Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart - Daniel Kasselmann - E-Book

Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart E-Book

Daniel Kasselmann

0,0
15,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Studienarbeit aus dem Jahr 2000 im Fachbereich Theaterwissenschaft, Tanz, Note: 1,3, Ruhr-Universität Bochum (Institut für Theaterwissenschaft in der Fakultät für Philologie), Sprache: Deutsch, Abstract: Ein Skandal ist eine öffentliche Auseinandersetzung, inder es teilweise auch polemisch hergeht und in dem es mindestens zwei Parteien gibt - den Auslöser und dessen Angreifer -, deren Meinung~n meist diametral entgegengesetzt an den verschiedenen Enden der Meinungsskala angelegt sind und die jeweils aufs Heftigste versuchen, die Öffentlichkeit von ihrer Version von Wahrheit zu überzeugen. Damit die Angreifer jedoch überhaupt den entschiedenen Handlungsbedarf bemessen, muß ihnen der Auslöser dafür schon einen derartigen meinungspolitischen Zündstoff in die Hand liefern, an dem sie sich unproblematisch entzünden und explodieren können, ohne dabei Gefahr zu laufen, allein mit ihrer Meinung dazustehen; kurz einem richtigen Skandalauslöser ist bereits die extreme Position inhärent; Mittelmaß vermag hingegen nicht, eine Öffentlichkeit derart vorausberechenbar und quasiautomatisch in zwei Lager zu spalten. Als Michel Houellebecqs zweiter Roman unter dem französischen Originaltitel "Les particules elementaires" 1998 im Pariser Verlag Flammarion, und ein Jahr später in der deutschen Übersetzung unter dem Titel "Elementarteilchen" beim Kölner DuMont Buchverlag, erschien, brauchten die Leser nicht lange nach den skandalträchtigen Elementen zu suchen; bereits alle Träger des genetischen Y-Chromosoms konnten sich heftigst auf den Schlips und vielmehr noch sonstwohin getreten fühlen, denn was in dem Satz: "aber seit Jahrhunderten erfüllten die Männer offensichtlich so gut wie gar keinen Zweck mehr" 1 eine Hauptfigur des Romans, Michel, reflexiv zusammenfaßt, wird am Lebenslauf der zweiten Hauptfigur Bruno dahingehend konkretisiert, daß Männer zur wahrer liebe gänzlich unfähige, in ihrem pathologischen Libidinal-Hedonismus untherapierbar gefangene, Perverse sind, die die sinnvolle Fortentwicklung des Menschen nur bremsen und - da es keinerlei rettende Ausnahmen unter ihnen gibt - deswegen abgeschafft werden müssen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2009

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhaltsverzeichnis
1. Der Individualismus der 68er als unreine Moral
4. Liebesunfähigkeit in Zeiten des medialen Konsumterrors
2. Die Figuren des Romans
3. Die Rolle des Chores

Page 1

Page 2

Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart

1. Einführung in Thema, Ziele und Aufbau dieser Arbeit

Ein Skandal ist eine öffentliche Auseinandersetzung, inder es teilweise auch polemisch hergeht und in dem es mindestens zwei Parteien gibtden Auslöser und dessen Angreifer -, derenMeinung~nmeist diametral entgegengesetzt an den verschiedenen Enden der Meinungsskala angelegt sind und die jeweils aufs Heftigste versuchen, die Öffentlichkeit von ihrer Version von Wahrheit zu überzeugen. Damit die Angreifer jedoch überhaupt den entschiedenen Handlungsbedarf bemessen, muß ihnen der Auslöser dafür schon einen derartigen meinungspolitischen Zündstoff in die Hand liefern, an dem sie sich unproblematisch entzünden und explodieren können, ohne dabei Gefahr zu laufen, allein mit ihrer Meinung dazustehen; kurz einem richtigen Skandalauslöser ist bereits die extreme Position inhärent; Mittelmaß vermag hingegen nicht, eine Öffentlichkeit derart vorausberechenbar und quasiautomatisch in zwei Lager zu spalten.

Als Michel Houellebecqs zweiter Roman unter dem französischen Originaltitel "Les particules elementaires" 1998 im Pariser Verlag Flammarion, und ein Jahr später in der deutschen Übersetzung unter dem Titel "Elementarteilchen" beim Kölner DuMont Buchverlag, erschien, brauchten die Leser nicht lange nach den skandalträchtigen Elementen zu suchen; bereits alle Träger des genetischen Y-Chromosoms konnten sich heftigst auf den Schlips und vielmehr noch sonstwohin getreten fühlen, denn was in dem Satz: "aber seit Jahrhunderten erfüllten die Männer offensichtlich so gut wie gar keinen Zweck mehr"1eine Hauptfigur des Romans, Michel, reflexiv zusammenfaßt, wird am Lebenslauf der zweiten Hauptfigur Bruno dahingehend konkretisiert, daß Männer zur wahrer liebe gänzlich unfähige, in ihrem pathologischen Libidinal-Hedonismus untherapierbar gefangene, Perverse sind, die die sinnvolle Fortentwicklung des Menschen nur bremsen und - da es keinerlei rettende Ausnahmen unter ihnen gibt - deswegen abgeschafft werden müssen. Derlei zynische Angriffe auf verschiedene Personengruppen finden sich mannigfaltige, so daß sich zugleich Chauvinisten, Feministinnen, Altachtundsechziger undvorallem Klon-Gegner düpiert fühlen durften' und de-

Page 3

Elementarteilchen - Chiffre unserer Gegenwart Konzepte für eine dramaturgische Adaptionmentsprechend vehement zum Angriff gegen den Autor bliesen. Den Anfang machte die Redaktion der Zeitschrift "Perpendiculaires", die nach einer Anhörung und Beratung einen Ausschluß über ihren Autor Houellebecq verhängte und damit das Startsignal für das mediale Turnierspektakel gab. Daß es sich hier nicht um einen reinen Marketinggag zur mediengerechten Plazierung von Autor und Werk im nationalen Feuilleton handelte, zeigte sich darin, daß auf die Aussch.luß-Aktion der Redaktion hin diese ihren bisherigen Verlag verlor, der nämlich dummerweise gleichzeitig der Herausgeber des geschaßten Redakteurs war, nun so seinerseits in aller Deutlichkeit Stellung nahm und sich schützend vor seinen Autor stellte. Später erhielt Houellebecq für "Elementarteilchen" den "Prix Novembre, der Schuldirektorenverband warnte dennoch offiziell und eindringlich vor dem Buch, das Nudistencamping "L'espace du Possible" strengte einen Prozeß an, in dem sie das Verbot des Romans lancierten, jedoch nur die Abänderung des Zeltplatznamens erreichten2 .Mit zunehmenden Opfern auf allen Seiten rückte das Objekt des Glaubenskonfliktes mehr und mehr ins Zentrum der medial informierten Öffentlichkeit.