Ella und das Festkonzert - Timo Parvela - E-Book + Hörbuch

Ella und das Festkonzert Hörbuch

Timo Parvela

4,9

Beschreibung

Der neue Direktor der Schule will, dass Ellas Klasse das Festkonzert zum Muttertag bestreitet. Auch wenn keines der Kinder viel mit Musik anfangen kann oder gar ein Instrument spielt. Aber da packt alle der Ehrgeiz. Sie werden es dem Direktor zeigen! Der Lehrer schreibt sogar extra eine kleine Oper. Nach Rotkäppchen. Mit drei Rotkäppchen, einem Blaukäppchen, einem Batman und auch sonst nur Hauptrollen, damit es keinen Streit mit den Eltern gibt. Während der Proben verschwindet dann auch noch der Taktstock des Lehrers, und die vielleicht liebenswerteste Schulklasse der Welt stürzt sich in das nächste Abenteuer. Das neue Ella-Buch – rasant, spannend und voll skurrilem Humor.

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Zeit:2 Std. 50 min

Sprecher:Friedhelm Ptok

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Über das Buch

Ein Festkonzert zum Muttertag, obwohl niemand in Ellas Klasse ein Instrument spielt? Da haben erst mal alle Bedenken. Aber dann packt sie doch der Ehrgeiz. Der Lehrer schreibt sogar extra eine kleine Oper für das Ereignis. Nach Rotkäppchen. Mit drei Rotkäppchen, einem Blaukäppchen, einem Batman und auch sonst nur Hauptrollen, damit es keinen Streit mit den Eltern gibt. Es wird ein unvergessliches Konzert – so viel ist sicher. Und es ist erst der Anfang eines neuen Abenteuers der wahrscheinlich liebenswertesten Schulklasse der Welt.

Timo Parvela

Ella und das Festkonzert

Aus dem Finnischen von Anu und Nina Stohner Mit Bildern von Sabine Wilharm

Carl Hanser Verlag

Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem TitelElla ja kadonnut karttakeppi bei Tammi in Helsinki.

Ella und das Festkonzert erscheint als Hörbuch bei Igel Records,

gelesen von Friedhelm Ptok.

ISBN 978-3-446-25437-4

© Text Timo Parvela 2012

© Carl Hanser Verlag München 2016

Alle Rechte vorbehalten

Aus dem Finnischen von Anu und Nina Stohner

Satz im Verlag

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele andere Informationen finden Sie unter www.hanser-literaturverlage.de .

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Datenkonvertierung E-Book: le-tex publishing services GmbH, www.le-tex.de

Inhaltsverzeichnis

Ich hab ein Auge auf dich!

Eine Familie mit Kultur

Wir haben ein Problem

Das ist dir doch nicht etwa zu viel?

O-ho mein Lie-hie-hiebster!

Und den Rest schaffen wir auch noch

Hier darf jeder sagen, was er will

Was soll denn in der Schule explodieren?

Niemand macht auch nur den kleinsten Mucks!

Und wir mussten ein bisschen lachen

Tja

Der Auftrag der Gefährten

Wie geht’s denn so?

Und mit dem Lehrer fangen wir an

Ist gekauft!

Der häufigste ist der Hecht

Ruhe bitte – wir arbeiten!

Pssst!

Keine Angst, wir verraten nichts!

Was wollen die denn damit?

Es gibt nur eine Erklärung dafür

Für jedes große Abenteuer braucht man eine Karte

Niemand schöpft Verdacht, wenn er ein Osterküken sieht

Wir zeigen’s ihnen!

Gehört das alles zum Programm?

Wo hab ich den nur gesehen?

Die Klassenreise

Da liegen wir bald auf der faulen Haut

Ich hab ein Auge auf dich!

Ich heiße Ella. Ich gehe immer noch in die zweite Klasse, aber nicht mehr lange. Nach den Zeugnissen und den Ferien kommen wir alle in die Dritte. Also wahrscheinlich. Ganz sicher ist es noch nicht. Letztes Mal hat es nicht geklappt, weil Pekka das Einmaleins nicht konnte und wir anderen ihn nicht allein in der Zweiten zurücklassen wollten. Darum sind wir alle zusammen sitzen geblieben. Und unser Lehrer auch.1

In letzter Zeit hat unser Lehrer viel Kummer, und schuld daran ist unser neuer Direktor. Er heißt Herr Schlot, aber wir nennen ihn alle nur den Schornstein. Unser Lehrer kann ihn nicht leiden, weil er selber gern Direktor wäre. Dann hätte er nämlich ein eigenes Büro, und draußen über der Tür gäbe es ein Ampellämpchen, das einem zeigt, ob man reinkommen oder warten oder wieder verschwinden soll, weil er nicht gestört werden will. So hat er’s uns mal erklärt.

Aber jetzt ist eben der Schornstein Direktor, und manchmal kommt er uns besuchen. Vor ein paar Wochen zum Beispiel. Da wollte er sich nach der großen Pause an mir vorbei in unser Klassenzimmer drängeln, aber ich ließ ihn nicht durch.

»Das geht nicht, Sie müssen warten!«, sagte ich zu ihm.

»Und wer sagt das?«, fragte er verblüfft.

»Ich. Weil ich das hier anhabe«, sagte ich und zeigte auf mein gelbes T-Shirt.

»Und was hab ich mit deinem T-Shirt zu tun?«, wunderte sich der Schornstein.

»Ein gelbes T-Shirt bedeutet Warten, ein grünes, dass man reinkommen darf, und ein rotes, dass wir nicht gestört werden wollen«, erklärte ich ihm geduldig.

Es war schon komisch, dass der Direktor unserer Schule noch nicht mal die einfachsten Verkehrsregeln konnte.

»Schluss mit dem Unfug, für so was hab ich keine Zeit!«, sagte er und wollte nach der Türklinke greifen.

Aber genau da ging die Tür auf, und unser Klassenrambo kam heraus, um mich abzulösen. Ich schlüpfte schnell ins Klassenzimmer und zog die Tür hinter mir zu. Der Schornstein und der Rambo blieben draußen. Das T-Shirt des Rambos war rot, genau wie das Gesicht des Schornsteins.

»Der Direktor steht draußen«, sagte ich zum Lehrer, der gerade einen Hasen an die Tafel malte.

»Das ist sein gutes Recht«, sagte der Lehrer und nickte. »Als Direktor darf er stehen, wo es ihm gefällt.«

»Er möchte gern herein«, erklärte ich es ein bisschen genauer.

»Auch das ist sein gutes Recht«, sagte der Lehrer und nickte wieder. »Außer jetzt gerade, wo wir nicht gestört werden wollen, aber das sieht er ja.«

Von draußen hörte man einen Schrei und die wütende Stimme des Schornsteins: »Au, verflixter Bengel! Wirst du wohl die Zähne von meinem Handgelenk lassen!«

»Er sieht es, und er spürt es«, sagte ich, und der Lehrer nickte zum dritten Mal. Dann malte er den Hasen fertig. Es wurde ein Spitzenhase.

»Der ist klasse«, lobte Hanna.

»Richtig lebendig sieht der aus«, fand Tiina.

»Ein Prachtexemplar«, sagte Timo.

»Fast so schön wie der Batman, den meine Mutter malt«, musste Mika zugeben.

»Und warum hat der Hase Hörner?«, fragte Pekka.

»Der Hase?«, wunderte sich der Lehrer. »Das ist eine Kuh.«

Unser Lehrer ist sehr nett und bestimmt der beste Lehrer der Welt, aber das Malen muss er noch üben. Dafür war jetzt nur keine Zeit, weil der Schornstein draußen immer wütender wurde. Er riss die Tür auf und kam ins Klassenzimmer gestürmt. Der Rambo hatte sich in sein Handgelenk verbissen und wurde mitgeschleift. Er knurrte, aber er ließ nicht los.

»Mach mir den sofort ab!«, jaulte der Schornstein unseren Lehrer an.

Der Lehrer brauchte nur »Grün!« zu rufen, und der Rambo ging brav auf seinen Platz. Dafür stand Tiina auf und ging hinaus auf den Flur. Sie hatte an dem Tag das grüne T-Shirt an.

»Das kommt davon, wenn man bei Rot nicht stehen bleibt«, sagte der Lehrer und drohte dem Schornstein mit dem Zeigefinger.

»Was ist das für ein Unsinn, kannst du mir das sagen?«, fragte der Schornstein und rieb sich das Handgelenk.

»Die meisten Kollegen nennen es Schule. Grundschule, genauer gesagt. Aber klar, manchmal können einem schon Zweifel am Sinn des Ganzen kommen«, flüsterte der Lehrer dem Schornstein zu.

»Papperlapapp! Wozu stehen deine Schüler in bunten Hemdchen auf dem Flur herum, und warum beißen sie Leute?«

»Leute? Soviel ich weiß, bist du der Erste, den sie gebissen haben«, wunderte sich der Lehrer.

»Jetzt werd bloß nicht spitzfindig!«, fauchte der Schornstein. »So etwas dulde ich an meiner Schule nicht. Von jetzt an gilt für schlechtes Benehmen: null Toleranz!«

Der Direktor stand ganz nah vor unserem Lehrer. Er ist lang und dünn, und jetzt gerade sah er aus, als könnte ihm jeden Moment Rauch aus den Ohren kommen. Er trug einen eleganten Anzug, ganz anders als unser Lehrer, der seine normale alte Jacke mit Babyspucke auf den Schultern anhatte. Jedenfalls nahmen wir an, dass die Spucke von dem Baby war, das er und seine Frau zu Hause haben. Seine Frau ist auch Lehrerin an unserer Schule, genauer gesagt, die Klassenlehrerin unserer Parallelklasse. Aber sie ist noch in der Babyzeit, und der Schornstein hat ihre Klasse solange übernommen.

»Selbstverständlich werde ich der mysteriösen Beißgeschichte nachgehen«, versprach der Lehrer. »Ich werde ein Einzelgespräch mit dem betreffenden Schüler führen und gleich im Anschluss das Thema ›Gewalt in der Schule‹ noch einmal im Unterricht vertiefen. Wir werden Leitsätze für ein friedliches Zusammenleben an unserer Schule aufstellen und uns alle gemeinsam darauf verpflichten.«

»Gut«, sagte der Schornstein.

»Bei unserer alten Direktorin hätte ich das Beißen nur verboten und den Schüler nachsitzen lassen, aber es liegt auf der Hand, dass neue Zeiten auch neue Erziehungsmethoden brauchen«, sagte der Lehrer ernst.

Der Schornstein schaute dem Lehrer fest in die Augen, aber der Lehrer hielt dem Blick stand. Ich hab’s ja schon erwähnt: Der Lehrer und der neue Direktor kommen nicht gut miteinander aus. Aber zum Glück sind Erwachsene alt genug, um ihre Konflikte friedlich auszutragen.

»Ich hab ein Auge auf dich!«, sagte der Schornstein und zeigte mit angewinkeltem Arm und zwei gespreizten Fingern auf den Lehrer.

»Gleichfalls«, sagte der Lehrer und formte mit Daumen und Zeigefinger ein Fernglas, das er auf den Schornstein richtete.

Wir fanden alle, dass es fast wie im Kino aussah: zwei Männer, die einander unversöhnlich gegenüberstanden.

»Und auf euch auch!«, sagte der Schornstein und richtete seinen finsteren Blick und die gespreizten Finger auf uns. »Ich hab auf euch alle ein Auge!«

Dann ging er aus der Tür.

Aber gleich darauf kam er wieder zurück.

»Bevor ich’s vergesse: An unserer Schule gibt es dieses Jahr ein Festkonzert zum Muttertag. Wir werden dazu alle Eltern einladen, und eure Klasse wird das Konzert übernehmen!«

»Ein Festkonzert zum Muttertag?«, fragte der Lehrer und ließ das Fingerfernglas sinken, durch das er die Rückkehr des Schornsteins beobachtet hatte. »Heißt das, wir sollen Musik machen?«

»Sonst wäre es ja wohl kein Konzert«, sagte der Schornstein und machte wieder das Zeichen mit den gespreizten Fingern. »Ich hab ein Auge auf euch!«

Der Lehrer schaute wieder durch das Fingerfernglas. Aber er richtete es nicht auf den Schornstein, der aus dem Klassenzimmer ging, sondern auf uns. Lange machte er das und ohne einen Mucks.

Dann sagte er endlich was. »Spielt hier irgendjemand ein Instrument?«, fragte er fast schüchtern.

Aber die Einzige, die sich meldete, war Tiina.

»Mein Opa hat eine Geige«, sagte sie.

»Ich hab’s gewusst«, seufzte der Lehrer.

Manchmal ist es fast ein bisschen unheimlich, was der Lehrer alles weiß, obwohl es ihm nie jemand erzählt hat. Dass Tiinas Opa eine Geige hat, wussten ja nicht mal wir. Unser Lehrer ist ein Hellseher, anders können wir uns das nicht erklären.

1 Wer genau wissen will, wie das war, kann es in »Ella und der Superstar« nachlesen.

Eine Familie mit Kultur

Wir fanden es irre spannend, dass wir bei einem richtigen Konzert und auch noch vor allen Eltern spielen sollten. Die würden staunen!

Das dachte der Lehrer anscheinend auch, er drückte es nur anders aus. »An dieses Konzert werden sie noch lange denken!«, prophezeite er.

Wir fanden es klasse, dass der Lehrer so großes Vertrauen in uns hatte, obwohl keiner von uns ein Instrument spielen konnte. Leider stellte sich auch noch heraus, dass die Geige von Tiinas Opa unten am Boden auseinandergebrochen war. Das machte aber nichts. Bis zum Muttertag waren es noch über zwei Wochen. Das reichte, um andere Instrumente spielen zu lernen.

Tiina wollte Harfe spielen.

Hanna wollte Pauke spielen.

Ich wollte Cello spielen.

Timo dachte über Neue Musik mit Computerklängen und Kuhglocken nach.

Mika musste erst noch seine Mutter anrufen und sie fragen, was er spielen wollte.

Und der Rambo drohte, dem ganzen Orchester den Marsch zu blasen, wenn ihn jemand zwingen wollte, ein Instrument zu spielen.

Nur Pekka legte schon los. Er trommelte wie wild auf seinen Tisch.

Unser Lehrer selbst spielt Akkordeon, und wir wussten, dass er mindestens zwei Stücke konnte. Das eine war das Lied von dem Pechvogel, dem immer die Ziegel auf den Kopf fallen, die er mit einem Flaschenzug aufs Hausdach ziehen will, und das andere war das Lied vom fliegenden Fischauflauf. Das Lied vom fliegenden Fischauflauf konnten wir alle auswendig, also hatten wir schon mal das erste Stück für das Konzert.

»Ich glaube nicht, dass ein Lied über einen fliegenden Auflauf gut zum Muttertag passt«, sagte die Frau des Lehrers, die extra mit ihm in die Schule gekommen war, um uns bei der Zusammenstellung des Programms für das Konzert zu helfen. Die Frau des Lehrers ist richtig klug und hat immer gute Ideen.

»Es ist nur leider das einzige Lied, das wir alle können«, sagte der Lehrer. »Außerdem finde ich schon, dass es zum Muttertag passt. Fischauflauf ist etwas zu essen, und fürs Essen sind schließlich die Mütter zuständig.«

»Aha?«, sagte die Frau des Lehrers mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Früher, meine ich«, sagte der Lehrer schnell. »Das Lied ist schon älter.«

»Und genau darum passt es nicht«, sagte seine Frau. »Warum spielst du nicht ›Muttertag ist heute, da sollst du dich freu’n‹ auf dem Akkordeon? Das ist ein Lied zum Mitsingen, und die Kinder könnten dich auf den Instrumenten aus dem Musikraum begleiten.«

»Aber darauf wartet er doch nur«, sagte der Lehrer so leise, dass wir es nicht hören sollten. Aber wir hörten es natürlich trotzdem.

»Wer wartet worauf?«, fragte seine Frau genauso leise.

»Unser neuer Direktor«, flüsterte der Lehrer. »Dass ich’s vermassle. Dass ich mit den Kindern irgendetwas Stinknormales einstudiere und alle Eltern sich beschweren, dass mir nichts Originelleres einfällt.«

»Übertreibst du da nicht ein bisschen und machst es dir unnötig schwer?«

»Überhaupt nicht. Aber weißt du was: Die werden sich alle wundern! Jawohl, das werden sie! Wir werden ihnen ein Spektakel bieten, dass ihnen Hören und Sehen vergeht!«

Der Lehrer hatte sich selbst Mut gemacht und war auf einmal wie ausgewechselt.

»Jetzt beruhige dich doch, Liebling!«, sagte seine Frau. »Du hörst dich ja an, als wolltest du gleich eine ganze Oper aufführen.«

Genau da kam draußen vor den Fenstern die Sonne hinter den Wolken hervor, und ihre Strahlen hüllten die Frau des Lehrers in goldglänzendes Licht. Es sah toll aus, bis der Lehrer die Jalousie am vorderen Fenster verstellte und der goldene Glanz verschwand.

»Ich wusste, dass dir das Richtige einfällt«, sagte der Lehrer, und da sahen wir’s: Der goldene Glanz lag jetzt in seinem Blick.

»Du meinst das Muttertagslied?«, fragte seine Frau.

»Nein, die Oper!«, rief der Lehrer aus.

»Aber das war doch nur ein Beispiel für etwas, was du mit deinen Zweitklässlern unmöglich schaffen kannst. Ich hätte genauso gut …«

Die Frau des Lehrers versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war. Der Lehrer hörte ihr überhaupt nicht zu.

»Die Oper ist von allen Künsten die edelste und höchste«, jubelte er. »Ich danke dir, Liebling, du hast uns gerettet!«

»Na dann«, sagte die Frau des Lehrers müde. »Freut mich, dass ich euch helfen konnte. Ich sollte sowieso längst wieder zu Hause sein …«