. Das Tier blieb direkt vor ihm ste­hen. Es hob den Kopf und sah zu ihm hoch. Dann drück­te Fre­richs den Knopf der Sprüh­do­se. Das Ae­ro­sol ne­bel­te den Kopf des Tie­res ein.

Der Hund jaul­te er­bärm­lich und Fre­richs be­reu­te die­se Maß­nah­me so­fort. Der Hund konn­te nichts für sein Herr­chen! Das Tier wand­te sich rasch ab, leck­te sich über die Na­se und hat­te Fre­richs An­we­sen­heit al­lem An­schein nach ver­ges­sen. In die­sem Mo­ment lief Fre­richs zu sei­ner Ma­schi­ne zurück. Er star­te­te in Win­des­ei­le und brau­ste da­von.

Der näch­ste Hof auf sei­ner Tour ge­hör­te den Hart­wig-Les­ben. Sie ent­stamm­ten kei­ner der Fa­mi­lien aus Öl­ben­fehn, son­dern waren aus Ber­lin zu­ge­zo­gen. Fre­richs kann­te die Ge­rüch­te, wo­nach es drei Frau­en sein soll­ten. Doch be­geg­net war er nie mehr als ei­ner. Sie ver­lie­ßen nie ge­mein­sam das Haus. Denk­bar war aber auch, dass es in Wahr­heit nur ei­ne ein­zi­ge war. Viel­leicht ver­klei­de­te sie sich, weil sie in ei­nem Zeugen­schutz­pro­gramm leb­te? Wenn sie sich mal zeig­te, ge­schah das nie bei Tages­licht. Es gab Leu­te im Dorf, die sie für Vam­pi­re oder et­was ähn­lich Schrä­ges hiel­ten. Viel­leicht war da et­was dran? Viel­leicht auch nicht. Fre­richs in­te­res­sier­te sich nicht da­für. Sein Job war es, die Post aus­zu­tra­gen und das tat er.

In sei­ner Post­ta­sche fand sich ein Brief aus Ber­lin für ei­ne der Frau­en. Fre­richs lös­te den Si­cher­heits­gurt, bock­te sein Motor­rad auf und ging den kies­be­streu­ten Weg bis zu dem ge­duck­ten Ge­bäu­de hin. Die Ra­bat­ten links und rechts des Wegs waren or­dent­lich ge­harkt. Die Stau­den sau­ber ge­schnit­ten und mit Tan­nen­zwei­gen win­ter­fest ge­macht. Ei­ne der Kat­zen strich um sei­ne Bei­ne. Fre­richs mach­te sich nicht die Mü­he, sie zu strei­cheln. Er moch­te kei­ne Kat­zen. Die waren für Leu­te, die kei­nen Sinn in Er­zie­hung sa­hen. Denn er­zie­hen lie­ßen sich die Stuben­ti­ger nicht. Ihr We­sen ließ sich nie wirk­lich er­schlie­ßen. Ganz an­ders der Hund. Hun­de un­ter­war­fen sich dem Men­schen. Das war in Ord­nung. Das war be­rechen­bar.

Wie immer rühr­te sich nichts hin­ter den Fens­tern. Egal wie an­ge­strengt er die Gar­di­nen auch an­starr­te. Nie­mand in­te­res­sier­te sich für ihn. Nie­mand kam her­aus, um zu grü­ßen oder ein paar Wor­te zu wech­seln. Rasch warf er den Lie­bes­brief aus Ber­lin ein. Dann mach­te er sich aus dem Staub. Er ging zu sei­ner Ma­schi­ne zurück. Wenn er ehr­lich zu sich war, woll­te er mit den Weibern gar nichts zu tun ha­ben. Bes­ser man ver­kehr­te nicht mit ih­nen. Schließ­lich woll­te er nicht ins Ge­re­de kom­men.